Der kath. Sportpfarrer Thomas Nonte zur Causa Uli Hoeneß: „Wer ohne (Steuer-)Schuld ist, werfe den ersten Stein“

Der neue katholische Sportpfarrer Thomas Nonte (siehe Foto) übt sachliche Kritik an Bayern-Präsident Uli Hoeneß wegen dessen Steuerbetrugs, wendet sich aber dagegen, ihn derart massiv  – wie bereits geschehen  –  an den Medien-Pranger zu stellen.

In einem von Uta Vorbrodt geführten Interview mit dem „Kölner Domradio“ äußert sich der FC-Bayern-Fan zum derzeitigen Kesseltreiben im Blätterwald.

Auf die Frage „Wie finden Sie das Verhalten des FC-Bayern gestern auf der Pressekonferenz, keine Fragen zu Hoeneß Steuersünden zuzulassen?“ antwortet der Geistliche:

Foto: Domradio

Foto: Domradio

„Ich habe die Pressekonferenz nicht selbst gesehen. Zunächst einmal ist es ja eine Privatangelegenheit von Herrn Hoeneß und keine Angelegenheit des FC Bayern München. Vielleicht ist es auch eine Form der Solidarität, wenn man da noch einmal zusammenhält. Wenn ich jetzt der Sünder wäre, wäre ich auch froh, wenn ein paar Freunde zu mir stehen würden.“

Eine weitere Frage des Domradios lautet:

„Hoeneß selbst sagt nichts zum Thema, verweist auf das schwebende Verfahren und meint: „Sie können sich vorstellen, dass mir vieles auf der Zunge liegt, aber ich muss erst mit den Behörden meine Hausaufgaben machen“. Aber er will gegen allzu forsche Berichterstattung juristisch vorgehen. Würden Sie sagen, wer von seinem moralischen Anspruch so entschieden abweicht, muss auch mit polemischer Berichterstattung zurechtkommen?“

Sportpfarrer Nonte sagt hierzu:

„Das kommt darauf an, wo die Polemik ihre Grenze zieht. Wenn die Würde der Person und auch die Unschuldsvermutung verletzt und die tatsächlichen Zusammenhänge nicht richtig dargestellt werden, weil sie noch gar nicht richtig dargestellt werden können, dann würde ich sagen hat er recht, das Recht hat ja jeder. Nun ist er selbst ein forscher Typ, ich weiß nicht, gegen welche Berichterstattung genau er da vorgehen würde. Wenn man ihm Absichten unterstellen würde, die ihn als Mensch verletzen, dann kann man das zumindest menschlich nachvollziehen. Ob er es wirklich tun würde, glaube ich nicht einmal.“

Zudem fragt die Redaktion den katholischen Priester: „Hoeneß hatte sich ja auch selber angezeigt. Packte ihn doch noch die Moral oder ist Steuerhinterziehung generell unmoralisch?“

Seine Antwort: „Steuerhinterziehung ist Betrug an der Solidargesellschaft, eindeutig. Und warum er sich jetzt selbst angezeigt hat, hat er bisher noch nicht öffentlich gesagt. Auf der anderen Seite, wenn ich als Kirchenmann reden darf, dann gibt es einen wichtigen Mann im Evangelium, der sogar zum engsten Beraterkreis wurde, bei Matthäus der Zöllner, der auch großzügig mit dem Geld anderer Leute umgegangen ist.

Ich habe von den Schwaben einen schönen Satz gelernt: Es menschelt bis Gott hinauf. Und unser neuer Papst lädt uns dazu ein, barmherziger mit den Menschen umzugehen. Vielleicht entspricht das der augenblicklichen Situation, die es auch noch einmal herausfordert: Wer ohne (Steuer-)Schuld ist, der werfe den ersten Stein.“

Quelle (Text/Foto) und vollständiges Interview hier: http://www.domradio.de/themen/sport-und-kirche/2013-04-23/sportpfarrer-nonte-zum-fall-hoeness