Einführung einer Kommunionspendung mit Pinzette könnte viele Probleme lösen

Von Felizitas Küble

Bekanntlich wird die hl. Kommunion bei den Orthodoxen und teils auch in altorientalischen Kirchen mit einem „liturgischen Löffelchen“ direkt in den Mund gespendet – und zwar unter beiden Gestalten (meist wird die hl. Hostie vorher in den Kelch getaucht).
Auch bei den christlichen Kopten empfangen die Gläubigen den eucharistischen HERRN grundsätzlich in Form der Mundkommunion, die immer von einem Geistlichen ausgeteilt wird (siehe unsere Fotos aus einer Koptenmesse in Münster mit Bischof Anba Damian).
Dasselbe gilt grundsätzlich für die syrisch-orthodoxe Kirche: „Der Laie erhält die Kommunion vom Priester mit der Hand in den Mund dargereicht.(1)
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Insofern wird dies bei den Kopten und christlichen Syrern gleich bzw. ähnlich wie früher in der hl. Messe bzw. im überlieferten Ritus der kath. Kirche gehandhabt.
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Nicht nur angesichts der Corona-Krise, sondern auch wegen der alljährlich wiederkehrenden Grippewelle im Winter wäre zudem die Einführung einer neuen Regelung in der katholischen Kirche ernsthaft zu überlegen, nämlich die Spendung der hl. Kommunion mit Hilfe einer Pinzette.
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Das bedeutet, daß der Priester oder Diakon den Gläubigen die hl. Hostie mit einer – natürlich sterilen – Pinzette in den Mund legt. Dem stände nichts im Wege: weder theologisch noch liturgisch und auch nicht kanonisch. (Ich habe bereits vor etlichen Wochen einen promovierten Kirchenrechtler dazu befragt).
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Vor allem wäre dies eine besonders hygienische Lösung, weitaus mehr als die größtenteils übliche Handkommunion (eigentlich genau genommen eine „Fingerkommunion“): Dort sind die Hände des Spenders und des Empfängers mitbeteiligt, vor allem Daumen und Finger der rechten Hand.
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Zwar könnten sich beide Personen vorher die Hände desinfizieren, doch dieser Vorgang wäre nicht nur weitaus umständlicher als die Pinzetten-Lösung, sondern auch im Vergleich dazu weniger sicher. Nach meiner Einschätzung würde es zudem würdiger aussehen, wenn der Priester jeweils eine Pinzette verwendet, statt jedesmal nach einer Kommunionspendung eigens seine Hände zu desinfizieren.
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Nun könnte eine Pinzette im ungünstigsten Falle den Mund des Kommunikanten berühren. Daher sollte man für jeden Gläubigen eine eigene Pinzette verwenden oder sie jedesmal danach desinfizieren (immer noch einfacher als bei den Händen). Ein Ministrant könnte dem Priester in einer Schale die entsprechende Zahl von Pinzetten hinhalten.
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Natürlich sollten die Leute die Mundkommunion sowieso richtig praktizieren, indem sie nicht etwa ihre Zunge herausstrecken. Schon der große Heilige und Bischof Franz von Sales schrieb in seiner „Philothea“ im 21. Kapitel („Von der Weise, recht zu kommunizieren“), man solle nur „mäßig den Mund öffnen“ – und den Kopf erheben, soweit es nötig ist – und die Zunge allenfalls „ganz wenig herauslegen“, also nicht etwa herausstrecken.
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Eine bessere Möglichkeit wäre es wohl auf Dauer, wenn jeder Katholik seine eigene Pinzette mitbringt, vielleicht in ein weißes Tüchlein verhüllt und in einem kleinen Behälter aufbewahrt – und sie dann am Tisch des HERRN dem Priester darreicht.
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Der Ministrant hält bei der Kommunionspendung eine Patene darunter (die eigentlich sowieso liturgisch vorgeschrieben ist), damit die hl. Hostie bei einem versehentlichen Herunterfallen aufgefangen wird und zudem keine Partikel auf den Boden fallen.
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Vielleicht könnte man langfristig eigene Kirchen-Pinzetten einführen – mit einem christlichen Symbol (Kreuz, Fisch, Christuszeichen-Monogramm) versehen.
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Sowohl theologisch wie „virologisch“ ist das Knien beim Kommunionempfang angesagt. Auf „gleicher Augenhöhe“ ist die Ansteckungsgefahr größer. Das „Amen“ des Empfängers sollte vielleicht besser entfallen (in der „alten“ Messe ist es ohnehin nicht üblich). Gerade beim Sprechen kann es zu Infektionen kommen.

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BILD: Unten auf dem Foto sehen wir eine Würfelzucker-Zange – evtl. eine Alternative zur Pinzette?
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Der Priester kann schon vor der hl. Wandlung darauf verzichten, die Oblaten wie bislang üblich mit der Hand zu berühren und in den Kelch zu legen – er kann hier bereits eine Pinzette einsetzen.
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Es wäre noch zu überlegen, ob man statt einer Pinzette vielleicht besser eine kleine, silberfarbene Zange verwendet – ähnlich einer Würfelzuckerzange. Hier könnte das Pro und Contra weiter diskutiert werden.
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Dazu ein Hinweis zum „liturgischen Löffel“ in den orthodoxen Kirchen:
Der Name des Kommunion-Löffelchens (λαβίς lavís) bedeutet wörtlich eine Zange; der eucharistische Löffel wurde schon im frühen Mittelalter wegen der Bibelstelle in Jes 6,6 so bezeichnet. Dort wird beschrieben, wie ein Engel mit einer Zange eine glühende Kohle nimmt und damit symbolträchtig (als Zeichen der Reinigung) die Lippen des Propheten Jesaja berührt.
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Sodann eine historische Anmerkung:
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Die Kommunionspendung mit einer Zange gab es früher schon in Seuchenzeiten: Der hl. Bischof Karl Borromäus hat persönlich Pestkranken die Kommunion gereicht, dabei eine Zange benutzt und sich danach desinfiziert (2).
Siehe zudem dieses Bild, das einen Priester zeigt, der einer erkrankten Frau mit einer Zange am langen Stil die hl. Hostie reicht. Dies geschah während der großen Pest 1720 in Marseille. Auf dem Foto sieht man oben weitere Zangen-Modelle.
(Quelle und größere Abbildung hier: https://mobile.twitter.com/sulovsk/status/1243566849889128449)
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Quellenhinweise:
(1) Siehe hier Seite 4: http://wwwuser.gwdg.de/~grabo/library/geraete.pdf  
(2) Federico A. Rossi di Marignano, Carlo Borromeo. Un uomo, una vita, un secolo, Mondadori, Milano 2010, 303f.
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Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Götzendienst: Das Heidentum opfert nicht Gott, sondern den Dämonen

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 1 Kor 10,14-22:

Liebe Brüder, meidet den Götzendienst!
Ich rede doch zu verständigen Menschen; urteilt selbst über das, was ich sage. Ist der Kelch des Heiles, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Tagesimpuls

Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot.

Schaut auf das irdische Israel: Haben die, welche von den Opfern essen, nicht teil am Altar? Was meine ich damit?

Ist denn Götzenopferfleisch wirklich etwas? Oder ist ein Götze wirklich etwas?  –  Nein, aber was man dort opfert, opfert man nicht Gott, sondern den Dämonen.

Ich will jedoch nicht, dass ihr euch mit Dämonen einlasst. Ihr könnt nicht den Kelch des HERRN trinken und den Kelch der Dämonen. Ihr könnt nicht Gäste sein am Tisch des HERRN und am Tisch der Dämonen.

Oder wollen wir die Eifersucht des HERRN wecken? Sind wir stärker als ER?

 


Überflüssiges Rauschen im Blätterwald wegen jüngster Papst-Äußerungen

Klare Sache: Geschieden-Wiederverheirate sind „nicht exkommuniziert“

In einigen Medien gibt es wieder einmal Wirbel und Sensationsgetuschel um Aussagen von Papst Franziskus im Vorfeld der römischen Bischofssynode über Ehe und Familie. Anscheinend wird jetzt erst recht jede Äußerung von ihm auf die Goldwaage gelegt. flyerstralsund2

Allerdings ist es überflüssig bis lächerlich, wenn im reformerischen Spektrum der Eindruck erweckt wird, als habe der Pontifex etwas Neues geliefert mit seiner Bemerkung, die geschieden-wiederverheirateten Katholiken seien „nicht exkommuniziert“. Umgekehrt ist es genauso unangebracht, wenn sich traditionelle Stimmen über diese Aussage von Franziskus empören.

Was soll an dieser schlichten Tatsache aufregend sein?

Seit Jahrzehnten weisen Päpste (auch Benedikt) bisweilen darauf hin, daß der erwähnte Personenkreis durchaus nicht exkommunziert ist  –  mit anderen Worten: er ist nicht aus der kirchlichen „Communio“ (Gemeinschaft) ausgeschlossen, sondern „nur“ vom Sakramentenempfang. Wenn jemand nicht zum Tisch des HERRN darf, bedeutet dies aber noch lange keine Exkommunikation.

Auch das Getöse, eine solche Äußerung zum jetzigen Zeitpunkt sei gleichsam ein reformerisches „Signal“ an die Familiensynode, ist unsinnig, weil der Papst lediglich auf etwas hinweist, was einen Neuigkeitswert von 0,0% aufweist. Nur Personen (ob von links oder von rechts), die sich theologisch und kirchenrechtlich wenig auskennen, beginnen jetzt mit ihren oberschlauen Spekulationen.

Weiterführende Infos hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/02/17/wegweisender-sammelband-zum-dauerbrenner-ehe-und-kommunion/


Will Erzbischof Robert Zollitsch eine Los-von-Rom-Bewegung entfachen?

Von Felizitas Küble

Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg), der seit 2008 als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz amtiert, leistet weiterhin anhaltenden Widerstand gegen den Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller (siehe Foto).

Es geht hierbei vor allem um geschieden-Wiederverheiratete und ihre (Nicht-)Zulassung zum „Tisch des HERRN“.  

Die katholische Kirche bekennt sich zur göttlichen Stiftung und zu der von Christus glasklar verkündeten Unauflöslichkeit der Ehe. Dies führt zu entsprechenden Auswirkungen in der Sakramentenpastoral  –  dies umso mehr, da auch die Ehe selbst vom kirchlichen Lehramt als Sakrament hochgeschätzt wird.

Die Ehe unter Getauften ist also nicht (nur) menschlichen, sondern „göttlichen Rechts“; daher kann auch die Kirche nicht willkürlich darüber verfügen, sondern muß den Willen des HERRN respektieren. Die Kirche ist eben selber keine autonome „Herrin“, sondern vielmehr Hüterin, Verwalterin und Dienerin des von Gott geoffenbarten Glaubens und seiner zeitlosen Gebote.

Dieses Einmaleins kirchlicher Ehelehre dürfte auch Erzbischof Zollitsch bekannt sein.

Doch der Freiburger Kirchenmann garniert seine Taktik erneut mit dem durchsichtigen Versuch, allgemeine Papst-Aussagen gegen den Glaubenspräfekten in Stellung zu bringen und die beiden Persönlichkeiten gegeneinander auszuspielen.

Dieses Vorgehen ist schon deshalb unseriös, weil sich Erzbischof Müller mit seinem klaren Standpunkt in der Causa „Wiederverheiratete“ öffentlich auf Papst Franziskus berufen konnte.

Ist eine „Nähe zur Sünde“ etwa die Lösung?

Gegenüber der „Welt am Sonntag“ erklärte Erzbischof Zollitsch: „Papst Franziskus spricht viel von der Nähe zu den Menschen. Ich denke, das kann eine gute Orientierung sein auch im Umgang mit den zivil Wiederverheirateten.“

Der Vorsitzende der Dt. Bischofskonferenz (DBK) verwechselt hier offensichtlich etwas, daß nämlich die „Nähe zu den Menschen“ keineswegs „Nähe zur Sünde“ bedeutet kann und darf. Dies hatte der Präfekt der Glaubenskongregation der Sache nach bereits klargestellt und in einem Brief an Zollitsch erläutert und bekräftigt. 1529 - Kopie (2)

Hierzu erklärt der DBK-Vorsitzende lapidar: „Erzbischof Müller hat eine Position, die entspricht der Tradition, die er vertritt.“ 

Damit soll wohl verdunkelt werden, daß der vatikanische Glaubenspräfekt mit seinen Aussagen zu Ehe und Sakramentenpastoral durchaus keine private „Traditionsmeinung“ verkündet, sondern den amtlichen Standpunkt der Kirche, wie dieser seit 2000 Jahren besteht.

Da der Erzbischof Zollitsch offenbar nicht bereit ist, den authentischen katholischen Standpunkt in der Causa „Wiederverheiratete“ zu akzeptieren, stellt sich die ernsthafte Frage, ob er im Begriff ist, öffentlich eine Los-von-Rom-Bewegung zu entfachen und  einen „deutschen Sonderweg“ zu propagieren.

Mit einer „Nähe zu den Menschen“ hat das freilich nichts zu tun, sondern mit einer Unterwerfung unter den (Un-)Geist dieser Welt und mit einer verhängnisvollen Anpassung an den „Fürsten dieser Welt“.

Quelle für die Zollitsch-Zitate: http://www.allgaeuhit.de/index.php?content=worldnews&storyid=1388254625752

Foto oben: Bistum Regensburg


Souverän und mutig: Glaubenspräfekt Gerhard Ludwig Müller und die Causa Christian Wulff

Von Felizitas Küble

Erzbischof Gerhard L. Müller   –  er ist  Chef der römischen Glaubenskongregation  –  stellt bei vielen Themen unter Beweis, daß er mutig, standpunktfest und geistig souverän auf aktuelle Ereignisse, Streitthemen und grundsätzliche Herausforderungen zu reagieren vermag.

Dies zeigt sich z.B. auch angesichts diverser Debatten um Ex-Bundespräsident Christian Wulff:

Zu einem Zeitpunkt, als dieser auf dem Höhepunkt seiner Macht und Beliebtheit stand, als er sich zudem noch der besonderen Gunst der BILD-Zeitung erfreute, die das „Traumpaar“ Christian und Bettina ständig in Jubelpose präsentierte  –  genau damals, als die Medien-Sonne äußerst freundlich über dem Präsidenten leuchtete, besaß der damalige Bischof von Regensburg den Mut, das deutsche Staatsoberhaupt daran zu erinnern, daß er als Katholik durchaus keine Sonderrechte beanspruchen kann.

In jener Zeit  –  Mitte September 2011  –  ging es in der öffentlichen Diskussion u.a. darum, daß Wulff als geschieden-Wiederverheirateter nicht zum Tisch des HERRN geladen ist.

Reformorientierte Katholiken wandten sich wie üblich gegen den vermeintlich „starren“ Standpunkt der katholischen Kirche   –  und auch der Bundespräsident selbst brachte beim amtlichen Empfang von Papst Benedikt in Berlin sein persönliches Eheschicksal indirekt zur Sprache, was durchaus nicht zu seiner Aufgabe als Staatsoberhaupt gehörte.

Der damalige Bischof von Regensburg, Gerhard L. Müller, hatte seinerzeit öffentlich daran erinnert, daß geschieden-Wiederverheiratete nicht zu den Sakramenten zugelassen sind   –   und wir berichteten darüber. Der Untertitel unseres Beitrags lautete: „Der Bundespräsident hat als Katholik keine besonderen Vorrechte.“

Der damalige Oberhirte von Regensburg hatte öffentlich klargestellt: „Wir Katholiken gehen von dem hohen Gut, ja, dem Geschenk der Unauflöslichkeit der Ehe aus.” 

Das gelte auch für den Katholiken Christian Wulff, so der Bischof: „Als Bundespräsident hat Christian Wulff im staatlichen Sektor Anspruch auf besondere Achtung. Als Katholik hat er keine besonderen Vorrechte.“

Als sich Christian Wulff noch in Glanz und Gloria, in Glamour und Glück sonnen konnte, zeigte Bischof Müller klaren Mut zum Widerspruch  –  und genauso beweist er ihn jetzt, wenn er jene unfaire, geradezu verleumderische Pressekampagne vom Vorjahr kritisiert, die Christian Wulff zum Rücktritt veranlaßte.

Medienkritik hört man von Kirchenführern sonst eher selten  –  viele Bischöfe wollen es sich mit dieser mächtigen „vierten Gewalt“ im Staate wohl nicht verderben (mitunter gewinnt man den Eindruck, als hätten die Medien längst schon die „erste Gewalt“ inne).

Glaubenspräfekt Gerhard L. Müller hat sich jetzt zum Korruptionsprozeß gegen Ex-Präsident Wulff geäußert: „Wer nur ein wenig Gerechtigkeitssinn hat, kann den juristischen und finanziellen Aufwand um 700 Euro nicht verstehe“, stellte er in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazins FOCUS klar. 

Er fügte hinzu: „Es ist auch nicht zu tolerieren, dass Personen in ihrer Menschenwürde so verletzt und gekränkt werden dürfen, besonders wenn die Vorwürfe gar nicht bewiesen sind.“

Damit dokumentiert Erzbischof Müller erneut seinen wachen Gerechtigkeitssinn und seine zeitgeistkritische Courage, die allen Bischöfen zu wünschen wäre.

Foto: Bistum Regensburg


Bistum Rottenburg: Auch Bischof Gebhard Fürst legt sich mit dem Vatikan an

Wie Radio Vatikan am gestrigen Samstag meldete, wollen die deutschen Bischöfe in der Seelsorge für geschieden-Wiederverheiratete eine „Reform“ durchführen:

„Das kündigt der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, an. In Bonn sagte er am Samstag, die Bischöfe würden im Frühjahr Änderungsvorschläge präsentieren.“  1529 - Kopie (2)

Dergleichen Töne lassen nichts Gutes erahnen, denn eine „Änderung“ bisheriger kirchlicher Positionen läuft auf eine Verwässerung und Verwilderung hinaus   –  und genau diese Befürchtung bestätigt der Fortgang dieser Nachricht aus Rom:

„Fürst äußerte sich zur vielfach geforderten Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zu Kommunion und Beichte. Die deutschen Bischöfe hätten sich seit 2010 intensiv mit dieser Frage auseinander gesetzt und wollten bei ihrer Frühjahrsvollversammlung im März in Münster eine Erklärung dazu verabschieden. Nach dem bereits vorliegenden Entwurf sollten wiederverheiratet Geschiedene im begründeten Einzelfall zu den Sakramenten zugelassen werden. Voraussetzung seien eine persönlich verantwortete Gewissensentscheidung und ein Gespräch mit dem Seelsorger.“

Man reibt sich die Äuglein, denn diese Äußerungen decken sich mit jener umstrittenen „Freiburger Handreichung“, die unlängst von der Glaubenskongregation unter Erzbischof Gerhard L. Müller (siehe Foto) in zwei entscheidenden Punkten abgelehnt wurde  – und zwar unter ausdrücklicher Berufung auf Papst Franziskus.

Der oberste Glaubenswächter der katholischen Weltkirche hatte daher von Erzbischof Zollitsch offiziell die Rücknahme dieser Desorientierung verlangt, doch der Angesprochene gab bereits zu verstehen, daß er keinerlei Änderungsbedarf erkenne.

Die gemeinsame Wellenlänge zwischen der Fürst-Äußerung und der Freiburger Handreichung deutet auch Radio Vatikan an: Damit würden sich die deutschen Bischöfe an die Anfang Oktober vorgelegte Handreichung aus dem Erzbistum Freiburg anlehnen. „0012

Der schwäbische „Fürst“ nennt für sein Abweichen vom katholisch-kirchlichen Kurs genau dasselbe „Argument“, das bereits der Trierer Oberhirte Ackermann in die Debatte einbrachte: 

Man wolle die „Unauflöslichkeit der Ehe“ zwar grundsätzlich nicht antasten,„es gehe aber darum, die konkrete Wirklichkeit von vielen Paaren und Familien intensiver zu berücksichtigen.“

Auch gehöre es, so Bischof Fürst, „zum Selbstverständnis der Kirche, Menschen, die in verschiedenen Situationen scheitern, zu helfen.“

Dazu ist aus meiner Sicht festzuhalten:

1. Die „konkrete Wirklichkeit vieler Paare und Familien“ entspricht seit Beginn der Menschheitsgeschichte häufig nicht den göttlichen Geboten. Diese Situation ist also nichts Neues unter der Sonne. Folglich besteht auch kein Änderungsbedarf an bewährten kirchlichen Maßstäben.

2. Die Kirche hilft Menschen, die „in verschiedenen Situationen scheitern“, sicherlich nicht durch theologisch unverantwortliche Täuschungsmanöver, indem sie ihnen nämlich durch Zulassung zum Tisch des HERRN vorgauckelt, eine Umkehr sei nicht nötig. Mit einer derart verhängnisvollen Bestätigung eines sündhaften Lebenswandels hilft sie den Betroffenen sicherlich  n i c h t  auf dem Weg zur Buße, zur Besserung und damit zum Heil. Zwischen Himmel und Hölle gibt es keinen Kompromiß und auch keine „friedliche Koexistenz“.

3. Gerade in einer Zeit, in der sich die eheliche Treue und die Sittlichkeit in unserer Gesellschaft immer stärker auf dem absteigenden Ast befindet, muß die Kirche Christi erst recht ein „Zeichen des Widerspruchs“ darstellen und an die zeitlosen Gebote Gottes erinnern, die immer schon quer zum Weltgeist standen, die menschlichen Wünschen zuweilen entgegenstehen, aber auf Dauer zum gelingenden Leben verhelfen  – oft bereits im Diesseits, in jedem Fall aber in Gottes ewiger Herrlichkeit.

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster

2. Foto: Bischöfliches Presseamt Regensburg


Causa Freiburg: Trierer Bischof widerspricht Glaubenspräfekt Gerhard L. Müller

Von Felizitas Küble

Am gestrigen Mittwoch, den 20. November 2013, veröffentlichte der „Trierische Volksfreund“ online einen Artikel von Rolf Seydewitz unter dem Titel „Trierer Bischof widerspricht Rom: Ackermann fordert Akzeptanz für Lebenswirklichkeit von Paaren und Familien“.

Es geht dabei um die Endlos-Debatte über geschieden-Wiederverheiratete. Kurien-Erzbischof Gerhard Ludwig Müller (siehe Fotos) hat im Namen des Papstes und unter Berufung auf die bewährte kirchliche Lehre unlängst bekräftigt, daß die Betreffenden nicht zum Tisch des HERRN eingeladen sind.

Da die sog. „Freiburger Handreichung“ insoweit der kirchlichen Verkündigung widerspricht, wurde Erzbischof Zollitsch vom Präfekten der Glaubenskongregation aufgefordert, das für Verwirrung sorgende Dokument zu entsorgen bzw. zurückzunehmen. Zollitsch unternimmt allerdings keinerlei Anstalten in diese Richtung.

Der erwähnte Zeitungsbericht aus Trier beginnt mit den Worten: 

„Die Diskussion über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in der katholischen Kirche spitzt sich zu. Nach dem Münchner Kardinal Reinhard Marx hat jetzt auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann den „Maulkorberlass“ aus dem Vatikan kritisiert.“

Außerdem heißt es weiter:

„Der ehemalige Regensburger Bischof hat jüngst einen entsprechenden Vorstoß der Erzdiözese Freiburg mit deutlichen Worten zurückgewiesen und den Initiatoren vorgeworfen, sie hätten für Verwirrung gesorgt.

Die Reaktionen in einigen deutschen Bistümern fallen allerdings anders aus als von Rom erwartet. Selbst Bischöfe wehren sich gegen die Aufforderung des obersten Glaubenswächters, etwa der Trierer Bischof Stephan Ackermann.

„Der Präfekt der Glaubenskongregation kann die Diskussion nicht einfach mit einer autoritativen Stellungnahme beenden“, sagte Ackermann unserer Zeitung.AL-0005

Weder der Münchner Kardinal Reinhard Marx noch er wollten das katholische Eheverständnis infrage stellen, „aber wir müssen intensiver und ehrlicher die konkrete Wirklichkeit von vielen Paaren und Familien berücksichtigen“, fordert der Trierer Bischof.“

Der Oberhirte von Trier möge es unterlassen, den Eindruck erwecken, als habe er oder sein Amts- und Gesinnungskollege Reinhard Marx  das Rad neu erfunden.

Die „konkrete Wirklichkeit von vielen Paaren und Familien“ kennt die katholische Kirche seit Jahrtausenden; immer schon scheiterten Menschen an den göttlichen Geboten und an dem bei der Heirat abgelegten Versprechen ehelicher Treue.

Als die katholische Kirche ihre Botschaft in den ersten Jahrhunderten im Römischen Reich und in der ebenso heidnischen griechischen Welt verkündete, stieß sie mit ihrer auch damals „zeitgeistwidrigen“ Ehe-Lehre auf vielfachen Widerstand.

Also nichts Neues unter der Sonne, die Situation ist seit eh und je im wesentlichen dieselbe. Was sich ebenfalls nicht ändert, ist das göttliche Gebot: „Du sollst nicht ehebrechen!“  –  Christus hat diese Wegweisung vom Sinai bekräftigt und die Ehe sogar als Sakrament in seiner Kirche grundgelegt, wie der hl. Paulus erläuterte.

Es geht also um die Heilighaltung von Gottes Gebot und Christi Sakrament  –  und da die Kirche des HERRN keine Willkürherrschaft errichten kann und darf, sondern an den Willen des Ewigen gebunden ist, gibt es hier keinen „Spielraum“, auch nicht für kirchliche Würdenträger, ob sie nun in München oder in Trier oder wo auch immer residieren.

HINWEIS: Kritischer Einspruch zu einer weiteren Ackermann-Äußerung siehe dort: http://beiboot-petri.blogspot.de/2013/11/der-klerikale-witz-des-tages.html

Fotos: Bischöfliches Presseamt Regensburg


„Wir sind Kirche“: erneute Polemik gegen Erzbischof Müllers Klarstellungen zur Ehe

Die selbsternannte „Wir sind Kirche“-Initiative veröffentlichte am 13. November erneut eine Pressemitteilung gegen den Vatikan unter dem Titel „Das Gewissen ist die oberste Norm“.

Schon dieses Leitwort ist nur halbrichtig, denn das Gewissen eines ernsthaften Christen schwebt nicht im luftleeren Raum; es ist  keine willkürliche Instanz der Beliebigkeit, sondern orientiert sich an den Geboten Gottes und der Botschaft Christi.

Die erwähnte „reformkatholische“ Gruppierung, die seit Jahrzehnten wesentliche kirchliche Lehren in Abrede stellt, befaßt sich in ihrer jüngsten Stellungnahme mit dem vatikanischen Glaubenspräfekten Gerhard L. Müller (siehe Foto) und seiner Forderung an Erzbischof Zollitsch, die „Freiburger Handreichung“ zurückzunehmen.

In dieser Schrift hatte das diözesane Seelsorgeamt sich nicht an die katholische Lehre gehalten, wonach geschieden-Wiederverheiratete keineswegs zum Tisch des HERRN zugelassen sind; es wurden in der „Handreichung“ sogar kirchlich-rituelle Feiern bzw. Quasi-Segenshandlungen für eine derartige Zivilehe vorgeschlagen.

Kurien-Erzbischof Müller bekräftigte daraufhin erneut den kirchlichen Standpunkt zur Unauflöslichkeit der Ehe und zur Sakramentenpastoral.

Diese Erklärung des obersten katholischen Glaubenshüters bezeichnet die sog.KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche“ nunmehr schrill als „autoritäres Durchgreifen“ und als „Relikt aus vorkonziliarer Zeit“.

Zudem heißt es dort: „Mit seiner unbarmherzigen und unpastoralen Haltung konterkariert Erzbischof Müller den Ruf des Papstes nach Barmherzigkeit.“  –  Die deutschen Bischöfe werden sodann aufgefordert, „sich nicht bevormunden lassen“. bischof

Der Versuch, Papst und Glaubenspräfekt gegeneinander auszuspielen, muß ins Leere laufen, zumal Erzbischof Müller in seiner Klarstellung auf die ausdrückliche Zustimmung von Franziskus verweisen kann.

Wenn der Papst auf Barmherzigkeit hinweist, geht es um Milde gegenüber bußfertigen Sündern, nicht um das Einschränken oder gar Infragestellen göttlicher Gebote und kirchlicher Sakramente (auch die Ehe ist ein Sakrament in der Kirche des HERRN). Es gilt also, Person und Sache zu unterscheiden!

In theologisch dümmlicher (Un-)Logik schreibt die modernistische Gruppierung außerdem:

„Wenn Erzbischof Müller meint, die Barmherzigkeit Gottes habe Grenzen, gibt er damit vor, das Handeln Gottes besser zu kennen als es Jesus, der Christus, uns in seiner befreienden Frohen Botschaft lehrt.“

Genau umgekehrt wird ein Schuh draus:

Gerade weil sich die katholische Kirche an die Botschaft des HERRN gebunden weiß, kann sie ihre eigene Ehe-Lehre nicht willkürlich gestalten bzw. nach Lust und Laune der Menschen bzw. eigener subjektiver Vorstellungen verkünden.

Keine Bedürfnis-, sondern eine Heilsanstalt!

Die katholische Kirche ist nun einmal keine Bedürfnisanstalt, sondern vielmehr eine gottgewollte Heilsanstalt, daher muß sie sich an Christi Botschaft von der Unauflöslichkeit der Ehe halten.

Jesu „befreiende Frohe Botschaft“, die so gerne von progressistischer Seite bemüht wird, stellt keineswegs den vielfach ersehnten Freibrief zum Sündigen aus, sondern sie dient dem Heil und dem Heilwerden umkehrwilliger Sünder. IMG_1468 - Kopie

Zudem läßt sich die Wir-sind-Kirche-Initiative dazu herab, den vatikanischen Glaubenspräfekten biblisch belehren zu wollen:

„Er übersieht auch, dass es im Neuen Testament und in der Geschichte der Kirche bis heute unterschiedliche Lehrmeinungen zur Ehe gegeben hat, die alle die grundsätzlich unauflösliche Liebe zweier Menschen nicht infrage stellen.“

Hier ist im zweiten Halbsatz weder von „Ehe“ noch von „Liebe zwischen Mann und Frau“ die Rede, sondern sehr verschwommen von der „Liebe zweier Menschen“, was immer das heißen mag.

Der erste Halbsatz erweist sich ohnehin als blühender Unsinn, denn im Neuen Testament und in der Geschichte der katholischen Kirche gibt es keineswegs „unterschiedliche Lehrmeinungen zur Ehe“, wenngleich Zeitgeistliche und verweltliche Christen sich das gerne herbeiwünschen.

Sodann läßt die Modernisten-Gruppe abschließend durchblicken, welches spezielle Bischofsverständnis sie sich angeeignet hat:

Als Nachfolger der Apostel sind die Bischöfe für die Menschen des Bistums verantwortlich; sie sind nicht Abteilungsleiter des Papstes und schon gar nicht Befehlsempfänger der Glaubenskongregation.“

Kommentar überflüssig.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

HINWEIS: Bereits im Oktober wurde Erzbischof Müller von „Wir sind Kirche“ scharf kritisiert  –  siehe hier unsere Widerlegung der Vorwürfe: https://charismatismus.wordpress.com/2013/11/01/linkskatholische-initiative-wir-sind-kirche-kritisiert-erzbischof-gerhard-l-muller/

1. Foto: Bistum Regensburg


Vollständiger Wortlaut des Schreibens von Glaubenspräfekt Müller an Erzbischof Zollitsch

Exzellenz!
Hochwürdigster Herr Erzbischof!

Mit Schreiben Prot. N. 2922/13 vom 8. Oktober 2013 hat der Apostolische Nuntius der Kongregation für die Glaubenslehre den Entwurf der Handreichung für die Seelsorge zur Begleitung von Menschen in Trennung, Scheidung und nach ziviler Wiederverheiratung in der Erzdiözese Freiburg sowie Ihres Rundbriefes an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz zur Vorabveröffentlichung dieses Textes übermittelt.

Foto: Bischöfl. Presseamt RegensburgEine aufmerksame Lektüre des Entwurfs zeigt, dass dieser zwar richtige und wichtige pastorale Hinweise enthält, aber in der Terminologie unklar ist und in zwei Punkten nicht mit der kirchlichen Lehre übereinstimmt:

1. Bezüglich des Empfangs der Sakramente durch geschiedene wiederverheiratete Gläubige wird der 1993 von den Oberrheinischen Bischöfen gemachte Vorschlag neu als pastoraler Weg empfohlen:

Nach einem Gesprächsprozess mit dem Pfarrer könnten Betroffene zur Überzeugung gelangen, am Leben der Kirche vielfaltig teilzunehmen, aber bewusst auf den Empfang der Sakramente zu verzichten, andere hingegen könnten in der konkreten Situation zur „verantwortlich getroffenen Gewissensentscheidung“ kommen, die Sakramente der Taufe, der Heiligen Kommunion, der Firmung, der Versöhnung und der Krankensalbung empfangen zu können, und diese Entscheidung wäre vom Pfarrer und von der Gemeinde „zu respektieren“.

Im Gegensatz zu dieser Auffassung betont das Lehramt der Kirche, dass die Hirten die verschiedenen Situationen gut unterscheiden und die betroffenen Gläubigen zur Teilnahme am Leben der Kirche einladen sollen, „bekräftigt jedoch ihre auf die Heilige Schrift gestützte Praxis, wiederverheiratete Geschiedene nicht zum eucharistischen Mahl zuzulassen“ (Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Familiaris consortio vom 22. November 1981, Nr. 84; vgl. auch das Schreiben dieser Kongregation vom 14. September 1994 über den Kommunionempfang von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen, mit dem der Vorschlag der Oberrheinischen Bischöfe abgelehnt wurde; Benedikt XVI., Apostolisches Schreiben Sacramentum caritatis vom 22. Februar 2007, Nr. 29).

Diese Position des Lehramts ist wohl begründet: Wiederverheiratete Geschiedene stehen selbst ihrer Zulassung zur Eucharistie im Weg, insofern ihr Lebensstand in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche ist, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht (lehrmäßiger Grund). Ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies Verwirrung bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe (pastoraler Grund).

Foto: L. Börger2. Darüber hinaus wird für geschiedene Gläubige, die eine neue zivile Verbindung eingehen, eine Gebetsfeier vorgeschlagen. Es heißt zwar ausdrücklich, dass es sich dabei nicht um eine „Quasi-Trauung“ handelt und die Gestaltung schlicht sein soll, aber der Entwurf bietet dann doch eine Art „Ritus“ mit Eröffnung, Hören auf das Wort Gottes, Segnung und Übergabe einer Kerze, Gebetsteil und Abschluss.

Feiern dieser Art wurden von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ausdrücklich untersagt:

„Die erforderliche Achtung vor dem Sakrament der Ehe, vor den Eheleuten selbst und deren Angehörigen wie auch gegenüber der Gemeinschaft der Gläubigen verbietet es jedem Geistlichen, aus welchem Grund oder Vorwand auch immer, sei er auch pastoraler Natur, für Geschiedene, die sich wiederverheiraten, irgendwelche liturgischen Handlungen (ritus cuiusvis generis) vorzunehmen. Sie würden ja den Eindruck einer neuen sakramental gültigen Eheschließung erwecken und daher zu Irrtümern hinsichtlich der Unauflöslichkeit der gültig geschlossenen Ehe führen“ (Familiaris consortio, Nr. 84).

Den betroffenen Gläubigen sind Hilfen anzubieten, „wobei in jedem Fall zu vermeiden ist, diese Verbindungen zu segnen, damit unter den Gläubigen keine Verwirrungen in Bezug auf den Wert der Ehe aufkommen“ (Sacramentum caritatis, Nr. 29).

Aufgrund der genannten Divergenzen ist der Entwurf der Handreichung zurückzunehmen und zu überarbeiten, damit nicht pastorale Wege offiziell gutgeheißen werden, die der kirchlichen Lehre entgegenstehen.

Weil der Text nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Teilen der Welt Fragen aufgeworfen und in einer pastoral delikaten Problematik zu Verunsicherungen geführt hat, fühlte ich mich verpflichtet, Papst Franziskus darüber zu informieren.

Nach Rücksprache mit dem Heiligen Vater wird nun im L’Osservatore Romano vom 23. Oktober 2013 ein Artikel von mir erscheinen, der die verbindliche Lehre der Kirche in dieser Frage zusammenfasst. Dieser Beitrag wird auch in den Wochenausgaben der Vatikanzeitung abgedruckt werden.

Da eine Reihe von Bischöfen sich an mich gewandt haben und eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz sich mit dem Thema beschäftigt, möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich eine Kopie dieses Schreibens an alle Diözesanbischöfe in Deutschland senden werde.

In der Hoffnung, dass wir in dieser delikaten Frage pastorale Wege gehen, die ganz mit der Glaubenslehre der Kirche übereinstimmen, verbleibe ich mit besten Grüßen und Segenswünschen im Herrn

Ihr
Gerhard L. Müller
Präfekt

Quellen: Badische Zeitung / „kath.net“

1. Foto: Bistum Regensburg


Vatikan: Glaubenspräfekt Müller fordert Rücknahme der „Freiburger Handreichung“

Kirche hält fest an der Unauflöslichkeit der Ehe

Wie die Mittelbayerische Zeitung am heutigen Dienstag online berichtet, hat Kurien-Erzbischof Gerhard L. Müller (siehe Foto) die sog. Freiburger „Handreichung“ scharf kritisiert; jenes Dokument also, das unter bestimmten Bedingungen die Zulassung wiederverheiratet-Geschiedener zum Tisch des HERRN befürwortet. Müller

Zudem plädiert dieses innerkirchlich umstrittene Papier für eine kirchlich-rituelle Feier hinsichtlich einer Zivil-Ehe nach Scheidung.

Kein Wunder, daß diese „Handreichung“ weltweit Erstaunen und zudem scharfe Kritik rom-treuer Vereinigungen hervorrief.

In einem jetzt bekanntgewordenen Brief an den Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch erklärt der Präfekt der Glaubenskongregation, der Entwurf der „Handreichung“ müsse zurückgenommen und überarbeitet werden.

Das erwähnte Schreiben an Zollitsch, der zugleich Vorsitzender der Dt. Bischofskonferenz ist, erscheint in der katholischen Zeitung „Tagespost“ aus Würzburg in der heutigen Dienstagsausgabe.

Der bereits vor einigen Wochen verfaßte Brief ging offenbar in Kopie an alle deutschen Diöesanbischöfe; er diente als Begleitschreiben zu einem Grundsatzartikel, den Erzbischof Müller am 23. Oktober in der Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“ veröffentlichte.

Glaubenspräfekt und Papst sind sich einig

Erzbischof Müller führt in seinem Schreiben an Zollitsch aus, dass er persönlich Papst Franziskus über den Vorgang informiert habe, „weil der Text nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Teilen der Welt Fragen aufgeworfen und in einer pastoral delikaten Problematik zu Verunsicherungen geführt hat“.

In Abstimmung mit dem Papst habe er dann am 23. Oktober die Lehre der Kirche zur Ehe, zur Scheidung und zu den Sakramenten im „Osservatore Romano“ zusammengefasst.

Der vatikanische Glaubenspräfekt stellt fest, daß der Freiburger Text durchaus auch „richtige und wichtige pastorale Hinweise“ enthalte. Er sei jedoch sprachlich „unklar“ und stimme „in zwei Punkten nicht mit der kirchlichen Lehre überein“: 120505416_B_Judy und Mike in der Kirche

Erzbischof Müller widerspricht in zwei Punkten

Der erste Punkt sei die Annahme, dass die in einer neuen Verbindung Lebenden sich nach einem Seelsorgegespräch entscheiden dürften, doch die Sakramente zu empfangen, und dass diese Entscheidung vom Pfarrer und von der Gemeinde zu respektieren sei.

Dazu erklärt Erzbischof Müller:

„Im Gegensatz zu dieser Auffassung betont das Lehramt der Kirche, dass die Hirten die verschiedenen Situationen gut unterscheiden und die betroffenen Gläubigen zur Teilnahme am Leben der Kirche einladen sollen, bekräftigt jedoch ihre auf die Heilige Schrift gestützte Praxis, wiederverheiratete Geschiedene nicht zum eucharistischen Mahl zuzulassen.“

Ebenso klar verurteilt der Präfekt die Anregung in der Freiburger Handreichung, für eine solche Verbindung ein kirchliches Gebet mit liturgischen Elementen abzuhalten. Feiern dieser Art seien von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ausdrücklich untersagt worden.

Keine Segensfeiern bzw. liturgischen Handlungen

Erzbischof Müller verweist auf das Schreiben „Familiaris consortio“ von 1981, in dem der Papst nach einer Bischofssynode zum Thema Familie formulierte:

„Die erforderliche Achtung vor dem Sakrament der Ehe, vor den Eheleuten selbst und deren Angehörigen wie auch gegenüber der Gemeinschaft der Gläubigen verbietet es jedem Geistlichen, aus welchem Grund oder Vorwand auch immer, sei er auch pastoraler Natur, für Geschiedene, die sich wiederverheiraten, irgendwelche liturgischen Handlungen vorzunehmen.

Sie würden ja den Eindruck einer neuen sakramental gültigen Eheschließung erwecken und daher zu Irrtümern hinsichtlich der Unauflöslichkeit der gültig geschlossenen Ehe führen.“

Auch Benedikt XVI. habe 2007 in seinem Lehrschreiben „Sacramentum caritatis“ erklärt, dass es „in jedem Fall zu vermeiden ist, diese Verbindungen zu segnen, damit unter den Gläubigen keine Verwirrungen in Bezug auf den Wert der Ehe aufkommen“.

Der Chef der Glaubenskongregation schließt mit dem Hinweis, er hoffe, „dass wir in dieser delikaten Frage pastorale Wege gehen, die ganz mit der Glaubenslehre der Kirche übereinstimmen“. 

Quelle für die Zitate: http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/politik/politik/artikel/mueller-kritisiert-zollitsch/982879/mueller-kritisiert-zollitsch.html