Münster: Landsmannschaften gedenken der Vertreibung am „Tag der Heimat“

Von Felizitas Küble

Der Kreisverband des BdV (Bund der Vertriebenen) feiert jährlich den „Tag der Heimat“ im Rathaus zu Münster. Auch in diesem Jahr gedachten die Landsmannschaften aus den östlichen Vertreibungsgebieten am heutigen Sonntag (22.9.) ihrer leidvollen Geschichte mit dem Verlust der Heimat.

Millionen Deutsche verloren zudem bei Flucht und Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten ihr Leben. Vergewaltigung und Gewalt durch sowjetische Truppen waren an der Tagesordnung. Menschenrechte wurden auch nach Kriegsende massenhaft mit Füßen getreten.

Nach der totalitären Diktatur des Nationalsozialismus folgte der kommunistische Totalitarismus, der Mittel- und Osteuropa unterjochte, aber auch den „anderen Teil Deutschlands“, die sogenannte „DDR“.

Der Tag der Heimat begann mit dem in den USA äußerst beliebten Song „Amazing Grace“ (=Unglaubliche Gnade), dem Inhalt nach das christliche Lied eines Bekehrten.

Nach der Begrüßung durch die BdV-Kreisverbandsvorsitzende Roswitha Möller (siehe Foto) wurde gemeinhsam das Ostpreußenlied, das Pommern- und Westpreußenlied gesungen, ebenfalls musikalisch sehr gelungen begleitet von Alexandra Ridder am Akkordeon.

Der CDU-Ratsherr Stefan Leschniok überbrachte den Anwesenden die Grüße der  Stadt Münster.

Die erste Ansprache hielt sodann eine Flüchtlingsfrau aus Afghanistan, Eiham Sayed Hashemi (siehe Foto), die im Jahre 2009 nach Deutschland gelangte und in Münster Zahnmedizin studiert. Die junge Frau veröffentlichte kürzlich im Agenda-Verlag ihr Buch „Mahrokh – Die Frau eines Terroristen“.

Die Teilnahme der Afghanin am „Tag der Heimat“ zeigt zugleich die menschlich-politische Aufgeschlossenheit der deutschen Landsmannschaften im BdV, die einen Patriotismus ohne Nationalismus praktizieren.

Nach der Totenehrung, die stehend vollzogen wurde, sprach die Regierungspräsidentin Dorothee Feller (siehe Foto) vom Regierungsbezirk Münster.

Die Rednerin erinnerte daran, daß die Bundesregierung vor vier Jahren den 20. Juni als Gedenktag für die deutschen Heimatvertriebenen eingerichtet hat.

Sie betonte die Bedeutung der geschichtlichen Erinnerung auch an Flucht und Vertreibung von Millionen Deutschen. Angesichts der Tatsache, daß es immer weniger Angehörige der Erlebnisgeneration gäbe, sei es umso wichtiger, mit ihnen im Gespräch zu bleiben und das Gedenken an die leidvolle Vergangenheit zu bewahren. Dies sei kein Selbstzweck, sondern die Basis, um heutige Herausforderungen zu bewältigen.

Die deutschen Heimatvertriebenen haben, so Frau Feller, einen herausragenden Beitrag für den Aufbau unseres Landes geleistet. Auch bei den Partnerschaften im osteuropäischen Städten sei ihr Beitrag von großer Wichtigkeit. Allein mit Polen gäbe es 105 deutsche Stadtepartnerschaften in Nordrhein-Westfalen.

Es komme darauf an, das kulturelle Erbe aus den Vertreibungsgebieten zu würdigen und zu erhalten. Dies sei nur mit ehrenamtlichen Bürgern möglich. Leider sei vielfach  – nicht ohne Grund – von einem „Kollaps des Ehrenamts“ die Rede. Doch das ehrenamtliche Einsatz schaffe Gemeinschaftsgefühl und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Daher danke sie dem BdV für sein vorbildliches Engegament, sich für Kultur und Erinnerung einzubringen.

Danach folgten das gemeinsame Singen des Liedes der Schlesier, der Oberschlesier und das Heimatlied der Riesengebirgler.

Ein großes Bild neben dem Rednerpult zeigte ein der Versöhnung gewidmetes Denkmal in Breslau mit den Worten „Wir vergeben und bitten um Vergebung“ in deutscher und polnischer Sprache.

Die letzte Ansprache hielt die Aussiedlerin Emilia Welker (siehe Foto). Die Wolgadeutsche wurde 1941als Kind mit ihrer Familie und hunderttausenden weiteren ansässigen Deutschen in Rußland von sowjetischen Soldaten nach Sibirien verschleppt. Dort erwarteten sie Arbeitslager, Hunger, Kälte und Erschöpfung, was den Tod von zehntausenden ihrer Landsleute zur Folge hatte.

Frau Welker begann mehrfach während ihres Vortrags unwillkürlich zu schluchzen. Es kamen ihr die Tränen, als die Erinnerung an jene Zeit unter kommunistischer Gewaltherrschaft wieder vor ihrem geistigen Auge lebendig wurde.

Diese Rednerin erhielt den längsten und stärksten Beifall aller Anwesenden.

Die Tagung endete mit den Dankesworten von Roswitha Möller und der Nationalhymne.

Danach gingen einige Teilnehmer  – wie jedes Jahr üblich – gemeinsam zum Denkmal der deutschen Heimatvertriebenen am Servati-Platz in Münster.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Beseitigung der Unrechtsdekrete schafft Verständigung über Grenzen hinweg

Von Felizitas Küble

Wie bereits gestern im CHRISTLICHEN FORUM berichtet, wurde am Sonntag der „Tag der Heimat“ im Rathaus von Münster begangen.

Roswitha Möller (siehe Foto), die Vorsitzende des BdV (Bund der Vertriebenen) in Münster, äußerte sich in ihrer Begrüßungs-Ansprache zum BdV-Leitwort dieses Jahres „Unrechtsdekrete beseitigen – Europa zusammenführen“.

Es geht dabei um die Beschlüsse und Verordnungen kommunistischer Diktaturen in Mittel- und Osteuropa, welche die Vertreibung von Millionen Deutschen aus ihrer angestammten Heimat anstrebten und vollzogen:

„Wir erinnern uns an die Bierut-Dekrete, unter denen  besonders die Deutschen aus Ost- und Westpreußen, Danzig, Pommern, Ostbrandenburg, Schlesiern zu leiden hatten, indem man sie aus der Heimat verjagte, enteignete, mit der bekannten innerstaatlichen Unrechtsakte, d. h. dass die Verursacher dieser Taten nicht belangt werden konnten und können  – bis heute.“

Frau Möller  – selber in Danzig geboren  –  erinnerte daran, daß Völkermord nicht verjährt. Allerdings gibt in einigen östlichen Ländern inzwischen auch positive, deutschfreundliche Ansätze:

„Als ich im Juli dieses Jahres zum „Welttreffen der Danziger“ in  Danzig war, zu dem der polnische Bürgermeister von Danzig alle 4 Jahre einlädt, hatte ich zu meiner großen Überraschung festgestellt, dass die Verwaltung von Danzig  – Gdansk  –  die deutsche Vergangenheit, Geschichte und Kultur nicht mehr leugnet, im Gegenteil, darauf aufbaut.

In den 4 Tagen wurde u. a. ein Gedenkstein für einen ehemaligen deutschen Danziger Bürgermeister errichtet, der viel für die Stadt getan hatte. Wir, die deutschen Danziger wurden in das Uphagenhaus, einem alten Patrizierhaus am langen Markt, der guten Stube Danzigs eingeladen, um einer Ausstellung und einem Vortrag über alte Danziger Gartenkultur beizuwohnen. Wir waren alle angenehm überrascht.“

Ein weiteres Vertreibungsdekret ist der Avnoy-Ratsbeschluß – die Münsteraner BdV-Chefin erklärte hierzu:

„Schauen wir auf das ehemalige Jugoslawien, das sich mit dem Avnoj-Ratsbeschluss vom 21. November 1944 ebenfalls der deutschen Bewohner entledigte.  Damit wurden die „Rechtsgrundlagen“ geschaffen, die es ermöglichten, das Eigentum der deutschen Zivilbevölkerung zu konfiszieren.“

Ganz zu schweigen von den berüchtigten Benes-Dekreten, von denen vor allem die Sudetendeutschen betroffen waren:

„Erinnern wir an die Benes-Dekrete in Tschechien und das Straffreiheitsgesetz vom Mai 1946, das nicht nur den Menschen Hab und Gut raubte, sondern sie auch auf brutalste Art und Weise auf den Brünner Todesmarsch schickte oder sie von der Aussiger Brücke in den Tod stürzte.“

Zum Stichwort „Europa zusammenführen“ im diesjährigen BdV-Motto erklärte Möller: „Ein friedliches Leben unter den Völkern ist nur möglich, wenn von allen die Rechts- und Werteordnung anerkannt und gelebt wird.“

Die Rednerin berichtete weiter, sie sei dieses Jahr in Brünn (Tschechien) gewesen und habe dort immerhin „leise Versuche einer Annäherung“ erlebt:

„Ich habe in einer Kirche einen Gedenkstein mit der Aufschrift gelesen: 

„Zur Erinnerung an die historischen Tage 1945, als die Deutschen diese Stadt verlassen mussten. Wir gedenken der Opfer.  – Bruna, Heimatverband der Brünner 1992.“

Frau Möller erwähnte ein weiteres Beispiel:

„An der Stelle an der Landstraße, wo sich die Deutschen zur Austreibung sammeln mussten, hat das Österreichische Schwarze Kreuz und die Kriegsgräberfürsorge, folgende Gedenktafel erstellt:

„Nach Ende des II. Weltkrieges im Jahre 1945 sind viele deutschsprachige Einwohner aus Brünn und Umgebung ums Leben gekommen. 890 Opfer sind hier bestattet.“

Das sei zwar „alles sehr vorsichtig und verharmlosend ausgedrückt“, aber immerhin ein Zeichen des Gedenkens.

Sodann erinnerte die Gastgeberin daran: „Wir, die deutschen Heimatvertriebenen, haben in der Charta von 1950 Rache und Gewalt abgeschworen und unseren ehemaligen Feinden die Hand gereicht.“

Besonders zu würdigen sei die Erinnerungs-Kultur in Ungarn, wo sogar ein Gedenktag für die deutschen Vertriebenen eingeführt wurde.

Gemeinsam mit der IGFM (Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte) gehe die Reise noch in diesem Jahr dorthin: „Auch in Ungarn gab es zum Ende des 2. Weltkrieges Enteignungen und Vertreibungen der Deutschen. Zwischenzeitlich gibt es dort 10 Denkmäler, die an diese Zeit erinnern und am 19. Januar seit 2012 gedenkt man in jedem Jahr der Vertreibung der deutschen Bevölkerung.“

Die Rednerin fügte konsequent hinzu: „Mögen nicht nur die Steine erinnern, mögen sich die Völker und Politiker besinnen und Unrechtsdekrete ein für alle mal aufheben und für null und nichtig erklären. Gott schütze unsere ostdeutsche Heimat, er bewahre unser westdeutsches Zuhause.“

 

 

 


Tag der Heimat in Münster: „Es gibt kein Verfallsdatum für die Erinnerungskultur“

Von Felizitas Küble

Der Kreisverband des BdV (Bund der Vertriebenen) feierte am heutigen Sonntag, dem 23. September, im historischen Rathaus von Münster den jährlichen Tag der Heimat. CDU-Ratsherr Stefan Leschniok übermittelte den Besuchern das Grußwort der Stadt Münster; er ist zugleich Vorsitzender der Landsmannschaft der Ostpreußen in Münster

Unter musikalischer Begleitung von Alexandra Ridder (siehe Foto: ganz rechts) sangen die deutschen Vertriebenen und ihre Angehörigen und Freunde einige Heimatlieder aus Westpreußen, Schlesien, Riesengebirge, Ostpreußen und Pommern. Zum Abschluß wurde stehend die Nationalhyme angestimmt.

Auch Hamest Aro von den „Arabisch sprechenden Christen in Münster“ übermittelte den Teilnehmern seine Grüße und seine Solidarität.

Roswitha Möller (siehe 2. Foto)  – sie amtiert seit Jahrzehnten als Vorsitzende des BdV in Münster – hielt die Begrüßungsansprache und das Schlußwort; sie führte sodann den anschließenden Gang zum Vertriebenen-Gedenkstein am Servatiplatz. Die geborene Danzigerin leitet zusätzlich den „Bund der Danziger“ in Münster. 

Mittelpunkt der Veranstaltung war die Rede des CDU-Landtagsabgeordneten Rüdiger Scholz, dessen Eltern in den 50er Jahren aus der „DDR“ in den Westen geflüchtet waren. Der Parlamentarier (siehe 3. Foto) ist zugleich BdV-Vorsitzender von Leverkusen.

Zunächst stellte der Redner klar, daß der Tag der Heimat“ nach wie vor aktuell ist: „Die Erinnerungskultur hat kein Verfallsdatum“.

„Ausmaß der Vertreibung der Deutschen ist einmalig“

Er zitierte sodann den polnischen Historiker Prof. Dr. Jerzy Kochanowski folgendermaßen:

„Das Ausmaß der Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa ist sowohl von der Zahl der Opfer als auch vom Umfang der betroffenen Gebiete einmalig in Europa.

Deutschland verlor eine Reihe seiner wichtigsten, mit einheimischer deutscher Bevölkerung besiedelten Provinzen im Osten, wozu Pommern und Ostpreußen, Teile Brandenburgs und Schlesien gehörten. Aber auch aus Gebieten in Litauen, Polen und der Tschechoslowakischen Republik, in Ungern und Jugoslawien wurden die Angehörigen der oft seit Jahrhunderten ansässigen deutschen Minderheit ausgesiedelt.

Die Gewalttaten der Vertreiber richteten sich in erster Linie gegen die deutsche Zivilbevölkerung, zumeist gegen Frauen, Alte und Kinder.“

Der Christdemokrat Scholz erläuterte, das erwähnte „einmalige Ausmaß“ bedeute, daß über 12 Millionen Deutsche ihre angestammte Heimat verlassen mußten:

„Viele von ihnen wurden Opfer von Plünderungen,Vergewaltigungen und anderen Gewalttaten. Über zwei Millionen von ihnen fanden dabei den Tod. Sie erlitten dieses Schicksal allein aufgrund der Tatsache, dass sie Deutsche waren.“

Der Redner verdeutlichte, daß es keine Kollektivschuld geben darf und daß geschehenes Unrecht kein weiteres Unrecht rechtfertigen könne und dürfe. Dennoch seien die deutschen Heimatvertriebenen in besonderer Weise „kollektiv für die Verbrechen haftbar gemacht“ worden, die im 2. Weltkrieg „von deutschem Boden ausgegangen“ sind.

Er erläuterte weiter: „Die Erfahrungen von Heimatverlust und Entwurzelung gehören zur deutschen Geschichte und zum kollektiven Gedächtnis unserer Nation.“

Die Erinnerung an Flucht und Vertreibung sei zugleich als eine Mahnung an die nachfolgenden Generationen wachzuhalten.

Webseite des CDU-Politikers Scholz: https://www.leverkusen.com/ruedigerscholz/index.php


„Tag der Heimat“ in Münster mit dem ehem. Regierungspräsidenten Dr. Peter Paziorek

60 Jahre Einsatz für Menschenrechte und Verständigung

Am heutigen Sonntag, den 17. September, veranstaltete der BdV (Bund der Vertriebenen) in Münster seinen jährlichen Tag der Heimat in einem festlichen Rathaussaal in Münster.

Roswitha Möller (siehe Foto), stellv. BdV-Landesvorsitzende von Nordhrein-Westfalen und BdV-Chefin von Münster, leitete und moderierte die feierliche Tagung unter dem Motto: „60 Jahre Einsatz für Menschenrechte, Heimat und Verständigung.“

An der Veranstaltung nahmen mehrere CDU-Politiker teil, darunter die Direktkandidatin von Münster, Sybille Benning, und einige CDU-Ratsherren, z.B. der junge Rechtsanwalt Stefan Leschniok.

Die aus Lettland stammende Aija Ebden sprach ein solidarisches Grußwort und betonte die Verbundenheit beider Staaten und das lettische Streben nach Unabhängigkeit unter der Sowjet-Herrschaft. FDP-Ratsherr Hans Varnhagen überbrachte die Grüße der Stadt Münster.

Hauptredner war Dr. Peter Paziorek (siehe Fotos). Der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Münster a.D., ehem. Staatssekretär und Bundestagsabgeordnete (bis 2007) hat väterlicherseits schlesische und mütterlicherseits westpreußische Wurzeln.

Der CDU-Politiker lobte den kulturellen und politischen Einsatz der Heimatvertriebenen. Er wandte sich gegen Zerrbilder in den Medien, bei denen deutsche Vertriebene als „ewig-gestrig“ verunglimpft würden. Damit werde nicht nur das Engagement des BdV verkannt, sondern auch die Verdienste der einstigen ostdeutschen Provinzen und Persönlichkeiten für Kunst, Wissenschaft, Kultur und Politik.

Der Redner erinnerte u.a. daran, daß Breslau eine Kulturstadt ersten Ranges war; er verwies auf den bahnbrechenden ostpreußischen Chorherrn und Naturwissenschaftler Nikolaus Kopernikus und grundsätzlich auf die Bedeutung ostdeutscher Volksgruppen und Landsmannschaften für die deutsche Identität.

Zugleich würdigte der Christdemokrat den grundsatzfesten und zugleich versöhnungsbereiten Standpunkt deutscher Heimatvertriebenen.

Aus diesem Grunde sei auch das zynische Konzept Stalins nicht aufgegangen; der kommunistische Sowjet-Diktatur hatte damit gerechnet, daß die Ankunft von Millionen Flüchtlingen aus den Ostprovinzen in Deutschland zu Unruhen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen führt, zumal in der unmittelbaren Nachkriegszeit ohnehin Trümmer, Not und Elend herrschten.

Doch die Aufnahme und Integration von ca. 12 Millionen Heimatvertriebenen, die eine Herausforderung ohnegleichen war, ist insgesamt gelungen   –  und Stalins Kalkül, auf dem er gerne sein machtstrategisches Süppchen gekocht hätte, ging gottlob nicht auf.

Dr. Paziorek zitierte aus einer Rede von Dr. Andreas Hermes aus Berlin, einem Zentrums-Mann, Anti-NS-Widerstandskämpfer und CDU-Politiker der ersten Stunde, die er am 22. Juli 1945  –  kurz nach Kriegsende  –  gehalten hat.

Darin spricht der Christdemokrat in bewegenden Worten von der „täglich wachsenden Woge“ deutscher Flüchtlinge, die zumeist „außer dem nackten Leben“ nur wenig Habseligkeiten ihr eigen nennen. Der damalige Redner hoffte, daß ihrer Heimat einst die Freiheit geschenkt werde.

Aus Sicht des CDU-Parlamentariers Paziorek ist es bedauerlich, daß die Millionen Heimatvertriebenen in Politik und Medien zu wenig beachtet würden; auch sie hätten Anspruch darauf, daß ihr Leiden und ihr schmerzlicher Heimatverlust anerkannt würden.

Versöhnung, so der Redner, sei keine Einbahnstraße; vielmehr werde eine Brücke von beiden Ufern her gebaut. Das gelte auch für die deutsch-polnische Verständigung.

Er habe dem deutsch-polnischen Grenzbestätigungs- und Nachbarschafts-Vertrag von 1990 trotz innerer Bedenken aus politischer Überzeugung zugestimmt, zumal es sich hierbei völkerrechtlich betrachtet nicht um einen Gebietsabtretungsabkommen handle, wie Kanzler Helmut Kohl seinerzeit bestätigt habe.

Umso befremdlicher seien, so Dr. Paziorek, die jüngsten Reparationsforderungen aus Polen, verbunden mit dem Vorwurf, wir Deutschen wollten unsere geschichtliche Verantwortung abschieben bzw. verdrängen. Laut Umfragen plädieren 63 % der Befragten in Polen für Reparationsleistungen Deutschland.

Der ehem. Regierungspräsident wies darauf hin, daß sich die Frage der Kriegsreparationen durch den 2-plus-4-Vertrag mit den Siegermächten des 2. WK erledigt habe. Zudem habe Polen im Jahre 1953 in einem Vertrag mit der damaligen „DDR“ ausdrücklich auf Reparationsforderungen gegen Deutschland verzichtet (nicht etwa nur gegenüber der „DDR“ bzw. Sowjetzone).

Zudem erinnerte der Redner daran, daß die Bundesrepublik Deutschland im Falle von Reparations-Streitigkeiten ihrerseits  –  rein grundsätzlich gesehen  –  eine Gegenrechnung aufmachen könnte.

Wichtig sei aber für beide Seiten der Blick nach vorne statt zurück  –  und eine besonnene Politik. Wer absurde Forderungen stelle, der „spielt mit dem Feuer“, kritisierte Dr. Paziorek den jüngsten polnischen Vorstoß. Dies umso mehr, als das deutsch-polnische Verhältnis auch für ganz Mittel- und Osteuropa von großer Bedeutung sei.

Der Festakt im Rathaus war umrankt vom gemeinsamen Gesang der Teilnehmer und Landsmannschaften, darunter das Westpreußenlied, das Pommernlied, das Schlesierlied und das Ostpreußenlied sowie das Lied der Oberschlesier und das Heimatlied der Riesengebirgler (Sudetenland).

Die Feier endete mit der Nationalhymne und dem Gang zum Vertriebenen-Gedenkstein in Münster an der Servati-Straße.


Münster: „Tag der Heimat“ im Rathaus erinnert an Vertreibungsunrecht

CDU-Politiker Heiko Hendriks kritisiert NRW-Landesregierung

Der Kreisverband Münster des BdV (Bund der Vertriebenen) hat am heutigen Sonntag (30. August) im Festsaal des historischen Rathauses von Münster an das leidvolle Schicksal von Millionen deutschen Heimatvertriebenen erinnert.

Das Motto der Veranstaltung lautete: „Vertreibungen sind Unrecht – gestern wie heute“.  PICT0122

Roswitha Möller (siehe Foto) leitet den BdV-Kreisverband seit Jahrzehnten und mußte dabei mehrfach Störungen durch ultralinke Kreise erleben. Diesmal verlief der „Tag der Heimat“ erfreulicherweise ohne Antifa-Randale.

Die Festveranstaltung war umrahmt von Aufritten diverser Volkstanzgruppen, darunter der Sudetendeutsche Volkstanzkreis (siehe Foto). Belebt wurde das Programm auch durch musikalische Begleitung und Gesang.

Gemeinsam wurde das Westpreußenlied, Ostpreußenlied, Pommernlied und Schlesierlied gesungen, zudem das Lied der Oberschlesier und einige Heimatgesänge. Zum Abschluß folgte die Nationalhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit…“

Das Ratsmitglied Stefan Leschniok überbrachte die Grüße des Rates der Stadt Münster, Dietrich Aden das Grußwort der OMV (Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU).

Der CDU-Landtagsabgeordnete Haiko Hendriks hielt die Festansprache, die mit starkem Applaus bedacPICT0121ht wurde.

Er übte deutliche Kritik an der rot-grünen Landesregierung, weil diese nicht einmal die kulturellen Anliegen der deutschen Heimatvertriebenen ernst nähme und oft allein schon in der sprachlichen Definition das Unrecht der Vertreibung zu verdrängen versuche.

Zudem müsse entschieden mehr getan werden, um Schülern und Jugendlichen die Geschichte der Deutschen nahezubringen, wozu auch das Schicksal der Heimatvertriebenen aus den östlichen Herkunftsländern gehöre. Auch die staatliche Förderung der Vertriebenenarbeit in NRW müsse sich verbessern, erklärte Henriks.

Der Parlamentarier erinnerte an einen Spruch aus dem römischen Rechtsdenken, wonach „Unrecht keine Zeit kennt“, also keineswegs allein deshalb vom Tisch gefegt werden kann, weil seitdem einige Zeit verstrichen ist. Vielmehr sei die Geschichte eine Lehrmeisterin der Völker und Menschen, daher müsse sie auch im Unterricht angemessen vermittelt werden.

Nach der Veranstaltung im Rathaus folgte ein Gang zum Vertriebenen-Gedenkstein in Münster unweit des Hauptbahnhofs.

 


Münster: CDU-Politiker erinnert am „Tag der Heimat“ an die Bedeutung der Vertriebenen

Am heutigen Sonntag, den 15. September, veranstaltete der Bund der Vertriebenen (BdV) im Festsaal des Rathauses von Münster den „Tag der Heimat“ mit einem eindrucksvollen und sangesfreudigen Festakt. PICT0105

Auch Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) war anwesend; zudem Vertreter der Jungen Union, ein Männerchor, zwei Volkstanzgruppen und eine Musikkapelle. PICT0109

Die Stadt Münster hatte das Rathaus auffällig mit der Deutschlandfahne beflaggt; im Festsaal selbst hingen vorne die Flaggen der östlichen Heimatländer der Vertriebenen (Ost- und Westpreußen, Ober- und Niederschlesien, Pommern, Sudetenland usw).

Die Veranstaltung begann mit dem „Jägermarsch“ beim Einzug des Sudetendeutschen Volkstanzkreises und der Volkstanzgruppe Münsterland unter musikalischer Begleitung des Streicher-Ensembles Kolophon.  PICT0121

Nach einem Grußwort des Münsteraner OB sangt der Männerchor „Eintracht Appelhülsen“ einige Heimatlieder.

Es folgte das Gedenken an alle Opfer von Krieg, Flucht und Vertreibung. Nach der würdevollen Totenehrung sangen hunderte Teilnehmer bekannte Volkslieder wie „Ade, Du mein lieb Heimatland“, „Die Gedanken sind frei“,“Wenn alle Brünnlein fließen“ usw.

Sehr eindringlich wirkte die engagierte Rede des CDU-Landtagsabgeordneten Werner Jostmeier. Unter dem Motto „Unser Kulturerbe – Reichtum und Auftrag“ beleuchtete er die Bedeutung von Heimat und nationaler Identität auch für die Menschen von heute. PICT0112

Der Parlamentarier erwähnte u.a. die sinnlose Bombardierung Münsters noch bis kurz vor Kriegsende. Die Vertriebenen forderte er auf, ihre Bedeutung für unser Land „mit Stolz und Selbstbewußtsein“ wahrzunehmen. Rund 15% der Einwohner Westfalens seien Heimatvertriebene aus den Ostgebieten.

Gelungene Integration

Der CDU-Politiker erinnerte sodann an den Nahost-Konflikt, wo es   –  im Gegensatz zur Integration der Vertriebenen in der Bundesrepublik  – kaum Wege der Verständigung gäbe. Hingegen seien in Deutschland keine provisorischen „Zeltstädte“ errichtet worden; vielmehr hätten die Menschen aus den Ostgebieten friedlich und konstruktiv am Wiederaufbau Deutschlands nach dem Krieg mitgewirkt. 

Zudem seien es nicht zuletzt die Vertriebenen gewesen, die durch das Wachhalten am PICT0113Gedanken der deutschen Einheit zur Wiedervereinigung beitrugen. Durch ihre Heimatverbundenheit hätten sie überdies das kulturelle Erbe in Deutschland bereichert. Er hoffe, dies werde so weitergeführt, so daß auch in zwanzig Jahren ebenso wie jetzt dieser „Tag der Heimat“ in Münster begangen werde. 

Werner Jostmeier appellierte an die Vertriebenen, sich weiterhin für die Pflege und Würdigung der deutschen Sprache einzusetzen. In anderen Völkern sei die Freude an der eigenen Muttersprache selbstverständlich, weniger jedoch hierzulande.

Der Redner erwähnte außerdem Umfragen, wonach 87% der Bevölkerung in den heute polnisch verwalteten Heimatregionen der Vertriebenen die Deutschen als „beste Nachbarn“ ansehen; diese Sympathiewerte für Deutschland lägen höher als in den sonstigen Landesteilen Polens.

Europäische Erinnerungskultur

Dies könne nicht zuletzt daran liegen, daß viele Vertriebene ihre einstige Heimat besucht und dort gute Kontakte mit Polen gepflegt haben. So werde eine positive europäische Erinnerungskultur geschaffen.
PICT0115

Besonders deutlich würdigte der CDU-Politiker die Bedeutung der „Charta der Heimatvertriebenen“ von 1950; sie sei „eine der großartigsten Dokumente der deutschen Geschichte“.  Jostmeier betonte: „Vertreibung ist und bleibt ein Verbrechen“  – das gelte auch heute, zumal angesichts von weltweit 45 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen.

Auch in NRW einen Gedenktag für Vertriebene einführen

Großen Beifall erhielt der Parlamentarier für seine Forderung, auch in Nordrhein-Westfalen einen Gedenktag für die Vertriebenen einzuführen, wie dies bereits die Bundesländer Bayern und Hessen vollzogen haben. Die Politik solle die Bedeutung der Heimatvertriebenen stärker würdigen, insbesondere ihre Rolle als Brückenbauer und Friedensstifter.

Nach dieser engagierten Rede gab es stimmungsvolle Saxophonklänge der jungen Solo-Musikerin Viktoria Wolzenin, die zudem bald darauf das Gedicht „Wer bin ich?“ von Irmgard Stoldt-Holzwarth vortrug, das sich poetisch mit der Selbstwahrnehmung und Identität der Deutschen befaßte.PICT0122

Nach dem gemeinsam gesungenen Lied „Kein schöner Land in dieser Zeit“ präsentierten die beiden Tanzkreise einige Volkstänze aus der ostdeutschen Heimat.

„Es lebe unsere Heimat im Osten,
es lebe unser Zuhause im Westen!“

In ihrem Schlußwort bedankte sich Roswitha Möller, die seit Jahrzehnten ehrenamtlich als BdV-Vorsitzende von Münster tätig ist, bei allen Mitwirkenden und Anwesenden, auch beim Münsteraner Oberbürgermeister für die Überlassung des Festsaales.

Frau Möller  – eine geborene Danzigerin  – beendete ihre Ansprache mit den kernigen Motto: „Es lebe unsere Heimat im Osten, es lebe unser Zuhause im Westen!“

Der Festakt im Rathaussaal schloß mit der deutschen Nationalhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland…“  PICT0126

Die Teilnehmer konnten sich danach an vielen Info-Tischen mit Büchern, Materialien und kulinarischen Spezialitäten aus dem Heimatgebieten der Vertriebenen eindecken.

Es gab auch einen originellen Ausstellungsstand mit ansprechenden, wunderschönen Bastelarbeiten vom Kreativ-Studio Prestige.

Zu guter Letzt begaben sich die Teilnehmer und Gäste zu Fuß zum Gedenkstein für die Heimatvertriebenen in Münster.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster