Die Urknall-Theorie und der Schöpfungsglaube

Von Jörgen Bauer

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. (Gen1,1)
Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort  geschaffen ist, so dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist. (Hebr 11,3) 
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Woher kommt alles, warum gibt es uns überhaupt?  Das sind Fragen, welche die Menschheit seit jeher bewegen. Und so haben die Religionen verschiedene Schöpfungsmythen kreiert und auch die Naturwissenschaft hat entsprechende Theorien entwickelt, unter denen derzeit die „Urknalltheorie“ als aktuell angesehen wird.
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Das Wort „Theorie“ besagt, dass es sich hier um ein Modell handelt, das nicht für die eigentliche Wirklichkeit gehalten werden darf, die für uns auch hier unvorstellbar und letztlich unerforschlich bleibt.
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Was mich immer wieder peinlich berührt, weil es von Unkenntnis und Ahnungslosigkeit zeugt: Wenn von christlichen Kreisen gegen die Urknalltheorie polemisiert wird.
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Die Urknalltheorie hat die Atheisten sehr beunruhigt, weil sie nahelegt, dass es einen Anfang gab und damit einen Schöpfer gibt. Aber der Unglaube hat sich auch hier wieder einige absonderliche Gegenthesen einfallen lassen, auf die ich hier nicht eingehen will.
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Die Urknalltheorie besagt, dass Raum, Zeit, Masse und Energie schlagartig aus dem Nichts gekommen sind und es vorher weder Raum noch Zeit gab. Also auch kein unendlicher leerer Raum, der mit Himmelkörpern zu füllen war. Für uns ist ein solches Nichts unvorstellbar.
Die Frage nach dem Vorher ist sinnlos, weil das eine Frage nach der Zeit wäre, und die gab es „vorher“ nicht.
Seit dem Urknall dehnt sich der leere Raum weiterhin aus und nimmt dabei die in ihn eingebetteten Galaxien mit, womit die zu beobachtende Rotverschiebung des Lichts erklärt wird, die durch das Auseinanderdriften der Sternsysteme entsteht, weil das Licht, durch Dehnung der Lichtwellen, zum roten Ende des Spektrums hin verschoben wird. 
Ein weiteres Indiz ist die kosmische Hintergrundstrahlung von 3° Kelvin, die von allen Seiten auf uns zukommt und auf dem Fernsehbildschirm, wenn nicht gesendet wird, den „Schneefall“ verursacht.
Den Weltraum stellt man sich als grenzenlos, aber nicht unendlich vor, wobei die gewaltige Masse des Kosmos die Raumzeit krümmt, weshalb der Weltraum in eine vierte räumliche Dimension in sich selbst zurückläuft, vergleichbar mit der Oberfläche einer Kugel, so dass es kein Außerhalb und auch keinen Mittelpunkt gibt, und wir befinden uns innerhalb dieses Raumes, der seinen Anfang mit dem Urknall nahm.
Die große Masse der Sonne krümmt auch den Raum, weshalb man die Bahnen der Planeten auch so erklären kann, dass diese der Raumkrümmung folgen. Die Perihelbewegung der Merkurbahn lässt sich einwandfrei berechnen, wenn man rechnerisch von einer vierten räumlichen Dimension ausgeht, die vom Merkur durchlaufen wird. Wir haben dafür aber keine Sinne.
Der Kosmos scheint wie für uns Menschen gemacht. Die vier Grundkräfte der Natur, Schwerkraft, Elektromagnetismus, Starke und Schwache Wechselwirkung sind bis auf ein Billionstel aufeinander abgestimmt. Schon die geringste Abweichung hätte unsere Existenz unmöglich gemacht.

Aufgrund der vorliegenden Daten wird dann auf den Zeitpunkt des Urknalls zurückgerechnet, wobei man auf die Jahrmilliarden kommt, was manche Christen immer wieder empört. Ich sehe das allerdings gelassen.

Wir sollten unbedingt zu Kenntnis nehmen und verinnerlichen, dass es weder die absolute Zeit noch den absoluten Raum unserer Anschauung gibt, sondern beides relativ ist, weshalb auch total widersprüchliche Messergebnisse erwiesenermaßen gleich richtig sein können.
Ich gebe mich mit dem biblischen Zeugnis zufrieden, wonach Gott alle Dinge geschaffen hat und erhält und dass er einmal alles neu machen wird.

Flache Scheibe oder Erdkugel? – Das Mittelalter und die Naturwissenschaften

Von Dr. Eduard Werner

Der Australier Jim Jefferies arbeitet mit einer Parabel, um religiöse Menschen als dümmlich darzustellen. In seinem Fortschrittszug lässt er im ersten Waggon die klugen Wissenschaftler fahren, während er den religiösen Menschen, die geistig minderbemittelt sind, im dritten Waggon klägliche Bremsversuche unterstellt.  

Es ist schon eine alte Methode der Verächtlichmachung, weil Bilder nachhaltiger wirken als langatmige Texte.

BILD: Planetarium im Gasometer von Oberhausen

In der Zeit der Aufklärung unterstellten beispielsweise Kirchenfeinde den mittelalterlichen Menschen, sie hätten sich die Erde als Scheibe vorgestellt, von der man ins Nichts hinunter fallen konnte. In Wirklichkeit gibt es keinen einzigen Beleg dafür, dass die Menschen im Mittelalter so ungebildet gewesen wären.

Andererseits gibt es sehr viele Belege dafür, dass im Mittelalter die Vorstellung von der Kugelgestalt der Erde allgemein verbreitet war. Das bezeugt schon der Reichsapfel, das Wappen des mittelalterlichen Kaiserreichs. Auf der Weltkugel thront das Kreuz zum Zeichen, dass Christus der Herr der Welt ist.

Auch auf zahlreichen Darstellungen des Jesuskindes ist die Erde in Kugelgestalt zu sehen. Das Bild von der Erde als Scheibe war also frei erfunden, um die Religiösität des Mittelalters lächerlich zu machen.

In Wahrheit geht die kulturelle Entwicklung auf der Erde auf religiöse Menschen zurück. Der geistige Frühling Europas im ersten Jahrtausend ist ohne das neue christliche Arbeitsethos und ohne die Kulturtechniken der Benediktiner nicht denkbar. Und im 19. und 20. Jahrhundert sind die Christen mit Pater Gregor Mendel und dem Begründer der Urknalltheorie, dem Priester Georges Lemaitre, deutlich vertreten.

Erstveröffentlichung dieses Beitrags des Historikers Dr. E. Werner hier: http://blog.forum-deutscher-katholiken.de/?p=8515

Stephan Kolassa fügt dort in einem Kommentar ergänzend hinzu: 
Konkret zum Vorwurf, im Mittelalter habe man sich die Erde als Scheibe vorgestellt: Thomas von Aquin erwähnt beiläufig in Quaestio 1, Articulus 1, Ad 2, dass der Astronom ja beweise, dass die Erde rund („rotundus“) sei. Und das ist hier nicht einmal der Kernpunkt der Diskussion, sondern nur ein Beispiel. Offenbar war die Kugelgestalt der Erde im 13. Jh. dermassen akzeptiert, dass man darüber nicht einmal argumentieren musste. Lateinischer Text beispielsweise hier: http://www.corpusthomisticum.org/sth1001.html

Weiterer Text aus RELILEX hierzu:
„Der Reichsapfel war eine Kugel mit einem Kreuz darauf und gehörte zu den Symbolen der Herrschaft eines Kaisers, die ihm bei seiner Krönung als sogenannte „Insignien“ überreicht wurden. Später wurde dieses Symbol auch bei Königskrönungen verwandt. Seit der Antike wird die Kugel als Zeichen für die Welt genutzt. Die Kugelgestalt der Erde war seit Beginn unserer Zeitrechnung bekannt (auch wenn das heute dem Mittelalter manchmal nicht mehr zugetraut wird).“
(Quelle: http://relilex.de/reichsapfel/)