Wirtschaftsexperten stimmen Sarrazins Euro-Kritik zu

Während die Kritik von politisch-linker Seite an Sarrazins neuem Buch „Deutschland braucht den Euro nicht“ wächst, erhält der ehem. Banker und „umstrittene“ frühere SPD-Politiker Zustimmung von Wirtschaftswissenschaftlern.

Beispielhaft seien einige genannt:

Der Ökonom Stefan Homburg (Experte für öffentliche Finanzen) sagte bei der Buchpräsentation: „Ich sehe das Buch als Aufklärung„, es sei „sehr ausgewogen und fundiert„. Es sei aber kein „Kochbuch“ für Euro-Retter. Keine von Sarrazins Thesen sei eine „steile These“, sagte er.

Eine zentrale Feststellung in Sarrazins Buch besteht darin, daß der Euro bisher überwiegend Nachteile gebracht habe.  Der Volkswirt fordert, daß Länder, die dauerhaft gegen den Stabilitätspakt verstoßen, den Euro-Raum verlassen. Griechenland hält er für einen hoffnungslosen Fall.

Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, rezensierte in den „Tagesthemen“ am Montagabend das neue Buch.  Er stimme dem Autor weitgehend zu. So habe der €uro Deutschland keine großen finanziellen Vorteile, sondern einen zweistelligen Milliardenbetrag (minus) eingebracht. Auch Euro-Bonds hält er nicht für sinnvoll, denn sie verletzten demokratische Grundsätze.
Er zog den Schluß: „Die 460 Seiten, die ich durchgelesen habe, bringen strikt ökonomisch nichts wesentlich Neues. Es ist eine durchaus saubere Analyse.“ –  Auch Sarrazins Schlußfolgerung könne man unterschreiben. „Herr Sarrazin möchte, dass wir auf die Grundlage der Maastricht-Verträge zurückkehren. Das ist ja auch die Linie der Bundesbank.“

Prof. Hans-Olaf Henkel, ehem. Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), kritisiert den Euro und die europäische Schuldenpolitik bereits seit Jahren. Jetzt schrieb er in einem geharnischten Artikel im „Handelsblatt“ (online) vom 21. Mai, daß deutsche Politiker ihr eigenes Volk verachten; wörtlich spricht er von der „Einstellung der deutschen Politiker, die uns den Euro immer schon als Friedensgaranten verkaufen wollen. “

Henkel fügt hinzu: „Sie meinen, Europa könne vor den Deutschen am besten mit dem Euro beschützt werden. Sie zeigen uns damit, was sie von dem Volk halten, welches sie vorgeben zu vertreten.“
Kritisch befaßt sich der führende Wirtschaftsfachmann vor allem mit Schäubles Vorschlag, „die Griechen über den Verbleib in der Eurozone abstimmen zu lassen, die Deutschen aber nicht„. 
Henkel hierzu wörtlich: „Ähnlich verstört auch hier Schäubles Misstrauen gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern des eigenen Landes. Bevor er auf die Idee kommt, die Akzeptanz europäischer Politik durch Direktwahl des Kommissionspräsidenten zu verbessern, hätte er nicht erst einmal vorschlagen müssen, in Zukunft auch die Deutschen ihr eigenes Staatsoberhaupt direkt vom Volk wählen zu lassen?“