Weihbischof Zekorn: Ehe und Zölibat bezeugen unsere Sehnsucht nach Vollendung

Dr. Stefan Zekorn (siehe Fotos) ist Weihbischof im Bistum Münster. Der folgende Bericht von Felizitas Küble über seinen Vortrag im Hansahof in Münster ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift THEOLOGISCHES erschienen: 

Seit über 20 Jahren besteht in Münster eine altrituelle Gottesdienstgemeinschaft, die in der Innenstadt-Kirche Sankt Aegidii die überlieferte Liturgie feiert. Am 10. Februar 2019 hielt Weihbischof Dr. Stefan Zekorn einen theologischen Vortrag über Ehe und Zölibat im Hansahof, der mit vielen Messbesuchern und weiteren Gästen vollbesetzt war.  

Dabei stellte der Redner den Auftrag beider Lebensformen, Gottes Gegenwart in dieser Welt zu bezeugen, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen und verwies auf eine Aussage von Papst Franziskus: „Jungfräulichkeit und Ehe sind verschiedene Formen zu lieben.“ – Nach Thomas von Aquin diene die Verschiedenheit der christlichen Lebensstände dem Reichtum der Kirche und die unter ihnen herrschende „wechselseitige Unterstützung“ sei Ausdruck ihrer gelebten Einheit.

Zur Ehe gehöre die natürliche Anziehung und Ergänzung von Mann und Frau nach der Schöpfungsordnung Gottes. Zugleich sei die Ehe unter Getauften als Sakrament noch weitaus bedeutsamer, denn in der gegenseitigen Liebe und Treue werde die Güte Gottes lebensnah erfahrbar, erklärte Dr. Zekorn: „Der Partner ist ein Ort der Begegnung mit Gott.“

So wie der Ewige den Menschen in der Heilsgeschichte immer wieder entgegenkommen sei, begegne nun der Erlöser der Menschen durch das Sakrament der Ehe den christlichen Eheleuten. So wie Christus seiner Kirche in allem Auf und Ab der Geschichte unbeirrbar die Treue halte, sollen sich auch die Eheleute ganz aufeinander verlassen können.

Die Verheirateten könnten, so der Weihbischof, besonders wirksam die „Konkretheit und Greifbarkeit“ der Liebe Gottes bezeugen. Durch diese sakramentale Wirklichkeit sei die Ehe zutiefst mit dem Heilswerk Christi verbunden. Gott selbst binde sich an menschliche Wirklichkeiten und führe so die Gläubigen über sich selbst hinaus in das Reich des Übernatürlichen und in ein unvergängliches Leben.

Schon in der frühen Christenheit sei die von der Kirche verkündete Ein-Ehe und ihre Unauflöslichkeit für viele Menschen – vor allem für Frauen  –  eine befreiende und beglückende Erfahrung inmitten sittlicher Verwilderung gewesen. Auch der gottgeweihte Zölibat und die christliche Jungfräulichkeit faszinierte als glaubensstarkes Zeugnis, zumal Jesus selbst ehelos lebte. In dieser Lebensform konnten sich Männer und Frauen „unbeschwert von familiärer Fürsorge“ (vgl. 1 Kor 7,32) ganz für das Gottesreich einsetzen.

Sowohl Ehe wie Jungfräulichkeit beinhalten ein jeweils eigenes Charisma, betonte der Weihbischof; in beiden Gnadengaben werde Gottes Erlösungstat erkennbar und wirksam. Bereits in der Antike habe diese zweifache Berufung sogar in der heidnischen Welt und ihrer zunehmenden Dekadenz bisweilen Staunen hervorgerufen,

Der Redner führte weiter aus, beide Lebensformen seien von der Sehnsucht nach Vollendung geprägt: Die Freude in der Ehe gebe einen „Vorgeschmack des himmlischen Hochzeitsmahles“ und helfe so den Gläubigen, ihre Lasten gemeinsam zu tragen.

Auch in der christlichen Enthaltsamkeit gehe es um eine hoffnungsfrohe Blickrichtung in die Ewigkeit. Nicht allein Mann und Frau, auch Ehe und Zölibat seien eine gottgewollte Ergänzung und Bereicherung, immer verbunden mit einem großherzigen Auftrag für ein Leben in Fülle.

Der Zölibat sei ein Ruf in die unmittelbare Nachfolge Jesu, ein ganzheitlicher Lebenseinsatz, der zugleich Verzicht und „Selbstentäußerung“ verlange. Deshalb dürfe er nicht zu einem besinnungslosen Aktivismus führen, sondern könne nur gelingen in einer starken Verbindung mit Christus, wobei Gott die erste Stelle im Leben einnehmen solle. Entscheidend sei eine fest verankerte Geborgenheit in Gott auch durch das Gebet und die Sakramente der Kirche.

Das gelte aber in ähnlicher Weise auch für Eheleute: Für sie sei es entlastend, wenn nicht alles Glück vom anderen Partner erwartet und verlangt werde, sondern beide in einer tiefen Offenheit für Gott leben. Gerade in schweren Zeiten der Ehe sei diese Grundhaltung für Verheiratete ein starker Pfeiler ihrer gegenseitigen Treue.

Nach dem Vortrag konnten die Zuhörer dem Weihbischof Fragen stellen oder eigene Ansichten vortragen. Dabei ging es um geistliche Themen von der Erbsünde bis zum Rosenkranz, um Missstände in der liturgischen Praxis und aktuelle Fragen wie etwa die Genderdebatte. Dr. Zekorn ermutigte dazu, sich keineswegs den herrschenden Zeitströmungen zu unterwerfen, denn nicht der Mainstream, sondern der Glaube schenke uns Orientierung und eine klare Sicht.

Auch heute führe Christus seine Kirche durch schwere Krisen hindurch wie bereits in früherer Zeit, die ebenfalls vielfach von schweren Erschütterungen geprägt gewesen sei. Unser Einsatz für den Glauben solle ohne Angst oder Verbissenheit, sondern mit einem festen Gottvertrauen geführt werden, denn die Verheißungen Christi seien für uns alle der Schlüssel zu einem frohen Christenleben.

Literatur-Hinweis: Weihbischof Stefan Zekorn veröffentlichte im Verlag Butzon und Bercker sein Buch „anders leben – mehr leben“ über die evangelischen Räte.


Münster: Überlieferte Messe auch an Festtagen

Von Felizitas Küble

In der Universitäts-Stadt Münster, der katholisch geprägten Metropole Westfalens, wird seit über 20 Jahren in der Kirche St. Aegidii die überlieferte Messe gefeiert – und zwar fast immer am Sonntag um 9,30 Uhr (meist auch an den Hochfesten) und zudem jede Woche freitags um 18 Uhr.

Lesungen, Evangelium und Predigt erfolgen auf deutsch, ebenso einige Lieder, die Gesamtliturgie findet in lateinischer Sprache statt. Die Gläubigen können in ihrem Schott-Meßbuch den ganzen Ablauf in deutsch mitverfolgen.

Die nach dem hl. Ägidius benannte Gotteshaus paßt in seiner Form und seiner farbenfrohen Ausgestaltung im Nazarenerstil sehr gut zur „alten Messe“.

BILD: Der Priester spendet den Blasiussegen mit zwei gekreuzten Kerzen in St. Aegidii

Im Laufe des Kirchenjahres gibt es neben den Hochfesten bzw. den „gebotenen“ Feiertagen auch manche kleineren Feste, die zwar das katholische Volk nicht zum Kirchgang verpflichten, die aber für viele Gläubige ein guter Anlaß zum Meßbesuch sind.

So gibt es auch in dieser Innenstadt-Kirche altrituelle Messen an solchen Feiertagen:

Am Aschermittwoch, dem 6. März, beginnt um 18 Uhr eine hl. Messe mit Aschenweihe und Aschenkreuz für die Gläubigen.

Am Dienstag  – 19. März – ist der Festtag des heiligen Joseph, Pflegevater Jesu und Gemahl der Gottesmutter. Der „Josefstag“ war früher in Teilen Deutschlands ein gesetzlicher Feiertag, leider wurde dies 1969 geändert. In St. Ägidii findet um 18 Uhr ein feierliches Hochamt zu Ehren des hl. Joseph statt.

Ebenfalls an einem Dienstag – dem 26. März – feiert die Kirche den Gedenktag des heiligen Ludgerus bzw. Liudger, des ersten Bischofs von Münster und eifrigen Missionars in Westfalen und Friesland. Auch am Ludgeri-Namenstag wird um 18 Uhr eine heilige Messe zelebriert.

Noch wichtiger ist der Tag davor, der 25. März, das Hochfest Annunziata, Verkündigung Mariens, als der Engel Gabriel ihr die Botschaft von der Menschwerdung Christi mitteilte. An diesem Montag beginnt die Messe ebenfalls um 18 Uhr.

 


Pontifikalamt im überlieferten Ritus mit Kurien-Erzbischof Pozzo in Billerbeck

Von Felizitas Küble

Am heutigen Samstag, den 6. Mai 2017, veranstaltete die Laienvereinigung „Pro Missa Tridentina“ (PMT) im westfälischen Billerbeck ihre Jahreshauptversammlung. Der Tag begann um 10 Uhr mit einem feierlichen Pontifikalamt (Bischofsmesse) in der traditionellen Liturgie mit lateinischer Sprache im eindrucksvollen gotischen Ludgerus-Dom von Billerbeck (westliches Münsterland).

Das prächtige Gotteshaus ist dem heiligen Ludgerus geweiht, dem Gründer von Münster und Germanen-Missionar im frühen Mittelalter, der in Billerbeck verstorben war.

FOTO: Einzug des römischen Erzbischofs Pozzo mit Priestern in den Dom

Der feierliche Gottesdienst wurde von Kurien-Erzbischof Guido Pozzo zelebriert. Er ist Sekretär der päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“, die sich mit den Anliegen rund um die überlieferte Liturgie (die außerordentliche Form des römische Ritus) befaßt. 

Der Würdenträger aus Rom würdigte die Schönheit des Ludgerus-Domes und erwähnte in seiner Predigt den Einsatz von Papst Benedikt für die überlieferte Meßfeier, vor allem durch sein Motu proprio, das die weitere Verbreitung der klassischen Liturgie erleichterte, die von besonderer Ehrfurcht und stiller Anteilnahme der Gläubigen geprägt ist.

Schon vor seiner Amtszeit als Papst hatte er – damals noch als Kardinal Ratzinger bzw. Präfekt der Glaubenskongregation – mehrfach die heilige Messe in der überlieferten Form zelebriert und ihre Vorzüge in mehreren Büchern aufgezeigt. 

Das Pontifikalamt wurde mit gregorianischen Gesängen und feierlichen Hymnen begleitet, die z.T. im Wechsel von Chor und Volk gesungen wurden.

Die Schola kam aus Münster; von dort waren auch zahlreiche Gläubige zu dieser Feier angereist; die meisten gehören zur altrituellen Personalgemeinde St. Ägidii in Münster, geleitet von Pater Dr. Johannes Chrysostomus Ripplinger OSB (siehe Foto: links neben Erzbischof Pozzo vor dem Dom).

Nach der hl. Messe trafen sich die meisten Teilnehmer in der „Domschenke“ zum Mittagessen und konnten sodann das idyllische Städtchen Billerbeck mit der weiteren Kirche St. Johannes besichtigen.

Nachmittags begann die eigentliche Jahresversammlung des PMT-Vereins. Der geplante Vortrag von Pater Bernward Deneke FSSP (Petrusbruderschaft) mußte entfallen, weil der Geistliche erkrankt war. An seiner Stelle referierte Pater Martin Reinecke über die historischen Ursprünge des römischen Meßritus. 

In frühchristlicher Zeit war die griechische Sprache auch in der römischen Welt weit verbreitet und eine Art Verkehrs- und Kultursprache. Auch das Neue Testament ist in griechisch abgefaßt (ebenso beim AT die Septuaginta-Übersetzung).

Die hl. Messe der ersten drei Jahrhunderten wurde entweder in griechisch oder in der jeweiligen regionalen Sprache gefeiert. So gab es zB. für die Christen aus Ägypten, die in Rom lebten, einen eigenen Ritus, ebenso für andere Völkerschaften. Es existierte also noch keine einheitliche Liturgiesprache.

Diese entstand erst mit dem Lateinischen, das sich ab der Mitte des 4. Jahrhunderts im Abendland durchsetzte, aber auch in Nordafrika gesprochen wurde. In gewisser Weise ist Nordafrika der eigentliche Mutterboden des lateinischen Christentums, wie Pater Reineke weiter ausführte. So wurde die Sprache der Römer allmählich die universale Sprache der Kirche, aber auch der Gelehrten, Philosophen, vieler Ärzte, Wissenschaftler usw.

Der überlieferte römische Ritus wurde von verschiedenen liturgischen Ursprüngen und Bestandteilen geprägt, auch von griechischen – er entstand aber vor allem aus der stadtrömischen Liturgie und wurde vom hl. Gregor dem Großen (6. Jahrh.) weiterentwickelt. Dieser Pontifex verfaßte ein Meßbuch für das ganze Kirchenjahr, besonders für die päpstlichen Gottesdienste in den römischen Stationskirchen. Später verbreitete sich dieses Sakramentar auch im Frankenreich Karls des Großen, in Britannien und allgemein im Abendland.

Auf dem Konzil von Trient wurde nun dieser bewährte „römische Ritus“ für die westliche Kirche als einheitliche Meßform festgelegt, woran bis zur Liturgiereform 1968 im wesentlichen unverändert festhalten wurde. Papst Benedikt war es ein großes Anliegen, an diese klassische Liturgie anzuknüpfen und sowohl theologisch wie spirituell aus ihr zu schöpfen und zu lernen.

Unsere Autorin und Herausgeberin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk eV in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.