Neuerscheinung: Kardinal Pell im Knast

Im Media-Maria-Verlag erscheint in wenigen Tagen der erste Band einer Trilogie von Kardinal George Pell.

Er war zum Zeitpunkt der Anklage als Präfekt des Wirtschaftssekretariates im Vatikan einer der höchsten Würdenträger der katholischen Kirche. Er wurde in Australien wegen sexuellen Missbrauchs zweier Chorknaben zu sechs Jahren Haft verurteilt und am 27. Februar 2019 direkt aus dem Gerichtssaal in Handschellen abgeführt.

Freiwillig war Kardinal Pell zuvor nach Australien zurückgekehrt, um sich dem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren zu stellen. Er beteuerte von Anfang an seine Unschuld. – Am 7. April 2020 hob der Oberste Gerichtshof von Australien die Urteile der vorangegangenen Instanzen auf und sprach Pell von allen Vorwürfen frei.

Im ersten Band seines Gefängnistagebuches Unschuldig angeklagt und verurteilt schrieb Kardinal Pell täglich seine Erfahrungen im Gefängnis, den Austausch mit seinem Anwaltsteam, Gedanken über Ereignisse innerhalb und außerhalb der Kirche und seine spirituellen Einsichten nieder.  

Näheres dazu hier: https://www.media-maria.de/media/pdf/fb/5b/af/verlagsvorschau_herbst_2021.pdf

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TAGEBUCH eines ungeborenen Mädchens

5. Oktober:  Heute hat mein Leben begonnen. Papa und Mama wissen es noch nicht. Ich bin kleiner als ein Stecknadelkopf  –  und doch bin ich schon ein menschliches Wesen.  Alle meine körperlichen und seelischen Anlagen sind bereits festgelegt. Zum Beispiel werde ich die Augen vom Vater und das lockige blonde Haar  meiner Mutter haben. Auch das ist  entschieden: Ich werde ein Mädchen sein.

19. Oktober:  Meine ersten Blut- und Gefäßwandzellen, meine ersten Adern entstehen. Da meine Organe noch nicht voll ausgebildet sind, muß mich meine Mutter durch ihr Blut in Stoffwechsel und Kreislauf unterstützen. Wenn ich geboren bin, brauche ich nur noch für die erste Zeit ihre Milch.

23. Oktober:  Mein Mund öffnet sich nach außen. Übers Jahr werde ich schon lächeln, wenn sich die Eltern über mein Bettchen beugen. Mein erstes Wort wird wahrscheinlich „Mama“ sein.

PS. Die Behauptung, ich wäre noch kein eigener Mensch, sondern nur ein Teil des Körpers meiner Mutter, ist lächerlich  – ich habe nicht einmal dieselbe Blutgruppe wie sie.

25. Oktober:  Mein Herz hat zu schlagen begonnen. Es wird pausenlos seinen Dienst tun, ohne je auszuruhen, bis an mein Lebensende  – das ist doch wunderbar!

2. November:  Meine Arme und Beine beginnen zu wachsen. Bis sie fertig ausgebildet und richtig brauchbar sein werden, das wird auch nach meiner Geburt noch eine gute Weile dauern.

12. November:  Jetzt beginnen aus meinen Händchen die Finger zu sprießen. Mit ihnen werde ich mir diese Welt erobern und mit netten Leuten Freundschaft schließen

20. November:  Heute erst hat meine Mutter vom Arzt erfahren, daß sie mich unter dem Herzen trägt. Wie groß muß ihre Freude sein!

25. November:  Jetzt könnte man mir es schon ansehen, daß ich ein Mädchen sein werde. Sicher denken meine Eltern darüber nach, wie ich heißen soll. Könnte ich es doch schon erfahren!

28. November:  Meine Organe sind voll ausgebildet. Ich bin schon sehr viel größer geworden.

10. Dezember:  Ich bekomme Haare und Augenbrauen. Oh, wie wird sich meine Mutter freuen über ihr blondes Töchterlein!

13. Dezember:  Bald werde ich sehen können. Meine Augen sind nur noch durch eine Naht verschlossen. Licht, Farbe, Blumen, es muß herrlich sein. Am meisten freue ich mich darauf, meine Eltern zu sehen. Wenn es nur nicht so lange dauern würde. Noch über sechs Monate!

24. Dezember:  Mein Herz ist jetzt voll ausgebildet. Es soll Babys geben, die mit einem kranken Herzen zur Welt kommen. Dann werden ungeheure Anstrengungen unternommen, um sie durch eine Operation zu retten. Gott sein Dank, mein Herz ist gesund, ich werde ein kräftiges Menschenkind sein.

28. Dezember:  Oh  nein  –  heute ließ meine Mutter zu, daß ich ermordet wurde!