Deutschland – eine verunsicherte Nation

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Der Flüchtlingsstrom 2015 hat den Zustand der Gesellschaft und der politischen Führung offengelegt. Er traf ein moralisch geschwächtes Volk.

Der ehem. Ministerpräsident Professor Dr. Werner Münch (siehe 2. Foto) hat die politischen Konsequenzen der „Willkommenskultur“ und den Führungsstil der Bundeskanzlerin „Wir schaffen das“ schonungslos analysiert:  0000009699_3

„Ohne Erläuterung, was denn dieses „wir“ und „das“ bedeuten und welche Folgen es haben würde, überraschte dieser Satz nicht nur die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, sondern auch Parlamente, Regierungen, Parteien, Kommunen und die EU–Mitgliedstaaten. Sie waren allesamt überrumpelt worden, obwohl sich eine Flüchtlingsbewegung nach Europa lange vorher abgezeichnet hatte.

BILD: Prof. Dr. Hubert Gindert leitet das „Forum Deutscher Katholiken“ und den Kongreß „Freude am Glauben“

Monatelang gab es keine genauen Kosten – Ermittlungen, keine Vorstellungen über die Bewältigung der Erfassung der Flüchtlinge, über die Beschaffung des erforderlichen Wohnraumbedarfs, die lokale Verteilung, die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Lösung der absehbaren Integrationsprobleme. Für die Bundesregierung waren alle Flüchtlinge zunächst einmal eine „Bereicherung“ für unsere Gesellschaft und den Arbeitsmarkt, sie hatten durchweg eine „gute Ausbildung und berufliche Qualifikation“ und waren „uneingeschränkt integrationswillig“.

Es gab auch keine eingewanderten Terroristen und Kriminelle  – das war ein „abwegiger Generalverdacht von rechts“. Nach einer Statistik des Bundeskriminalamtes betrug die Zahl der Delikte der Flüchtlinge z. B. im ersten Quartal 2016 tatsächlich aber 69.000.

Und erst am 10. September hat Thomas de Maziere, der Minister des Innern, der überraschten deutschen Öffentlichkeit mitgeteilt, dass die Zahl der islamistischen Gefährder in Deutschland mit über 520 Personen und ca. 360 Unterstützern, sog. relevanten Personen, so hoch sei wie nie.Münch, Prof. Dr. Werner, mittel

Auch ist inzwischen bekannt, in welcher Intensität Salafisten versuchen, in Flüchtlingsheimen neue Mitglieder anzuwerben. Sogar die genaue Zahl der Eingewanderten war  unserer Regierung nicht bekannt.  Anfangs sprach der zuständige Minister von 200.000 Asylbewerbern, kurze Zeit später waren es 800.000, bald darauf über 1 Mio., und schließlich musste die Regierung einräumen, dass sie die genaue Zahl nicht wisse.

Ende Juli 2016 lagen beim zuständigen Bundesamt ca. 530.000 unerledigte Asylanträge, und 150.000 Asylbewerber sind nicht einmal registriert. 77% der eingereisten Asylsuchenden hatten keine Ausweispapiere. Aus einer Antwort der Bundesregierung von September 2016 geht hervor, dass 550.000 abgelehnte Asylbewerber weiterhin in Deutschland leben. Der Chef der deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sprach in diesem Zusammenhang von einer „Abschiebeverhinderungsindustrie“ bei uns…

Damit eins unbestritten bleibt: Wir müssen und wollen offen sein für jede mögliche Hilfe für Menschen, die in wirklicher Not und oft mit grausamen Erlebnissen und Erfahrungen aus ihren Heimatländern mit dem Tode bedroht und zu uns geflohen sind. Sie benötigen dringend unsere Hilfe und persönliche Zuwendung.

Gerade Christen müssen alles dafür tun, damit diese Flüchtlinge wieder ganz konkret erfahren, was Menschenwürde bedeutet. Und wir sind davon überzeugt, dass bei dieser wahrlich nicht leicht zu bewältigenden Aufgabe nicht schlechtes Management und Rechthaberei vorherrschen dürfen, sondern Realismus und Wahrhaftigkeit die Leitlinie sein müssen.“ (Vortrag vor dem IK-München am 27. September 2016)

Folgen der 68er Revolution nicht verarbeitet

Die deutsche Bevölkerung ist tief verunsichert und verängstigt, weil sie befürchtet, die Auswirkungen der Masseneinwanderung nicht zu verkraften. Die Kulturrevolution von 1968 hat ihr das Selbstvertrauen genommen, diese neue Herausforderung zu bewältigen. cropped-ZIM_5640

Die Folgen der Kulturrevolution werden bei uns tabuisiert. Sie hat die Grundzelle jeder Gesellschaft, nämlich Ehe und Familie schwer geschädigt. Die traditionelle Ehe wurde als „vorgestrig“ und als „Korsett der Unfreiheit“ diffamiert. Die Folgen davon sind: Immer weniger junge Menschen heiraten, rund 40% der Ehen werden geschieden, Massenabtreibung ist zum Instrument der Familienplanung geworden.

Wir zählen zu den kinderärmsten Ländern der Welt. Die demographische Katastrophe mit ihren sozialen Folgen steht vor der Tür.

Die 68er Kulturrevolution hat unsere Geschichte und Kultur einseitig negativ interpretiert, so als hätte unsere Chronik nur dunkle, nicht aber auch glänzende Seiten. Patriotismus in jeder Form ist verpönt. Wörter wie Verzicht, Disziplin und Opfer für Andere, von der jede Gemeinschaft lebt, wurden zu Unwörtern.

Unwissenheit und Gleichgültigkeit gegenüber der überlieferten Kultur, insbesondere bei der jüngeren Generation, lassen das kulturelle Erbe als eine musiale Angelegenheit, nicht aber als eine Aufgabe die weiter zu entwickeln ist, erscheinen.

Der US-amerikanische jüdische Professor Joseph Weiler hält den Europäern Ablehnung, ja Hass gegenüber der eigenen Kultur vor.

Dieses veränderte Kulturbewusstsein schließt auch das Rechts- und Verfassungsverständnis ein. Demokratische Mehrheiten sehen sich heute als legitimiert, selbst Menschenrechte, wie das auf körperliche Unversehrtheit und Leben nicht mehr als absolut schützenswert zu interpretieren.

Christliches Fundament der europäischen Zivilisation

Unsere Vorstellung von Wert und Würde des Menschen ist religiös geprägt. Diese Sicht von Menschen ist in unser Rechts- und Verfassungsverständnis eingegangen. Das Christentum ist das Fundament der europäischen Zivilisation. Die Kirche als religiöse Institution sollte die entscheidende Barriere für die Unverfügbarkeit des Menschen und vor dem Zugriff auf ihn seitens Staat und Gesellschaft bilden. Herz-Jesu_01

Nun ist aber die 68er Kulturrevolution auch in die Kirche eingedrungen, konkret in die theologischen Ausbildungsstätten für Priester, Religionslehrer und Katecheten. Für die Verbindlichkeit kirchlicher Aussagen ist aber entscheidend, ob Jesus Christus Sohn Gottes oder nur irgendein Guru oder Religionsstifter ist. Statt dem Wort Gottes ist die Verkündigung vielfach zur Inflation der Wörter degeneriert.

Die Hirten der Kirche in Deutschland sind, von Ausnahmen abgesehen, verunsichert. Sie formulieren kein Alternativprogramm zum Zeitgeist und zu den üblichen Trends. Man ist versucht, in die alttestamentarische Klage einzustimmen: „Wir haben in dieser Zeit weder Vorsteher noch Propheten, und keinen, der uns anführt“ (Dan 3,38).

Seit der 68er Kulturrevolution haben Millionen der sog. „Volkskirche“ den Rücken zugekehrt. Von denen, die noch der Kirchensteuergemeinschaft angehören, fehlen 90% bei der sonntäglichen Gottesdienstfeier, vor allem die Zukunft der Kirche, Kinder und Jugendliche. Für das gesellschaftliche, kulturelle und politische Leben ist die Kirche in Deutschland, samt ihren Laieninstitutionen (ZdK) weithin bedeutungslos geworden.

Als Papst Benedikt XVI. in den „Letzte Gespräche“ den beklagenswerten Zustand der Kirche in Deutschland ansprach, konterte der Jesuit Andreas Batlogg, der Chefredakteur der „Stimmen der Zeit“, Joseph Ratzinger sei als Erzbischof von München und Freising selber „Teil des Systems“ gewesen. Darauf erwiderte Erzbischof Gänswein: „Die Behauptung, Joseph Ratzinger sei selbst Teil des Systems gewesen, überzeugt nicht. Ein solches System kann man nicht in ein paar Jahren verändern“.#

Parallelgesellschaften vermeiden

Die Kulturrevolution hatte nahezu 50 Jahre Zeit, um die Grundbefindlichkeit der Menschen zu ändern. Die entscheidende Frage ist heute, identifizieren sich die deutschen Staatsbürger noch mit ihrer eigenen Kultur? be2004_38_551

Wir fordern in der aktuellen Diskussion der Flüchtlingsproblematik die Integrationsbereitschaft von den Flüchtlingen. Zu Recht! Was ist aber damit gemeint? Bedeutet „Integration“ das sich bewusste Einfügen in die Werte- und Kulturgemeinschaft mit dem geltenden Rechts- und Verfassungssystems des Aufnahmelandes, oder versteht man darunter nur das Dach über dem Kopf, den Arbeitsplatz und den Erwerb der Sprache, um die Abläufe am Arbeitsplatz besser zu verstehen?

Wer Parallelgesellschaften vermeiden will, kann „Integration“ nur in dem umfassenden Sinne verstehen. Noch einmal gefragt: Hat das deutsche Volk noch die Bereitschaft und die Vitalität, jahrzehntelange Fehlentwicklungen zu korrigieren  –  oder sieht es den Niedergang als unaufhaltsam an?

Sicher ist, dass ein Volk ohne Kinder und ohne Rückgewinnung der Werte, die es groß gemacht haben, keine Zukunft hat. Für die Zukunft sind alle gefordert: Zuerst die Kirche. Sie müsste in der seit Johannes Paul II. geforderten Neuevangelisierung die spirituellen Grundlagen für einen Neuanfang legen. Gefordert sind die Verantwortungsträger in Politik und Gesellschaft.

Noch kann man von einem Umdenken wenig feststellen. Im Gegenteil wird weiterhin beschwichtigt, beschönigt, werden Kritiker als unverbesserliche Pessimisten diffamiert. Gefordert sind schließlich alle, um mit Teresa von Kalkutta zu sprechen, du und ich.

TITANIC: Für Umkehr ist es nie zu spät

Ob die Bereitschaft zum Umdenken und zur Umkehr noch einsetzt, wissen wir nicht. Für Christen bleiben aber, selbst in scheinbar oder wirklich aussichtslosen Situationen nicht delegierbare Aufgaben. Zwei Beispiele sollen das verdeutlichen: Sayn-Abteikirche-DSC_0195-2

Am 11. April 1912 fuhr die Titanic von Queenstown/Südirland auf ihrer Jungfernfahrt in die USA ab. Die Titanic galt als „unsinkbar“. Deshalb wurden nur für 800 Menschen Rettungsboote mitgenommen, obwohl über 2000 Menschen an Bord waren. Oberhalb der Tauchlinie konnte man auf einem Band mit riesen Lettern lesen „Weder Gott noch der Papst“ und auf der anderen Seite „weder die Erde noch der Himmel können dich verschlingen“.

Am 14. April, um 23:35 Uhr, stieß die Titanic auf einen Eisberg und versank innerhalb von zweieinhalb Stunden. Von den 1308 Passagieren und 898 Mann Besatzung konnten nur 703 gerettet werden. Auf dem Schiff waren auch zwei Priester, der Benediktinerpater Byles und P. Joseph Peruschitz von Kloster Scheyern. Die Titanic-Überlebende Agnes Mac Coy schrieb:

„Etwa 100 Personen – Katholiken, Protestanten und Juden – umgaben die beiden Priester. Eine große Zahl von Menschen kniet auf eine stumme Übereinkunft nieder und fängt an, das Vater-Unser zu beten. Viele weinen und flehen um Hilfe. Ihr Sterbekreuz fest umklammert, sprechen der deutsche und englische Geistliche den Titanic-Passagieren Mut zu. Ein paar wollen beichten. Schließlich erteilen Reverend Byles und Pater Peruschitz die Generalabsolution“.

Ein weiteres Beispiel:

Am 26. Juli 1942 protestierten die katholischen Bischöfe der Niederlande gegen die Judenverfolgung. Bereits am 2. August setzte eine Verhaftungswelle gegen die Juden ein, bei der auch Edith Stein und ihre Schwester Rosa verhaftet wurden. Am 7. August wurden sie in Richtung des Vernichtungslagers Auschwitz abtransportiert.

Die Gefangenen ahnten, was ihnen in Auschwitz bevorstand. Als Sr. Benedicta sah, wie die Mitgefangenen apathisch und furchtsam geworden, sich vernachlässigten, tröstete sie diese und richtete sie wieder auf, damit sie ihre Selbstachtung und Würde nicht verloren. Am 9. August wurde Sr. Benedicta und ihr Schwester Rosa in Auschwitz ermordet.

 

 

 


Deutscher Presserat erteilt der Zeitschrift „Titanic“ eine öffentliche Rüge wegen Papst-Beleidigung

Der Deutsche Presserat, der über die journalistische „Berufsethik“ wacht, hat jetzt gegen das Satireblatt Titanic eine öffentliche Rüge wegen eines Anti-Papst-Titelbilds ausgesprochen.

Eine „Rüge“ ist die schärfste von drei Formen einer Mißbilligung seitens des Presserats.

Die Darstellung von Papst Benedikt XVI. als inkontinent und mit Fäkalien beschmiert sei entwürdigend und ehrverletzend, urteilte das Gremium bei seiner Sitzung am gestrigen Donnerstag in Berlin.

Insgesamt gingen 182 Beschwerden beim Dt. Presserat ein, darunter auch jene des Christoferuswerks eV. in Münster, das dieses Webmagazin CHRISTLICHES FORUM betreibt.

Das Selbstkontroll-Gremium der deutschen Presse erklärte im aktuellen Fall, Satire beinhalte zwar die die Freiheit, Kritik an gesellschaftlichen Vorgängen mit den ihr eigenen Stilmitteln wie Übertreibung und Ironie darzustellen.

Im Titanic-Fall sei die Obergrenze der Meinungsfreiheit jedoch überschritten worden, zumal jeder Sachbezug  –  etwa zur Causa „Vatileaks“ –  fehle.

Die Person Joseph Ratzinger werde von der Zeitschrift als „undichte Stelle“ tituliert und durch die befleckte Soutane der Lächerlichkeit preisgegeben. 
 


Henryk Broder über Muslim-Proteste, Papst-Beleidigung und Doppelmoral in den Medien

„Kein katholischer Dschihadist hat zum Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen aufgerufen“

Der deutsch-jüdische Publizist Henryk M. Broder befaßt sich in einem ausführlichen Artikel in der Tageszeitung DIE WELT vom 17.9.2012 ausführlich mit den gewalttätigen Ausschreitungen in der islamischen Welt als Echo auf den Anti-Mohammed-Film. 

Unter dem Titel „Wie unerzogene Kinder aus dem 7. Jahrhundert“ vergleicht er diese teils tödlich endenden Exzesse mit der Reaktion des Vatikan auf übelste Papstbeleidigungen  – und er übt zugleich Kritik an der Doppelmoral vieler Medien im Westen, je nachdem, ob die katholische Kirche oder der Islam betroffen ist:

„Erst vor ein paar Wochen hat die Titanic eine geschmacklose, dumm-dreiste und handwerklich billige Satire auf den Papst veröffentlicht, die unbemerkt geblieben wäre, wenn der Papst nicht versucht hätte, die Verbreitung des Heftes zu verhindern.

Aber: Der Pontifex schickte weder die Schweizer Garde los, um die Redaktion abzustrafen, noch hat er seine Anhänger  –  immerhin über eine Milliarde Menschen  –  aufgerufen, Botschaften zu stürmen.

Er ließ über seine Anwälte den Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung stellen. Einen Tag vor dem angesetzten Termin zur Verhandlung, zogen die Anwälte den Antrag zurück…

Dennoch hat kein katholischer Dschihadist zum Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen aufgerufen. Und das ist nicht die Ausnahme, das ist die Regel.

Der Film „Paradies: Glaube“  –  eine Co-Produktion von WDR und arte mit Unterstützung etlicher Filmfonds  –  wurde bei den diesjährigen Filmfestspielen von Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

In dem Film geht es um eine „missionarische Krankenschwester“ namens Anna Maria, „die ihre Liebe zu Jesus bis ins Extrem treibt“. Soll heißen: Anna Maria masturbiert mit einem Kruzifix.

Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie die Reaktionen in der moslemischen Welt ausgefallen wären, wenn Anna Maria nicht ein Kruzifix, sondern einen den Moslems heiligen Gegenstand benutzt hätte.

Keine Jury der Welt hätte es gewagt, einen solchen Film auch nur ins Programm zu nehmen.

Und man braucht noch weniger Fantasie, um sich die Reaktionen von Claus Kleber und der Kommentatoren beim „Stern“, bei der „SZ“ und der „FR“ vorzustellen: „Dumm-dreist, primitiv, eine Provokation“.

Quelle und vollständiger Artikel hier:

http://www.welt.de/kultur/article109261025/Wie-unerzogene-Kinder-aus-dem-7-Jahrhundert.html


Erzbischof Gerhard L. Müller zum „Titanic“-Skandal: Angriff auf Persönlichkeitsschutz

„Menschenwürde gilt auch für katholische Würdenträger: vom Papst bis zu jedem Priester“

Der neue Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation sieht in der jüngsten Papstdarstellung des deutschen Satiremagazins „Titanic“ einen Angriff auf bürgerliche Rechte.

Hamburger Richter hatten entschieden, dass die Titelgestaltung des Blattes die Persönlichkeitsrechte des Papstes verletze. Deshalb darf das Magazin unter Androhung eines Zwangsgeldes von 250.000 Euro die Hefte nicht weiter verbreiten und die Bilder nicht im Internet veröffentlichen.

Erzbischof Gerhard Ludwig Müller (das Foto zeigt ihn mit dem Papst) erklärte dazu gegenüber dem ARD-Hörfunkstudio in Rom: 

„Von solchen Leuten lassen wir uns nicht verletzen, weil wir uns unserer Sache viel zu sicher sind. Es geht hier nicht um religiöse Gefühle, sondern um bürgerliche Rechte. Unser Grundgesetz beginnt  – nach den furchtbaren Erfahrungen, die wir vorher gemacht haben –  mit dem Satz: ,Die Würde des Menschen ist unantastbar.‘ Daran muss sich jeder halten, der demokratisch ist.“

Auch Würdenträger der katholischen Kirche  –  „vom Papst bis zu jedem Priester“  –  hätten Anspruch darauf, „dass sie in ihrer Würde geachtet werden“, so der Präfekt weiter.

Auf der Homepage der „Titanic“ ist die Darstellung inzwischen geschwärzt und mit einem „Verboten“-Schild unkenntlich gemacht.

Unter der Überschrift „Die undichte Stelle ist gefunden“ war der Papst in weißer Soutane mit einem großen gelben Fleck und auf der Rückseite mit einem braunen Fleck auf der Soutane abgebildet worden.

Nach dem so genannten „Vatileaks“-Skandal gefragt, auf den das Satire-Magazin mit der Darstellung anspielen wollte, sagte Erzbischof Müller:

„Solche Vorgänge wie hier gibt es überall. In jedem Wirtschaftsunternehmen, in jeder Regierung gibt es immer mal einzelne, die sich als Spione betätigen.“

Quelle: Radio Vatikan

Foto: Pressestelle Regensburg


Vatikan erwirkt einstweilige Verfügung wegen Papst-Beleidigungen in „Titanic“

Von Michaela Koller

Beobachter sagen Papst Benedikt XVI. ein ausgeprägtes ästhetisches Empfinden nach. Dies dürfte jedoch nicht der einzige Grund sein, warum sich der Vatikan gegen den kleinkindlichen (Pi…Ka…)-Humor des Satiremagazins Titanic wehrt:

Wie die Nachrichtenagentur dapd (…) am Dienstag meldete, schritt das Staatssekretariat gegen die aktuelle Ausgabe des Blatts sein; sie zeigt den Pontifex mit einer jeweils vorne und hinten befleckten Soutane.

Mit Erfolg beauftragte Rom eine Anwaltskanzlei: Das Landgericht Hamburg erließ eine Einstweilige Verfügung gegen die aktuelle Ausgabe der Titanic.

Das Satiremagazin überschreite “jedes Maß an Zumutbarem”, kommentierte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz Matthias Kopp laut dapd den Vorgang. Das manipulierte Foto auf der Vorderseite mit dem gelben Fleck war mit den Worten untertitelt: “Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden!”

Zudem wird auf der Rückseite des Heftes der Papst von hinten mit einem großen braunen Fleck und dem Kommentar “Noch eine undichte Stelle gefunden!” gezeigt.

Beides sind Anspielungen auf die Vatileaks-Affäre, die den Papst seit Wochen zur Zielscheibe machen.

Es müssen Maßstäbe gesetzt werden, wie mit Beleidigungen von Religionsgemeinschaften, religiösen Symbolen und Führern in einer Gesellschaft umzugehen ist, die erstens wenig kreativ in Sachen Humor oberhalb der Gürtellinie ist – und mangels Bildung seitens der Macher wie vieler Rezipienten nur noch zu Deftigem, Plattem und Primitivem ausweicht.

Zweitens wollen solche Satiriker wirklich alles demontieren, was anderen Menschen als ehrbar oder gar heilig gilt. Im konkreten Fall geht es um das Persönlichkeitsrecht Papst Benedikts XVI.

Als Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken ist er aber nicht alleinige Zielscheibe: Es geht im Kern gegen die Religionen selbst.

In einer immer religionsferneren europäischen Parallelwelt bringen ein paar selbsterwählte Ritter eines im 18. Jahrhundert verbliebenen Radikalsäkularismus billigen Kampfesmut auf.

Die Klage gegen Titanic musste auch schon deshalb erfolgen, um hiermit einen Weg aufzuzeigen, auf dem mit wirksamen Mitteln gegen diese und ähnliche religionsfeindliche Rechtsverletzungen vorzugehen ist.

Es ist das erste Mal, dass der Vatikan gegen dieses Satiremagazin vorgeht und damit ist es ein Präzedenzfall, für die Katholiken, aber möglicherweise auch für Andersgläubige.

Gekürzt aus VATICANISTA  –  vollständiger Kommentar hier:
http://www.vaticanista.info/2012/07/10/einstwillige-verfugung-gegen-fingierte-soutanenflecken/