Verstiegene Visionen von Luisa Piccarreta

Von Felizitas Küble

Seherinnen und angeblich besonders begnadete Opferseelen, Sühneseelen und Sühneopferseelen gibt es zuhauf, glaubt man den Auskünften in erscheinungsseligen Kreisen.

In letzter Zeit erhalten wir immer wieder werbende Hinweise aus diesem  Spektrum für die „Mystikerin“ Luisa Piccarreta, wie in vielen  Fällen eine „Sühneseele“ aus Italien, genauer Süditalien (Corato, Provinz Bari).

Die Visionärin wurde 82 Jahre alt und lebte von 1865 bis 1947, gehörte dem Dritten Orden der Dominikaner an und soll schon im kindlicher Alter von 13 Jahren Erscheinungen des „leidenden Heilands“ erhalten haben, der zu ihr sprach: „Seele, hilf mir“ und der ihr seine Passion gezeigt haben soll.

Luisa Piccarreta (siehe Foto) war über 60 Jahre lang bettlägerig; ihre „mystischen“ Erfahrungen bzw. Gespräche mit Jesus und Maria füllen sage und schreibe 36 Bände, womit sogar die wortreiche griechisch-orthodoxe „Prophetin“ Vassula Ryden übertroffen wird.

Es würde zu weit führen, sich durch die endlos erscheinende Reihe ihrer „Eingebungen“ durchzuarbeiten, wenn schon per flüchtigem Durchblättern irgendeines x-beliebigen Bandes klar erkennbar ist, daß sich in den angeblichen „Botschaften“ des Himmels zahlreiche theologische Irrtümer, Verstiegenheiten und Merkwürdigkeiten finden.

Nehmen wir als Beispiel den Band VI. mit dem Titel „Ich will euch zur Quelle führen“ (siehe Abbildung). Schon der Untertitel spricht „Bände“: „Jesus eröffnet uns das Innerste seines Göttlichen Willens.“

Hat Christus etwa zweitausend Jahre zugewartet, bis es IHM gefiel, der „Sühneseele“ Luise den Wesensgehalt des göttlichen Willens zu offenbaren? – Ist die Selbstmitteilung Gottes im Alten und Neuen Bund nicht in der Heiligen Schrift bereits zuverlässig überliefert? Bedarf es zur nötigen Erkenntnis der Gläubigen weiterer 36 Bände?

Wie im Vorwort dieses Buches erwähnt wird, handelt es sich bei Luisa um „jene Seele, die als erster Mensch in das Reich des Göttlichen Willens eintreten durfte“ (S. 11).  Oho  – eine solche Gnadenfülle wurde also demnach nicht einmal der Gottesmutter geschenkt.

Weiter heißt es über die besonders erwählte und angeblich stigmatisierte Visionärin: „Das Wunder einer Seele, die im Göttlichen Willen lebt, übertrifft alle Wunder und Gnadengaben zusammengenommen, die Gott bisher gewährte.“ – Aha! Doch damit nicht genug, denn die Buchautorin Dr. Gertraud Pflügl weiß gar Umstürzendes zu berichten:

„Luisa Piccarreta wird eines Tages auf der ganzen Welt bekannt sein und alle werden ihr zu danken wissen, denn sie ist es, die der gesamten Menschheit die Pforten ins Reich des Göttlichen Willens geöffnet hat.“

Auf der nächsten Seite wird zwar eingeräumt: „Maria bleibt in ihrer Stellung als die Mutter des Erlösers und als Königin des Himmels und der Erde einzigartig“. Freilich wird sofort hinzugefügt: „…doch ist Luisa so etwas wie die „Königstochter“. „

Kein Wunder also, daß diese Wunderfrau in moralischer Vollkommenheit hellstens erglänzte: „Luisa überwand die Neigung zum Bösen durch das Geschenk des Göttlichen Willens. Alle ihre Gedanken, Wünsche, Neigungen, Worte und Taten waren frei von jeder bösen Begierlichkeit.

Mit anderen Worten, diese begnadete Sühneopferseele befand sich offenbar im Zustand der Paradieses-Unschuld, zumal es weiter heißt: „Luisa war der erste Mensch, der Maria in ihrer Unbeflecktheit ähnlich werden durfte.“

Bei solch einem erstaunlichen Befund erscheint es naheliegend, daß Luisa fast wie eine Art Miterlöserin gefeiert wird: „Sie trug die heiligen Male ihres Seelenbräutigams und war mit ihm eine lebendige Gekreuzigte, die für die Sünden der Menschen sühnte.“  –  Auf S. 14 wird sie als „Sühnopfer für die ganze Menschheit“ gewürdigt, war sie doch „das getreue Abbild des Erlösers, der sie schließlich am Kreuz mit sich vereinigte“, wobei er sich außerdem insgesamt viermal mit ihr „vermählt“ hat  – vermutlich nach der Devise: Doppelt hält besser  – und aller guten Dinge sind vier!

Diese Frau mit ihrer „einzigartigen Stellung im Heilsplan Gottes“ hat zwar notgedrungen „ihr Leben auf der Erde fortgesetzt, doch ihre Seele hatte schon ihren Wohnsitz im Himmel aufgeschlagen. So konnte sie verschmolzen mit Jesus auf eine ganz neue Art zum Heil der ganzen Menschheit wirken“.

Eine „Verschmelzung“ zwischen Gott und den Seelen gibt es nicht einmal im Himmel; die Seligen erhalten dort einen gnadenhaften „Anteil“ an der göttlichen Herrlichkeit, was aber keineswegs eine Verschmelzung zwischen der Gottheit und den Geschöpfen beinhaltet.

Angeblich, so heißt es auf Seite 19, soll Papst Pius X. über einen der Luisa-Bände („Stundenuhr“) zu ihrem Beichtvater gesagt haben: „Hier spricht der Herr selbst. Pater, dieses Buch sollten Sie auf Knien lesen.“  – Allerdings fehlt jeder Quellenhinweis für diese Behauptung.

Überdies hätte man gerne gewußt, wozu diese einzigartig auserwählte, von jeder bösen Begierlichkeit ganz und gar befreite Seherin überhaupt noch eines Beichtvaters bedurfte?

Schlägt man in diesem Buch irgendeine Seite auf, weht einem oft eine völlig verstiegene „Spiritualität“ und ein weltfremdes, überzogenes Asketentum entgegen.

So wird  z.B. auf S. 173 eine Botschaft von „Jesus“ an Luisa zitiert:

„In dem Maß, als du dich selbst vergessen und zerstören wirst, wirst Du in Meiner Kenntnis voranschreiten….Alles, was die Seele von sich behält und was ihrem Anfang nicht angeglichen ist, muss sie vernichten…So kann man sagen, dass sich für die Seele, die vollkommen losgeschält ist, alle Dinge in Gott verwandeln. Mehr noch, sie findet Ihn nicht nur, sondern betrachtet Ihn, sie fühlt Ihn, umarmt Ihn.“

In diesen Texten wechseln sich ständig Zuckerbrot und Peitsche, kitschige „Umarmungen“ mit Gott bei gleichzeitiger rabiater Darstellung des Wirkens Gottes, als würde ER die menschliche Freiheit gleichsam vergewaltigen: „Mein Wille jedoch  – das erste, was Er niederschlägt, ist der menschliche Wille –  toleriert keine menschliche Absicht.“

Gott betreibt keineswegs ein „Niederschlagen“ des menschlichen Willens, zumal es andernfalls sinnlos gewesen wäre, diese Willensfreiheit überhaupt zu erschaffen – sie ist ja ein Geschenk des Ewigen selbst. Freilich soll der Mensch seine Freiheit nicht mißbrauchen, aber GOTT wendet keine Gewalt gegenüber der  Seele an, auch nicht im übertragenen Sinne. 

Auf S. 190 erzählt der angebliche Jesus seiner vermeintlichen  Begnadeten folgendes: „In Mir ist keine Materie. Alles ist reinster Geist.“  – Dies klingt sehr nach gewissen gnostischen bzw. doketistischen Vorstellungen, wonach Christus auf Erden nur eine Art Scheinleib getragen habe, aber nicht wirklich und wahrhaftig Mensch geworden sei, wobei ER auch nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt der Gott-Mensch geblieben ist, also seine menschliche Natur keineswegs ablegte.

Stattdessen wird dieser Visions-Jesus weiter dahingehend zitiert, er habe deshalb das Menschsein angenommen, um dem Menschen „ein höchst vollkommenes Beispiel zu geben, wie er seine eigene Materie vergeistigen kann. So muss die Seele alles vergeistigen….“

Geradezu blasphemisch erscheinen weitere Ausführungen von „Jesus“ über auserlesene Seelen nach dem Vorbild der Luise:

„Die Höhe der Vollkommenheit einer Seele, die in Meine Willen vernichtet ist, ist derart, das sie wie Gott wirkt…Wenn sie mit diesem Willen lebt, besitzt sie die Macht, die Weisheit, die Heiligkeit und all die anderen Tugenden, die Gott Selbst hat

Die Seele, der es gelingt, von Meinem Willen alleine zu leben, ist die Königin aller Königinnen. Ihr Thron ist so hoch, dass sie den  Thron des Ewigen erreichen wird. Sie tritt in die Geheimnisse der höchsten Dreifaltigkeit ein…“ (S. 191)

Damit wird auf scheinfromme, nicht nur verstiegene, sondern theologisch hochgefährliche Unart und Weise der luziferische Grundgedanke vermittelt: Wollt ihr sein wie Gott?

Es wäre ein Leichtes, massenhaft weiteren Unfug und Irrtum aus diesen Botschaftsbänden aufzubröseln, doch erscheint dies eher überflüssig, wenn schon eine gewisse Auswahl dieser „Offenbarungen“ zeigt, wo der (Irr-)Weg langgeht  –  und daß es sich hierbei weitgehend um eine Neu-Auflage alter gnostischer Häresien handelt.

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Foto-Quelle des Porträts: http://luisapiccarreta.de

 


Bekenntnis eines Irrwegs: Gefangen in den „Botschaften“ von Vassula Ryden

Auf der mehrsprachigen Webseite  „info.vassula.ch“  berichtet eine Betroffene sehr eindringlich von ihrem jahrelangen Trip in die falschmystische Zauberwelt von Vassula Ryden,  einer bekannten „Seherin“, die der griechischen Orthodoxie entstammt, wobei sich sowohl die orthodoxe Kirchenleitung wie auch bereits früher die vatikanische Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger von Vassulas „Botschaften“ deutlich distanziert hat.

Vassulas Visionen sind in mehreren Bänden mit dem bezeichnenden Titel „Das Wahre Leben in Gott“ (WLiG) zusammengetragen, die der erscheinungsbewegte Miriam-Verlag herausbringt.

Wir zitieren nachfolgend einige Passagen aus dem aufrichtigen und klarsichtigen Zeugnis von Maria Laura Pio, wobei wir mitunter eigene Bemerkungen dazufügen:

„Bis 1996 lebte ich in Genf (Schweiz), ungefähr 50 Kilometer von der Region Lausanne entfernt, wo zur damaligen Zeit auch Vassula wohnte.

Ich bin seit meiner Geburt katholisch und ich wollte schon immer mein Leben treu nach dem Evangelium gestalten. Als ich in Genf lebte, war ich in meiner zuständigen Pfarre sehr aktiv, wo ich auch als Katechetin gern willkommen war, während ich meine Universitätsstudien absolvierte.

Im Laufe der Jahre 1993 bis 1994 stellte mir mein geistlicher Leiter Frau G. vor, die sehr aktiv Vassula unterstützte. Diese Frau G. war die erste Person, die mir über Vassula erzählte und mir auch das erste Buch ihrer Botschaften gab. Sie lud mich auch zu einem Vortrag ein, den Vassula vor dem ÖRK (Ökumenischer Rat der Kirchen) mit Sitz in Genf halten sollte.“

Anmerkung: Es hätte bereits etwas stutzig machen können,  daß eine angeblich „gotterleuchtete Seherin“ vor dem als linkslastig und zeitgeistig bekannten ÖRK zum Vortrag eingeladen wird. Einer wirklich glaubenskonservativen Persönlichkeit könnte dies wohl kaum „passieren“.

„Die Botschaften in dem Buch „Das Wahre Leben in GOTT“ kamen zwar etwas komisch vor, aber da ich zuvor nie Texte von Privatoffenbarungen gelesen hatte, ging ich mit einem offenen Geist an die ganze Sache heran. Nach dem Vortrag von Vassula  vor dem ÖRK war ich sehr begeistert und kaufte mehr Bücher von ihr. Und beim Lesen dieser Botschaften hatte ich das erste Mal so ein Gefühl, dass GOTT mich wirklich gern hatte und liebte. (Das Haupt-Thema im ersten Band  ist ja die „LIEBE GOTTES“)

So bat ich also GOTT, dass ER mir ein Zeichen geben soll. Da ich an dem Vortrag zusammen mit meiner Mutter teilnahm, bat ich GOTT, ER möge mir die Echtheit dieser Botschaft durch ein Zeichen mittels meiner Mutter kundtun. Und von ihr bekam ich auch dann das erbetene Zeichen. Gleich anschließend an den Vortrag gab mir meine Mutter zu erkennen, dass sie von Vassula sehr positiv beeindruckt war.

Im Gegensatz dazu wurde sie nach dem Lesen der Bücher immer skeptischer und bekam Zweifel an der Echtheit. Und trotz dieses Ablaufes nahm ich in diesem Augenblick den Wechsel in ihrer Einstellung nicht mehr als Teil der Antwort GOTTES zur Kenntnis …

(Jetzt bitte ich GOTT schon gar nicht mehr um Zeichen; und zwar nicht deshalb, weil er keine Antwort geben würde  –  ER reagiert nämlich immer auf Gebete  –  sondern weil wir einfach die Neigung haben, in allen Ecken und Enden Zeichen zu sehen und diese dann nach unserem Gutdünken zu interpretieren und nach unserem Willen auszulegen…)

Anmerkung: Gott hört sicherlich alle unsere Gebete und er er-hört sie auch  –  und zwar nach SEINEM Willen (und das ist gut so), aber wir sollten uns   g r u n d s ä t z l i c h  vor dem gefährlichen Unfug hüten, Gott um ein bestimmtes „Zeichen“ zu bitten, wenn wir vor Entscheidungen stehen.

Christus selbst hat dem Versucher in der Wüste das biblische Wort entgegengeschleudert: „Du sollst den HERRN, Deinen Gott, nicht versuchen!“

Im Gleichnis vom reichen Prasser wünscht dieser im Totenreich, daß seine Brüder auf Erden durch eine Erscheinung gewarnt werden, damit sie nicht ebenso trostlos enden wie er, aber dies wird strikt abgelehnt, denn Christus sagt dazu: „Sie haben Moses und die Propheten  –  das genügt!“  –  Das gilt auch heute: Wir haben die Heilige Schrift und das Lehramt der Kirche, es bedarf  durchaus keiner Zeichen und Wunder, um Gottes Willen zu erkennen.

Das natürliche „Zeichen“, das Gott selbst uns geschenkt ist, ist der eigene Verstand, den wir anwenden sollen  –  dies wäre ja nicht nötig, wenn Gott uns ständig durch direkte Zeichen den Weg weisen würde. Zudem gibt es die Kirche als Wegweiserin, die uns zur VORSICHT vor Privatoffenbarungen mahnt!

Zudem hat die Autorin recht:  Selbst wenn Gott uns ein „Zeichen“ schicken würde, dann würden wir es durch unsere eigene Brille betrachten und in unserem Wunsch-Sinne auslegen….wie sie ja damals auch!

„Sehr rasch wurde ich ganz abhängig von und süchtig nach diesen Botschaften. Mit dem Ausdruck „abhängig und süchtig“ möchte ich darstellen, dass ich einfach den inneren Zwang spürte, jeden Tag in diesen Botschaften zu lesen.  Ich begann zu glauben, es wäre der WILLE GOTTES, dass ich die Botschaften lesen und auch verbreiten sollte. (…)

In jener Zeit war ich auch ein aktives Mitglied einer Vereinigung, die gegen die Pornografie und besonders auch gegen die Kinder-Pornografie kämpfte. Ich hatte den Einsatz in dieser Gruppe immer als eine Verpflichtung eines echten Christen gesehen. Aber nach der Lektüre des WLIG („Wahres Leben in Gott“, Vassulas Bände)  schien mir dieser Einsatz sinnlos, und ich begann die Zusammenkünfte dieser Vereinigung zu schwänzen, um mehr Zeit zur Verfügung zu haben zur Verbreitung der Botschaften des WLIG.

Ich las auch nicht mehr die Heilige Schrift, das Evangelium, weil ich zur Überzeugung gelangte, dass diese Botschaften des WLIG wichtiger und höher einzuschätzen sind als die Bibel, weil nämlich in diesen Botschaften des WLIG JESUS in der JETZT-Zeit zu uns spricht.“

Anmerkung:  Die Vernachlässigung und indirekte Verachtung der Heiligen Schrift ist im Schwärmerlager und in erscheinungsbewegten Kreisen tatsächlich weit verbreitet. Ich kenne mehrere Personen (noch dazu relativ gemäßigte), die ihre Bücherregale vollgestopft haben mit visionärer und charismatischer Literatur, aber im ganzen Haus ist keine einzige Bibel, nichtmal ein NT aufzufinden. Wie mag es dann erst bei Fanatikern zugehen!

Typisch ist auch folgende Reaktion eines Pfarrers, der unsere Redaktion hier in Münster vor längerer Zeit besuchte  – und der seine Schäflein ständig zu allen (un)möglichen Erscheinungsorten karrte. Als ich ihm dies mittels Bibelstellen ausreden wollte und gerade dabei war, die Heilige Schrift aus dem Regal zu holen, winkte er ab und sagte zu mir: „Die Bibel ist ein totes Buch, aber die Marienerscheinungen sind das lebendige Wort Gottes!“

Dieser Priester ist immer mehr in die falschmystische Szene abgerutscht und inzwischen im radikal-charismatischen Lager gelandet, wo er fleißig den irrgeistigen „Hammersegen“ verteilt (das ohnmächtige Rückwärtsfallen, das auch Vassula seit Jahrzehnten praktiziert).

Zudem versuchte ich vor ein paar Jahren, eine  kath. Religionslehrerin von ihrem Vassula-Trip herunterzuholen, nachdem sie mir erklärt hatte, daß sie Vassula-Bücher sogar im Religionsunterricht ständig einsetzt. Als ich nun sagte, sie solle mit ihren Schülern lieber die Bibel und den Katechismus erarbeiten, widersprach sie mir, das sei staubtrocken und langweilig. Ich erwiderte, es sei doch gerade ihre Aufgabe als Religionslehrerin, die Glaubenslehre lebendig und anschaulich zu erklären, doch sie beharrte sie auf ihrem Vassula-Fanatismus und untersagte mir weitere Anrufe.

„Nach drei bis vier (3-4) Monaten, in denen ich in die Lektüre des “WLIG” vertieft war, hatte ich mich in meinem Benehmen schon so arg und so wesentlich verändert, dass es auch meinen Eltern aufgefallen ist.  Ich war nicht mehr fähig, auch nur die geringste Kritik an Vassula gelten zu lassen oder zu ertragen. Und deshalb hatte ich häufige und fürchterliche Auseinandersetzungen und Diskussionen mit meiner Mutter. Ich habe überhaupt auf einmal auf jede Kleinigkeit sehr empfindlich reagiert und brach deshalb sehr leicht und immer häufiger in Tränen aus. Ich bekam große Schuldgefühle, wenn ich keine Lust hatte, in den Botschaften zu lesen. (…)

Nach zirka acht bis neun Monaten, in denen ich regelmäßig diese Botschaften gelesen hatte, forderte mich meine Mutter heraus, indem sie mir sagte, dass ich sicherlich nicht imstande wäre, einen Tag zu verbringen, ohne in den Botschaften zu lesen.

Und ich antwortete ihr darauf, dass es für mich ein Leichtes wäre, nicht nur einen Tag, sondern einen ganzen Monat auf diese Botschaften zu verzichten. Und dies wollte ich ihr auch beweisen. Und tatsächlich brachte ich es zusammen.

Ich fühlte mich aber dabei sehr schuldig und es schien mir, als wenn ich in meinem Innern eine Stimme sagen hörte, dass dieses eigensinnige Benehmen von mir ein offener Ungehorsam, eine Rebellion gegen GOTT sei. Aber wenn ich es richtig bedenke, dann habe ich das Ganze damals nur deshalb so konsequent durchgezogen, nicht weil ich selbst gedacht hätte, dass die Botschaften nicht echt und falsch wären, sondern weil ich meine Mutter sehr lieb hatte und ich ihr auf diese Art und Weise beweisen und sie überzeugen wollte, dass das WLIG eine sehr gute und positive Angelegenheit wäre.

Auf jeden Fall fühlte ich mich in der Folge weiterhin sehr schuldig  –  diese ganze Zeit hindurch  –  aber ich betete auch immer und regelmäßig zu GOTT, dass ER mir doch beistehen und mir helfen möge. Ich begann das Leben der Heiligen Theresa von Avila und des Heiligen Johannes vom Kreuz zu lesen. Und diese tiefgehende Mystik war für mich überraschenderweise eine sehr erfrischende und erholsame Angelegenheit. Ich fühlte auch eine gewisse Erleichterung, da ich mich nicht mehr gezwungen sah, jeden Tag in den Schriften des WLIG zu lesen.

Und schon in der dritten Woche der „Abstinenz“ von den Schriften des WLIG gab mir GOTT die Kraft und auch den klaren Kopf, um selbst zu bemerken, was mit mir während der letzten Monate geschehen war. Es war das erste Mal, dass ich ganz EHRLICH und auch TATSÄCHLICH zweifelte an der Echtheit dieser Botschaft.

Und so betete ich zu GOTT, er möge mir doch die WAHRHEIT über das WLIG aufzeigen.

Am Ende dieses Monats der „Abstinenz“ von der Lektüre dieser Schriften begann ich von Neuem in de Botschaften zu lesen. Aber nun sprangen mir auf einmal die offensichtlichen Widersprüche zwischen dem WLIG und der Heiligen Schrift direkt ins Auge.

Ja  ich es kam sogar soweit, dass ich den Zeitpunkt erreichte, von dem an ich nicht mehr in den Schriften des WLIG las. Weniger als ein Jahr später wurde die „Mitteilung (Notifikation) der Kongregation für die Glaubenslehre betreffend Vassula Ryden“ vom Vatikan veröffentlicht.

Als Folge meiner Abhängigkeit von den Botschaften überkamen mich Schuldgefühle und Angstzustände  für fast zwei ganze Jahre hindurch, da ich mich praktisch selbst einer Gehirnwäsche unterzogen hatte, um die Echtheit der Botschaften glaubhaft zu machen, obwohl ich ganz im Gegenteil nicht an die Echtheit der Botschaften glaubte. Ich bekam immer mehr den Eindruck, dass ich weder GOTT, noch der Kirche und noch weniger mir selbst trauen und vertrauen konnte.

Ich fühlte mich von den Priestern, die mich nicht davor gewarnt hatten oder noch mehr von denen, die mir geraten haben, diese Botschaften zu lesen, ohne dass sie selbst die Texte jemals gelesen hatten, zutiefst verletzt und verraten…Ich fuhr also damit fort, GOTT zu fragen, warum ER es denn zugelassen hatte, dass man mich in dieser verräterischen Art und Weise hinters Licht geführt hat, da ich doch immer nur IHN SELBST und IHN, Unseren HERRN JESUS CHRISTUS ganz allein gesucht hatte.“

Anmerkung: Die Kritik an jenen Priestern ist berechtigt, enthebt aber nicht der eigenen Verantwortung.  Die Frage an Gott „warum er es denn zugelassen hatte“, ist unberechtigt, da Gott unsere Freiheit zugelassen hat, weil auch die Liebe zu IHM nur in Freiheit möglich ist  –  für den Mißbrauch dieser Freiheit sind wir selbst verantwortlich.

Zudem trifft es objektiv nicht zu, daß die Autorin „immer nur IHN selbst ganz allein gesucht“ hatte; sie hat zB. die vernünftigen, wohlmeinenden Warnungen ihrer Mutter in den Wind geschlagen und sich heftige Auseinandersetzungen mit ihr geliefert. Es gab also auch mahnende Stimmen, vor denen sie ihre Ohren eigenwillig verstopfte! – Schon das vierte Gebot „Du sollst Vater und Mutter ehren!“ hätte sie zumindest veranlassen sollen, die Argumente ihrer Mutter wenigstens ernsthaft in Erwägung zu ziehen, zumal aus ihrer Mutter in diesem Falle zugleich die Stimme der „Mutter Kirche“ sprach, was die Autorin als studierte  Akademikerin an sich hätte wissen dürfen.

„Während einer bestimmten Periode dieser Zeit habe ich sogar an mir selbst erlebt, dass ich einfach nicht mehr zu JESUS beten konnte, weil sich sein Bild und SEINE Persönlichkeit in mir drinnen komplett verändert hatten. Denn die Botschaften des WLIG – genauso wie jede andere mystische Botschaft, die nicht echt ist – ändern die Wahrnehmung, die unsere Seele vom Bild und der Persönlichkeit von Unserem HERRN JESUS CHRISTUS hat.

Wenn ich an „JESUS“ dachte, kam mir das Bildnis in den Sinn von JESUS als dem Autor der Botschaften des WLIG. Und dieses JESUS-Bild als Autor der WLIG-Botschaften war jener „JESUS“, der alle jene verurteilte, die nicht an die Echtheit dieser Botschaften glaubten. (Obwohl ja die Kirche lehrt, dass Privat-Offenbarungen, die nicht von dafür zuständigen kirchlichen Stellen geprüft und genehmigt worden sind, nicht als echt dargestellt, weder gelesen noch verbreitet werden dürfen.)

Aber durch das Gnaden-Mittel des GEBETES, hat GOTT VATER das Bild SEINES SOHNES CHRISTUS in mir wiederhergestellt.

Abschließend und zusammenfassend will ich betonen, dass ich die persönliche Erfahrung gemacht habe, ohne Bedingung und ohne zu hinterfragen an eine nicht anerkannte Privatoffenbarung wie das WLIG zu glauben.

Mit diesen Hintergrund der persönlichen Erfahrung kann ich mit größtmöglicher Glaubwürdigkeit bezeugen, wie so ein bedingungsloser und teilweise fanatischer Glaube die Seele schädigen, ersticken und sogar zerstören kann.“

Die Fortsetzung dieses Glaubenszeugnisses von Maria Laura Pio finden Sie hier:

http://www.infovassula.ch/tliggerman.htm#TESTIMONY_1

 


Endzeitschwärmerei: „Aufbruch der Kirche in eine neue Zeit“…?

Als bibel- und kirchentreue Katholiken wollen wir uns vor zwei Extremen sorgsam hüten: einerseits vor Endzeitpanik und andererseits vor Endzeitschwärmerei.

Während Endzeitpanik zB. seit Jahrzehnten von Claus P. Clausen aus Lippstadt betrieben wird (er ist Herausgeber der erscheinungsseligen Zeitung „Mystik“ und ehem. Chef des „Schwarzen Briefs“), blüht und gedeiht in charismatischen Kreisen vor allem die Endzeitschwärmerei; sie geht davon aus, daß   v o r   der Wiederkunft Christi eine Art „goldenes Zeitalter“ für die Kirche beginne, ein weltweites christliches Friedensreich, ein herrlicher Durchbruch des Heiligen Geistes usw.

Hierzu ein aktuelles Beispiel:

Die erscheinungsfromme Monatszeitschrift „Kirche heute“ trägt bereit einen passenden Untertitel, nämlich: „Aufbruch der Kirche in eine neue Zeit.“

Welche neue Ära mag das sein? Leben wir  – nüchtern betrachtet –  etwa nicht in einer Zeit des Werteverfalls und des zunehmenden Glaubensabfalls, vor allem im einstmals „christlichen“ Abendland?

Schon auf der zweiten, der vierfarbigen Umschlag-Seite der jüngsten Ausgabe (Nr. 4/2012) werden zwei dem Leitwort entsprechende Bücher bilderstark präsentiert:

1. Buch:  „Das Unbefleckte Herz Mariens. Unsere Zuflucht und unser Weg“ von Pater Johannes Schmid CP, dem Mitbegründer und zeitweiligen geistlichen Leiter von Wigratzbad.

Die Verehrung des makellosen Herzens der Gottesmutter hat ihren berechtigten Platz innerhalb der katholischen Frömmigkeit, wenngleich die Kirche niemanden zu dieser Andachtsform verpflichtet.

Was freilich an diesem Buch aufhorchen läßt, ist die Ankündigung eines „marianischen Zeitalters“, in dem die „Apostel der Endzeit“, wie sie wörtlich genannt werden, „auftreten“ werden. (Diese Voraussage wird auch dadurch nicht richtiger, daß man sich hierbei auf den bekannten Marienverehrer Grignion von Monfort beruft.)

2. Buch: „Charismatische Erneuerung. Ein Weg der Neuevangelisierung“ von P. Hansmartin Lochner. Diese Schrift wird wie folgt angepriesen:

„Das Büchlein vermittelt auf einzigartige Weise den Hintergrund und die Bedeutung der „Charismatischen Erneuerung“. Das engagierte Zeugnis öffnet die Augen für den dramatischen Umbruch, den die Kirche in unseren Tagen erlebt. Überzeugend stellt H. Lochner dar, wie Gott selbstseit über hundert Jahren eine neue Ausgießung des Heiligen Geistes vorbereitet.“

Wie die Heilige Schrift und die Kirche bezeugt, geht der Wiederkunft Christi keineswegs ein glorreiches Zeitalter der Kirche voraus, sondern das genaue Gegenteil: ein umfassender Glaubensabfall mit falschgeistigen „Zeichen und Wundern“.

Daher hat das kirchliche Lehramt sich mehrfach gegen endzeitschwärmerische Bewegungen geäußert, etwa im Zusammenhang mit der Bewegung um den mittelteralterlichen Mönch Joachim von Fiore, der ein „Zeitalter des Hl. Geistes“ ankündigte, aber auch bei der Verurteilung der „Visionen“ von Vassula Ryden durch die Glaubenskongregation unter Kardinal Joseph Ratzinger.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Orthodoxe und katholische Kirchenleitungen contra „Seherin“ Vassula Ryden

Die griechisch-orthodoxe „Seherin“ Vassula Ryden wird von der orthodoxen Kirchenleitung theologisch klar abgelehnt, ihre angeblichen Visionen wurden im Jahr 2010 ausdrücklich verworfen und die Charismatiksche Bewegung allgemein als verfehlte „Neuerung“ kritisiert.

Bereits 1995 stellte  zudem die katholische „Kongregation für die Glaubenslehre“  unter Leitung von Kardinal Ratzinger, dem heutigen Papst,  in einer Notifikation fest:

„Viele Bischöfe, Priester, Ordensmänner, Ordensfrauen und Laien wenden sich an diese Kongregation mit der Bitte um ein maßgebendes Urteil über die Tätigkeit der in der Schweiz ansässigen griechisch-orthodoxen Frau Vassula Ryden, die weltweit in katholischen Gebieten ihre Worte und ihre Schriften als angeblich vom Himmel offenbarte Botschaften verbreitet. Eine von dieser Kongregation vorgenommene aufmerksame und objektive Untersuchung in der Absicht, ‚die Geister zu prüfen, ob sie aus Gott sind‘ (vgl. 1 Joh. 4,1) hat … ein Gesamtbild von wesentlichen Elementen gezeigt, die im Lichte der katholischen Lehre als negativ betrachtet werden müssen.“

Die Glaubenskongregation urteilt zusammenfassend, „daß es sich bei den angeblichen himmlischen Botschaften nur um die Frucht privater Meditation handelt.“

Die Kongregation fordert, „daß die Bischöfe einschreiten, ihre Gläubigen angemessen informieren und in ihren Diözesen keine Ausbreitung der Ryden’schen Ideen gestatten. Sie fordert schließlich alle Gläubigen auf, die Schriften und die Interventionen von Frau Vassula Ryden nicht als übernatürlich zu betrachten und den Glauben, den der HERR der Kirche anvertraut hat, rein zu bewahren“

Quelle: Vatikanzeitung  „L’Osservatore Romano“ vom 23./24. Oktober 1995