61-Jährige fällt auf „Wunderheiler“ herein

Pressemeldung von Polizei und Staatsanwaltschaft Fulda:

Eine 61-jährige Frau aus dem Raum Fulda ließ sich in den vergangenen Wochen zu mehreren Geldübergaben überreden. Die Kriminalpolizei Fulda nahm am Mittwochnachmittag (18.11.) einen tatverdächtigen Mann fest...

Die Frau aus Fulda hatte über mehrere Wochen telefonischen Kontakt zu einer Bande russischsprachiger „Wunderheiler“. Durch eine russische Fernsehsendung, bei der auch deutsche Telefonnummern eingeblendet waren, war sie zuvor auf diese aufmerksam geworden.

Die Bande wollte ihr Gegenstände mit heilender Wirkung verkaufen und einreden, ihren Kindern würden schlimme Dinge passieren, wenn sie die Anrufer nicht bezahle. Die Geschädigte übergab daher in den vergangenen Tagen eine fünfstellige Summe an einen Geldabholer und überwies eine ähnlich hohe Summe über einen Dienstleister nach Georgien.

Am Mittwoch meldeten sich die Trickbetrüger erneut telefonisch bei der Frau und forderten eine höhere Geldsumme in bar, die sie erneut an einen Geldabholer übergeben sollte. Die Tochter der Geschädigten wurde darauf aufmerksam und erschien mit ihrer Mutter bei der Polizei. Die Kriminalpolizei nahm die entsprechenden Ermittlungen auf. Bei der späteren Geldübergabe gelang es den Beamten, den Geldabholer festzunehmen.

Der 44-jährige Mann ukrainischer Herkunft wurde am Donnerstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Fulda dem zuständigen Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Fulda vorgeführt. Dieser erließ Untersuchungshaftbefehl wegen Fluchtgefahr. Im Anschluss wurde der Mann in eine hessische Justizverzugsanstalt verbracht.

Im Zusammenhang mit Trickbetrügereien am Telefon rät die Polizei dazu, sich nicht unter Druck setzen zu lassen und sofort aufzulegen, wenn einem etwas merkwürdig erscheint. Überweisen Sie nie Geld an Unbekannte oder übergeben diesen Wertsachen.

Reden Sie mit Familie oder Vertrauten über den Anruf. Wenn sie sich unsicher sind, kontaktieren sie die Polizei über den Notruf 110 und nutzen dazu bitte nie die Rückruffunktion ihres Telefons.

Quelle: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/43558/4771351


Das spezielle Dilemma der „Babyfabriken“ während der Coronakrise

Von Dr. med. Edith Breburda

Leihmütter, die entweder freiwillig oder gezwungenermaßen Kinder auf die Welt bringen, existieren. Berichte über sogenannte

“Kinderfabriken”, wie z.B. in der Ukraine, mehren sich. Durch die COVID-19 bedingten “Lockdowns” im Frühjahr 2020 erfuhren wir von dem Dilemma, in welchem sich Leihmutter-Kliniken befinden, weil die Babys nicht mehr von ihren Eltern abgeholt werden konnten.  

Oksane Grytsenko ging dem Baby-Business in ihrem Land im Juni 2020 nach. Neugeborene liegen in ihren Krippen. Einige weinen, andere nuckeln an der Flasche, die ihnen eine Hilfskrankenschwester im Hotel Venice, in einem Vorort von Kiev, reicht. Das Hotel ist mit Mauer und Stacheldraht umgeben.

Es handelt sich um den Nachwuchs von ausländischen Eltern, die diese beim BioTexCom Zentrum für Humane Reproduktion bestellten. Es ist die größte „Leihmutter-Klinik” der Welt. Die Babys sind im Hotel Venice buchstäblich gestrandet. Ihre Auftragsgeber konnten sie nicht mehr abholen, als im März 2020 die ukrainische Grenze wegen der COVID-19-Pandemie geschlossen wurde.

Verängstigte Eltern versuchen, ihre Kinder über Videoanrufe zu beruhigen. Sie senden Aufnahmen von ihren Stimmen, damit ihre biologische Tochter oder ihr Sohn auf diese Weise ihre Eltern kennen lernen.

BioTexCom hat ein Video über Hotel Venice im Mai 2020 herausgegeben, um auf das herzzerbrechende Dilemma hinzuweisen. Man will damit erreichen, dass die Grenzen wieder aufmachen, damit die Kinder zu ihren Eltern können. Das Schicksal der Babys erregte weltweit die Gemüter. Einen Monat später waren immer noch 50 Neugeborenen gestrandet. Die boomende Industrie der “Kinderfabriken” wurde dadurch noch mehr ins Rampenlicht der Kritiker gerückt.

Die ukrainische Kinder-Ombudsfrau Mykola Kuleba redet mittlerweile von mehr als nur einer Verletzung von Kinderrechten. Wenn es nach ihrem Willen ginge, würde sie die Leihmutterschaft für nichtukrainische „Eltern“ ganz verbieten.

Ein Ansinnen, das schwer in einem Land wie der Ukraine durchzudrücken sein wird. Wir wissen, dass manche Frauen dort nahezu abhängig von diesem „Extra-Cash“ sind. So bieten sich immer wieder verarmte Landfrauen an, Babys gegen Geld auszutragen. Ungeachtet dessen, dass sie offensichtlich einen hohen psychologischen und gesundheitlichen Preis dafür in Kauf nehmen, ihre „Gebärmutter“ auszumieten.

Die 39-jährige Liudmyla kommt aus Vinnytsia. Die Stadt liegt südwestlich von Kiev. Die Leihmutter wartet immer noch auf das Geld für ein Mädchen, die sie für ein deutsches Ehepaar im Februar 2020 zur Welt brachte. „Ich schreibe meinen Auftraggebern sehr oft“, sagt Liudmyla. Sie schulden ihr noch 6.000 Euro, welche wegen der Pandemie nicht bezahlt werden könnten. 

Liudmyla hatte in Kiev einen erfolgreichen Embryo-Transfer. Während ihrer Schwangerschaft war sie in Vinnystia. Ihre Agentur verlangte, dass sie das Kind in Polen entbindet. Dort ist zwar eine Leimutterschaft verboten; die Registrierung des Kindes ist in diesem Land aber

einfacher. Jedoch wusste man in der polnischen Klinik nichts von Liudmyla. „Ich wollte sie nicht hergeben. Ich weinte.“ Die Realität holte sie schnell ein. „Ich wusste, worum es ging“, erinnert sich die Leihmutter, die sich in den Tagen des Krankenhausaufenthaltes um das Neugeborene kümmerte.

Liudmyla ist alleinerziehende Mutter von drei eigenen Kindern. Seit Jahren versucht sie, ihre kleine Familie durchzubringen. So suchte sie 2017 die Leihmutterschaftsklinik in Kiev auf. Mit dem Geld konnte sie einen Kredit für eine Wohnung aufnehmen. Obwohl schon die erste Leihmutterschaft kompliziert war und sie während der Schwangerschaft auf der Intensivstation war, entschied sie sich, ein weiteres Kind auszutragen. Sie wollte damit ihre Wohnung abbezahlen. Eine Bleibe zu haben war besser als ein Hotelzimmer, in dem sie zuvor lebte.

Obwohl es keine offiziellen Statistiken gibt, vermutet man, dass sich jährlich tausend ausländische Eltern an die Ukraine wenden, um auf eine günstige und unkomplizierte Weise, Eltern eines Babys zu werden. Einzige Auflage ist, dass die heterosexuellen Eltern verheiratet sind und eine Bestätigung ihrer Unfruchtbarkeit vorliegt.

Tetiana Shulzhynska, die in Chernihiv als Busfahrerin arbeitet, suchte 2013 die Leihmutter Klinik BioTexCom auf. Sie hatte so viele Schulden, dass ihr diese ein Fahrkarte nach Kiev senden musste. Sie trug ein Kind für ein italienisches Ehepaar aus. Doch nach 2 Monaten merkte sie, dass sie nicht mit einem, sondern vier Kindern schwanger war. Der biologische Vater bestand darauf, dass drei der Kinder im Mutterleib getötet wurden. Im Mai 2014 brachte Shulzhynska eine Tochter für ihre Auftragseltern auf die Welt. Sieben Monate später wurde bei Tetiana Zervikalkrebs diagnostiziert. Es dauerte fast ein Jahr, um das Geld für eine Operation aufzubringen. Kurz danach planten, die Ärzte ihr linkes Bein zu amputieren, welches bereits vom Krebs angegriffen war.

Tetjana warnt nicht nur Frauen vor einer Leihmutterschaft, sie führt mittlerweile mit einigen anderen Frauen einen Prozess gegen BioTexCorn. Die 38-Jährige ist der Überzeugung, dass viele Frauen am Ende mehr Unkosten haben werden. „In dem Vertag beschützen sie nur die Babys. Sie kümmern sich nicht um Deine Gesundheit oder gar um Dich persönlich.“

Albert Tochilovsky, der Eigentümer von BioTexCom, kann im Hotel

Venice angetroffen werden. Er bestreitet keineswegs die Pannen, welche seine Firma hat. „Ich glaube nicht, dass wir die Einzigen sind, die diese Probleme aufweisen. Jetzt, wo es Gentests gibt, werden wahrscheinlich noch mehr Eltern herausfinden, dass Ihr Kind nicht mit Ihnen verwandt ist.“ Für Albert liegt die Ursache bei der relativ geringen Erfahrung, die er hatte, als die Klinik noch in ihren „Kinderschuhen“ steckte. So könnten durchaus Embryos vertauscht worden sein, erklärt er. 

Hinzu kommen Elternpaare, die ihre Babys nicht annehmen wollen, weil sie Gesundheitsprobleme hatten. Bridget, die Tochter eines amerikanischen Paares, wurde 2016 geboren und lebt nun in einem Weisen-Heim in Zaporizhia im Osten der Ukraine.

„Es war eine Tragödie für uns“, sagt der Direktor.  Auf der Webseite seiner Leihmutter Klinik steht: „Wir haben die besten Leihmütter“. Er verleugnet die Misshandlung von Frauen und weiß auch nichts von

Shulzhynska’s Krebs. Dennoch bezeichnet er ihre Behauptung als „schwachsinnig“, weil seine Klinik ihre Vertragspartner bestens schütze. „Bei uns passiert ihnen nichts. Wir sind nur für den Embryotransfer zuständig. Wobei wir diesbezüglich die besten Reproduktionstechnologien anwenden. Gesundheitsprobleme entstehen in den Entbindungskliniken, die eventuell die Gebärmutter entnehmen müssen. Darauf haben wir keinen Einfluss. Doch selbst wenn das passieren sollte, zahlen wir eine Kompensation“, rechtfertigt sich Albert. 

Vielleicht trifft es besser zu, dass sich der Direktor die Lage nur schönredet und weltfremd auf seinen Profit aus ist. Ansonsten müsste er von all den Nebenwirkungen einer Leihmutterschaft wissen. Sie endet ja nicht damit, wenn das Auftragskind gegen ein Entgelt, von dem er das Meiste für sich behält, in die Arme der Eltern gelegt wird.

Momentan bangen Schwangere darum, ob es den Auftragseltern überhaupt möglich sein wird, ihre Babys abzuholen. Die 26-jährige Olga aus dem Nordosten der Ukraine kam mit ihrem Sohn und Mann nach Kiev, um dort Zwillinge für chinesische Auftragsgeber zu

entbinden. Sie wartet in einer kleinen Wohnung, nahe des Entbindungszentrums, auf die Geburt. Es gehe ihr gut. Manchmal trifft sie sich mit anderen Leihmüttern der Agentur.

Für die 17.000 Euros, die sie bekommen wird, will sie ein kleines Café aufmachen. Vielleicht wird es auch ein Blumenladen. Olga bemerkt: „Ich habe keinen umgebracht oder gestohlen. Ich habe mir das Geld auf ehrliche Weise verdient.“

Ihr Sohn sitzt neben der Mutter. Er nennt die zu erwartenden Babys „Kirusha und Kirusha“.  Die einzige Sorge, die Olga hat, ist die, ob die Eltern vor der Geburt anreisen können. Ansonsten wird es ihr überlassen, für die Babys zu sorgen, bis die Eltern ankommen. Während der Pandemie kann es sich dabei um mehrere Monate handeln. Eine Mutter adoptierte am Ende das Auftragskind, weil die Eltern es nicht mehr haben wollten.

Um die Situation zu überbrücken, warten die Babys, die täglich zunehmen, in einer provisorischen Neugeborenen-Station im Hotel Venice. Einige argentinische und spanische Ehepaare hatten es noch vor dem Lockdown geschafft, in die Ukraine zu reisen. Glücklich wurden sie mit ihren Auftragskindern vereint.

Wann sich der Grenzverkehr in die Ukraine wieder normalisiert, weiß keiner. Rafael Aires verbringt bereits Monate damit, seine Tochter Marta im Hotel Venice zu sehen. Die einzige Verbindung zu seiner Frau in Spanien ist über sein Mobil-Telefon. Die Eltern hatten acht Jahre versucht, ein Kind zu bekommen. „Und nun‘, sagt er, „ta-dam“. [1]

Das Geschäft mit Kinderfabriken „floriert“ nicht nur in der Ukraine, wobei es dort noch am „humansten“ betrieben wird. Im Gegensatz dazu werden in Babyfabriken im afrikanischen Lagos Schwangere wie Gefangene gehalten, denen die Kinder nach der Geburt entgeltlos entwendet werden.

2019 wurde nicht nur ein einwöchiges Baby von der Polizei gefunden, sondern kurz darauf 19 Schwangere. Die unterernährten 15 – 28 Jahre alten Frauen wurden an vier verschiedenen Orten Nigerias in Isheri-Osum und Ikotun festgehalten. Nach der Geburt nahm man ihnen die Kinder weg und verkaufte sie für – je nach dem Geschlecht – unterschiedlichen Preisen von umgerechnet 800 – 1300 Euros.

Die Polizeieinheit Ministry of Women Affairs hatte bereits zuvor in Igando eine illegal betriebene „Kinderfabrik“ gestürmt. Während einige der Mütter wussten, dass die Kinder verkauft werden, wurden andere mit dem Versprechen nach Arbeit in die Hauptstadt gelockt. Die von der Polizei gesammelten Informationen offenbarten, dass viele der Frauen entführt wurden, um in Lagos sexuell ausgenutzt zu werden.

Wenn diese Art der Babyfabriken nicht auf den biotechnologischen Errungenschaften moderner Reproduktionsmedizin aufbaut, handelt es sich dennoch um eine moderne Art der Ausbeutung von Entwicklungsländern, die unter Umständen der Ausbeutung alter Kolonialherrschaften in nichts nachsteht. [2]

Allen Babyfabriken und auch Reproduktionstechniken gemeinsam ist, dass Frauen nicht nur dehumanisiert werden, sondern sich ihr Wert nach ihren Eizellen, ihrer Gebärmutter usw. richtet. Ganz abgesehen von den psychischen und physischen Tragödien, die sich hinter der Kulisse für Mütter und deren Kindern abspielen. Es handelt sich um ein oft verschwiegenes Dilemma, das nicht erst durch eine Coronapandemie in 2020 heraufbeschworen wurde.


[1] Grytsenko O.: The stranded babies of Kyiv and the women who give birth for money. The Guardian, Juni 15, 2020

[2] M’bwana L.: 19 Nigerian pregnant girls rescued in another baby factory. The Maravi Post, Oktober 1, 2019


Behinderte Kinder von Leihmüttern werden von Bestell-Eltern oft nicht abgeholt

Kinder, die Rahmen sogenannter Leihmutterschaftsarrangements in der Ukraine mit Behinderungen zur Welt kommen, werden von ihren Bestell-Eltern häufig nicht abgeholt.

Das berichtet das Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) in seinem monatlichen Newsletter.

IMABE beruft sich auf eine Dokumentation der australischen Journalistin Samantha Hawley, die den Titel „Damaged babies and broken hearts“ trägt. Hawley hatte bereits 2014 den Fall des Babys Gammy aufgedeckt, der weltweit für Aufsehen und Anteilnahme gesorgt hatte.

In der Dokumentation, die ausführlich den Fall eines Mädchen beleuchtet, das von seinem Bestell-Eltern nicht abgeholt wurde, nachdem Ärzte bei ihm eine Behinderung festgestellt hatten, kommt auch Nikolai Kuleba, Leiter der staatlichen Ombudsstelle, zu Wort.

Laut Kuleba handele es sich bei dem Kind um „keinen Einzelfall“. Die Ombudsstelle wisse noch von zehn weiteren behinderten Kindern, die nach Leihmutterschaft in der Ukraine geboren und von ihren ausländischen Eltern im Stich gelassen worden seien.

Die Dunkelziffer dürfte  – so Kuleba  –  noch viel höher liegen.

Quelle: ALFA-Newsletter – Foto: Dr. Edith Breburda


Seliger Pfarrer Emilian Kowcz: Märtyrer der katholischen Ostkirche und Retter der Juden

Von Felizitas Küble

Der katholische Priester Emilian Kowcz aus der Ukraine, der am 24. April 2001 von Papst Johannes Paul II. in Rom seliggesprochen wurde, ist ein wahrer „Pontifex“, ein Brückenbauer zwischen den Völkern; als Retter vieler Juden in schwerer Zeit dient er zugleich der Verständigung zwischen Katholiken und Juden.

Außerdem gehörte der Priester (auf ukrainisch hieß er Omeljan Kowtsch) zur griechisch-katholischen Kirche des orthodoxen (ostkirchlichen) Ritus, die seit Jahrhunderten mit Rom verbunden ist (unierte Kirche).

Der am 25. März 1944 im KZ Majdanek verstorbene Geistliche wurde am 24. April 2009 in Kiew feierlich zum „Patron der Seelsorger“ für die katholisch-ukrainische Ostkirche ernannt.

Bereits 10 Jahre zuvor, am 9. September 1999, proklamierte der „Rat der Juden“ in der Ukraine den Märtyrerpriester zum „Gerechten der Ukraine“.

Katholiken und Juden sind sich einig in der Wertschätzung und Würdigung dieses vorbildlichen Pfarrers, dessen Leben und Wirken geprägt war von seinem seelsorglichen Einsatz für die katholischen Gläubigen, aber auch von seiner Wertschätzung der Juden, in denen er das „Volk des Alten Bundes“ erkannte und ihnen ihren Messias Jesus Christus nahebringen wollte.

Der am 20. August 1884 in Kosmach (Galizien, Westukraine) geborene Emilian Kowcz studierte in Lemberg und Rom. Nach erfolgreichem Abschluß kehrte er in die Ukraine zurück und heiratete, wie dies in der griechisch-katholischen Ostkirche vor der Priesterweihe üblich und kirchenrechtlich erlaubt ist; seine Ehe wurde mit sechs Kindern gesegnet.

1911 erhielt Emilian Kowcz die Priesterweihe; er war zunächst als Kaplan und danach als Militärgeistlicher tätig.

Ab 1922 wirkte er als Pfarrer in einem Lviver (Lemberger) Bezirk, wobei er mehrfach von der polnischen Besatzungsmacht verhört und verhaftet wurde. Allein von 1925 bis 1934 wurde sein Pfarrhaus ca. 40 mal nach „antipolnischem Propagandamaterial“ durchsucht, was mehrere Gefängnisaufenthalte zur Folge hatte. Die Situation wurde nicht einfacher, nachdem dieses Gebiet 1939 von den Sowjets besetzt wurde.

Die Menschen in seinem Gemeindebezirk Peremyshljany setzten sich etwa zu gleichen Teilen aus Polen, Ukrainern und Juden zusammen. Als deutsche Truppen 1942 in die Stadt einmarschierten, wurde die rote Diktatur durch eine braune ersetzt, der International-Sozialismus durch den National-Sozialismus; der Kirchenhaß blieb unter dem Hakenkreuz im wesentlichen derselbe wie unter dem Sowjetstern.

Die Nazis richteten ein Ghetto für Juden ein und führten weitere antijüdische Maßnahmen durch, womit sich Pfarrer Emilian keineswegs abfand, wobei ihm seine Furchtlosigkeit später das Leben kosten sollte.

Als die NS-Schergen ausgerechnet an einem Sabbat Sprengstoff in die mit betenden Menschen gefüllte Synagoge warfen und danach die Tür von außen verriegelten, eilten Nachbarn zu Pfarrer Emilian und schilderten ihm diese Greueltat. 

Sofort rannte der Priester mit einigen Helfern zum Tatort. Da er gut deutsch sprach, schrie er die Nazi-Aktivisten derart an, daß diese sich verunsichert von der Synagoge zurückzogen.

Zusammen mit seiner Helferschar riß er die Tür des brennenden Gebetshauses auf und rettete viele Juden vor den Flammen, auch den Rabbi von Bels. Zudem warnte er seine Gläubigen in Predigten und Exerzitien davor, sich von judenfeindlichen Parolen und Provokationen der neuen Machthaber beeinflussen zu lassen.

Die Rettungsaktion des unerschrockenen Geistlichen sprach sich bei Juden in der Region überall schnell herum. Nicht nur einzelne, sondern ganze Gruppen von Juden kamen zu ihm und wollten sich taufen lassen. Manche waren von seiner christlichen Haltung und seinem tapferen Format beeindruckt und wollten daher das Christentum dieses ungewöhnlichen Mannes kennenlernen; andere glaubten, sich durch die Taufe vor der Judenverfolgung schützen zu können.

BILD: Der leidende Christus mit einem jüdischem Gebetsschal in der Sankt-Bernhard-Kirche von Münster

Pfarrer Emilian befand sich im Dilemma: einerseits wollte er gerne Juden retten, andererseits ist die Taufe kein „Mittel zum Zweck“, um vor dem KZ zu bewahren. Auch jene Juden, die sich als innerlich aufgeschlossen für das Christentum erwiesen, bedurften immerhin einer theologischen Vorbereitung.

Nach langem inneren Ringen und einem Gespräch mit seinem griechisch-katholischen Metropoliten entschied sich der Priester für einen „mittleren Weg“, nämlich für die Taufe von Juden zu „Minimalbedingungen“: wenn diese zum Erlernen des Glaubensbekenntnisses bereit waren.

Er erklärte den taufwilligen Juden aber auch, daß der Eintritt in die Kirche sie nicht automatisch vor dem KZ bewahren wird, da die braunen Machthaber auch Judenchristen verfolgten, allerdings nicht im gleichen Ausmaß wie ungetaufte Juden.

Auch dieser Einsatz des Priesters für bedrängte Juden war der NS-Besatzung ein Dorn im Auge. Am 30. Dezember 1942 wurde Pfarrer Emilian ins Gefängnis nach Lviv (Lemberg) gebracht. Dort bot ihm ein Offizier der Gestapo (Geheime Staats-Polizei) die Freilassung an, wenn er das Taufen von Juden beende:

„Wissen Sie nicht, daß es untersagt, ist, Juden zu taufen?“
„Nein.“
„Wissen Sie es jetzt?“
„Ja.“
„Werden Sie weiter Juden taufen?“
„Natürlich.“

Daraufhin verlegte man den „Unbelehrbaren“ ins KZ Majdanek bei Lublin, das erste KZ der SS im besetzen Polen. Dort setzte er seine Seelsorge unter den Mitgefangenen fort, hörte die Beichte von Häftlingen, segnete Kranke und Leidende und feierte heimlich den Gottesdienst in der byzantinischen Liturgie. Er wollte für möglichst viele Menschen eine „Brücke in die Ewigkeit“ sein, ihnen Glaubensmut und Gottvertrauen zusprechen und die Sakramente spenden.

Nach Weihnachten 1943 erkrankte er schwer und wurde ins Lager-Lazarett verlegt, wo er am 25. März 1944 verstarb, angeblich an den Folgen einer Thrombose im rechten Bein. Andere Quellen sprechen von einem Tod in der Gaskammer. Wie dem auch sei: Es war der Heimgang eines heldenmütigen katholischen Priesters und Brückenbauers zwischen den Völkern sowie zwischen Christen und Juden.

Der Märtyrer Emilian Kowcz wurde durch Papst Johannes Paul II. im Jahre 2001 in Kiew zusammen mit 26 Opfern des sowjetischen Regimes seliggesprochen; er war der einzige der 27 Kanonisierten, der von den Nationalsozialisten umgebracht wurde.
Sein kirchlicher Gedenktag ist  – wie bei den meisten Seligen oder Heiligen – sein Todestag, nämlich der 25. März.
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Erstveröffentlichung dieses Artikels in der Monatszeitschrift DER FELS (Nr. 7/2011)  –  1. Foto: Joachim Schäfer – www.heiligenlexikon.de 

Geplanter „Aachener Friedenspreis“ an einen Judenfeind wurde rückgängig gemacht

Das Presseportal „Meedia“ kritisiert am 10. Mai 2019 die zunächst geplante Verleihung des Aachener Friedenspreises an einen rabiaten Antisemiten aus der Ukraine: https://meedia.de/2019/05/10/wochenrueckblick-fast-ein-friedenspreis-fuer-einen-antisemiten-und-medien-merken-nix/

Achtung, diese Ehrung ist nicht zu verwechseln mit dem bekannten Aachener Karlspreis, der oft an hohe politische oder kirchliche Persönlichkeiten geht.

Der Aachener „Friedenspreis“ ist hingegen links-pazifistisch orientiert, wohl in etwa vergleichbar mit dem sog. „Alternativen Nobelpreis“. In beiden Fällen werden oft und gerne Israel-Gegner gewürdigt, beim Friedenspreis z.B. Walter Herrmann aus Köln mit seiner israelfeindlichen „Klagemauer“.

Doch diesmal wurde es sogar den Initiatoren selber zu bunt, so daß sie kalte Füße bekamen und ihre vorgesehene Preisverleihung wieder rückgängig machten. 

Dazu schreibt das erwähnt Portal „Meedia“: 

„In diesem Jahr sollten im Herbst mit dem “Friedenspreis” zwei Initiativen gegen Atomwaffen und der ukrainische Journalist Ruslan Kotsaba ausgezeichnet werden. Nun ist es aber so, dass Herr Kotsaba durch antisemitische Hetze übelster Sorte aufgefallen ist. In einem im Netz kursierenden Video bezeichnet er den Holocaust u.a. als Strafe dafür, dass die Juden Stalin und Hitler “gezüchtet” hätten.“

Sodann kritisiert der Autor, „zahlreiche Medien“ hätten die Friedenspreis-Ankündigung für Kotsaba kritiklos übernommen, darunter der WDR, Deutschlandfunk, das ZDF und die Aachener Nachrichten.

Doch dann kam der Rückzieher, peinlich nicht nur für den Verein selber, sondern auch für die nachplappernde „Qualitätspresse“:

„Dass die extremen antisemitischen Ausfälle ihres Preisträgers doch langsam Kreise zogen, wurde wohl auch dem Verein des “Friedenspreises” zu heiß und man will Kotsaba nun doch nicht auszeichnen.“


ROG kritisiert wachsende Einschränkung der Pressefreiheit in der Ukraine

Einreiseverbot für ausländische Korrespondenten

Reporter ohne Grenzen (ROG) ruft die ukrainischen Behörden dazu auf, eine freie und umfassende Berichterstattung über die bevorstehende Präsidentschaftswahl zu gewährleisten.

Mehreren ausländischen Korrespondenten wurde in den vergangenen Wochen die Einreise verweigert, darunter einem Kollege aus Italien. Besonders investigativ arbeitende Reporter/innen stehen in der Ukraine unter Druck: Sicherheitsdienste von Oligarchen beschatten Redaktionen; Regierungsbeamte versuchen, kritische Recherchen zu verhindern; die Generalstaatsanwaltschaft will den Quellenschutz aufweichen.

Immer öfter werden Medienschaffende mit Gewalt an ihrer Arbeit gehindert. „Die ukrainischen Behörden sollten zur Wahlberichterstattung auch Reporterinnen und Reporter einreisen lassen, die in ihren Berichten nicht der Regierungslinie folgen“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr und fügte hinzu:

„Uns ist bewusst, dass die Ukraine durch den Krieg im Osten in einer äußerst schwierigen Lage ist und dass Russland diesen Konflikt mit gezielter Desinformation in den Medien anheizt. Dennoch sollten die Verantwortlichen in Kiew nicht der Versuchung unterliegen, als Reaktion darauf das demokratische Prinzip der Presse- und Meinungsfreiheit auszuhebeln.“

Am 24. März, verweigerten Sicherheitskräfte dem Moskauer Korrespondenten des italienischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks RAI, Marc Innaro, und dessen Kameramann die Einreise. Grenzschützer erklärten Innaro am Flughafen in Kiew, der Zweck seiner Reise sei nicht erkennbar (https://ogy.de/vfcz). Einen Tag später begründete ein Sprecher des Grenzschutzes die Entscheidung mit der „anti-ukrainischen Rhetorik“ des Journalisten (https://ogy.de/3dt2).

Am 14. März hatten ukrainische Behörden ein Einreiseverbot gleich für drei Jahre gegen einen russischen Journalisten verhängt, der in Kanada lebt und zur Wahlberichterstattung in die Ukraine reisen wollte (https://ogy.de/9i4q).

Ukrainische Medien stehen im Wahlkampf unter Druck. Wie stark die Zahl der Verstöße gegen die Pressefreiheit in den vergangenen Wochen gestiegen ist, belegt das Institut für Massenmedien (IMI), die ukrainische Partnerorganisation von Reporter ohne Grenzen. Im Februar dokumentierte das IMI 29 Fälle, in denen Journalistinnen und Journalisten bei ihrer Arbeit behindert wurden – fast doppelt so viele wie in den Monaten zuvor (je 16 Fälle im Januar und Dezember, https://ogy.de/kod9).

Besonders oft werden Medienschaffende mit Gewalt an ihrer Arbeit gehindert, angegriffen oder bedroht: 17 solcher Fälle zählte das IMI im Februar, im Jahr 2018 waren es insgesamt 173 (https://ogy.de/yrzx).

Verantwortlich dafür sind etwa Regierungs- und Verwaltungsbeamte, Parlamentsabgeordnete, Mitglieder von Polizei und Strafverfolgungsbehörden sowie die Wahlkampfbüros der Kandidierenden.  

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/pressemitteilungen/meldung/kiew-darf-freie-berichterstattung-nicht-behindern/


Kinderwunsch-Tage in Berlin warben für rechtswidrige „Reproduktions“-Angebote

Hedwig von Beverfoerde

Am vergangenen Wochenende fanden in Berlin bereits zum dritten Mal die „Kinderwunsch-Tage“ statt.  Tatsächlich verbergen sich hinter der netten Fassade zahlreiche internationale Unternehmen und Kliniken aus dem Bereich der sogenannten Reproduktionsmedizin.

Firmen aus den USA, Spanien, Griechenland, Russland, Polen oder der Ukraine bieten dort ihre teuren und moralisch höchst fragwürdigen technologischen Methoden an, um den Wunsch nach einem Kind zu erfüllen – um jeden Preis, wie es scheint.

Neben In-Vitro-Fertilisation (künstlicher Befruchtung) und Samenspende finden sich unter den Angeboten auch zahlreiche Praktiken, die in Deutschland verboten sind, wie z.B. Leihmutterschaft, Embryonenspende und Eizellenspende (siehe Embryonenschutzgesetz § 1).

Auch die Präimplantationsdiagnostik (PID) steht als reguläres Hilfsmittel zum perfekten Kind im Programm, die in Deutschland seit 2011 zwar nicht mehr verboten, aber nur unter besonderen Bedingungen erlaubt ist (siehe Präimplantationsdiagnostikverordnung). Die Aussteller kommen zwar aus Ländern, in denen diese „reproduktionsmedizinischen“ Maßnahmen erlaubt sein mögen, in Deutschland ist Werbung für zum Beispiel Leihmutterschaft aber untersagt (siehe Adoptionsvermittlungsgesetz § 13 c und d).

Der Leiter der Tagung, David McAllister von der britischen Eventagentur „F2F Events“ (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen CDU-Politiker), behauptete in einer Pressemeldung von Juni 2018 zwar, die Teilnehmer erhielten „neutrale Hilfe und Informationen“.

Allerdings forderte nicht nur derselbe McAllister wenige Monate zuvor noch die Legalisierung der Eizellenspende in Deutschland, auch die Realität auf der Veranstaltung sah anders aus: In den kurzen Vorträgen und den zahlreichen Infomaterialien wird für die verschiedenen Angebote im Ausland geworben.

Fotos von Leihmüttern und Eizellenspenderinnen werden gezeigt, die medizinischen und hygienischen Standards der Kliniken vorgestellt und die verschiedenen „Pakete“ erläutert, die man dort bestellen kann. Von „all inclusive Leihmutterschaftsprogrammen“ für 55.000 Euro in der Ukraine oder „Garantien“ auf Nachwuchs durch „unbegrenzte“ Versuche der künstlichen Befruchtung ist die Rede.  

Und die wenigen rechtlichen Hürden in diesen Ländern können die Unternehmen mittlerweile auch leicht umgehen. Bevor beispielsweise in Griechenland der Prozess einer Leihmutterschaft begonnen wird, muss ein Gericht feststellen, dass die rechtliche Mutter auf natürlichem Wege kein Kind bekommen kann. Absurderweise wird dies dem Gericht gegenüber von demselben Arzt festgestellt, der auch anschließend die Leihmutterschaft vorbereiten wird.

Und etwa in Spanien gibt es die sogenannte ROPA-Methode für lesbische Paare nur, wenn sie nachweisen können, zuvor mindestens zwei Jahre in einem Haushalt gelebt zu haben. Für die Ärztin der spanischen Klinik kein Problem: Wenn das Paar das nicht könne, sollten sie dennoch kommen, ihr Notar würde das schon unterschreiben.

Quelle und vollständiger Text hier: https://demofueralle.blog/2019/03/13/schatz-lass-uns-ein-baby-kaufen-ein-bericht-von-der-kinderwunsch-messe-in-berlin/


„Reporter ohne Grenzen“ zum staatlich inszenierten Journalistenmord in der Ukraine

Journalisten dürfen sich nicht zum Instrument von Geheimdienstoperationen machen lassen, warnt Reporter ohne Grenzen (ROG). Die Organisation beklagt, dass Öffentlichkeit und Regierungen mit dem in der ukrainischen Hauptstadt Kiew vorgetäuschten Mord an dem russischen Kriegsreporter Akardi Babtschenko in die Irre geführt wurden.

„Solche Inszenierungen sind ein Stich ins Mark der Glaubwürdigkeit des Journalismus“, sagte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske. „Es ist unglaubwürdig, dass ein möglicher Mordanschlag nicht anders als durch dessen Vortäuschen verhindert werden kann. Wir fordern von den ukrainischen Behörden umgehend Aufklärung über die Hintergründe des vorgetäuschten Journalistenmordes.“

Babtschenko hatte in den 90er Jahren als Soldat der russischen Armee in Tschetschenien gekämpft, bevor er zu einem renommierten Kriegsreporter wurde. Er arbeitete in Russland unter anderem für die unabhängige Nowaja Gaseta und den Radiosender Echo Moskwy. 2008 berichtete er aus Südossetien über den Krieg zwischen Georgien und Russland.

Im Februar 2017 verließ Babtschenko Russland, nachdem er und seine Familie bedroht worden waren (http://ogy.de/uq59). Er lebte in Tschechien und Israel, bevor er im August 2017 nach Kiew zog. Von dort berichtete er unter anderem über den Krieg in der Ostukraine und arbeitete für den krimtatarischen Fernsehsender ATR.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht die Ukraine auf Platz 101 von 180 Staaten.

Weitere Infos über die Lage der Pressefreiheit dort: www.reporter-ohne-grenzen.de/ukraine.


CDU/CSU-Bundestagsfraktion beschließt ein Positionspapier zu Russland

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat ein Positionspapier beschlossen, in dem die Erwartungen an einen künftigen Umgang mit Russland formuliert sind. Dazu erklären der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Franz Josef Jung, und der außenpolitische Sprecher Jürgen Hardt:bundestag

„Die CDU/CSU-Fraktion steht für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Russland. Deshalb wollen wir die bilateralen Beziehungen nach Möglichkeit wieder verbessern. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn auch die russische Führung dies will und bereit ist, verlorenes Vertrauen wieder aufzubauen.

Das militärische Vorgehen Russlands in der Ukraine ist inakzeptabel. Wir akzeptieren die völkerrechtswidrige Annexion der Krim nicht. Die westliche Staatengemeinschaft hat darauf aus unserer Sicht abgewogen und angemessen reagiert.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Rückkehr zu einem Vertrauensverhältnis mit Russland ist daher ein Ende der Aggression gegen die Ukraine. Die Minsker Vereinbarungen über eine Befriedung der Ost-Ukraine vom Februar 2015 müssen vollständig umgesetzt werden.

Die CDU/CSU-Fraktion ist darüber hinaus der Auffassung, dass wir noch entschiedener Russlands Versuchen entgegentreten müssen, mit hybriden Methoden auf die westlichen Gesellschaften Einfluss zu nehmen. Wir können nicht hinnehmen, dass Moskau versucht, einen Keil in die Gemeinschaft der westlichen Staaten zu treiben, und Länder zu destabilisieren, die sich der EU und der NATO annähern wollen.

Zugleich lässt sich die CDU/CSU-Bundestagsfraktion von dem Gedanken leiten, die politischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Beziehungen zu Russland zu verbessern und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit anzustreben. Unser Interesse ist es, dass Russland zu einer kooperativen Politik in Europa, aber auch in anderen Krisenregionen wie dem Nahen und Mittleren Osten zurückkehrt.“


Unionsparteien appellieren an Putin: Nadja Sawtschenko sofort freilassen

Ein Gericht im russischen Donezk hat am gestrigen Dienstag die ukrainische Militärpilotin Nadja Sawtschenko zu 22 Jahren Lagerhaft verurteilt. Dazu erklärt die menschenrechts-politische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach (siehe Foto): 10

„Nadja Sawtschenko muss sofort freigelassen werden. Das Verfahren widerspricht jeglichen rechtsstaatlichen Grundsätzen. Mit diesem Prozess setzt Russland seine Auseinandersetzungen mit der Ukraine offenbar im Gerichtssaal fort. Er ist politisch motiviert und steht symbolhaft für den Konflikt in der Ostukraine.

Das russische Vorgehen verstößt gegen das Minsk-II-Abkommen, in dem vereinbart wurde, dass alle Geiseln freigelassen und Gefangene ausgetauscht werden sollen. Die Entführung Nadja Sawtschenkos aus dem Kampfgebiet in der Ostukraine nach Russland, ihre lange Inhaftierung in Einzelhaft und die fragwürdigen Verhörmethoden verstoßen zudem gegen internationales Recht. Wir fordern die russische Regierung erneut dringend auf, internationale Standards einzuhalten.

Nadja Sawtschenko beteuert weiterhin ihre Unschuld. Die Pilotin soll für den Tod zweier Journalisten des russischen Staatsfernsehens im Sommer 2014 maßgeblich mitverantwortlich sein. Diese kamen durch Artilleriebeschuss der ukrainischen Armee ums Leben. Die Daten des Mobiltelefons Sawtschenkos belegen aber, dass sie zur Tatzeit nicht am Ort des Geschehens, sondern bereits in der Gefangenschaft russischer Separatisten war.

Nadja Sawtschenko war bereits mehrfach aus Protest gegen ihre Behandlung in den Hungerstreik getreten. Sie kündigte an, nach der Urteilsverkündung die Aufnahme von Nahrung erneut verweigern zu wollen. Denn der Urteilsspruch habe mit Gerechtigkeit nichts zu tun.“