Aufreger in Österreich über Ex-Kanzler Kurz, Prediger Fitzgerald und den Awakening-Event

Von Felizitas Küble

Der österreichischen Ex-Kanzler Sebastian Kurz trat kürzlich auf der pfingstlerischen Awakening-Europe-Konferenz in der Wiener Stadthalle auf und sprach dort ein Grußwort, was dann in der Alpenrepublik für reichlichen Pressewirbel sorgte.  

Auf der charismatischen Mega-Veranstaltung mit 10.000 Teilnehmern hatte vor ihm bereits Kardinal Christoph Schönborn gepredigt und Segensworte gesprochen. Der Wiener Oberhirte steht den umstrittenen Medjugorje-Erscheinungen ebenso nahe wie den Pfingstbewegten.

Dasselbe gilt für die Nachrichtenseite „Kath.net“, die derartige Phänomene gerne mit großer Begeisterung präsentiert.

Nun hat deren Leiter Roland Noe zweifellos recht, wenn er feststellt, daß der linke Presse-Shitstorm gegen den ÖVP-Politiker Kurz nicht nur überzogen, sondern abwegig ist.

Dem Ex-Kanzler wurde vorgehalten, er betreibe Wahlkampf auf einem frommen Podium und „vereinnahme“ dabei Gebet und Christentum. Aber mit derselben Logik könnte man auch die zahlreichen Auftritte von Politikern auf Kirchen- und Katholikentagen beanstanden.

Doch bekanntlich gilt in rotgrünen Medien die Devise: Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe.

Soweit alles klar. Nun das große ABER, denn „Kath.net“ beschränkt sich nicht darauf, Ex-Kanzler Kurz gegen unfaire Angriffe in Schutz zu nehmen.

Vielmehr nutzt man gerne die Gelegenheit, um den extrem-charismatischen Starprediger Ben Fitzgerald anzuhimmeln, nachdem dieser für Kurz gebetet und ihn  –  übrigens ungefragt  –  „gesegnet“ hatte (Kurz war darüber sichtlich perplex!).

Noe schreibt dazu überschwänglich: „Ein Gebet von Ben Fitzgerald, der so eine radikale Bekehrung zu Christus erlebt hat und als Vollzeitmitarbeiter das Evangelium auf der ganzen Welt verkündet, ist ein besonderes Gevor_600x600schenk.“

Nun ist dieser evangelische Pfingstler aus Melbourne einer der Mitbegründer von „Awakening Europe“, was übersetzt „Europa wacht auf“ bedeutet. Fitzgerald gehört zur euphorischen Bethel-Gemeinde und damit zu jenen Erweckungspredigern, die eine künftige „Rettung“ unseres Kontinents nicht nur erhoffen, sondern prophetisch als sichere Zukuftsmusik anpreisen.

Natürlich zählt auch der katholische Charismatiker Dr. Johannes Hartl vom ökumenischen Gebetshaus Augsburg zu den Unterstützern dieser Bewegung, wobei Fitzgerald als bereits Starprediger bei der MEHR-Konferenz von Dr. Hartl auftrat: https://charismatismus.wordpress.com/2017/01/10/erweckungsprediger-ben-fitzgerald-sprach-auf-der-charismatischen-mehr-konferenz/

Vom Drogen-Trip zum Enthusiasmus

Ins Leben gerufen wurden die Awakening-Kongresse von zwei Pfingstlern, die vor ihrer „Geist-Bekehrung“ rauschgiftsüchtig waren (durchaus kein Zufall, sondern ein häufig anzutreffendes Phänomen).

Inwieweit solche Personen vom Drogen-Trip zum „Heilig-Geist-Trip“ wechseln, also von einer Form der Euphorie zu einer anderen, sei dahingestellt. Fitzgerald war vor seiner „Bekehrung“ im Jahre 2002 als Drogendealer „tätig“.

Der zweite Awakening-Gründer ist Todd White. Beide Herren berufen sich auf besondere himmlische Eingebungen und Visionen, wonach in Europa eine neue Art Heilsgeschichte anbrechen wird, eine großartige „Erweckung“ – also genau das, was Charismatikerkreise von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer wieder neu „prophezeien“, ohne sich dabei von der wirklichen Situation (nämlich einem zunehmenden Glaubensabfall) im geringsten beeindrucken zu lassen.

Die ausgezeichnet informative „Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ (EZW) äußerte sich kritisch über die vermessenen Heilungsansagen von Todd White: https://charismatismus.wordpress.com/2016/11/05/evangelischer-sektenbeauftragter-warnt-vor-charismatischen-holy-spirit-nights/

Auf seiner Facebook-Seite wirbt Fitzgerald für die „Evangelisationsschule“ des extrem-charismatischen Starpredigers Reinhard Bonnke, der sich selber wegen seiner Missionserfolge vor allem in Afrika gerne als „Mähdrescher Gottes“ bezeichnet.

Die EZW schreibt in ihrem Artikel zudem über Fitzgerald, er verbreite die typisch schwarmgeistige Erweckungslehre, wonach es noch vor der Wiederkunft Christi weltweit zu einer „Rettungswelle“ komme, die Christenheit einen herrlichen Aufschwung nehme und auch Fernstehende in großer Zahl zum Glauben finden.

Während gemäßigte Pfingstprediger für solch eine „Erweckung“ beten und Vorarbeit durch „Zeichen und Wunder“ leisten wollen, glauben ultra-charismatische Kreise, dieser wunderbare Zustand sei bereits eingetreten und nehme nun volle Fahrt auf.

Laut EZW-Bericht erklärte Fitzgerald, „Erweckung sei nicht allein das, wofür gebetet und worauf gewartet werde, vielmehr habe sie bereits begonnen.“ Es werde eine „Welle der Errettung über ganz Europa“ kommen, „die nicht mehr verebbt“.

Auch bei den Herren Fitzgerald und White geht es  – wie fast immer bei den Pfingstbewegten – zudem um das „Wohlstands-Evangelium“, wobei den Anhängern nicht selten mit aufdringlichen Appellen gleichsam der letzte Groschen aus der Tasche herausgelockt wird.

Auch bei dieser Konferenz in Wien gab es einen „Business Day“ mit den passenden Stichworten: „Geschäfte, Unternehmungen, Reichtum für Jesus“.

Dabei wird in diesen Kreisen ein luxuriöses Wohlleben als „Segen“ von oben dargestellt und Reichtum als eine Art Lohn des Himmels für die Geistbewegten auf Erden.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Dr. Johannes Hartl spricht mit pfingstlerischen Starpredigern auf der Presence-Konferenz

Mit Bonnke – Fitzgerald – Johnson – Baker – Wenz

Dr. Johannes Hartl, Leiter und Gründer des charismatisch-ökumenischen Gebetshauses Augsburg, hat gestern in einem Tweet auf englisch darauf hingewiesen, daß er auf der „Presence-Conference“ in Genf auftreten wird.

Die pfingstlerische Großveranstaltung in der Schweiz beginnt am heutigen 20. Mai und endet am 1. Juni.

Mit dem katholischen Theologen Dr. Hartl treten weitere bekannte Redner auf, meist seit Jahrzehnten international bekannte „Stars“ der  protestantisch-charismatischen Szene, darunter folgende:

Reinhard Bonnke (per Skype): Das schwarmgeistige Urgestein ist Gründer von „Christus für alle Nationen“ (CfaN): https://charismatismus.wordpress.com/?s=reinhard+bonnke

Bill Johnson: Pastor der kuriosen US-amerikanischen Bethel-Gemeinde: https://charismatismus.wordpress.com/?s=Bill+Johnson

Heidi Baker, ultra-enthusiastische Charismatikerin: https://charismatismus.wordpress.com/?s=Heidi+Baker

Ben Fitzgerald, pfingstlerischer Star-Prediger: https://charismatismus.wordpress.com/?s=Ben+Fitzgerald

Markus Wenz (Stuttgart), bis vor kurzem Leiter des charismatischen Gospelforums (einer Mega-Gemeinde): https://charismatismus.wordpress.com/?s=Peter+Wenz

 


Zuckerbrot und Peitsche: Mike Bickles Brandbrief an die „prophetische Bewegung“

Von Felizitas Küble

Vorigen Herbst veröffentlichte der US-amerikanische Star-Prediger Mike Bickle (siehe Foto) einen Offenen Brief an die Anhänger der „Prophetischen Bewegung“, also an seinen eigenen Fanclub. 

Der protestantische Pastor Bickle ist eine Art geistlicher Ziehvater des katholischen Charismatikers Dr. Johannes Hartl, Leiter des Gebetshauses Augsburg. Näheres zu Bickle hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/06/mehr-gruender-dr-johannes-hartl-wirbt-fuer-den-extrem-pfingstler-mike-bickle/

Der pfingstbewegte Prediger Bickle gehört zu den Führern der sog. Kansas-City-Propheten, die sich selber schlicht, aber nicht sonderlich bescheiden als „Propheten-Bewegung“ bezeichnet – siehe auch die Anrede des Starpredigers in seinem Offenen Brief.

In seinem Schreiben finden sich viele Kennzeichen schwarmgeistiger Strömungen. Dafür spricht schon der erste, typisch „dramatische“ Satz: Wir stehen am Scheideweg der Geschichte.“ 

Sodann bittet der Autor  – er ist Gründer des „International house of prayer“ (internat. Gebetshaus)  –  darum, man möge seinen Brief „im Gebet lesen“, da er von einer „seltenen Dringlichkeit in meinem Geist ergriffen“ werde.

Bald danach geht es um den charismatischen Dauerbrenner, nämlich „Erweckung“. Seit Jahrzehnten kündigen diese Kreise eine weltweite „Erweckung“ an, die gleichsam ein Zeitalter des Heiligen Geistes darstelle.

Wenn man sich an Jesus orientiere, so der Verfasser, könne „die Erweckung schneller kommen als ein rasender, windgepeitschter Grasfeuer im Hochsommer“.

Sodann zeigt sich der pfingstbewegte Leiter überzeugt davon, „dass wir in der Gebets-, Propheten- und Missionsbewegung am Abgrund einer neuen Ära stehen.“

Denn Erweckung hin oder her – zur Dramatik gehört auch das Gegenteil, Zuckerbrot und Peitsche ergänzen sich.

Er schreibt, das „Haus steht in Flammen“  – gemeint ist die gottlose Welt:

Als Hirte, der Gott gegenüber verantwortlich ist, fühle ich mich belastet, die Wahrheit zu sagen, die ich wahrnehme… Ich habe jahrelang gesagt, dass Ärger kommen wird. Jetzt muss ich es anders sagen: Ärger ist hier.

Dies bedeutet, dass die kommenden Tage und Jahre von Schwierigkeit und Komplexität abweichend sein werden als alles, was wir in der Vergangenheit jemals gekannt haben.“ 

BILD: Eines der zahlreichen Bücher von Bickle (übers.): „Wachstum in der Prophetie“

Sodann erklärt er selbstkritisch einige organisatorische Veränderungen in seiner Bewegung, wobei es weniger Marketing geben soll. Schließlich heißt es:Was wäre, wenn Gott unsere Pläne unterbrochen hätte? Was wäre, wenn der Heilige Geist die Macht übernahm?“

Auch darauf ist man prophetischerseits eingestellt: Wir werden um dieses höchste Ziel herum planen und unsere Chancen nutzen. Anstatt menschliche Persönlichkeiten und Prominentenstimmen zu erhöhen, konzentrieren wir uns absichtlich auf die Realität von Jesus, seine Agenda für den Planeten Erde und seine Gegenwart an diesen vier Tagen im Dezember.“ (Gemeint ist damit seine Konferenz „Onething 2018“, an der auch Dr. Hartl als Redner teilnahm.)

Kennzeichnend für charismatische Verstiegenheit ist auch der folgende Satz: Obwohl wir auf der Erde stehen, streben wir nach Engeln um den Thron Gottes.“

Abschließend kommt der übliche Knie-Aufschwung für die Seinen: 

„Die globale Gebetsbewegung… geht weit über den Schauplatz eines Ereignisses hinaus in den tiefen Wunsch des Vaters, die totale Überlegenheit seines Sohnes unter den Völkern bekannt zu machen und eine eng verbundene Familie aufzubauen, die einander tief schätzt und liebt. Wenn Sie sich zu diesem frischen Schwall göttlicher Liebe und strategischer Einsicht bewegen, glauben wir, dass die diesjährige Versammlung mehr als nur ein jährliches Ereignis ist.“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


MEHR-Gründer Dr. Johannes Hartl wirbt für den Extrem-Pfingstler Mike Bickle

Von Felizitas Küble

Seit vielen Jahren befassen wir uns im CHRISTLICHEN FORUM mit den Aktivitäten des charismatischen „Gebetshauses Augsburg“ und der jährlichen MEHR-Konferenz, die im letzten Januar über zehntausend Besucher zählte. (Siehe unsere 14 bisherigen Beiträge HIER)

Gründer der Initiative sowie des MEHR-Kongresses ist der katholische Theologe und Familienvater Dr. Johannes Hartl (siehe Foto).

Normalerweise hätte die MEHR wieder  – wie sonst immer  – Anfang Januar stattgefunden, aber diesmal fiel sie aus, weil Hartl die allgemeine Losung ausgab, mehr in die geistliche Tiefe gehen zu wollen, statt in die Breite zu wirken, was immer das wohl konkret heißen mag…

Mit ähnlicher „Begründung“ verkündet er überdies, daß er von jetzt bis Mai auf öffentliche Auftritte verzichten werde. 

Bei Charismatikern geht es  bekanntlich mit Vorliebe „feurig“ zu. Während der protestantisch-schwarmgeistige Star-Prediger Reinhard Bonnke gerne seine spektakulären „FEUER-Konferenzen“ abhielt, trägt eines der Hartl-Bücher den Titel: „In meinem Herzen FEUER“.

In einem ähnlichen Sinne schrieb der US-amerikanische Extrem-Pfingstler sein Buch „Passion for Jesus“ (siehe Foto), das in deutsch unter dem Titel „Leidenschaft für Jesus“ erschien. 

Beide – sowohl der katholische Hartl wie der evangelische Bickle  – praktizieren eine überschwängliche „Frömmigkeit“ und propagieren ausdrücklich ein „Verliebtsein“ (!) in Jesus. Aber das wäre noch egal und vielleicht lediglich etwas schrullig-emotional.

Allerdings gehen die Gemeinsamkeiten dieser zwei bekannten Größen innerhalb der Charismatik weit darüber hinaus:

Das hat Dr. Hartl mit seinem Tweet vom 30.12.2018 eindringlich unter Beweis gestellt, nachdem er in Kansas City (USA) seinen vorläufig „letzten öffentlichen Vortrag“ hielt, nämlich bei der Onething-Konferenz von IHOP, einer Gebets-Vereinigung, die von Mike Bickle gegründet wurde. 

Hartls Tweet vom 30.12.2018 war auf englisch abgefaßt und lautet in deutscher Übersetzung:

„Was Mike Bickle und IHOP-KC seit vielen Jahren als Pionierleistung vollbrachten, das hat mein eigenes Leben und das Leben von Millionen Menschen auf die wirkungsvollste Art und Weise verändert. Es ist ein Vorrecht, an der Onething-2018 teilhaben zu können und dem die Ehre zu geben, dem Ehre gebührt.“  (Quelle: https://twitter.com/DrJohannesHartl)

Nun kann Hartl seine Mitstreiter öffentlich ehren und würdigen, wie er lustig ist – allerdings dürfen Kritiker der Schwärmerszene genauso nachfragen, was es mit den Aktivitäten des vielgerühmten Mike Bickle auf sich hat. 

Andrew Strom informiert darüber in seinem englisch-sprachigen Buch „Kundalini-Warning“ (siehe Foto). – Hier ist es als PDF auf deutsch lesbar:
https://verfuehrungderbraut.files.wordpress.com/2015/09/kundalini-warnung-update9d-2015-deutsch.pdf

Der Verfasser ist Charismatiker aus Neuseeland und gehörte 11 Jahre lang zu Bickles Connection, nämlich den sog. Kansas-City-Propheten, bisweilen auch schlicht Propheten-Bewegung genannt. Dies ist ein amerikanischer Zweig innerhalb der Charismatik, der aber weltweite Ableger ausstreute.

Ein führender Vertreter dieser Strömung ist der von Dr. Hartl bewunderte Pastor Mike Bickle, der  – so heißt es im Tweet –  „mein eigenes Leben….auf die wirkungsvollste Art und Weise verändert hat“.

Der erwähnte Buchautor Strom hat sich (noch?) nicht komplett vom Charismatismus verabschiedet, aber immerhin von den selbsternannten Cansas-City-Propheten um Bickle und Co. Der Kritiker ist sozusagen vom extremen Flügel zum gemäßigten Lager übergelaufen.

Hinsichtlich der „Propheten-Bewegung“ schreibt er, sie sei von „einem Geist der Wahrsagerei und Hellseherei“ beherrscht, die mit der biblischen Gabe der Prophetie nichts zu tun habe, sondern ein Zerrbild hiervon sei. Diese Szene sei von einem „totalen Mangel an Unterscheidungsvermögen“ geprägt.

BILD: Buchtitel von Mike Bickle: „Growing in der Prophetic“ (Wachstum im Prophetischen) – typisch in Text und Gestaltung

Schon im Jahre 2004 war Strom von befremdlichen Phänomenen, die er reihenweise erlebte, derart irritiert, daß er sich davon distanzierte. Er bemängelte „verdrehte Lehren, gefallene Propheten und bizarre Manifestationen“.

Die Cansas-City-Bewegung leide „unter einer ernsthaften Verführung“ und es sei gefährlich, sich mit ihr einzulassen. Man müsse, so Strom, dringend die Auswüchse dieser irrgeistigen Schwärmerei beschneiden. (Näheres dazu hier im Kundalini-Beitrag: http://www.bifo.de/viewtopic.php?t=1058#p15943)

Indessen schreiben wir das Jahr 2018 –  und Dr. Hartl findet Bickles IHOP-Aktivitäten ganz großartig und beehrt dessen Kongreß mit seinem Vortrag und Tweet.

Der evangelikale Autor Alexander Seibel, selbst einstmals ein langjähriger Pfingstler, schreibt in Büchern freimütig über seine früheren Irrtümer. Er hat sich völlig von der Charismatischen Bewegung, der er einst angehörte, losgesagt.

Seibel berichtet in einem Internet-Artikel von einer Versammlung, an der Mike Bickle führend teilnahm, unter anderem folgendes:

„Phil Elsten von den „Cansas City Propheten“ forderte beim Seminar zum Thema „Der prophetische Dienst“ beim Gemeindekongreß 1993 in Nürnberg das anwesende Publikum auf, man möge ihm die Handflächen zeigen. Gott würde dadurch besondere Einsichten geben.

Nun meinte ich, es sei auch dem vernebelsten Schwärmer klar geworden, daß dies Wahrsagerei und nicht biblische Prophetie ist…

Auch der Leiter dieser Propheten, Mike Bickle, war anwesend. Er berichtete, wie er ein Brennen in der Magengegend und ein Heißwerden seiner Hände spürte. Dies war für ihn das Zeichen, daß das „Feuer Gottes“ unter den Seminarteilnehmern wirken werde…

John Paul Jackson, ebenfalls auf diesem Seminar und „bewährter“ Prophet, erklärte der Los Angeles Times, ohne mit der Wimper zu zucken, wie er die Fähigkeit habe, Gott zu riechen. „Gott duftet nach Rosen“…

Wer sollte da noch zweifeln, welche Mächte hier wirklich im Spiel sind? – Fehlanzeige: Diese Hellsehereien waren für die Kongreßteilnehmer natürlich göttliche Charismen. Mike Bickle steht hoch im Kurs…“

Wie man sieht, steht Pastor Bickle mit seinen „prophetischen“ Aktivitäten bei Dr. Hartl sogar nach einem Vierteljahrhundert noch „hoch im Kurs“, hat dieser doch sein Leben so „wirkungsvoll“ verändert.

Kein Wunder, daß beide Charismatiker – der evangelische Bickle ebenso wie der katholische Hartl – gerne beim Gospel-Forum in Stuttgart auftreten, das von dem   – sogar in den eigenen  Reihen umstrittenen –  Pastor Peter Wenz geleitet wird (das Foto zeigt ihn mit Bickle): https://blog.gospel-forum.de/2013/03/23/was-ist-gottes-wille-fur-unsere-welt/Vor drei Jahren gab sich Dr. Hartl auf einer Heilungskonferenz bei Wenz ein Stelldichein: https://blog.gospel-forum.de/2015/10/02/hunderte-heilungen/

So kommt auch in diesen Kreisen zusammen, was zusammengehört.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag in Münster und das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Die MEHR-Konferenz und weitere Aktivitäten des Gebetshauses Augsburg

Kritischer Bericht von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Charismatik auf katholisch“ erschien der folgende Artikel in der Zeitschrift THEOLOGISCHES vom August/September. Der ausführliche Beitrag hat zu vielen Diskussionen in konservativ-katholischen Kreisen geführt.  Nur für UMBRUCH (4)

So erfuhr ich z.B. von etlichen „Radio-Horeb“-Hörern, daß sie sich bei der Leitung dieses privaten katholischen Rundfunks darüber beschwerten, daß dort immer wieder charismatische Sendungen – mit oder ohne Dr. Hartl – ausgestrahlt wurden.

Mehrere kirchliche Weltanschauungsbeauftragte (Anti-Sekten-Experten) teilen meine skeptische Sichtweise. Natürlich gab und gibt es zugleich Reaktionen, welche die MEHR-Konferenz verteidigen bzw. meine Kritik überzogen finden.

Am heutigen Donnerstag, den 4. Januar 2018, beginnt wieder die jährliche MEHR-Konferenz in Augsburg, die bis kommenden Sonntag veranstaltet wird. Aus diesem Anlaß veröffentlichen wir hier den erwähnten Artikel aus dem „Theologischen“:

Jahr für Jahr organisiert das charismatisch-katholische, ökumenisch orientierte „Gebetshaus“ Augsburg die sogenannte MEHR-Konferenz im Januar mit tausenden von vorwiegend jugendlichen Teilnehmern, lautstarker Rock- und Popmusik sowie einem euphorischen „Lobpreis“.

Auch der recht wohlwollend gehaltene ARD-Bericht in den „Tagesthemen“ vom 8.1.2017 bezeichnete das fromme Spektakel als „Mischung aus Rock-Konzert, Festival und Gottesdienst“. (Quelle: https://www.facebook.com/tagesschau/videos/10154956887504407/?hc_ref=NEWSFEED)

Das Gebetshaus ist eigenen Angaben zufolge aus der „Katholischen Charismatischen Erneuerung“ hervorgegangen.

Das Team inkl. der Leitung besteht derzeit aus 17 katholischen und 11 evangelischen, meist freikirchlich-protestantischen Mitarbeitern. (Quelle mit Stand vom 9.4.2017: https://gebetshaus.org/about/mitarbeiter)

Zu den wichtigsten Referenten des diesjährigen Events 2017, der mit seinen rund 10.000 Teilnehmern für eine gewisse öffentliche Aufmerksamkeit sorgte, gehörte neben Vatikanprediger Raniero Cantalamessa der pfingstlerisch orientierte Pastor Ben Fitzgerald.

Typisch für die MEHR-Konferenz wirkt bereits ihr Motto „Holy fascination“. Nicht wenige katholische Medien von der „Tagespost“ über „Kath.net“ bis hinein ins traditionelle Lager waren des Lobes voll über diesen Mega-Kongress.

Dr. Hartls Fastenaufruf zur „Rettung Europas“

Zudem startete das Gebetshaus unter seinem Leiter, dem katholischen Theologen und Familienvater Dr. Johannes Hartl (siehe Foto) Ende Februar 2017 einen speziellen Fastenaufruf zur „Rettung Europas“ – genau genommen geht es um eine Hungerkur („Wasserfasten“).

Von einem „strategischen Fasten“ ist in seinem Appell die Rede, um die Herzen von Millionen zu bekehren.  

Allein die Ausdrucksweise läßt schon aufhorchen, stellt sich doch die Frage, wie weit solch eine „Strategie“ gegenüber Gott von einer Neigung zum magischem Denken geprägt ist. Schamanisch-heidnischen Vorstellungen ist es eigen, durch bestimmte Zeremonien, Mantras oder sonstige Worte und Handlungen die gewünschten Erfolge von den Himmelsmächten zu erzielen.

Zweifellos geht es Dr. Hartl und den Seinen nicht um Fruchtbarkeit, Regen oder Sonnenschein, gute Ernte oder bessere Jagderfolge, sondern um geistvollere Anliegen, in diesem Falle um nicht weniger als die Bekehrung eines ganzen Kontinents, weshalb er für seinen verstiegenen Zweck nicht weniger als zehntausend Fastenfreunde bzw. Hungerleider suchte.

Auf der Gebetshaus-Webseite (https://gebetshaus.org/news/40-tage-strategisches-fasten-europe-shall-be-saved) wird der Leser darüber informiert, daß Gott offenbar Großes mit Europa vorhat. Das weiß Dr. Hartl und sein Team deshalb so gut, weil man sich anno 2016 mit „Propheten, Evangelisten und Leitern großer Dienste“ getroffen hat:

„Quer durch den Leib Christi verbreitet sich Hoffnung und Menschen auf der ganzen Welt hören vom Herrn, dass dies eine besondere Zeit für Europa ist. Im letzten Jahr trafen sich Propheten, Evangelisten und Leiter großer Dienste aus der ganzen Welt, um sich über das auszutauschen, was Gott auf diesem Kontinent vorhat.“

Verheißungen „quer durch den Leib Christi“

Mit dem gewöhnungsbedürftigen Ausdruck „Quer durch den Leib Christi“ ist die konfessionsverschiedene Herkunft dieser Prophetenschar angesprochen, wobei eine solche Anschauung für einen katholischen Leiter bereits den doktrinären Rahmen sprengt, denn unter dem ecclesiologischen Begriff „Leib Christi“ versteht unsere Kirche keineswegs die ganze weite Christenheit, sondern konkret die Kirche Christi. (Daß die Gläubigen anderer Konfessionen mit ihr durch die Taufe und ggf. durch das Ehesakrament teilverbunden sind, steht auf einem anderen Blatt.)

Sodann hätte man gerne gewußt, auf welche Weise dieses Orakelteam „vom Herrn“ gehört hat, daß wir uns in einer „besonderen Zeit für Europa“ befinden. Offenbar sitzen die geistbegabten Herren – und vielleicht auch Damen – dem Allmächtigen gleichsam auf dem Schoß, zumal sie sich kenntnisreich über „das austauschen, was Gott mit diesem Kontinent vorhat“.

Befand sich die illustre Gruppe aus Evangelisten, Propheten und sonstigen Erleuchteten vielleicht gemeinsam in Ekstase? Wurde ihnen das „Wort der Erkenntnis“ geschenkt, wie es in Pfingstlerkreisen seit langem gang und gäbe ist? Warum hat der Höchste eigentlich nur mit Europa großartige Pläne, wo bleiben die anderen Kontinente?

Vermutlich erfahren wir darüber etwas beim nächsten Prophetentreffen unter Hartls Leitung.

(Sehn-)Sucht nach einem neuen Pfingsten

Immerhin erklärt er in seinem Fasten-Aufruf, warum 2017 ein so „strategisch bedeutsames Jahr“ ist, nämlich aufgrund von „500 Jahren nach der Reformation, 50 Jahren nach Beginn der Charismatischen Bewegung“ in der katholischen Kirche. Beides ein Grund zum Feiern?

Für Dr. Hartl zumindest ein Zeichen der Hoffnung:
„Wir glauben, dass dieses Jahr eine Veränderung im geistlichen Klima Europas bringen wird. Doch um diese Veränderung gilt es zu beten und zu fasten..Wir träumen von 10.000 Männern und Frauen, die im Zeitraum 1. März bis 9. April um Erweckung in Europa fasten und beten.“

Zum Thema Gebet schreibt er wie in einem Zustand höherer Eingebung: „Wie kann man konkret mitmachen? Indem man täglich die prophetische Aussage betet „Europe shall be saved!“, „Europa soll gerettet werden!“ und täglich mindestens 5 Minuten in diesem Anliegen betet.“

Hinsichtlich des Fastens ist der Meister anspruchsvoll, erwartet er doch nicht etwa – wie sonst in der katholischen Kirche üblich – lediglich die Beschränkung auf einmaliges tägliches Sattessen oder allenfalls einen Fleischverzicht einmal pro Woche.

Für die „Rettung Europas“ muß die Latte deutlich höher liegen:
„Das Fasten bedeutet hier Verzicht auf feste Nahrung. Manche wird der Herr zu einem kompletten Wasserfasten rufen (eine geistlich sehr besondere Erfahrung), manche zum Fasten bei Wasser und Saft oder Ähnlichem.“
Sollten bei einem Leser Bedenken auftreten, weiß er Trost und Rat: „Fasten ist generell gesundheitsfördernd, wenn es richtig durchgeführt wird.“

Daß im Gebetshaus Augsburg ein besonderer Draht nach oben wirksam ist, verwundert wenig. Immerhin zählt kein Geringerer als Daniel Kolenda zu den Gesinnungsfreunden.

Der evangelische Pfingstler aus den USA ist Nachfolger des extrem-charismatischen Starpredigers Reinhard Bonnke als Leiter der vor allem in Afrika aktiven Organisation „Christus für alle Nationen“ (CfaN). Bonnke bezeichnet sich aufgrund seiner angeblich enormen Missionserfolge auf Großveranstaltungen gerne als „Mähdrescher Gottes“.

Bei der „Feuer-Konferenz“, die Mitte Mai 2016 mit 2000 Teilnehmern stattfand, gehörte Kolenda ebenso zu den Rednern wie Dr. Johannes Hartl oder der ultracharismatische „Evangelist“ Todd Withe.

Zur CfaN-Connection paßt auch die vortragsreisende Pfingstlerin Monika Flach, die am 6. April 2017 im Gebetshaus Augsburg über das „Königreich Gottes“ und den „Gott aller Nationen“ sprach. (Quelle: https://gebetshaus.org/news/monika-flach-am-6-april).

„Neue Salbung für eine neue Zeit“

Die Protestantin aus Denkingen – sie leitet den Enthusiastenverein „Global Vision“ – scheint ebenfalls in die Pläne des Ewigen eingeweiht zu sein, denn sie spricht gerne euphorisch von einer künftigen weltweiten Erweckung bzw. einer „neuen Salbung für eine neue Zeit“.

Das Augsburger Gebetshaus schreibt bei der Ankündigung ihrer Rede hoffnungsfroh folgendes: 
„Wir leben in einer aufregenden Zeit. Unsere Länder werden erschüttert, aber gleichzeitig bereitet Gott uns für die Ernte zu. Es ist Zeit, dass Gebet und Mission zusammenkommen. Sind Sie dabei? Lernen Sie den Gott aller Nationen kennen und Ihr Leben bekommt Sinn und Ziel, denn er sendet Sie!“

Das Gebetshaus Augsburg hat aus der regen Beteiligung männlicher und weiblicher Pfingstprediger noch nie ein Geheimnis gemacht. Umso verwunderlicher erscheint es, wenn betont konservative Personen und Gruppen, die sonst mit einem überschäumenden Ökumenismus wenig am Hut haben und überdies Wert auf eine gediegene liturgische „Form“ legen oder direkt der überlieferten hl. Messe anhängen, Stimmung für die MEHR-Konferenz betreiben und das Gebetshaus Augsburg öffentlich loben und preisen.

Anscheinend regt nicht einmal die Tatsache zum kritischen Nachdenken an, daß im Gebetshaus Augsburg fleißig das charismatische „Ruhen im Geist“ praktiziert wird. Oder hält man dieses schwarmgeistige Phänomen ernsthaft für eine Manifestation des Heiligen Geistes? Handelt es sich bei diesem plötzlichen und tranceartigen Umkippen, wie Dr. Hartl behauptet, um eine „Kraftbezeugung Gottes“? Vermittelt dieser „Toronto-Segen“ (wie er in protestantischen Kreisen oft genannt wird) neuerdings eine besondere Gotteserfahrung?

Rückwärtskippen als Geistsendung von oben?

Wirkt unser HERR in solchen enthusiastischen Stimmungsmomenten auf ganz ungewöhnliche Weise? Zeigt er in der „Ohnmacht“ der Rückwärtskippenden seine außerordentliche „Macht“?

Daß auch in diesem Jahr auf der MEHR-Konferenz wieder dieser „um-werfende“ Charismatikersegen erteilt wurde, wird von Fan-Seite selber geschildert, so etwa unter dem bezeichnenden Motto „Viel Spass und viel Segen“: (Quelle: http://mightymightykingbear.blogspot.de/2017/01/viel-spa-und-viel-segen-teil-1.html038_35)

Hierbei handelt es sich nicht nur um Ausrutscher oder Auswüchse am Rande dieser Veranstaltung, zumal Dr. Hartl selber kein Geheimnis daraus macht, wie großartig er diesen Vorgang, den man im angelsächsischen Raum passenderweise als „Slain in the Spirit“ (Erschlagenwerden im Geist) bezeichnet. Dieser Charismatikersegen ist aus der pfingstlerisch-protestantischen Bewegung seit über 100 Jahren allgemein bekannt, seit Ende der 60er Jahre auch in entsprechend gepolten katholischen Kreisen.
Was einst beim „heiligen Chaos“ geschah

Der Gebetshausleiter schreibt in seinem Buch „In meinem Herzen Feuer – Meine aufregende Reise ins Gebet“ im Kapitel „Heiliges Chaos“ (!), bei dem Fallen „im Geist“ handle es sich um eine „Kraftbezeugung Gottes“, die er bereits 1999 bei einem von ihm geleiteten Jugendwochenende beobachtet habe.

Während der üblichen lautstarken Lobpreismusik ging es dort richtig rund – und dann kam ER (gemeint ist Gott):
„Doch während des 2. Liedes kommt er. Und übernimmt die Kontrolle. Ohne dass jemand sie berührt, beginnen Einzelne, umzufallen. Bum! Die Betroffenen berichten, sie seien von der Kraft Gottes überwältigt worden. Im ganzen Raum fallen Jugendliche um und bleiben liegen. Einige liegen ganz ruhig am Boden und berichten hinterher, den Frieden und die Liebe Gottes auf tiefe Weise erfahren zu haben.
Andere beginnen laut zu weinen, weil Gott Bereiche intensiven Schmerzes in ihnen berührt. Andere lachen, weil sie Gottes Freude in sich spüren, andere haben Visionen der geistlichen Realität, einige sogar über lange Zeit hinweg.“

Dr. Hartl wird nun klar: „Jemand hat mir die Leitung aus der Hand genommen. In alledem jedoch die überwältigende Präsenz von etwas Heiligem. Von jemand Heiligem.“

Wirkt der Heilige Geist wirklich ohne oder gar gegen den Verstand und das menschliche Bewußtsein? Erleuchtet Gottes Geist nicht vielmehr unsere Erkenntnis und unsere Vernunft mit dem Licht des Glaubens? Die Gnade baut auf der Natur auf – aber Gott überwältigt sie nicht, er „wirft sie nicht um“, denn Gott ist ein Freund der menschlichen Freiheit, die ER selber uns verliehen hat. 

Als Katholiken sind wir überzeugt, daß uns durch das Sakrament der Firmung die Sieben Gaben des Heiligen Geistes geschenkt werden, wobei wir diese Gnadengaben in unserem Leben fruchtbar machen sollen. Zu den „7 Gaben“ gehören interessanterweise auch die Gabe des Verstandes und der Wissenschaft (Erkenntnis) sowie der Stärke und Weisheit.

Soll man wirklich davon ausgehen, beim quasi-ohnmächtigem Umkippen seien Verstand, Weisheit, Stärke und Wissenschaft wirksam?

Es ist in zweitausend Jahren in keinem einzigen Fall bezeugt worden, daß bei einem Sakrament, das speziell den Heiligen Geist bzw. seine Gaben vermittelt (Taufe, Firmung, Priesterweihe) jemals ein Mensch „im Geist geruht“ hat. Nun wissen wir aber im Glauben, daß bei der sakramentalen Begegnung mit Gott tatsächlich auch seine wirksame Gnaden verliehen werden. Freilich kommt es hierbei keineswegs zu charismatischen Manifestationen wie dem Toronto-Segen, „Heiligem Lachen“, „Heiligem Weinen“, Zungenreden, „Prophetengabe“ usw.

Unser Glaube beruht nicht in erster Linie auf dem Gefühl, schon gar nicht auf ekstatischen, außer Kontrolle geratenen Emotionen oder Trance-Erfahrungen ähnlich wie bei Zen oder Yoga. Auch und gerade der Heilige Geist ist ein Gott der Ordnung, Besonnenheit und Nüchternheit, der Apostel Paulus die damaligen Gemeinden in seinen Briefen häufig ermahnt.

MEHR-Konferenz 2017 mit Erweckungspredigern

Passend zu diesen schwarmgeistigen Vorgängen verlief auch die Mehr-Konferenz im Januar dieses Jahres, an welcher der protestantische Star-„Evangelist“ Ben Fitzgerald als einer der vier Hauptredner teilnahm. Auf seiner Facebook-Seite wirbt er für die „Evangelisationsschule“ des extrem-charismatischen Heilungspredigers Reinhard Bonnke. (Quelle: https://de-de.facebook.com/benfitzgeraldandJesus)

In der erscheinungsbewegten und charismatisch geprägten Nachrichtenseite „Kath.net“ berichtete deren Leiter Roland Noé – wie zu erwarten: völlig unkritisch – über den Auftritt Fitzgeralds auf der MEHR-Konferenz, der dort für eine „neue Reformation“ geworben habe, freilich nicht als eine Neuauflage der Lutherischen Glaubensspaltung, sondern im charismatischen Sinne.  

Im Kath-net-Bericht heißt es sodann: „Der Prediger aus Melbourne hatte Ende 2002 eine tiefgreifende Umkehr erfahren, zuvor war er als Drogendealer tätig.“ – Dies ist ein recht häufiger Vorgang in der Lebensgeschichte charismatischer Prominenter. Bisweilen fragt man sich, ob diese Personen ihren Enthusiasmus gleichsam „umgelenkt“ haben: vom Drogen-Trip zum „Jesus-Trip“ bzw. einem Berauschtsein vom „Hl. Geist“.

Kritischer äußerte sich die „Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ in einem Artikel über eine Charismatiker-Konferenz in Nürnberg, auf der Starprediger Fitzgerald sprach. Demnach hat er dort die schwarmgeistige Erweckungslehre verkündet, derzufolge es vor der Wiederkunft Christi weltweit zu einer „Rettungswelle“ komme, die Christenheit einen herrlichen Aufschwung nehme und auch Fernstehende in großer Zahl zum Glauben finden.

Während gemäßigte Pfingstprediger für solch eine „Erweckung“ beten und Vorarbeit leisten wollen, glauben ultra-charismatische Kreise, dieser wunderbare Zustand sei bereits eingetreten. Laut EZW-Bericht erklärte Fitzgerald, „Erweckung sei nicht allein das, wofür gebetet und worauf gewartet werde, vielmehr habe sie bereits begonnen.“ – Es werde eine „Welle der Errettung über ganz Europa“ kommen, „die nicht mehr verebbt“.

Ermutigung durch Vatikanprediger Cantalamessa

Der italienische Pater Raniero Cantalamessa wurde bereits von Johannes Paul II. zum „Päpstlichen Hausprediger“ ernannt und hat seit über drei Jahrzehnten dieses Amt inne. Der Kapuziner konnte sich durch sein häufiges Lob für Martin Luther und seine Auftritte in der Pfingstlerszene bei protestantischen Charismatikern ebenso beliebt machen wie durch konservativ wirkende Ansprachen bei katholischen Erneuerungsbewegten.

Der päpstliche Hausgeistliche war 2017 als prominenter Redner auf der MEHR-Konferenz mit von der Partie. Vorigen Herbst trat er auf dem – weitgehend von freikirchlichen Protestanten geprägten – Kongreß „Pfingsten 21“ in Würzburg auf, ebenso Dr. Johannes Hartl. (Quelle: http://www.pfingsten21.de/)

Dabei ging es um die „Sehnsucht nach einem neuen Pfingsten im 21. Jahrhundert“ – also die typisch charismatische Erwartung einer allgemeinen Erweckung in der Christenheit als angeblicher Vorbote für die Wiederkunft Christi (wobei vielfach übersehen wird, daß vor unserem Erlöser erst der Antichrist auf der Bildfläche erscheinen wird).

Bei seiner Karfreitagspredigt 2016 im Vatikan hatte der Kapuziner wie so oft ein Loblied auf die Reformation gesungen. Zu den verheerenden Folgen der Glaubensspaltung (darunter ein sogar von Luther selbst eingeräumter Sittenverfall oder der 30-jährige Krieg) hat sich der Prediger freilich nicht geäußert.

Wie der katholische Nachrichtendienst ZENIT berichtete, erklärte Cantalamessa, Luther habe die „Wahrheit“ über Gottes „Gerechtigkeit“ erst wieder „ans Licht gebracht“:
„Luther kommt der Verdienst zu, diese Wahrheit wieder ans Licht gebracht zu haben, nachdem die christliche Verkündigung jahrhundertelang den Sinn dafür verloren hatte. Das ist es im Wesentlichen, was die Christenheit der Reformation verdankt, deren Fünfhundertjahrfeier nun bald ansteht.“

P. Cantalamessa spielte damit auf die lutherische Rechtfertigungslehre an, wonach allein der Glaube selig und vor Gott „gerecht“ mache; die Einhaltung der göttlichen Gebote und gute Werke seien zwar erfreulich, aber nicht heilsnotwendig. Angeblich habe die Kirche in den Jahrhunderten zuvor den Sinn für Gottes wahre Gerechtigkeit verloren, bedauerte er in seiner Karfreitagspredigt. Der Reformation sei es zu „verdanken“, daß sie wieder entdeckt worden sei.

Katholisches Lehramt gegen Werkgerechtigkeit

In Wirklichkeit hat die katholische Kirche schon in der Frühzeit des Christentums jede falsche Werkgerechtigkeit oder Leistungsfrömmigkeit abgelehnt, weshalb sie der Irrlehre des Pelagius entschieden widersprach und auch die sanftere Variante des Semipelagianismus ablehnte. Der Geistliche Pelagius hatte – vereinfacht gesagt – erklärt, die Gnade Gottes sei zwar eine helfende Zugabe, aber nicht absolut notwendig, da ein nach Gerechtigkeit strebender Gläubiger die Gebote Gottes letztlich auch aus eigener Kraft einhalten könne. 

Dem hat die katholische Kirche ihre biblisch begründete Gnadenlehre entgegengesetzt, wonach Gottes Erbarmen und seine zuvorkommende Gnade den Menschen überhaupt erst zum Glauben und zur Nachfolge Christi befähigt. Die Betonung der Gnade Gottes ist folglich keine „Entdeckung Luthers“, wie Pater Cantalamessa suggeriert, sondern seit jeher katholische Lehrauffassung gewesen und geblieben; sie wurde von Thomas v. Aquin ebenso betont wie vom Trienter Konzil bestätigt.

Was der römische Hausprediger laut einer Radio-Vatikan-Meldung vom 8.4.2017 diesmal in einer Fastenpredigt für den Papst und die Kurie verkündete, ist nicht weniger verstörend für katholische Ohren. Abgesehen davon, daß er den längst als Legende widerlegte Mythos vom „Anschlag der berühmten 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg“ aufwärmt, beklagt er erneut, es sei „ein Irrweg gewesen, dass die Kirche vor allem den Wert der Werke betont“ habe.

Radio Vatikan berichtet weiter:
„Die „Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben“, die von Luther ausgegangen sei, hat nach dem Urteil von Pater Cantalamessa „zweifellos eine Steigerung in der Qualität des christlichen Lebens zur Wirkung gehabt“. Und das, obwohl sie über Jahrhunderte den „Graben zwischen Katholiken und Protestanten“ markiert habe – übrigens auch, wie er hinzufügte, den Graben zwischen Christentum und Judentum.  

Die Katholiken hätten in dieser Optik „den jüdischen Ritualismus fortgesetzt und die Protestanten die christliche Neuheit“. Katholiken hätten im Lauf der Geschichte erst lernen müssen, dass „die Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben keine Erfindung des Völkerapostels (Paulus) war, sondern die zentrale Botschaft des Evangeliums“.“  (Quelle:http://de.radiovaticana.va/news/2017/04/08/wenn_luther_heute_wieder_auftreten_w%C3%BCrde_/1304353)

Man reibt sich die Augen: Während selbst Luther einräumte, daß die von ihm verkündete Rechtfertigungslehre zu seinem Leidwesen einen Verfall der guten Sitten begünstigt habe, während Bonhoeffer in diesem Kontext eindringlich vor einer „billigen Gnade“ warnte und die Notwendigkeit der „Nachfolge Christi“ erwähnte, fabuliert Cantalamessa gegenüber der (hoffentlich!) staunenden Kurie zu Rom, Luthers Sonderlehre habe „eine Steigerung in der Qualität des christlichen Lebens zur Wirkung gehabt“.

Gebote-Ethik des AT ist kein „jüdischer Ritualismus“

Die jüdische Betonung der Gebote Gottes und des mosaischen Religionsgesetzes herablassend als „jüdischen Ritualismus“ zu bezeichnen, entspricht auch nicht gerade dem aktuellen Stand des christlich-jüdischen Dialoges, ganz zu schweigen von seiner sowohl theologisch wie historisch unqualifizierten Bemerkung, Katholiken hätten damals nicht gewußt, daß die Glaubensrechtfertigung „keine Erfindung von Paulus“ gewesen sei. Mit solch flapsigen Sprüchen wird seriösen ökumenischen Bemühungen ein Bärendienst erwiesen.

2015 erklärte der päpstliche Hofprediger laut „Livenet“-Bericht auf einem evangelisch-charismatischen Kongreß sogar, er habe sich auf einer pfingstlerischen Veranstaltung in Kansas City 1977 gleichsam zum zweiten Mal „bekehrt“, als er dort die „Geistestaufe“ empfangen habe. Cantalamessa weiter: „Wir werden Busse tun über alle unsere Abspaltungen. Der Herr giesst seinen Geist in allen Kirchen aus.“

Zudem sagte er darüber: „Die Geisttaufe änderte meine Einstellung den anderen christlichen Kirchen gegenüber – nicht aufgrund von theologischen Überlegungen, sondern ganz spontan, ohne dass ich es selbst wahrgenommen hatte. Gemeinsam mit der Gabe des Geistes war die Gnade der Einheit gekommen.“ (Quelle: http://www.leiterkreis.de/file/17.Einheit%20%20Erweckung.pdf – dort auf S. 18 unten)

Endzeitschwärmerei der Charismatischen Bewegung

Zurück zur charismatischen Hoffnung auf ein „neuen Pfingsten“. Seit Jahrzehnten wollen Geistbewegte eine Zeit großartiger weltweiter Erweckung herbeireden, indem sie eine Art Neuauflage des Pfingstereignisses ankündigen. Diese Endzeitschwärmerei stimmt allerdings mit der nüchternen biblischen Prophetie nicht überein. Aber das enthusiastische Wunschdenken ist hier stärker als der Sinn für die Wirklichkeit.

In seiner vierten Vatikan-Fastenpredigt im Jahre 2009 erklärte Pater Cantalamessa diesbezüglich:
„Dieselbe Spannung zwischen Verheißung und Erfüllung, die in der Schrift hinsichtlich der Person Christi zu bemerken ist, ist auch hinsichtlich der Person des Heiligen Geistes festzustellen.

Wie Jesus zunächst in der Schrift verheißen und dann im Fleisch offenbar war und schließlich in seiner endgültigen Wiederkunft erwartet wurde, so wurde auch der Geist, einst „Verheißung des Vaters“, an Pfingsten gegeben und wird jetzt erneut „mit unausdrückbarem Seufzen“ vom Menschen und von der ganzen Schöpfung erwartet und angerufen, die die Fülle seines Geschenkes erwarten, nachdem sie dessen Erstlingsfrucht gekostet haben.“

Pfingsten war also demzufolge lediglich eine „Erstlingsfrucht“ des Heiligen Geistes, mit größeren pentekostalen Ereignissen ist noch in der Zukunft zu rechnen.

Theologischer Rückgriff auf Joachim von Fiore

Cantalamessa neigt zur Vorstellung des mittelalterlichen Abtes Joachim von Fiore über die „drei Zeitalter“, was von der Kirche nie anerkannt wurde, wenngleich er seine Thesen bisweilen zu spiritualisieren versuchte. Kurz auf den Nenner gebracht beinhaltet die Drei-Reiche-Lehre: Der Alte Bund war die Epoche des Vaters, der Neue Bund ist die Epoche des Sohnes – und in der Endzeit folgt die wunderbare Epoche des Heiligen Geistes, das „Dritte Reich“ (wie einige Joachimiten bzw. franziskanischen Spiritualen es damals nannten).

Pater Cantalamessa predigte weiter:
„Was meint Jesus, wenn er den Heiligen Geist „Verheißung des Vaters“ nennt? Wo hat der Vater diese Verheißung getan? Das gesamte Alte Testament ist, so könnte man sagen, eine Verheißung des Geistes. Das Werk des Messias ist ständig so präsentiert, daß es seinen Höhepunkt in einer neuen universalen Ausgießung des Geistes Gottes auf Erden findet.

Der Vergleich mit dem, was Petrus am Pfingsttag sagt, zeigt, daß Lukas insbesondere an die Prophezeiung Joels denkt: „In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch“ (Apg 2,17).“

Der Kapuzinerpater bezieht sich auf folgendes Bibelwort: „Ich werde meinen Geist ausgießen über alles Fleisch. Und eure Söhne und Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen – und selbst über Knechte und Mägde werde ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen.“ (Joel 3,1 f.)

Die Joel-Prophetie und ihre angemessene Auslegung

Wie es scheint, ist diese Verheißung in der Charismatischen Bewegung erstaunlich in Erfüllung gegangen. Gibt es dort nicht zahlreiche Prophetien, Träume, Visionen, „Geistesgaben“ in Hülle und Fülle?

Eine derartige Auslegung übersieht drei Gesichtspunkte:
1. Die Ankündigung wurde durch das Pfingstereignis bereits grundlegend erfüllt. Petrus selber verweist auf die Verheißung in Joel 3 zur Erklärung des Geistausgießung in Jerusalem (vgl. Apg 2,16 f). 
2. Eine mögliche „Voll-Erfüllung“ dieser Prophetie bezieht sich am ehesten noch auf die endzeitliche Bekehrung Israels, die Paulus hinsichtlich der Wiederkunft Christi ankündigt (Röm 11,12 und 11,26). – Auch im Alten Testament wird dies angedeutet: „Aber über das Haus Davids und über die Bewohner von Jerusalem gieße ich den Geist der Gnade und des Flehens aus und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben“ (Sach 12,10).
3. Daß es sich bei der Vollendung der verheißenen Geistausgießung wohl um ein Phänomen der Endzeit handelt, geht auch aus Joel 3 selber hervor, wenn es dort heißt, daß dies geschieht, „bevor der Tag des Herrn kommt“ (Joel 3,4) und daß Gott dann das „Schicksal Judas und Jerusalems wenden wird“ (Joel 3,4).

Mit der Charismatischen Bewegung jedenfalls hat dieser biblische Kontext nichts zu tun. Es war immer schon ein Kennzeichen schwarmgeistiger bzw. häretischer Strömungen, einzelne Schriftworte aus ihrem Zusammenhang zu reißen, sie zu verabsolutieren und ihnen eine eigenwillige Deutung unterzuschieben.

Ekstatisches Pfingstlertum pur: Heidi Baker

Die 56-jährige Dr. Heidi Baker, geboren in Südkalifornien, lebt seit einigen Jahren mit ihrem Mann Rolland in Mosambik, wo sie Evangelisation und Sozialarbeit betreiben. Das Ehepaar gehört zu den weltweit bekanntesten Gestalten der protestantisch-pfingstlerischen Bewegung. 

Anfang Januar 2016 war sie der „heimliche Stargast“ auf der MEHR-Konferenz in Augsburg, wie das christliche Internet-Medienmagazin PRO unter dem bezeichnenden Titel „Deutschland braucht meeeeeeeeehr von Jesus“ schreibt.

Es heißt in diesem Artikel, der insgesamt durchaus positiv über diesen Mega-Kongreß berichtet, weiter:
„Am zweiten Tag der Konferenz ist die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt mit Menschen, die neugierig sind auf die amerikanische Missionarin, die in Mosambik Waisenkinder beherbergt. Wer auf YouTube nach ihren Predigten sucht, findet Auftritte, bei denen sie weinend, singend und in Sprachen betend auf dem Boden liegt oder kniet.

Bei einem Auftritt – Predigt kann man es schwerlich nennen – in der kalifornischen Bethel-Kirche liegen Jugendliche um sie herum. Heidi Baker kriecht durch die Reihen, legt ihnen die Hände auf den Kopf und ruft Worte wie „Feuer“. Die Betenden reagieren mit Schreien, Weinen und Zucken.“

Die Webzeitschrift erwähnt danach den „extrem-charismatischen Dunstkreis“ um die Theologin und Afrika-Missionarin Baker.  

Sollen wir Gott eindringlich-beschwörend herbeizitieren? Auf der MEHR-Konferenz rief Baker vor tausenden Zuschauern den dreieinigen Gott in einer erregten Weise herbei, als würde es sich gleichsam um ein Schamanen-Ritual handeln:

„In Augsburg beginnt die dynamische 56-Jährige mit einer Art Meditation. „Komm, Jesus, komm“, ruft sie in einem Singsang, den das Publikum erwidert. Etwa eine Viertelstunde werden auf diese Weise die drei Personen der Dreieinigkeit herbeigerufen. „Gib mir Feuer, Herr, dass die Welt mich brennen sieht“, ruft Baker.“
Was hier auffällt, ist zum einen die aufdringliche Art, Gott gleichsam herbeizurufen (statt ihn im Gebet darum zu b i t t e n ), zum anderen eine egozentrische „Frömmigkeit“, die sich darin zeigt, daß Frau Baker wünscht, die „Welt“ (!) möge sie (!) „brennen“ sehen.

Die Starpredigerin wirkte aber durchaus eindrucksvoll und dynamisch auf die religiös-begeisterte Menge, was natürlich Massensuggestionen erleichtert.
(Hier geht es zu ihrem Auftritt auf der MEHR-Konferenz: https://www.youtube.com/watch?v=_nvowdTI8zI)

„Bekehrung“ durch Umkippen in Trance

In der evangelischen Pfingstler-Zeitschrift „Charisma“ (Nr. 117/2001) heißt es unter dem Titel „Unser Auftrag ist Liebe“ über Heidi Baker, daß sie mit einer schweren Lungenentzündung 1996 in die extrem-pfingstlerische Airport-Gemeinde nach Toronto kam, wobei sie das „Ruhen im Geist“ erlebte, also trance-artig rückwärts zu Boden fiel.

Angeblich handelt es sich hierbei um ein vom Hl. Geist bewirktes Phänomen, das in diesen Kreisen häufig vorkommt und oftmals die „Bekehrung“ zum vermeintlichen Pfingstgeist einleitet. Das Charisma-Magazin berichtet hierzu: „Dort erlebte sie zum ersten Mal, dass die Kraft des Heiligen Geistes sie so stark berührte, dass sie zu Boden fiel.“ – Zwei Jahre später reiste sie mit ihrem Mann Rolland erneut nach Toronto: „Wieder fiel die Kraft Gottes auf Heidi“, heißt es in dem Beitrag.

Aber nicht nur das, denn die vermeintliche „Kraft Gottes“ hatte Frau Baker eine ganze Woche lang buchstäblich lahm gelegt:
„Jeden Tag verbrachte Heidi während dieser Konferenz auf dem Boden, außerstande, sich zu bewegen. Sie spürte, wie ihr ganzer Körper von der Kraft Gottes durchströmt wurde und sie unfähig war, aus eigener Kraft etwas zu tun. Das ging sieben Tage lang so.“

Später wirkte der Heilige Geist in Toronto erneut „wieder mächtig an Heidi“, wobei sie von ihm folgende Eingebung erhalten haben will: „Du wirst sehen, dass Tote auferstehen, Blinde sehen und Wunder und Heilungen geschehen.“

Zeichen, Wunder und Heilungen sind der Schwärmer liebstes Kind – und ohnehin die begehrtesten Zauberworte in der Charismatikerszene.

In dem Artikel heißt es vollmundig weiter, Heidi habe in drei Jahren eine halbe Million Menschen zum Glauben geführt. Angenommen, die Zahl würde zutreffen – welcher „Glaube“ mag das wohl sein?

„Gebetsheiler“ Dr. Arne Elsen mit „Draht nach oben“

„Leidenschaftlich, explosiv und voller Möglichkeiten, einem faszinierenden Gott zu begegnen!“ – Mit diesen Worten wurde die MEHR-Konferenz vom Januar 2014 auf der Webseite des Gebetshauses Augsburg vollmundig angepriesen.

Zu den prominenten Rednern zählte damals Dr. Arne Elsen aus Hamburg, der sich zu einem stundenlangen enthusiastischen Vortrag aufschwang. Er ist eng verbunden mit dem charismatischen Verein „Glaube und Heilung“, der ebenfalls in der Hansestadt ansässig ist. Der 1961 geborene Arne Elsen ist Mediziner im Fachbereich Diabetik und leitet ein entsprechendes Zentrum in Hamburg.

Seine Rede, die mitunter von seiner „spontan“ auftretenden „Zungenrede“ begleitet war (ohne daß eine Auslegung der vermeintlichen „Sprachengabe“ erfolgte), wurde vom Livestream der MEHR-Konferenz direkt übertragen und danach auf youtube präsentiert.

In der Ankündigung der Veranstalter heißt es über ihn, er habe „hunderte“ von „Heilungen“ erlebt, die von Gott bewirkt worden seien. Entsprechend gestaltete sich auch der Auftritt Elsens, der ständig von den – durch seine Gebete bewirkten – Heilungen erzählte, wobei vom Kopfschmerz über Gehirntumor bis zum Rheuma kaum ein Leiden unerwähnt blieb, das durch seinen gesegneten bzw. gesalbten „heißen Draht nach oben“ verschwunden sei.

Während der „normale Christ“ bemüht ist, den Willen des Höchsten anhand der göttlichen Gebote sowie durch Vernunft und „gesunden Hausverstand“ zu erkennen, dabei sicherlich auch auf die „Sieben Gaben des Heiligen Geistes“ vertrauen, läuft das bei Dr. Elsen auf viel direkterem Wege.

In seiner Rede zitierte er mehrfach wörtliche Einsprechungen des Allmächtigen, der offenbar einen recht hemdsärmeligen Kontakt mit ihm pflegt, z.B.: „Der HERR sagte: „Arne, ich möchte, daß Du…“ (dies oder jenes unternimmst etc.). Er kündigte eine Vortragstour durch Deutschland an: „Der HERR sagte, es werde eine Offenbarung des Geistes geben!“ – Sodann erfolgte erneut die Kundgabe, es werde ein „neues Wirken des Heiligen Geistes entstehen“.

Das Thema der Elsen-Ansprache lautete „Gott heilt auch heute noch!“ und brachte damit Programm und Erwartungshaltung charismatischer Frömmigkeit auf den Punkt. Dabei berichtete er von der schweren Erkrankung seines einst dreijährigen Sohnes, für den er lange gebetet und dabei „Jesu Sieg proklamiert“ habe: „Die Krankheit muß weichen! Du hast uns Gesundheit verheißen!“

Dieser drängende Stil ist kennzeichnend für charismatisches „Beten“, das Gott gleichsam vorschreibt, wie er zu reagieren und zu handeln hat.
Dies wird gerne mit wohlklingenden Worten umnebelt („Den Sieg Jesu proklamieren“), so daß die Anmaßung wie eine fromme Tugend erscheint. Dazu paßt auch die ständige Ausrufung „Halleluja“, welche die Ansprache Elsens von A bis Z durchzog.

Dabei wurden auch Tendenzen eines charismatischen „Wohlstandsevangeliums“ sichtbar, wenn Elsen etwa erklärte, daß es „uns so gut geht“, sei eine Auswirkung des Heiligen Geistes.

Fixierung auf „Lobpreis“ verdrängt sittliches Ethos

Typisch schwärmerisch auch die einseitige Konzentration auf den sog. „Lobpreis“, der möglichst oft und unentwegt vollbracht werden solle. Die sittlichen Gebote des Christentums scheinen weniger zu interessieren; vielmehr stehen „Zeichen und „Wunder“, Heilungen, besondere „Geistesgaben“ und sog. übernatürliche „Salbungen“ im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Zu seiner Schmalspur-Theologie paßt es, daß Elsen rundweg erklärte: „Gott ist kein strenger, strafender, sondern ein liebender Gott“ – so ganz der Kuschelgott von heute.

In der Heiligen Schrift werden theologische Zusammenhänge anders erkennbar, zB. in folgenden Worten Christi (Mt 7,21 ff):
„Nicht jeder, der HERR, HERR zu mir sagt, wird ins Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters erfüllt. Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: HERR, HERR, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt, haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wunderwerke getan? – Und dann werde ich ihnen sagen: Ich habe euch niemals gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!“

Nach einem öffentlichen „Übergabe-Gebet“, das Dr. Elsen vorsagte und das die Konferenz-Teilnehmer Wort für Wort nachsprechen sollten, rief er in die Runde: „Applaus für Jesus! – Halleluja!“ – Als ob der göttliche Erlöser auf solch banalen Beifall und Theaterdonner angewiesen wäre. In seinen Kurzgebeten am Ende der Predigt wurde Gott u. a. dafür gedankt, „daß Du jeden hier berührst“, „daß Du uns einen großen Sprung nach vorne schenkst“, „daß Du jetzt so eingreifst“, „daß Du Gesundheit wiederherstellst“, „daß wir uns die Butter nicht vom Brot nehmen lassen“.

Daß sich charismatische „Starprediger“ ungern die Butter vom Brot nehmen lassen, ist allerdings bekannt.

US-Charismatiker Bob Fraser bietet „sieghaften“ Glauben

Zur MEHR-Konferenz des Jahres 2014 erschien der Leiter einer Initiative namens „Joseph International“, Bob (Robert) Fraser, in Augsburg. Er war dort bereits ein Jahr zuvor als umjubelter Gastredner präsent.
Seine Internetseite (http://josephinternational.org/) bietet eine pfingstlerische Version der evangelischen Rechtfertigungslehre und eine „Geisttaufe“ samt einer sog. „Versiegelung“ für den „Tag der Erlösung“, was immer das sein mag. Obwohl die Heilige Schrift anderes lehrt, verkündet Bob Fraser eine absolute Heilsgewißheit für alle Christen: „We believe that when Christians die, they pass immediately into the blessed presence of Christ.“  

Es wird demzufolge behauptet, alle Christen würden nach ihrem Tod mit der Gegenwart Christi gesegnet, also in den Himmel kommen. Weiter heißt es, Taufe und Abendmahl seien zwar als Anordnungen der Kirche „zu beachten“, aber sie seien „kein Mittel des Heils“. – Somit wird die Heilsnotwendigkeit der Taufe bestritten.

Typisch schwarmgeistig ist die Erwartung glorreicher Zeiten für die gläubige Schar. Die Kirche werde noch „in großer Macht zum Sieg gelangen“. Die Endzeit bringe eine gewaltige „Ernte von Seelen“ und die Ausbreitung einer „siegreichen“ Kirche; diese werde eine „beispiellose Einheit, Reinheit und Macht des Heiligen Geistes erleben“ etc.

Bezeichnend für die überwiegend von Frauen geprägte Pfingstbewegung ist auch die folgende Aussage: „We believe that women, no less than men, are called and gifted to proclaim the gospel and do all the works of the kingdom.“

Obwohl Christus in den Kreis der 12 Apostel keine Frauen berufen hat, schreibt Fraser, daß Frauen nicht weniger als Männer dazu berufen seien, das Evangelium zu verkünden und in allen Tätigkeiten des Reiches Gottes zu wirken – in „allen“? 

Natürlich sollen auch Frauen ebenso laienmissionarisch tätig sein wie Männer, zumal Frauen zur Jüngerschar Jesu und zum Mitarbeiterkreis des Völkermissionars Paulus gehörten. Doch die apostolische Sukzession bzw. die Priesterweihe ist laut biblischem Befund allein Männern vorbehalten. Es gab auch im Alten Bund keine Priesterinnen, aber große, vorbildliche Frauen, darunter Prophetinnen (z.B. Miriam, Hannah, Deborah) und tapfere Rettergestalten wie Judith oder Ester.

Die Auflistung der erwähnten, teils sogar extrem-pfingstlerischen Redner auf den MEHR-Konferenzen, aber auch die von Dr. Hartl selbst erzählte Geschichte seiner Hinführung zur Charismatik sowie die gesamte Programmatik des Gebetshauses Augsburg sollte zu nüchterner Skepsis veranlassen.

Dies gilt besonders für katholische Amtsträger, die dazu berufen und verpflichtet sind, das Kirchenvolk vor theologischen und spirituellen Gefährdungen zu warnen, wozu nicht zuletzt der „Schwarmgeist“ gehört, der sich gerne in den Mantel der Frömmigkeit hüllt und daher für unerfahrene Gläubige nicht immer leicht zu durchschauen ist.

Die Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt. –  Mail-Kontakt: felizitas.kueble@web.de


Markus Spieker kritisiert charismatische Starprediger und oberflächliche Frömmigkeit

Halleluja-Christentum führt am Kreuz vorbei

Mit „frommen Lügen“ räumt der ARD-Hauptstadtkorrespondent Markus Spieker (Berlin) auf. Darunter versteht er die vor allem von einigen US- amerikanischen Starpredigern verbreitete Vorstellung, daß Christen ein glückliches, erfolgreiches und gesundes Leben beschieden sei, wenn sie nur darum beten und dafür spenden. 

Dagegen spreche zum einen die Bibel und zum anderen die Erfahrungen christlicher „Glaubenshelden“, schreibt Spieker im evangelischen Wochenmagazin IDEA-Spektrum. 

Als Verkündiger eines „Erfolgsevangeliums“ führt der evangelikal orientierte Spieker u.a. die Bestseller-Autoren Joel Osteen, Benny Hinn, Kenneth Copeland und Joyce Meyer an.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Joel Osteen, Hauptpastor der 45.000 Besucher zählenden Lakewood-Gemeinde in Houston (Texas), predige den „totalen Optimismus“, so Spieker. Er verspreche in seinen Büchern „garantiert zuverlässige Rezepte, wie man sieben Tage in der Woche glücklicher sein kann“.

Die extremen Charismatiker Hinn und Copeland beschrieben den Glauben als Transaktion: Wenn Christen mit finanziellen Spenden „säen“, könnten sie dafür Gesundheit, Wohlstand, und Ruhm „ernten“.

Joyce Meyer, die mit ihren Fernsehauftritten auch im deutschsprachigen Europa präsent ist, propagiere eine Art Selbstsuggestion, so Spieker. Negative Stimmungen könne man durch „Power-Gedanken“ bekämpfen, etwa indem man sich einrede: „Ich werde nicht in Angst leben.“

Gegen solche Glücksverheißungen sprechen laut Spieker die realen Erfahrungen:

„Bekennende Christen sind nicht oder nur unwesentlich gesünder, reicher, schöner und klüger als Nicht-Christen. Sie leben nicht länger, sie sterben nicht schmerzfreier, sie sind in den Listen der reichsten Menschen der Welt sogar unterproportional vertreten, ebenso unter den Oscar-Gewinnern und den Nobelpreisträgern.“

Laut Spieker orientieren sich immer mehr kirchliche Angebote besonders in den Vereinigten Staaten an den Bedürfnissen von Teenagern und unreifen Erwachsenen: „Der Lobpreis muss vor allem ‚geil’ sein, die Predigten ‚cool’ oder ‚krass’, die Atmosphäre ‚chillig’.

Ein „jugendlich-naives Christentum“ ist immer mehr auf dem Vormarsch. Viele Leute meinen, daß der Glaube Spaß bereiten und Unterhaltung bieten müsse. In Wirklichkeit ist der christliche Glaube  –  so führt Spieker aus  –  eine „Liebesbeziehung“ und eine „Leidensgemeinschaft“ mit Jesus.

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur IDEA: http://www.idea.de/detail/thema-des-tages/artikel/glaubenspraxis-journalist-raeumt-mit-frommen-luegen-auf-865.html


Starprediger Ulrich Parzany übt scharfe Kritik am EKD-Desorientierungspapier

„Ich schäme mich für meine Kirche“

Mit scharfen Worten hat einer der führenden Evangelisten in Deutschland, Pfarrer Ulrich Parzany (siehe Foto), auf die Orientierungshilfe der EKD zur Familie reagiert:

„Ich schäme mich für meine evangelische Kirche“, schreibt der langjährige Hauptredner der Großevangelisation ProChrist und Generalsekretär des CVJM in einem Beitrag für die evangelische Nachrichtenagentur IDEA zur Frage „Wie sollen wir die Bibel verstehen?“ parzany_ulrich_allg_606_pr13_01_0b9936d070

In dem Familienpapier mit dem Titel „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ rückt das Leitungsgremium der EKD, der Rat, von der Ehe als alleiniger Norm ab und vertritt ein erweitertes Familienbild, das unter anderem auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften mit Kindern einschließt.

Parzany erinnert daran, dass die evangelische Kirche entstanden sei, weil die Reformatoren sich auf das vierfache „Allein“ beriefen: Allein Christus, allein die Gnade, allein der Glaube, allein die Schrift.  –  Nun bescheinigten der Kirche sogar die säkularen Medien einen laxen Umgang mit der Bibel.

Die sog. Orientierungshilfe erkläre, dass die Ehe keine unantastbare Schöpfungsordnung Gottes sei, „obwohl jeder in der Bibel lesen kann, dass Jesus die Zusammengehörigkeit von einem Mann und einer Frau als von Gott gewollte unverbrüchliche Gemeinschaft erklärt (Matthäus 19, 4-6)“.

In Facebook schreibt Parzany, er frage sich, wie man angesichts der Weigerung der EKD, das Papier zu ändern, Widerstand organisieren kann: „Austreten kommt für mich nicht infrage. Austreten sollen bitte die, die die Grundordnungen der evangelischen Kirchen missachten und das Ordinationsgelübde brechen. Darin steht, dass die Heilige Schrift Maßstab für Glauben und Leben ist.“

Quelle: http://www.idea.de/detail/thema-des-tages/artikel/ich-schaeme-mich-fuer-meine-evangelische-kirche-821.html

Foto: Thomas Schneider