Aufbruch oder Abbruch in der kath. Kirche?

Von Gregor-Maria Röhr

Wer am heutigen Sonntag die gut besuchte sonntägliche Mittagsmesse um 11,30 Uhr in der St. Lamberti-Kirche von Münster besuchte, konnte einer Predigt lauschen, die viel Zündstoff in sich hatte.

Neben dem Paulus-Dom ist die Lambertikirche die zentralste und herausragende katholische Kirche der westfälischen Metropole Münster.

Am Sonntag, dem 7. Oktober 2018, zelebrierte der emeritierte Pfarrer und Professor Hugo Goeke eine würdevolle Messe. Wie so oft spielte Prof. Tomasz Adam Novak virtuos und gekonnt die Orgel.

Überregional bekannt ist dieses Gotteshaus einmal durch die drei Käfige im Turm als Relikt der Widertäuferzeit und zweitens durch Bischof Clemens August Graf von Galen, der hier 1941 zwei seiner drei Predigten gegen das NS-Regime gehalten hat.

BILD: Mosaik im Nazarener-Stil an der Außenfront der Lamberti-Kirche von Münster

Seit 2017 werden die fusionierten Innenstadtgemeinden u.a. St. Lamberti von einer Doppelspitze geführt: Pfarrer Dr. Detlef Ziegler und Domkapitular Hans-Bernd Köppen.

Im Dom zu Münster und auch in der Lambertikirche ist es seit einiger Zeit üblich, dass nicht der Zelebrant, sondern ein anderer Geistlicher die Predigt hält – in diesem Falle Dr. Ziegler, während Hugo Goeke die Meßfeier übernahm. Die Predigt bezog sich auf die Lesung (Markus 10,2: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen?) und ging dann schnell zum Thema Sexualität über.

Pfarrer Ziegler erwähnte, dass es gerade innerhalb der Katholiken sehr unterschiedliche Einstellungen dazu gäbe. Die konservativen Katholiken würde diesbezüglich schon bei der kleinsten Veränderung  davon sprechen, dass ´das´ nicht ´katholisch´ sei. Die eher linken Katholiken würden der Kirche vorhalten, dass die Vorlieben in der Sexualgestaltung einzig und allein ihnen selber überlassen seien und die Kirche sich da nicht einzumischen habe, denn alles wäre erlaubt, solange es dem Wohl der beiden Partner diene.

Der Prediger selber wollte sich nicht weiter dazu äußern, sonst bestände leicht die Gefahr, dass er gleichsam in eine Falle zwischen diesen Fronten laufen würde.

Besonders angesichts der aktuellen Aufdeckungen sexueller Schandtaten sei es dringend erforderlich, dass die Kirche sich öffne und verändere, so Pfr. Ziegler, „bevor uns der ganze Kasten um die Ohren fliegt“ .

Er stelle fest, dass die Kirche zwar immer wieder betone, wie liberal sie innerhalb ihrer Bildungseinrichtungen sei, auch hinsichtlich eher kirchenfremder Einstellungen und Personen. Aber de facto würde dies nicht mit der Praxis übereinstimmen, vielmehr sei man gegenüber andersorientieren Menschen ausgrenzend eingestellt.

Er sähe keinen anderen Ausweg als eine grundlegende Reform der Sexualmoral innerhalb der Kirche und dazu gehöre die überfällige Zulassung der Homosexualität und die Abschaffung des Zölibates. Nach der Predigt fing ein Großteil der Gemeindemitglieder an zu klatschen und ein tosender Applaus stimmte Dr. Zieglers Predigt zu.

Für den, der diese Messe nicht selbst erlebt hat, muß das klingen wie ein abwegiger Traum aus einer fiktiven Welt.

Ist nicht gerade das Zölibat ein sehr eindrucksvolles Zeichen und eine Auszeichnung gegenüber der säkularisierten Welt? Sollte man nicht der gleichgeschlechtlichen Praxis in jener ablehnenden Weise gegenüber stehen, wie es die Hl. Schrift tut? Es gibt so viele Bibelstellen, die dies bestätigen (Gen 19,1-29 , Röm 1,24-27,  Kor 6,10,  1 Tim 1,10).

Ist es nicht immer wieder vermessen, wie viele Deutsche meinen, dass unser vermeintlich ´moderner´ Lebensstil und unsere ´westliche´ Einstellung zu vielen gesellschaftlichen Fragen die Wahrheit und die erstrebenswerte Wertvorstellung der Menschheit und auch der katholischen Kirche sein muß? Wer mal etwas über den Tellerrand geschaut hat, weiß, dass dem nicht so ist.