Christus zum niedergeschlagenen Apostel Paulus: Laß Dir an meiner Gnade genügen!

Aus der heutigen liturgischen Lesung der kath. Kirche: 2 Kor 12,1-10:

Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen Christi an mir nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mir nichts einbilde.
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Dreimal habe ich den HERRN angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse.
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ER aber antwortete mir: Laß Dir an meiner Gnade genügen; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.
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Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.
Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

Trauer um Hatidža Mehmedović, die über den Massenmord von Srebrenica aufklärte

Zum Tod der Präsidentin der angesehenen Organisation „Mütter von Srebrenica“, Hatidža Mehmedović, erklärt der menschenrechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Brand:

Frau Mehmedović war eine unermüdliche Kämpferin für Wahrheit und Gerechtigkeit. Nicht Rache, sondern Gerechtigkeit waren ihre Mission. Sie hat den vielen tausend Opfern des Völkermords von Srebrenica eine Stimme gegeben.

Ohne sie wäre manche Wahrheit nicht ans Tageslicht gekommen und viele Opfer hätten bis heute keinen Namen.

Sie war ein Stachel im Fleisch derjenigen, die bis heute versuchen, schwerste Kriegsverbrechen unter den Teppich zu kehren und Geschichte umzuschreiben. Das gilt für Täter ebenso wie nationalistische Politiker in der Region oder die Ignoranz von Vertretern der internationalen Gemeinschaft. Sie bleibt ein Stachel im Fleisch der Leugner, der Gleichgültigen und der Relativierer des Völkermords von Srebrenica. 

Mit dem Tod von Hatidža Mehmedović ist eine wichtige Stimme der Gerechtigkeit für immer verstummt. Ihre Zuneigung zu den Opfern, Ihr Mut und Ihre Ausdauer haben imponiert. Ihr Lebenswerk für Aufarbeitung und gegen das Leugnen hat Früchte getragen, ist aber bei weitem nicht erledigt, sondern ist Auftrag für die Zukunft.


Paulus und der „Stachel im Fleisch“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 2 Kor 12,7-10:

Brüder! Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Camberg-Peter-Paul-DSC_0342

Dreimal habe ich den HERRN angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse.

ER aber antwortete mir: Laß dir an meiner Gnade genügen; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.

Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

„Laß dir an meiner Gnade genügen“

Der hl. Apostel Paulus hatte wirkliche Visionen und Himmelserfahrungen – sehr im Unterschied zu vielen selbsternannten „Sehern“ und Pseudo-Propheten aller Zeiten, die ihre „Botschaften“ und „Offenbarungen“ oft sofort in die Welt hinausposaunen (heutzutage per Internet bisweilen schon wenige Tage danach)  – während Paulus sich 14 Jahre Zeit gelassen hat, bis er der Christengemeinde in Korinth mit wenigen Worten von seinen übernatürlichen Erlebnissen berichtet hat.

Dabei betont der Völkerapostel mehrfach nüchtern und selbstkritisch die Gefahr, daß man sich nach dem Empfang besonderer himmlischer Gnaden „überhebt“. Deshalb habe Gott zugelassen, erläutert Paulus, daß er mit einem „Stachel im Fleisch“ leben und leiden mußte; sein flehentliches Gebet um Befreiung wurde nicht erhöhrt. Christus ließ ihn wissen: Laß dir an meiner Gnade genügen!


Der hl. Paulus und seine übernatürliche Erfahrung der Herrlichkeit Gottes

Vergleich zwischen dem Apostel und falschmystischen „Botschaften“

In der heutigen liturgischen Lesung der kath. Kirche geht es um das in 2 Kor 12,1-10 berichtete Himmelserlebnis des Apostels Paulus. Dabei ist allein schon die Tatsache aufschlußreich, daß sich der hl. Paulus nach 14 Jahren zum ersten Mal schriftlich über diese seine übernatürliche Erfahrung äußert.

Wenn heute Leute glauben, sie seien einer „mystischen“ Erfahrung gewürdigt worden, liest man dies oft schon kurz danach in epischer Breite in Broschüren oder Internetbeiträgen. 

Dr. Bernd F. Pelz

Dr. Bernd F. Pelz

Ganz anders hingegen der Völkerapostel in seinem 2. Brief an die Korinther:

Diese Gemeinde, die Paulus oftmals Sorgen bereite, bildete sich viel auf ihre „Geisterfülltheit“ und ihre „charismatischen“ Gaben ein; manche Gläubige fühlten sich gar „erhaben“ über Paulus und den anderen Sendboten Christi.

Dies war der Anlaß dafür, daß der Apostel sein Erlebnis überhaupt anspricht, wobei er seine Schilderung zurückhaltend in dritter Person formuliert.

Dabei betont er, daß er sich allenfalls seiner „Schwachheit“ rühmen wolle; zudem habe Gott zugelassen, daß ihm ein „Stachel ins Fleisch“ gestoßen wurde, damit er sich wegen der „einzigartigen Offenbarung“, die er erlebte, nicht überhebe. Sein dreimaliges Gebet, von diesem „Stachel“ (wir wissen nicht, worin dieser bestand) befreit zu werden, wurde nicht erhört; vielmehr antwortete ihm der Ewige: „Laß Dir an meiner Gnade genügen“.  – Denn gerade in der menschlichen Schwachheit erweist die göttliche Gnade ihre wirkliche Kraft.

Vergleichen wir diese wahre Gotteserfahrung des heiligen Paulus mit den angeblichen „Himmelsbotschaften“ von vermeintlich „begnadeten“ Sehern und „Mystikern“, dann fallen sofort wesentliche Unterschiede ins Auge, vor allem auch die relativ knappe Darstellungsweise des Geschehnisses bei Paulus; sodann daß diese Schilderung erst 14 Jahre später erfolgte  – und nicht zuletzt seine Betonung der Gnade Gottes, die wichtiger ist als außergewöhnliche Erfahrungen und Gebetserhörungen.

Es wäre sicherlich sinnvoll, alle angeblichen Visionen und „mystischen“ Erlebnisse mit diesem Paulus-TÜV zu durchleuchten und zu testen – was bliebe davon noch übrig?

Lassen wir nun den Apostel selber zu Wort kommen (1 Kor 12,2-10):

Laß Dir an meiner Gnade genügen!

„Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde; ich weiß allerdings nicht, ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, nur Gott weiß es. Und ich weiß, daß dieser Mensch in das Paradies entrückt wurde; ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, weiß ich nicht, nur Gott weiß es. Er hörte unsagbare Worte, die ein Mensch nicht aussprechen kann.borMedia1742201

Diesen Mann will ich rühmen; was mich selbst angeht, will ich mich nicht rühmen, höchstens meiner Schwachheit. Wenn ich mich dennoch rühmen wollte, wäre ich zwar kein Narr, sondern würde die Wahrheit sagen. Aber ich verzichte darauf; denn jeder soll mich nur nach dem beurteilen, was er an mir sieht oder aus meinem Mund hört.

Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Dreimal habe ich den HERRN angefleht, daß dieser Bote Satans von mir ablasse.

ER aber antwortete mir: Laß Dir an meiner Gnade genügen; denn diese erweist ihre Kraft in der Schwachheit.

Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Mißhandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“