Wir trauern um Pfarrer Otto Wohlleber

Von Felizitas Küble

Noch vor zwei bis drei Wochen habe ich mit ihm telefoniert – und er gab mir am Schluß des Gesprächs wie üblich seinen priesterlichen Segen: Pfarrer Otto Wohlleber aus der fränkischen Kirchengemeinde Mistendorf. 

Zudem spielte mir der bodenständige, freundliche und unkomplizierte Priester fast immer am Klavier ein Lied vor, das ich mir selber wünschen konnte  – meist wählte ich ein glaubensfrohes Kirchenlied oder ein Fahrten-/Wanderlied wie z.B. „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“.

Als seine hochbetagte Mutter, die ihm den Haushalt führte, noch lebte, sang sie mit ihrer glockenhellen Stimme fromme oder fröhliche Lieder ins Telefon und ihr Sohn lieferte im Hintergrund die Musik dazu. Er machte gerne Scherze über seinen Nachnamen „Wohlleber“ (Wie es mir geht? – Gottlob genauso, wie es mein Name verrät!)  –  und seinen kurzen Vornamen Otto schätzte er sehr, gerade weil er heutzutage nicht mehr stark verbreitet ist.

Von Edeltraud Ringelmann, einer seiner Schwestern, erfuhr ich, daß unser lieber Freund nachts an Herzinfarkt verstorben war. Am nächsten Tag   – es war der 20. Juli – fand sie ihn tot im Bett vor.

Beim Requiem (Totenmesse) am 26. Juli in der großen Otto-Kirche von Bamberg war das Gotteshaus voll mit Gläubigen; es konzelebrierten 13 Priester am Altar, darunter ein Vertreter von Erzbischof Dr. Ludwig Schick.

Der Bamberger Oberhirte hat den theologisch konservativen Priester am 15. Dezember 2011 zum „Geistlichen Rat“ ernannt  –  und dies vor allem deshalb, weil sich Pfarrer Wohlleber sehr intensiv um den „Steinknock“ kümmerte, einen uralten eucharistischen Wallfahrtsort in der Nähe seiner Pfarrgemeinde. (Näheres über diese Pilgerstätte in unserem Bericht vor fünf Jahren: HIER)

Die heilige Messe war für diesen Geistlichen, der im Alter von 72 Jahren in die Ewigkeit abberufen wurde,  Zentrum und Höhepunkt seines priesterlichen Lebens und Wirkens. Auch in seinen Predigten sprach er gerne über das Altarsakrament. Er erteilte den Erstkommunion-Unterricht selber und gab den Kindern gerne bei passender Gelegenheit seinen Einzelsegen in der Kirche.

Der konservative Priester zelebrierte die heilige Messe in seiner Pfarrkirche „St. Maria Himmelfahrt“ stets zum HERRN hin – genauer: im Aufblick zum barocken Hochaltar.

Er sprach die Wandlungsworte seit Jahrzehnten auf Latein („pro multis“) und verwendete grundsätzlich den „Römischen Kanon“ (1. Hochgebet), der mit dem überlieferten Ritus („alte Messe“) am stärksten verwandt ist und den Opfercharakter der hl. Messe betont. Natürlich wurde die hl. Hostie in Wohllebers Pfarrkirche an der Kommunion-Kniebank ausgeteilt – und seine Ministranten bestanden allesamt aus Jungen.

Mit seiner Bescheidenheit hat es der Ruhestandspfarrer dann manchmal fast übertrieben, wie mir schien. Er wollte nie im Mittelpunkt stehen, sondern möglichst weit am Rande – und keinerlei „Wirbel“ um seine Person erleben.

Wenn bei ihm ein Geburtstagsfest anstand, wollte er am liebsten „weglaufen“. Ich habe ihn öfter gedrängt, an diesem Tag in seiner Pfarrei zu bleiben, damit die „Schäflein“ ihm gratulieren können.

Fast 35 Jahre lang war er Pfarrer in Mistendorf unweit von Bamberg. Die Kirchengemeinde schrieb in ihrem Nachruf (veröffentlicht im aktuellen Bistumsblatt vom 30. Juli 2017):

„Seine ganze Sorge galt seiner ihm anvertrauten Gemeinde. Er machte nie großes Aufsehen um seine Person, sondern ihm war wichtig: Alles zur größeren Ehre Gottes.“

Seine Bescheidenheit zeigte sich auch darin, daß ich erst nach seinem Tode erfuhr, daß er die Denkmalschutz-Medaille durch den bayerischen Kultursminister Zehetmaier erhalten hat. Dabei waren wir jahrzehntelang per Du befreundet und führten zahlreiche, oft lange Telefonate, wobei niemals eine persönliche Mißstimmung aufkam, was an seiner friedlichen und gemütvollen Art lag.

Freilich erzählte er mir gerne, daß er Mitglied im „Frankenbund“ war, in dem schon seine Ahnen und Urahnen aktiv waren. Er verstand sich ausdrücklich nicht als Bayer, sondern als „wackerer Franke“. 

Interessanterweise würdigte der Freistaat Bayern mit der Denkmalschutz-Medaille nicht „nur“ die Renovationsarbeiten mehrerer Kirchen und der Steinknock-Wallfahrtkapelle, sondern auch folgendes aufschlußreiche Ereignis:

Im Jahre 1970  – damals gab es in manchen Gegenden einen geradezu absonderlichen „Bildersturm“ im Gefolge eines überbordenden Reformeifers – waren die barocken Altäre aus der Kirche in Geisfeld entfernt und verkauft worden. Pfarrer Wohlleber jedoch hat sie in einer Scheune (!) in der weit entfernten Oberpfalz (!) aufgespürt. Der Geistliche führte die Altäre zurück, ließ sie restaurieren und wieder aufstellen.

Staat und Denkmalschutz waren heilfroh darüber  – die kirchlichen Oberen hoffentlich auch?

Am 28. Juni 1970 wurde Otto Wohlleber in Bamberg zum Priester des Ewigen geweiht. Sein Primizspruch lautete: „Helft mir durch eure Fürbitte bei Gott.“

Diese Bitte gilt im Leben und im Sterben  – nach dem Tod sogar erst recht: R.I.P.

Ganz in diesem Sinne heißt es in der Todesanzeige der Familie Wohlleber (siehe Abbildung): „Über den Tod hinaus bleiben wir im Gebet miteinander verbunden.“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Die beiden Fotos (Pfr. Wohlleber, Kirche von Mistendorf) sind Broschüren der dortigen Pfarrgemeinde entnommen


Sonntag, 9. September: Wallfahrt auf den Steinknock im Bistum Bamberg

Am kommenden Sonntag, den 9.  September,  beginnt ab 14 Uhr die alljährliche Sakramentsprozession von der Pfarrkirche in Mistendorf bis zur neugotischen Kapelle auf dem Steinknock, die in idyllischer Landschaft gelegen ist, romantisch und einsam auf einer Anhöhe in einer Waldlichtung.

Dorthin pilgern Wallfahrer seit Jahrhunderten zur eucharistischen Anbetung und zur Verehrung der Gottesmutter.

Der bodenständige Geistliche Otto Wohlleber ist seit über 30 Jahren Pfarrer von Mistendorf bei Strullendorf an der Grenze zur sog. „fränkischen Schweiz“. Er oder ein befreundeter Geistlicher trägt das Allerheiligste bei der Prozession auf den Berg hinauf und wieder hinunter zur Dorfkirche. Pfarrer Wohlleber leitet die Andacht, ein Ordensgeistlicher wird die Predigt halten.

Auch Erzbischof Ludwig Schick von Bamberg besuchte vor drei Jahren den ländlichen Pilgerort und feierte anläßlich des 350-jährigen Jubiläums in der Kapelle eine Festandacht. Nur noch 16 Prozent der Katholiken würden regelmäßig am Sonntag die hl. Messe besuchen, bedauerte der Bamberger Oberhirte damals in seiner Predigt.  Deshalb sei der Steinknock als Fingerzeig Gottes, die Eucharistie zu verehren, so wichtig. „

Die Wallfahrtskapelle solle für die ganze Erzdiözese eine Einladung  zur Verehrung des Allerheiligsten sein“, betonte der Erzbischof. 

Wenn wir auf den Wegen und Geboten Gottes und der Kirche bleiben, gelangen wir zum Hochzeitsmahl des ewige Lebens, erklärte Schick.

Daher müßten ehrwürdige eucharistische und marianische Stätten wie der Steinknock und bewährtes Brauchtum weiter gepflegt werden. Besonders bedankte er sich bei Ortspfarrer Otto Wohlleber, der sich seit mehreren Jahrzehnten um diese eucharistische Wallfahrtsstätte kümmert.

Pilger von nah und fern kommen das ganze Jahr über zur Wallfahrtskapelle, vor allem viele Gläubige aus dem Bamberger Umland, manchmal auch ganze Busse.

Von der Fastenzeit bis Ende Oktober ist die Kapelle sonntags und feiertags geöffnet; in dieser Zeit zelebriert Pfarrer Wohlleber jeden Donnerstag um 8 Uhr eine hl. Messe, die mit Andächtigen gefüllt bis überfüllt ist: manchmal stehen die Menschen  sogar auf der Treppe vor dem kleinen Kirchlein. 

Dort gibt es noch Glöcklein mit Handbetrieb, die Kapelle hat keinen elektr. Strom, aber Kerzen auf den Sitzbänken, damit die Leute etwas sehen können. Es gibt dort auch Maiandachten und Rosenkranz-Andachten im Oktober.

Die Wallfahrt auf den Steinknock geht auf einen wundersamen Hostienfund vor über 350 Jahren zurück:

Im Jahre 1659 war auf dem Steinknock von den Pfarrern Christoph Reinhard aus Mistendorf und Heinrich Hagedorn aus Geisfeld eine große Hostie in einem Eichenstock auf dem Steinknock gefunden worden   –  verborgen in einem Lederbeutel, der erstaunlicherweise völlig unversehrt war  – ebenso wie die hl. Hostie.

Die beiden Geistlichen waren dorthin gegangen, weil die Konvertitin Maria Drechsler aus Zeegendorf, die zum katholischen Glauben übertrat, sie nach entsprechenden Visionen dazu gedrängt hatte.

An dem Fundort wurde eine kleine Holzkapelle errichtet und schon bald begannen die Wallfahrten: seitdem pilgern Menschen dorthin, um ihre Anliegen vor Gott zu bringen, die Gottesmutter um ihre Fürsprache anzurufen und für erlangte himmlische Hilfe zu danken.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz