Bürgerrechtler Ike aus Nigeria erhält am 3.7. den Stephanuspreis für verfolgte Christen

Der nigerianische Priester und Menschenrechtler Obiora Francis Ike (siehe Foto) erhält am 3. Juli 2020 den diesjährigen Stephanuspreis für verfolgte Christen.

Der Theologe und Sozialethiker fungiert als Direktor der schweizerischen Stiftung Globethics.net mit Sitz in Genf. Von 1998 bis 2009 war er Generalvikar des katholischen Bistums Enugu im Süden Nigerias.

„Professor Ike ist Brückenbauer zwischen Europa und Afrika, Muslimen und Christen sowie zwischen Gegenwart und Zukunft. Wir ehren ihn, weil er trotz der Gefahr für sein Leben unbeirrt und emsig an seinem Einsatz besonders für die junge Bevölkerung seiner Heimat festhält. Wir würdigen seine überzeugenden Bemühungen für mehr Frieden und Zuversicht“, erklärt Stiftungsvorsitzende Michaela Koller (siehe Foto unten).

Obiora Ike hat mehr als 20 regierungsunabhängige Organisationen gegründet. Darunter ist das Katholische Institut für Entwicklung, Gerechtigkeit und Frieden (CIDJAP), das seit 1987 ein Patenschaftsprogramm für Bildung betreibt, welches auch aus Deutschland und Österreich unterstützt wird.

Ike, der fließend Deutsch spricht, studierte in Innsbruck und wurde auch in Österreich 1981 zum Priester geweiht. An der Universität Bonn folgte 1985 seine Promotion mit einer Doktorarbeit über ein Thema der katholischen Soziallehre und dessen Bedeutung für Afrika.

„Bildung gibt einem Kind einen Schlüssel für die Zukunft“, sagt er. Mit seinem Programm tut der 1956 in Nordnigeria geborene Ike genau das, was die islamistische Terrormiliz Boko Haram bekämpft. Deren Name bedeutet übertragen: Keine Ausbildung, keine westlichen Werte, keine Zivilisation. 

Seit vielen Jahren brennen diese Terroristen Schulen, Kirchen und Moscheen nieder. Sie bekämpfen die Muslime, die sich nicht ihrer Weltsicht anschließen und verfolgen die Christen, für die Nordnigeria bald schon zu einem der gefährlichsten Orte auf der Welt geworden ist.

Inzwischen herrscht in ganz Nigeria ein hohes Maß an Unsicherheit. Die Christen werfen ihrer Regierung vor, auf die blutige Herausforderung viel zu dürftig zu reagieren. Für mehr Schutz gingen sie schon demonstrieren, von Europa und Amerika weitgehend unbeachtet.

Im Oktober 2002 entging Obiora Ike selbst nur knapp einem Mordanschlag. Im November 2012 stürmten Terroristen eines Sonntags in den frühen Morgenstunden die katholische Kirche Sankt Leo in Enugu, wo Prälat Obiora Ike wirkte, und zerstörten das Inventar. Daraufhin ermutigte er die Gläubigen, standhaft im Glauben auszuharren und den Angreifern zu vergeben.

Wegen der Corona-Pandemie wird es nicht  –  wie ursprünglich geplant – einen Festakt im Rittersaal des Deutschordenshauses in Frankfurt geben. Eine Feier mit Laudatio des bekannten katholischen Publizisten Martin Lohmann wird voraussichtlich im nächsten Jahr nachgeholt.


Frankfurt: Pater Tom – ehem. Dschihadisten-Geisel – erhielt den Stephanuspreis

Die Stephanusstiftung für verfolgte Christen hat am Sonntag in Frankfurt ihren diesjährigen Stiftungspreis an Tom Uzhunnalil, einen indischen Pater des Salesianerordens vergeben.

Die Verleihung erfolgte „in Anerkennung seines Mutes, angesichts höchster Gefahr, seinen Glauben, seine Nächstenliebe und seine Hoffnung in die Verwandlung der Herzen bewiesen zu haben“.

Laudator Michael Blume, Religionswissenschaftler und Referatsleiter im Staatsministerium Baden-Württemberg, betonte, der Preisträger habe sich nicht dazu verleiten lassen, die Täter zu hassen, die ihn am 4. März 2016 von dem Gelände eines Altenpflegeheims der Mutter-Teresa-Schwestern in der südjemenistischen Stadt Aden entführten.

Die Dschihadisten ermordeten bei dem Überfall 16 Menschen, darunter auch vier der Schwestern.

18 Monate dauerte die Geiselhaft bei einer radikal-islamischen Gruppe. Im Juli und Dezember 2016 tauchten im Internet Videos mit flehentlichen Appellen des Paters auf, sich für seine Freilassung einzusetzen.

Die Entführer hatten ihn zu den Aufnahmen gezwungen. Sie rechneten vielleicht nicht mit der überwältigenden Resonanz. Weltweit beteten Menschen und setzten sich mit Appellen an verschiedene Regierungen für ihn ein. Schließlich kam er wohl auf Vermittlung des Sultanats Oman am 12. September 2017 frei.

BILD: Michaela Koller überreichte Papst Benedikt während seiner Amtszeit eines ihrer Bücher

Die Stiftungsvorsitzende Michaela Koller betonte: „Ohne seine Besonnenheit hätte er wohl nicht überlebt und zeigen können: Der Einsatz für die Verfolgten lohnt sich.“

Pater Tom Uzhunnalil kündigte in seiner Dankesrede an, den Preis den „Missionarinnen der Nächstenliebe“ von Mutter Teresa widmen zu wollen.


Frankfurt: Stephanuspreis für mutige pakistanische Menschenrechtlerin Anthony

„Unermüdlich, selbstlos und in ständiger Gefahr für ihr eigenes Leben“ setzt sich die katholische Menschenrechtsanwältin Aneeqa Maria Anthony aus Lahore für verfolgte Christen und die Schwächsten in Pakistan ein: Dafür ist sie am vergangenen Samstag mit dem „Stephanus-Preis für verfolgte Christen“ in Frankfurt geehrt worden.

Laudatorin Michaela Koller, Vorstandsvorsitzende der Stephanus-Stiftung, überreichte in der Frankfurter Jesuitenhochschule St. Georgen den diesjährigen Preis mit der Begründung, dass die christliche Anwältin erstmals in einem Fall von Lynchmord gegen ein der Blasphemie verdächtiges Ehepaar im November 2014 erfolgreich für Gerechtigkeit gekämpft hat.

BILD: Preisträgerin Aneeqa Maria Anthony (rechts) und Laudatorin Michaela Koller bei einer Papstaudienst in Rom

Dabei habe sie sich nicht einmal durch eine Fatwa, einem islamischen Rechtsgutachten, das zu ihrer Ermordung aufrief, davon abschrecken lassen und weiter die Interessen der drei überlebenden Kinder des christlichen Ehepaars vertreten.

Zudem stehe die Menschenrechtsverteidigerin fest im Glauben. Dies belege ihre Antwort auf die Frage nach dem Quell ihrer Kraft, trotz aller Anfeindungen fortzufahren:

„Unsere Stärke gibt uns Gott. Er ist die einige Waffe, die wir haben. Bei schwierigen Ermittlungen wird mir oft geraten, mich zu bewaffnen. Aber Gott wird uns immer, wenn wir große Dinge zu tun bereit sind, beschützen.“

Mit einem Sonderpreis wurde außerdem  –  zusammen mit Max Klingberg und Ron Kubsch  –  Bischof Thomas Schirrmacher, stellv. Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, für die Herausgabe des doppelten Jahrbuches über Religionsfreiheit sowie Diskriminierung und Verfolgung von Christen ausgezeichnet.

An der festlichen Übergabe beteiligte sich auch der Stifter und neue Ehrenvorsitzende des Vorstands, Wolfgang Link, der seit mehr als vier Jahrzehnten menschenrechtsaktiv ist.

Im September übergab er sein Amt als Vorsitzender an die Frankfurter Journalistin und Menschenrechtsexpertin Michaela Koller und am 25. März ernannte der Vorstand den Frankfurter Philosophen und Menschenrechtler Emmanuel Ogbunwezeh, geboren in Nigeria, zum neuen stellv. Vorsitzenden.

„Das Recht kann wie die Musik Menschen zusammenführen und versöhnen. Zu seiner Durchsetzung bedarf es jedoch furchtloser Menschenrechtsverteidiger wie Aneeqa Maria Anthony“, sagte Michaela Koller in ihrer Laudatio.

Die musikalische Umrahmung der Feierstunde gestaltete die Hamburger Komponistin Gloria Bruni, die mit ihren eingespielten Werken und ihrer Sopranstimme das Publikum, insbesondere die Preisträgerin Anthony fesselte.

Quelle: https://de.zenit.org/articles/stephanuspreis-an-pakistanische-menschenrechtlerin/