Neue Ausstellung über Spuk-Phänomene: Fotografien von Leif Geiges in Freiburg

Schlurfende Schritte auf dem Dachboden, ein Teppich wird zur Schlange, Brötchen fliegen wie Schwalben durch die Luft… Es spukt! Oder war alles nur Einbildung? Vielleicht Täuschung oder gar Betrug?

Phänomene, die gegen den gesunden Menschenverstand verstoßen, werden oft tabuisiert. Dennoch üben sie eine unwiderstehliche Faszination aus. In Freiburg werden sie seit den 1950er Jahren sogar wissenschaftlich dokumentiert und untersucht.

Der Fotograf und Bildjournalist Leif Geiges (1915 – 1990) arbeitete über viele Jahre mit dem Parapsychologen Professor Hans Bender (1907 – 1991) zusammen, der an der Freiburger Universität lehrte.

Außerdem illustrierte er weitere Forschungsfelder wie magische Praktiken, beispielsweise das Gläserrücken, und dokumentierte Experimente zur außersinnlichen Wahrnehmung im Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e. V.

Die Ausstellung präsentiert zum ersten Mal umfassend das Bildmaterial, das zu seiner Entstehungszeit auszugsweise in Magazinen erschien. Sie gibt einzigartige Einblicke in ein wissenschaftliches und gesellschaftliches Spannungsfeld der Nachkriegszeit.

Quelle und weitere Infos hier: https://www.freiburg.de/pb/,Lde/1666964.html


Faszination Halloween verdrängt Allerheiligen: Kürbis statt Kirche, Geister statt Gott

Von Peter Helmes

Nun stehen wir wieder kurz vor der Gespensternacht, vor Halloween. Und niemand scheint mehr zu wissen, wo die Wurzeln dieses Tages liegen. Aber auch wenn in diesem Jahr Corona einen großen Strich durch allzu offene Feiern macht, the Rummel goes on.

Ein kurzer Rückblick:

Eigentlich sollte es eine „stille Zeit sein“, die jetzt am Wochenende vor uns liegt. Wie der Name schon sagt, wird am 1. November „Allerheiligen“ der Heiligen  gedacht. Man denkt nicht nur an die (offiziell) Heiliggesprochenen, sondern auch an die Menschen, von deren Heiligkeit nur Gott weiß.

Allerheiligen gehört übrigens zu den Höhepunkten im katholischen Kirchenjahr – ebenso wie Weihnachten oder die Karwoche bis Ostersonntag, was wohl fast niemand mehr weiß.

Einen Tag nach Allerheiligen, am 2. November, findet der Allerseelen-Tag statt. An Allerseelen gedenkt man aller Verstorbenen und ihren Seelen.

Wie aus Allerheiligen und Allerseelen Halloween wurde

Nach einem altem katholischem Volksglauben, der besonders in Irland verbreitet ist, sollen am Abend vor Allerheiligen die Seelen der Verstorbenen ins Fegefeuer aufsteigen. Dort sollen sie für kurze Zeit verweilen, bis sie geläutert sind und in den Himmel aufsteigen können. Man spricht auch von „All Hallows‘ Eve“ – oder eben heute in der modernen Form von Halloween.

Diese traditionelle Vorstellung haben irische Auswanderer mit nach Amerika genommen – genauso wie die Tradition, daß Kinder an Allerseelen von Tür zu Tür gingen und um süße Kuchen oder Kekse gebeten haben.

Und damit sind wir beim heutigen „Halloween“.

Allerdings hat sich Halloween mit zahlreichen Partys und Verkleidungswettbewerben zu einem sehr kommerziellen und säkularen Rummel entwickelt – in diesem Jahr durch Corona wohl mit etwas „gebremsten Schaum“. Aber allein im letzten Jahr (2019) hat Halloween dem Einzelhandel 320 Mio. € Umsatz gebracht, und auch in diesem Jahr winken schreckverbreitende Masken und Umhänge aus nahezu jedem Schaufenster der Geschäfte!

Jedenfalls ist klar: Mit den ursprünglichen Wurzeln hat dieses „Fest“ heute nicht mehr viel gemeinsam.

An „Geister“ glaubten die Menschen zu allen Zeiten, auch heute. Sie werden „beschworen“ und ihnen werden Feste gefeiert. Das gilt für die „guten Geister“. Die bösen Geister werden „ausgetrieben“. Und manches „geistert“ herum, bei dem man nicht weiß, ob gut oder böse. Kurz, die Geister, die wir riefen, werden wir nicht los. Ist das alles „geistfrei“, sinnfrei oder gottlos? Das mag jeder für sich selbst beantworten. Ich bin kein Pastor.

Doch halt! Wir sprechen zwar vom „Geist Gottes“, ersetzen aber immer mehr religiöse Feste durch kommerzielle „Events“, die den kirchlichen Feiern den Rang ablaufen.

Die Kirche müsse „neue kreative Ideen finden“, forderte z. B. die Regionalbischöfin der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, Susanne Breit-Keßler, im Deutschlandfunk (30.10.2014). Und Ex-Bischöfin Käßmann jammert in ihrer Kolumne in der „Bild am Sonntag“ (26.10.2014), der Reformationstag werde immer mehr von Halloween überlagert.

Aber von der „Frohbotschaft des Herrn“ spricht niemand von ihnen mehr.

Da hatten die Kirchen wohl gedacht, mit eimerweise Weihwasser dem mittelalterlichen Spuk den Garaus gemacht zu haben, doch nun ziehen wir die Gespenster via Halloween wieder aus der Kiste. Albern – der Spuk wie auch die Reaktion der Kirchen!

Kinder und Jugendliche würden immer aufdringlicher, legte die bayerische Bischöfin nach. „Man wird quasi wie von Straßenräubern überfallen.“ Sie selbst lasse sich „ungern von der Industrie verladen“ und feiere auch nicht Valentins- und Muttertag.

So einfach ist das – jedenfalls nach dem Tunnelblick der Frau Bischof. Daß „der Kommerz“ lediglich den Gesetzen des Marktes folgt – nämlich Angebot und Nachfrage – scheint der frommen Frau kein Gedanke wert zu sein. Stattdessen meint sie: „Neue kreative Ideen entwickeln (…) und den Kindern vielleicht auch so ein paar Kekse zu schenken“. Ein Fest mit Spuk wie im Mittelalter sei rückwärtsgewandt.

Kein attraktives Angebot

Ja, verehrte Frau Landesbischöfin, wo hakt´s denn? Wenn die Kirche kein attraktives Angebot macht – oder ihr Angebot nicht erklären kann – schafft der Markt eine neue Nachfrage. Und die heißt seit einigen Jahren „Halloween“.

Eine zunehmend säkulare Gesellschaft schafft sich ihre Feiertage selbst, vor allem mit der Betonung auf Spaß, alles muß irgendwie lustig sein, Spaß machen, fröhlich sein. (…) Die Kirche müsse den existenziellen Bezug der religiösen Feste klarer machen. Dann kämen mehr Menschen in die Kirche“, meint die fromme Frau Bischöfin.

Was erleben denn die Menschen, wenn sie „in die Kirchen kommen“? Wo ist da noch von einem gelebten Geist Gottes die Rede? Regiert da nicht eher der Zeitgeist? Da wird nicht mehr gepredigt, wie schön Gottes Schöpfung ist. Da ist nicht mehr von Glück und Freude die Rede, schon gar nicht von Frohsinn. Da ist nicht von Liebe (auch zu sich selbst) die Rede, sondern von Selbsthaß – bei Protestanten fast zum Kult erhoben.

Da wird nicht gepredigt, da wird indoktriniert, da wird der Genderwahn zur Kultfigur, der Zeitgeist zum besseren Gott. „Die Welt ist schlecht und der Kapitalismus ist schuld daran.“

Keine Welt des Staunens

Diese „neue christliche Botschaft“ zieht sich durch die evangelische genauso wie durch die katholische Kirche. Der Feminismus hat sein neues Reich gefunden, ein sehr irdisches.

Wenn Papst Franz die Armut geradewegs zu einer Tugend überhöht, braucht er sich nicht zu wundern, daß kritische Menschen dies nicht als Bereicherung ihres Lebenssinnes empfinden. Sollen wir uns nicht mehr freuen (dürfen)?

Es werden keine Geschichten aus der Bibel vorgetragen, keine Gleichnisse mehr erzählt und erklärtwenn, dann sucht man nur jene Bibelstellen, die das politisch Unkorrekte, das Schlechte schlechthin an den Mann und an die Frau bringen können.

Das jedoch bindet keine Gläubigen, das fasziniert keine Kinder. Kinder suchen eine Welt des Staunens, des Lernens, des sich langsam Öffnens.

Für die christlichen Kirchen ist der Halloween-Spuk kein Spaß. Sie fürchten um ihre beiden Feiertage, den evangelischen Reformationstag und das katholische Hochfest Allerheiligen. Sind das Feste der Trauer oder der Freude?

Wir aber erleben heute allüberall den erhobenen Zeigefinger. Überall droht Ungemach, drohen Katastrophen aller Art. Ist die Eine nicht eingetreten, steht die Nächste schon bereit.

Die Apokalypse ist nur noch eine Frage der Zeit, verkünden sie – bei Corona gerade erst wieder mit „Wonne“ inszeniert. Wie soll da Freude aufkommen?

Wo ist der Anreiz dafür, in die Kirche zu gehen? Ist es nicht viel lustiger, in bunten Klamotten allerlei Schabernack zu treiben? Dank geschickter Marketingstrategien hat sich der vor allem in den USA populäre Brauch innerhalb weniger Jahre auch hierzulande etabliert. Kostüme, Masken und jede Menge Deko, ein gigantisches Geschäft für viele Branchen! Und auch die Kürbisbauern verdienen kräftig mit.

Der Reformationstag und andere christliche Feiertage sind ganz einfach zu kopflastig und zu indoktrinierend für die Menschen. Freudige Emotionen werden damit nicht geweckt.

Vielleicht haben Sie über die kommenden Tage etwas Zeit, innezuhalten und ein wenig nachzusinnen, ob uns nicht der Sinn nach (Lebens-)Freude abhandengekommen ist.

Unser Autor Peter Helmes ist Schriftsteller und politischer Publizist; er betreibt den liberal-konservativen Blog CONSERVO: https://conservo.wordpress.com


Schweiz: Ausstellung im Museum Nidwalden: „Spuk, Geister, Sagen, Gänsehaut“

Sonderausstellung vom 5. Mai bis 20. Oktober 2013

Die neue Sonderausstellung des Nidwaldner Museums nimmt sich einem schwer faßbaren Thema an  –  im wahrsten Sinn des Wortes: Es geht um Geister.

Die nebelhaften Gestalten sind auch in Zeiten von Aufklärung und Naturwissenschaften sehr präsent. Wir begegnen ihnen im Kino und in Buchhandlungen, in Spielwarenabteilungen, an der Chilbi und auf Stadtführungen  –  sie sind überall! Die Wesen aus der Zwischenwelt faszinieren uns, aber ernst nehmen wir sie nicht. Oder doch? L1022966

Laut Umfragen glaubt mehr als die Hälfte aller EU-Bürger an die Existenz von unsichtbaren Wesenheiten. Die meisten behalten das aber für sich. Wer nämlich an Geister glaubt, läuft Gefahr, belächelt zu werden und sich erklären zu müssen. 

Geisterglaube früher und heute

Die Ausstellung des Nidwaldner Museums befaßt sich sowohl mit den sogenannt echten wie auch mit den fiktiven Geistern und lotet die Grenzen aus zwischen beliebt und verpönt, zwischen wohligem Gruseln und echtem Grauen: Ein Blick in die Geschichte zeigt auf, welche Vorstellungen von Geistwesen unsere Vorfahren hatten und wie sie sich vor zwielichtigen Wesen zu schützen versuchten.

Der moderne Geisterglaube wird ebenfalls unter die Lupe genommen. Medien, Geisterjäger und Jenseitsforscher haben Geister zum Beruf gemacht, legen Beweise vor und berichten offen von ihren Erfahrungen. Zu Wort kommen aber auch Menschen, die erklären, wieso es schwierig ist, mehr wahrzunehmen als andere.

Sagen und Spuk

Von mehrheitlich unangenehmen Geistererfahrungen handelt das Kapitel Spuk: Betroffene hören Stimmen und Klopfgeräusche, werden von lichten Gestalten überrascht oder heimtückisch im Schlaf überfallen. Gibt es dafür eine Erklärung?

Während sich die Wissenschaftler uneins sind, weiß der Volksmund schon lange Bescheid: Die Nidwaldner Sagen erklären das Unerklärliche mit dem Wirken von Armen Seelen, dem Toggeli oder anderen jenseitigen Wesen. Über Jahrhunderte gesammelt, erfreuen sich Sagen noch heute großer Beliebtheit, werden als Hörbuch neu aufgelegt und an Geschichtenabenden zum Besten gegeben. Daß stimmt, was sie erzählen, glaubt eigentlich niemand mehr. So ganz ist allerdings nicht klar, wo die Realität aufhört und die Fiktion anfängt.

Die Ausstellung wurde vom Mühlerama Zürich konzipiert, vom Nidwaldner Museum leicht überarbeitet und um einen regionalen Teil ergänzt.

Hier gelangen Sie zum Filmbeitrag von art.tv:

http://www.art-tv.ch/10007-0-Salzmagazin-Spuk.htmlL1023786

Rahmenprogramm:
Samstag, 6. Juni, 16 Uhr: Sagen-Nachmittag 

Höfli, Alter Postplatz 3

Sonntag, 16. Juni, 16 Uhr: Öffentliche Führung 
Salzmagazin

Freitag, 18. Oktober, 19 Uhr: Podiumsdiskussion im Höfli, Alter Postplatz 3

Szenische Führungen mit den Nidwaldner Theaterkids:
11., 13. und 14. September, jeweils 18 und 20 Uhr
15. September, 18 Uhr

Ort der Ausstellung: Salzmagazin, Stansstaderstr. 23, CH-6370 Stans
Öffnungszeiten: Mi – Fr von 14 bis 17 Uhr und Sa + So von 11 bis 17 Uhr

Hier gelangen sie zum Flyer der Ausstellung.

Quelle für Text und Fotos: http://www.nidwaldner-museum.ch/dynamic/page_detail.asp?seiid=9&nwcid=172