Warum keine Kelch-Kommunion in der katholischen Kirche?

Unter  Katholiken ist es üblich, daß sie allein die hl. Hostie empfangen, ohne daß ihnen der Kelch gereicht wird, wobei der sog. „Laienkelch“ nicht grundsätzlich verboten, aber auch nicht der Regelfall ist.  Zu besonderen Anlässen kann die Kelchkommunion gereicht werden,  zB. bei Trauungen oder Exerzitien.

Zudem hat die Kirche mitunter auch ganzen Gruppierungen und Bewegungen  eine Ausnahmeregelung für den Kelch gewährt, z.B.  im Mittelalter gegenüber jenem gemäßigten Teil der Hussiten, der wieder in die katholische Kirche zurückkehrte, ebenso den mit Rom verbundenen Ostkirchen.

Bei den protestantischen Konfessionen wird den Gläubigen das Abendmahl hingegen so gut wie immer unter beiden Gestalten gereicht.

Welche Gründe hat nun die katholische Kirche für ihre andersartige Praxis? 5d56a7150a

1. Christus ist sowohl in der Gestalt des Brotes als auch in jener des Weines jeweils ganz gegenwärtig. Um Christus zu empfangen, genügt also die Kommunion unter einer Gestalt. Christus verkündete das selbst mit den Worten: „Wer von diesem Brote ißt, wird leben in Ewigkeit!“ (Joh 6,51).   –  Auch der hl. Apostel Paulus bestätigt es  (vgl. 1 Kor 11,27).

2. Der bekannte Kirchenschriftsteller Tertullian bezeugt bereits im 2. Jahrhundert den damaligen Brauch, wonach den Kranken die hl. Kommunion allein in Form des Brotes gereicht wurde. Im Laufe der Zeit wurde diese Praxis zur Regel, nachdem die Zahl der Gläubigen stark zunahm. Hygienische Gründe und die Gefahr der Verschüttung des hl. Blutes kamen hinzu, außerdem das Problem, das hinsichtlich der (ehem.) Alkoholiker besteht.

Grundsätzlich gilt also:

Christus ist in der hl. Hostie nicht allein mit seinem verherrlichten Leib wirklich und wahrhaft zugegen, sondern als lebendige Person mit Leib und Seele, mit seiner Gottheit und Menschheit.   –  Papst Paul VI. formulierte es so: “Christus ist im hl. Altarsakrament so gegenwärtig, wie er im Himmel ist.“

Jesus hat bei seiner Auferstehung seine menschliche Natur (Leib und Seele) keineswegs aufgegeben, sondern behalten  –  und das wird für immer so bleiben. Sein irdischer Leib wurde nicht etwa aufgelöst, sondern umgewandelt (verklärt), so wie es bei unserer Auferstehung einst auch geschehen wird.

In der hl. Hostie ist somit der ganze Christus als Gott-Mensch persönlich zugegen. Diese Auslegung findet ihre Berechtigung  auch in der Verheißung des HERRN: „Wer mich ißt, wird ewig leben!“ (Joh 6,57).

Als Christus beim  Abendmahl sprach: „Das ist mein Leib“, bedeutete es nach damaligem Sprachgebrauch: Das bin ich selbst als ganze Person  –  also nicht etwa allein mein „Geist“.  Unser Erlöser hat seinen Leib auch deshalb betont, um deutlich zu machen, daß er nicht nur sinnbildlich gegenwärtig ist.   

Felizitas Küble

Foto: Wallfahrtsort Maria Vesperbild


Charismatiker-Journal: Montanismus war die „erste Erweckungsbewegung“ der Kirchengeschichte

Die jüngst erschienene Zeitschrift „Charisma“ (Nr. 161, 3. Quartal 2012) bekennt sich uneingeschränkt zur Montanismus als der „ersten großen Erweckungsbewegung“ des Christentums.

Das evangelisch-charismatische  Journal befaßt sich auf S. 35 in einem Artikel des Theologen und Pfarrers i.R. Klaus Vogt mit den Wesenszügen dieser schwarmgeistigen Strömung aus der zweiten Hälfte des 2. Jahrhundert nach Christus  – und beruft sich eindeutig auf deren Prinzipien.

Die katholische Kirche hatte sich damals  –  nach anfänglichem Abwarten  –  klar vom Montanismus distanziert und sich auch deren aktuelle Erwartung einer Wiederkunft Christi nicht zu eigen gemacht.

Die Bewegung wird nach ihrem Gründer Montanus benannt, der sich als besonders vom Heiligen Geist erleuchtet ansah  – und der mit zwei „Prophetinnen“ namens Maximilla und Priscilla predigend durch die Lande zog, wobei die beiden Frauen in Gottesdiensten ihre „Visionen“ schilderten.

Das Dreiergespann vertrat in Fragen der Moral sehr strikte Standpunkte, vor allem hinsichtlich Askese und Fasten – und es warf der „amtlichen“ katholischen Kirche mangelnde Geisterfülltheit und „Verweltlichung“ vor, wobei sich die Christenheit damals in einer Zeit der Verfolgung durch das römische Weltreich befand und insofern von einer wirklichen Verweltlichung insgesamt keine Rede sein konnte.

Daß der Montanismus die erste überörtliche und größere „Schwärmerbewegung“ der Kirchengeschichte darstellt, ist ohnehin unstrittig.

Aufschlußreich ist nun freilich, daß sich ein Magazin, das der   –  sonst eher gemäßigt-charismatischen  –   evangelischen „Geistlichen Gemeinde-Erneuerung“ nahesteht, uneingeschränkt zum Montanismus bekennt und ihn quasi als eigenen Ursprung feiert.

Pfarrer Vogt bezeichnet diese schwarmgeistige Bewegung als „Rückbesinnung auf die urchristlichen Wurzeln“ angesichts einer  –  wie er schreibt  – „fortschreitenden „Verweltlichung“ der Kirche“.

Die Christenverfolgung, die sich drei Jahrhunderte lang in stärkeren und schwächeren Phasen entlud, stellte freilich nach wie vor eine ständige Bedrohung dar, so daß sich die Gläubigen gewiß nicht gemütlich in der Welt und ihrer Umgebung einrichten konnten.

Doch mit dem Vorwurf der „Verweltlichung“ war aus Sicht der Montanisten wohl in erster Linie eine mangelnde „Geist-Orientiertheit“ der amtlichen Kirche gemeint, die bereits eine klare Kirchenstruktur aufwies, beruhend vor allem auf dem Bischofsamt, dem Priestertum und dem Dienst der Diakone.

Diesem „kirchlichen“ Christentum setzte nun der selbsternannte „Prophet“ Montanus und seine  beiden „Seherinnen“ einen geistgelenkten Glauben gegenüber, der sich auf besondere Offenbarungen und Erleuchtungen „von oben“ berief  und diese höher stellte als die „offizielle“ Lehre der Kirche, die freilich nicht direkt abgelehnt, sondern eher durch Visionen und angeblich übernatürliche „Worte der Erkenntnis“ verdrängt wurde.

Daß die katholische Kirche solch ein Ansinnen ablehnte und von ihrem Selbstverständnis her auch ablehnen mußte, liegt auf der Hand.

Diese Vorgänge stellt nun  „Charisma“ ganz im Sinne des Montanismus dar, der  – so wörtlich  – als „erste große Erweckungsbewegung in der Kirchengeschichte“ gewürdigt wird.

Montanus und seine beiden Visionärinnen werden als „glühende, prophetisch begabte Erweckungsprediger“ bezeichnet, die sich als „Werkzeug des Heiligen Geistes“ verstanden und die  eine „Umkehr zur entschiedenen bibelgemäßen Ethik“ gepredigt hätten, zudem ein „Leben in der Heiligung“ und im Bewußtsein vom „Wirken des Parakleten“ (gemeint ist der Heilige Geist als Beistand und Tröster).

Was die Wirksamkeit der neuen Schwärmerbewegung anbelangt, hat der Autor freilich recht, wenn er feststellt:

„Auch nach dem Tod aller drei Leiter (179 stirbt Maximilla als Letzte) lebt diese prophetische Erneuerungsbewegung noch viele Jahrzehnte ungebrochen fort und erfasst ganze Gemeinden.“

Tatsächlich hatte die katholische Kirche ihre liebe Mühe, ihre Gläubigen vor dieser enthusiastischen und endzeitschwärmerischen  Bewegung, die aus ihren eigenen Reihen entstanden war, ausreichend zu schützen, zumal das „Dreiergespann“ auch nach seinem Tod noch zahlreiche Anhänger fand  –  und dies sogar angesichts der Tatsache, daß die für das Ende des 2. Jahrhunderts angekündigte Wiederkunft Christi nicht eingetroffen war und sich insofern eine klare Falschprophetie herausstellte.

Der Verfasser erwähnt sodann den „Kirchenlehrer“  Tertullian“ (gestorben 220 n. Chr.), der seitens der katholischen Kirche gerade nicht als „Kirchenlehrer“ angesehen wird, weil er – nach seinem zunächst theologisch hoffnungsvollem und hochgebildeten Wirken  – später zu den Montanisten überlief.

Daher gilt er zwar als „Kirchenschriftsteller“, nicht jedoch als „Kirchenlehrer“  –  ähnlich wie Origenes, der zwar kein Montanist war, jedoch  eine schlußendliche Allerlösung verkündete, also die Ewigkeit der Hölle leugnete. Gleichwohl war auch Origenes ein hochgebildeter Theologe, dessen anfängliches Wirken positiv zu werten ist, der aber später in die irrtümliche Vorstellung von einer gottbewirkten „Allversöhnung“ abdriftete.

Pfarrer Vogt bedauert in seinem Artikel abschließend, daß einst im zweiten Jahrhundert nicht die Montanisten, sondern die offizielle katholische Kirche den Sieg davontrug und die meisten Gläubigen hinter sich versammen konnte.

Er schreibt: „Zum Schluß erschienen die Kritiker (des Montanismus)  als die Sieger der Geschichte  – aber der Heilige Geist bricht sich dennoch immer wieder neue Vahn.“

Hier wird also  – typisch für viele charismatische Köpfe  –  der Heilige Geist und die amtliche Kirche gegeneinander ausgespielt und der Eindruck erweckt, als wirke der Geist Gottes weniger in der Kirche als vielmehr bei den enthusiastischen Bewegungen.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Egon von Petersdorff über die Gefahr subtiler Täuschungen in der Mystik

Dr. Egon v. Petersdorff befaßte sich in seinem zweibändigen Werk „Dämonologie“ mit speziellen Gefahren auf dem Gebiet der Mystik, also der Ebene angeblich übernatürlich bewirkter Glaubenserfahrungen, „Geistesgaben“, Visionen und „Privatoffenbarungen“.

Dabei weist er als warnendes Beispiel auf die beiden sehr begabten Theologen der frühen Kirche hin, nämlich Origenes und Tertullian, die deshalb nicht zu den Kirchenvätern gezählt werden, weil sie  – nach jahrzehntelangem vorbildlichen Wirken  – auf theologische Irrwege gerieten.

Trotz hoher Intelligenz mißlang ihnen die so notwendige „Unterscheidung“ der Geister. Sogar der kirchlich äußerst verdienstvolle Apologet Tertullian fiel später auf die Schwärmersekte der Montanisten herein, die sich auf Visionen und besondere „Geist-Erleuchtungen“ berief.

Kurzer Rede kurzer Sinn: Selbst hochbegabte Persönlichkeiten waren und sind nicht davor gefeit, sich theologisch und spirituell zu verirren und somit andere Gläubige zu verwirren.

Hierzu veröffentlicht Egon von Petersdorff im 2. Band seines Werks (S.4) folgende mahnenden Hinweise:

„Kardinal Joh. Bona stellte in seiner Schrift „Über die Unterscheidung der Geister“ einleitend als abschreckendes Beispiel fest, dass Tertullianus und Origenes zu ihren verschiedenen Irrmeinungen durch den „Mangel einer guten Geisterunterscheidung“ kamen.

Im Übrigen befasst er sich hauptsächlich mit der Wirksamkeit der Dämonen im Bereiche der Mystik und gibt dafür die wichtige Regel: „Die göttlichen Einsprechungen werden im Innersten des Herzens vernommen; die Stimme des Teufels kommt mehr von außen und mit Geräusch“.

D.h. die Dämonen können nur bis zur sinnengebundenen Phantasie vordringen, und sie müssen sich des sinnlichen „Geräusches“ sinnlicher (imaginärer) Einsprechungen bedienen, weil sie geistige (intellektuelle) Offenbarungen mit unmittelbarer Einwirkung auf den Verstand nicht hervorzubringen vermögen.

Beide Arten zu unterscheiden, erfordert aber auch bei Mystikern eine längere Erfahrung – und außerdem werden wir später sehen, dass die Dämonen als „falsche Mystiker“ selbst geistige mystische Phänomene auf sinnliche Art täuschend nachzuahmen verstehen.

Immer gehen sie darauf aus, sich zu tarnen, so dass einer der Grundsätze zur Unterscheidung wahrer von falscher Offenbarung heißt: wenn „unter tausenden und abertausenden der schönsten Wahrheiten“ auch nur „ein einziger Irrtum“ enthalten ist, der „wahrscheinlich der Hl. Schrift widerspricht“, so sind diese Offenbarungen „wahrscheinlich falsch“ und den Dämonen zuzusprechen.

Mit einer einzigen falschen Meinung, die sie derart unter wahre Aussagen mischen, dass sie selbst „den Augen der Theologen nicht leicht offenbar“ wird, suchen die Dämonen durch Hinterlist ihre bösen Absichten zu erreichen.“