Papst Benedikt begründet sein NEIN zur Befreiungstheologie

Die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ veröffentlichte am 7. März dieses Jahres ein Interview mit dem emeritierten Papst Benedikt, wobei er auch auf seine frühere Arbeit als Präfekt der Glaubenskongregation zu sprechen kommt.

Die erste große Aufgabe, die sich dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger Anfang der 80er Jahre stellte, war die „Theologie der Befreiung“ mit ihrer zuweilen durchaus marxistischen Einfärbung. Hierzu erläutert der Ruhestands-Papst Folgendes: 1_0_668126

„Die erste große Herausforderung war die Befreiungstheologie, die sich in Lateinamerika ausbreitete. Sowohl in Nordamerika als auch in Europa war es allgemeine Auffassung, daß es sich um die Unterstützung der Armen handele und deshalb eine Sache war, der man uneingeschränkt zustimmen müsse. Aber das war ein Irrtum.

Armut und Arme waren sicher ein Thema der Befreiungstheologie, aber auf eine sehr spezifische Weise (…) Es ging nicht um Hilfe und Reformen sondern um einen großen Umsturz, aus dem eine neue Welt entstehen sollte. Der christliche Glaube wurde als Motor für diese revolutionäre Bewegung benutzt und so in eine typisch politische Kraft verwandelt.(…)

Natürlich wurden diese Ideen in verschiedenen Varianten präsentiert -nicht immer in gleicher Klarheit-aber insgesamt war das die Richtung. Einer solchen Verfälschung des Glaubens mußte man sich entgegenstellen  –  gerade wegen der Liebe zu den Armen und den Dienst an ihnen.

Auf der Basis der Erfahrungen, die er in seiner Heimat Polen gemacht hatte, versorgte uns Papst Johannes Paul II mit den notwendigen Erklärungen. Er hatte die Versklavung gesehen, mit der die marxistische Ideologie sich zur Patin der Befreiungstheologie gemacht hatte.

Aus seiner schmerzlichen Erfahrung ergab sich ganz klar, daß es nötig war dieser Art Befreiung entgegen zu treten. Andererseits  hatte gerade die Situation in seiner Heimat gezeigt, daß die Kirche wirklich für Freiheit und Befreiung handeln mußte- nicht politisch, sondern indem sie in den Menschen durch den Glauben, die Kräfte für eine wahre Befreiung entwickelte.

Der Papst leitete uns an, die Aspekte in der Breite zu behandeln und so eine falsche Befreiungsidee zu demaskieren und andererseits die authentische Berufung der Kirche zur Befreiung des Menschen auszubreiten. Das haben wir in den beiden Instruktionen über die Befreiungstheologie, die während meiner Zeit in der Kongregation entstanden, zu tun versucht.“

Quelle und vollständiger Text hier: http://beiboot-petri.blogspot.de/2014/03/joseph-ratzinger-mein-leben-mit-dem.html


Kontroverse der Boff-Brüder über die „Theologie der Befreiung“

Clodovius Boff widerspricht seinem berühmten Bruder

Unter dem Titel „Befreite Kirche, befreite Kultur“ berichtet die reformkatholisch orientierte Herder-Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ am heutigen 12. Januar online über kontroverse Debatten zur Befreiungstheologie, die in einem Untertitel auch als „Streit unter Brüdern“ bezeichnet werden. 

Einer der führenden Köpfe jener weitgehend marxistisch orientierten und vom Vatikan daher abgelehnten „Theologie der Befreiung“ ist der  –  in deutschen Medien vielgerühmte  –  lateinamerikanische Geistliche Leonardo Boff.

In seinem 1981 erschienenen Buch mit dem Titel „Kirche: Charisma und Macht“ zeichnet der katholische Theologe ein äußerst negatives Bild seiner Kirche und lehnt ihr Amtsverständnis grundsätzlich als angeblich „unbiblisch“ ab. 

Als ihm Joseph Kardinal Ratzinger, damaliger Präfekt der Glaubenskongregation, 1992 zum zweiten Mal ein „Bußschweigen“ auferlegte, trat Boff aus dem Franziskanerorden aus und heiratete ein Jahr später Marcia M. de Silva Miranda.

Befreiungstheologie im Kielwasser des Modernismus

Die bereits erwähnte Freiburger Zeitschrift berichtet nun Folgendes über die theologische Auseinandersetzung zwischen Leonardo Boff und seinem Bruder Clodovis Boff, der anfangs ebenfalls der Befreiungstheologie anhing und diverse Bücher veröffentlichte, sich später aber immer stärker davon distanzierte:

„Im Herbst 2007 hat Leonardos Bruder Clodovis Boff in einem Artikel „Theologie der Befreiung und die Rückkehr zu ihren Fundamenten“ beklagt: Nicht mehr Gott sei das erste Prinzip, sondern der Arme. Er bemängelt den Verlust theologischer Fruchtbarkeit, die Verweltlichung (…) der Kirche, wobei der Glaube auf eine bürgergesellschaftliche Mobilisierungsideologie reduziert werde.

Dazu sei es gekommen, weil die Theologie der Befreiung den „Schock“ der Begegnung mit der Armut nicht verkraftet habe und  –  wie die gesamte Theologie  –  ein Opfer des Modernismus und Anthropozentrismus geworden sei.

HIER unser Grundsatz-Artikel über die Befreiungstheologie: https://charismatismus.wordpress.com/2011/08/01/papst-benedikt-und-die-%E2%80%9Etheologie-der-befreiung%E2%80%9C/


Das „Institut Papst Benedikt XVI.“ tagte in Erfurt zu Grundfragen der Eschatologie

Vielfach vernachlässigt: Die Lehre von den „Letzten Dingen“

„Gott gibt dem Menschen Ewigkeit“  – unter diesem Motto richtete das Institut Papst Benedikt XVI. am vergangenen Samstag in Erfurt mit der dortigen Katholisch-Theologischen Fakultät einen gemeinsamen Studientag aus.

Die erst im Vorjahr erfolgte Veröffentlichung von Band 10 der Joseph Ratzinger Gesammelte Schriften (JRGS) mit dem Titel „Auferstehung und Ewiges Leben“ bildete den Anlass, ausgewählte Aspekte der Eschatologie und Theologie der Hoffnung im Lebenswerk des emeritierten Papstes zu beleuchten und mit dem aktuellen theologischen Diskurs in Beziehung zu setzen.

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FOTO: Dr. Gerhard Nachtwei, Dr. Christian Schaller (stellv. Direktor des Institut Papst Benedikt XVI.), Franz-Xaver Heibl (Wiss. Mitarbeiter), Prof. Dr. Thomas Marschler, Augsburg, Dompropst Gregor Arndt, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, Dekan Prof. Dr. Michael Gabel, Prof. Dr. Josef Freitag, Prof. Dr. Siegfried Wiedenhofer.

Der Name der thüringischen Landeshauptstadt ist mit Joseph Ratzinger nicht erst durch den kaum zwei Jahre zurückliegenden Deutschlandbesuch Benedikt XVI. verbunden.

Bereits in den 1980er Jahren wurde vom damaligen Philosophisch-Theologischen Studium zu Erfurt erstmals ein Doktortitel für eine Arbeit zur Theologie Joseph Ratzingers verliehen.

Darauf verwies der Erfurter Alt-Bischof Joachim Wanke nicht ohne Stolz in seinem Begrüßungswort bei der morgendlichen Eucharistiefeier, die er zusammen mit dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer vor Beginn des Symposions im Mariendom zelebrierte.

Prof. Dr. Voderholzer ist der Gründungsdirektor des Institut Papst Benedikt XVI. und steht ihm auch heute vor.

In der Predigt nahm Bischof Voderholzer Bezug auf den Tagesheiligen, den frühchristlichen Philosophen und Märtyrer Justin, der die Theologie an den Rationalitätsanspruch des christlichen Glaubens erinnere – ein Anliegen, das auch im theologischen Werk Joseph Ratzingers zentral sei.

Der in den 1960er Jahren zu verzeichnende Neuaufbruch der Eschatologie, die sich zum „Wetterwinkel der Theologie“ (Hans Urs von Balthasar) entwickelte, schlug sich auch im Werk Joseph Ratzingers nieder. Über dessen Konzept der „dialogischen Unsterblichkeit“ referierte Propst Dr. Gerhard Nachtwei, Dessau, Verfasser der oben erwähnten und 1986 unter diesem Titel veröffentlichten Erfurter Dissertation und Mitglied im Kuratorium des Institut Papst Benedikt XVI.

„Den Himmel offenhalten“

Zur Aufgabe der Theologie gehöre auch die Reflexion auf die Vermittlung in die pastorale Praxis, wenn sie für die Fragen der Menschen von heute auskunftsfähig bleiben wolle. Dieses Anliegen habe die Stellungnahmen Ratzingers zur Eschatologie wesentlich geleitet. Auf gegenwärtiges Engagement für Kirche und Welt bezogen, fragte Nachtwei, ob darüber nicht die Aufgabe in Vergessenheit gerate, „den Himmel offenzuhalten“.

Eine grundsätzliche Verhältnisbestimmung von individueller und universaler Eschatologie unternahm der Erfurter Dogmatiker Josef Freitag ausgehend von Paulus (1 Kor 15,12ff.). Paulus spreche von der Auferstehung Christi nur in Verschränkung mit der allgemeinen Auferstehung der Toten. Freitag formulierte als These, dass individuelle und universale Eschatologie einander gegenseitig explizierten. 1_0_668126

Gegen den Trend, die „Unsterblichkeit der Seele“ als vermeintlich unbiblische Vorstellung aus Theologie und Verkündigung zu eliminieren und durch den Gedanken der „Auferstehung im Tod“ zu ersetzen, war der Theologe Joseph Ratzinger mit aller Entschiedenheit für die Rehabilitierung des Seelenbegriffs eingetreten.

Der Augsburger Dogmatiker Thomas Marschler würdigte Ratzingers Stellungnahmen in diesem Streit: Ratzinger habe gezeigt, dass die „Annahme der Fortexistenz des Menschen über den Tod hinaus“ im biblischen Zeugnis impliziert sei und mit dem traditionellen Begriff der „Seele“ das dafür notwendige Identitätsprinzip bezeichnet werde. Im Jahr 1979 wurde die Position Ratzingers durch ein Schreiben der Glaubenskongregation in der Sache lehramtlich bestätigt.

Der Streit um die „Theologie der Befreiung“

Mit der zweiten großen Kontroverse zur Eschatologie befasste sich das abschließende Referat des emeritierten Frankfurter Dogmatikers Siegfried Wiedenhofer: mit dem Streit über die Politische Theologie und die Theologie der Befreiung. Diese habe Ratzinger als Theologe und als Präfekt der Glaubenskongregation „als gefährliche Verfälschungen christlicher Vollendungshoffnung bekämpft“, wobei das Urteil, geleitet von einer „Hermeneutik des Verdachts“, häufig „radikal und fundamental“, bei der konkreten Beurteilung bestimmter Theologen oder Theologien, aber durchaus differenziert ausfalle.

In ein kritisches Gespräch mit seinem Lehrer eintretend, würdigte Wiedenhofer die „positiven Intentionen und Wirkungen der Ratzinger’schen Polemik nach dem Konzil“: Angesichts tatsächlicher Vermischungstendenzen fordere er zu Recht die Unterscheidung von Glaube und Politik ein.

Andererseits drohe diese notwendige Unterscheidung „unter dem Druck der grundlegenden Orientierungskontroverse“ aber „ungewollt zu einer ‚Trennung‘ radikalisiert zu werden“. Für eine sachgerechte Rezeption der Eschatologie Ratzingers forderte Wiedenhofer, die polemischen Aussagen nicht zu isolieren oder zu verabsolutieren, sondern diese in ihrem Kontext zu lesen und an die Gesamttheologie Ratzingers rückzubinden.

Die Teilnehmer des Symposions, das vom Dekan der Erfurter Katholisch-Theologischen Fakultät, Michael Gabel, sowie vom stellvertretenden Direktor des Institut Papst Benedikt XVI., Christian Schaller, souverän moderiert wurde, erlebten eine perspektivenreiche Tagung, die einen Eindruck von der Größe der Theologie Joseph Ratzingers und deren „innovatorisch-prophetischem Potential“ (Thomas Marschler) vermittelte.

Die beim Erfurter Symposion gehaltenen Referate werden in einem Band der vom Institut Papst Benedikt XVI. herausgegebenen Reihe „Ratzinger-Studien“ (Verlag Friedrich Pustet) in gedruckter Fassung erscheinen.

Quelle: Bischöfliches Presseamt Regensburg


Wurde Jesuiten-Provinzial Bergoglio – der heutige Papst – von seinem Orden einst abserviert, weil er sich klar gegen die „Befreiungstheologie“ äußerte?

In der italienischen Internetseite „Ignatio Ingrao“ wird jetzt erläutert, daß Jorge Mario Bergoglio, als er noch Jesuiten-Provinzial in Argentinien war, von seiner eigenen übergeordneten Ordensleitung ins 700 km entfernte Cordoba „verbannt“ wurde, wo er sechs Jahre lang relativ unscheinbar als Spiritual und Beichtvater in der dortigen Jesuitenkirche wirkte.

Foto: Vatican.va

Foto: Vatican.va

Dieser Lebensabschnitt in Cordoba ist wohl allgemein bekannt, nicht jedoch die Gründe, weshalb Pater Bergoglio praktisch kaltgestellt wurde, befand er sich doch zuvor bereits in führender Stellung: Als Provinzial leitete er die Geschicke des Jesuitenordens in Argentinien; zudem war er als Rektor der Philosophisch-Theologischen Fakultät von San Miguel tätig.

Sehr wohl bekannt ist freilich der seit Jahrzehnten anhaltende, modernistische Kurs dieser einstmals so kirchentreuen „Societas Jesu“ (SJ) bzw. „Gesellschaft Jesu“, deren Patres meist schlicht als „Jesuiten“ bezeichnet werden.

Die Ursache für das damalige Ausgrenzen von Prof. Bergoglio lag offenbar in seiner unmißverständlichen Haltung gegen die sog. „Theologie der Befreiung“, deren Vertreter mehrheitlich dem Marxismus huldigten und einer ultralinken Gesellschaftsanalyse bzw. kommunistischen Klassenkampf-Ideologie zugetan waren.

Der frühere Jesuit Miguel Debussy war einst ein enger Vertrauter von Pater Bergoglio; Debussy verließ den Orden wegen eigener linker Ansichten in politischer und theologischer Hinsicht. Er wirft dem heutigen Papst in einem Interview mit „Linkiesta“ vor,  einst einen „konservativen Rückfall“ im Orden durchgeführt zu haben; insbesondere hatte Provinzial Bergoglio mit der damals so vielgepriesenen „Befreiungstheologie“ nichts am Hut:

„Er war ganz dagegen. Als Theologiestudenten haben wir zum Beispiel nie ein einziges Buch von Gustavo Gutierréz, einem der Gründer der Befreiungstheologie gelesen oder gar studiert, oder von Boff oder von Paulo Freire…“ 

Kardinal Joseph Ratzinger hat sich daher als Präfekt der römischen Glaubenskongregation mehrfach glasklar gegen die „Befreiungstheologie“ geäußert, vor allem in seiner ausführlichen „Instruktion“ von 1984.

(Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/08/01/papst-benedikt-und-die-%E2%80%9Etheologie-der-befreiung%E2%80%9C/)

Angeblich soll es aus damaliger Zeit sogar einen Brief des niederländischen SJ-Generaloberen Peter Hans Kolvenbach geben, der anderen Jesuiten-Niederlassungen einen näheren Kontakt mit dem kaltgestellten Ex-Provinzial Bergoglio untersagte. Aber bereits unter seinem ebenfalls „progressiven“ Vorgänger, dem Jesuitengeneral Pedro Arrupe, soll Bergoglio in Ungnade gefallen sein.

Für den Ausgegrenzten, der mit 37 Jahren schon sehr jung zum Provinzial ernannt worden war,  wird dieser „Absturz“ bzw. die ungerechte Behandlung durch den eigenen Orden damals eine  schmerzliche Erfahrung gewesen sein. Doch an Enttäuschungen kann man bei entsprechender Charakterfestigkeit und göttlicher Hilfe auch wachsen und somit innerlich gestärkt aus einer Krise hervorgehen.

Danach wurde der kaltgestellte Jesuitenpater vom Vatikan quasi aus der Versenkung geholt und mit 55 Jahren zum Weihbischof von Buenos Aires ernannt, später zum Erzbischof und Kardinal   –  und  schließlich am 13.3.2013 zum Oberhaupt der katholischen Weltkirche mit ihren 1,2 Milliarden Angehörigen gewählt.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Info-Quelle: http://www.ignazioingrao.it/quando-i-gesuiti-emarginarono-bergoglio_content_30_5.htm#sthash.44XSsbf8.0tfKGPMD.dpuf