Notfallbehandlung nicht aus Angst vor einer Corona-Infektion verschieben

Pressemeldung der Universitätsmedizin Mainz:

Patienten, die eigentlich dringend medizinisch zu versorgen wären, aus Angst vor eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 aber nicht oder sehr spät angemessene medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, setzen sich einem hohen Gesundheitsrisiko aus.

Die Universitätsmedizin Mainz appelliert daher an jeden, der Hinweise auf einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall verspürt oder einer anderen dringenden medizinischen Behandlung bedarf, sich umgehend in der Universitätsmedizin Mainz zu melden. Diese versorgt auch während der COVID-19-Pandemie dringend behandlungsbedürftige Patienten.

Das Coronavirus SARS-CoV-2 kann auch indirekt zu einer ernsthaften Gefahr für die Gesundheit werden. Nämlich dann, wenn Patienten, die wegen einer schweren Erkrankung dringend, eventuell sogar als Notfall zu versorgen wären, sich aus Angst vor eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 aber nicht oder sehr verspätet behandeln lassen.

Die Universitätsmedizin Mainz warnt dringend vor einem derartigen Vorgehen. Insbesondere bei Herzinfarkten und Schlaganfällen ist schnelle medizinische Hilfe wichtig. Minuten können über Leben und Tod entscheiden. Entsprechende Symptome sind daher ernst zunehmen.

Die Universitätsmedizin Mainz betont, dass ihre Experten auch aktuell Tumorerkrankungen oder andere akut behandlungsbedürftige, beispielsweise dringende kardiologische und neurologische Erkrankungen, versorgen.

An der Universitätsmedizin Mainz werden elektive Behandlungen nur dann verschoben, wenn dies medizinisch vertretbar ist, d.h. die Gesundheit des Patienten dadurch nicht beeinträchtigt wird. Täglich berät ein Expertengremium sorgfältig über jeden Einzelfall. Dies geschieht vor allem auch in dem Wissen, dass das Risiko für einen Patienten aufgrund eines nicht behandelten, akuten Geschehens gesundheitlichen Schaden zu nehmen, sehr groß sein kann.

Das von vielen befürchtete Risiko, sich in der Universitätsmedizin Mainz mit dem Coronavirus zu infizieren, ist im Vergleich nicht nur geringer, es unterscheidet sich kaum vom alltäglichen Risiko. Dies liegt an den umfassenden Schutz- und Isolationsmaßnahmen, die mit medizinischer Expertise speziell ergriffen worden sind. So sind etwa unsere Covid-19-Patienten in speziellen, sehr gut abgetrennten Bereichen untergebracht.

 


Können Immuntherapien bei Krebs helfen?

Neue Erkenntnisse über Immunreaktionen gegen Krebszellen

Das Immunsystem des Menschen ist in der Lage, Tumorzellen als abnormale Zellen zu erkennen und zu vernichten. Jedoch gelingt es vielen Tumorzellen, unerkannt zu bleiben und sich weiter zu teilen.

Mit jährlich rund 18 Millionen Neuerkrankungen weltweit (Stand 2018) haben Krebsbehandlungen eine hohe Relevanz.

Voraussetzung, um neue Therapieansätze erforschen zu können, sind neue Erkenntnisse über die Immunreaktionen gegen Krebszellen. Das Centrum für Thrombose und Hämostase der Universitätsmedizin Mainz (CTH) konnte im Mausmodell einen bislang unbekannten Einfluss der Blutgerinnung auf die Anti-Tumor-Immunreaktion des Körpers aufzeigen.

Damit könnte es gelingen, einen neuartigen klinischen Ansatz in der Immuntherapie von Krebs und anderen Erkrankungen zu entwickeln. Die Ergebnisse wurden in der Septemberausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Science Immunology“ veröffentlicht.

In den letzten Jahren haben Immuntherapien im Rahmen der Krebsbehandlung zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Für eine effektive körpereigene Immunreaktion gibt es eine entscheidende Barriere: Krebszellen sind in der Lage, das Immunsystem zu überlisten. Die Umgehung des Immunsystems erfolgt im Tumorgewebe, das sich in vieler Hinsicht von normalen Organen unterscheidet. Es besteht neben den Tumorzellen aus einer ganzen Reihe von Immunzellen, aus abnormalen Blut- und Lymphgefäßen sowie der extrazellulären Matrix.

Die zellulären Komponenten beeinflussen sich gegenseitig und die Funktionen der Immunzellen im Tumorgewebe werden von Molekülen einschließlich Zytokinen reguliert. Durch diesen Prozess wird die Anti-Tumor-Immunreaktion abgeschwächt. Vor diesem Hintergrund kann die Plastizität angeborener Immunzellen zum Scheitern gezielter Immuntherapien beitragen.

Ein wesentlicher Durchbruch in der Krebstherapie gelang mit der Einführung von Medikamenten, sog.Checkpoint-Inhibitoren, die bestimmte Ausweichmechanismen der Tumorzellen aufheben können.

Allerdings ist diese Therapieform nicht bei allen Patienten wirksam. Wissenschaftler um Prof. Dr. Wolfram Ruf, Direktor des Centrum für Thrombose und Hämostase der Universitätsmedizin Mainz, und die Juniorgruppenleiterin Dr. Claudine Graf haben nun neue Erkenntnisse in der Krebsforschung erzielt:

Sie entdeckten im Mausmodell einen bislang unbekannten Einflussmechanismus der Blutgerinnung auf die Anti-Tumor-Immunreaktion des Körpers.

Die bisherigen Erkenntnisse der Gerinnungsforschung bilden die Basis für den aktuellen Forschungserfolg des CTH und seinen wissenschaftlichen Partnern: Bekannt ist, dass bösartige Zellen das Gerinnungssystem aktivieren. Das führt dazu, dass sich im Körper von Krebspatienten häufiger Blutgerinnsel (Thrombosen) ausbilden. Zugleich ermöglicht das derart aktivierte Gerinnungssystem die Metastasierung von Tumorzellen.

Darüber hinaus leistet das Gerinnungssystem einen wesentlichen Beitrag zur angeborenen Immunreaktion: Es verhindert, dass sich die Entzündungsreaktionen ausbreiten und es unterstützt die Wundheilung. Die neuen Untersuchungen der Mainzer Wissenschaftler zeigen nun, dass diese Funktion des Gerinnungssystems schon früh von Tumoren ausgenutzt wird, um eine effiziente Immunreaktion und damit die Eliminierung von Tumorzellen zu verhindern. Wie die Forscherinnen und Forscher zudem in ihrer Publikation nachweisen, lässt sich die Immunreaktion gegen den Tumor mit bestimmten oralen Antikoagulantien, d.h. Medikamenten zur Blutverdünnung, wiederherstellen.

„Die Medikamente zur Blutverdünnung verstärken im Mausmodell die Wirksamkeit von Checkpoint-Inhibitoren“, so Dr. Claudine Graf. „Wir haben damit eine mögliche neue Therapieoption zur Verbesserung der Immuntherapie bei Malignomen gefunden, die in Zukunft eventuell auch beim Menschen Anwendung finden könnte – für die translationale Forschung wäre das ein großer Schritt.“

CTH-Juniorgruppenleiterin Dr. Claudine Graf hat in Zusammenarbeit mit Professor Ruf und weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Mainz und in den USA nachgewiesen, dass Zellen des angeborenen Immunsystems, insbesondere die im Tumor befindlichen Makrophagen, sogenannte Fresszellen, den Gerinnungsfaktor X (FXa) produzieren.

Dieser leistet einen wesentlichen Beitrag zur immunsuppressiven Wirkung. Wird der von den Tumorfresszellen gebildete Gerinnungsfaktor FXa durch den Einsatz von direkten sogenannten FXa-Inhibitoren gehemmt, lassen sich folgende drei Effekte erzielen: Erstens verlangsamt sich das Tumorwachstum, zweitens bilden sich weniger Metastasen und drittens entstehen mehr und aktivere Immunzellen, die Tumorzellen angreifen.

Quelle (Text/1. Foto): Universitätsmedizin Mainz