Glaubenspräfekt Müller widerspricht Äußerungen von Bischof Overbeck

In der Debatte über die künftige Rolle des bischöflichen Lehramts in der katholischen Kirche ist es zu einer offenen Auseinandersetzung zwischen dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, gekommen. 0022

Im „Kölner Stadt-Anzeiger“ (heutige Montag-Ausgabe) trat der römische Kardinal der Position Overbecks entgegen, dass die Bischöfe „kein Rechtgläubigkeits-TÜV“, sondern Dialogpartner auf der Suche nach der Wahrheit seien: „Oh, ich glaube, der TÜV ist für die Verkehrsteilnehmer sehr wichtig, damit Unfälle mit schwerwiegenden Folgen vermieden werden. Wenn es um das Heil des Menschen und die Gefahren für das ewige Leben geht, haben die Bischöfe eine noch viel größere Verantwortung. Und das Wort Gottes ist sehr wohl eindeutig.“

Es gebe zwar legitimerweise verschiedene theologische Schulen, aber nur den einen Glauben, fügte Müller hinzu.

Bischof Overbeck hatte in einem Kommentar für die Zeitschrift „Herder-Korrespondenz“ geschrieben, die Zeit der Eindeutigkeit sei vorbei. Angesichts der Schwierigkeiten der Theologie, interdisziplinär einen wissenschaftlichen Diskurs auf Augenhöhe zu führen, müsse die Freiheit des Denkens gestärkt und nicht reglementiert werden.

Es sei heute klar, dass Glaube und Glaubenskonsens in der Kirche nicht mit autoritativen Mitteln durchgesetzt werden könnten und dürften.

Zuvor war es bereits zwischen den Freiburger Theologen Magnus Striet und Eberhard Schockenhoff einerseits  – und den Bischöfen Rudolf Voderholzer (Regensburg) und Stefan Oster (Passau) andererseits zu Auseinandersetzungen über die Rolle der Theologie gekommen.

Pressemitteilung des Kölner Stadtanzeigers: http://www.presseportal.de/pm/66749/3263594

Foto: Bistum Regensburg


Besorgte Ansprache des Papstes beim Ad-Limina-Besuch der deutschen Bischöfe

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Bischöfe der Teilkirchen besuchen turnusgemäß alle fünf Jahre die Apostelgräber in Rom und den Nachfolger des heiligen Petrus. Das gibt dem Papst die Möglichkeit, den Zustand der Ortskirche anzusprechen und sie, wenn notwendig, auf die eigentlichen Ziele auszurichten. 0000009699_3

Die Bischöfe der deutschen Ortskirche hatten im November 2015 ihren Ad-Limina-Besuch in Rom. Der Heilige Vater zeigte sich über die Kirche in Deutschland außerordentlich gut informiert und konnte die Gesamtsituation sehr konkret darstellen.

BILD: Prof. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Nachdem Franziskus auf die „außergewöhnlichen Zeitumstände“ mit den hunderttausenden Kriegsflüchtlingen hingewiesen und die „große Unterstützung, der Kirche in Deutschland durch die vielen Hilfsorganisationen für die Menschen in aller Welt“ erwähnt hatte, kam er auf die innere Befindlichkeit der Kirche in Deutschland zu sprechen, die er als eine dahinsiechende und absterbende Kirche beschrieb.

Papst: Mehr „katholisches Profil“ in kirchl. Einrichtungen

Sie sei zwar „überall im sozialen und caritativen Bereich professionell engagiert“ und „auch im Schulwesen überall aktiv“. Aber Franziskus machte deutlich, dass darauf zu achten ist, „dass in diesen Einrichtungen das katholische Profil gewahrt bleibt“. Denn nur dann „sind sie ein nicht zu unterschätzender positiver Faktor für den Aufbau einer zukunftsfähigen Gesellschaft“. Diese kirchlichen Einrichtungen waren noch einmal gemeint, als Franziskus forderte, „dass die Strukturen der Kirche alle missionarischer werden müssen“.

Hier werden sich die Katholiken in Deutschland daran erinnern, dass die Bischofskonferenz auf ihrer Frühjahrsversammlung am 27.4.2015 mehrheitlich die Weichen in die ganz andere Richtung gestellt hat, obwohl das Bundesverfassungsgericht am 20.11.2014 die kirchlichen Rechte bezgl. der Einforderung der bisherigen Loyalitätsverpflichtungen festgestellt hatte, dass die Kirche von ihren Mitarbeitern verlangen kann, dass diese den kirchlichen Glauben teilen und die kirchlichen Moralvorstellungen auch persönlich einzuhalten haben. media-521118-2

Statt dessen hat sich die Kirche in Deutschland sich dafür entschieden, ihre Einrichtungen dem Geist der Zeit anzupassen. Nun geht es aber nach Papst Franziskus nicht darum, dass die Kirche mit ihren mehr als 700.000 Mitarbeitern nach dem Staat der größte Arbeitgeber bleibt, sondern dass ihre Einrichtungen der eigentlichen Aufgabe treu bleiben und „missionarischer werden“. Diesem Ziel dient wahrlich nicht die Liberalisierung des kirchlichen Arbeitsrechts.

Papst Franziskus nannte danach die fehlende Vitalität und missionarische Kraft ohne Umschweife beim Namen: Den Rückgang des sonntäglichen Gottesdienstbesuches  –  er liegt unter 10%, 1950 waren es 50,2%.

Die „Erosion der Katholischen Kirche in Deutschland“ zeige sich weiter dadurch, dass „die Sakramente immer weniger in Anspruch genommen werden. Die Beichte ist vielfach verschwunden. Immer weniger Katholiken lassen sich firmen oder gehen das Sakrament der Ehe ein. Die Zahl der Berufungen für den Dienst des Priesters und für das Gott geweihte Leben haben drastisch abgenommen“.

Mit Worten und Leben für Gottes Wahrheit eintreten

Papst Franziskus resigniert nicht vor dieser dramatischen Situation, sondern fragt, „was können wir dagegen tun?“ und weist auf das Beispiel der ersten Christen hin. Er erinnert an die „treuen Mitarbeiter des heiligen Paulus, Priska und Aquila“: „Als Ehepaar verkündeten sie mit überzeugenden Worten, vor allem aber mit ihrem Leben, dass die Wahrheit, die auf der Liebe Christi gründet, wirklich glaubwürdig ist“.

papst_letzter_tag_01Am Vorbild von Priska und Aquila machte Papst Franziskus deutlich, worauf es ankommt, nämlich auf die Mitarbeit „vom Heiligen Geist inspirierter Ehrenamtlicher“. Die Kirche in Deutschland geht aber den anderen, nicht zukunftsfähigen Weg. Der Papst wies auf diesen Irrweg hin, wenn er von der „Tendenz zu fortschreitender Institutionalisierung der Kirche“ sprach und vermerkte:

„Es werden immer neue Stellen geschaffen, für die eigentlich die Gläubigen fehlen. Es handelt sich um eine Art neuer Pelagianismus, der dazu führt, unser Vertrauen auf die Verwaltung zu setzen, auf den perfekten Apparat. Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert aber das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen“.

Papst will missionarische Neuausrichtung

Papst Franziskus „das Gebot der Stunde ist die pastorale Neuausrichtung (…), dass die Strukturen der Kirche alle missionarischer werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in allen Bereichen expansiver und offener ist, dass die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des Aufbruchs versetzt und so die positive Antwort all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet“.  – Was Papst Franziskus hier fordert, sind keine kosmetischen Korrekturen, sondern ist eine komplette pastorale Neuausrichtung, eine Wende um 180°!

Als erfahrener Seelsorger kennt Franziskus die Schwierigkeiten, die sich einer solchen Neuausrichtung in den Weg stellen: „Die Rahmenbedingungen der heutigen Gesellschaft sind… nicht unbedingt günstig. Es herrscht eine gewisse Weltlichkeit vor. Die Weltlichkeit verformt die Seelen, sie erstickt das Bewusstsein für die Wirklichkeit“. Andererseits „sagt uns unser Glaube, dass Gott der immer zuerst Handelnde ist. Diese Gewissheit führt uns zunächst ins Gebet.“

 Wie können die Menschen die Botschaft Gottes wieder verstehen?

Dazu der Seelsorger Franziskus: „Wir müssen bei den Menschen sein. Mit der Glut derer, die als Erste das Evangelium in sich aufgenommen haben, und jedes Mal, wenn wir versuchen, zur Quelle zurückzukehren und die ursprüngliche Frische des Evangeliums wieder zu gewinnen, tauchen neue Wege, kreative Methoden, andere Ausdrucksformen, aussagekräftigere Zeichen und Worte reich an neuer Bedeutung für die Welt von heute auf“.

Bischöfe werden sich fragen müssen, ob sie auf ihren Firmreisen und Pfarrvisitationen die Menschen tatsächlich erreichen.

Hirtenpflicht der Bischöfe eingeschärft

Während in Deutschland im „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ und in Laiengremien von „Dialogprozessen“ mit den Bischöfen auf Augenhöhe gefaselt wird, erinnert Papst Franziskus die Bischöfe daran, dass es im Zusammenhang mit der Neuevangelisierung „unerlässlich“(!) ist, „dass der Bischof seine Aufgabe als Lehrer des Glaubens des in der lebendigen Gemeinschaft der universalen Kirche überlieferten und gelebten Glaubens in den vielfältigen Bereichen seines Hirtendienstes gewissenhaft wahrnimmt“.

Der Bischof soll als „treu sorgender Vater“ seinen Dienst wahrnehmen. Was Papst Franziskus damit meint, führt er konkret aus: Er soll „die theologischen Fakultäten begleiten und den Lehrenden helfen, die kirchliche Tragweite ihrer Sendung im Auge zu behalten. Die Treue zur Kirche und zum Lehramt widerspricht nicht der akademischen Freiheit… das „sentire cum ecclesia“ (Mitfühlen mit der Kirche) muss besonders diejenigen auszeichnen, welche die jungen Generationen ausbilden und formen“.

Angesichts des Zustandes an manchen katholischen Fakultäten gibt es für die Bischöfe gerade hier einiges zu regeln.

imageCATKHONRFranziskus spricht sich nicht dafür aus, sich aus den staatlichen Universitäten zurückzuziehen. Denn „die Präsenz der katholischen Fakultäten an den staatlichen Bildungseinrichtungen ist eine Chance, um den Dialog mit der Gesellschaft voranzubringen“. Man muss nur bereit sein, ihn auch mutig und glaubensstark zu führen.

Papst Franziskus setzte sich in seiner Rede an die deutschen Bischöfe ausdrücklich für den Ausbau der katholischen Universität in Eichstätt-Ingolstadt ein. Sie ist „von großem Wert für ganz Deutschland… ein entsprechender Einsatz der gesamten Bischofskonferenz wäre daher wünschenswert, um ihre überregionale Bedeutung zu stärken“.

Die katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt könnte, wenn der Appell des Papstes umgesetzt würde zu einem theologischen Kraftzentrum in Deutschland werden, wie wir das heute mit Heiligenkreuz bei Wien und seiner Hochschule Papst Benedikt XVI. erleben.

Reform der Kirche beginnt in der Beichte

Auch in den Pfarrgemeinden muss dem Bischof „in besonderer Weise das sakramentale Leben am Herzen liegen“. Papst Franziskus hob besonders die Beichte und die Eucharistie hervor:

„Das bevorstehende Außerordentliche Jubiläum der Barmherzigkeit bietet die Gelegenheit, das Sakrament der Buße und der Versöhnung wieder neu zu entdecken… in der Beichte beginnt die Umwandlung des einzelnen Gläubigen und die Reform der Kirche. Ich vertraue darauf, dass… dieses für die geistliche Erneuerung so wichtige Sakrament in den Pastoralplänen der Diözesen und Pfarreien mehr Berücksichtigung findet“.  – Das klingt bestimmt und nicht nach „kann“ oder „vielleicht“ etc.

Papst Franziskus drängt darauf, „die innere Verbindung von Eucharistie und Priestertum stets klar sichtbar zu machen… die wertvolle Mitarbeit von Laienchristen im Leben der Gemeinden… darf nicht zum Ersatz des priesterlichen Dienstes werden… ohne Priester gibt es keine Eucharistie“.  –  Es gibt einen Unterschied zwischen dem Weiheamt und dem allgemeinen Priestertum, der anerkannt bleiben muss und nicht verwischt werden darf.

Die Kirche muß kompromißloser Anwalt für das Leben sein

Franziskus wendet sich noch einmal direkt an die Bischöfe, wenn er abschließend vom „nicht hoch genug einzuschätzenden Auftrag des Bischofs… für das Leben“ spricht. „Die Kirche darf nie müde werden, Anwältin des Lebens zu sein und darf keine Abstriche darin machen… Wir können hier keine Kompromisse eingehen“.DSC_0048

Keine Kompromisse? –  Als am 6. November 2015 der Deutsche Bundestag ein Gesetz beschlossen hat, wonach aktive Suizidbeihilfe durch Angehörige, Ärzte und besonders nahestehende Personen möglich ist, hat der Vorsitzende der Dt. Bischofskonferenz zusammen mit dem ZdK-Präsidenten und dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland „allen, die in Politik, Zivilgesellschaft, Kirchen und Religionsgemeinschaften an dieser für unser Land guten Entscheidung mitgewirkt haben“, gedankt, obwohl sich aktive Sterbehilfe gegen das fünfte Gebot, die Lehre der Kirche und gegen das, was Joh. Paul II. in „Evangelium Vitae“ ausgeführt hat, richtet.

Dies ist umso erstaunlicher, als die deutschen Bischöfe noch 2014 in ihrem Flyer „Sterben in Würde“ geschrieben haben: „Aus ethischer Sicht ist die Beihilfe zur Selbsttötung – sowohl durch Organisationen als auch durch Ärzte oder anderen nahestehenden Personen abzulehnen“.

Die Rede von Papst Franziskus an die deutschen Bischöfe anlässlich ihres Ad- Limina-Besuchs 2015 kann in ihrer Bedeutung für die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Die Tatsache, dass diese Ansprache in den Medien, auch in den katholischen, klein geschrieben oder übergangen wurde, darf niemand verwundern, der die Situation in Deutschland kennt.

Die Hoffnung der kirchenverbundenen Katholiken richtet sich auf die reformwilligen Bischöfe. Wenn sie den steinigen Weg der Reformen einschlagen, verdienen sie jede Unterstützung der Gläubigen. Es darf nicht erneut eine Ignoranz geben, so wie es mit den Vorschlägen zur Entweltlichung der Kirche geschehen ist, die Papst Benedikt XVI. in seiner Ansprache am 25. September 2011 in Freiburg gemacht hatte.


Freiburg: „Konradsblatt“ stellt konservative Christen unter Extremismus-Verdacht

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Erschreckende Verbindungen“ schlägt das „Konradsblatt“, die katholische Kirchenzeitung für das Erzbistum Freiburg, jetzt regelrecht Alarm:

Es geht – wie könnte es anders sein  – um die angeblich so innigen Kontakte zwischen konservativen Christen und „rechtsextremen“ Gruppierungen. Konradsblatt 25-2015 S. 25

Oho, da hätte man gerne Roß und Reiter gewußt, doch das Bistumsblatt verweigert klare und konkrete Auskünfte.

Stattdessen bewegen sich die Vorwürfe, welche in der aktuellen Ausgabe (Nr. 25/2015) ausgiebig ausgewalzt werden, in wolkigen, schein-akademischen Schlaumeiereien, die betont abstrakt und soziologisch gestelzt präsentiert werden, um den Anschein wohlfeiler Wissenschaftlichkeit zu erwecken.

Dabei geraten nicht etwa nur vermeintlich „rechtskatholische“ Kreise ins Visier der Faschistenkeule bzw. linken Gedankenpolizei, sondern auch sogenannte „Rechts-Evangelikale“.

Das zweiseitige Interview ist leider online nicht zugänglich, liegt uns aber aus der Print-Ausgabe vor (siehe hier das Foto der Interview-Seite 24).

Der Text besteht aus einer Einführung der Konradsblatt-Redaktion und einem Gespräch mit Sonja Angelika Strube, ihres Zeichens Privatdozentin an der „interdiziplinären Forschungsgruppe „Frieden, Religion, Bildung“ (Uni Osnabrück).

Die katholische Rechtsextremismus-„Expertin“ hat unlängst ein Buch mit dem Titel „Rechtsextremismus als Herausforderung für die Theologie“ beim Herder-Verlag herausgebracht.

Auf ein Werk, das sich mit demLinksextremismus als Herausforderung….“ befaßt, werden wir wohl noch lange warten müssen, falls es überhaupt je erscheint….

„Christen und rechte Ideologie“ im Visier

Mit der katholischen Theologin Strube führte die Redaktion also ein „Gespräch über Christen und rechte Ideologie“, wie es eingangs vielsagend heißt.

Die Dame zeigt sich „schockiert“ darüber, daß „sich christlich verstehende Internetseiten“ Kontakte pflegen zu Medien der „intellektuellen Neuen Rechten“ sowie zu „extrem islamfeindlichen Medien.“

Sodann weiß die Buchautorin zu berichten, daß „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ (!) sowie „rechtsextreme Einstellungen“ unter Christen sogar „etwas überdurchschnittlich verbreitet“ seien, wie „verschiedene Studien“ angeblich herausgefunden hätten. 4077304320

Merkwürdigerweise weiß man aus der breitflächig angelegten KFN-Studie von Prof. Dr. Christian Pfeiffer (dem früheren SPD-Minister) genau das Gegenteil: Je frommer, je religiöser junge Christen denken, desto friedlicher und toleranter sind sie eingestellt.

Übrigens ergab sich bei jungen Muslimen das genaue Gegenteil: Je religiöser, desto aggressiver die jeweiligen Ansichten, desto gewaltbereiter die Personen insgesamt!

(Näheres dazu im ZDF-Portal: http://www.zdf.de/forum-am-freitag/interview-mit-prof.-christian-pfeiffer-5348222.html)

Aber vielleicht befaßt sich Frau Strube lieber nur mit jenen Studien, die ihr eigenes Weltbild zu bestätigen scheinen?

Außerdem läßt sie uns gerne an ihrem weiteren Wissen teilhaben: „Aktuell lässt sich eine Zusammenarbeit zwischen rechtschristlichen und politischen  rechten Gruppierungen besonders deutlich bei den Themenbereichen Islam, Christenverfolgungen und Familie feststellen.“

Aber sicher doch: Wer sich mit derart verdächtigen „Themenbereichen“ befaßt, sollte genauer unter die Lupe der roten Oberaufseher genommen werden, damit solche Pfui-Themen ausgegrenzt und zukünftig alles mit rechten – äh: linken!  – Dingen zugeht.

„Christen sind nicht nur Verfolgungsopfer“

„Islamfeindliche Gruppen erwecken“, so behauptet die Theologin munter weiter, „den Eindruck, Christen wären immer nur Verfolgungsopfer, nie Täter, und sie würden ausschließlich durch Muslime verfolgt. Beides stimmt nicht mit den weltweiten Realitäten überein.“ IGFM-menschenrechtede-8174_01_dd53c02859

Leider versäumt es die Autorin, ihren Lesern zu erklären, wie die „weltweiten Realitäten“ aus ihrer speziellen Sicht aussehen  – und wo die Christen denn bittschön als „Täter“ agieren. Die Redaktion des „Konradsblatts“ hält es auch nicht für nötig, hierbei nachzufragen, sondern stellt dieser Dame eine Gefälligkeitsfrage nach der anderen!

Abgesehen davon ist es schlicht Unsinn, „islamfeindlichen Gruppen“ die Behauptung zu unterstellen, Christen würden „ausschließlich“ durch Muslime verfolgt. Gerade in islamkritischen Kreisen wird die Verfolgung von Christen in kommunistischen Staaten wie Nordkorea oder Rot-China ebenfalls häufig thematisiert (von Frau Stube freilich mit keinem einzigen Wort).

Einsatz für Familienwerte macht verdächtig

Auch das Eintreten für klassische Vorstellungen von Ehe und Familie ist Frau Strube nicht geheuer: „Beim Themenfeld „Familie“ treffen sich konservative Christen und rechte Gruppen inhaltlich im Kampf für ein enges traditionelles Familienverständnis.“  BILD0222

Sodann wirft die Autorin diesen familienbewegten Christen ein „bestimmtes, enges Verständnis von Schöpfungsordnung“ vor, ohne dem geneigten Publikum zu erläutern, wie sie sich selber die angeblich richtigere Sicht dieser Schöpfungsordnung vorstellt…

Auf die besorgte Frage des „Konradsblattes“, welche „christlichen Kreise“ denn in einem besonderen Maße „gefährdet“ (!) seien, weiß die Interviewte zu berichten:

„Grundsätzlich sind es Menschen, die besonders rigide Frömmigkeitsstile pflegen, strenge Regeln einhalten bzw. von anderen deren Einhaltung fordern.“

Ähnlich bedroht von rechtsextremer Einstellung sind laut Strube zudem jene Menschen, „die sehr überzeugt davon sind, dass ihre eigenen Glaubensvorstellungen die einzig wahren sind“. 

Unsereins hätte gerne gewußt, wie diese Theologin denn die offensichtliche Tatsache beurteilt, daß Christus einen klaren Wahrheitsanspruch verkündete, ja sogar rundweg erklärte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“  – Das Johannesevangelium berichtet, daß der Erlöser dieser „rigiden“ Äußerung gar noch die gewiß „fundamentalistische“ Bemerkung hinzufügte: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“

Ob ER und seine Apostel, welche diese Botschaft des HERRN unter Einsatz ihres Lebens verkündeten, aus der Sicht dieser Dame wohl in besonderem Maße „gefährdet“ und daher mindestens therapiebedürftig waren?

HINWEIS auf einen ergänzenden Artikel hierzu: https://charismatismus.wordpress.com/2015/07/02/das-portal-der-dt-bischofskonferenz-agitiert-gegen-christliche-konservative/

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugend-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


Evangelischer Altbischof Wilckens betont die Tatsache der Auferstehung Christi

Deutliche Kritik am Evangelischen Kirchentag

Die Auferstehung Christi lässt sich auf Fakten gründen. Diese Ansicht vertritt der evangelisch-lutherische Altbischof Prof. Dr. Ulrich Wilckens (Lübeck) in einem Interview mit der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA. 1548

Der 86-jährige Theologe war von 1981 bis 1991 Bischof des Sprengels Holstein-Lübeck der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Zuvor lehrte er als Professor für Neues Testament in Marburg, Berlin und Hamburg.

Prof. Wilckens plädiert dafür, die Berichte des Neuen Testaments historisch ernstzunehmen. So sei es völlig unrealistisch, anzunehmen, dass das Grab Jesu nicht leer gewesen sei. Jeder in Jerusalem habe damals nachprüfen können, ob das Grab voll sei oder nicht.

Hinzu komme, dass die Frauen am leeren Grab durch einen Engel gehört haben, dass Gott Jesus aufgeweckt habe. Dr. Wilckens:

„Noch kurz zuvor waren die Frauen am Grab tief betrübt, die Jünger Jesu standen nach seinem Tod kurz davor, ihren Glauben an ihn aufzugeben, und kehrten in ihre galiläische Heimat zurück – sie konnten sich nicht damit trösten, er werde auferstehen. Denn in der jüdischen Tradition war es ausgeschlossen, dass eine Person vor dem Ende aller Zeiten auferstanden ist. Wie sollten die ersten Christen – die ja auch Juden waren – auf diese abenteuerliche Idee von sich aus verfallen?“

Prof. Wilckens beklagt theologischer Verwirrung

Nach den Worten von Wilckens herrscht in der neuzeitlichen Theologie Unsicherheit vor. Viele Theologen gingen davon aus, dass der christliche Glaube aus der antiken Religion erwachsen sei und nicht von Gott herrühre, sondern von Menschen ersonnen sei. Sie glaubten nicht mehr an Gott, sondern erklärten den Gottesglauben als religiöse Empfindung. Für sie sei die Auferstehung ein Gefühl, das im Menschen entstehe. Sayn-Abteikirche-DSC_0195-2

Viele Theologiestudenten würden dadurch am Glauben irre. Im Gefolge der Aufklärung und der Entmythologisierung der Bibel breite sich eine radikal kritische, liberale Theologie mit atheistischen Zügen immer weiter aus. Theologie und Kirche benötigten deshalb eine tiefe Erneuerung.

Kritik übte Prof. Wilckens auch am Evangelischen Kirchentag. Dieser sei „ein säkulares Großereignis“, bei dem der christliche Glaube nur eine geringe Rolle spiele: „Die Andachten, Predigten und theologischen Vorträge handeln dort von allem möglichen – nur nicht vom Zentrum des Glaubens.“

Zugleich äußerte sich der Altbischof selbstkritisch. In seiner Zeit als Bischof sei Mut nötig gewesen, den Glauben an Jesus Christus zu bezeugen und die Bibel als Heilige Schrift ernstzunehmen. Wilckens: „Ich fürchte, dass ich das damals nicht hinreichend ausgesprochen habe, sondern nur andeutungsweise.“

Quelle: http://www.idea.de


Glaubenspräfekt Müller: Katholische Theologie muß in innerer Verbundenheit mit der Kirche erfolgen

Der Glaube entsteht erst dann, wenn man auf das Wort Gottes hört. Das betonte der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, am gestrigen Mittwochnachmittag.

Foto: Bischöfl. Presseamt Regensburg

Foto: Bischöfl. Presseamt Regensburg

Erzbischof Müller hielt die Predigt beim Gottesdienst zum Abschluss des Akademischen Jahres der Päpstlichen Universität Gregoriana. Gleichzeitig warnte der deutsche Kurienerzbischof, den Anspruch des Christentums auf die absolute Wahrheit zu verwässern.

Die Berufung auf Glaubensfreiheit dürfe nicht dazu führen, diese auf „die Wahrheit und abstrakte Funktionalität“ einer vermeintlichen Ursprungsreligion zu reduzieren, auf die sich alle Religionen zurückführen ließen, so der Glaubenspräfekt weiter.

Er rief die Theologen auf, in ihrem Verhältnis zur katholischen Kirche nicht nur auf eine rein „äußerliche Loyalität“ zu beschränken. Theologie müsse stets in innerer Verbundenheit zur Kirche betrieben werden.

Quelle: Radio Vatikan

Leugnete Erzbischof Müller – Chef der Glaubenskongregation – wirklich die Jungfrauengeburt ?

MARIA ist Jungfrau immerdar – und zugleich Realsymbol für das volle HEIL und Heilsein in CHRISTUS

Seitens mancher traditioneller Gruppen und Webseiten wird derzeit behauptet, der frisch ernannte Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, bestreite nichts weniger als die Jungfrauengeburt bzw. immerwährende Jungfräulichkeit der Gottesmutter; folglich verbreite er Irrlehren, sei gar ein „Ketzer“, „Häretiker“ etc. 0012

Einige Kritiker drücken dieselbe Anschuldigung etwas vorsichtiger aus, indem sie einräumen, der Erzbischof habe wohl das Virgo-Dogma  als solches nicht  geleugnet, sich aber nicht an die „Hermeneutik“ bzw übliche Auslegungstradition gehalten. – Nun ist eine solche Deutungstradition  –  mag sie auch weit verbreitet sein –  durchaus nicht mit dem Dogma selber gleichzusetzen, so daß der Häresie-Vorwurf insoweit schon rein formal gesehen nicht aufrechterhalten werden kann.

In dieser Debatte wird eine bestimmte Äußerung von Dr. Gerhard L. Müller (als er noch Theologieprofessor war) erstens aus dem Kontext bzw. Zusammenhang gerissen; zweitens wird nicht immer ausreichend berücksichtigt, daß die Geburt Christi aus der Jungfrau Maria sowohl natürliche wie übernatürliche Dimensionen aufweist, zumal unser Erlöser in seiner Person Gott und Mensch zugleich ist.

So ist auch seine Geburt eine wirkliche Geburt und doch wunderbar; also gewissermaßen ein „Miteinander“ von göttlichem Wirken und menschlicher Natur.

Jesu wahres Menschsein hat die Kirche immer verkündet, auch gegenüber Irrlehren aus dem gnostischen Doketismus, der behauptete, Jesus habe nur einen Scheinleib gehabt, also keinen wirklichen menschlichen Leib, keine wahre menschliche Natur.

Zugleich bekennt sich die Kirche voll und ganz zur Gottheit Christi, so daß seine Geburt aus Maria vom übernatürlichen Glanz seiner Herrlichkeit überstrahlt ist  – und die Madonna auch „in der Geburt“ Jungfrau blieb („virginitas in partu“).

Dabei kann bedacht werden, daß Christus nach seiner Auferstehung mit seinem wirklichen und zugleich verherrlichten Leib durch verschlossene Türen gehen konnte und seinen Aposteln erschien. Allerdings gilt dieser Vergleich nicht im Sinne einer direkten Gleichsetzung,  sondern eher als Hinweis zum leichteren Verständnis.

Freilich hat sich die Kirche  –  wohl aus Gründen der Vernunft und des guten Geschmacks  –  zu gynäkologischen Einzelheiten von Marias Jungfrauschaft „in der Geburt“ niemals lehramtlich festgelegt.

Die Jungfräulichkeit der Madonna ist überdies kein Selbstzweck, sondern mit ihrer  einzigartigen Berufung zur Gottesmutterschaft verbunden, die das Fundament aller weiteren kirchlichen Lehren über Maria darstellt.

Marias Gottesmutterschaft ist „ihre wesentliche Bestimmung“

Der bekannte Mariologe und Kardinal Leo Scheffczyk schreibt hierzu, daß die marianische Wahrheit nicht im Bekenntnis zur Jungfräulichkeit ihr „Zentrum“ hat, sondern daß vielmehr „die Gottesmutterschaft die wesentliche Bestimmung des Personalcharakters Mariens darstellt.“

Das grundlegende Dogma über Maria ist jenes über die „Theotokos“, die Gottesmutterschaft.

Der Mariologe fügt hinzu, daß die „Jungfräulichkeit als eigentümliche Verwirklichungsform dieses Mutterseins zum Personalcharakter der Mutter Jesu hinzukommt.“  (Vgl. sein Buch „Katholische Glaubenswelt“, S. 277)

Auf S. 281 betont der Kardinal über das „Glaubensgeheimnis der Jungfräulichkeit Mariens“:

„Wenn man hier ein Geheimnis anerkennt, so ist damit auch gesagt, daß der Blick nicht vorschnell und einseitig auf das darin sicher eingeschlossene biologische Faktum gehen soll.“

Die jungfräuliche Gottesmutterschaft sei „ein tiefes Mysterium“ und erschließe sich vor allem sittlich und geistlich, wenngleich die biologische Ebene dazugehört. Kardinal Scheffczyk schreibt hierzu:

„Man darf deshalb auch beim Geheimnis der Jungfrauengeburt und der Jungfräulichkeit Mariens nicht ausschließlich an das biologische Moment denken.“ (S. 281)

Die bleibende Jungfräulichkeit Mariens wurde bereits in spätantiker Zeit als Glaubenssatz gelehrt (Synode zu Mailand, 390 n. Chr.), auf dem 5. Konzil von Konstantinopel (553 n. Chr.) mit der Formel von der „Jungfrau immerdar“ erneut verkündet und auf der Lateransynode 649 n. Chr. unter Papst Martin I. dogmatisch bekräftigt.

Im betreffenden Kanon 3 heißt es wörtlich:

„Wer nicht gemäß den heiligen Vätern im eigentlichen Sinne und der Wahrheit entsprechend die heilige, allzeit jungfräuliche und unbefleckte Maria als Gottesgebärerin bekennt, da sie ja eigentlich und wahrhaftig Gott, das Wort, selbst, der vor allen Zeiten aus Gott, dem Vater, geboren wurde, in den letzten Zeiten ohne Samen aus dem Heiligen Geist empfangen und unversehrt gebo­ren hat, wobei ihre Jungfrauschaft auch nach seiner Geburt unzerstört blieb, der sei verurteilt.“  (DH = Denzinger: 503)

Soweit das Dogma zur Jungfräulichkeit „in der Geburt“,  um das es in der „Müller-Debatte“ geht.

Während sich freilich Erzbischof Müller klar zu dieser Aussage des „außerordentlichen“ Lehramts bekennt (Zitat siehe Schlußteil dieses Artikels), hatte der Theologe Karl Rahner das Dogma auch dadurch zu relativieren versucht,  indem er erklärte, es habe sich lediglich um eine regionale Synode gehandelt, nicht um ein allgemeines Konzil  – was so nur teilweise zutrifft.

Auch die großen, heiligen Kirchenväter des 4. und beginnenden 5.  Jahrhunderts, nämlich Ambrosius (gest. 397), Hieronymus (+420) und Augustinus (+430) bekannten sich eindeutig zur allzeit jungfräulichen Mutter des HERRN.

Schon zuvor schrieb der hl. Kirchenlehrer Ephräm der Syrer (4.Jh.):

„In Maria mußte die Natur von ihren Gesetzen abgehen, denn Maria empfing und gebar als Jungfrau; diesen Weg vermag die Natur nicht zu gehen. Das Kind wurde wie alle Kinder geboren, doch seine Mutter blieb Jungfrau. (…)  Sie empfing und gebar ohne Zutun eines Mannes (…)  – ein in der Welt völlig unerhörtes Wunder. Einem Sohn hat sie das Leben gegeben, den alles bewundert. Wie dies geschah, ist unserem Verständnis entrückt. Die Gelehrten sind unfähig, dieses Geheimnis zu ergründen: Das Mädchen stillt, eine Jungfrau ist Mutter.“  (5. Hymnus, Vers 1 – 4)

Das Mädchen stillt“  – auch durch die Tatsache, daß die Madonna dem Christkind ihre Mutterbrust reichte, wird ein natürlicher Vorgang und auch so das wahre Menschsein, die volle menschliche Natur unseres göttlichen Heilands deutlich.

Erinnern wir uns an das Marienlob einer Frau aus dem Volke, die Christus zurief: „Selig der Leib, der Dich getragen, und die Brust, die Dich genährt hat!“ (Lk 11,27) – Die Antwort Jesu („Ja, selig sind jene, die Gottes Wort hören und bewahren!“)  ist kein Widerspruch, sondern vielmehr eine Bestätigung und zugleich ein Hinweis darauf, daß Marias Mutterwürde sich nicht auf das Leibliche beschränkt, sondern vor allem im Geistigen und im Glauben gründet, wie schon ihre Verwandte Elisabeth erkannte, als sie die Madonna mit den Worten pries: „Selig bist Du, die Du geglaubt hast, was der HERR Dir sagen ließ“ (Lk 1,45).

Während die „stillende Maria“ an das wahre Menschsein Christi erinnert, leuchtet uns im Mysterium ihrer Jungfräulichkeit die Allmacht des Ewigen und der göttliche Glanz unseres Erlösers entgegen, der auch der Erlöser Marias ist, wie sie selbst in ihrem Magnificat bezeugt („mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter“) und wie es der Immaculata-Glaube der Kirche bekennt: Maria als die makellos Voraus-Erlöste im Hinblick auf die Verdienste Christi.

Im Großen Credo bzw. dem Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel heißt es „Natus ex Maria Virgine„, also (wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt): „Geboren aus Maria, der Jungfrau“.

Zu diesem altkirchlichen Credo hat sich auch Martin Luther mehrfach ausdrücklich bekannt, so zB. in seiner Weihnachtspredigt vom 24.12.1528: „Diese Jungfrau kennt keinen Verlust der Jungfräulichkeit; sie bleibt unverletzt und rein.“

Es geht bei der Lehraussage von Marias immerwährender Jungfräulichkeit freilich substantiell nicht um physiologische Details hinsichtlich des Geburtsvorgangs,  sondern darum,  d a ß  Marias Virginität immer unverletzt blieb.

Über das genaue „Wie“ der jungfräulichen Mutterschaft Mariens äußern sich weder Bibel noch Dogma im Detail.

Unsere Kirche kennt überdies auch die Bedeutung eines „Realsymbols„, wonach etwas, das wirklich vorhanden ist,  z u g l e i c h  eine sinnbildliche Bedeutung aufweist.

So ist die jungfräuliche Unversehrtheit Mariens  auch ein Zeichen für ihr volles „Heilsein“ in Christus, für ihre gnadenhafte Erwählung durch Gottes Güte gemäß der Botschaft des Engels Gabriel: „Du bist voll der Gnade, der HERR ist mir Dir!“

Die „Unberührtheit“ der Madonna ist freilich noch umfassender als ihre anatomische Unversehrtheit und sittliche Reinheit:

In Maria zeigt sich in mancher Hinsicht noch die ursprüngliche Ganzheit und das Heilsein der Schöpfung (im Paradieszustand): so ist ihre Jungfrauschaft auch ein Sinnbild für die „intakte“ Unversehrtheit der ursprünglichen Schöpfung und zugleich für das volle Heil in Christus, das in Maria gleichsam sichtbare Gestalt angenommen hat.

Hierzu erklärte der bekannte Jesuitenpater und Märtyrer Alfred Delp:

„Daß Gott einer Mutter Sohn wurde, daß eine Frau über die Erde gehen durfte, deren Schoß geweiht war zum heiligen Tempel und Tabernakel Gottes  –  das ist eigentlich die Vollendung der Erde und die Erfüllung ihrer Erwartungen.“

Bekanntlich bezeugte der hl. Apostel Paulus: „Christus lebt in mir…, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingab“ (Gal 2,20).  – Wieviel mehr kann das die Madonna von sich sagen, die ihren und unseren Erlöser in ihrem Leib getragen hat.

An diese Auserwählung erinnert auch der Name Maria, auf hebräisch „Mirjam“, was übersetzt „Meerestropfen“ heißt, aus dem Ägyptischen jedoch „Die von Gott Geliebte“ bedeutet.  – Die erste biblisch bekannte Miriam war die Schwester des großen Propheten Moses, wie er geboren in Ägypten. Zweifellos ist die Madonna als auserwählte Mutter unseres HERRN ein von Gott besonders geliebtes Geschöpf.

Durch ihr JA-Wort wurde die Jungfrau aus Nazareth die erste Christin, ein unübertreffliches Vorbild des Glaubens; vor allem aber ist sie die Erst-Erlöste und Voll-Erlöste des Neuen Bundes  –  sie ist das höchstbegnadete Geschöpf des Ewigen, wobei sie all ihre Vorzüge im Hinblick auf Christus erhielt.

Die Kirche ist daher im Vor-Bild der Madonna „realsymbolisch“ bereits zu ihrer herrlichen Vollendung in Christus gelangt.

Daher ist die allzeit jungfräuliche Gottesgebärerin (Theotokos) das Urbild, Idealbild und Sinnbild der Kirche  –  und dies auch hinsichtlich ihrer Mutterschaft.

Deshalb spricht der Katholik von seiner „Mutter Kirche“, denn die Kirche bringt durch die Taufe „Kinder Gottes“ hervor; durch Predigt und Sakramente stärkt sie die Seelen der Gläubigen und führt sie Christus entgegen. Diese mütterlichen Züge der Kirche finden wir auch in Maria, denn „die Magd des HERRN“ dient auch durch ihre Fürsprache der Verherrlichung Gottes, so wie „das Werk den Meister lobt“ und ein guter Diener seinen Herrn. 6a40d593df - Kopie

Nun zu den Anschuldigungen gegen den neuen Präfekten der Glaubenskongregation, die derzeit im Umlauf sind:

Der Vorwurf, er leugne die Jungfrauengeburt, bezieht sich auf folgende Stelle in der „Katholischen Dogmatik“ Müllers auf S. 498:

„Es geht nicht um abweichende physiologische Besonderheiten in dem natürlichen Vorgang der Geburt (wie etwa die Nichteröffnung der Geburtswege, die Nichtverletzung des Hymen und der nicht eingetretenen Geburtsschmerzen), sondern um den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur, die durch die Ursünde ‚verletzt’ worden war.“

Zunächst ist festzuhalten, daß der Autor hier erläutert, worum es beim Virgo-Dogma wesentlich geht, er hat „physiologische Besonderheiten“ aber dadurch keineswegs bestritten, sondern lediglich eine Akzentsetzung vorgenommen.

Zudem sind eben gerade die „Details“ nicht dogmatisiert worden. Wo bleibt also die angebliche „Ketzerei“?

Dazu kommt, daß Gerhard L. Müller diese „Katholische Dogmatik“ verfaßte, als er noch nicht Bischof, sondern Theologieprofessor war; in diesem Berufszweig neigen viele zu unpräziseren Ausdrücken, was man nicht überbewerten muß, zumal wenn es um einen einzigen Satz in einem umfangreichen Werk von 922 (!) Seiten geht.

Daß Theologen deutlicher formulieren, sobald sie hohe kirchliche Ämter übernehmen, leuchtet durchaus ein, denn nunmehr sind sie mit einer „amtlichen“ Stellung betraut – und die Phase theologischer „Spekulationen“ ist angesichts der neuen Verantwortung vorbei.

Nun hat der „vorkonziliare“, gewiß lehramtstreue und bewährte Theologe Ludwig Ott, dessen „Grundriss der Dogmatik“ auch in traditionellen Kreisen hochgeschätzt wird, zu diesem Thema in seinem bekannten Werk einiges erläutert.

Wir zitieren aus der 11. Auflage des „Ott“ (wie sein „Grundriss“ im Volksmund gerne genannt wird), die der traditionsorientierte Verlag Nova & vetera neu herausbrachte  –  dort heißt es auf Seite 300:

„Die nähere Bestimmung, worin die jungfräuliche Unversehrtheit in der Geburt nach der physiologischen Seite besteht, gehört nicht zum Glauben der Kirche.

Diese Klarstellung zunächst als „Vorbemerkung“ –  und nun sei auf den ZUSAMMENHANG der vielzitierten Aussage Müllers hingewiesen.

Sein diesbezügliches Kapitel „Die Jungfräulichkeit Marias in der Geburt“ (S. 497) beginnt mit den Worten:

„Seit Anfang des 4. Jh. begegnet in verschiedenen Varianten die Dreierformel von der Jungfräulichkeit Marias vor, in und nach der Geburt. Die Grundlage bietet die in ihrer Glaubensbereitschaft angenommene jungfräuliche Gottesmutterschaft.

Aus dieser eher christologischen Aussage über die Jungfräulichkeit Marias vor der Geburt folgt im Sinne einer stärker mariologischen Akzentuierung der Aussage die Prägung des Geburtsvorgangs (virginitas in partu) durch die Tatsache, daß Maria den Gott-Menschen und Erlöser gebiert und daß sie in der Konsequenz ihrer ganzmenschlichen Hingabe an das Erlösungsereignis keinen ehelichen Umgang mit Josef hatte und darum auch ohne weitere Kinder geblieben ist. Den Glaubensinhalt der Jungfräulichkeit Marias vor, in und nach der Geburt und damit der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens bezeugen alle Kirchenväter…“

Sodann geht der Autor darauf ein, daß die Jungfrauengeburt nicht „gnostisch“ mißdeutet werden dürfe (als ob Christus nur einen Scheinleib gehabt hätte und kein wirkliches Menschsein besitze); es dürfe „keine Verleugnung der Realität der Menschheit Jesu“ stattfinden.

Daher, so der Verfasser, „muß die kirchliche Lehre im Sinne der Realität der Inkarnation ausgelegt werden“. (Inkarnation  =  Menschwerdung Christi)

Nach dieser Feststellung folgt die derzeit von einigen Kreisen vielkritisierte Aussage hinsichtlich der „physiologischen Besonderheiten“ etc.

Außerdem bekannte sich Erzbischof Müller in seinem 1989 veröffentlichten Buch „Geboren von der Jungfrau Maria? Eine Theologische Deutung“ auf S. 100 ausdrücklich zum Dogma von Mariens „Virginitas in partu“ (Jungfräulichkeit in der Geburt): Weihnacht 2013.001

„Wenn auch die verschiedenen Zeugnisse des kirchlichen Lehramtes im einzelnen noch einmal unterschiedlich zu bewerten sind hinsichtlich ihres Gewichtes, ihres Aussagewillens und ihrer Letztverbindlichkeit, so kann doch im ganzen auch im Hinblick auf die spätere Lehrentwicklung gesagt werden, daß die virginitas in partu zum sicheren Glaubensbewußtsein der Kirche gehört und vom ordentlichen und außerordentlichen Lehramt vorgetragen wird.

Es ging Prof. Dr. G. L. Müller, dem heutigen Erzbischof, also ersichtlich darum, das wahre Menschsein Christi zu bezeugen und gegen doketische bzw. gnostische Irrtümer abzugrenzen  – und nicht etwa um eine Leugnung der Jungfrauengeburt, die er in der Einleitung des betr. Kapitels seiner „Katholischen Dogmatik“ und in dem vorhin erwähnten Buch ausdrücklich bezeugt.

Außerdem erwähnt G. L. Müller die Jungfrauengeburt mehrfach in weiteren marianischen Kapiteln seiner „Dogmatik“, zB. auf S. 493:

„Die kirchliche Verkündigung brachte (in Katechese und Liturgie) immer neu die Geburt des Erlösers durch die Jungfrau Maria in Erinnerung.“  

Als Virgo (Jungfrau) ist die Madonna jener vorbildhafte „Typus“ für die Kirche, die allein Christus anhängt:

„Maria steht am Anfang der Glaubensgeschichte der neuen Menschheit, d.h. der im Glauben wiedergeborenen Kirche des Neuen Bundes. Durch ihren Glauben ist sie als Jungfrau der Typus der Kirche,  die von Gott her das Heil empfängt“.  (S. 494) 

Auf S. 495 spricht der Dogmatiker Müller im Kontext der Inkarnation (Menschwerdung Gottes) davon,  daß sich der Glaube „unmittelbar auf das Wirken Gottes richtet“ und auf seine „Vergegenwärtigung in der Wirkung, nämlich der Empfängnis und Geburt des ewigen Gottessohnes als Mensch aus der Jungfrau Maria. “ – Er fügt hinzu:

So ist dieEmpfängnis Jesu vom Heiligen Geist die metaphysische Ursache der Inkarnation, während die Empfängnis und Geburt aus der Jungfrau Maria das Realsymbol der Inkarnaton darstellt.“ (S. 495) 

Auf der nachfolgenden Seite verweist der Autor auf die lateinische Fassung des Credo: „ex Maria virgine“  – d.h. auf deutsch: (geboren) aus der Jungfrau Maria.

Aus Prof. Müllers Ausführungen (die freilich nicht immer ganz leicht zu lesen sind) eine Leugnung der Jungfräulichkeit Mariens abzuleiten, ist ebenso unfair wie unzutreffend; diese wird vielmehr ausdrücklich bezeugt.

Diesen Sachverhalt bestätigt Prälat Don Nicola Bux, ein Förderer der überlieferten, klassischen Messe bzw. Liturgie („usus antiquior“); er ist Consultor der Glaubenskongregation und anderer vatikanischer Dikasterien.

In einem Interview mit dem italienischen Journalisten A.Tornielli wies der Prälat die Anschuldigung gegen Erzbischof Müller zurück:

„Der Katechismus der Katholischen Kirche stellt fest, daß die körperliche Unversehrtheit der Jungfräulichkeit zu jedem Zeitpunkt gegeben war, da Jesus nicht durch männlichen Samen, sondern durch das Wirken des Heiligen Geist gezeugt wurde. Sie ist ein göttliches Werk, das das menschliche Fassungsvermögen übersteigt.

Die Kirche bekennt die reale und immerwährende Jungfräulichkeit Mariens, dringt aber nicht in die physischen Details ein, noch scheint mir, daß die Konzilien und Kirchenväter etwas anderes gesagt haben. In diesem Sinn, scheint mir, ist auch zu verstehen, was Müller geschrieben hat, der keine „Lehre“ vertritt, die das Dogma der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens leugnet“.

Außerdem wird man davon ausgehen können, daß der Papst den Regensburger Oberhirten nicht zum Chef der Glaubenskongregagtion ernannt hätte, wenn dieser ein „Irrlehrer“ bzw. „Häretiker“ wäre. 

Dabei ist ausgeschlossen, daß Papst Benedikt das „Dogmatik“-Werk Müllers nicht kennt, denn im Jahre 2007 wurde Bischof Gerhard L. Müller zu seinem 60. Geburtstag eine umfangreiche Festschrift gewidmet, für die Papst Benedikt ein Vorwort beisteuerte, worin er diese „Dogmatik“ Müllers ausdrücklich würdigt. Hier der Wortlaut: https://charismatismus.wordpress.com/2012/07/22/vorwort-des-papstes-in-einer-2007-erschienenen-festschrift-fur-erzbischof-gerhard-l-muller/

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MiT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster

Zu diesem Thema hier ein ergänzender Artikel auf einer anderen katholischen Webseite:  http://invenimus.blogspot.de/2012/07/muller-und-die-jungfrau-maria.html

Hier außerdem eine Klarstellung von Erzbischof Müller zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen: http://summorum-pontificum.de/themen/2-vatikanum/116-erzbischof-mueller-und-die-dogmen.html