Ägypten: Koptischer Ex-Mönch Tawadros gesteht Mord an Bischof Epiphanius

Der Ägypter Wael Saad Tawadros, der noch bis vor wenigen Tagen Mönch des Klosters St Makarios war, wurde von den ägyptischen Justizbehörden als Täter des Mordes am koptischen Bischof Epiphanius identifiziert.

Der 64-jährige Bischof war in den frühen Morgenstunden des 29. Juli in dem Kloster tot aufgefunden wurde, das er als Abt leitete. Laut ägyptischen Medienberichten gestand der ehem. Mönch das Verbrechen und erklärte, dass er Bischof Epiphanius mit einer Eisenstange getötet hatte.

Am vergangenen 5. August wurde Tawadros, der bis dahin unter dem Ordensnamen Jesaja al Makary ein Mönch von San Makarios war, aus dem Kloster verwiesen und mit einer vom koptischen Patriarchen Tawadros II. unterzeichneten Anweisung aus dem Mönchsstand entlassen.

In den frühen Morgenstunden des 29. Juli wurde die Leiche von Bischof Epiphanius auf dem Weg zur Klosterkirche in einer Blutlache gefunden. Der Bischof wollte wie gewöhnlich den Tag mit Morgengebeten starten, bevor der Sonntagsgottesdienst beginnen sollte.

Der Bischof hatte als Wissenschaftler an der Übersetzung mehrerer Bibelwerke vom Griechischen ins Arabische mitgearbeitet. Die Mönche des Klosters St. Makarios hatten ihn am 3. Februar 2013 mehrheitlich zu ihrem Abt gewählt. Er pflegte intensive Beziehungen mit Freunden und Klostergemeinschaften der katholischen Kirche.

Quelle: Fidesdienst


Weihnachtspredigt des Bischof von Regensburg zum „Vaterunser“ im vollen Wortlaut

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

In den zurückliegenden Tagen des Advents, in denen wir uns auf das Weihnachtsfest vorbereitet haben, durften wir einen, wie ich finde, sehr bemerkenswerten Vorgang miterleben.

Anlass war die Diskussion um das richtige Verständnis der sechsten der insgesamt sieben Bitten des Vaterunser „Und führe uns nicht in Versuchung“. Daraus entwickelte sich eine lebhafte öffentliche Debatte um dieses unser wichtigstes Gebet, das Jesus selbst uns geschenkt hat.

BILD: Bischof Dr. Rudolf Voderholzer von Regensburg

Wir erlebten ein ernsthaftes Ringen um das im Vaterunser zum Ausdruck kommende Gottes- und auch Menschenbild. Die Passauer Neue Presse etwa räumte der Debatte gleich zwei ganze Seiten für Leserbriefe ein. Die Bildzeitung übernahm gar die Rolle kirchlicher Lehrverkündigung, indem es die vermeintlich richtige Version ins Licht stellte.

Unabhängig von den einzelnen Inhalten und den ausgetauschten Argumenten war allein diese Tatsache im Grunde sensationell.

In einer Zeit, in der viele versuchen, Religion als reine Privatsache aus der Öffentlichkeit zu verbannen oder sie totzuschweigen; in einer Zeit, in der es nicht unwahrscheinlich ist, dass jemand das Glaubenszeugnis eines Prominenten als „peinlichen Vorfall“ empfindet und sich darüber fremdschämt – wie Bert Brecht angesichts der Konversionsmitteilung seines Schriftstellerkollegen Alfred Döblin im Jahr 1943;

angesichts vieler Anzeichen fortschreitender Säkularisierung hatte man mit einer öffentlichen Debatte um das Vaterunser nicht unbedingt rechnen dürfen. Sie ist auch nicht allein erklärbar durch den heimlichen Wunsch interessierter Kreise, einen innerkirchlichen Konflikt zu schüren.

Ich halte allein das Phänomen dieser öffentlichen Debatte für ein gutes Zeichen. Denn es wird deutlich:

Vielen ist das Gebet des Herrn ans Herz gewachsen; sie beten es nicht nur auswendig, sondern inwendig; sie leben mit ihm und aus seiner Kraft; es ist ihnen nicht egal, was sie beten, und was die Worte bedeuten; sie melden sich zu Wort, auch öffentlich. Wunderbar. Das ernsthafte Ringen lohnt sich.

Das Vaterunser, liebe Schwestern und Brüder, steht nun auch und gerade mit dem Weihnachtsfest in engster Verbindung. Ich behaupte sogar, dass das Vaterunser ein zutiefst weihnachtliches Gebet ist.

Das mag Sie vielleicht aufs erste etwas verwundern. Und Sie haben recht, wenn Sie sagen: Das weihnachtliche Gebet ist das „Gloria in excelsis Deo“ der Engel, ein gesungenes Gebet sogar, ein Lied – und wenn es unsere Domspatzen singen, bekommen wir eine Ahnung, wie wohl die Chöre des Himmels klingen; die Hirten beten an, weniger mit Worten als mit Gesten, indem sie wohl in die Knie gehen und niederfallen; und die Weisen aus dem Morgenland huldigen dem Königskind, indem sie Geschenke bringen.

Es ist nicht zu bestreiten, dass es der erwachsene Jesus ist, der auf die Bitten der Jünger, sie doch auch, wie Johannes der Täufer, beten zu lehren, so antwortet: Wenn ihr betet, dann sprecht: „Vater unser im Himmel“ (vgl. Mt 6,9-13 und Lk 11,1-4).

Und doch besteht ein ursächlicher Zusammenhang zwischen unserem wichtigsten Gebet und dem Fest der Geburt Christi.

Denn wenn Jesus uns, seine Jünger, beten lehrt: „Vater unser“, dann nimmt er uns mit hinein in sein Beten; dann lässt er uns teilhaben an seiner eigenen Beziehung zu seinem himmlischen Vater. Im Falle der Vateranrede ist uns tatsächlich ein paar Mal auch die aramäische Form überliefert: „Abba“, Vater. So hat Jesus den Vater im Gebet angesprochen, etwa vor der Passion am Ölberg (Mk 14,36).

Die Weihnachtsbotschaft lautet: Der ewige Sohn des Vaters wird Mensch, einer von uns. Er geht in die Geschichte ein und teilt unser aller Menschenlos. So nimmt er uns hinein in seine Beziehung zu Gott. Er ist gekommen, um unsere Gotteskindschaft zu erneuern. Ohne Weihnachten kein Vaterunser. Mit Weihnachten aber eine große Würde!

In ihm, dem Mensch gewordenen Gottessohn, sind wir Söhne und Töchter Gottes, und einander sind wir Brüder und Schwestern.

Schon die Worte des Gebetes selber deuten es an. Sie weiten unseren Blick und unser Herz; bete ich doch nicht gleichsam isoliert und egoistisch „Vater mein“ und bitte ich nicht um „mein tägliches Brot“, sondern, selbst wenn ich ganz allein, im stillen Kämmerlein sozusagen, bete, spreche ich gemäß Jesu Belehrung: „Vater unser“, und „unser tägliches Brot gib uns heute“. Weil wir so beten dürfen, gilt auch: Wer glaubt, ist nie allein!

Und von seiner Struktur her ähnelt das Vaterunser sogar dem Gloria der Engel „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Friede bei den Menschen seines Wohlgefallens“: Zuerst gilt es, Gott die Ehre zu geben. Und dann kommt der Blick auf die irdische Sorge um Frieden. Genauso wie beim Vaterunser.

Die ersten vier Bitten gelten der Ehre Gottes. Die letzten drei den leiblichen und geistlichen Grundbedürfnissen unseres menschlichen Lebens.

Die ersehnte Geschwisterlichkeit der Menschheitsfamilie wird nicht erreicht durch die Abschaffung der Väter, und schon gar nicht durch die Verspottung des himmlischen Vaters. Die Französische Revolution war unter dem Leitstern einer von aller religiösen Bindung befreiten „fraternité“ ausgerufen worden. Sie endete in einem Blutbad.

Wer zum Himmel spuckt, trifft sich selbst. Wahre Geschwisterlichkeit in der einen Menschheitsfamilie wird erst ermöglicht durch den gemeinsamen Bezug auf den himmlischen Vater. In seiner Hand sind wir geborgen und dazu befreit, einander gut zu sein.

Das Vaterunser braucht keine neue Übersetzung. Es braucht Beterinnen und Beter, Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer, die sich an der Krippe neu als Kinder Gottes erfahren und täglich neu aus dieser Beziehung leben und lieben.

„In seine Lieb versenken will ich mich ganz und gar“, so haben wir mit den Worten des Jesuitenpaters Friedrich Spee eingangs gesungen. „Mein Herz will ich ihm schenken, und alles was ich hab.“

Das macht uns zu weihnachtlichen Menschen, zu Menschen, die das Vaterunser über-setzen, hinein-tragen in den Alltag mit seinen kleinen und großen Herausforderungen und in jedem Menschen ein von Gott geliebtes Geschöpf zu sehen und zu schätzen bereit sind.

Das und nicht weniger, liebe Schwestern und Brüder, ist die Botschaft dieser Heiligen Nacht. Der himmlische Vater sendet seinen ewigen Sohn in die Finsternis dieser Welt, um sie von innen her warm und hell zu machen. Der erwachsene und predigende Jesus, dessen Speise es ist, den Willen seines Vaters zu vollbringen, lehrt uns den Wortlaut des Vaterunser und stiftet so das Wir, die Gemeinschaft der Kirche.

Die Kirche wiederum steht im Dienst der Gemeinschaft aller Menschen, als Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung der Menschen mit Gott und der Menschen untereinander (vgl. II. Vat. Konzil, LG 1).

Das Kind in der Krippe lehrt uns die innere Richtung, den Sinn, die allem zugrunde liegende Haltung. Mehr noch: Es legt den Grund für diese verwandtschaftliche Beziehung.

„Wir heißen nicht nur Kinder Gottes“ in einem symbolischen oder bildlichen Sinn, schreibt der heilige Johannes (vgl. 1 Joh 3,1). Durch die Menschwerdung Gottes und die Beziehung zum Sohn „sind wir es wirklich“.

Denn: Der ewige Gottessohn wird ein Menschenkind, damit wir alle Gotteskinder werden und auf sein Wort hin es wagen dürfen, Gott „Vater“ zu nennen, Amen.

Quelle: Bistum Regensburg – Fotos: Bistum Regensburg / Jakob Schötz (1,2,3) – Archiv (4)


Bischof von Regensburg zu Weihnachten: Vaterunser braucht keine neue Übersetzung

Pressemitteilung des Bistums Regensburg:

Das Vaterunser als „weihnachtliches Gebet“ stellt der Bischof von Regensburg in den Mittelpunkt seiner Predigten.

Was wir im zurückliegenden Advent erlebt haben, hatte man in unserer säkularisierten Gesellschaft kaum mehr für möglich gehalten. Bis in die Boulevardblätter hinein wird über das zentrale Gebet der Christenheit und den Sinn seiner Worte diskutiert. Allein das ist schon eine gute Nachricht!

Das Vaterunser: ein weihnachtliches Gebet?

Gewiss, die Engel singen das „Gloria in excelsis Deo“, die Hirten beten an, die Weisen aus dem Morgenland bringen Geschenke. Die Bitte der Jünger, sie beten zu lehren, wird Jesus erst als Erwachsener im Rahmen der Bergpredigt erfüllen: Wenn Ihr betet, so sprecht: „Vater unser im Himmel …“

Ohne Weihnachten kein Vaterunser! Die Weihnachtsbotschaft lautet: Der ewige Sohn des Vaters wird Mensch, einer von uns. Er geht in die Geschichte ein und teilt unser aller Menschenlos. So nimmt er uns hinein in seine Beziehung zu Gott. Er erneuert unsere Gotteskindschaft. In ihm sind wir Söhne und Töchter Gottes und miteinander Schwestern und Brüder.

Die Geschwisterlichkeit der Menschheitsfamilie wird nicht erreicht durch die Abschaffung der Väter, sondern allererst ermöglicht durch den gemeinsamen Bezug auf den himmlischen Vater. In seiner Hand sind wir geborgen.

Das Vaterunser braucht keine neue Übersetzung. Es braucht Beterinnen und Beter, Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer, die sich an der Krippe neu als Kinder Gottes erfahren und täglich neu aus dieser Beziehung leben.

So schenken wir uns und den Menschen unserer Nähe auch ganz nebenbei ein im eigentlichen Sinne der Worte frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

Foto: Bistum Regensburg


Kritik am Papst in puncto Vaterunser – Kath. Theologe Görlach wünscht seine Absetzung

Der Streit um die richtige Formulierung des Vaterunser wird im Ton schärfer: In der „Bild am Sonntag“ forderte der Journalist und katholische Theologe Alexander Görlach gar die Absetzung des Kirchenoberhaupts: „Der Papst ist den Herausforderungen seines Amtes nicht gewachsen“.  

Papst Franziskus hatte gefordert, die Formulierung der Vaterunser-Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ zu ändern.

„Diesmal hat der Papst eine Linie überschritten“, sagte Görlach dazu. Er betrachtet den Pontifex als Populisten, wenngleich einen wohlmeinenden:

„Alle Populisten sind Vereinfacher. Das wird Franziskus nun zum Verhängnis, denn niemand kann sich, auch nicht der Heilige Vater, einen einfachen Gott zurechtbasteln, wie er ihm gerade passt.“

Die Kritiker des Papstes forderte er zum Handeln auf: „Im Kirchenstaat gibt es genügend Leute, die das Walten Franziskus’ schon lange mit großer Sorge betrachten; sie müssen nun handeln, um schweren Schaden von der Kirche abzuwenden.“

Eine Umfrage der FAS unter den 27 deutschen Bistümern ergab, dass keines davon den Voschlag des Papstes billigt. Auch der Vorsitzende der Dt. Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte, er sehe betr. Vaterunser keinen Handlungsbedarf.


Was Papst Benedikt zur „umstrittenen“ Versuchungs-Bitte im Vaterunser sagte

Was sagte Kardinal Joseph Ratzinger bzw. Papst Benedikt XVI. zur derzeit viel diskutierten sechsten Vaterunser-Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“? 

In einem im August 2000 geführten Interview mit Ratzinger, dem damaligen Glaubenspräfekten und späteren Papst Benedikt XVI.,  ging Peter Seewald auch auf das Vaterunser ein.
Auf „Kathnews“ wurden jetzt die diesbezüglichen Passagen aus dem Ratzinger-Buch „Gott und die Welt. Ein Gespräch mit Peter Seewald“ (S. 232) dokumentiert:

Peter Seewald: „Im Vaterunser heißt es an einer Stelle ‚und führe uns nicht in Versuchung‘. Warum soll ein liebender Gott uns in Versuchung führen wollen? Ist das ein Übersetzungsfehler. Frère Roger, der Gründer der Bewegung von Taizé, einer ökumenischen Ordensgemeinschaft in Frankreich, hat vorgeschlagen man möge beten: ‚Und lasse uns nicht in Versuchung.‘“

Kardinal Ratzinger:

„Daran wird ja viel herumgekaut. Ich weiß, das Adenauer den Kardinal Frings bedrängt hat, das könne ja so, wie es da steht, nicht stimmen. Wir kriegen auch immer wieder Briefe in dieser Richtung. Das ‚Führe uns nicht in Versuchung‘ ist in der Tat die wörtliche Übersetzung des Textes. Natürlich entsteht die Frage, was das eigentlich bedeutet?

Der Betende weiß, dass Gott ihn nicht ins Schlechte hineindrängen will. Er bittet Gott sozusagen um sein Geleit in der Versuchung.

Der Jakobus-Brief sagt ausdrücklich, Gott, in dem kein Schatten von Finsternis ist, versucht niemanden. Aber Gott kann uns auf die Probe stellen – denken  wir an Abraham -, um uns reifer zu machen, um uns mit unserer eigenen Tiefe zu konfrontieren, und um uns dann erst wieder vollends zu sich selber zu bringen.

Insofern hat auch das Wort ‚Versuchung‘ verschiedene Schichten. Gott will uns nicht zum Bösen anleiten, das ist klar. Aber sehr wohl kann es sein, dass er die Versuchungen nicht einfach von uns weghält, dass er uns, wie gesagt, durch Prüfung hilft und auch führt.

Wir bitten ihn jedenfalls darum, dass er uns nicht in Versuchungen geraten läßt, die uns ins Böse abgleiten lassen würden; dass er uns nicht Prüfungen auferlegt, die unsere Kräfte überschreiten würden; dass er die Macht nicht aus der Hand gibt, um unsere Schwachheit weißt und uns daher schützt, damit wir ihm nicht verlorengehen.“

Quelle: http://www.kathnews.de/und-fuehre-uns-nicht-in-versuchung


Katholischer Bibelgelehrter widerspricht dem Papst betreff 6. Vaterunser-Bitte

Nach Papst Franziskus Einlassung zur Vaterunser-Übersetzung kocht die Diskussion um den Passus „Und führe uns nicht in Versuchung“ wieder hoch: Wird Gott hier missverstanden? In Frankreich haben die Bischöfe beschlossen, diese Stelle in „Und lass uns nicht in Versuchung geraten“ zu übersetzen.

Der katholische Bibelforscher und Professor an der Ruhr-Universität Bochum, Dr. Thomas Söding, sagt im Gespräch mit dem Kölner Domradio, dass die Diskussion eines aufzeige: das Gebet dürfe nicht einfach „heruntergeleiert“ werden.

„Die Übersetzung ist älter als nur 50 Jahre und es ist die richtige Übersetzung des griechischen Wortlauts, der für uns die älteste Traditionsgestalt ist – das heißt, wenn man daran etwas ändern will, muss man im Grunde an der gesamten Jesus-Tradition des Neuen Testaments etwas ändern“, so Söding. Die Übersetzung aus dem Griechischen sei „sehr genau im Deutschen“.

Man könne leichte Varianten überlegen, aber „Führe uns nicht in Versuchung“ sei präzise. „Es ist auch der lateinischen Bibelübersetzung entsprechend, die an dieser Stelle ebenfalls sehr genau ist. Das heißt, sie ist provokativ, sie ist herausfordernd und genau deswegen reden wir darüber“, fügt der Theologe an.

Quelle und Fortsetzung des Berichtes von RADIO VATIKAN hier: http://de.radiovaticana.va/news/2017/12/08/d_%E2%80%9Ef%C3%BChre_uns_nicht_in_versuchung%E2%80%9C_ist_pr%C3%A4zise_%C3%BCbersetzung/1353652


Regensburg: Bischof Voderholzer übt Kritik an Neu-Formulierung der Vaterunser-Bitte

Schweizer Bischöfe haben Vaterunser-Bitte neu gefaßt

Die katholischen Bischöfe in der französischsprachigen Schweiz haben die bekannte Vaterunser-Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ für den liturgischen Gebrauch neu formuliert. Zukünftig heißt es: „Ne nous laisse pas entrer en tentation“, also auf deutsch: „Lass uns nicht in Versuchung geraten.“

Der Regensburger Oberhirte Dr. Rudolf Voderholzer äußert sich kritisch über diesbezügliche Neufassungen.

Schließlich sei die überlieferte Vaterunser-Bitte so bei Matthäus und Lukas überliefert; es könne nicht darum gehen, Christus gleichsam zu korrigieren, erklärt der Bischof; vielmehr sei es angesagt, diese Worte im Lichte der biblischen Botschaft zu erläutern.

Dabei solle auch die Lehre von der Erbsünde und von der menschlichen Anfälligkeit und Erlösungsbedürftigkeit bedacht werden.

Dr. Voderholzer (siehe Foto) verweist zu diesem Thema auf seine Predigt zum 1. Fastensonntag 2015, als es u.a. auch um die Versuchung Jesu in der Wüste ging.

Wir dokumentieren diese Predigt des Bischofs vom 22. Februar 2015:

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Als Bischof werde ich immer wieder einmal auf die 6. Vater-Unser-Bitte angesprochen: „Vater, … und führe uns nicht in Versuchung“.

Viele Mitchristen tun sich schwer beim Gedanken, der bei dieser Bitte ja scheinbar vorausgesetzt ist, Gott der Vater könne uns Menschen in Versuchung führen, Gott könne ein Interesse daran haben, uns aufs Glatteis zu führen und uns straucheln zu sehen.

Regelmäßig kommt dann auch der Vorschlag, die Formulierung der Bitte abzuändern und zu sagen: „Führe uns in der Versuchung“ oder „führe uns durch die Versuchung“ oder ähnlich. Vielleicht sind ja auch unter Ihnen Mitchristen, die ähnlich denken und denen dieser Vorschlag aus dem Herzen spricht. 

Das Evangelium vom 1. Fastensonntag von der Versuchung Jesu nehme ich als Anlass, darüber einmal tiefer nachzudenken und die Frage zu beantworten.

Wer für eine Änderung der Vaterunser-Bitte im gerade beschriebenen Sinne eintritt, kann mit einem gewissen Recht den Jakobusbrief zu seinen Gunsten anführen, wo es im 13. Vers des 1. Kapitels heißt: „Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung ge-führt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selber niemand in Versuchung.“

Was hindert also daran, das Vaterunser umzuformulieren?

Uns hindert erst einmal die textliche Überlieferung. Sowohl in der Vaterunser-Fassung des Matthäus-Evangeliums (6,13) als auch in der Fassung des Lukas-Evangeliums (11,4), die sich an manchen Stellen durchaus unterscheiden, heißt es eindeutig und gleichlautend: kai mee eisenénkees hemas eis peirasmon. Und führe uns nicht in Versuchung.

Auch in den anderen Sprachen hält man sich treu an diese Überlieferung, im Englischen etwa, was mir durch die Reisen nach Indien und nach Südafrika in den letzten Wochen gegenwärtig besonders im Ohr ist: and lead us not into temptation (lateinisch: et ne nos inducas in tentationem).

Wenn wir anfangen würden, Jesus zu verbessern, zu sagen: Nein, Jesus, also so kannst du das nicht gesagt haben, wir wissen es besser und wir erlauben uns hier, dich zu korrigieren – dann bekommen wir bald eine ganz neue Bibel nach unseren menschlichen Vorstellungen. Die Bibel würde aufhören, Zeugnis von Gottes Offenbarung zu sein.

Die Änderung des Vaterunsertextes, so wie wir ihn gewohnt sind, scheidet aus, weil es die treue Übersetzung der Überlieferung des Jesus-Wortes ist.

Wir müssen versuchen, trotz der Schwierigkeiten, die sich unzweifelhaft mit dieser Aussage verbinden, Jesus richtig zu verstehen.

Ein wichtiger Gesichtspunkt ist dabei – wie eigentlich immer im Neuen Testament, dass man den alttestamentlichen Hintergrund bedenkt.

Es ist mehr als einmal im Alten Testament bezeugt, dass die Versuchung oder Anfechtung im Glauben als etwas Positives gesehen wird insofern, als sie in den Vorgang des Reifens, des Erwachsenwerdens des Menschen hineingehören. Im Buch Tobit etwa heißt es gemäß einer Überlieferung in der griechischen Bibel: „Weil du bei Gott angenommen warst, war es notwendig, dass die Versuchung dich prüfe.“ – Und im Buch Jesus Sirach steht geschrieben: „Der nicht in Versuchung geführt wurde, weiß wenig“ (Sir 34,10a LXX).

Das sind Worte, deren Sinn man nachvollziehen kann, wenn man an die Reifung denkt, die einem selbst vielleicht eine bestandene Krankheit oder eine gut verarbeitete Verlusterfahrung im Leben gebracht haben. So gesehen kann man der Versuchung etwas Positives abgewinnen und sie vielleicht sogar als Teil göttlicher Pädagogik einordnen und es nicht von vorneherein für völlig ausgeschlossen halten, Gott könne einem diesen Weg der Reifung nicht zumuten.

Eine Lösung für unser Problem haben wir damit freilich noch nicht. Denn Jesus lehrt ja beten: Führe uns nicht in Versuchung!

Mir scheint, dass der Exeget Heinz Schürmann in seiner Vaterunser-Auslegung den richtigen Weg zum Verständnis weist. Er erinnert an alttestamentliche Gebetsworte wie etwa Ps 26,2, wo es heißt: „Erprobe mich, Herr, und durchforsche mich. Prüfe mich auf Herz und Nieren.“ D. h. so viel wie: „Führe mich, oh Herr, ja, führe mich ruhig in Versuchung! Du wirst sehen, ich halte stand, ich bleibe treu!“

Das ist Ausdruck großen Selbstvertrauens, großer Sicherheit. Und da sagt nun Jesus: Betet nicht so! Seid euch nicht so sicher! Denn Jesus sieht unsere Versuchlichkeit, un-sere Gefährdung durch die Versuchung weit gefährlicher und tiefer. „Wer im Geiste Jesu betet, hat nicht die geringste Zuversicht, in der Versuchung bestehen zu können; darum muss er so dringend bitten, dass er erst gar nicht in sie hineingeführt werde.“

Dem entspricht die Mahnung an die Jünger auf dem Ölberg am Karfreitag: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geführt werdet“ (Mk 14,38).Von dieser Situation her wird dann auch klar, was die „Versuchung“ eigentlich meint, nämlich: einen Angriff auf meinen Glauben und meine Hoffnung.

Wir müssen wahrscheinlich immer wieder auch unsere Vorstellung von der „Versuchung“ überprüfen und am Ernst des Evangeliums messen. Gerade im Reden von der „Versuchung“ gibt es viel Unernst und Oberflächlichkeit – wenn ich nur an die Werbung denke für die Schokoladen-Marke, die gerühmt wird als „die ‚zarteste Versuchung‘, seit es Schokolade gibt.“

Liebe Schwestern und Brüder: Alle Versuche, in der Fastenzeit Verzicht zu üben, in Ehren. Aber das Thema „Versuchung“ in erster Linie mit Süßigkeiten in Verbindung zu bringen, entspricht nicht dem Ernst der biblischen Botschaft.

Die Versuchung, um deren Ausbleiben Jesus die Jünger zu beten lehrt, ist zunächst einmal die Verunsicherung im Glauben durch das Kreuz Jesu, seine Verhaftung und seinen schmählichen Tod!

Versuchung hat mit Glauben und Hoffnung zu tun. Versuchung, das ist Not, das ist Krankheit, das ist Hunger, das ist Einsamkeit, das ist Todesangst.

Versuchung, das ist die Not, die mich nicht mehr beten lehrt, sondern die mich an Gott irrewerden lässt und fluchen lehrt. Das Sprichwort: Not lehrt beten, ist ja nur die halbe Wahrheit. Die Erfahrung zeigt doch auch: Not lehrt fluchen. Versuchung ist diese Not, die einen fluchen lehrt.

In der Versuchung im wahren und ursprünglichen biblischen Sinn des Wortes sind derzeit unsere Mitchristen in Ägypten, denen die grausamen IS-Milizen im Nachbarland Libyen vor Augen führten, welche Konsequenzen allein schon die Tatsache des Christseins hat. 21 Männer wurden grausam enthauptet.

In einer solchen Situation treu zu bleiben, nicht unsicher und wankend im Glauben an Jesus Christus zu werden, das ist eine schier übermenschliche Herausforderung. Dass sie nicht unsicher werden und fallen, dafür müssen wir beten für die Kopten – ganz abgesehen von der Empörung, die durch die ganze christliche Welt gehen muss.

In der Versuchung sind vor allem die Opfer der Hinrichtung selbst auf ihrem Weg zum Strand, geführt von den Henkern mit den Messern im Gewand. Nicht zu verbittern, nicht zu fluchen, sondern für die Henker zu beten … das hieße, in der Versuchung standzuhalten. Wie schwer muss das sein!?

Vater, … führe uns nicht in Versuchung. Wenn wir dieses Wort Jesu, uns geschenkt im Vaterunser, einordnen in das Gesamt der biblischen Überlieferung, dann können wir sagen:
Gott kann die Versuchung zulassen, aber es ist der Böse selbst, der uns in ihr begegnet. Die Bitte unterstellt Gott nicht die Gemeinheit, uns aktiv böse zu wollen, sondern sie erinnert uns an die eigene Gefährdung, an die Versuchlichkeit im Glauben, sie warnt uns vor Selbstsicherheit und Überheblichkeit, und sie lehrt uns so gesehen auch, das große Geschenk wertzuschätzen, das darin besteht, wirklich glauben zu können und von Verunsicherungen im Glauben verschont zu sein.

„Der Beter des Unservater ist kein Überfrommer, kein Superstar der Frömmigkeit; er bittet Gott nicht um Gelegenheit zur Bewährung seines Glaubens, sondern bittet ihn, ihn nicht auf die Probe zu stellen.“

BILD: Bischof Voderholzer betet am Altar bei einer Firmung im Regensburger Dom

Das heutige Evangelium von der Versuchung Jesu zeigt uns: Jesus weiß, wovon er spricht, wenn er uns beten lehrt: „Vater, führe uns nicht in Versuchung.“ Er hat, vom Geist in die Wüste geführt, die Urversuchungen des Menschen bestanden: Physische Not, Vermessenheit Gott gegenüber und schließlich die Vergötzung der Welt und ihrer Macht.

Die Versuchungen Jesu durchziehen freilich sein ganzes irdisches Wirken. Wenn Petrus ihn beispielsweise davon abhalten will, den Weg des Kreuzes zu gehen, muss er sich anhören: Hinter mich, Satan, du willst nicht was Gott will …

So ist für Jesus die große Versuchung auch noch einmal sein Leiden, wie es der Hebräerbrief sagt: „Darum musste er in allem seinen Brüdern gleich sein, um ein barmherziger und treuer Hoherpriester vor Gott zu sein und die Sünden des Volkes zu sühnen. Denn da er selbst in Versuchung geführt wurde und gelitten hat, kann er denen helfen, die in Versuchung geführt werden.“ (Hebr 2,17)  Und: „Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat.“ (Hebr 4,15)

Liebe Schwestern und Brüder des geweihten Lebens,

das Thema der Versuchung, der Anfechtung im Glauben ist ein Thema, das jeden Getauften Christen, der seinen Glauben ernst nimmt, immer wieder beschäftigen wird. Die Glaubenserfahrung der Kirche weiß darüber hinaus, dass der Weg in die besondere Nachfolge auch in besonderer Weise seine Prüfungen kennt.

So könnten die Überlegungen zur Vaterunser-Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“ Trost sein und Ansporn zugleich: Trost, weil der Herr um unsere Schwäche weiß und dass wir uns mit ihm verbinden können, wenn die Prüfungen uns an die Grenzen des Erträglichen führen; Ansporn, dankbar zu sein für den Glauben, dankbar vor allem, wenn wir sagen können, dass uns Prüfungen im Leben haben reifen lassen, wie wir in der Reflexion auf unseren Lebensweg vielleicht erkennen können.

Aufforderung freilich auch, uns mit allen Mitchristen, die in schwerer Versuchung sind, im Gebet zu vereinen; seien es die ägyptischen Christen, die Kranken und die Kinder und alle, mit denen Sie auf unterschiedliche Weise beruflich zu tun haben.

Der Herr hat stellvertretend für uns alle Versuchungen bestanden. Bitten wir ihn zum Beginn dieser österlichen Bußzeit, dass er uns in diesen 40 Tagen neu die Schönheit und das Glück des Glaubens und des Glaubenkönnens aufgehen lässt und dass wir uns, nach seinem Beispiel, durch Fasten, Gebet und Werke der Nächstenliebe in diesem Glauben stärken lassen, auf dass wir ihn in der Osternacht – in Erinnerung unserer Taufe – neu und froh bekennen können, Amen.