Warum bei ADHS-gestörten Kindern nach den Ursachen geforscht werden soll

Von Christa Meves

Die Beschäftigung mit ADHS geht heute kaum noch an Eltern von Grundschulkindern vorüber. Im Allgemeinen meint man, es handle sich um eine neue seelische Erkrankung – besitzt dieses Verhalten doch immerhin einen erklärenden Namen: Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätssyndrom. Was also ist das?

Ein Fall auf jüngstem Forschungsstand mag der Information dienlich sein.

Ein Vater berichtet: Die Lehrerin seines ältesten Sohnes im dritten Grundschuljahr habe um einen Besuch der Eltern in der Schule gebeten. Bei dem Jungen sei – wie übrigens bei der Mehrzahl der Kinder in dieser Klasse – nach einer Expertenuntersuchung ADHS festgestellt worden. Die Eltern seien deswegen ersucht worden, jeweils für ihre Kinder fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Seitdem würden die meisten Eltern ihren Kindern unter kinderärztlicher Observanz eine Substanz mit Inhaltsstoffen wie z. B. Methylphenidat in täglicher Einnahme verabreichen. Bei diesem Medikament handelt es sich allerdings – wie jeder Mensch durch Googeln herausfinden kann – um eine Aufputschdroge, die zunächst vor allem bei Arbeitsstress von Studenten in den USA Erfolge gezeitigt hatte. Unverzüglich werden deswegen Substanzen dieser Art tonnenweise in Deutschland für Schulkinder zur Verfügung gestellt  und – wie man meint – mit einigem Erfolg.

Allerdings ist damit für viele Verantwortungsträger das Problem nicht vom Tisch. Ist eine solche Gabe – über längere Zeit in Kinderhirne hineingegeben  – überhaupt vertretbar? Ist sie der unausgereiften Hirnentwicklung der Kinder wirklich dienlich und nicht vielleicht sogar mit noch nicht erkennbaren Nachwirkungen sogar schädlich?

Vorab Professor Manfred Spitzer aus Ulm belegt das z. B. wissenschaftlich seit vielen Jahren (vgl. https://www.amazon.de/ADHS-Das-Zappelphilipp-Syndrom-Manfred-Spitzer/dp/3902533498).

International branden darüber die unterschiedlichen Vorstellungen unter den Forschern immer noch in einer verwirrenden Fülle hoch, ohne für die praktische Lösung des Problems befriedigend und hilfreich zu sein.

Der Vater meines Beispiels ließ sich jedenfalls in einer verantwortungsbewussten sachlichen Weise beunruhigen und übergab das Problem in die Hände einer bewährten Kinderpsychotherapeutin. Diese schlug den Eltern im Verbund mit dem Kind lediglich eine Veränderung in dessen Alltags-Dominanzen vor:

Sportgeräte wurden angeschafft, und der Vater selbst begab sich nach Feierabend mit seinem Sohn zusammen unter die Fußballspieler. Der einseitige Schwerpunkt des Jungen, der auf hoher Schiene eher mit abstrakten intellektuellen Fragen beschäftigt war, wurde so auf ein gutes Mittelmaß seiner Betätigungen verändert.

Gemeinsamkeiten, besonders mit dem Vater, z. B. Abenteuerwanderungen im Umfeld, Ruderpartien am Wochenende etc. wurden gemeinsam geplant und durchgeführt. Die Unruhe hatte ihre Ursache in diesem Fall in der Unausgewogenheit der Alltagsbeschäftigungen dieses Kindes. Das entsprach nicht ganz ausreichend der Entfaltungsstufe im Grundschulalter.

Nach wenigen Wochen schon zeigte sich, dass der Junge seine Schulaufgaben mit der nötigen Konzentration zustande brachte. Dieser therapeutische Erfolg ist kein Einzelfall. Meine Erfahrung als Kinderpsychotherapeutin hat mich gelehrt, das zu verabreichende „Medikament“ gegen motorische Unruhe sollte heißen: mehr Beschäftigung in dualer Weise mit der hauptsächlichen Bezugsperson – und das keineswegs unter Ausschluss einer lustvollen sportlichen Betätigung.

Hinzugefügt werden muss aber auch, dass praktisch arbeitenden Kinderpsychotherapeuten die motorische Unruhe als ein Symptom einer diagnostizierbaren Verhaltensstörung schon seit vielen Jahrzehnten bekannt ist und sich nicht selten mithilfe von Verhaltensänderungen aus der Welt schaffen lässt.

Notwendig dazu ist eine Diagnose des Hintergrunds vom Erscheinungsbild der Störung.

Denn grundsätzlich beruht die Unruhe auf dem völlig unbewussten Versuch des Kindes, das Gefühl von etwas Unzureichendem in ein seelisches Gleichgewicht zu bringen.

Noch einmal sei betont: Die Motivation für dieses diffuse Suchverhalten liegt absolut nicht im Bewusstsein des Kindes. Deshalb fühlt es sich gequält, wenn ratlose Erwachsene es immer wieder nach dem Warum seiner Auffälligkeit fragen.

Der nächste Schritt für den Therapeuten heißt deshalb, eine genaue Vorgeschichte des Kindes zu erfragen und seine momentane Situation in seinem Umfeld zu ergründen. In den meisten Fällen setzt das eine gründliche Beratung der fast immer verständigen Eltern voraus.

Aber die Palette dieser Möglichkeiten ist groß und vielfältig. Tritt die Unruhe erst in jüngster Zeit auf, so hat sie ihre Ursache manchmal auch im Mitempfinden einer umfänglichen, als lebensbedrohlich erlebten Unsicherheit in der allgemeinen Situation des Kindes. Viele Kinder empfinden z. B. bereits die nachhaltig sichtbare Entfremdung der Eltern voneinander als gefährlich. Sie befürchten eine baldige Scheidung. Nicht selten reicht das zur Auslösung des Symptoms.

Aber nicht weniger massiv liegt die Ursache in unzureichend vollzogenen Prägungsvorgängen der Entfaltung notwendiger Lebenstriebe in den frühen Lebensjahren der Kinder oder auch in zu frühen Kollektivierungen. Eine pointierte Diagnose und mehr Nähe zur Hauptbezugsperson sind hier maßgebliche Schritte zur Heilung.

Von dieser Sichtweise aus stellt sich oft sogar verhältnismäßig rasch eine seelische Beruhigung des Kindes ein und damit auch seine neu erwachte Freude, in großer Menge neugierig und aufmerksam zu lernen, was es in dieser Welt auch nur zu lernen gibt.

Es lohnt sich, so lässt sich erfahren, die wahren Ursachen des Fehlverhaltens zu ergründen und von dieser Basis aus anzugehen, statt es vorschnell beim oberflächlichen Kurieren an den Symptomen zu belassen. Denn die Gefahr von Nachwirkungen auf das unausgereifte Gehirn des Kindes ist damit nicht ausgeräumt.

Wie oft haben Pharmazie und Medizin die Unschädlichkeit eines Medikaments später als einen folgenreichen Irrtum eingestehen müssen!

Unsere Autorin Christa Meves ist Bestsellerautorin sowie Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche; außerdem leitet sie den Verein „Verantwortung für die Familie“.

 


Sahra Wagenknecht gegen Migrationspakt

Die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei hat den UN-Migrationspakt kritisiert. Dieser „idealisiert Migration und klammert die Ursachen aus, die zu beseitigen aber die entscheidende politische Aufgabe wäre“, erklärt Sahra Wagenknecht.

Die Politikerin gilt als Querdenkerin in den eigenen Reihen und hat im September 2018 die Sammlungsbewegung „Aufstehen“ mit 100.000 Fans ins Leben gerufen.

Dass Einwanderung in dem Abkommen grundsätzlich positiv bewertet wird, halte sie für falsch. Das Abwerben von Fachkräften aus den armen Ländern sei „eine neue Art neokolonialer Ausbeutung“, sagte die Politikerin weiter.

Ihre Stellvertreterin im Fraktionsvorsitz, Frau Dagdelen (Abgeordnete mit türkischem Migrationshintergrund), hatte das umstrittene Abkommen der Vereinten Nationen bereits vor einigen Tagen kritisiert: https://charismatismus.wordpress.com/2018/11/21/auch-die-vize-fraktionschefin-der-linkspartei-kritisiert-den-un-migrationspakt/


Die psychische Ursachen der Fettleibigkeit liegen oft in der frühen Kindheit

Von Christa Meves

Das Robert-Koch-Institut in Berlin hat mithilfe einer neuen Untersuchung einmal mehr festgeschrieben: Hierzulande sind  15,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren  zu dick, 5,9 Prozent sogar fettleibig (1). Die Dunkelziffer ließe sich sicher verdoppeln, wie sich besonders den Aussagen von Grundschullehrern entnehmen lässt. 

Haben wir durch das neu installierte Gesundheitsministerium nun vielleicht endlich die Chance, dass dieser verheerenden Zahl nachgegangen wird? Denn das ist der Medizin längst bekannt: Fettleibige Menschen sind im Erwachsenenalter öfter krank, mit Herz-Kreislauf-Bluthochdruck- und Diabetesleiden im physischen Bereich, im psychischen zunehmend vor allem  mit Depressionen.

Öffentlich bekannt scheinen bisher allein oberflächliche Ursachen: Die Mehrzahl der Kinder nimmt zu viele Kalorien auf, sie bewegt sich zu wenig. Und eine Überwindung der Fettleibigkeit während des Längenwachstums und im jungen Erwachsenenalter gelingt immer weniger. Auch Spezialeinrichtungen mit Abspeckprogrammen verzeichnen zwar kurzzeitig Erfolg, doch im allgemeinen wird eine zähe Rückfälligkeit ins alte Körpergewichts nach wenigen Monaten beklagt.

Besorgte Mütter schildern in der psychotherapeutischen Praxis: „Wir haben es nach vielen vergeblichen Versuchen aufgegeben, in dieser Hinsicht bei unseren Kindern etwas zu erreichen. Sie sind zwar keineswegs widersetzlich, sie möchten selbst die Pfunde los sein. Häufig werden sie sogar deswegen gemobbt, sie trinken auch brav Smoothies und nagen an rohen Mohrrüben – aber die Körperrundungen wollen und wollen sich nicht vertreiben lassen.“

Eine gut beobachtende Mutter sagte zu Recht: „Ich habe sogar das Gefühl, dass das ewige Thematisieren beim Essen für die Kinder kontraproduktiv ist. Einerseits werden sie darüber träge und unlustig, und andererseits steigert es die Esslust.“ 

Über sich selbst enttäuscht resümiert eine andere Mutter: „Das Gegenteil, ein ganz schlimmes stattdessen, habe ich erreicht.“  – Sie habe nämlich herausfinden können, dass ihr Sohn am Kiosk neben der Schule heimlich Süßigkeiten kaufe. Darauf habe sie ihn angesprochen. Aber er leugne das hartnäckig; ihre Recherchen hätten also nicht nur nichts, sondern ein schräges Verhältnis zu ihrem kleinen Sohn erbracht.

Ein solches Verhalten ist typisch für Kinder, die bereits in einer Esssucht gefangen sind. Sie können ihre Abhängigkeit davon nicht zugeben, sie verdrängen stattdessen manchmal sogar das Bewusstsein darüber; denn der damit verbundene Verlust ihres eigenen Willens ist für sie unerträglich.

Analytisch arbeitenden Psychotherapeuten sind die tieferen Ursachen bei einer Vielzahl von fettleibigen Menschen längst bekannt:

Es ist der seelische Mangel im Bindungsbereich der so fest prägenden frühen Kinderjahre, der das Bedürfnis nach viel Essen, Naschen und süßen Getränken so übermächtig aktiviert. Es handelt sich bei diesen unerkannten Störungen letztlich um die unbewusste Ersatzbefriedigung eines lebensnötigen seelischen Verlangens.

Deshalb bleibt die eigentliche seelische Sättigung aus, ja, im Gegenteil: Sie wird durch die Dezimierung des Ansehens in der Gruppe noch vermindert und das seelische Defizit dadurch geradezu angeheizt. Das Naschen von Chips beim Fernsehen löscht infolgedessen bei diesen Kindern nicht den eigentlichen Durst ihrer Seele!

Es ist besonders verheerend, dass dieser Mangel sich in den ersten drei Lebensjahren einschleicht, in einer Phase, in der die Bindung an die pflegende Hauptperson (und das ist normalerweise die Mutter) einen Reifungsschritt von unermesslicher Wichtigkeit darstellt:

Denn durch die erlebte Bindung sprießen im noch unausgebildeten Gehirn die Synapsen. Daraus ergibt sich ein grundlegendes Gefühl von Zufriedenheit. Wenn diese fehlt, entsteht bei unverwahrten Kindern sehr viel öfter eine gesteigerte Esslust und darauf aufbauend Fettleibigkeit. Denn sie haben lange schon versucht, ihre Unzufriedenheit über den Mangel an Gemeinsamkeit mit einem Du auf diese Weise zu beseitigen.

Und etwas Verheerendes tritt darüber hinaus als Folge auf, wenn der Weg erst in die Ersatzbefriedigung eingeschlagen ist: Solche Versuche machen nur sehr kurzfristig zufrieden! Sie wecken stattdessen ein Bedürfnis nach mehr, mehr und mehr.

Dahinter aber gähnt eine unglücklich machende Falle für das gesamte Leben: Die unbewussten Selbstheilungsversuche machen süchtig, später dann aber in aller Verzweiflung nicht nur mithilfe von heimlich Genaschtem, sondern mit nur scheinbar Besserem: mit Zigaretten, mit Alkohol und schließlich mit einem noch schlimmeren Verfallensein, mit Rauschgiften, also mit einem noch größeren Verlust der Willensfreiheit.

Längst lässt sich bei Langzeitbeobachtungen erfahren, dass hier Verläufe mit vielfältigen Aufsplitterungen vorliegen, die ihre Ursache in einer einzigen fundamentalen, das Leben letztlich schwerst beeinträchtigenden Störung haben. Mit dem eigenen Willen ist bei manchen dann längst nichts mehr zu machen, und erst recht ist dann das wichtigste Lebenselement des Menschen kaputt: das eigene Selbstwertgefühl.

Unsere dicken Grundschulkinder suchen in der Tiefe ihrer Seele nicht den Döner, sondern die Liebe, die Anerkennung einer, der EINEN wichtigsten Person! Dass diese sie mag, dass diese sie seelisch satt macht! Dass diese ihnen durch ihre Gegenwart signalisiert: Ich freue mich, dass du da bist, du bist mir wert, du bist mir teuer!

Aber Klassenlehrer mit 20 bis 30 Schulkindern, mit häufigem Wechsel obendrein, können nicht in der Lage sein, solche Defizite bei immer mehr Kindern aufzulösen, zumal die Störung deren Leistungsfähigkeit mindert. Das ist auch mit ein Grund, warum unsere 10-Jährigen dann insgesamt nur ein so jämmerliches Unterrichtsniveau erreichen.

Erfahrene Kinderpsychotherapeuten kennen solchen Hintergrund unruhiger, unkonzentrierter, „fauler“ Kinder längst. Die unerkannte seelische Not unserer scheinbar noch glücklichen Kinder hat bisher in unserer Gesellschaft ungehört zum Himmel schreien müssen; denn im Grunde ist der Mensch „von Kopf bis Fuß auf Liebe programmiert“ – jeder von uns!

Diese Erkenntnis der tiefsten Ursachen bei den meisten fettleibigen Kindern lässt ein weiteres Ergebnis des Robert-Koch-Institutes in einem besser erklärenden Licht erscheinen: Die Untersuchungen des Instituts hatten bereits ergeben, dass Kinder aus sozial schwachen Familien eher zu Übergewicht neigen als ihre Altersgenossen aus besser gestellten Familien (2).

Nun zeigt sich, dass es vor allen Dingen die weniger direkt bewahrten Kleinkinder sind, die diesen Mangel später durch orale Ersatzbefriedigungen auszugleichen suchen. Und eine weitere Praxiserfahrung lässt sich hinzufügen: Kinder, die in heile Familien eingebunden sind, haben eher Chancen, übersteigerte Esslust auf ein gesundes Maß zu reduzieren.

Müssen diese  Beobachtungs- und  Forschungsergebnisse denn nun aber nicht endlich einmal zu echt wirksamen  sanierenden Maßnahmen führen?

Bilanz: Ein weiteres Kurieren an den Symptomen wird Zeitverschwendung bleiben. Die Voraussetzung zu einer Heilung dieser Störung im Urbereich des Menschen kann nur

a) mit einer Einstellungsänderung über das Wesen von uns Menschen beginnen.

b) Es bedarf der gesellschaftlichen Voraussetzungen, die es den Müttern möglich macht, bei den Kleinkindern gegenwärtig zu sein, sodass diese den fundamentalen Reifungsschritt zur Bindungsfähigkeit vollziehen können.

c) Denn nur so wird es einer Vielzahl von Vertretern der jungen Generation ermöglicht, gesunde, leistungs- und liebesfähige Erwachsene zu werden.

d) Das setzt voraus, dass es der modernen emanzipierten Mutter nach der „Kinderphase“ durch gesellschaftliche Maßnahmen ermöglicht wird, dass sie  auch ihr Recht auf ein verselbstständigtes Leben durch Erwerbstätigkeit und Rentenversorgung erreichen kann.

Quellenangaben:
(1) https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsJ/FactSheets/JoHM_01_2018_Adipositas_KiGGS-Welle2.pdf?__blob=publicationFile
(2) https://www.mamiweb.de/familie/studie-arme-kinder-sind-haeufiger-dick/1

 Gemälde: Evita Gründler


„Tagespost“ nennt vielfältige Ursachen für die Schließung der Abtei „Mariawald“

Von Dr. Gero Weishaupt

Vor allem enttäuschte Traditionalisten werfen der römischen Religiosenkongregation die Schließung der Trappistenabtei Mariawald bei Aachen zu. Doch vor dieser einseitigen Schuldzuweisung warnt Regina Einig in der „Tagespost“. 

Die Frustration in diesen Kreisen sei auch daher zu erklären, dass sie französische Verhältnisse auf deutsche übertrügen:

„Der Glanz französischer Klöster wie Le Barroux oder Fontgombault war in Mariawald … nie zu erwarten. Tradition funktioniert in Frankreich milieugebunden. Es sind überwiegend Sprößlinge einer spirituell eng zusammengeschweißten gesellschaftlichen Sicht, die sich nach Pfadfinderlage und Privatschule im geistlichen Stand wiedersehen.“

Einig schreibt weiter: „Man suche in Deutschland erst einmal die dazu gehörenden Familien, die unter großen persönlichen Opfern sechs bis acht Kinder im Glauben erziehen und es als Ehre betrachten, eines der ihren im Kloster zu wissen. Ein vergleichbares Milieu existiert hierzulande nicht. Daher sind auch die Erfolgskriterien französischer Tradionalistenklöster nicht übertragbar.“

Außerdem sei zu berücksichtigen, dass die Liebe zur alten Messe das eine ist, ein ganzes Leben in einem Kloster nach strenger Observanz das andere. „Liebe zur traditionellen Liturgie, gepaart mit einer monastischen Berufung“, so Einig, „bedeuten noch nicht, dass jemand der vorkonziliaren Lebensweise der Trappisten lebenslang gewachsen ist.“

Auch die strenge Disziplin habe dazu beigetragen, dass die Zahl der Interessenten klein gewesen sei.

Erstveröffentlichung des Beitrags von Dr. Weishaupt hier: http://www.kathnews.de/vorsicht-bei-schuldzuweisungen-an-die-religiosenkongregation


Polizeigewerkschaft zum Thema NPD-Verbot: Ursachen des Rechtsextremismus bekämpfen

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) sieht sich nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von heute, die NPD nicht zu verbieten, bestätigt.

DPolG-Bundesvorsitzender Rainer Wendt (siehe Foto) erklärt hierzu: Wendt

„Die NPD ist eine schreckliche Partei mit verfassungsfeindlichen Zielen. Aber wie das Bundesverfassungsgericht nachvollziehbar argumentiert, fehlt ihr die Kraft, diese auch durchzusetzen. Deshalb muss sie politisch bekämpft werden und nicht ihre Mitglieder durch ein Verbot aufgewertet.

Ein Verbot der NPD hätte aus keinem einzigen Neonazi einen Demokraten gemacht. Ein solcher Schritt würde uns also in der Bekämpfung des Rechtsextremismus in Deutschland kaum weiterbringen. Die Neonazi-Szene ist außerdem in zahllose Organisationen zersplittert und konzentriert sich nicht allein in der NPD.

Es kommt jetzt darauf an, die Sicherheitsbehörden weiter zu stärken, um eine Beobachtung der Partei kontinuierlich zu gewährleisten.

Darüber hinaus sollten Bundes- und Landesregierungen konsequent gegen die Ursachen des Rechtsextremismus vorgehen. Das Gefühl vieler Menschen, dass es in Deutschland nicht gerecht zugeht, ist leider oft der beste Nährboden für extremistische Positionen.“


Der Priestermangel in der katholischen Kirche und seine Ursachen

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Als kürzlich die Zahlen der 2015 in den deutschen Diözesen geweihten 58 Priester bekannt wurden, fand das auch in den säkularen Medien Beachtung. Unter Überschriften wie „Gehen der katholischen Kirche die Priester aus?“, hatten einige Medien auch die Abhilfe schnell bei der Hand. Es waren die bekannten Ladenhüter wie Abschaffung des Zölibats, Einsatz von „Viri probati“, Einführung des Frauenpriestertums. 0000009699_3

Andere Medien brachten die ersten Nachkriegsjahrzehnte in Erinnerung, als einzelne Bistümer Zahlen von Priesterweihen aufzuweisen hatten, die heute von allen Diözesen zusammen nicht mehr erreicht werden. Schnellschüssige Beschreibungen der heutigen Misere führten zur Behauptung, der Priestermangel sei „gewollt“.

BILD: Prof. Gindert leitet seit Jahrzehnten den katholischen Kongreß „Freude am Glauben“

Was sind die Ursachen? Er gipfelt zwar in der Zahl 58 Priesterweihen im Jahr 2015. Tatsächlich zeichnet er sich seit vielen Jahren ab. Voraus gehen die Verdunstung des Glaubens, gemessen am Besuch der sonntäglichen Eucharistiefeier sowie der Rückgang der Kinderzahl in den Familien. Das dahinsiechende Glaubensleben in den Familien, in denen kaum mehr gebetet wird, und die gesunkene Kinderzahl von 1,3 Kindern pro Familie sind Hauptursachen des Priestermangels. Wo sollen Berufungen ansetzen, wenn beides fehlt?

Natürlich gibt es auch den „gewollten“ Priestermangel an theologischen Ausbildungsstätten, in Priesterseminaren, bei Vertretern eines synodalen, demokratischen Kirchenverständnisses sowie bei Pastoralassistenten und -referenten, die theologisches Wissen und rhetorische Fähigkeiten, nicht aber Berufung und Priesterweihe als die eigentlichen Voraussetzungen für die „Leitung“ der Gemeinden ansehen. Solchen selbsternannten „Gemeindevorstehern“ geht es nicht um den Dienst an den Gläubigen, sondern um die Herrschaft über den „Pfarrbetrieb“. media-FZMqzvujo1V-2

Selbstverständlich gab es schon in den vergangenen Jahren Priesterseminare, in denen Regenten den Priesterkandidaten, die durch eucharistische Frömmigkeit oder durch Rosenkranzbeten auffielen, nahelegten, sie hätten evtl. doch keine „echte Berufung“.

Einige flüchteten sich dann bekanntlich beispielsweise zu Bischof Mixa nach Eichstätt. Andere fanden in einer Ordensgemeinschaft Aufnahme oder gaben ihre Berufung auf. Heute ist die Zisterzienserabtei Heiligenkreuz mit ihrer weit über Österreich hinausstrahlenden Spiritualität ein Anziehungspunkt für Ordens- und Priesterberufungen geworden.

Schließlich ist der anhaltende Schrumpfungsprozess selbst ein Hindernis für junge Menschen, die ihre Berufung zum Priestertum überlegen. Die diözesanen Kirchenleitungen kommen nicht mehr daran vorbei, immer größere Pfarreien-Gemeinschaften zu bilden, wenn sie einen geregelten „Pastoralbetrieb“ aufrechterhalten wollen.

Die Verpflichtungen des Pfarrers, an den Sitzungen der Pastoralräte, Pfarrgemeinderäte, Kirchenverwaltungen und Kindergartenbeiräte teilzunehmen, bei denen es mehr um organisatorische und finanzielle Fragen als um Seelsorge geht, nehmen zu. Das ist kein Anreiz für einen Priesterkandidaten, der sich zur Seelsorge berufen fühlt.

Schlussendlich erleben Priesterkandidaten wenig Aufbruchstimmung in der Kirche. Es gibt Bischöfe, die das Wort „Neuevangelisierung“ oder „Mission“ nicht mehr in den Mund zu nehmen wagen. Begeisterung für den Glauben ist in deutschen Landen am Erlöschen.


Ägyptischer Vatikanberater informiert über die Ursachen islamischer Radikalisierung

Prof. Khalil Samir über die islamische (Denk-)Welt

Der ägyptische Jesuitenpater und Professor Samir Khalil Samir (siehe Foto), einer der führenden Islamberater des Vatikan, sieht die islamische Welt derzeit in der schlimmsten Phase ihrer Geschichte. Es gebe in der gesamten islamischen Welt eine Atmosphäre, die sich zunehmend radikalisiere. IMG_0413-150x150
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Die Vatikankorrespondentin und IGFM-Mitarbeiterin Michaela Koller (siehe 2. Foto) befragte ihn anlässlich der jüngsten Terrorakte nach den Hintergründen. Wir veröffentlichen hier mit ihrer freundlichen Erlaubnis die wesentlichen Passagen:

Michaela Koller: Was begünstigt denn die derzeitige Häufung von Selbstradikalisierung?

Pater Samir: Ja, tatsächlich sind es immer mehr, die sich selbst durch das Internet radikalisieren. Dort agieren entsprechende Netzwerke, darauf spezialisiert die Jugend zu radikalisieren.

Zudem sind es auch Staaten wie Saudi-Arabien, die radikalen Islam verbreiten, nämlich den wahhabitischen Islam. Wir stellen das sogar in einem Land wie Ägypten fest. Immer mehr Leute sind davon überzeugt, dass der wahre Islam durch Leute wie die Salafisten, Muslimbrüder oder die Wahhabiten vertreten wird.

Die Wahhabiten haben einen großen Einfluss auf die Muslime im allgemeinen, durch ihr Geld, auch auf die Muslimebruderschaft, die inzwischen einige ihrer Ideen integriert hat. Es gibt in der gesamten islamischen Welt eine Atmosphäre, die sich zunehmend radikalisiert.

M. KollerDer Islam geht durch seine schlimmste Phase. Intellektuell, ökonomisch ist die islamische Welt derzeit Schlusslicht. Anstatt den Grund dafür bei sich zu suchen, in der falschen Theologie oder Auslegung des Koran, sagen sie, dies liege am Westen, an seiner Kolonialgeschichte und an seiner Einmischung, besonders Amerika, in unserer Politik. Dabei haben andere Länder diese Zeit binnen zehn Jahren überwunden.

Erklärt das vielleicht auch zum Teil, warum es keine breit aufgestellte und geschlossene Verurteilung dieser Gewalt gibt?
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Ja, das ist ein Problem der Muslime. Sie sagen zuallererst immer, dass die Tat nichts mit dem Islam zu tun habe, dass die Täter Fanatiker seien, dass Islam Friede (Salām) bedeutet, was absolut falsch ist. Sogar der Rektor der Universität Al-Azhar in Kairo, Ahmed Al-Tayyib, sagte das auf seiner Tournee vor einigen Wochen durch Europa, in Deutschland, wie auch beim Papst und mit Präsident Francois Hollande in Paris.  

Ich antworte dann immer, sie sollten sich die Fahne des IS anschauen; sie ist schwarz wie die von Mohammed –  und darauf steht: ‚Es gibt keine Gottheit außer Allah und Mohammed ist sein Prophet‘, das ist das Credo aller Muslime. Dazu kommt das Schwert. Auch Mohammed hatte das Schwert als Symbol, ebenso die Fahne Saudi-Arabiens. Sie wollen nicht der Realität ins Auge sehen.

Übt die Gewalt vielleicht sogar im Gegenteil auch eine Faszination aus?foto-dcubillas-www_freimages_com_

Es ist klar: Seit der IS das grundlose Blutvergießen begonnen hat, ist es jederzeit und an jedem Ort möglich, dass ein Muslim, der eine Gehirnwäsche durchgemacht hat, Leute niederschießt. Darauf ist die Welt, sind die Armeen, nicht vorbereitet. Es ist schwierig, gegen Terroristen einen organisierten Krieg zu führen.
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Die Radikalisierung des Islam rührt auch von der wahhabitischen Vision aus Saudi-Arabien her. Sie sagen, dass das aus dem Koran und der Sunna kommt, und das stimmt. Sie denken, wenn sie alles so tun, wie Mohammed es getan hat, werden sie wieder die Besten sein und dann werden sie die Welt gewinnen.
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Die liberalen Muslimen aber sagen, dass der Koran für Beduinen, Leute der Wüste, Anfang des siebten Jahrhunderts geschrieben wurde; und dass wir heute in einer total anderen Zivilisation und Kultur leben, vierzehn Jahrhunderte später, mit eine anderen Mentalität. Deshalb müssen wir den Islam neu interpretieren, den Geist des Islams erfassen, nicht wörtlich auffassen.
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Das ist das, was der Präsident Abd el-Fattah al-Sisi von Ägypten Ende Dezember 2014 in seine Rede in der Al-Azhar Universität sagte, in Anwesenheit hunderter Imame: ‚Wir brauchen ein Revolution im Islam, eine neue Interpretation unserer Texte‘.  –  Damals applaudierten alle lang, aber bis jetzt hat sich an der Lehre und in den Büchern nichts geändert.
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Vollständiges Interview mit Prof. Samir SJ hier: http://www.vaticanista.info/2016/07/23/sie-wollen-nicht-der-realitaet-ins-auge-sehen/
Fotos (Nr. 1 und 2): F. Seizmair / M. Koller