Reform-Manifest statt „Synodaler Weg“

Von Dr. Axel Bernd Kunze

Der Synodale Weg, den die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken begonnen haben, ist mehr eine Funktionärsveranstaltung als ein Instrument synodaler Beratung in der Kirche.

Nur mühsam können die kirchlich Verantwortlichen noch den Anschein einer gelungenen Gesprächskultur erwecken und die Gefahr des Scheiterns kleinreden, seit die letzte Vollversammlung vorzeitig abgebrochen wurde. Teilnehmer berichten von einer aufgeheizten Stimmung wie auf einer politischen Kundgebung.

Der Arbeitskreis Christliche Anthropologie hat nun ein Reformmanifest vorgelegt, mit dem ein am Evangelium orientierter, kirchlicher verantwortlicher Neuanfang und Reformprozess möglich werden sollen.

Das Manifest kann unter folgendem Link unterzeichnet werden:

Reform-Manifest neuer Anfang

Quelle des Beitrags von Dr. Kunze: https://bildung-und-ethik.com/2021/10/05/neu-anfangen-das-reform-manifest/


Augsburger Bischof besorgt über Synodale Irrwege: Keine kath. Kirche ohne Priester!

Läuten wir uns selbst die Sterbeglocke?

Der Augsburger Oberhirte Dr. Bertram Meier hat angesichts der jüngsten Beschlüsse im Gesprächsforum Synodaler Weg davor gewarnt, in der Kirche mit „nationalen Sonderwegen zu liebäugeln“.

In einer Predigt anlässlich der Investitur der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem betonte der katholische Bischof am Sonntag im Augsburger Dom: „Nie habe ich Weltkirche als Handicap oder Korsett erfahren. Im Gegenteil: Ich sehe sie als Privileg. Die Weltkirche hat meinen Horizont weit gemacht.“

Das Gesprächsforum „Synodaler Weg“, in dessen zweiter Vollversammlung am vorvergangenen Wochenende mehrheitlich beschlossen wurde, den Sinn des sakramentalen Priestertums zum Diskussionsthema zu machen, betrachtet der Bischof „mit Sorge“:

„Trägt uns nicht mehr die gemeinsame Überzeugung, dass ein sakramental verstandenes Volk Gottes – die Kirche – ein sakramental verortetes Weiheamt notwendig braucht? Es ist konstitutiv für die katholische Kirche. Daran sollte auch eine Synode weder rütteln noch sägen.…Wenn wir ernsthaft eine Kirche ohne Weiheamt anstreben, läuten wir uns selbst die Sterbeglocke.“

…..Priesterweihe in Regensburg – Foto: altrofoto.de

Wer eine Kirche ohne sakramentales Amt wolle, breche ihr das Genick. Sie hätte keine Kraft mehr, gegen den Strom zu schwimmen und würde mitgerissen werden von den Wellen der gängigen Meinungen.

Auch gegenüber den im Synodalen Weg vertretenen Vorstellungen, basisdemokratischen Elementen bei Bischofernennungen eine gewichtige Rolle zu geben und diese Ämter ggf. zeitlich zu begrenzen, zeigte Bertram sich skeptisch:

„Wollen wir unsere Hirten künftig nur noch demokratisch wählen und auf Zeit einsetzen, um ihnen bei Bedarf ebenso per Mehrheitsvotum wieder das Vertrauen entziehen zu können? Bischöfe auf Zeit?!…Denken wir es weiter! Müsste ein Pfarrer, ein Bischof, der Papst sein Wirken an den Applaus von Mehrheiten knüpfen, wohin würde das führen?

Stellen wir uns vor, wie es unserem Erlöser im Heiligen Land ergangen wäre, wenn er bei den Aposteln vorher hätte abstimmen lassen, ob er den Kreuzweg gehen soll. Mein Kirchenpolitbarometer liefert mir die Prognose: 12 zu 1 gegen Jesus. Der Heiland hat aufs Votum verzichtet; er hat sich fürs Kreuz entschieden – und uns dadurch erlöst: Im Kreuz ist Heil!“

Quelle: Pressemitteilung der Diözese Augsburg


„Reform-Manifest“ contra Synodaler Irrweg

Als katholische Christen bekennen wir uns zur Notwendigkeit grundlegender Reformen der Kirche. Noch nie gab es jedoch wirkliche und tiefe Erneuerung ohne Umkehr und die lebensverändernde Neuentdeckung des Evangeliums.

Deshalb verfehlt der Synodale Weg auf dramatische Weise den Ansatz wahrer Reform. In seiner Fixierung auf die äußere Struktur geht er am Kern der Krise vorbei; er verletzt den Frieden in den Gemeinden, verlässt den Weg der Einheit mit der Weltkirche, beschädigt die Kirche in der Substanz ihres Glaubens und läuft auf ein Schisma hinaus.

Wir bekennen uns zum lebendigen Wort Gottes, in dem Licht und Wahrheit ist. Wir finden es lebendig bezeugt in der Heiligen Schrift, lebendig überliefert durch die Kirche, lebendig sichtbar gemacht durch gelebten Glauben.

Dieses lebendige Wort Gottes wird verbindlich gemacht und bewahrt durch die mit dem Lehramt beauftragten und gesendeten Zeugen. Unser Gewissen verpflichtet uns, niemals Forderungen zu unterstützen oder Initiativen zu folgen, die diese Bindung an das lebendige Wort Gottes auflösen oder relativieren. Vielmehr geht es darum, in seinem lebendigen Wort den Willen Gottes für seine Kirche heute zu suchen.

Soweit die Präambel – weiterer Text und Unterzeichnungs-Möglichkeit hier: https://neueranfang.online/manifest/#unterzeichnen


Debatte zum Synodalen Weg: Zustimmung zur Initiative von Bischof Rudolf Voderholzer

Erklärung des Forums Deutscher Katholiken:

Jeder nachdenkliche katholische Christ weiß, dass nicht allein wegen der Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs durch Priester eine Umkehr und Erneuerung unserer Kirche dringend erforderlich ist.

Dieser Aufgabe wollte sich der Synodale Weg annehmen, aber an seinen Methoden, Zielen und Inhalten gibt es zunehmend Kritik.

Vor Beginn der 2. Vollversammlung vom 30. September bis 2. Oktober hat Bischof Dr. Voderholzer eine eigene Homepage eingerichtet, um zu den Foren und Themen des Synodalen Weges alternative Textvorschläge einzubringen. Sie stammen von Mitgliedern der jeweiligen Foren sowie von verschiedenen Instanzen des päpstlichen Lehramtes.

Er hat bekanntlich mit wenigen anderen Bischöfen als Mitglied des Synodalen Weges von Anfang an versucht,
sowohl Bestimmungen der Satzung und Geschäftsordnung als auch die thematischen Inhalte der einzelnen Foren zu verändern – ohne Erfolg!
Sein zentrales Thema war die Neuevangelisierung, die auch im Mittelpunkt des Briefes von Papst Franziskus “an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland” stand.


Besonders ärgerlich ist die erste Reaktion auf solche Alternativ-Texte, die von Mitgliedern des Synodalen Weges pauschal ohne Befassung mit den Inhalten zurückgewiesen werden. Das ist kein Zeichen einer guten Dialogkultur!

Als Forum deutscher Katholiken fordern wir:
Liebe synodale Schwestern und Brüder, bewahrt die Macht in der Kirche als sakrale Macht, damit sie sich nicht zu einer ideologisch verabsolutierten Macht verselbständigt, sondern ihren ultimativen Bezugspunkt immer im erlösenden Geschehen von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi behält.

Der Erzbischof von Paris, Mgr. Michel Aupetit, hat in seiner Predigt bei einer Hl. Messe an einer Gedenkstätte in Frankreich Ende August angemahnt: “Wir müssen die Brüderlichkeit wieder neu aufbauen”.

Deshalb sollte sich kein Verfasser von alternativen Stellungnahmen, auch wenn er angegriffen und marginalisiert wird, entmutigen lassen und seine Bemühungen einstellen.

Das “Forum Deutscher Katholiken” versteht die begrüßenswerte Initiative von Bischof Voderholzer nicht als „zugleich eine Hoffnung und eine Illusion” (Peter Winnemöller).

Wir stimmen der Auffassung von Bischof Voderholzer zu, dass ein synodaler Weg “gut und zielführend” nur dann sein kann, wenn er “mit und in der ganzen Kirche gegangen wird.”

Prof. Dr. Hubert Gindert, Vorsitzener des Forums Deutscher Katholiken     
Prof. Dr. Werner Münch, Schirmherr der Kongresse „Freude am Glauben“

Foto: Bistum Regensburg


Regensburger Bischof eröffnet Portal mit Alternativ-Texten zum „Synodalen Weg“

Der Oberhirte von Regensburg, Dr. Rudolf Voderholzer, hat am heutigen 3. September 2021 (dem Festtag von Papst Gregor dem Großen) eine neue Internetseite eröffnet, in der zukünftig kirchliche Dokumente sowie Artikel von Synodenmitgliedern veröffentlicht werden, die sich theologisch kompetent auf der Grundlage der katholischen Lehre zu Wort melden.

In dem Begrüßungsschreiben des Bischofs auf der Startseite heißt es eingangs:

„Wie kann es gelingen, in der Kirche neu die Freude am Glauben und an der Beziehung zu Jesus Christus zu vermitteln? Was muss geschehen, damit Kirche-Sein, Katholisch-Sein, nicht als ein Makel erscheint, für den man sich schämen muss?

Was können wir dazu beitragen, dass kirchliches Christsein wieder Grund zu aufrechtem Gang wird im Bewusstsein, in der weltweiten Verbundenheit der Schwestern und Brüder Jesu nicht nur Gott die Ehre zu geben, sondern auch wichtige Beiträge zu leisten für den Aufbau und den Zusammenhalt der Gesellschaft?“

Sodann wird erklärt, der Synodale Weg könne in den „bisher gefahrenen Gleisen nicht ans Ziel“ führen:

„Die ganze Kirche ist nicht nur die weltweite Kirche, sondern auch die Kirche des Ursprungs und die Kirche der Heiligen, die schon am Ziel angekommen sind. Ihr Quellgrund ist der Gottmensch Jesus Christus, der in der Eucharistie leibhaftig gegenwärtig ist und von ihr her die Kirche aufbaut.“

Abschließend schreibt der Bischof, man setze mit diesem Internetportal auf Argumente und auf die „gesunde Lehre“:

„So gut es ging, wurden die hier vorgelegten Argumente in den Prozess des Synodalen Weges eingebracht. Aufgrund der dort herrschenden Mehrheitsverhältnisse wurden und werden sie aber bislang nicht berücksichtigt.“

Quelle für die Zitate: https://www.synodale-beitraege.de/de/


Hintergründe der Kritik an Kardinal Woelki

„Der Erzbischof von Köln wäre seine Kritiker mit einem Schlag los, wenn er in Sachen ‚Synodaler Weg‘, Frauenpriestertum oder Segnung ausserehelich zusammenlebender Paare eine ähnliche Position wie die Bischöfe von Limburg und Osnabrück vertreten würde.“ – Das sagte Dr. Karl-Heinz Menke in einem Interview mit der Kirchenzeitung des Erzbistums Köln.

Der emeritierte Dogmatik-Professor ist zusammen mit dem Untersekretär der Apostolischen Signatur, Msgr. Prof. Dr. Markus Graulich, Herausgeber der Festschrift „Fides incarnata – fleischgewordener Glaube“, die zum 65. Geburtstages des Kölner Erzbischofs, Rainer Maria Kardinal Woelki, am 18. August 2021 in einer Feier in Köln dem Kardinal überreicht worden ist.

Es sei „ein Skandal, dass man Kardinal Woelki eine Visitation ins Haus schickt, während die deutschen Bischöfe unbehelligt bleiben, die den Missbrauchsskandal nicht annähernd so konsequent wie er aufklären und stattdessen römische Verlautbarungen regelmäßig in Frage stellen“, so der Bonner Theologe Menke.

In seinem Titel greift die Festschrift das Dokument der Glaubenskongregation zum Verhältnis von Glaubensvollzug und Glaubenssinn, von Glaube und Sakrament/Kirche auf. Denn auf der einen Seite zeige sich „das Phänomen eines desinkarnierten Christentums reiner Innerlichkeit, auf der anderen Seite das Phänomen des sogenannten Sakramentalismus, einer auf Formeln, Riten und Äußerlichkeit reduzierten Religiosität ohne persönlichen Glauben“, erklärt Prof. Menke.

Quelle und vollständiger Beitrag von Dr. Gero Weishaupt hier: https://www.kathnews.de/die-zukunft-hat-in-koeln-frueher-begonnen-als-anderswo


Kardinal Müller kritisiert Traditionis Custodes: Der Hirte schlägt auf die Schafe ein

Kardinal Gerhard Müller hat schwere Bedenken an Ton, Inhalt und Sinn des Schreibens „Traditionis Custodes“ von Papst Franziskus angemeldet, und dessen theologischen wie pastoralen Ansatz deutlich in Frage gestellt. 

In einem in englischer Sprache veröffentlichten Essay schreibt der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, die „erkennbare Absicht“ des Motu Proprio sei, auf die Dauer die Feier der heiligen Messe in der überlieferten Form „zum Aussterben zu verurteilen“ – und das auf Kosten der Gläubigen, der Familien und Gemeinschaften der katholischen Tradition:

„Ohne die geringste Empathie“ gehe das von Franziskus vorgelegte Motu Proprio „hinweg über die religiösen Empfindungen der – oft auch jugendlichen Teilnehmer – an den Messen nach dem Missale Johannes XXIII“, kritisiert der Kurienkardinal.

Müller schreibt wörtlich: „Statt den Geruch der Schafe anzunehmen, schlägt der Hirte hier mit seinem Stab kräftig auf sie ein.“

Papst Franziskus habe zwar versucht, so der Kardinal, „die Motive darzulegen, die ihn als den Träger der obersten Autorität der Kirche bewegt haben, die Liturgie im außerordentlichen Ritus zu unterdrücken“.

Doch angesichts der Unausgewogenheit „im Einsatz gegen die massiven Angriffe auf die Einheit der Kirche im deutsch-synodalen Weg (und bei sonstigen Pseudo-Reformern) und der harschen Disziplinierung der altrituellen Minderheit drängt sich das Bild von der Feuerwehr auf, die statt des lichterloh brennenden Hauses zuerst die kleine Scheune daneben rettet“, so Müller.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: https://de.catholicnewsagency.com/story/schwere-bedenken-kardinal-mueller-kritisiert-traditionis-custodes-8832

Foto: Bistum Regensburg


Papst ernannte drei deutsche Bischöfe zu Richtern der Apostolischen Signatur

Von Dr. Gero Weishaupt

Die Apostolische Signatur ist das höchste Berufungs- und Verwaltungsgericht der Katholischen Kirche. Zugleich übt sie Aufsicht über die Gerichtsdisziplin in den einzelnen Diözesen der Weltkirche aus.

Vor einigen Tagen hat Papst Franziskus neue Richter für das Höchste Gericht bestellt, darunter zur Überraschung vieler drei aus Deutschland: Gerhard Kardinal Müller (siehe Foto), den früheren Präfekten der Glaubenskongregation, sowie die Weihbischöfe Dominicus Meier aus Paderborn und Weihbischof Christoph Hegge aus Münster.

Auf einen Schlag drei aus Deutschland. Das ist ein Novum. Bisher gab es nur einen deutschen Bischof als Richter an der Signatur. Dieses Richteramt bekleidete bis jetzt der frühere Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff.

Synodaler Weg führt möglicherweise zu Klagen

Es wird nun spekuliert, warum auf einmal drei deutsche Bischöfe in diese päpstliche Behörde berufen worden sind. Die Einrichtung regionaler Verwaltungsgerichte auf der Ebene der Deutschen Bischofskonferenz und der damit verbundene größere Arbeitsaufwand für die Apostolische Signatur mag ein Grund sein.

In einem Interview auf katholisch.de wurde jüngst dem Münsteraner Kirchenrechtlers und Weihbischofs Christoph Hegge die Frage gestellt, was für Themen das seien, „die sich dann an der Apostolischen Signatur wiederfinden könnten“.

Weihbischof Hegge antwortete: „Zum Beispiel alle Fragen, die im Synodalen Weg auftauchen. Je nachdem, was beschlossen und umgesetzt wird, kann das auch zu Klagen führen, die dann ihren Weg vor die römischen Gerichte finden.“

Der Apostolische  Stuhl rechnet also nach dem Synodalen Weg mit Klagen von Katholiken aus Deutschland. Schon jetzt klagen papst- und kirchenteue Katholiken beim Apostolischen Nuntius in Berlin und im Vatikan über die kirchenspalterischen Forderungen des Synodalen Weges und die sie flankierenden Aktionen gegen den Papst.

Vor einigen Wochen haben Katholiken aus dem Bistum Essen ein Dubium auf den Weg gebracht, es bei der Glaubenskongregation eingereicht und dem Apostolischen Nuntius in Berlin und der Deutschen Bischofskonferenz zur Kenntnis gebracht.

Quelle und vollständiger Beitrag hier: https://www.kathnews.de/rechnet-der-apostolische-stuhl-mit-mehr-klagen-aus-deutschland


Weshalb Kardinal Woelki nicht zurücktritt

Kardinal Woelki denkt nicht an einen Rücktritt. Das hat er laut der Online-Ausgabe der Ruhrnachrichten klipp und klar am vergangenen Freitag in einer Konferenz mit den Stadt- und Kreisdechanten im Erzbistum Köln zu verstehen gegeben.

Er stehe zu seiner Verantwortung und werde nicht aus eigener Veranlassung zurücktreten.

Die Dechanten hätten ihn dazu aufgefordert, angesichts der Krise in Erzbistum Köln persönliche Konsequenzen zu ziehen.

Die Kritik an seiner Person führe der Kölner Metropolit darauf zurück, „dass er als erster Bischof den sexuellen Missbrauch aufgearbeitet habe. Zudem werde ihm sein Widerstand gegen den derzeitigen Reformkurs der katholischen Kirche in Deutschland, den Synodalen Weg, verübelt“, so die Ruhrnachrichten.

Quelle: https://www.kathnews.de/kardinal-woelki-lehnt-ruecktritt-ab


Bischof Bätzings Reise nach Rom: Bekam er wirklich ein Schulterklopfen vom Papst?

Von Dr. Gero P. Weishaupt

Bischof Bätzing war im Vatikan zur Audienz beim Papst. Danach gab der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz (DBK) über den Verlauf eine kurze Presseerklärung, in der er u.a. Folgendes mitteilte:

Ausführlich habe ich den Papst über den Stand des ‚Synodalen Weges‘ informiert und dabei deutlich gemacht, dass kolportierte Zuschreibungen, wonach sich die Kirche in Deutschland auf Sonderwege begeben wolle, aus der Luft gegriffen sind. Papst Franziskus hat uns ermutigt, den eingeschlagenen Synodalen Weg weiterzugehen, die anstehenden Fragen offen und ehrlich zu diskutieren und zu Empfehlungen für ein verändertes Handeln der Kirche zu kommen.“

Mit dieser Erklärung hinterläßt der DBK-Vorsitzende der Öffentlichkeit den Eindruck, als ob der Papst den Standpunkt eines „Weiter so!“ vertrete und dem Oberhirten aus Limburg auf die Schulter geklopft habe.

Doch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Bischof Bätzing die tatsächliche Krise der Kirche in Deutschland, die gerade durch den Synodalen Weg verschärft worden ist, in seiner Presseerklärung erheblich heruntergespielt hat.

In Wirklichkeit ist die kirchliche Lage in Deutschland dramatisch und hat das Potential zur Kirchenspaltung angesichts der gegenwärtigen Polarisation durch den höchst umstrittenen Synodalen Weg und der ihn flankierenden Aktionen des Ungehorsams gegen den Papst durch Segnungen von homosexuellen Paaren, verbotene Gottesdienstgemeinschaft und Laienpredigten in der Eucharistiefeiern. Der deutsche Sonderweg ist gerade nicht „aus der Luft gegriffen“.

Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Gerade diese rebellischen Aktionen, Provokationen und Verstöße gegen geltendes Kirchenrecht der letzten Wochen sind Ohrfeigen gewesen, die man in Deutschland dem Papst erteilt hat.

Hat der DBK-Vorsitzende zur Kenntnis genommen, dass aus Empörung über die Rebellion der Kirche in Deutschland und aus Sorge um die  Einheit der  Kirche gläubige Katholiken jüngst ein Dubium nach Rom gesandt haben, um klären zu lassen, ob tatsächlich ein Schisma in Deutschland vorliegt?

Ein „Weiter so, Bischof Bätzing!“ kann der Papst kaum gemeint haben. Betreibt der DBK-Vorsitzende hier Schönfärberei über eine in Wirklichkeit sich spaltende Kirche in Deutschland?

Liest man vor diesem Hintergrund noch einmal den Brief, den der Papst 2019 den deutschen Bischöfen geschrieben hat, dann tut man sich schwer mit dem Inhalt der Presseerklärung des DBK-Vorsitzenden.

Die Öffentlichkeit erfährt nur über diese Presseerklärung etwas über den Inhalt der Audienz. Eine amtliche Verlautbarung des Apostolische Stuhles gibt es bislang nicht. Was hat der Papst tatsächlich gesagt?

Die Öffentlichkeit hat aber den Brief des Papstes von 2019 vorliegen. Darin mahnt der Pontifex schon vor zwei Jahren angesichts der spalterischen Tendenz des Synodalen Weges zur Einheit mit der Kirche und ruft zur Evangelisierung auf. Unter anderem schreibt der Papst den deutschen Bischof ins Stammbuch:

Es ist Aufgabe dieses Prozesses, gerade in diesen Zeiten starker Fragmentierung und Polarisierung sicherzustellen, dass der Sensus Ecclesiaeauch tatsächlich in jeder Entscheidung lebt, die wir treffen, und der alle Ebenen nährt und durchdringt. Es geht um das Leben und das Empfinden mit der Kirche und in der Kirche, das uns in nicht wenigen Situationen auch Leiden in der Kirche und an der Kirche verursachen wird.

Die Weltkirche lebt in und aus den Teilkirchen[, so wie die Teilkirchen in und aus der Weltkirche leben und erblühen; falls sie von der Weltkirche getrennt wären, würden sie sich schwächen, verderben und sterben. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Gemeinschaft mit dem ganzen Leib der Kirche immer lebendig und wirksam zu erhalten.“

Die Bischöfe und die Verantwortlichen für den Synodalen Weg haben den Brief bislang ignoriert und nicht umgesetzt. Die Folge: Die kirchliche Lage in Deutschland hat sich seitdem zugespitzt.

Die Hetzkampagne gegen den Kölner Erzbischof –  medial wirksam sogar noch angefeuert – muss vor dem Hintergrund der Ziele des Synodalen Weges verstanden werden.

Doch mit der jüngsten Einbindung des Synodalen Weges in den in die Bischofssynode von 2023 einmündenden weltkirchlichen Synodalen Prozess hat der Papst selber die Zügel in die Hände genommen. So könnte ein Hineinreiten des Synodalen Weges in ein Schisma verhindert werden. Denn mit dessen kirchenspaltenden Programm würde sich die deutsche Teilkirche tatsächlich von der Weltkirche trennen, sie würde sich selber „schwächen, verderben“ und schließlich „sterben“.

Quelle und Fortsetzung des Artikels von Dr. Weishaupt (Kirchenrechtler) hier: https://www.kathnews.de/betreibt-bischof-baetzing-schoenfaerberei