Berühmter kath. Straßenprediger: Vor genau 25 Jahren starb Pater Leppich in Münster

Von Felizitas Küble

Der deutschlandweit bekannte Pater Johannes Leppich SJ stammte aus Oberschlesien. Am 16. April 1915 wurde der Geistliche (siehe Fotos) im oberschlesischen Ratibor geboren. Mit 20 Jahren trat er am 29. April 1935 im schlesischen Mittelsteine in das Noviziat des Jesuitenordens ein.

Er starb am 7. Dezember 1992  – bis zuletzt lebte er in „Haus Sentmaring“, dem Seniorenheim der Jesuiten in Münster. (Der Orden ist einige Jahre später aus Münster ausgezogen.)

Leppich war kein üblicher Redner in gepflegten Vortragssälen, er war ein seltenes Phänomen, nämlich ein katholischer Straßenprediger. Das kennt man sonst eher von protestantischen Erweckungspredigern. Das Dach seines Autos  –  ein VW-Kombi  –  war buchstäblich seine Kanzel.

Berühmt wurde er durch seine Volks- und Straßenpredigten in zahlreichen Städten, vor allem Großstädten. In Fulda kommen 40.000 Menschen zu seinem Vortrag, sogar auf der Reeperbahn (!) in Hamburg sind es 20.000 Leute. Auch der „Spiegel“ widmete ihm damals eine Titelgeschichte.

 

Der Geistliche wollte die religiös entwurzelten Massen unserer Zeit direkt „abholen“ und mit der Botschaft Christi in Kontakt bringen. Dazu halfen ihm seine schlagfertige und handfeste Redeweise, die zartere Gemüter auch als derb empfinden konnten.

In seiner kernigen, zugespitzten Art kritisierte er die Mißstände der beginnenden Wohlstandsgesellschaft, Egoismus und mangelnden Einsatz für Menschen in Not.

Wegen seiner eindeutigen Standpunkte und der teils scharfen Sprache nannte man ihn in der Adenauerzeit „das Maschinengewehr Gottes.“

Durch Reisen nach Pakistan, Indien, Thailand und Nordamerika lernte er Armut und Not in der Welt kennen und organisierte zahlreiche Hilfsaktionen.

Die in manchen Hotelzimmern ausliegenden Bibeln gehen u.a. auch seine Anregung zurück, ebenso der bekannte SOS-Auto-Aufkleber („Bei Lebensgefahr ruft einen katholischen Priester“), den unser Christoferuswerk in Münster seit langem  –  auf Leppichs ausdrücklichen Wunsch hin  –  herausbringt. – Näheres siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2012/09/09/unser-exklusiver-sos-aufkleber-bei-lebensgefahr-ruft-einen-katholischen-priester/

In vielen Städten, in denen P. Leppich tausende Menschen begeisterte, bildete er kleine Gruppen von aktiven Gläubigen. Diese ‚Pater-Leppich-Kreise‘ entfalteten sich zu einer großen Laienbewegung, die sich in den sechziger Jahren ‚Action 365′ nannte.

Bis Ende der 60er Jahre gab es etwa 2000 Teams in 33 Ländern, die auch sozial tätig waren. So haben 80 Mitglieder des Pater-Leppich-Kreises auf dem jüdischen Friedhof in Augsburg neue Wege angelegt und ca. 200 Gräber hergerichtet.

Der Name der „Aktion 365“ bezog sich auf  die Tage eines Jahres und bezog sich auf die Bibel: Jeder Tag sollte mit dem Lesen der Heiligen Schrift beginnen. Leppich brachte dazu eine Bibel mit täglichen Lese-Hinweisen und Kurz-Kommentaren heraus, die sich am praktischen Leben orientierten.

1971 spaltete sich die Bewegung zur Enttäuschung Leppichs. Die „Action 365“ wurde ihm inhaltlich zu unklar und zu ökumenisch; daher rief er neue Pater-Leppich-Kreise in vielen Städten ins Leben.
Der Geistliche konnte nicht „nur“ mitreißend reden, sondern war auch musikalisch begabt (siehe LP).

Günter Stiff, der katholische Jugendschriftsteller und Gründer des Christoferuswerks (das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt), gehörte von Anfang an zur Leppich-Gruppe in Münster und war ein guter Freund des bekannten Straßenpredigers, wobei sie einen kameradschaftlichen, „hemdsärmeligen“, offenherzigen Umgang pflegten. Leppich nahm ihm dabei direkte Kritik nicht übel (und umgekehrt). Ich habe diese Spätphase im Leben Leppichs noch selber in Münster miterlebt.

Der Geistliche übernahm bereits nach dem Krieg die seelsorgliche Betreuung des Flüchtlingslagers Friedland mit seinen vielen Ostvertriebenen, Spätaussiedlern und Rückkehrern aus russischer Gefangenschaft.

Pater Leppich erreichte große Menschenmassen, die mit den üblichen kirchlichen Mitteln nicht zu erreichen waren. Etwa 70 Prozent seiner Hörer waren mehr oder weniger kirchenfern. Viele Suchende hat er zum Nachdenken und manche auch zum Glauben geführt.

Nach seinen Abendansprachen auf den großen Plätzen in Städten gab es auch eine Gelegenheit zur Beichte. Meist waren mehrere Priester dabei bis gegen Mitternacht eingesetzt.

Wenige Tage nach einer Bauchoperation starb er auf der Intensivstation. Zur Beisetzung auf dem Ordensfriedhof in Münster waren so viele Besucher gekommen wie sonst nur selten.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 

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+ Wir trauern um Kaplan René Pfeiffer +

Vor genau 16 Jahren zum Priester geweiht

Wir konnten es kaum fassen, als wir kürzlich durch einem befreundeten Kaplan erfuhren, daß ein Mitbruder überraschend verstarb bzw. tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde  –  nämlich unser jahrzehntelanger Freund: Kaplan René Pfeiffer aus Berlin.

Noch wenige Tage zuvor hatte ich ihm zu seinem Geburtstag und Namensfest gratuliert, wobei er keine gesundheitliche Probleme erwähnte. Auch sonst schien er recht guter Dinge zu sein und wir führten ein gutes Telefonat.

Bei seinem vorletzten Anruf plante er, uns in Münster wieder für einige Tage zu besuchen, wofür der kommende Winter aber nicht so passend war, daher verschoben wir dies aufs nächste Frühjahr.

Der Geistliche  – geboren am 11. November 1970 in Potsdam – wurde am 1. Dezember 2001 in der Hedwigs-Kathedrale zu Berlin von Kardinal Sterzinsky zum Priester geweiht  –  also auf den heutigen Tag genau vor 16 Jahren.

Wenn unser Verlagsleiter und Jugendschriftsteller Günter Stiff Leserbriefe durchstudierte, die ihm besonders gefielen, schrieb er mit einem dicken Filzschreiber Ia (Eins-A) darüber – so geschah es auch bereits bei Renès erster Zuschrift vom 2.9.1990. 

„Konservativ, aber dennoch nicht verstaubt“

Er bestellte darin einiges aus unseren Angeboten sowie unsere Jugend-Zeitschrift KOMM-MIT. Unsere KM-Schriften bekam er von seinem Heimatpfarrer geschenkt und war „sehr erfreut“ darüber.

Zudem schrieb uns der damals 19-Jährige: „Bei vielen anderen christlichen Jugendzeitschriften hatte ich bis jetzt fast immer den Eindruck, daß dort mehr der „zeitliche Ungeist“ statt dem Heiligen Geist zum Zuge kam. So kann ich euch nur gratulieren: Ihr seid konservativ, aber dennoch nicht verstaubt, sondern spritzig und aktuell.“

Sodann berichtete er, daß er von Potsdam nach Magdeburg zog, um „meine Ausbildung zum katholischen Priester zu beginnen“. Er holte dort sein Abitur nach (später kam er ins Priesterseminar nach Erfurt).

Unser KOMM-MIT-Freund hat im Magdeburger Norbertuswerk wieder die Schulbank gedrückt, denn von Haus aus war er Facharbeiter für Werkzeugmaschinen. Sein Vater arbeitete als Maurer, seine Mutter stammte aus Oberschlesien. Gefirmt wurde René von Kardinal Meisner, der zu kommunistischen Diktatur-Zeiten als Oberhirte von Berlin amtierte (später Erzbischof von Köln).

Traditionsbewußt und jugendbewegt zugleich

Unser erstes FOTO zeigt René in jungen Jahren beim Zelten am Lagerfeuer. Unser Freund war sehr jugendbewegt, sportlich, unternehmungslustig, kontaktfreudig  – und zugleich traditionsbewußt. Er liebte konservative Inhalte in zeitgemäßen Formen – so wie er dies in unserem KOMM-MIT-Verlag und Christoferuswerk vorfand.

Das zweite FOTO stammt von einem der ersten Besuche des jungen Priesteranwärters als Ferienhelfer bei uns in Münster –  er hat unsere KOMM-MIT-Jugendzeitschrift in der Hand und sitzt auf unserem Redaktionstisch.

BILD: Gedenkzettel an die Priesterweihe (1. Dez. 2001)

Wir haben uns mit René wegen seiner frischen, unkomplizierten, freundlichen und aufrichtigen Art stets prima verstanden – es gab nie Streit oder Konflikte, nur in Nebensachen manchmal andere Ansichten, was aber keinen störte.

Auch er war grundsatztreu und tolerant zugleich. Einer seiner besten Freunde war ein jüngerer evangelischer Kamerad.

René fühlte sich der katholischen Tradition verbunden, ohne dabei jedoch verbissen oder gar fanatisch zu sein. Er schätzte persönlich die klassische, überlieferte Liturgie (sog. „alte Messe“), zelebrierte aber im Normalfall die übliche Meßfeier, was in den Pfarrgemeinden auch gar nicht anders möglich war.

Präfekt bei den Wiener Sängerknaben

Besonders gefreut hat René sich darüber, daß er am Ende seines Theologiestudiums 1996 zu den Wiener Sängerknaben übersiedeln konnte – aber nicht, um dort im Chor mitzusingen, sondern als Präfekt, als geistlicher Leiter der etwa hundert Jungen. Diese Zeit in der österreichischen Hauptstadt war eine der schönsten Phasen seines Lebens, denn die Jugendarbeit lag ihm besonders am Herzen.

Einige Jahre später, als er Priesteramskandidat war, gehörte er mehrfach zur Leitung von Familienfreizeiten der traditionsorientieren Petrusbruderschaft in Obertauern.

Sowohl über seine Wiener Sängerknaben-Zeit wie auch über seine Freizeit-Einsätze in Obertauern haben wir informative und anschaulich geschriebene Berichte in unserer KOMM-MIT-Jugendzeitschrift veröffentlicht, zudem seine Fahrtenberichte und Stellungnahmen zu aktuellen Themen.

Auch hier im CHRISTLICHEN FORUM hat sich René zu Wort gemeldet. So befaßte er sich kritisch mit der Erklärung der Dt. Bischofskonferenz zur Bundestagswahl 2013: https://charismatismus.wordpress.com/2013/09/15/kritik-eines-junges-priesters-am-hirtenwort-der-dt-bischofe-zur-bundestagswahl/

Im Jahre 2009 beteiligte er sich als Kaplan am Marsch für das Leben in Berlin und hielt darüber eine Predigt: http://www.dvck-sosleben.de/nachrichten/news_81.html

Auf sein Primizbild zur Priesterweihe setzte er die bescheidenen Worte: „Ein Priester muß sein: ganz groß und ganz klein…ein Held, der sich selbst bezwungen, ein Mensch, der mit Gott gerungen. Ein Quelle von heiligem Leben, ein Sünder, dem Gott vergeben…Feststehend in sich. Ganz anders als ich. Betet für mich!“

„Betet für mich!“  –  Ja, diese Bitte gilt auch nach seinem Heimgang in die Ewigkeit: R.I.P.  – Unser unvergeßlicher Freund René möge eingehen in die Freude des HERRN!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Weiterer NACHRUF auf den verstorbenen Kaplan aus einer Berliner Pfarrei siehe hier: http://www.mater-dolorosa-lankwitz.de/wiki/doku.php/personen%3arene_pfeiffer


Nicht Friedhöfe, sondern Kirchplätze sollten als Spielwiese für Kinder dienen

Von Felizitas Küble

Wie die evangelische Nachrichtenagentur IDEA am 22. Oktober berichtet, sollen Friedhöfe Orte der Begegnung werden, wenn es nach dem Theologe Oliver Wirthmann geht, der auch als Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur fungiert.

Die Grabfelder könnten – so Wirthmann  –  z.B. durch die Einrichtung von Spielplätzen und Cafés attraktiver gestaltet werden. Gerade für Kinder sei es wichtig, dass das Thema Tod nicht tabuisiert werde.

Aus Sicht der Evangelischen Kirche von Westfalen sei die Einrichtung von Spielplätzen nicht ausgeschlossen, erklärte Landeskirchenrat Martin Bock auf Anfrage von IDEA.

Bei aller Anerkennung des Bemühens, den Tod nicht verdrängen zu wollen, erscheint uns dieser Vorschlag doch reichlich an den Haaren herbeigezogen.

Viel naheliegender wäre es, die Anregung des katholischen Jugendschriftstellers Günter Stiff aufzugreifen, die oft recht weiträumigen Rasen- oder Kiesplätze um die Kirchen als Spielplätze zu nutzen und den Kindern zur Verfügung zu stellen. Der 2002 verstorbene Gründer und Leiter des KOMM-MIT-Verlags hat diese Idee in seinem jährlichen KOMM-MIT-Kalender bereits in den 80er Jahren vorgeschlagen.

Erfreulicherweise gibt es auch Pfarrgemeinden, die diese Anregung in die Tat umgesetzt haben, z.B. die Joseph-Kirche in Münster an der Hammerstraße.

Wie unsere Fotos zeigen, wird dort auf dem Rasenplatz um die Kirche fröhlich gespielt  – meist sind es so wie hier ein halbes Dutzend Jungen und Mädchen.

Zudem weist eine Info-Tafel eigens darauf hin, daß es sich um eine „Spielwiese für Kinder“ handelt – und Hundebesitzer darauf Rücksicht nehmen sollen.

Wenn wir diesen Vorschlag vorbrachten, kam mitunter der Einwand, das Kindergeschrei könne die Gottesdienstbesucher stören. Aber abgesehen davon, daß es die Schüler wohl nicht ausgerechnet am Sonntagvormittag zum Spielen treibt (wo sie sowieso kaum aus den Betten kommen), hält sich der Lärm eines üblichen Hand- oder Fußballspiels doch meist  in Grenzen.

Mit solchen Spiel- und Sportplätzen nutzt die Kirche den Rasen sinnvoll zugunsten der Jugend  – das ist Kinderfreundlichkeit in der Praxis!


Der TOD ist das TOR zum LEBEN

Mit freundlicher Genehmigung des katholischen Priesters und Dogmatikers Prof. Dr. Joseph Schumacher aus Freiburg (siehe Foto) dokumentieren wir seine Traueransprache anläßlich der Beerdigung von Ingeborg Zech am 5. Juli 2017 in Bad Oeynhausen.

Die katholische Apothekerin, Bioethik-Expertin und Vortragsrednerin gehörte zu unserem Freundeskreis und war eine Leserin dieses CHRISTLICHEN FORUM.  –  Hier folgt die Predigt von Prof. Schumacher im vollen Wortlaut:

Mors porta vitae. Der Tod ist das Tor zum Leben.  –  Das hat die Verstorbene, die wir heute zu Grabe tragen, gelebt, freilich gegen den Zeitgeist.

Der Zeitgeist verweigert das Denken. Da werden Widersprüche aufgehoben und subjektive Meinungen werden da unumstößlich, während man gleichzeitig behauptet: Es gibt nichts Unumstößliches, es gibt nichts Bleibendes.

Wir verzichten auf das logische Denken, wenn wir behaupten, dass es nur diese eine Wirklichkeit gibt, in der wir leben.

Der griechische Philosoph Platon – er lebte im 5. und 4. vorchristlichen Jahrhundert – erklärt: Der Mensch kann Ewiges denken, also muss etwas Ewiges in ihm sein. Das aber ist die unsterbliche Geistseele, die nicht sterben kann.

Die Religionen der Menschheit sind ein lebendiger Beweis dafür, dass der Mensch in der Gestalt seiner Seele den Tod überdauert, ja, dass der Tod des Menschen gar gegen allen äußeren Anschein die Geburt für ein neues Leben ist.

Der Glaube an das Leben jenseits der Todesschwelle ist nicht erst das Ergebnis der alttestamentlichen und der neutestamentlichen Offenbarung. Immer schon hat die Ahnung von einem Leben jenseits der Todesschwelle das Leben der Menschen verklärt.  Das bezeugen nicht nur die  Religionen der Menschheit, davon reden auch nicht wenige Philo-sophen in der Geschichte der Menschheit. Unbewusst hat der Mensch schon immer damit gerechnet, dass der Tod nicht das Ende schlechthin ist.

Der Physiker Albert Einstein († 1955) erklärt nach dem Besuch eines Konzertes von Yehudi Menuhin († 1999): „Jetzt weiß ich, dass es die Transzendenz, dass es einen Gott im Himmel gibt“.

Nicht nur die Philosophie, auch die Kunst, vor allem auch die Musik, führt uns also zu jener Welt, die nicht der Vergänglichkeit unterworfen ist, die aber nichtsde-stoweniger eine Wirklichkeit ist.

Der Biologe  Joachim Illies († 1882) vergleicht das Sterben eines Menschen mit dem Geburtsvorgang und nennt den Tod den schmerzlichen Hinübergang des Menschen in eine neue Daseinsweise.

Er betont dabei, dass der Übergang in eine neue Daseinsweise immer schmerzlich, immer mit Schmerzen verbunden ist. Ihm, dem Biologen,  ist das schon vor mehr als drei Jahrzehnten zu einer existentiellen Erfahrung geworden.

Geboren werden wir in eine Welt der Geheimnisse, die Welt aber, in die wir hineinsterben, sie birgt weit größere Geheimnisse. Denn diese Welt ist sichtbar, jene aber ist un-sichtbar.

„Occido cum sole”, so lautet die Inschrift eines Grabsteins auf einem Friedhof in Genua: „Ich gehe unter gleich wie die Sonne”. Das ist ein schönes Bild für das Sterben. Denn die Sonne, die untergeht, verliert nicht ihre Existenz, sie wird vielmehr nur unsichtbar. So ist es, wenn ein Mensch stirbt.

Die Seele lebt weiter in jener unsichtbaren Welt, welche die Bedingung ist für die Existenz dieser unserer sichtbaren Welt ist, und wartet auf die Auferstehung der Toten, wie wir im Credo bekennen. So weit ist das Bild von der untergehenden Sonne auf den Tod des Menschen anwendbar, aber nur so weit.

Nicht anwendbar ist es auf den Tod des Menschen, wenn wir daran denken, dass jedem Abend und jeder Nacht wieder eine neuer Tag folgt, der in einem neuen Abend und in einer neuen Nacht seine Bestimmung hat. Anders ist das nämlich beim Sterben eines Menschen. Auch ihm folgt ein neuer Tag. Aber dieser unterscheidet sich wesentlich von dem zu En-de gegangenen. Denn dieser Tag kennt keinen Abend mehr. Er mündet in die Ewigkeit. 

Die Auffassung, dass der Tod das absolute Ende ist, diese Auffassung  ist eine zweifelhafte Errungenschaft erst unserer jüngsten Vergangenheit und unserer Gegenwart. Im-merhin gibt es heute für mehr als 50% unserer Zeitgenossen mitnichten ein Weiterleben nach dem Tod. Für so viele ist der Tod das definitive Ende. Von Dreien ist es vielleicht einer, der noch von dem Weiterleben nach dem Tod überzeugt ist.

Die einen sagen: Sterben heißt vergehen, und die anderen: Wir wissen nichts über den Tod und werden nie etwas erfahren über ihn – ignoramus et ignorabimus.

Die Vernunft hingegen sagt, und der christliche Glaube bestätigt es: Es folgt ein neues Leben. Denn nur das Sterbliche stirbt am Menschen. Der Mensch aber ist mehr als seine Leiblichkeit. In dieser seiner Leiblichkeit wohnt der Geist. Der aber kann nicht sterben, weil er immateriell ist. Diese Erkenntnis ist im Grunde die Geburtsstunde der Religion, die eigentlich zum Menschsein des Menschen gehört.

Was die Menschen immer gewusst haben, dass der Tod nicht das definitive Ende ist, dass es weitergeht, dass der Mensch eine unsterbliche Seele hat, das wird heute immer mehr zur Frage, obwohl wir diese Wirklichkeit schon mit unserem Denken erreichen können. Allein, das Vertrauen auf die Vernunft schwindet dahin.

Darüber klagt der Philosoph Jacques Maritain († 1973) mit eindrucksvollen Worten, über das schwindende Vertrauen auf die Vernunft, über die metaphysische Skepsis, die im Wachsen begriffen ist. Die metaphysische Skepsis wächst und breitet sich aus im Schatten unserer Gedankenlosigkeit und Oberflächlichkeit, im Schatten vor allem auch der gigantischen Manipulation der modernen Medien, wodurch wir auf das Vordergründige fixiert werden.

Bedenken wir noch ein Weiteres: Immer stirbt der Mensch allein, ganz allein, in letzter Einsamkeit. „On mourra seul” sagt der fromme Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal. Er starb im Jahre 1662.

Den Hinübergang in die Ewigkeit müssen will alle allein vollziehen. Kein Mensch kann uns da begleiten. Nur einer, der Gottmensch, er kann mit uns gehen. Denn er ist schon drüben, und dennoch ist er, gemäß seiner Verheißung, bei uns.

„Nur einer gibt Geleite“, so singen wir in dem Lied „Wir sind nur Gast auf Erden”. Er geht mit uns, und seine heiligen Engel begleiten uns, wenn wir uns ihm und ihnen anvertrauen.

Pilger sind wir und Fremdlinge in dieser Welt, unser Ziel ist die himmlische Heimat. Dass wir sie erreichen möchten, darauf muss unser Mühen und Kämpfen ausgerichtet sein. Der Tod ist die Bilanz des Lebens, dem Tod folgt das Gericht. Auch das wissen die Religionen der Menschheit allgemein.

In der Geheimen Offenbarung, dem letzten Buch des Neuen Testamentes lesen wir: „Selig sind die Toten, die im Herrn sterben“ (Apk 13,14) und im Alten Testament, im Buch des Predigers: „Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen (Pred 11,3).

Es gilt, dass wir in Treue und Gewissenhaftigkeit den Willen Gottes erfüllen, ein Leben lang. Gottes Gnade tritt in der Regel nicht an die Stelle unseres Bemühens. Die Gemeinschaft mit Christus muss in einem Leben des Gebetes und in der täglichen Nachfolge Christi geübt und eingeübt werden. In der Gemeinschaft mit Christus gehen wir nicht dem Dunkel, son-dern dem Licht entgegen, und zwar einem unbeschreiblichen Licht.

Wenn wir zu leben verstehen, ist der Tod nicht Ende, sondern Vollendung. Wir tun gut daran, diese Vollendung stets vor Augen zu haben. Gott erweist sich uns als ein treuer Gott, wenn wir ihm die Treue halten. Wenn wir nicht von ihm lassen in den Fährnissen des Lebens, wenn wir auf ihn vertrauen und sein Wort annehmen, dann erweist er sich uns als ein treuer Gott auch über die rätselhafte Schwelle des Todes hinaus.

Gott ist ein Gott der Lebenden, weil er das Leben schlechthin ist, weil alles Leben aus ihm hervorgeht. Er hat nie begonnen, immer ist er gewesen, und immer wird er sein.

Wir brauchen den Tod nicht zu fürchten, wenn wir wachsam sind, wenn wir beharrlich sind in der Treue, wenn wir die Zeit nutzen für die Ewigkeit, die Zeit, die kurz ist.

„Denke immer an das Ende und daran, dass die verlorene Zeit nicht wiederkehrt“, heißt es in der „Nachfolge Christi“ des Thomas von Kempen (1, 25, 11).

Demgemäß erinnert uns Bischof Johann Michael Sailer († 1832) daran, dass Todesgedanken fast immer unsere beste Philosophie und unsere treuesten Freunde sind, deshalb, weil sie uns die unangenehmste Wahrheit sagen. Angenehm wird sie, wenn wir wissen, dass dann dem Karfreitag das Osterfest folgt, wenn wir ihn, den Karfreitag, in der Gemeinschaft mit Christus bestanden haben.

Das Weizenkorn wird gemäß einem zentralen Jesus-Wort in die Erde gelegt, damit es dem Erntetag entgegenreift (Joh 12, 24). Amen.

Weitere Ansprachen, Artikel, Vorträge, Vorlesungen von Prof. Schumacher gibt es hier: http://www.theologie-heute.de/


Grab eines islamkritischen Pfarrers beschädigt

Der Ruhestands-Pfarrer Karl Tropper, unser Freund und Mitstreiter aus St. Veit in Österreich, ist am 12. Juli dieses Jahres an den Folgen eines Schlaganfalls verstorben (siehe hier unser Nachruf: https://charismatismus.wordpress.com/2017/07/14/wir-trauern-um-pfarrer-karl-tropper/)

Der 79-jährige katholische Geistliche war auch als Publizist bekannt – seine gehaltvollen Pfarrerbriefe  wurden weit über die Alpenrepublik hinaus gelesen. Zudem verfaßte er einen inhaltsreichen Bildband über das Kreuz, seine Bedeutung und vielfältige Symbolik. 

Der ebenso freundliche wie unbeirrbare, theologisch konservative Priester nahm kein Blatt vor den Mund. In den letzten Jahren warnte er vor allem vor einer Islamisierung Europas.

Heute erfuhren wir aus seinem Freundeskreis, daß das Grab von Pfarrer Tropper kürzlich in diesem trostlosen Zustand (siehe Foto) angetroffen wurde: Das Kreuz und der Grabschmuck waren komplett entfernt.

Eine Familienmutter, die den Geistlichen gut kannte, hat bei der Polizei sogleich Anzeige erstattet.

 


Amsterdamer Erscheinung und die kuriose Todes-„Prophetie“ über Papst Pius XII.

Von Felizitas Küble

Die zahlreichen Botschaften der sogenannten Frau aller Völker in Amsterdam füllen ein umfangreiches „Blaues Buch“ (so nennt man es gerne in Anhängerkreisen).

Schaut man sich diese „Offenbarungen“ näher an, kann man sein blaues Wunder erleben: Die Seherin Ida Peerdemann präsentiert sich gerne als Prophetin, die Zukünftiges voraussagt, allerdings gibt sie dies erst bekannt, wenn das Ereignis schon eingetreten ist. 

Eine solche Nachher-Prognose findet der Leser in dem 1967 erschienenen Büchlein „Die Botschaft der Frau aller Völker“ von Pater Hermann Brouwer (siehe Abbildung unten). Der Autor ist ein überzeugter Anhänger der Peerdemann-Visionen und gab die Publikation im Namen des Amsterdam-Komitees heraus.

Auf Seite 20 wird erwähnt, daß Papst Pius XII. (siehe Foto) am 9. Oktober 1958 starb, was immerhin stimmt. Dann heißt es dort, daß die Seherin am 19. Februar 1958, also rund 8 Monate vorher, folgende Botschaft der „Frau aller Völker“ erhalten habe:

„Ich will dir etwas mitteilen, wovon du keinem, selbst dem Sacristan und deinem geistlichen Führer nichts sagen darfst. Wenn es eingetroffen ist, darfst du ihnen sagen, daß die Frau es dir jetzt gesagt hat.

Die Mitteilung lautet: Hör zu, dieser Heilige Vater, Papst Pius XII. wird Anfang Oktober dieses Jahres zu den Unseren aufgenommen werden. Die Frau aller Völker, Miterlöserin, Mittlerin und Fürsprecherin, wird ihn zur ewigen Freude geleiten.“

Fast möchte man sagen: Es darf gelacht werden!

Welchen Sinn hat solch eine „prophetische“ Botschaft, wenn die Empfängerin sie ohnehin niemandem berichten darf, nicht einmal ihrem Beichtvater bzw. Seelenführer? Was soll also dieser (un)heimliche Zirkus?

Außerdem wirkt die Bezeichnung „Heiliger Vater“ für den Papst bei der (angeblichen) Gottesmutter etwas merkwürdig, denn sie ist als Geschöpf die größte Heilige aller Zeiten, während bei den Päpsten zunächst nur das Amt als solches heilig (da von Christus gestiftet) ist – aber damit nicht automatisch auch der jeweilige Träger des Amtes. 

Noch befremdlicher erscheint aber der Ausdruck, Pius XII. werde dann Anfang Oktober „zu den Unseren aufgenommen“. Warum ist hier nicht von Gott, von Christus, wenigstens vom Himmel die Rede? Was heißt „zu den Unseren“ genau?!

Überdies müßte klar sein, daß die Madonna nicht allwissend ist (im Unterschied zu Gott), also von ihren eigenen Möglichkeiten her nicht vorauswissen kann, wann der Papst stirbt und wie sein ewiges Schicksal aussehen wird.

Darüber kann sie nur Kenntnis erlangen, wenn ihr diese vom Ewigen selbst geoffenbart wird. Aber sollte der Höchste dies etwa deshalb tun, damit Maria diese „heiße Info“ der Dame Ida Peerdemann zu Amsterdam ins Ohr flüstert, die diese Causa aber erst nach Eintreffen der Ereignisse „verkünden“ darf, wenn es ohnehin keinen mehr interessiert?!

Natürlich ist auch der Titel „Miterlöserin“, der in dieser Papst-Tod-Prognose vorkommt, keine amtliche kirchliche Bezeichnung für die Gottesmutter, sondern u.a. eine spezielle Marotte diverser „Privatoffenbarungen“, darunter eben auch jener von Amsterdam. (Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/11/papst-titel-miterloserin-fur-maria-verdunkelt-den-wesentlichen-vorrang-christi/)

 

 

 


Israel Kristal, ältester Mensch der Welt und Holocaust-Überlebender verstorben

Der Auschwitz-Überlebende Israel Kristal, der als ältester Mensch der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde eingegangen war, ist verstorben. Kristal, der im kommenden Monat seinen 114. Geburtstag gefeiert hätte, sei am Mittwoch im israelischen Haifa verstorben, teilte seine Familie mit.

Er sei ein „wunderbarer Vater“ gewesen, so eine seiner Töchter nach seinem Tod: „Trotz allem, was er durchgemacht hat, und er hat ja seine gesamte Familie in der Shoah verloren, war er sehr optimistisch. In jeder Sache hat er immer nur das Positive gesehen.“

Kristal wurde 2014 als ältester noch lebender Holocaust-Überlebender anerkennt und war vor etwas anderthalb Jahren als ältester lebender Mensch ins Guinness-Buch aufgenommen worden.

Die Lebensgeschichte Kristals erstreckt sich über das gesamte 20. Jahrhundert. Er wurde am 15. September 1903 im polnischen Zarnow geboren. Zwischen den beiden Weltkriegen eröffnete in Lodz eine Süßigkeitenfabrik und heiratete. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hatte das Ehepaar bereits zwei Kinder, die beide verstarben, während die Familie im Ghetto Lodz lebte.

Das Zuckerbäckerhandwerk habe ihren Vater lange vor der Deportation ins Lager bewahrt, so erzählte seine Tochter in einem Interview mit „ynet“. Die Deutschen hätten für Geburtstage und Hochzeiten stets Süßigkeiten benötigt und deshalb nicht auf deren Produzenten verzichten wollen.

Kristal und seine Frau blieben bis zum Mai 1944 im Ghetto und wurden erst mit einem der letzten Transporte nach Auschwitz deportiert. Bei seiner Befreiung wog Israel Kristal 37 kg, seine Frau hatte die Zeit im Lager nicht überlebt.

Nach Kriegsende kehrte Kristal zunächst nach Lodz zurück und gründete seine Süßigkeitenfabrik neu. Er lernte seine zukünftige zweite Ehefrau kennen, die ebenfalls ihre Familie in der Shoah verloren hatte. 1950 wanderte das Paar nach Israel aus und gründeten in Haifa ebenfalls eine Fabrik für Süßigkeiten.

Das Ehepaar Kristal bekam drei gemeinsame Kinder, von denen allerdings eines noch im Säuglingsalter verstarb. Israel Kristal hinterlässt neben einer Tochter und einem Sohn zahlreiche Enkel und Urenkel.

Quelle: Israelische Botschaft / Ynet