Der hl. Bischof Germanus aus dem Frühmittelalter: „Thron des Kreuzes“

Der hl. Germanus war Bischof von Konstantinopel und starb im Jahre 733 n. Chr.  – Er schreibt in „In Domini corporis sepulturam, PG 98, 251-260″ passend zu Karfreitag Folgendes über Christi „Thron des Kreuzes“:

„Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf“ (Jes 9,1)  –  das Licht der Erlösung. Wenn es den Tod anblickt, der es  –  tödlich verletzt  –  unterdrückte, kommt dieses Volk aus der Finsternis wieder zum Licht; aus dem Tod zurück ins Leben.

Foto: Kloster Ettal

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Das Holz des Kreuzes trägt den, der das Universum geschaffen hat. Der den Tod um meines Lebens willen erleidet, ER ist ans Kreuz gefesselt wie ein Toter: ER, der das Universum trägt; ER haucht den Geist aus am Holz, ER, der den Toten das Leben einhaucht.

Das Kreuz beschämt ihn nicht, sondern bezeugt vielmehr wie eine Trophäe seinen vollkommenen Sieg. ER thront als gerechter Richter auf dem Thron des Kreuzes.

Die Dornenkrone, die ER auf seiner Stirn trägt, bestätigt seinen Sieg: „Habt Vertrauen, ich habe die Welt besiegt und den Fürsten dieser Welt, indem ich die Sünden der Welt trug“ (Joh 16,33; 1,29).

Das Kreuz soll zum Triumph werden, selbst die Steine schreien es heraus, diese Steine von Kalvaria, wo nach einer alten Väter-Tradition einst Adam begraben wurde, unser Stammvater; Christus ruft ihm am Kreuze gleichsam zu:

„Ich bin nicht gekommen, um über deine Sünde zu Gericht zu sitzen, sondern um dich zu retten; ich bin nicht gekommen, um dich zu verfluchen deines Ungehorsams wegen, sondern um dich zu segnen durch meinen Gehorsam.

Ich bedecke dich mit meinen Flügeln, du wirst Zuflucht finden in meinem Schatten, meine Treue beschirmt dich mit dem Schutzschild des Kreuzes und du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu ängstigen (vgl. Ps. 90 (91)1,1-5), denn du wirst den immerwährenden Tag sehen.

Ich werde dein Leben suchen, das sich in Finsternis und im Schatten des Todes verbirgt (vgl. Lk 1,79). Ich werde nicht eher Ruhe finden, bis ich dich in den Himmel zurückgeführt habe.