SPORT dient der Freude und Gemeinschaft, darf aber keine Ersatzreligion werden

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Aussage „Sport ist die schönste Nebensache der Welt“ erinnert heute an Märchen, die mit dem Satz beginnen: „Es war einmal…“

Die Nebensache ist zur Hauptsache geworden. Der Sport ist heute ein gigantisches Wirtschaftsunternehmen, ein Milliardengeschäft mit Athleten, Trainern, Managern und Fans im Bund mit den Medien und der Werbeindustrie.

BILD: Prof. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS

In diesem Sport spiegeln sich, neben großen Leistungen, auch alle Negativerscheinungen wider, die wir aus der Wirtschaft kennen. Ausbeutung, Personenkauf, totale Vereinnahmung der Spitzensportler, Doping und Korruption.

„Fußball – ein Spiel wird zur Ersatzreligion“, schreibt Dr. Josef Bordat (vgl. Tagespost 14.6.2018). Er spricht damit den Massensport an, dessen „Bedeutung weit über den Fußball hinaus weist“.

Fußballklubs sind „Glaubensgemeinschaften. Sie erfassen die Totalität der Glaubensvollzüge“. Die „Spieler sind die Heiligen des Rasens“. Auswärtsspiele sind „Pilgerfahrten“ mit Gesängen, Fahnen und Farbensymbolik.

VIVA-Chef Joseph Blatter meinte einmal nicht ohne Hybris: „Fußball ist mehr als eine Religion, mehr als alle Religionen zusammen“. Die Frage stellt sich: Hat der Sport die Religion ausgelöscht –  oder ist er in das Vakuum der über 90% Christen eingedrungen, die am Sonntag in der Kirche fehlen und sich in irgendwelchen Freizeitparks tummeln? Trotzdem gibt es auch heute Sportler, die ihren Glauben praktizieren.

Die Kirche hat die gesellschaftliche Bedeutung des Sports früh erkannt. Von den Päpsten der neueren Zeit hatte Pius XII. ein besonders enges Verhältnis zum Sport. Das war in der Zeit, als die Radrundfahrt „Giro d‘ Italia“ noch nicht  –  wie heute –  im Schatten des Fußballs stand und Gino Bartoli sowie Fausto Coppi die großen Champions waren.

Johannes Paul II. war selbst ein begeisterter Kanupaddler, Skifahrer und Bergsteiger – bis zum Attentat auf ihn. Der Jesuit Ruppert Mayer feierte jeden Sonntag frühmorgens im Münchner Hauptbahnhof mit den Skifahrern und Bergsteigern die heilige Messe, bevor sie nach dem Süden aufbrachen. Von Leibfeindlichkeit keine Spur!

Vielleicht war Papst Franziskus von der diesjährigen Fußballweltmeisterschaft inspiriert, als er am 1. Juni 2018 an Kardinal Kevin Farell einen Brief über „Die christliche Sicht des Sports und die menschliche Person“ mit dem zentralen Satz „das Beste seiner selbst geben“ schrieb. Kardinal Farell ist in der Kirche für „Laien, Familie und Leben“ zuständig.

Franziskus stellt in seinem Brief den Sport als ein Mittel der Begegnung, der persönlichen Bildung und Entwicklung, des missionarischen Auftrags und der Heiligung hin. Er legt dar, wie in einer vom Individualismus geprägten Gesellschaft Menschen ohne Unterschied von Rasse, Geschlecht, Religion oder Ideologie im Sport zusammenfinden. Sie erfahren dabei die Freude, wie man gemeinsam als Teil einer Mannschaft ein Ziel erreicht, Sieg oder Niederlage teilt und über sich hinauswächst.

Diese Gemeinschaft schließt die Mitkämpfer der Mannschaft, den Trainer, die Fans, die Familie und alle anderen Personen ein, die durch ihre Hingabe „das Beste seiner selbst“ ermöglichen, weil wir die „großen Ziele im Sport, wie im Leben“ gemeinsam erreichen.

Sport dient auch der persönlichen Bildung und Entwicklung. Noch bevor der eigentliche Prozess der Ausbildung beginnt, setzt eine umfassende Entwicklung mit Hilfe des Sports ein. Wir wissen, so Franziskus, wie Jugendliche auf die Sportler schauen und sich von ihnen begeistern lassen. Deshalb ist es wichtig, dass Sportler jeden Alters und Niveaus ein Beispiel von Großzügigkeit, Demut, Opfer, Ausdauer und Freude geben. Ebenso sollten sie zum Mannschaftsgeist, zur Achtung, ja zur Solidarität mit den Übrigen beitragen.

Schließlich stellte Franziskus in seinem Brief die Rolle des Sports als Mittel des Sendungsauftrags und der Heiligung heraus. Die Kirche sei gerufen, ein Zeichen Jesu inmitten der Welt durch den Sport zu sein, in Gebetsstätten, in Pfarreien, in Gemeinschaften. Es sei immer Gelegenheit, die Botschaft Christi in sie hineinzutragen, sei es „gelegen oder ungelegen“ (2 Tim 4,2).

Die Freude mit Hilfe des Sports mitzuteilen, bedeute nichts anderes als die Möglichkeit der Person, die Schönheit der Schöpfung und das Besondere des Menschseins zu entdecken, der nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen ist.

Der Weltfußballverband hat den Spielern auf dem Feld verboten, religiöse Botschaften, z.B. in Form des Kreuzzeichens, auf T-Shirts oder auf Stirnbändern zu tragen. Trotzdem praktizieren das eine Reihe von Sportlern – und sie sind Botschafter der guten Nachricht!


AfD-Fraktion: Bringen Özil und Gündogan den nötigen Team- und Kampfgeist auf?

Nach der herben Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Mexiko fordert der Parlamentarier Jörn König, sportpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion und früher selbst Leitungssportler, jetzt Konsequenzen:

„Teamgeist mit Özil und Gündogan funktioniert in der deutschen Mannschaft nicht, denn wer nur mit halbem Herzen dabei ist, der kann auch nicht den notwendigen Kampfgeist aufbringen.

Foto: BILD-Titel heute über Kritik von Lothar Matthäus an Özil

Bundestrainer Joachim Löw sollte die Reißleine ziehen und die beiden Herren nach Hause schicken. Es gibt Nationalspieler, die stolz auf unserer Land sind, Özil und Gündogan sollten zwei Plätze in der Nationalmannschaft freimachen für Spieler, die nicht dem türkischen Präsidenten mehr huldigen als dem deutschen Heimatland.“

Der Sportpolitiker der AfD sieht mit einem Abgang von Özil und Gündogan eine Chance, dass die deutsche Elf im Spiel mit Schweden zu neuer Kraft findet: „Manchmal ist ein Rückschlag notwendig, um zu alter Stärke aufzulaufen.“