Neues Buch von Gabriele Kuby über die „verlassene Generation“ von heute

Rezension von Christa Meves

Ich möchte Ihnen heute ein Buch vorstellen, das vom Fe-Medienverlag Anfang September auf den Markt gebracht wurde. Es heißt „Die verlassene Generation“ von Gabriele Kuby.

Sie hat sich daran gemacht, eine Dringlichkeit zu verwirklichen. Es ist in seiner Art eine Neuheit: die ungeschminkte Darstellung der gesellschaftlichen Folgen einer Trendwende, die seit 50 Jahren in den westlichen Ländern zum Mainstream geworden ist.

Der einstige wilde Aufbruch in die Befreiung von allem und jedem zu neuen Lebensformen – vom Aufsprengen familiärer Bindungen bis zur Entfesselung der Sexualität – versprach zwar ab 1970 neues Glück. Aber hat das diese Veränderung auch wirklich erbracht?

Viele Bürger hat jetzt eher die bedrückende Ahnung gepackt: Nicht nur keineswegs – das Leben ist stattdessen schwerer, ja, oft sogar extrem unglücklich geworden – vom Schwierigwerden der Kinder, dem Zerbrechen viel zu vieler Beziehungen bis zur Vermehrung anhaltender seelischer Erkrankungen, die den Lebenserfolg einschränken.

Das darf nicht länger schöngeredet werden, das darf nicht länger willentlich ausgespart bleiben, sagt Gabriele Kuby – das muss auf den Tisch, das muss in seinen Ursachen zurückverfolgt, da müssen neue Forschungsergebnisse in ihrer Wichtigkeit erkannt werden und zur Bereitschaft zu konstruktiven Veränderungen führen.

Da müssen aus der Erfahrung gewonnene Einsichten in neuer Klarheit erkennbar gemacht und hervorgehoben werden. Jedenfalls: So kann, so darf es nicht weitergehen!

Das unzureichende Bekanntmachen der Fakten ist nicht nun immer weniger aushaltbar – das wird zu einer Schwäche der Gesellschaft, ja schließlich – bei den entsprechenden Mehrheiten – ist sogar eine menschenwürdige Existenz aller gefährdet!

Mit berserkerhafter Geradheit geht Kuby (siehe Foto) an die Aufgabe heran, hier verhängnisvolle Fakten der entstehenden Schäden beim Namen zu nennen und, besonders als Soziologin, die Zusammenhänge aufzudecken – in 13 Kapiteln, die es in sich haben.

Jede einzelne Zielrichtung wird kapitelweise behandelt: Unverblümt und in allen Einzelheiten geht es unter offenlegenden Benennungen zu, so z. B. in Kapitel 2: „Sex ja, Baby nein“. Da bleibt keine Methode der Verhütungsindustrie samt aller Neuheiten unerwähnt, und dann erscheint das ganze Gefüge keineswegs mehr nur lustvoll und harmlos…

Bei den Ergebnisfakten wird hier nichts ausgelassen. Das ist die Methode der Autorin: sichtbar zu machen, dass in den letzten Jahrzehnten bei wichtigen Lebensproblemen das natürliche, gesunde Empfinden der Bevölkerung zwecks Übernahme einer mainstreamstarken Meinung geradezu weggeschaltet, also zwecks Anpassung allgemein verdrängt wird.

Vollständige, tiefgreifende Aufklärung über das Abtreibungsgeschehen und über neue Möglichkeiten unnatürlicher Befruchtung z. B. wird auf diese Weise in den Hintergrund gedrängt.

Oder: Dass das tägliche Weggeben eines Säuglings im Empfinden jeder jungen, normalen Mutter wehtut und dass sie das eigentlich nicht will, ist erznatürlich. Aber das inflationierte Geld ist knapp geworden. Und so glaubt man selbst in den einzelnen betroffenen Familien immer häufiger den Ideologen, dass die Kinder im Kollektiv besser gedeihen, besser „gebildet“ werden als zu Hause. Das mag in Einzelfällen stimmen, aber nicht bei instinktsicheren, gesunden Müttern.

Was die Krippe an Negativem für die Babys im Gehirn – oft lebenslänglich – bewirkt, wird von Kuby ausführlichst dargelegt.

Sehr informativ sind auch die beiden Kapitel über das Eindringen der Sexvergötzung in die entsprechenden Institutionen, in Kindergarten, Grundschulunterricht und weitere Schulbereiche. Hier berichtet die Autorin von skandalösen Aktivitäten, die nicht altersentsprechend sind.

Hier ist für Laieneltern noch viel zu lernen, um rechtzeitig dem Ansturm ideologischer Eiferer in den Ministerien gewachsen zu sein, wenn unangemessener Sexualunterricht in der Grundschule und Sexualkundeunterricht im Jugendalter im Lehrplan stehen.

Wie deutlich wird es in den ersten 10 Kapiteln, dass – um Himmels willen – vordringlich vor allem bei solchen Unangemessenheiten die politische Richtung den Takt vorgibt, was natürlich inadäquat und damit schlimm falsch ist.

Drei Superschädigungsquellen am Schluss sind noch in weiteren Kapiteln zu benennen: die Scheidungserleichterung als Nestverlust für die Kinder, ihre einseitige Digitalisierung bei den Lernprozessen und eine leichtfertige, uneingeschränkte Zugangsmöglichkeit von Pornographie (besonders durch das Smartphone) auf dem Hintergrund internationaler Netzwerke mit verbrecherischem Kindsmissbrauch.

Spätestens beim Lesen des 12. Kapitels taucht die Frage auf: Warum haben wir das alles denn so, so lange schluren lassen?

Durch Kubys so eindringliche Schilderungen der negativen Folgen des Zeitgeistes wird uns mehr als an einem Beispiel deutlich, dass den großen Gefahren für die Zukunft aller die – nicht als Falle erkannten – oberflächlichen Lebenseinstellungen zugrunde liegen.

Gabriele Kuby streift zwar auf Seite 183 (1) meine damals bereits pointierte Öffentlichkeitsarbeit (ich war dem Protagonisten Kentler 1968 im Rahmen der EKD zum ersten Mal begegnet und hatte unverzüglich ein Gegenbuch geschrieben, um der drohenden Schändung von Kindern „als höchstes Glück der Erdenkinder“ warnend zu begegnen).

Aber jetzt erst scheint die Zeit zum einhelligen Widerstand von Menschen mit gesundem Verstand und einer verantwortungsbewussten Gesinnung eingetreten zu sein.

Jetzt erst – nach längst eingetretenem Unglück – kann von Gabriele Kuby mit trauriger Ernsthaftigkeit und fleißigster Recherche mit dem notwendigen Entsetzen – hoffentlich erfolgreich – darauf reagiert werden.

Jetzt erst scheint die Zeit zu vielzähligem Widerstand der Menschen mit gesundem Menschenverstand da! Erst wenn der Zahnschmerz übermächtig wird, kann die Wahrheit ans Licht: Dieser Zahn muss raus! – Nach Kubys Buch kann es kein Ausweichen mehr geben.

Aber von einem rasanten Sanierungswillen allein sind die fast 400 Seiten dieses Buches keineswegs beherrscht.

Es trägt außerdem die Merkmale eines „hörenden Herzens“, es ist von einem Hinauffragen nach konstruktiven Wegen, die mit der Schöpfungsordnung übereinstimmen, durchzogen. Angehängt ist außerdem der Bericht einer in Kanada aufgewachsenen, gebildeten Rumänin als konkretes Beispiel eines gesunden Familienlebens in diesem Sinne.

Die Quintessenz aller ihrer Einsichten finden wir auf den letzten Seiten des Werkes: „Jeder hat (jetzt, d. Verf.) die Wahl, weiter auf irdischen Sicherheiten zu bauen oder den großen Sprung in den Glauben zu wagen und sein Leben auf Gottes Zusagen, Verheißungen und Gebote zu bauen“ (2).

Danach gilt es also, sich auszurichten. Das ist der Geist, aus dem in später Stunde – wahrheitsgemäß und absolut unerschrocken – dieses Buch geschaffen worden ist.

(1) Kuby, Gabriele:  Die verlassene Generation, Fe-Medienverlag, Kissleg 2020, S. 183.
(2) Dieselbe: S. 351.


Unser GOTT ist groß im Verzeihen

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Jes 55,6-9:

Sucht den HERRN, solange ER sich finden lässt, ruft ihn an, solange ER nahe ist.
Der Ruchlose soll seinen Weg verlassen, der Frevler seine Pläne.
Er kehre um zum HERRN, damit er Erbarmen hat in ihm, und zu unserem Gott; denn ER ist groß im Verzeihen.
.
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN
So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.
Foto: Felizitas Küble

Film „Unplanned“ startet in Deutschland

Spannende Lebensgeschichte einer jungen Amerikanerin

Der international erfolgreiche Film „Unplanned“ ist gestern mit einer Filmpremiere in Fulda auch in deutschen Kinos gestartet. Das Filmdrama basiert auf der Lebensgeschichte von Abby Johnson, die acht Jahre lang eine Abtreibungsklinik leitete, bevor sie überzeugte Menschenrechtsaktivistin wurde. Ihre Geschichte hat sie in einem autobiographischen Buch verarbeitet (Englisch: Unplanned; Deutsch: Lebenslinie).

„Eine mitreißende Geschichte, und die Fakten werden sehr gut und sachlich präsentiert“, kommentierte ein Arzt aus Fulda den Film nach der Vorführung. Eine Münchner Studentin sagte nach der Premiere: „Dieser unglaublich bewegende Film regt zum Nach- und Umdenken an. Er wird viele Leben retten.“ 

„Besonders interessant ist zum einen, dass Abby Johnson beide Seiten intensiv kennengelernt hat und sehr gut einschätzen kann“, erläuterte Alexandra Linder (siehe Foto), Vorsitzende des Bundesverband Lebensrecht, die Hintergrundgeschichte, „und zum anderen kann man Strukturen der amerikanischen Organisation Planned Parenthood ebenso nachvollziehen wie menschliche Verdrängungsmechanismen in bestimmten Situationen; auch Abby Johnson selbst hat das erlebt.“

Als ehrenamtliche Mitarbeiterin beginnt die Studentin Abby Johnson eine Tätigkeit bei Planned Parenthood. Aufgrund ihres großen Engagements steigt sie zur Leiterin einer Abtreibungsklinik auf.

Als sie zum ersten Mal in ihrem Leben bei einer Abtreibung assistiert, wird ihr Weltbild erschüttert. Heute ist sie eine der führenden Lebensrechtspersönlichkeiten in den USA. Zwischen diesen beiden Polen liegt eine spannende und oft überraschende Berufs- und Lebensgeschichte.

Der Bundesverband Lebensrecht organisierte den Auftakt von „Unplanned“ in Deutschland. Die STIFTUNG JA ZUM LEBEN finanzierte die deutsche Synchronisation des Films.

Ab dem 16. Oktober 2020 wird der Film auf DVD und Blu-ray im Handel angeboten.

www.bundesverband-lebensrecht.de


Deutschlandpremiere des Anti-Abtreibungs-Filmes „Unplanned“ in Fulda

Zur Deutschlandpremiere von Unplanned, dem Film, der in den USA zu hitzigen Kontroversen und vollen Kinokassen führte, erklärt die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA), Cornelia Kaminski:

Vieles wurde im Vorfeld unternommen, um den Erfolg des Films in den USA zu verhindern: Der Twitter-Account des Films wurde gesperrt, in den meisten großen TV- und Radiostationen durfte keine Werbung gebucht werden, der Film wurde mit „R“ bewertet, was bedeutet, dass Jugendliche unter 17 Jahren ihn nur in Begleitung Erwachsener sehen durften.

Morddrohungen gegen eine Kinokette in Kanada führten dazu, dass diese den Film wieder aus dem Programm nahm. All das konnte jedoch nicht verhindern, dass Unplanned zum drittgrößten Erfolg der Produzenten wurde.

Dass nun in Fulda die Deutschlandpremiere dieses Films stattfinden konnte und sämtliche Premierenkarten für den großen Kinosaal vergeben waren, ist ein großer Erfolg und spricht für die Botschaft, die der Film vermittelt.

Er erzählt die wahre Geschichte von Abby Johnson, der Leiterin einer Abtreibungseinrichtung, die selbst zwei Abtreibungen hatte und davon überzeugt war, mit ihrem Engagement den 22.000 Frauen, die sie beriet und bei ihren Abtreibungen betreute, zu helfen.

Ihr Arbeitgeber ernannte sie sogar zur Mitarbeiterin des Jahres, forderte sie aber ebenfalls dazu auf, ihre Abtreibungszahlen zu steigern, da dies dem Konzern viel Gewinn einbringen würde.

Sowohl diese Aussage wie auch die Tatsache, dass nun bis zum 6. Monat abgetrieben werden sollte, fand Abby Johnson absurd, arbeitete aber weiter – bis sie sah, was bei einer Abtreibung wirklich passiert.

Das sind keine schönen Bilder, aber „es sind die medizinischen Fakten,“ so ein Arzt aus Fulda nach der Vorführung:

„Ich habe Abby Johnson persönlich kennen gelernt, als ich bei einer Veranstaltung für sie gedolmetscht habe. Der Saal war mit über 400 Menschen besetzt, aber man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Abbys Lebensgeschichte ist spannend, berührend, schockierend. Der Film geht unter die Haut, öffnet Augen und berührt die Herzen – das war heute Abend deutlich spürbar“, so ALfA-Vorsitzende Cornelia Kaminski (siehe Foto), die sich für die Premiere in Fulda eingesetzt hatte.

Veranstalter des Abends war der Bundesverband Lebensrecht, dem die ALfA angehört.


Fehlt der deutschen Ortskirche und dem Staat die Kraft, ihren Aufgaben nachzukommen?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Das Befragungsinstitut „INSA Consulere“ führte vom 31. Juli bis 3. August 2020 eine repräsentative Erhebung unter Erwachsenen durch. Die Befragten sollen Stellung zur Aussage beziehen: „Die katholische Kirche in Deutschland wirkt auf mich intern zu zerstritten, als dass sie mir Halt und Orientierung geben könnte“.

Das Ergebnis: Jeder Zweite (52%) stimmte dieser Aussage zu. 13% teilten diese Ansicht nicht. 22% wissen nicht, wie sie zu dieser Frage stehen sollen. Die Befragten Katholiken teilten zu 50% die Aussage „Die Kirche sei intern zu zerstritten“, 24% stimmten ihr nicht zu.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Interessieren würde das Hintergrundwissen der Befragten, das zu diesem Ergebnis geführt hat.

Man kann davon ausgehen, dass das „zerstritten sein“ mit den sogenannten „Reformbemühungen“ des „Synodalen Weges“ zusammenhängt.

Darüber berichten die außerkirchlichen und die kirchlichen Medien sehr uniform. Für die Bewertung der Umfrageergebnisse wäre es wichtig zu wissen, ob den Befragten bekannt ist, dass Forderungen des „Synodalen Prozesses“ nicht mit der Lehre der Kirche in Einklang stehen (z.B. zur priesterlichen Existenz, zum Frauenpriestertum, zu Sexualisierung und Partnerschaft).

Ferner: Ist den Befragten bekannt, dass Papst Franziskus im Brief „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ den Primat der Neuevangelisierung vor Strukturreformen gefordert hat?

Es bleibt die Feststellung: Die deutsche Ortskirche kann der Hälfte der Katholiken keinen Halt und keine Orientierung mehr geben. Dies gilt umso mehr für die Gesamtgesellschaft.

Wie stellt sich dieser dar?

Der polnische Botschafter in Deutschland, Andrzej Przylebski, sagte in einem Interview (Junge Freiheit, 7.8.20): „Ich erkenne Deutschland nicht wieder“.

Was berechtigt ihn zu dieser Formulierung? Kennt er Deutschland?

Der Botschafter verbrachte hier mit seiner Familie 15 Jahre. Er war von 1996 bis 2001 im diplomatischen Dienst in Bonn und Berlin.

In dem Interview stellt er fest:

„Deutschland hat sich nach der Jahrtausendwende sehr verändert: Weitgehende Atomisierung der Gesellschaft, Zerfall der Familie, wachsende Feindschaft gegen den christlichen Glauben, Dominanz der Genderideologie und ein destruktive Kritik an der europäischen Kultur. Wir Polen, zumindest die Mehrheit, können uns in diesem Europa nicht mehr wiedererkennen“.

Dafür zahlt Polen einen hohen Preis in der ideologischen Berichterstattung über dieses Land. Der Botschafter zählt sie detailliert auf. Nach diesen Medien würde in Polen der Rechtsstaat beseitigt. Polen versucht an den Werten der europäischen Kultur festzuhalten – „als letztes Bollwerk des Abendlandes“.

Deutschland befindet sich nach Przylebski „auf der Schwelle von einem modernen zu einer postmodernen Gesellschaft. Doch wenn es den Weg zurück nehmen würde, dann wäre Europa gerettet!“

Das erinnert an Siegfried Ernst, dem Vorsitzenden der Europäischen Ärzteaktion, der immer vertreten hat, Deutschland stehe nicht zufällig in der Mitte Europas. Es hat eine Verantwortung für Europa!

Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, müssen wir zur Botschaft Jesu zurückkehren. Er hat seine Mission begonnen mit der Aufforderung: Denkt um, kehrt um und glaubt an das Evangelium!


Bischöfe in Guatemala: Coronakrise ist ein Weckruf für die Umkehr zu Gott

„Die Bischöfe von Guatemala möchten sich an alle Menschen in Guatemala wenden mit einem Wort des Glaubens, das uns beseelt“, heißt es zu Beginn einer Botschaft der kath. Bischofskonferenz von Guatemala vom vergangenen 4. Juni.

„Die Epidemien, die die Menschheit im Laufe ihrer Geschichte heimgesucht haben, haben immer zwei Reaktionen hervorgerufen: die Solidarität, um den Opfern zu helfen, und die Suche nach theologischer und spiritueller Bedeutung“, so die Oberhirten weiter.

Die Bischöfe stellen fest, dass man in dieser Zeit auf eine neue Art und Weise über Gott nachgedacht habe und an eine andere Zukunft denke.
 
In der Sicht des Glaubens könne die Pandemie auch als Zeitzeichen definiert werden; in der Heiligen Schrift seien „Katastrophen zugleich Gelegenheiten, mit denen Gott uns ruft, zu ihm zurückzukehren und unser Verhalten zu korrigieren. Es ist eine beständige Versuchung, eine Gesellschaft ohne Gott aufzubauen, ohne auf ihn zu zählen  – und die Pandemie lässt uns verstehen, dass das menschliche Leben zerbrechlich und widersprüchlich ist“.

„Wir müssen umkehren und Gott wieder in den Mittelpunkt unserer sozialen und politischen Pläne stellen und IHN zu unserem Bezugspunkt für Werte zu machen“, schreiben die Bischöfe und betonen, dass „diese Pandemie einen Weckruf ist, in Gott den Garanten dafür zu erkennen, dass das Sittengesetz in die natürliche Ordnung der Dinge eingeschrieben wird“.

Quelle: Fidesdienst


USA: Zur Kontroverse um Erzbischof Gregory: Warum so einseitig und zeitgeistangepaßt?

Von Dr. Edith Breburda

Der brutale Tod von George Floyd ist keine Rechtfertigung für gewaltsame Aufstände in den USA. Und so fragt man sich: Wo bleibt die Anteilnahme von Kirchenführern gegenüber den  Menschen, die bedingt durch all diese Randale in den letzten 10 Tagen in Angst und Bange leben?

Einige Demonstranten nutzen die Gelegenheit, unter dem Vorsand, gegen Rassenungerechtigkeiten zu protestieren, ihrer eigentlichen linken Agenda „Gehör“ zu verschaffen.

Und so traf es die Schwächsten der Schwachen, die auf den Straßen rücksichtslos angegriffen wurden – oder in brennenden Gebäuden gefangen waren, während Chaoten den Zugang zur Feuerwehr blockierten.

Wo bleibt der Aufruf zur Solidarität gegen die Ungerechtigkeiten, Gewalttaten und die Terrorakte, die oft arme schwarze Gemeinden über sich ergehen lassen müssen?

Ist es nicht die Aufgabe der Kirche, einer rechtswidrigen Zerstörungswelle Einhalt zu gebieten bzw. die letzten Überreste einer kaum noch vorhandenen Ordnung zu retten?

Man erwartet von einem Würdenträger der Kirche nicht, dass er sich mit den linken Medien solidarisiert und Präsident Trump öffentlich rügt, weil er „friedliche“ Demonstranten von seinem Grund verdrängte, um ein Foto vor der St. John-Kirche anfertigen zu können, die einen Tag zuvor von Demonstranten angezündet wurde. Selbst Jesuitenpater James Martin zeigte sich über die religiöse Geste des Präsidenten entrüstet.

Als Trump und seine Frau am nächsten Tag die katholische Wallfahrtskirche des hl. Johannes Paul II. aufsuchte, war dies für Erzbischof Gregory ernsthaft ein Anlass, die beiden Besucher öffentlich zu kritisieren. Er unterstellte, dass die Leitung des Nationalheiligtums von der Regierung manipuliert worden sei, um als Hintergrundfolie für die Präsidentschaftskampagne zu dienen.

Dass der katholische Erzbischof einerseits mit dem Präsidenten nicht einverstanden ist, aber andererseits der Sprecherin des Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi von den Demokraten, in seiner Kathedrale sehr wohl die Chance bot, sich dort öffentlich zu äußern, ist kein Geheimnis.  

So bezeichnete der Oberhirte von Washington den Besuch des Präsidenten in dem Gotteshaus als „verwerflich“. Es war für den Würdenträger kritikwürdig, dass eine katholische Einrichtung so ungeheuerlich missbraucht und manipuliert worden sei, jemanden in der Kirche zu begrüßen, der angeblich nicht die Menschenrechte verteidigt.

Dieses einseitige Statement von Erzbischof Gregory erscheint besonders schwerwiegend, weil er der frühere Vorsitzende der US-Bischofskonferenz war.

Gregory verzichtete bei seiner scharfen Maßregelung auf den sonst eher zurückhaltenden Stil, den die Kirche normalerweise im Umgang mit amerikanischen Politikern und erst recht mit einem US-Präsidenten pflegt. Im Gegenteil, er gab sogar vor, Trumps innere Motive zu kennen, obwohl diese letztlich Gott allein bekannt sind.

Der Präsident und die katholische First Lady hatten schon lange den Besuch der Wallfahrtskirche geplant. Die Bischöfe sollten sich geehrt fühlen, denn selten hat ein amtierender Präsident einen katholischen Wallfahrtsort aufgesucht.

Noch dazu war der Anlass des Besuches ein lang ersehntes Gesetz zur weltweiten Religionsfreiheit, das Trump am selben Tag unterzeichnete.

Gerade jetzt erwarten Amerikaner eine faire Anteilnahme ihrer Priester und Bischöfe, als dass diese sich mit kleinlicher Politik befassen.

Die Schlüsselfragen, die angegangen werden müssen, gehen weit darüber hinaus, ob man den Präsidenten, der in Pro-Life Angelegenheiten ganz auf christlicher Linie steht, mag oder nicht.

Es wirkt eher verwirrend, wenn sich ein Oberhirte unnötig und noch dazu einseitig in politische Tagesthemen einmischt und gleichzeitig seine spirituelle Führungsrolle vernachlässigt. „

„Verschwommene Plattitüden, die sich auf soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde berufen, tragen nichts dazu bei, die herrschende Gewalt, die in fast allen Städten der USA vorherrscht, zu stoppen“, schreibt John Horvat, der Vizepräsident von „Tradition, Family und Property“ in seinem Rundbrief am 4. Juni 2020.  

Horvat redet von drei Dingen, auf die der Erzbischof hätte bezugnehmen müssen:

1) Es sollte zu einer klaren Verurteilung der Plünderungen und der gewaltsamen Unruhen kommen.  Der brutale Tod von George Floyd, der die Proteste auslöste, darf nicht als Vorwand für eine insgesamt weitaus schlimmere Gewalt dienen.

Die Rolle der Kirche besteht vor allem darin, sich gegen Ungerechtigkeiten auszusprechen. Es ist Zeit, jene Agitatoren, die Terror verbreiten, beim Namen zu nennen. Wo bleibt der Aufruf, für all die Opfer zu beten? Zudem ist die Forderung einiger Politiker falsch, den Polizisten, die helfen, Ruhe und Ordnung zu schaffen, sogar Gelder zu entziehen.

Wer tröstet diejenigen, deren Geschäfte niedergebrannt wurden? Die zusammengeschlagen oder getötet wurden, weil sie versuchten, sich selbst oder ihre Nachbarn vor den Plünderern zu verteidigen? Diejenigen, die jetzt buchstäblich vor dem Ruin stehen?

Wer betet für die Polizisten, die jede Nacht ihr Leben riskieren, um uns zu beschützen? Wäre es nicht angebracht für einen Erzbischof, die sinnlosen Zerstörungen anzuprangern?

Es sind auch Kirchen, die mit Graffitis besprüht oder angezündet werden. Die Forderungen, sich mit den Protestierenden zu solidarisieren, ohne die Gewalttaten der Trittbrettfahrer zu verurteilen, widersprechen dem Evangelium und der kirchlichen Ethik.

2) Der Erzbischof sollte sich damit beschäftigen, wann er seine Kathedrale öffnet und so die Sakramente für die Gläubigen wieder zugänglich werden. Ganze Regionen und Bundesstaaten haben immer noch keinen Zugang zu ihnen. Gläubige sterben, ohne mit den Gnadenmitteln der Kirche getröstet zu werden oder beichten zu können.

Demonstranten dürfen in Coronazeiten ohne „social distancing“ ganze Straßenzüge einnehmen, während Kirchen nicht mehr als 10 bis 25 Gläubigen Einlass gebietet.  Es scheint sich auch keiner darum zu bemühen, es mit der Wiedereröffnung der Kirchen eilig zu haben.

Katholiken wollen von ihrem Bischof in ihren Nöten verstanden werden. Restaurants dürfen gefüllt werden, aber die geistige Nahrung wird den Gläubigen nach wie vor verweigert.

3) Katholiken erwarten, dass ihr Erzbischof die Gelegenheit nutzt, um über die Sünde als solche zu sprechen, die den Menschen verrohen lässt. Er sollte zu Buße und Umkehr aufrufen. Massenabtreibungen (die auch während der Pandemie durchgeführt wurden), Blasphemie usw. sind es, die unser Land spalten. Ein Bischof sollte seine Gläubigen zum beharrlichen Gebet anhalten.

Vizepräsident John Horvat glaubt allerdings nicht daran, dass sich Erzbischof Gregory diese Anregungen zu Herzen nimmt.

Die Äußerungen unseres Oberhirten bleiben auch diesmal zeitgeistig und nichtssagend, schlussfolgert Horvat in seinem Artikel “3 Things DC Archbishop Gregory should’ve said instead of criticizing President Trump.“

Letztes FOTO: Titelbild eines bioethischen Buches von Dr. med. Edith Breburda: „Gentopia – das gelobte Land“

Weitere Infos über die Aufstände in den USA hier: https://philosophia-perennis.com/2020/06/05/kommunistischer-putschversuch-in-den-usa/


Warum zuhause lernen gut für unsere Kleinen ist: JA zur Homeschooling-Pädagogik

Von Christa Meves

Die Anstrengungen der Medien um Gestaltungsformen der in Quarantäne geschickten Bevölkerung sind groß und z. T. sogar originell. Aber trendgemäß scheint die Zumutung beklagenswert und schwer zu bewältigen, dass die Kinder allein von den Eltern betreut werden.

Deshalb sei die Rückführung in die Beschulung einschließlich von Kitas und Kigas ein dringliches Gebot in den vorsichtigen Lockerungsbemühungen. Eindrucksvoll wird demonstriert, dass es nicht länger zugemutet werden kann, dass die unruhigen Kinder die Mütter, die in Vollzeitbeschäftigung  stehen, während ihrer Homeoffice-Tätigkeit umlärmen.

Mit anklagenden Mienen werden junge Frauen vorgeführt, die lauthals bekunden, dass sie die ständige Nähe ihrer Kinder bald zur Verzweiflung treibe. Einzelne Länderregierungen hierzulande haben diesem Geklage nun bereits – nicht durch Vernunft, sondern auf dem Boden linker Politik – nachgegeben und trotz deklarierter Gefahr die Kinder in den Abschlussklassen beschult. Andere beharren im Isolationsstatus.

Die Intention solcher lockernden Maßnahmen ist unverkennbar.

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es aber keineswegs die Mehrheit der Mütter, die in dieser Weise betroffen ist. Vielen von ihnen bereitet es hingegen Freude, mehr Zeit zu haben, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen.

Es soll sich in der Öffentlichkeit weiter die Vorstellung festigen, dass es zwingend ausgebildeter Pädagogen bedarf, um das moderne Kind wirklich zu bilden. Das entspricht wissenschaftlich zwar nicht der Wahrheit, aber wird derartig propagiert, dass es nun auch immer mehr wohlmeinende Eltern glauben.

Die Wahrheit wusste im Grunde schon der weise Goethe, indem er den Satz formulierte: „Man lernt nur von dem, den man liebt.“ – Natürlicherweise sind das aber die Eltern, und zwar in den ersten Lebensjahren ganz besonders die leiblichen Mütter. Dort – bereits in der Schwangerschaft und während der Stillzeit – prägt sich Bindung an die Mutter ein.

Aber der künstlich verderbte Trend in der westlichen Gesellschaft versucht nun stattdessen, die Mütter als den hochrangigsten und gleichzeitig den natürlichsten Bildungsfaktor der so bedeutenden, so prägenden frühen Jahre auszuschalten und zu entwerten.

Diese Masche gehört zu der bewussten Bemühung, Kollektivierung von Anfang an und weiterhin durch digitale Vollbeschulung zum zwingend notwendigen Bildungsfaktor zu ernennen. Ich kann deshalb in dieser Situation den jungen Eltern nur noch einmal wieder zurufen: Bitte lasst Euch diesen Bären nicht aufbinden! Nutzt stattdessen die Corona-Situation zur Förderung Eurer Kinder, solange sie ganztägig bei Euch sein dürfen, zumal es ein Bildungsmittel gibt, das – außer Eurer den Kindern wohltuenden Nähe – erfolgreich ist.

Es lässt sich auch ohne mühselige Anstrengungen vollziehen und – von der Kleinkinderzeit an bis weit ins Grundschulalter hinein praktiziert – die Intelligenz nur so sprießen, und zwar – wie die Hirnforscher uns bestätigen – mehr als jedes andere Mittel ähnlicher Art: Das ist das VORLESEN.

Holt also die Märchen-, die Sagenbücher, die Kinderbibeln aus den Winkeln Eurer Schränke und setzt Euch mit den Drei- bis Zehnjährigen beieinander aufs Sofa (Euch allein ist das ja sogar in der Corona-Krise erlaubt!).

Wenn ihr Euch vorher um Eure Kinder bemüht habt, nehmen sie – wenn der angebotene Stoff ihrem Reifegrad entspricht – solche Angebote mit Spannung, Interesse und Konzentration an. Schon die einzelnen Seiten in den Leporello-Büchern erfreuen bereits die Babys. Allein schon das Umblättern erweckt ihr Interesse, und wie erst recht beginnen dann in allen Entwicklungsphasen die Bebilderungen in den Büchernm, sie zu faszinieren!

Mit Freude wird dann auch die Wiederholung der Bilder am nächsten Tag als eigener Lernerfolg begrüßt. Und das steigert sich bald – spätestens von der Dreijährigkeit ab, wenn man zu kindgerechten Geschichten übergeht, die es als reichen Schatz in unseren Bibliotheken – aber auch bei vielen  Familien zu Hause –  noch gibt!

Sagen Sie nicht, dergleichen sei in der Corona-Situation nicht erreichbar. Wir machen jetzt die Erfahrung, wie einfallsreich sich auch Fachleute für die unbeschulten Kinder einsetzen. Wie wäre es mit Einsätzen von Bibliothekarinnen aus unseren Leihbüchereien?

Und ich bin mir sicher, es brauchten nur einige Menschen mehr vom  Wert dieser Bildungsmöglichkeiten überzeugt zu sein, dann würden binnen kurzem auch zusammengesammelte Kinderbücher präsent sein, die vor die Haustüren von Wohnungen mit Kindern abgelegt würden. Und ähnlich originelle Einfälle könnten greifen.

Das Kulturgut ist noch vorhanden, und an Ideen zur Übermittlung würde es schon bald in unserer Situation heutzutage glücklicherweise nicht fehlen. Sogar einzelne Väter lassen sich einspannen. Sie werden mit der schulischen Lernfreude ihrer Kinder belohnt werden und das so heiß ersehnte Ziel, ein gut benotetes Abitur, kann dann gewiss für viele mehr in eine anpeilbare Nähe rücken.

Selbst Corona könnte uns an der Erfahrung, wie sie hier von der Wissenschaft auf diesem Feld bereits hieb- und stichfest erforscht ist, klüger werden lassen: Einer der ratlosen Endlos-Diskutierer in unseren Medien brachte es kürzlich auf den Punkt: Wendet Euch doch nun in der Isolation der Corona-Krise der Homeschooling-Pädagogik zu, die es lange schon ausgefeilt – und erfolgreich zum Abitur führend – gibt und subventioniert dann bitte auch Mütter für all ihre direkten Bemühungen um die Kinder!

Zollt so der Mutterschaft endlich gesellschaftliche Anerkennung! Gebt den standfesten Müttern als Regierungsmaßnahmen wenigstens klug ein Stück ihrer Ehre zurück, damit sie sich ohne finanzielle Not in gelassener Freude um ihre Kinder kümmern können! Ja, das wäre für viele ein Ansatz zu der Möglichkeit, der Realität und ihren Notwendigkeiten, statt einer verhängnisvollen, schädigenden Ideologie Raum zu geben.

Mögen unsere Regierungen diese späte Chance zur Einsicht und zur Umkehr nutzen! Nur so lässt sich auf Zukunft für unsere Kinder hoffen!

Christa Meves ist Psychotherapeutin und Bestseller-Autorin; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“,  online weitere Infos und Artikel: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm

 


Beten wir nur um Trost von oben oder auch um unsere Umkehr zu Gottes Geboten?

Von Felizitas Küble

Auf vielen Internetseiten von Pfarrgemeinden – und natürlich erst recht auf dem erscheinungsbewegten Portal „Kath.net“ – finden wir derzeit ein Gebet, das Dr. Johannes Hartl veröffentlicht hat, der katholische Theologe und Leiter des charismatisch-ökumenischen Gebetshauses Augsburg. In Münster entdeckte ich diesen Text auch in einer Kirche – als Flugblatt zahlreich ausgelegt neben Ostereiern und kleinen Kerzen.

In pfingstlerischen und charismatischen Kreisen gibt man sich gerne „prophetisch“, liebäugelt mit außergewöhnlichen „Geistesgaben“ wie etwa dem sogenannten „Wort der Erkentnis“ oder Visionen für die Zukunft.

Dabei wird gerne übersehen, daß die Aufgabe der biblischen Propheten weniger in  auffälligen „Vorhersagen“ bestand, sondern vielmehr in der kräftigen Bußpredigt. Es ging darum, die Gläubigen und erst recht die Ungläubigen zur Umkehr zu rufen, aus ihrer Gleichgültigkeit herauszureißen und immer wieder an Gott und seine Gebote zu erinnern.

Diese herbe Zeit(geist)kritik, dieser unbequeme Dienst, der oft zu Verfolgung oder gar Tod führte, war das eigentliche „prophetische“ Wirken dieser mutigen Persönlichkeiten „von Gottes Gnaden“.

Im Vergleich dazu ist es viel behaglicher, Gott und seine „Zärtlichkeit“ anzurufen, ihn um „Trost“ für uns selber zu bitten und an seine „Sanftheit“ zu appellieren.

Nicht daß dies völlig falsch wäre, nicht daß das Bittgebet an sich ein Problem wäre (ganz im Gegenteil) – aber wir wäre es, wenn auch um die eigene Umkehr gebetet würde?

Auch die Gläubigen bedürfen immer wieder eine stärkeren Neuausrichtung auf Gott und seinen Willen – und erst recht in Notzeiten sollen sie durch „Bußrufe“ zur inneren Einkehr gelangen.

Doch gerade in charismatischen Bewegungen wird zwar viel vom „prophetischen Dienst“ geredet, aber damit nur selten ein wirklicher Bußaufruf verbunden.

Das zeigt sich bei Dr. Hartls Gebet angesichts der Corona-Krise ebenfalls. Schon der erste Satz ist charakteristisch: „Herr, wir bringen Dir alle Erkrankten und bitten um Trost und Heilung.“

Sodann die nächsten zwei Bitten (erneut wird darin um „Trost“ gefleht): „Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden. Bitte tröste jene, die jetzt trauern.“

Kein Wort davon, daß Gott die Sterbenden zur Umkehr führen möge – oder sind etwa alle Todgeweihten im „Gnadenstand“ und bereit für den Himmel?

Sodann wird für Politiker und Pfleger etc. gebetet, ebenso für Menschen „in Panik“ oder mit „materiellem Schaden“. Auch hierbei ist keinerlei „Bußruf“ damit verbunden.

In diesem Seufzer-Stil geht es dann weiter: „Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen, sich einsam fühlen, niemanden umarmen können. Berühre Du Herzen mit Deiner Sanftheit.“

Stellt schon der „liebe“ Gott eine gewisse Verniedlichung dar, so erst recht der „sanfte“ Gott….

Immerhin heißt es noch, daß wir „irgendwann sterben werden“ und Gott allein „ewig“ ist – aber erneut keine Bitte um eigene Heiligung und verstärkte Hinwendung zu Gott im Sinne des biblischen Wortes:

„Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit – und alles andere wird euch hinzugegeben werden.“ (Mt 6,33).

Quelle für die Zitate: https://johanneshartl.org/gebet-in-der-coronakrise/


Osterpredigt von Bischof Voderholzer: Unser JA zur Schöpfungsordnung Gottes!

Die „Ökologie des Menschen“ wieder beachten

Ein wenig gespenstisch wirkt die Szenerie des Domes zu Regensburg, als Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am Ostersonntag 2020 um 10 Uhr das feierliche Pontifikalamt beginnt.

Gähnend leer ist der Dom. Nur eine Handvoll Menschen tragen mit ihrem Dienst zur Eucharistiefeier bei. Zwar feiern Zehntausende im ganzen Bistum Regensburg und weit darüber hinaus diese Auferstehungsfeier an Bildschirmen mit. Trotzdem fehlen die singenden und betenden Menschen im Raum, dennoch vermisst man die Freude dieses Morgens und die spürbare Auferstehungshoffnung.

Hat die Pandemie selbst Ostern im Griff?

Bischof Rudolf geht darauf ein:

„Noch am Beginn der zurückliegenden Fastenzeit, am Aschermittwoch, hat das Bundesverfassungsgericht das Verbot organisierter Beihilfe zum Suizid gekippt mit Hinweis auf die überragende Bedeutung der Autonomie des Menschen. Keine vier Wochen später werden in unserem Land Grundrechte wie Versammlungsfreiheit, Reisefreiheit, Freiheit der Religionsausübung auf vorerst unbestimmte Zeit in einer Weise beschnitten, wie es noch nicht einmal in Zeiten schlimmster Diktatur der Fall war.“

Bischof Rudolf trägt diese Entscheidungen mit, „weil wir uns gerade auch als Kirche nicht mitverantwortlich machen dürfen für eine Situation, in der unser Gesundheitswesen  zusammenbrechen würde.“

Seine Frage aber lautet: „Lässt sich das Bundesverfassungsgericht nicht plötzlich doch auch noch von anderen Gesichtspunkten leiten als nur der Wahrung der grenzenlosen Autonomie des Einzelnen? Und bringt die gegenwärtige Krise die Rechts-Philosophie der grenzenlosen Autonomie nicht doch an ihre Grenzen?“

Der Regensburger Bischof stellt im Licht der Osterbotschaft die zentrale Frage, die viele Menschen jetzt bewegt: Wie geht es weiter? Was bedeutet die Pandemie?

Denjenigen, die in der lähmenden Pandemie eine Strafe Gottes erkennen wollen, pflichtet der Bischof nicht bei: „Gott ist Gott und kein Mensch, der von Stimmungen oder gar Kränkungen abhängig wäre.“ – Vielmehr seien es die Folgen unseres Tuns, die jetzt auf uns zurückfallen:

„Ist es nicht vielmehr so, dass wir uns selbst bestrafen, wenn wir uns nicht an den Lebensweisungen Gottes orientieren? Wiederum biblisch gesprochen: „Wer sündigt, ist der Feind seines eigenen Lebens“ (Tob 12, 10).“

Etwas salopper mit der alten Lebensweisheit gesagt: „Wer zum Himmel spuckt, trifft sich selbst.“

Es sei der Mensch selbst, der dem Corona-Virus die Türen geöffnet hat: „Die Pandemie und ihre Auswirkungen sind die Folge einer Kette von Schuld und menschlichem Versagen, in der sich menschliche Hybris, Stolz, Leichtsinn und Profitgier zu einer unheilvollen Allianz verbinden.“

Bischof Rudolf entfaltet diesen Gedanken sodann: Eine Zeit der Lähmung habe Israel während der Babylonischen Gefangenschaft erlebt:

„Zu den beeindruckendsten Erkenntnissen seiner Besinnung gehört das Wort aus dem Zweiten Buch der Chronik im Alten Testament: „Dem Land wurden seine Sabbate ersetzt“ (2 Chr 36,21). Das heißt: Die Zeit der erzwungenen Ruhe im Exil wurde Israel zu einer Zeit, in der es all die Sabbate nachholen konnte, die es zuvor unter Missachtung der heilsamen Weisung Gottes verschleudert hatte. Der Sabbat steht dabei (…) für ein Leben im Einklang mit dem Schöpfergott und seiner Schöpfung.“

Was wir brauchen ist „ein Ethos für den Menschen im Einklang mit dem Schöpfer und der Schöpfung.“ Dieses Ethos findet in der europäischen Tradition seinen Ausdruck u.a. in der Naturrechtslehre.

Bischof Rudolf weiter: „Ich frage: Brauchen wir nicht eine neue, zeitgemäße Formulierung einer Naturrechtslehre, die ausgeht von einer größeren Wahrnehmung und Wertschätzung des von der Schöpfung Vorgegebenen; Schöpfung neu zu denken, die eben nicht weitgehend ein Konstrukt des Menschen, sondern Gabe des Schöpfers ist.“

Der Regensburger Oberhirte entfaltet einen umfassenden Begriff ökologischer Verantwortung, in deren Mitte eine Ökologie des Menschen stehen müsse, die bereits Papst Benedikt XVI. in seiner Rede vor dem deutschen Bundestag in die deutsche Debatte eingeführt hat:

„Das fängt an bei der Achtung der Positivität der Geschlechterdifferenz des Menschen, der von Gott als Mann und Frau geschaffen wurde. Hierher gehören alle Themen des Lebensschutzes, an seinem Beginn und in Alter und Hinfälligkeit. Das hat Konsequenzen für einen ehrfurchtsvolleren Umgang mit der Weitergabe des Lebens, Stichwort: Fortpflanzungsmedizin.

Mehr Achtung, Ehrfurcht und Respekt auch vor der Wirklichkeit von Vaterschaft und Mutterschaft. Das muss letztlich auch Konsequenzen haben für eine artgerechte Tierhaltung und auch für gerechtere Preise für entsprechende landwirtschaftliche Produkte.

Wir brauchen, so scheint mir, eine Reformulierung der Naturrechtslehre, die die Schöpfungsordnung und Erlösungsordnung aufeinander bezieht und daraus eine Antwort entwickelt auf die Katastrophe der Gegenwart.“

Bischof Rudolf rief dazu auf, die Osterbotschaft jetzt und gerade in der existentiellen Erfahrung der Krise im täglichen Leben zu bekennen:

„Wenn wir die Krise, so schwer sie auch auf uns lastet, als Aufruf zur Gewissenserforschung nehmen, kann auch tatsächlich Segen und Heil aus ihr erwachsen. Und bitten wir um Gottes Geist, dass er uns helfe, die Bitte der Oration des heutigen Ostersonntags wahr werden zu lassen: „Schaffe uns neu, o Gott, damit auch wir auferstehen und im Licht des Lebens wandeln“. 

Text-Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/das-corona-virus-hat-sich-der-mensch-selbst-geholt-eine-seuche-zeigt-uns-die-grenzen-menschlicher-autonomie-7394/