Alarmierende Erkenntnisse zur chronischen Venenschwäche und Herz-Kreislauf-Problemen

Die chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) ist eine Erkrankung der Beinvenen, die zu schweren Venen- und Hautveränderungen bis hin zu chronischen Wunden führen kann. Bislang wurde die Erkrankung vorwiegend als ein ästhetisches und lokales Problem der Venen betrachtet.

Jedoch zeigen neue Daten, dass die chronische Venenschwäche mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einer höheren Sterblichkeit einhergeht.

BILD v.l.n.r.: Prof. Dr. Philipp Wild, Dr. Jürgen Prochaska (Foto: Thomas Böhm. Universitätsmedizin Mainz)

Diese bisher unbekannten Erkenntnisse von Wissenschaftler/innen des Centrums für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz und des Deutschen Zentrums für Herzkreislaufforschung (DZHK) legen nahe, die CVI zukünftig als Vorhersagekriterium für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu nutzen.

Die Ergebnisse der Mainzer Studie wurden jetzt in der Fachzeitschrift „European Heart Journal“ veröffentlicht.

„Unsere Untersuchung ist die erste und umfangreichste bevölkerungsbezogene Studie, die systematisch das gesamte Spektrum der Veneninsuffizienz untersucht und in Verbindung mit etablierten Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswertet“, erläutert Dr. Jürgen Prochaska, Oberarzt am Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz und Arbeitsgruppenleiter am CTH.

„Wir konnten zeigen, dass die chronisch-venöse Insuffizienz ausgesprochen verbreitet ist: Bei rund 41 Prozent der 40- bis 80-jährigen Probanden der bevölkerungsbasierten Gutenberg-Gesundheitsstudie (GHS) wurde eine symptomatische chronische Venenschwäche mit Ödemen, Hautveränderungen oder offenen Wunden der unteren Gliedmaßen diagnostiziert.“

Die Studiendaten belegen, dass die Häufigkeit der chronisch-venösen Insuffizienz mit zunehmendem Alter deutlich ansteigt. Während bei den 40- bis 50-Jährigen mehr als jeder Fünfte betroffen ist, sind es bei den 70- bis 80-Jährigen sogar mehr als zwei Drittel. Eine weitere Erkenntnis der Studie: Frauen erkranken etwas häufiger als Männer.

Zudem stellte das Mainzer Forscherteam fest, dass Personen mit einer chronisch-venösen Insuffizienz mit einer etwa 60 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit gleichzeitig eine schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung aufweisen als Personen mit gleichem Alter und Geschlecht ohne CVI.

Die Wissenschaftler/innen konnten darüber hinaus zeigen, dass das Risiko, in den nächsten zehn Jahren an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche oder der Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zu erkranken, bei Personen mit CVI fast doppelt so hoch ist wie bei Personen ohne Zeichen einer Venenschwäche.

„Unsere Daten offenbaren eine weitere alarmierende Erkenntnis“, betont Univ.-Prof. Dr. Philipp Wild, Leiter der Präventiven Kardiologie am Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz und Leiter der Klinischen Epidemiologie und Systemmedizin am CTH.

„Wir haben in der Studie nachgewiesen, dass die Gesamtsterblichkeit über alle Todesursachen hinweg bei Menschen mit chronisch-venöser Insuffizienz unabhängig von allen anderen Faktoren, wie etwa Alter, Geschlecht, Risikofaktoren und Begleiterkrankungen, deutlich erhöht ist. Dies unterstreicht in Verbindung mit der hohen Verbreitung die Notwendigkeit, die Krankheit ernst zu nehmen und als möglichen Indikator für das Vorliegen einer kardiovaskulären Erkrankung zu nutzen.“

Die Sterblichkeit von Personen mit fortgeschrittener Venenschwäche war im Beobachtungszeitraum von etwas mehr als sechs Jahren um etwa das 1,7-fache höher als bei Personen ohne diese Erkrankung.

Quelle und Fotos: Universitätsmedizin Mainz


Studie: Therapie von Krebs der Speiseröhre bzw. des oberen Magens verbessert

Forschern der Universitätsmedizin Mainz ist es in Zusammenarbeit mit internationalen Kooperationspartnern gelungen, eine neue und erfolgversprechende Behandlungsoption für Patienten mit wiedergekehrtem Speiseröhren- oder oberen Magen-Krebs zu entdecken.

Wird die bisherige Standardbehandlung, bestehend aus Chemo- und Bestrahlungstherapie sowie einer Operation, um eine postoperative medikamentöse Immuntherapie ergänzt, sinkt das Risiko eines Rezidivs und die Patienten haben eine höhere Chance, länger ohne erneute Krebserkrankung zu leben.

Die Ergebnisse der Phase III-Studie CheckMate 577 sind in der renommierten Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht und haben nun zur europäischen Zulassung geführt.

Bei Patienten mit Krebserkrankungen der Speiseröhre (Ösophagus) und des oberen Magens bildet sich nicht selten bereits kurz nach intensiver Behandlung des erstmals aufgetauchten Tumors ein Rezidiv, also eine erneute Krebserkrankung.

Bislang bestand die Standardbehandlung von Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Speiseröhren- oder oberen Magen-Karzinom aus der Kombination einer sogenannten neoadjuvanten, also vorbereitenden, Chemo- und Bestrahlungstherapie und einer sich daran anschließenden operativen Entfernung des Tumors. Mit dieser Therapiekombination ist es jedoch nicht gelungen, das Risiko eines Rezidivs für längere Zeit zu verringern.

Mit dem Ziel, die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs zu senken und somit den betroffenen Patienten die Chance auf ein längeres Überleben bieten zu können, haben sich Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz an der internationalen, randomisierten, doppelblinden, placebo-kontrollierten Phase-III-Studie „Adjuvant Nivolumab in Resected Esophageal or Gastroesophageal Junction Cancer“, kurz Checkmate 577, beteiligt.

Es geht um ein Medikament, das das Immunsystem nach einer Tumorresektion gezielt unterstützt und dazu aktiviert, weiter vorhandene, aber nicht sichtbare Krebszellen abzuwehren und dadurch verhindert, dass sich Metastasen bilden. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um einen Immuncheckpoint-Inhibitor, den monoklonalen Anti-PD-1-Antikörper Nivolumab.

Diese Immuntherapie zeigte bei den Studienteilnehmern positive Wirkung: Sie lebten im Durchschnitt 22 Monate länger und damit doppelt so lange ohne erneute Tumorerkrankung wie diejenigen Probanden, die lediglich ein Placebo erhielten. Den Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Mainz und den kooperierenden Forscherteams ist es somit erstmals gelungen, bei Patienten mit fortgeschrittenem und mit verschiedenen Therapieverfahren behandelten Ösophaguskarzinom einen langfristigen krankheitsfreien Überlebensvorteil zu erzielen.

Nach den USA haben nun auch Deutschland und die Europäische Kommission Nivolumab für diese adjuvante Behandlung zugelassen. Für die jährlich rund 5.550 Männer und 1.750 Frauen in Deutschland, bei denen diese seltene maligne Erkrankung neu auftritt, besteht also Grund zur Hoffnung. Das Ösophaguskarzinom (Speiseröhrenkrebs) ist die siebthäufigste Krebserkrankung weltweit und jährlich Ursache für mehr als eine halbe Million Todesfälle.

Quelle: Universitätsmedizin Mainz


Neue Therapie für Herz-Kreislauf-Probleme

Die Arbeitsgruppe um Univ.-Prof. Dr. Philip Wenzel (siehe Foto), Vize-Direktor der Kardiologie I im Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, hat herausgefunden, dass das Protein TBCE (Tubulin-folding cofactor E) einen wesentlichen Faktor für die Funktion der Blutgefäßinnenhaut (Endothel) darstellt.

Prof. Dr. Philip Wenzel

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse bieten einen neuen Therapieansatz für Herz-Kreislauf-Erkrankungungen.

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems stellen weltweit die häufigste Todesursache dar. Kennzeichnend für diese sogenannten kardiovaskulären Erkrankungen ist eine Funktionsstörung der Blutgefäßinnenhaut (Endotheldysfunktion).

Die Forscher konnten zeigen, dass ein Mangel oder eine Mutation des Proteins TBCE zu einer Stressreaktion in der Gefäßwand führt. Betroffen ist dabei das endoplasmatische Retikulum, das innere Netzwerk der Zellen. Der vaskuläre Stress geht u.a. mit einer Entzündungsreaktion und einer vermehrten Gefäßsteifigkeit einher.

Aus Vorstudien war bekannt, dass TUDCA (Tauroursodeoxycholic acid; Tauroursodeoxycholsäure) Stressreaktionen im endoplasmatischen Retikulum unterbinden kann. Im Rahmen der Mainzer Studie verbesserte sich die Endothelfunktion im Tiermodell durch eine gezielte pharmakologische Therapie mit TUDCA, auch wenn das Protein TBCE defekt war.

Das Endothel ist die Innenhaut der Blutgefäße und bespannt wie eine feine Membran aus spezialisierten Zellen das Gefäßbett im ganzen Körper von innen. Es sorgt für die Weit- und Engstellung der Gefäße und damit für einen geregelten Blutfluss im Körper. Störungen des Endothels sind damit der Nährboden für Atherosklerose, Koronare Herzerkrankung, Herzinfarkt und Schlaganfall sowie für Thrombosen und Lungenembolien.

Zusätzliche Faktoren wie Rauchen und Bluthochdruck können die endotheliale Dysfunktion verstärken.

Quelle: Universitätsmedizin Mainz / Bild: ebd., Peter Pulkowski


Durchbruch für die Therapie der Zöliakie

Ein Forscherteam hat unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan, Direktor des Instituts für Translationale Immunologie der Universitätsmedizin Mainz, einen neuartigen medikamentösen Wirkstoff zur Behandlung der Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) entwickelt: den Transglutaminase-Hemmer ZED1227.

Das Medikament basiert auf einem erkrankungsspezifischen Wirkmechanismus. Die bisher einzige wirksame Therapie-Option für Betroffene ist eine streng glutenfreie Diät.

Im Rahmen einer klinischen Phase 2a-Studie haben die Mainzer Wissenschaftler gemeinsam mit internationalen Kollegen gezeigt, dass ZED1227 eine starke schützende Wirkung auf die Dünndarmschleimhaut hat und die Entzündung, Erkrankungssymptome sowie die Lebensqualität der Betroffenen verbessert.

Damit ist ZED1227 das erste Zöliakie-Medikament, für das eine klinische Wirksamkeit belegt werden konnte. Die Studienergebnisse wurden jetzt in der international renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht.

„Zöliakie-Betroffene verspüren durch die dauerhaft notwendige Vorsicht bei der Ernährung einen erheblichen Leidensdruck. Mit dem Transglutaminase-Hemmer ZED1227 wird ihnen zukünftig eine medikamentöse Behandlungsmöglichkeit unterstützend zur glutenfreien Diät zur Verfügung stehen, die ihnen zusätzlich einen erheblichen Zugewinn an Sicherheit und Lebensqualität ermöglicht“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan, der zusammen mit Prof. Markku Mäki (Tampere, Finnland) Erstautor der Studie ist.

Professor Schuppan leitet die Klinik-Ambulanz für Zöliakie und Dünndarmerkrankungen an der Universitätsmedizin Mainz, einem bundesweiten und internationalen Referenzzentrum für die Betreuung von Patienten mit Zöliakie und komplexen Dünndarmerkrankungen, insbesondere auch für Patienten mit den therapieresistenten und komplizierten Formen der Erkrankung.

Die Zöliakie ist eine der häufigsten entzündlichen Erkrankungen des Dünndarms. Weltweit ist nahezu ein Prozent der Bevölkerung davon betroffen.

Die Autoimmunerkrankung wird durch den Verzehr des in verschiedenen Getreiden wie Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel enthaltenen Klebereiweißes Gluten verursacht. Bei der Erkrankung können unterschiedliche Symptome, beispielsweise Durchfall oder Bauchschmerzen, aber auch vielfältige Symptome außerhalb des Darms, inklusive verschiedener Autoimmunerkrankungen, auftreten.

Wenn die bereits durch kleinste Mengen glutenhaltiger Nahrungsmittel ausgelöste Entzündung der Dünndarmschleimhaut länger anhält, bilden sich die sogenannten Zotten, die Ausstülpungen der Dünndarmschleimhaut, zurück.

Dadurch verkleinert sich die Oberfläche der Darmschleimhaut. In der Folge können die Betroffenen weniger Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen. Unbehandelt kann die Zöliakie zu schwerwiegenden Komplikationen wie Blutarmut, Knochenschwund, Wachstumsverzögerungen, Unfruchtbarkeit bis hin zu Dünndarmtumoren führen.

Quelle (Text / Foto): Universitätsmedizin Mainz


Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz entdecken neuen Therapieansatz für COVID-19

Ein Forscherteam der Universitätsmedizin Mainz hat einen neuen Ansatz zur medikamentösen Behandlung von SARS-CoV-2-Infektionen entdeckt. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass das gerinnungshemmende Protein rNAPc2 (recombinant Nematode Anticoagulant Protein c2) eine vielversprechende Behandlungsoption bei schweren COVID-19-Verläufen darstellt.

Der Wirkstoff wirkt direkt auf die Blutgerinnung und hat das Potenzial, Gerinnungsstörungen und damit einhergehende Entzündungen bei SARS-CoV-2-Infektionen zu verhindern. Diese scheinen eine zentrale Rolle für die Prognose von COVID-19-Patienten zu spielen.

Ausgehend von den Forschungsergebnissen zu rNAPc2 hat die Universitätsmedizin Mainz jetzt eine Patentübertragungsvereinbarung mit dem Wirkstoffinhaber ARCA biopharma abgeschlossen, die mögliche Einnahmen mit einem Gesamtvolumen in siebenstelliger Höhe erwarten lässt.

Im Rahmen der vertraglichen Vereinbarung mit der Universitätsmedizin Mainz erhält das US-Biotechunternehmen ARCA biopharma die weltweiten Patentrechte für die Verwendung von rNAPc2 als potenzielle Therapie bei COVID-19.

Der Vertrag beinhaltet Vorab- und Meilensteinverpflichtungen für ARCA biopharma, die sich auf bis zu rund 1,6 Millionen Euro belaufen. Hinzu kommen Lizenzgebühren an die Universitätsmedizin Mainz, sobald rNAPc2 die Zulassung für die Behandlung von COVID-19-Patienten erhält und vermarktet wird.

„Bereits zu Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie hat es Hinweise auf ein deutlich erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln vor allem bei Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen gegeben“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Wolfram Ruf, Wissenschaftlicher Direktor des Centrums für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz, der die Untersuchungen an der Universitätsmedizin Mainz geleitet hat.

Die häufige Thrombosebildung bei den Betroffenen beruhe auf einer erhöhten Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Diese sogenannte Hyperkoagulation werde auf eine entzündliche Reaktion (Inflammation) im Zuge der SARS-CoV-2-Infektion zurückgeführt.

rNAPc2 greift direkt in die frühen Prozesse der Blutgerinnung ein, indem es den sogenannten Tissue Factor (Gewebefaktor) hemmt. Beim Tissue Factor handelt es sich um ein Protein, das die Blutgerinnung aktiviert und eine zentrale Rolle bei der Entzündungsreaktion im Rahmen von Virusinfektionen und bei der Virusverbreitung spielt.

Damit unterscheidet sich der Wirkmechanismus von rNAPc2 grundlegend von der Wirkweise, des bisher zur Thromboseprophylaxe bei COVID-19-Patienten eingesetzten Gerinnungshemmers Heparin. Als sogenanntes indirektes Antikoagulans stimuliert Heparin die Wirkung des körpereigenen, gerinnungshemmenden Proteins Antithrombin und hemmt damit die späteren Phasen der Blutgerinnung.

Frühere klinische und präklinische Untersuchungen, unter anderem für den Einsatz bei der Ebola-Infektion, weisen darauf hin, dass rNAPc2 neben der gerinnungshemmenden Wirkung auch über entzündungshemmende und antivirale Eigenschaften verfügt.

Seit Dezember 2020 wird der Wirkstoff in einer internationalen, multizentrischen klinischen Phase 2b-Studie von ARCA biopharma bei stationär behandelten COVID-19-Patienten mit erhöhten Blutgerinnungswerten untersucht. Dabei soll herausgefunden werden, ob durch eine Behandlung mit rNAPc2 Thrombosen besser verhindert werden können als durch die Standardtherapie mit dem Gerinnungshemmer Heparin.

Quelle: Pressemitteilung der Universitätsmedizin Mainz


Wie funktioniert die Tiefenhirnstimulation?

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz decken die Wirkungsweise der Tiefenhirnstimulation bei Morbus Parkinson auf

Wissenschaftler um Prof. Dr. Sergiu Groppa und Prof. Dr. Muthuraman aus der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz veröffentlichen eine Publikation zur Wirkungsweise der Tiefenhirnstimulation bei Patienten mit Morbus Parkinson in einer der führenden Zeitschriften auf dem Gebiet der Neurowissenschaften.

Morbus Parkinson ist eine komplexe, neurodegenerative Erkrankung, die für Patienten, ihre Familien und pflegende Angehörige sehr belastend sein kann. Eine etablierte Behandlungsform ist die Tiefenhirnstimulation, bei der Elektroden zur Stimulation in eine kleine Region des Gehirns, genannt Nucleus subthalamicus, implantiert werden. Diese Prozedur wird seit vielen Jahren an der Universitätsmedizin Mainz angewandt.

Die Wirkweise der damit einhergehenden klinischen Verbesserung, vor allem der Motorik, ist allerdings in bestimmten Aspekten noch unbekannt. Daher besteht der Fokus einer Arbeitsgruppe der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz darin, die Auswirkungen der Neuromodulation auf die Hirnnetzwerke zu untersuchen.

Die Wissenschaftler um Prof. Groppa untersuchten in ihrer Arbeit die Auswirkungen der Neuromodulation und vor allem der Tiefenhirnstimulation auf das Gehirn und auf dessen Netzwerke. Sie sind insbesondere der Frage nachgegangen, warum diese Therapie so effektiv die Symptome der Parkinson-Erkrankung lindert.

Die Arbeit zeigt eine bisher unbekannte Synchronisation zwischen der Stimulationsfrequenz der Tiefenhirnstimulation und der Aktivität bestimmter Gehirnregionen innerhalb des anvisierten Kortiko-Basalganglien-Netzwerks. Dies konnte mithilfe hochauflösender EEG-Aufzeichnungen in Verbindung mit Algorithmen zur Rekonstruktion der Gehirnaktivität und Analysen der frequenzabhängigen Kopplung nachgewiesen werden.

Das Vorgehen führt im Anschluss zu einer Normalisierung der Aktivität in den verbundenen Arealen, die wieder physiologisch miteinander agieren. Dabei spielt die Modulation zweier Frequenzbereiche, die sogenannte Gamma- und Beta-Aktivität, eine entscheidende Rolle – diese sind auch für die Ausübung motorischer Fertigkeiten entscheidend.

Zum einen wird die pathologische Beta-Aktivität unterdrückt und zum anderen die für die physiologische Funktionsweise im motorischen System notwendige Gamma-Aktivität gefördert.

Die Kopplung zwischen eben diesen beiden Frequenzen ist, wie die Arbeit zeigt, auch eng mit dem Schweregrad der motorischen Symptome verbunden und ihre Modulation tritt ausschließlich bei spezifischen Stimulationsfrequenzen auf, die im klinischen Alltag angewandt werden. Die Forscher nehmen daher an, dass die gezielte Modulation des Netzwerks dynamische neuronale Prozesse fördert und die Erkrankungssymptome minimiert.

Für die klinische Umsetzung erweist sich die Erkenntnis, dass mithilfe nicht-invasiver Verfahren behandlungsbezogene Anpassungen der Stimulationsparameter erfolgen können – und das auch noch Monate nach der Tiefenhirnstimulation. Um den Verlauf der Parkinson-Erkrankung zu verfolgen und optimierte Therapieoptionen anbieten zu können, sind zukünftig weitere Fortschritte bei Netzwerkanalysen und bildgebungstechnischen Charakterisierungen der Patienten notwendig.

Quelle: Pressemeldung der Universitätsmedizin Mainz


Grüner Star: Neues Wissen zur Früherkennung

Gewebshormon Angiotensin II spielt wichtige Rolle bei der Entstehung der tückischen Augenkrankheit

Weltweit ist der Grüne Star (Glaukom) die zweithäufigste Erblindungsursache. Er kann, wird er früh erkannt, gut behandelt werden. Doch das Tückische ist: Der Grüne Star verläuft lange ohne Symptome; man merkt also als Betroffener nichts davon, bis es für Hilfe zu spät ist und man erblindet.

Eine Studie der Universitätsmedizin Mainz zur Pathogenese und Pathophysiologie des Glaukoms legt nun neue Erkenntnisse vor: Eine Rolle bei der Entstehung der Augenkrankheit spielt dabei das Gewebshormon Angiotensin II.

BILD: Augen-Untersuchung (Foto: Uni Mainz / Markus Schmidt)

Diese Erkenntnis der Mainzer Wissenschaftler könnte zukünftig Diagnose und Therapie eines Glaukoms beeinflussen. Detaillierte Ergebnisse der Studie sind im Fachmagazin Redox Biology veröffentlicht.

Unter Glaukomen wird eine Gruppe von Augenkrankheiten verstanden, die in späten Stadien die Nervenzellen der Netzhaut (Retina) und des Sehnervs schädigen können. Die Folge sind Gesichtsfeldausfälle und im schlimmsten Fall die Erblindung der erkrankten Person.

Die Ursachen für die Entstehung des Glaukoms sind vielfältig und die Symptome sehr unterschiedlich. Obwohl der erhöhte Augeninnendruck nach wie vor zu den wichtigsten Risikofaktoren gehört, ist dieser als alleiniger diagnostischer oder prognostischer Faktor unzureichend: Bei ca. 30 Prozent aller Patienten, die bereits einen Glaukomschaden entwickelt haben, konnte niemals ein erhöhter Augeninnendruck gemessen werden.

Bei der Entwicklung eines Glaukoms scheinen in jedem Falle auch vaskuläre Umstände bedeutsam zu sein, die mit der Durchblutung des Auges zusammenhängen. Denn das Sehorgan ist metabolisch sehr aktiv.

Trotz seiner geringen Größe weist es einen wesentlich höheren Energiestoffwechsel als beispielsweise das Gehirn auf. Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass Anomalien in der Regulation des Blutflusses mit der Entstehung eines Glaukoms assoziiert sind.

Eines der wichtigsten blutflussregulierenden Systeme ist das Renin-Angiotensin-System (RAS), das bei geringem Blutvolumen über die Freisetzung des Gewebshormons Angiotensin II den Blutdruck erhöht. Eine von der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz in der Zeitschrift Redox Biology veröffentlichte Studie an aus Mäusen isolierten Mikrogefäßen und Retinagewebe bringt nun anhand optimierter Messmethoden Licht ins Dunkel.

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer sieht in dem neu etablierten Modell eine hervorragende Ergänzung der bisher vor allem auf die Untersuchungen des Augeninnendrucks fokussierten Glaukom-Modelle an der Augenklinik.

„Dieses neue in vitro-Modell bildet weitere Facetten der Erkrankung ab, an der deutschlandweit über eine halbe Million Menschen leiden und die eine der häufigsten Erblindungsursachen ist. Anhand des Modelles können wir nun verschiedene Erkrankungsursachen erforschen und versuchen, neue Therapien zur Behandlung des Glaukoms, vor allem des Normaldruck-Glaukoms, zu entwickeln“, sagt Prof. Pfeiffer.

Quelle: Pressemeldung der Universitätsmedizin Mainz


Überraschende Ergebnisse zur Sterblichkeit an Thrombosen und Lungenembolien

Eine große internationale Studie zur Bedeutung akuter Lungenembolien als globale Todesursache hat unerwartete Ergebnisse zur Sterblichkeit an Thrombosen und Lungenembolien hervorgebracht.

Das Forscherteam unter der Leitung von Dr. Stefano Barco und Prof. Dr. Stavros Konstantinides vom Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz stellten für die Jahre 2000 bis 2017 in Nordamerika eine sinkende Todesrate aufgrund von Lungenembolie fest.

BILD: Altersstandardisierte Lungenarterienembolie-assoziierte Mortalität (Todesrate) pro 100.000 Personen in den USA und Kanada für den Zeitraum 2000-2017. PE = Lungenarterienembolie.  (Foto: Luca Valerio, Universitätsmedizin Mainz)

Zugleich zeigte die Studie zum Erstaunen der Wissenschaftler allerdings auch, dass in den USA seit einigen Jahren wieder mehr Menschen jüngeren und mittleren Alters an Thrombosen und ihren Komplikationen versterben.

Die Studienergebnisse wurden heute im Lancet Respiratory Medicine, der weltweit renommiertesten Zeitschrift für Lungenerkrankungen und Intensivmedizin, veröffentlicht.

Die Autoren der internationalen klinischen Studie, hochrangige europäische, US-amerikanische und kanadische Experten, analysierten Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die gesamte Bevölkerung Kanadas und der USA im Zeitraum 2000-2017 hinsichtlich Thrombosen und Lungenembolien als Todesursachen. Die Untersuchung zeigt, dass insgesamt immer weniger Menschen an einer Lungenembolie sterben.

Bei detaillierterer Betrachtung der Thrombose-Daten gelangten die Wissenschaftler jedoch zu einem unerwarteten Ergebnis: In den USA sterben seit einigen Jahren wieder mehr Menschen jüngeren und mittleren Alters an Thrombosen und ihren Komplikationen. Unter den wohlhabenden Industrienationen des 21. Jahrhunderts ist dieser negative Trend ein Novum. Er ist umso beunruhigender, als dass er mit einer Abnahme der Lebenserwartung in diesem Land einhergeht.

Jahrzehntelang war die Welt Erfolgsmeldungen bei der Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gewöhnt. Dies betraf auch die Lungenembolie, eine der weltweit wichtigsten Ursachen kardiovaskulärer Mortalität.

Bereits vor wenigen Monaten konnte eine weitere Studie des Autorenteams um Dr. Barco zeigen, dass sich die Sterblichkeit an Lungenembolie in den europäischen Ländern einschließlich Deutschlands im Zeitraum 2000 bis 2015 fast halbiert hat. Dies deuteten die Experten bislang als Hinweis auf die immer bessere Diagnostik und Therapie dieser Erkrankung. Wie lassen sich jetzt die aktuellen Ergebnisse der Studie erklären? Und was bedeuten sie für die Patienten und Gesundheitssysteme, auch in Deutschland und Europa?

„Zum jüngsten ungünstigen Trend in den USA können mehrere Faktoren beitragen“, erklärt Dr. Barco, der die Studie als Hauptverantwortlicher geleitet hat. „Soziale Ungleichheiten verbunden mit finanzieller Not können dazu führen, dass ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung keinen Zugang zur medizinischen Versorgung hat. Parallel dazu sind schwerwiegende chronische Krankheiten wie Diabetes, Übergewicht und Lungenerkrankungen, die ihrerseits das Risiko für Thrombosen erhöhen, zunehmend verbreitet“.

Professor Konstantinides, Leiter der Professur Multizentrische Klinische Studien und Ärztlicher Direktor des CTH, ergänzt: „Es zeigt sich erneut, dass eine optimale medizinische Versorgung weit mehr voraussetzt als hochmoderne Untersuchungs- und Behandlungsmethoden. Diese nutzen auf Bevölkerungsebene wenig, wenn sie nicht bezahlbar sind oder wegen fehlender Prävention und eines ungesunden Lebensstils zu spät kommen.“

„Epidemiologische Studien verwenden keine experimentellen Verfahren und können daher keinen direkten Beweis für die Ursachen ihrer Ergebnisse liefern“, erläutert Dr. Barco. „Allerdings sind ihre Beobachtungen angesichts der großen Patientenzahlen und der hochkomplexen Statistik zuverlässig und belastbar. Sie können daher dazu beitragen, Gefahren für die Bevölkerung zu erkennen und somit gesundheitspolitische Strategien zu verbessern.“

Quelle: Universitätsmedizin Mainz


Universitätsmedizin Mainz: Anorganische Polyphosphate hemmen das Corona-Virus

Entdeckung könnte helfen, Infektionen mit SARS-CoV-2 zu vermeiden

Anorganische Polyphosphate sind lange Ketten aus Phosphatbausteinen. Sie werden von den Blutplättchen gebildet und kommen in allen menschlichen Zellen vor. Von einigen ist bereits bekannt, dass sie die Bindung von AIDS-Viren an deren potenzielle Wirtszellen hemmen.

BILD: Anorganische Polyphosphate können das Andocken von Coronaviren an menschliche Zellen verhindern und die Schleimhaut zur Produktion von Mukus anregen. (Foto: Michael Plenikowski/W.E.G. Müller)

Nun haben Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz gezeigt, dass anorganische Polyphosphate auch Infektionen durch das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 vermeiden können.

Wie die Forscher in der Zeitschrift „Biochemical Pharmacology“ berichten, könnte ihre Entdeckung zur Entwicklung einer medikamentösen Prophylaxe von COVID-19 führen und dadurch vor allem Menschen helfen, die zu wenige Blutplättchen haben und deshalb besonders gefährdet sind, eine SARS-CoV-2-Infektion zu erleiden.

Die Wissenschaftler unter Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Werner E. G. Müller vom Institut für Physiologische Chemie der Universitätsmedizin Mainz hatten zunächst mithilfe von Computermodellen nachgewiesen, dass anorganische Polyphosphate an die sogenannten Spike-Proteine binden können.

Dabei handelt es sich um die Teile der Coronaviren, mit denen diese an das sogenannte ACE2-Protein von Epithelzellen der Atemwege und der Lunge andocken, um danach ihr Erbmaterial in die Zellen zu übertragen.

Durch Experimente haben die Forscher dann bestätigt, dass anorganische Polyphosphate tatsächlich Infektionen mit SARS-CoV-2 verhindern können, indem sie sich mit den Spike-Proteinen verbinden und dadurch das Andocken der Viren an die Zellen unterbinden.

„Somit haben wir eine neue Angriffsmöglichkeit gegen SARS-CoV-2 entdeckt“, sagt Professor Müller. Außerdem habe sein Team einen zweiten bisher unbekannten Effekt beobachtet: „Anorganische Polyphosphate stimulieren offenbar die Funktion der Mukus produzierenden Schleimhaut, die als Teil des angeborenen Immunsystems die Atemwege und die Lunge allgemein vor dem Eindringen von Viren, auch von SARS-CoV-2, schützt.“

Nach Angaben der Forscher sind anorganische Polyphosphate ungiftig, synthetisch herstellbar und einfach vom menschlichen Körper abzubauen. In spezielle Nanopartikel verpackt, die das Team bereits entwickelt habe, könnten sie zum Beispiel mithilfe von Nasensprays eingenommen werden.

„Wir hoffen, dass anorganische Polyphosphate in Zukunft einen Beitrag zur Prophylaxe gegen COVID-19 leisten“, sagt Müller. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass sie das Immunsystem von solchen Patienten stärken könnten, die an einem Mangel an Blutplättchen leiden und deshalb besonders gefährdet sind.“

Quelle: Universitätsmedizin Mainz


Studie: Wie finden Männer zur Krebsberatung?

Krebskranke Männer sind ebenso häufig psychosozial belastet wie Frauen. Während eines stationären Aufenthaltes im Krankenhaus nehmen sie psycho-onkologische Unterstützungsangebote genauso häufig wahr wie Frauen. 

In der ambulanten Versorgung gibt es hingegen große Unterschiede zwischen den Geschlechtern: In den Krebsberatungsstellen sind nur 30 Prozent aller Ratsuchenden Männer.

Wie es gelingen kann, Männern den Weg in die ambulante Krebsberatung zu ebnen, ist Gegenstand einer Studie der Universitätsmedizin Mainz unter Federführung des Instituts für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) in Kooperation mit 15 Krebsberatungsstellen (KBS) in Deutschland.

Im Rahmen der Studie startet nun ein Pilotprojekt, um zu überprüfen, wie wirksam bestimmte Maßnahmen sind.

Wie werden Versorgungsangebote wirksam?

Wenn sie so konzipiert sind, dass sie von der Zielgruppe in Anspruch genommen werden. Dies trifft auch auf die psychologische und sozialrechtliche Beratung von Krebspatienten zu. Männer profitieren von der psycho-onkologischen Versorgung im ambulanten Bereich genauso wie Frauen. Bisherige Studien zeigen auch, dass Männer zwar durchaus Bedarf und Interesse an psychoonkologischer Versorgung haben, jedoch nehmen sie diese seltener wahr.

Die Gründe hierfür sind geschlechtsspezifisch und komplex.

„Männer sind oftmals weniger gut informiert – sowohl was die Existenz der Krebsberatungsstellen anbelangt als auch wie hilfreich diese Anlaufstellen für sie sein könnten. Zudem verspüren sie subjektiv in geringerem Umfang den Bedarf an Beratung und haben mitunter Vorbehalte und falsche Vorstellungen von psychosozialen Angeboten. Des Weiteren haben Männer häufig die Erwartung an sich selbst, stark sein zu müssen und keine Hilfe zu benötigen“, erläutert Prof. Dr. Susanne Singer von der Universitätsmedizin Mainz.

Um das Leistungsangebot der ambulanten Beratungsstellen für Männer attraktiver zu machen, gehen die Experten in ihren Informationen beispielsweise verstärkt auf die spezifischen Bedürfnisse von Männern ein. Dazu zählt auch, die niedergelassenen Ärzte für eine derartige Kommunikation zu befähigen.

Quelle: Universitätsmedizin Mainz