Vom „geringsten Rädchen im Uhrwerk Gottes“ und dem Kuß der Madonna

Von Felizitas Küble

Die Art und Weise, wie sich ein erheblicher Teil der erscheinungsbewegten Szene präsentiert, ist seit jeher von einem nicht geringen Unterhaltungswert geprägt.

Apropos „gering“: Zu jener unfreiwilligen Komik gehört auch die mit zahlreichen Wundern und Botschaften begnadete Andrea, die sich als „Geringstes Rädchen im Uhrwerk Gottes“ vorstellt. Weitere Informationen – etwa über ihren Nachnamen oder Wohnort – behält sie in der ihr eigenen Demut für sich.

Dem Impressum ihres Blogs unter dem sicherlich passgenauen Titel „Herz Jesu  – Wegzehrung der Restarmee“ fehlt es –  statt der sonst üblichen Daten (Name, Anschrift, Telefon etc) – nicht an frommen Zu…Anmutungen, siehe etwa die allerbescheidenste Präsentation ihrer himmlischen Sendung:

„In der Allmacht Gottes sehe ich mich, die Autorin dieser Website, als ein kleines und zugleich geringes Werkzeug, welches erhaltene Eingebungen mit großer Dankbarkeit empfängt und diese in Seinem Namen der Öffentlichkeit weitergibt.

In der Eigenschaft als Sein Werkzeug möchte ich, in aller Bescheidenheit und Demut, aber dennoch mit Nachdruck darauf hinweisen, dass ich nur Ihm allein, dem einen, wahren Gott, dem Allerhöchsten, unterstellt und verpflichtet bin. Nur Ihm gegenüber werde ich, wenn die Zeit dafür gekommen ist und Er mich ruft, Rechenschaft über mein Handeln hier auf Erden geben.“

Im bürokratischen“ Teil des Impressums schreibt die Blogbetreiberin von der Restarmee: „Die Autorin übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen.“

Gewiß ein tröstlicher Hinweis, wenn selbst prophetisch inspirierte Personen keine Gewähr für die „Qualität“ und „Korrektheit“ ihrer Texte bieten können. Da kann unsereins erleichtert aufatmen.

Ob der nachfolgende Haftungsausschluß auf Träume oder Alpträume zurückgeht, weiß mutmaßlich nur das geringste Rädchen selbst:

„Haftungsansprüche gegen die Autorin, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen, sofern seitens der Autorin kein nachweislich vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verschulden vorliegt.“

Auf daß kein Leser zu kurz kommt, läßt uns das vom Himmel beauftragte Werkzeug schon auf der Startseite wissen, daß sie den Kuß der Madonna großzügig an alle Besucher ihrer Webseite übermittelt:

„Allen Besuchern meiner Webseite möchte ich den liebevollen Kuss auf die Stirn weitergeben, den unsere Himmelkönigin, die Heilige Gottesmutter Maria, am 12. Sept. 2015 in Walpertskirchen geschenkt hat, welchen ich persönlich am 19. Sept. 2015 weitergegeben bekommen habe.“

Hierbei möchte ich gerne „Verzicht leisten“ und das Rädchen um Verständnis bitten, denn bei der erwähnten „Marienerscheinung“ in Walpertskirchen handelt es sich um kirchlich ausdrücklich abgelehnte Phänome des italienischen „Sehers“ Salvatora Caputa: https://charismatismus.wordpress.com/2018/02/27/s-caputa-julius-moehler-co-erhalten-in-walpertskirchen-den-kuss-der-madonna/

In der ebenfalls anonymen Rubrik „Über mich“ bietet die „in eine finstere Welt hineingeborene“ Visionärin einige Kurzinformationen zu ihrer „unbedeutenden Person“, wobei freilich ihre „Motivationen“  –  eigenen Angaben zufolge  –  „nicht unbedeutend“ sind. 

Wie könnte es anders sein, hat der Höchste selbst sie doch „in Nordrhein-Westfalen plaziert“, auf daß sie ihre „Fühler von dort aus über ganz Deutschland und dessen Grenzen hinaus ausstreckt“, wie sich das für Prophetinnen  – zumal in der „Endzeit“ –  geziemt.

Doch wie begann ihre himmlische Berufung, ihr „Ruf aus der Wüste“? – Das möchte der geneigte Leser gerne erfahren – und die 51-Jährige hält damit nicht hinterm Berg: 

„Eines schönen Tages, es war der 12.10.2014, bekam ich plötzlich erstmals Worte in meinen Kopf. Es waren Überschriften zu Texten, die ich dann, ohne jemals darüber nachzudenken, handschriftlich notierte. Damit fing alles an !“

Den Eindruck, daß die Autorin über ihre Botschaften niemals „jemals nachdachte“, kann man jedoch auch ohne diesen ausdrücklichen Hinweis gewinnen.

Allerdings verhielt sich genau dies bei den biblischen Propheten ganz anders, denn diese wußten sehr wohl, was sie sagten und schrieben, schließlich wirkt der Heilige Geist nicht ohne den Verstand – und erst recht nicht gegen ihn.

Übrigens gibt es sicherlich die paranormale Fähigkeit des „Automatischen Schreibens“, die freilich ansonsten nur aus esoterischen, magischen und spiritistischen Zusammenhängen bekannt ist.

Sodann läßt uns das motivationsstarke Werkzeug der Restarmee wissen, daß es bereits „weit über 500 Gebete an der Zahl vom Himmel erhalten“ habe, überdies „zahlreiche Visionen“, bei denen es um nichts weniger geht als um das „Weltgeschehen, Apokalypse, Warnung (Seelenschau), Katastrophen usw“…

„Ich möchte gerne, so man mich lässt“  – so heißt es weiter in aller Bescheidenheit  – „als geringstes Werkzeug durch Gottes Hände, Willen und Gnade geführt, breit gefächert Präsenz zeigen, für Gottes Sein, für Gottes Liebe, für Gottes Wahrheit und für Gottes Barmherzigkeit. Sein Wille ist mein Wille !“

Tja, Stirnrunzeln: Könnte es auch umgekehrt sein: ihr eigener Wille erscheint dem visionären Rädchen als der Wille des Himmels?

Wie dem auch sei, eines steht fest, jedenfalls für die Wüstenruferin: Wir sind mitten in der Endzeit, die sich bereits mit großen Schritten dem Ende nähert !“

So ganz „nah“ kann das universale Finale in Wirklichkeit gar nicht sein, denn vor der Wiederkunft Christi erscheint laut biblischer Botschaft erst der Antichrist, den selbst die schreibselige Andrea noch nicht zu sichten vermochte.

Nichtsdestotrotz will sie dem Schöpfer der Welt unbedingt „helfend“ (!) beispringen:

„Darum gilt es nicht zu schlafen, sondern erhobenen Hauptes den Blick vertrauensvoll gen Himmel gerichtet, aufzustehen und alle Hebel in Bewegung zu setzen, um unserem Gott helfend zur Seite zu stehen, sich durch Beharrlichkeit dem „Strom der Gezeiten der Finsternis“ entgegenzustellen, was ich mit meinen Beiträgen gerne erreichen möchte.“

Das hierzu passende „Amen“ bleibt mir offen gestanden im Halse stecken, denn eine derartige Wucht übernatürlicher Endzeit-Eingebungen und inspirierter Gebete will erst einmal verdaut sein….

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den kath. KOMM-MIT-Verlag in Münster und das CHRISTOFERUSWERK, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Wie das irrgeistige „Buch der Wahrheit“ seinen Weg in den Beichtstuhl fand…

Im Dunstkreis der gescheiterten irischen Endzeitprophetin treibt die unsinnige „Warnung“ aus Garabandal bei den Anhängern des noch absurderen „Buches der Wahrheit“ weiterhin seltsame Blüten. 

Es handelt sich bei dieser kuriosen Textsammlung nicht erst seit der Enttarnung der irischen „Visionärin“ Mary McGovern um wenig Gehaltvolles aus anspruchsloser Quelle. Nachdem diese „Endzeitprophetin“ überstürzt und panisch ihre Internetpräsenz beenden musste, organisiert sich ein kleiner Rest der verbliebenen Anhänger unter dem Namen „Restarmee“.

Er versucht weiterhin, Werbung für die „Botschaften“ zu betreiben  – ungeachtet der Tatsache, dass sich der zuständige Bischof ablehnend zu diesen falschmystischen „Offenbarungen“ geäußert hat:  https://charismatismus.wordpress.com/2014/04/17/irland-erzbischof-martin-warnt-vor-irrgeistigen-botschaften-die-warnung/

(Weitere Infos u.a. hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/11/05/hintergrunde-der-warnungs-botschaften-es-war-einmal-eine-endzeitprophetin/)

Eine dieser Blüten der „Restarmee“ nennt sich „Andrea“ und stellt sich in der ihr eigenen Bescheidenheit als „demütiges kleines Rädchen im U(h)rwerk Gottes“ vor.

Am 12. Oktober 2014 vernahm „Andrea“ erstmals Worte in ihrem Kopf; diese vemeintlichen Einsprechungen von oben verbreitet sie seit Dezember 2017 nicht nur im Netz, sondern auch in Buchform über einen Onlinehändler. Dort können aktuell vier Bände Privatphantasien unter „Geringstes „Rädchen“ Im „U(H)Rwerk“ Gottes, Andrea“, zu einem Preis von 8 bis 10 Euro erworben werden.

Wozu die albernen „Botschaften“ aus dem „Buch der Wahrheit“ bei dieser Anhängerin geführt haben, stellt „Andrea“ anhand eines öffentlich zur Schau gestellten Beichtgespräches vor. Zu bedauern ist nicht nur der Geistliche, der die Auswirkungen dieses Irrsinns aus Irland eine halbe Stunde über sich ergehen lassen musste.

Das Beichtgespräch, das von “Andrea“ als „heiße Diskussion“ beschrieben und von ihr zum „Zeugnis für den wahren Papst“ erklärt wurde, kann hier gelesen werden: https://herzmariens.ch/Mystik/Andrea/Besinnliche%20Texte/zeugnis2016_06_21.htm

Welche Sonderbotschaften mit viel Geschmuse das „demütige Rädchen“ als „himmlische Interventionen“ weiter im Internet verbreitet, zeigt der Text am Ende einer der Websiten:

„Allen Besuchern meiner Webseite möchte ich den liebevollen Kuss auf die Stirn weitergeben, den unsere Himmelkönigin, die Heilige Gottesmutter Maria, am 12. Sept. 2015 in Walpertskirchen geschenkt hat, welchen ich persönlich am 19. Sept. 2015 weitergegeben bekommen habe.“ (Quelle: https://herzjesuwegzehrungderrestarmee.jimdo.com/)

Die alberne Weitergabe der visioniären Massenschmuserei geht auf einen Auftritt des „Sehers“ Salvatore Caputo in Walpertskirchen zurück. (Siehe in diesem Zusammenhang: https://charismatismus.wordpress.com/?s=Walpertskirchen)

Erfreulicherweise ist die „Restarmee“ mittlerweile so geschrumpft ist, dass ihre Anhängerschaft in sehr bescheidenen Räumlichkeiten Platz findet: https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-Heidelberg-Herzmariens-Sekte-kam-nach-Heidelberg-zum-Kaffeekraenzchen-_arid,249452.html

Der Schrumpfungsprozess dieses Fanclubs wurde mit der Enttarnung der irischen PR-Lady Mary McGovern durch Aufklärungsarbeit der Skeptiker dieses Unsinns eingeleitet. Dem ging eine auch im CHRISTLICHEN FORUM über mehrere Jahre geführte Diskussion mit rekordverdächtigen 1911 (!) Leserkommentaren voraus: https://charismatismus.wordpress.com/2011/10/08/falsche-ankundigung-in-der-pseudo-botschaft-die-warnung/ 

Inzwischen haben sich viele ehemalige Anhänger beruhigt, sind einsichtig geworden und warnen ebenfalls vor der demaskierten Endzeitprophetin und den skurillen Machenschaften der noch verbliebenen Anhänger.  (Siehe z.B. http://www.gottliebtuns.com/mdm.htm / https://charismatismus.wordpress.com/2014/01/10/hiti-hermann-hitthaler-distanziert-sich-von-den-botschaften-die-warnung/)

Zu dieser Erkenntnis haben viele jener Botschaften der „Endzeitprophetin“ beigetragen, die sich als falsch, zude völlig unsinnig und bei etlichen Zahlenspielereien auch als dümmlich erwiesen haben.

Dazu nur ein Beispiel aus dem „Buch der Wahrheit“ vom 27. Juli 2012: „506. Wenn die Zahl von 20 Millionen in Meiner Armee erreicht worden ist, dann werde Ich diese Zahl auf Milliarden vermehren. – Freitag, 27. Juli 2012, 18:30 Uhr!“ (Quelle: http://www.dasbuchderwahrheit.de/botschaften/2012/0506.htm)

So zieht sich dieser Unfug „milliarden- und millionenfach“ an weiteren Stellen durch diese geistig minderbemittelte Schrift, die sich großspurig „Buch der Wahrheit“ nennt, aber bestenfalls den Titel eines „Büchleins nimmer endenden Unsinns“ verdient.

Unser Autor mit dem Pseudonym „GsJC“ ist seit Jahren als Leserkommentator im CHRISTLICHEN FORUM aktiv und unserer Redaktion persönlich bekannt