Valtorta: Bestand der Sündenfall in einer sexuellen Intimität von Adam und Eva?

7. Teil unserer Serie zu „Valtortas Irttümer“

Das Christentum war immer schon von zwei Seiten her bedroht: von einer liberalen Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist einerseits, der Verweltlichung also  –  und vom genauen Gegenteil, einer leibfeindlichen „Spiritualisierung“, die in der Antike als „Gnosis“ (das bedeutet „Erkenntnis“) bezeichnet wurde, während diese Anhänger einer übertriebenen Vergeistigung im Hochmittelalter meist als „Katharer“ („Die Reinen“) oder in Osteuropa als Bogomilen bekannt waren. 

0018Diese Sektierer lehnten sogar die Ehe samt Kinderzeugung grundsätzlich ab, wogegen die katholische Kirche die Würde und Heiligkeit der Ehe schon im Altertum gegen gnostische Irrlehrer entschieden verteidigte, ebenso später gegenüber leibfeindlichen Sondergruppen und selbsternannten Superasketen.

Manche vom gnostischen Denken beeinflußte Ideen konnten sich allerdings immer wieder durch gewisse Ritzen hindurch in der Christenheit einnisten, nicht selten durch „Visionen“ oder sonstige höhere „Erleuchtungen“, angeblich himmlische Einsprechungen etc.  – Auch wenn derlei Sondervorstellungen nicht zur amtlichen kirchlichen Verkündigung gehören, konnten sie doch bei manchen Gläubigen geistigen Einlaß finden.

Hierzu ein Beispiel:

Vereinzelt hörte ich hin und wieder die überaus merkwürdige Meinung in „frommen Kreisen“, der Sündenfall von Adam und Eva habe in ihrer beiderseitigen sexuellen Vereinigung bestanden. Ein schlesischer Pfarrer erzählte mir kürzlich, diese Auffassung würde nicht selten sogar in polnischen Priesterseminaren gelehrt.

Ich widersprach dieser Ansicht u. a. mit dem Hinweis, daß das  – chronologisch gesehen  – erste Gebot Gottes an unsere Stammeltern lautet: „Wachset und mehret euch“.  Diese Aufforderung des Höchsten geschah wohlgemerkt im Paradies  –  und nicht etwa nach dem Sündenfall.

Zudem ergibt sich aus dem Buch Genesis und weiteren Hinweisen in der Heiligen Schrift eindeutig, daß die Ursünde keineswegs dem Bereich der „Sinnlichkeit“ entstammt, sondern eindeutig im ungehorsamen Hochmut gegenüber dem Schöpfer besteht  – also gleichsam eine „geistige“ Sünde darstellt. (Abgesehen davon war die Sinnlichkeit von Adam und Eva im Paradieszustand ohnehin nicht ungeordnet, sondern höchst harmonisch!)Cover Kein anderes Evangelium

Manche erscheinungsbewegten Zeitgenossen meinen freilich allen Ernstes, gewisse menschliche Gliedmaßen hätten sich nach dem Sündenfall sogar anatomisch verändert, so daß die Zeugung des Lebens im „Garten Eden“ auf biologisch völlig andere Art und Weise erfolgt wäre…

Wir wollen derartigen Unfug nicht weiter ausmalen, sondern darauf hinweisen, daß die Vorstellung von einer „sexuellen“ Ursünde mehrfach in den Büchern von Maria Valtorta zu finden ist.

Diese auf vermeintlich übernatürlichen Einsprechungen beruhenden, umfangreichen Bände mit dem Titel „Der Gottmensch“ sind zwar kirchlich nicht anerkannt (sie befanden sich sogar bis zuletzt auf dem „Index“, also einer Auflistung vatikanisch abgelehnter Bücher): Da dies aber kaum jemand weiß, sind Valtortas Bücher weit verbreitet, in denen aufgrund eines angeblichen „Diktats von oben“ das Leben Jesu geschildert bzw. phantasievoll ausgemalt wird.

Ramon de Luca hat sich in seiner Neuerscheinung „Kein anderes Evangelium“, die im Schweizer Alverna-Verlag erschien, ausführlich mit der eben erwähnten Sündenfall-Version von Valtora und zahlreichen weiteren Irrtümern dieser „Mystikerin“ befaßt.

Das fundierte, gründlich recherchierte Buch ist ein echter Augenöffner für alle, die sich nüchtern anhand der biblischen und kirchlichen Lehre über Valtorta informieren wollen. Es wird höchste Zeit, daß eine kritische Sichtweise auf diese Buchbände erfolgt. Wir wollen dies in einer ausführlichen Besprechung gelegentlich weiter erläutern.

Das 148 Seiten umfassende Buch kostet 12 Schweizer Franken bzw. 10 Euro und kann portofrei bei uns bezogen werden: felizitas.kueble@web.de (Tel. 0251-616768)  – Bei Auslandsbestellungen kommen zwei Euro Portokosten (anteilig) dazu.

Hier sehen Sie das Buchangebot des Alverna-Verlags: http://www.alverna.ch/index.php/alle-buecher.html


„Der Gottmensch“ von Maria Valtorta und der vatikanische Index

1. Teil der Aufklärungs-Serie „Valtorta-Irrtümer“

Die in frommen Kreisen weitverbreitete Buchreihe „Der Gottmensch“ der italienischen Visionärin Maria Valtorta gelangte im Dezember 1959 auf den vatikanischen Index der „verbotenen Bücher“.

Die von 1897 bis 1961 lebende „Mystikerin“ gibt vor, in ihren 12 Bänden (die mindestens 30 mal umfangreicher sind als das Neue Testament) das wahre Leben Christi und Mariens darzustellen, das ihr vom „Himmel“ diktiert worden sei. Papst Benedikt XVI

Nebst langatmigen Landschaftsschilderungen und Dialogen, die sich im Kreise drehen,  gibt sie einen sentimentalen „Jesus“ sowie eine teilweise hysterisch agierende „Maria“ zum Besten  –  und vermittelt damit ein (Zerr-)Bild, das mit der Heiligen Schrift und der kirchlichen Überlieferung nicht übereinstimmt.

Das mit Irrtümern durchsetzte, freilich sehr fromm-klingende Werk kam 6.12.1959 auf den kirchlichen Index. Diese „Liste verbotener Bücher“ wurde zwar in formaler Hinsicht nach dem 2. Vatikanum abgeschafft, gleichwohl behält der Index in moralisch-inhaltlicher Hinsicht seine Berechtigung.

In einem Schreiben vom 31.1.1985 an den Erzbischof von Genua, Kardinal Guiseppe Siri, erklärte Kardinal Joseph Ratzinger, die „moralische Autorität“ des Index  sei weiterhin in Kraft. Die Valtorta-Bände „Der Gottmensch“ seien zudem  durch die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ vom 6.1.1960 ausführlich widerlegt worden.

Zu Valtortas „Visionen“ über das Leben Jesu und Mariens schrieb der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, daß das Werk „wissenschaftlich geprüft“ worden sei und sich als „eine Anhäufung von Kindlichkeit, Fantasie sowie historischen und exegetischen Fehlern erwiesen“ habe.

Es sei daher „nicht angebracht, das Werk zu verbreiten und zu empfehlen“, denn seine damalige Verurteilung sei „nicht leichtfertig getroffen worden, sondern nach sorgältige Prüfung“, um Schaden von Gläubigen abzuwenden.

Am 6.5.1992 schrieb der Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Dionigi Tettamanzi, Folgendes an das „Centro Editoriale Valtortiano“:

„Im Geiste des Dienstes am Glauben der Kirche bitte ich Sie, in jeder Neuauflage der Valtorta-Bände auf den ersten Seiten klarzustellen, daß diese „Visionen“ und „Diktate“ keinen übernatürlichen Ursprung haben, sondern daß es sich um bloße literarische Schriften handelt, um Erzählungen der Autorin in ihrer Art.“

Damit steht die bleibende kirchliche Ablehnung der Valtorta-Visionen fest.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster