Warum die Zelebration zu GOTT hin besser ist

Von Felizitas Küble

Als Kurienkardinal Sarah – Präfekt der Gottesdienstkongregation –  vor zwei Jahren einige liturgische Klarstellungen vornahm, war die Aufregung groß.

Der römische Würdenträger aus Afrika (siehe Foto) ermutigte die Priester, die heilige Messe „ad Deum“ (zu Gott hin) zu feiern; man spricht auch von der Zelebration „versus orientem“ (zum Osten hin) bzw. von einer Ausrichtung des Priesters „zum Altar hin“.

Die heute meistverbreitete Praxis ist hingegen jene „versus populum“ – also zum Volk hin, der Priester wendet sein Angesicht dabei der Gemeinde zu.

Manchmal hört man die Behauptung, diese neue Ausrichtung sei vom 2. Vatikanum beschlossen worden bzw. sie sei eine Vorschrift der Liturgiereform nach dem Konzil.

Diese These ist in beiden Varianten falsch. Das Vatikanische Konzil hat sich zu dieser Frage überhaupt nicht geäußert, geschweige zum Bau von „Volksaltären“ aufgefordert. Durch die Liturgiereform wurde die Ausrichtung „versus populum“ zwar erlaubt, aber nicht vorgeschrieben. Auch nach dem NOM (neuen Meßbuch) ist die frühere Zelebration zum Altare hin weiter möglich.

Es wäre auch gleichsam „verrückt“, wenn es anders wäre, denn immerhin besteht diese klassische Priester-Orient-ierung seit zweitausend Jahren, sie war schon in der frühen Kirche die übliche Gebetsausrichtung des Priesters, der Diakone, der Meßdiener – und der Gemeinde.

Wohlgemerkt: Auch die Gläubigen wandten sich gemeinsam mit dem Geistlichen „zum Altar hin“, der meist „geostet“ war, also nach Osten hin ausgerichtet. Das hatte eine symbolische Bedeutung, denn es galt das Leitwort, das bereits die alttestamentlichen Juden kannten: „Aus dem Osten kommt das Licht“. So sind die Synagogen bis heute immer geostet, damit der Schrein mit den Thorarollen „gen Osten“ steht. 

Diese Orient-tierung hat auch eine eschatologische (endzeitliche) Bedeutung und beinhaltet in zeichenhafter Weise, daß wir „dem HERRN entgegengehen“. Wir erwarten den einst wiederkommenden Christus, der für uns Gläubige das „Licht der Welt“ ist.

Obwohl das nachkonziliare neue Meßbuch also auch die frühere Zelebrationsrichtung gestattet, findet sie in der Praxis kaum noch statt  – natürlich mit Ausnahme der „alten Messe“ nach dem überlieferten Ritus, dort ist diese Meßfeier „zum Altare hin“ ohnehin selbstverständlich und verpflichtend zugleich.

BILDER: Traditionelle hl. Messe in der Kapelle von Schloß Assen beim Sommerfest 2018

Was ist nun theologisch und liturgisch besser, aber auch „pastoral“ geeigneter?

Zunächst sind folgende Fakten zu bedenken:

  1. Die Ausrichtung „ad Deum“ (zu Gott, zum Altar hin) ist die frühchristliche und seit fast zweitausend Jahren übliche Form der Zelebration. Sie besitzt somit den Vorzug des Ursprungs und der beständigen Überlieferung. Diese kommt nicht von ungefähr, sondern beruht wiederum auf theologischen Gründen.
  2. Auch die Ostkirchen – sowohl die unierten Kirchen wie die orthodoxen Konfessionen  – praktizieren diese Liturgie-Ausrichtung „ad Deum“ bis heute, ebenso die altorientalische koptische Kirche (Ägypten, Äthiopien).

Wie steht es nun mit dem Einwand, durch die neue Zelebrationsrichtung „zum Volk hin“ sei eine stärkere Gemeinsamkeit zwischen dem Priester und seiner Gemeinde erkennbar, da sie sich sozusagen „einander zuwenden“?

Der Gleichklang des Betens und Feierns besteht aber doch gerade in einer gemeinsamen (!) Gebetsrichtung, nämlich daß sowohl der Geistliche wie die Ministranten und das Kirchenvolk einmütig zum Altar hin ausgerichtet sind.

Im Mittelpunkt der heiligen Messe steht nicht der Mensch, auch nicht der Priester, sondern GOTT – und daher wenden sich  b e i d e  dem Höchsten zu, dessen Erhabenheit und Gegenwart durch den Altar versinnbildlicht wird. 

Das Mindeste ist aber ein Kreuz auf dem Altar, so daß sich Priester und Gemeinde wenigstens zu diesem Kreuz als dem symbolischen Zentrum der Feier hinwenden. Aber in vielen Kirchen finden wir kein Kreuz auf dem Volksaltar.

Die Ausrichtung „zum Altar hin“ gilt konkret für das sakramentale Meßopfer, also für die Eucharistiefeier im engen Sinne. Der Wortgottesdienst wurde auch früher größtenteils zum Volk hin vollzogen, etwa die Lesungen in deutscher Sprache oder auch die Predigt. Hier geht es nicht um Gebete, sondern um das Hören auf Gottes Wort und des Priesters Auslegung.

Somit dürfte klar sein, daß gerade die neuzeitlich so beliebte Argumentation hinsichtlich der „Gemeinschaft“ von Volk und Priester für die Zelebration zum Altare hin spricht, denn hierbei findet eine einheitliche Gebetsausrichtung statt, man schaut gemeinsam in dieselbe Richtung – nicht jedoch bei der neu-liturgischen Variante „versus populum“.

Zudem wollte man doch angeblich von der Priester-Zentrierung abkommen, also eine allzu starke Betonung des Zelebranten vermeiden, auf daß das „wandernde Gottesvolk“ nicht zu kurz komme etc.

Auch hierbei ist das Gegenteil erreicht worden: Durch die Zelebration zum Volke hin steht der Priester weitaus mehr Mittelpunkt als früher, seine Gestik ist ständig gegenwärtig, sein Gesicht unentwegt sicht-bar, was vor allem bei der heiligen Wandlung unangemessen wirkt, denn der Liturge am Altar ist lediglich Statthalter Christi, der eigentliche Opferpriester (und auch die Opfergabe selbst) ist aber unser HERR.

Die Gläubigen sollen sich nicht auf die (Privat-)Person des Priesters, sondern auf den „ewigen Hohenpriester“ konzentrieren, auf Christus also!

Dazu kommt, daß es vermutlich für die innere Sammlung und Andacht des Geistlichen auch nicht sehr förderlich ist, wenn er ständig im Blickkontakt zu seiner Gemeinde stehen muß. Nicht einmal beim Höhepunkt der heiligen Messe darf er mal kurz alleine sein, auch dort wird ihm vom Kirchenvolk ins Gesicht geschaut.

Es ist also für die Andacht und Frömmigkeit sowohl des Priesters wie der Gemeinde besser, wenn der Zelebrant zum Altare hin zelebriert!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MiT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 

 

 


Ausstellung über die Vernichtung jüdischer Kulturdenkmäler in Böhmen und Mähren

Von Susanne Habel

Im Sudetendeutschen Haus in München wird bis Ende September 2015 die Ausstellung „Vernichtete jüdische Denkmäler in Nordböhmen 1938–1989“ gezeigt. P8112174

Die Schau, eine Veranstaltung der Heimatpflege der Sudetendeutschen, bietet Fotographien und Texte über die Zerstörung von jüdischen Glaubensdenkmälern in Nordböhmen unter der Besetzung durch das nationalsozialistische „Dritte Reich“ und unter dem kommunistischen Regime.

BILD: Heimatpflegerin Dr. Zuzana Finger, Tomáš Hlaváček, Generalkonsul Dr. Milan Čoupek, SL-Bundesgeschäftsführer Christoph Lippert und Šárka Hlaváčková (Tochter von Hlaváček).  – Fotos: Susanne Habel

Wie umfassend die Zerstörung jüdischer Kulturgüter in den böhmischen Ländern war, erläuterte Tomáš Hlaváček, der Ausstellungskurator bei der Eröffnung am 11. August in München. Seine tschechische Ansprache wurde von Zuzana Finger, der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, konsekutiv übersetzt.

Auch Kommunisten zerstörten Synagogen

„Zwischen 1918 und 1945 verschwanden ungefähr 87 Synagogen aus Nordböhmen, und zahllose Friedhöfe wurden zerstört“, erläuterte der Initiator der Ausstellung. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sei keineswegs besser gewesen; unter dem kommunistischen Regime ab 1948 seien etwa weitere einhundert Synagogen abgerissen worden, davon gut zwei Dutzend in Nordböhmen.

Das gleiche Schicksal habe von der Nachkriegszeit bis zur „Samtenen Revolution“ und der politischen Wende 1989 auch jüdische Gebetsräume und Friedhöfe ereilt.

Hlaváček ist Vorsitzender der „Společnost pro obnovu památek Úštěcka“ (Verein für Denkmalrenovierung im Auschauer Ländchen), einer Bürgerinitiative, die sich seit Jahren um die Instandsetzung von historischen Baudenkmälern in der Region zwischen Leitmeritz und Böhmisch Leipa bemüht.

Künftigen Vandalismus verhindern

„Zuerst sanierten wir nur mit Kindern und Jugendlichen die sakralen Kleindenkmäler bei Auscha, um ihnen die Geschichte näherzubringen und künftigen Vandalismus von Jugendlichen zu verhindern“, erklärte Hlaváček den Anfang seiner Arbeit.P8142257

Dazu erstellte man eine Datenbank und Karten und schuf zwei große Ausstellungen.

BILD: Die Tafeln zeigen die Zerstörung der jüdischen Glaubensdenkmäler in Böhmen und Mähren 

Die erste Schau über die „Zerstörten christlichen Denkmäler Nordböhmens 1945–1989“ sei inzwischen als Wanderausstellung in 25 Städten gezeigt worden, ihr Katalog habe sich 4000 Mal verkauft.

Die zweite, aktuelle Ausstellung über die „Vernichteten jüdischen Denkmäler“ werde jetzt hier zum 13. Mal gezeigt. Vom Katalog habe man schon 1800 Exemplare verkauft.

„Ich freue mich, dass sie nun im Sudetendeutschen Haus zu sehen ist!“, strahlte Hlaváček. Auch freue ihn sehr, daß Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die bei der Eröffnung leider verhindert war, die Schirmherrschaft  übernommen habe.

All dem stimmte Zuzana Finger, die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, voll zu: „Die neue Ausstellung ist auf dem Hintergrund des gelungenen, jahrhundertelangen Zusammenlebens der Bevölkerungsgruppen in Böhmen und Mähren zu betrachten, das durch Vorurteile, Hass und Rassenwahn zerstört wurde“, sagte sie über die Schau.

Auf den dort gezeigten Tafeln wird die Geschichte der jüdischen Glaubensgemein-schaften und ihrer Bauten in allen größeren Orten Nordböhmens gezeigt:

Leitmeritz, Gablonz, Brüx, Lobositz, Lobochowitz, Reichenberg, Komotau, Eidlitz, Kaaden, Böhmisch Leipa, Aussig, Teplitz und Soborten – alle verfügten einst über blühende jüdische Gemeinden, die nun nur noch in dieser Ausstellung dokumentiert seien. Allerdings wurde auch einiges wieder hergestellt.P8112186

Alle waren ergriffen, auch der Sprecher der Sudetendeutschen, Bernd Posselt, und der Tschechische Generalkonsul in München, Milan Čoupek.

BILD: Thilo Viehrig (Geige) und Nancy Thym (Harfe) präsentierten jiddische Lieder aus Böhmen.

Der Diplomat dankte für die Präsentation der Ausstellung in der Kubin-Galerie:

„Gerade hier im Sudetendeutschen Haus wird schon seit 1989 der Weg der Versöhnung konsequent beschritten“, erklärte der Generalkonsul. „Hier kann man ,reconciliatio‘ im wahrsten Sinne des Wortes erleben!“.  – „Beratung“, was das lateinische Wort bedeute, sei die Stärke der Sudetendeutschen, eben ihre „Vermittlung durch Kommunikation“, schloss Coupek sein Grußwort.

Zum feierlich-besinnlichen Charakter des Abends trug auch die musikalische Umrahmung bei: Die amerikanische Harfenkünstlerin Nancy Thym und der Geiger Thilo Viehrig trugen jüdische Lieder aus Böhmen vor.

Ausstellung: bis Freitag, 25. September: „Vernichtete jüdische Denkmäler in Nordböhmen 1938–1989“ in München, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8.

Montag bis Freitag 9 bis 18.30 Uhr. Entleihbar bei: Frau Kamila Hlaváčková, Email: kamila.hlavackova@seznam.cz, Handy: 00420739887130, Festnetz Büro: 00420416731455

Unsere Autorin Susanne Habel ist Journalistin und Redakteurin; sie wohnt in München


Prof. Wolffsohn erinnert an die dunkle und die helle Seite des 9. November

Der deutschjüdische Historiker Dr. Michael Wolffsohn (siehe Foto) äußerte sich in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 4. November ausführlich zum heutigen Gedenktag der sog. Reichskristallnacht, in neuerer Zeit meist als „Reichsprogromnacht“ bezeichnet.

In jener Schreckensnacht des Jahres 1937 wurde die Judenverfolgung der nationalsozialistischen Diktatur verschärft, Synagogen brannten, kritische (jüdische und nichtjüdische) Bürger kamen ins KZ, Juden wurden ermordet.

Hierbei wütete aber keineswegs der spontane „Volkszorn“, wie die Nazi-Propaganda vortäuschen wollte. Vielmehr war die tyrannische NS-Partei- und Reichsführung für diese Verbrechen verantwortlich.

Professor Wolffsohn erinnert in seinem FAZ-Beitrag daran, daß am 9. November zugleich eines anderen Tages gedacht wird, eines freudigen Ereignisses:  

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer; damit wurde das Ende des „Eisernen Vorhangs“ vollzogen: „Der Anfang vom Ende der rot-kommunistischen Ära weit über Deutschland hinaus“, so der Geschichtswissenschaftlicher aus München.

Prof. Wolffsohn schreibt zudem:

„Dieser Helligkeit und Fröhlichkeit wird weniger gedacht als jener braunen Dunkelheit. Aus Ängstlichkeit, Verkrampftheit, Feigheit, Selbstentfremdung?

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Altes Testament, Leviticus 19,18; Neues Testament, Markus 12,29).  – „Wie dich selbst“. Wer sich selbst nicht liebt, nicht annimmt, der kann seine Nächsten nicht lieben, nicht annehmen.

Das ist keine gute Grundlage für gute Gemeinschaft und Nachbarschaft, von Selbstachtung ganz zu schweigen.“

Den vollständigen Artikel von Prof. Wolffsohn lesen Sie hier: http://www.wolffsohn.de/cms/images/Snippets_pdf/faz-gegenwart.pdf