Zum neuen „Thesenanschlag“ von Maria 2.0

Von Ursula Zöller

Da steht Luther also wieder an den Kirchentüren und schlägt Thesen an. Luther ante portas! Wir sind wieder zurück im Mittelalter.

Allerdings ist Luther heute weiblich – nicht ungewöhnlich im Zeitalter der Genderideologie – und seine Thesen sind weniger geworden. Aber es geht noch immer gegen Rom und den Kern des christlichen Glaubens.

BILD: Ursula Zöller (links) und Susanne Wenzel gründeten die „Neue kath. Frauenbewegung“

Nach vielen Jahren der Bemühungen um Einheit setzen Frauen der Gruppe Maria 2.0 am Sonntag vor der Frühjahrsversammlung der Bischöfe ein umgekehrtes Zeichen. Denn mit dem Anschlag der Thesen Luthers begann eine schreckliche Zeit der Spaltung, die kirchlich und staatlich zu einer Katastrophe von ungeheurem Ausmaß führte.

Vielleicht wissen diese Frauen tatsächlich nicht, was sie tun. Und wer sich unter dem Namen Maria 2.0 versammelt – als ob die Gottesmutter ein Update durch ein paar heutige Frauen bräuchte – der hat womöglich, vorsichtig formuliert, nicht allzu viel Ahnung von seinem Glauben.

Da ergeben sich dann Parallelen zu Luthers Zeit. Die Gläubigen wussten oft nicht sehr viel von ihrer Religion. Nur das, was ihnen die Überlieferung in der eigenen Familie, der Unterricht in der Schule und die Predigten ihrer Geistlichen sagte, konnten sie wissen.

FOTO: Die Aktion „Maria 2.0“ zeigt als Zeichen des Protestes die Gottesmutter mit zugeklebtem Mund

Der Zustand der Kirche war weitgehend schlecht, die Geistlichen entsprachen oft in keiner Weise dem, was sie als Zeugen ihres Glaubens hätten sein sollen. Luther hatte recht mit der Kritik daran.

Heute sind die entsetzlichen Missbrauchsfälle in der Kirche Brandbeschleuniger für die Verzweiflung an ihr, die Wut auf sie, den Hass. Da nutzt es auch nichts, dass die Wahrscheinlichkeit solcher Taten im Rest der Gesellschaft offenbar 36 mal größer als bei Geistlichen ist. Der Anspruch an sie als Vertreter ihres Glaubens ist – mit Recht – einfach unendlich viel größer.

Ja, unsere Kirche, die semper reformanda, steckt in einer tiefen Krise und braucht Reformen. Die aber sind nicht durch ständige Anpassung an den gesellschaftlichen Mainstream, an das, was man zustimmungsfähig noch sagen darf, sondern vor allem durch mehr Gebet, größere Frömmigkeit und mehr Glaubenswissen erreichbar.

Warum zum Beispiel überlassen viele Pfarrer den Kommunionunterricht sog. Tischmüttern, die nicht immer gut im Glauben Bescheid wissen. Warum wird im Gottesdienst nicht einmal definiert, was einen katholischen Geistlichen von einem evangelischen Pastor unterscheidet und was das in Bezug auf Wandlung und Eucharistie bedeutet? Warum ist das Wort Keuschheit auf der inneren Liste der unsagbaren Worte gelandet und Reinheit nur noch beim Bier und Ökolebensmitteln von Bedeutung?

Unsere Religion ist kein Wellnessangebot und kein Kuschelglaube. Sie ist Frohe Botschaft im Zeichen des Kreuzes mit all ihren Zumutungen. Sie kann weh tun, bevor sie zur Auferstehung führt.

Es ist unendlich traurig, dass nun so viele Katholiken ihre Kirche verlassen. Den Frauen von Maria 2.0, die bleiben, aber die Kirche von Grund auf verändern wollen, kann man eigentlich nur raten, doch lieber evangelisch zu werden. Dort können die Pastoren heiraten, dort sind in manchen Gemeinden alle, selbst Ungetaufte, zum Abendmahl zugelassen. Dort  werden Frauen ordiniert und können Gottesdienste leiten.

Quelle und Fortsetzung des Beitrags von Ursula Zöller hier: https://frauenundkirche.wordpress.com/2021/02/23/denn-sie-wissen-nicht-was-sie-tun/


Historiker kritisiert Luther-Botschafterin Margot Käßmann wegen Legendenverbreitung

Evangelische Theologin ignoriert Ergebnisse der Reformationsforschung

Im Jahre 2017 soll in Deutschland und weltweit der fünfhundertste Jahrestag der Reformation begangen werden. Seit fast 400 Jahren ist der 31. Oktober ein bedeutsamer Feiertag vor allem für die lutherische Konfession, teils auch für andere reformierte Glaubensgemeinschaften.  

Unter Geschichtswissenschaftlern ist freilich seit langem bekannt, daß es den angeblichen Thesen-Anschlag Martin Luthers vom 31. Oktober 1517 nie gegeben hat  –  und auch sein berühmtes Wort „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ hängt historisch in der Luft; es gibt dafür keine niet- und nagelfesten Belege.

Vielmehr handelt es sich um später entstandene Legenden, die sich um das sagenumwobene Luther-Bild rankten, es „heroischer“ erscheinen und den Reformator gleichsam zum heldenhaften „Mythos“ werden ließen.

Die Vorstellung, Luther habe seine 95 Thesen gegen den Ablaßhandel eigenhändig an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg genagelt und mit dieser Aktion gleichsam die Reformation symbolträchtig eingeleitet, wirkt natürlich „dramatischer“ und anschaulicher als die schlichte historische Tatsache, daß er jene Thesen am 31.10.1517 einem Brief an Erzbischof Albrecht von Brandenburg beifügte.

Als dieser nicht reagierte, übergab der Augustiner-Mönch sein Schriftstück einigen Bekannten, die es dann ohne sein Wissen veröffentlichten, so daß hieraus eine kontroverse Debatte im damaligen Deutschland entstand  – danach nahmen die Dinge ihren bekannten Lauf.

Daß die vielgepriesene Vorstellung vom „hammerschwingenden“ Mönch an der Schloßkirche  –  die quasi zum plastischen Symbol der Lutherfigur wurde  –   ins Reich der Legenden gehört, ist unter Geschichtsforschern fraglos geklärt und sollte sich auch bis zur Theologin und Ex-Bischöfin Käßmann herumgesprochen haben.

Dasselbe gilt für eine weitere Sage:

Luther zog mit seinem Gefolge auf dem Reichstag in Worms ein; dort erwarteten Kaiser und Kirche von ihm einen Widerruf seiner Bücher; er erbat sich zunächst eine Bedenkzeit, die ihm gewährt wurde    –  und verweigerte danach mit einer kurzen Rede den geforderten Widerruf  –  soweit der historische Sachverhalt.

Die berühmt gewordene Abschlußformel „Hier stehe ich, ich kann nicht anders!  –  Gott helfe mir, Amen!“  ist jedoch frei erfunden, wohl um diese Geschichte interessanter und „sensationeller“ zu gestalten.

Wie Radio Vatikan berichtet, übt jetzt auch der Göttinger Historiker Dr. Hartmut Lehmann Kritik an Margot Käßmann, die zugleich als sog. Luther-Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 fungiert.

Die Theologin Käßmann zeichne ein falsches Bild von Luther,  schreibt Prof. Lehmann in einem Gastbeitrag für „Christ & Welt“, einer Beilage der Wochenzeitung „Die Zeit“.  Deren Darstellung könne sich auch negativ auf das Verhältnis zur katholischen Kirche auswirken.

Der Direktor am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen nennt als Beispiele das Aufgreifen des angeblichen Thesenanschlages und des Spruchs „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“

Historikern falle auf, daß es sich bei beidem um Material „aus dem Arsenal der Lutherlegenden“ handle, so Lehmann. Wer 2012 die Darstellung des Thesenanschlags undifferenziert übernehme, „vergibt die Chance, das Gespräch mit der katholischen Kirche über eine weitere Annäherung zu intensivieren.“

Es gehe nicht allein darum, „dass die Reformationsbotschafterin Ergebnisse der Reformationsforschung ignoriert und sich stattdessen auf populäre Lutherlegenden beruft“, betont Prof. Lehmann.

Käßmanns Vorgehensweise sei nicht nur unwissenschaftlich, sondern erschwere auch die Ökumene, so der Historiker: „Ebenso bedenklich ist, dass sie bisher mit dem Verweis auf polemisch-abgrenzende Projektionen Chancen vergibt, die im Interesse aller Christen liegen.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Die medienkritische JOURNALISTENWATCH veröffentlichte diesen Beitrag ebenfalls: http://journalistenwatch.com/cms/2013/01/04/frau-kasmann-und-die-luther-luge/