Der Erzbischof von Brindisi begründet seine Maßnahmen gegen Visionär Mario D´Ignazio

Vatikan unterstützt Erzbischof Caliandro

Am 15. März 2015 veröffentlichte Domenico CALIANDRO, der Erzbischof des Bistums Brindisi-Ostuni in Süd-Italien, ein Dokument, das aus zwei Teilen besteht:

Zunächst aus einem DEKRET das die kirchlichen Maßnahmen gegen den „Seher“ Mario D´Ignazio (siehe Foto) und seine Mitarbeiter aufzählt, darunter das Interdikt (Ausschluß vom Sakramentenempfang). Außerdem werden die Gläubigen davor gewarnt, diesen Visionär aus Brindisi moralisch oder finanziell zu unterstützen.

Der katholische Oberhirte beruft sich darauf, daß die Vatikanische Glaubenskongregation (damals geleitet von Kardinal Gerhard Müller) ihn zu diesen Schritten bevollmächtigt hat.

Sowohl das römische Dikasterium wie auch der Erzbischof erklären, daß die „mystischen Erfahrungen“ Marios nicht authentisch (echt) sind und daher zur Verwirrung im Kirchenvolk führen, weshalb Strafen verhängt werden.

Der zweite Teil des Dokumentes ist eine ERLÄUTERUNG; sie begründet ausführlich die bischöflichen Maßnahmen.

Hier geht es zunächst zum Original-DEKRET des Erzbischofs (auf italienisch): http://www.diocesibrindisiostuni.it/dichiarate-non-autentiche-le-esperienze-mistiche-del-sig-mario-dignazio/

Siehe hierzu die Übersetzung in unserem CF: https://charismatismus.wordpress.com/2017/11/09/dekret-des-erzbischofs-von-brindisi-verhaengt-kirchliche-massnahmen-gegen-seher-mario/

Da eine amtliche Übersetzung der Texte ins Deutsche nicht vorliegt, haben wir in unserem Freundeskreis eine qualifizierte Übersetzung der erzbischöflichen Erläuterungen erhalten.

Ergänzend zu dem bereits veröffentlichen Dekret erfolgt hier die Übersetzung der bischöflichen Begründung:

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ERLÄUTERUNG der Maßnahmen gegen Herrn Mario D’Ignazio und  jene seiner Tätigkeiten, die im Bezug zu seinen pseudomystischen Erfahrungen stehen.

VORBEMERKUNG:

Am 15. März 2015 hat der Erzbischof von Brindisi-Ostuni, Monsignore Domenico Caliandro, ein Dekret erlassen, mit dem sich die katholische Kirche im Rahmen ihres Verantwortungsbereiches entschieden hat, alle Initiativen und Tätigkeiten mit Bezug zu den pseudomystischen Erfahrungen zu beenden.

Diese Maßnahme ist die Schlussfolgerung eines langen Weges, der 2010 begann mit der Sammlung von Informationen durch den damaligen Erzbischof Rocco Talucci, die der Glaubenskongregation übermittelt wurden. Das ist das Organ des Heiligen Stuhls, das für diese Angelegenheiten zuständig ist.

Im Laufe der letzten drei Jahre seiner bischöflichen Aufgabe hat Monsignore Rocco Talucci dreimal öffentlich Stellung genommen zu den Ereignissen im Viertel Santa Teresa in Brindisi , und zwar am 3. Mai 2010, 18. März 2011, 17. Januar 2012.

Von diesen Stellungnahmen sind die letzten zwei ausgestellt auf der Grundlage der erteilten Hinweise der römischen Kongregation, haben den juristischen Wert von tatsächlichen Dekreten, insoweit sie klare Hinweise und detaillierte Maßnahmen enthalten, denen alle Beteiligten gewissenhaft folgen mussten.

Seit der Entscheidung Mons. Rocco Taluccis wurden diese systematisch und ständig missachtet. Eine schlaue Propaganda in den Medien machte das Phänomen  des Mario D’Ignazio  immer bekannter.

Der Nachfolger des Bischofs Mons. Talucci, Monsignore Domenico Caliandro, war besorgt über die Zunahme dieser eklatanten Phänomene, die nicht im Einklang mit den Prinzipien einer authentischen christlichen Spiritualität des Evangeliums stehen, wie sie die heiligen Männer und Frauen vorgelebt haben; er war besorgt über das Leben der Gläubigen, die in immer zahlreicheren Gruppen aus anderen italienischen Diözesen und auch aus dem Ausland dahin kamen; er sah sich im Einklang mit den Pflichten seines bischöflichen Mandats veranlasst, eine zusätzliche und genauere kirchenrechtliche Untersuchung durchzuführen. 

Am Ende der diözesanen Ermittlung, durchgeführt nach den gegenwärtigen Verfahrensvorschriften, wurde das Ergebnis der Glaubenskongregation zugestellt.

Bischof Mons. Domenico Caliandro hat vom Heiligen Stuhl die Anweisung bekommen, wie gegen die pseudomystische Erfahrung des Herrn D’Ignazio vorzugehen sei.

Das Dekret des Erzbischofs vom 15. März 2015 hält die entsprechende juristische Form ein und diese Hinweise sind von nun an verbindlich. Von jetzt an stellt sich Herr D’Ignazio, wenn er weitermacht, mit denjenigen, die ihn weiter begleiten, außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft.

FRAGEN und ANTWORTEN:

Dies vorausgesetzt, möchten wir mit dieser Erklärung eine Antwort auf präzise Fragen geben, die das Dekret betreffen. Für ein besseres Verständnis und seine Annahme zum Wohl der Kirche im allgemeinen und der einzelnen Gläubigen im konkreten.

Zunächst erklärt das Dekret, dass die mystischen Erfahrungen des Herrn Mario  D’Ignazio nicht authentisch sind. Was heißt das?

Einerseits heißt das, dass diese Erfahrungen falsch sind. Andererseits heißt das, dass die kirchliche Autorität sich mit diesem Dekret nicht zu den Gründen äußern will, die Herrn Mario D’Ignazio zu seinen mystischen Erfahrungen gebracht haben, um damit zu vermeiden, dass der Pseudo-Seher und seine Mitarbeiter die moralische Verantwortung vor Gott für das, was in den vergangenen Jahren bis zur Gegenwart passiert ist, tragen.

Heißt das, dass es der Kirche egal ist, was in all diesen Jahren geschehen ist?
Ist es vielleicht gleichgültig, wenn Menschen schuldig oder unschuldig werden durch Taten, die in sich sehr schwerwiegend sind?

Keineswegs. Wenn Erfahrungen wie die, die sich Herr Mario D’Ignazio zuschreibt (Ekstasen, Erscheinungen, Lokutionen, übernatürliche Mitteilungen …) und Phänomene wie die, die in und um ihn im Laufe dieser Jahre stattgefunden haben (Stigmatisierungen, Bluttränen, Schwitzen von Ölen, Erscheinungen von Hostien…), nicht von Gott kommen, dann kann die einzige Ursache der Betrug des Menschen und/oder der Betrug des Teufels sein.

Es ist offensichtlich, dass es der Kirche sehr wichtig ist, zu wissen, was die Ursache der Geschehnisse all dieser Jahre ist. Es kann ihr auch wegen der möglichen moralischen Verantwortung für ihre Kinder nicht gleichgültig sein.

Aber die Kirche ist Mutter und hat im Vergleich zu anderen menschlichen Institutionen auch ein Forum Internum, in dem sie handeln und untersuchen, richten und heilen kann. Und wenn sie nicht durch irgendwelche Umstände gezwungen ist, zieht die Kirche es vor, die „Probleme“ ihrer Kinder in einer Weise zu lösen, in der die Barmherzigkeit und die Wahrheit sich besser treffen und Gerechtigkeit und Frieden sich leichter umarmen können.

Deshalb zieht es die Autorität der Kirche vor, indem sie für die Falschheit der mystischen Erfahrungen des Herrn Mario D’Ignazio bürgt, eine Urteilsbildung über die Beweggründe, die vorhin erwähnt wurden, und die Verantwortung des Pseudo-Sehers sowie seiner Mitarbeiter „zu vernachlässigen“, damit es Mario  D’Ignazio  erleichtert wird, das Forum Internum in Anspruch zu nehmen, das dazu dient, die eigenen Fehler zu bessern und einen Weg des wahren Glaubens und der Liebe zu gehen.

Zusammen mit dem Urteil über die fehlende Echtheit der mystischen Erfahrungen nennt das Dekret fünf Punkte, welche die Autorität der Kirche als notwendig betrachtet, um die Gläubigen zurück zur normalen christlichen Lebenspraxis zu führen. Was ist der allgemeine Sinn all dieser Anordnungen?

Zunächst ist es nicht banal zu sagen, dass es sich um Anordnungen handelt, die für alle katholischen Gläubigen getroffen werden, und alle diejenigen, die im Fall des Herrn Mario D’Ignazio mit seinen pseudomystischen Erfahrungen im Zusammenhang stehen und daran beteiligt sind, seien sie Priester, Ordensleute oder einfache Laien. Wer sind die Gläubigen? Es spielt keine Rolle, ob es Priester, Ordensleute oder Laien sind.

Alle diese Personen haben sich durch Beharrlichkeit in ihrer Taufe, in der Ordensprofess oder im geweihten Stand von sich aus unter die mütterliche Autorität der Kirche gestellt. Der Herr Jesus Christus hat der kirchlichen Autorität die Aufgabe erteilt, ihren Schafen und Lämmern den richtigen Weg zu zeigen, der zu Gott führt, sie auf diesem Weg zu begleiten, aufzupassen, damit sie sich nicht aufhalten oder sich verlaufen, und sie schließlich zu suchen, wenn sie sich verirrt haben.

Denn es ist nicht überflüssig, zu unterstreichen, dass das in dem Dekret genannte Wort „normale Praxis“ des christlichen Lebens nicht im Widerspruch zu der „außerordentlichen Praxis“ steht, als ob es verboten wäre, außerordentliche Gnaden von Gott zu bekommen und sie zu benutzen, um ihm zu dienen und ihn zu lieben; vielmehr ist eine nicht authentische Praxis verboten, wenn sie vom bösen Willen des Menschen oder durch die Schläue des Teufels verfälscht wurde.

Zwischen den verschiedenen Anordnungen, die das Dekret erteilt, ist eine, die offenbar wenig verstanden wird, die man Interdikt nennt. Anscheinend verwechseln viele diese mit einem Verbot. Um was handelt es sich?

Es stimmt, dass gerade diese Anordnung am wenigsten verstanden wird. Aber in Wirklichkeit ist sie wichtigste von allen.

Die Rede über sie findet sich in Punkt 1 und Punkt 4 des Dekrets. Wenn Herr Mario D’Ignazio weiter Werbung betreibt mit seinen pseudomystischen Erfahrungen  –  unabhängig davon: mit welchen Mitteln  – wird er mit der Strafe des Interdikts belegt. Dies ist eine besonders schwerwiegende Strafe in der Strafordnung der katholischen Kirche.

Gleichzeitig werden alle Gläubigen, die die Werke von Herrn Mario D’Ignazio unterstützen, mit derselben kanonischen Strafe bedacht, vor allem seine engsten Mitarbeiter.

Zu diesem Punkt müsste eine besondere Aufmerksamkeit auf jene Priester und Ordensleute gelegt werden, die weiterhin Pilgerfahrten organisieren oder sich in C. da Santa Teresa zusammen mit dem Pseudo-Seher fotografieren lassen. Wenn sie sich so benehmen, wären sie die Ersten, gegen die diese Sanktionen verhängt werden, und das aus offensichtlichen Gründen.

Übrigens muss man wissen, dass das Dekret genau sagt, dass das Interdikt latae sententiae wirken wird. Das bedeutet, dass diese Sanktionen sofort  in dem Augenblick eintreten, sobald Herr D’Ignazio und seine Mitarbeiter bewusst und willentlich den Anordnungen des Dekretes, in denen die Strafe des Interdikts genannt wird, zuwider handeln, ohne dass seitens der Kirche eine weitere Strafmaßnahme getroffen werden müsste.

Warum ist die kanonische Strafe des Interdikts eine besonders schwerwiegende Sanktion?

Das Interdikt hat die gleiche Wirkung wie eine Exkommunikation auf der wichtigsten Ebene des christlichen Lebens, d.h. auf der liturgischen Ebene, dem Kultus. Dadurch wird die Teilnahme an der Feier der Sakramente und/oder Sakramentalien sowie der Empfang der Sakramente verboten. Denn die Liturgie ist Quelle und Gipfel des christlichen Lebens und die Sakramente sind die normalen Mittel, durch die wir erreicht und von Jesus „berührt“, von ihm gerettet werden und durch ihn im Leben der Gnade innerhalb seiner Kirche, die sein Leib ist, wachsen.

Ist die kanonische Strafe des Interdikts also eine bloße Strafe der Kirche?

Nein, denn die Kirche erlegt diese Strafe als eine Medizin auf. In der juristischen Ordnung der Kirche ist das Interdikt sowie die Exkommunikation und Suspendierung eine medizinische Strafe. Als kanonische Strafe zielt das Interdikt darauf ab, die schwerwiegende Situation, in welcher sich der Betroffene befindet, für ihn verständlich zu machen und ihm so zu helfen, den Weg der Bekehrung und der Heiligkeit wiederzufinden.

Aber was für einen Sinn hat es, im Fall des Mario D’Ignazio eine so schwerwiegende kanonische Sanktion zu verhängen? Hat man nicht gesagt, dass die Autorität der Kirche mit diesem Dekret über die Ursachen der Erfahrunge von Mario D’Ignazio hinweggehen und so die moralische Verantwortung des Pseudo-Sehers und seiner Mitarbeiter vor Gott mindern wollte?

Ja, das gilt für die vergangenen Jahre bis zur Veröffentlichung des Dekretes, aber nicht für die Gegenwart und Zukunft, weil man die volle Sicherheit hat, dass die mystischen Erfahrungen des Herrn Mario D’Ignazio nicht authentisch, d.h. falsche, pseudo-mystische Erfahrungen sind. Deswegen ist der Schaden, den er sich selbst wie auch dem Glauben und dem christlichen Leben derjenigen, die das annehmen, zufügt, schwerwiegend.

Wieso würden die pseudo-mystischen Erfahrungen dem Glauben und dem Leben von christlichen Personen Schaden zufügen?

Weil sie einen Aberglauben der falschen Verehrung fördern. Für die katholische Moraltheologie beinhaltet der Aberglauben eines falschen Kultus u. a. eine unerlaubte Einführung falscher Reliquien zur Verehrung, das Predigen und Veröffentlichen von  falschen Wundern und ein Vorgeben von falschen Offenbarungen und ähnlichen Dingen.

Diese Art von Aberglauben ist eine tödliche Sünde ex  genere suo (eigener Art), weil Gott, die erste Wahrheit, schwerwiegend beleidigt und verachtet wird und dadurch eine Praxis des religiösen Lebens auf der Falschheit begründet wird.

Abgesehen von dieser allgemeinen Betrachtung kommt hinzu, dass es  unter den verschiedenen Phänomenen, die um Herrn Mario D’Ignazio stattfinden, eines gibt, das besonders beunruhigend ist wegen der ständigen Wiederholung und der großen Publizität, die ihm durch den Pseudo-Seher und seine Entourage gegeben wird, insbesondere durch Fotografien  und Kommentare, die im Internet verbreitet werden.

Dieses Phänomen ist das Sich-Materialisieren der Eucharistie. Wegen der Art, mit der man aussagt, dass das stattfindet, widerspricht dies fundamental der Logik des katholischen Glaubens; das fügt den Gläubigen, die daran glauben, großen Schaden zu, sei es, weil dies zur Anbetung von etwas führt, das keine Eucharistie ist (Sünde der Idolatrie), sei es, weil hierdurch der Glaube an die bestehende wesentliche Beziehung zwischen dem amtlichen Priestertum und der realen Gegenwart Christi im heiligsten Sakrament erschüttert wird.

SCHLUSSFOLGERUNG

Nach der Beantwortung mancher legitimer Fragen können wir schließen, dass die Kirche alles, was in ihrer Macht stand und steht, getan hat, sei es unter dem Gesichtspunkt der Bewertung dieses Falles, sei es in der Wahl der Maßnahmen.

Herr Mario D’Ignazio ist verwarnt worden und mit ihm alle, die ihm geglaubt haben, darunter sicher viele Gutgläubige. Wer Ohren hat zu hören, kann jetzt verstehen.

In diesen Zusammenhängen könnte es allen nützlich sein, wieder den Brief des großen Bischofs und Märtyrers, des hl. Ignatius, Nachfolger des hl. Petrus in Antiochien, zur Hand zu nehmen:

Es lohnt sich, voranzuschreiten entsprechend der Meinung des Bischofs, so wie es bereits geschieht(Brief an die Epheser). Es ist notwendig, nichts ohne  den Bischof zu tun – wie ihr es ja schon einhaltet – und euch auch dem Priester (Presbyter) zu unterwerfen, wie bereits die Apostel sich Christus, unserer Hoffnung, unterworfen haben, und in ihm lebend, werden wir uns wieder treffen“. (Brief an die Christen in Tralle); „Bleibt mit dem Bischof, damit auch Gott mit euch sei“ (Brief an Polykarp).

Zur Beruhigung derjenigen, die mit Einfachheit und ehrlichen Absichten gehandelt haben, rufen wir in Erinnerung, dass an der Bewertung und Entscheidung über den Fall des Mario D’Ignazio nicht nur der Erzbischof von Brindisi-Ostuni  –  zunächst in der Person des Bischofs Rocco Talucci und danach in der Person des Domenico Caliandro  – beteiligt waren, sondern (und jetzt wollen wir das mitteilen) der Papst selbst durch das Organ, das ihn vertritt, das heißt die Glaubenskongregation.

Ein wahrer, treuer Katholik, der in seinem Gewissen nicht mit dem Handeln seines Bischofs einverstanden wäre und sich von diesem als schwer geschädigt betrachten würde, sollte zwar den Respekt gegenüber dem Bischof wahren, es wäre jedoch selbstverständlich, dass er sich an den Papst wenden könnte.

Im Falle des Herrn Mario D’Ignazio, der nie den Eindruck erweckte, dass er sich an den Papst wenden wolle, hat stattdessen der Bischof von Brindisi-Ostuni den Heiligen Stuhl angerufen, der ihm geantwortet hat. Wer sich gegen das Dekret des Bischofs vom 15. März 2015 stellt, muss sich daher bewusst sein, dass er sich gegen Papst Franziskus stellt, mit dem der Bischof von Brindisi -Ostuni in voller Einheit steht.

Aus dem Brief des Hl. Ignatius von Antiochien an die Christen von Philadelphia:  

„Als Kinder des Lichtes der Wahrheit fliehet die Spaltung und die schlimmen Lehren; wo immer der Hirte ist, dorthin folget wie die Schafe … Hütet euch vor den schlimmen Pflanzen, die Jesus Christus nicht anbaut, weil sie keine Pflanzung des Vaters sind …  Denn alle, die Gott und Jesus Christus angehören, stehen auf Seiten des Bischofs; und alle, die Buße tun und zur Einheit der Kirche kommen, auch diese werden Gott angehören, damit sie das Leben haben gemäß Jesus Christus.

Lasset euch nicht irreführen, meine Brüder; wer einem Abtrünnigen folgt, wird das Reich Gottes nicht erben; wer in einer falschen Lehre dahinwandelt, der hat keinen Anteil am Leiden Christi.  Bemüht euch, nur eine Eucharistie zu feiern; denn es ist nur ein Fleisch unseres Herrn Jesu Christi, und nur ein Kelch zur Einigung mit seinem Blute, nur ein Altar, wie nur ein Bischof ist in Verbindung mit dem Presbyterium und Diakonen, meinen Mitknechten, auf daß, was immer ihr tut,  geschehe gemäß dem Willen Gottes … Ich rief in ihrer Mitte, ich sprach mit lauter Stimme, mit Gottes Stimme: Haltet euch an den Bischof, das Presbyterium und die Diakone!“

Brindisi, den 15.3.2015

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Kardinal Brandmüller solidarisiert sich mit „SOS Leben“ nach linksradikalem Anschlag

Kardinal Walter Brandmüller schrieb folgenden Ermutigungsbrief an die Lebensrechts-Initiative SOS-Leben in Frankfurt und an deren Leiter, unseren Gast-Autor Mathias v. Gersdorff:

Sehr geehrter Herr von Gersdorff!

Ich habe vom schockierenden Angriff linksradikaler Aktivisten auf das Büro von SOS Leben erfahren und sah auch die Fotos dieses Vandalismus.

Von Tag zu Tag wird der Einsatz in unserer säkularisierten Welt für essentielle Grundwahrheiten immer schwieriger und sogar gefährlicher. Und trotzdem müssen wir uns für das Recht auf Leben der schutzlosesten Menschen, also der Ungeborenen, einsetzen.

In diesem Kampf dürfen wir nicht unbedingt mit Applaus oder Zustimmung rechnen. Uns muss die Liebe zur Wahrheit über das menschliche Leben antreiben.

Bleiben Sie in Ihrem Einsatz für die Ungeborenen standhaft und lassen Sie sich nicht entmutigen.

Mit Gruß und Segen
Walter Card. Brandmüller

WEITERE Solidaritäts-Briefe anderer Gruppen und Persönlichkeiten siehe hier: https://aktion-sos-leben.blogspot.de/2017/11/nach-angriff-auf-buro-internationale.html


Kardinal Müller solidarisiert sich mit Kardinal Sarah in puncto liturgische Übersetzungen

Der frühere Bischof von Regensburg und ehem. Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, hat sich in einem Intervie mit der „Passauer Neuen Presse“ (PNP) kritisch mit einer Entscheidung von Papst Franziskus befaßt.

Es geht dabei um die Rechte und Kompetenzen der jeweiligen Bischofskonferenzen und damit zugleich um die Frage, ob der Vatikan weiterhin daran festhalten solle, daß er selber für die Genehmigung gottesdienstlicher bzw. liturgischer Texte zuständig sei, also quasi das „letzte Wort“ spricht.

Dies hatte der theologisch konservative, schwarzafrikanische Präfekten der Gottesdienstkongregation, Kardinal Robert Sarah, gefordert, der Papst ihm jedoch in einem Brief widersprach. Franziskus zufolge solle der Vatikan liturgische Übersetzungen in Zukunft nicht mehr genehmigen, sondern nur noch bestätigen.

Kardinal Müller solidarisierte sich in dieser Causa mit Kardinal Sarah und äußerte sich dazu folgendermaßen: „Die letzte Autorität im Zweifelsfall kann nicht bei den Bischofskonferenzen liegen. Das würde die Einheit der katholischen Kirche im Glauben, im Bekenntnis und im Gebet zerstören.“

Der ehem. Glaubenspräfekt erklärte weiter gegenüber der PNP, er habe es „oftmals erlebt, dass die von den Bischöfen herangezogenen Übersetzer die biblischen und liturgischen Texte unter dem Vorwand der besseren Verständlichkeit verwässert haben“.

Als Beispiele nannte der Würdenträger solch „hoch anspruchsvolle Lehren“ wie etwa den stellvertretenden Sühnetod Jesu am Kreuz: Solche wesentlichen Heilsgeheimnisse würden „in manchen Ländern wegrationalisiert oder auf ethische Appelle heruntergebrochen und so des katholischen Heilsrealismus entkleidet“.

Quelle für die Zitate: http://www.pnp.de/nachrichten/politik/2722068_Kardinal-Mueller-distanziert-sich-vom-Kurs-des-Papstes.html


Wenn Brandstifter den Biedermann spielen

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ) brachte am 27.10.17 unter der Überschrift „Der Papst braucht Unterstützung“ ein Interview mit Christian Weisner. Im Untertitel heißt es : „Warum und wie Christian Weisner von „Wir sind Kirche“ Franziskus in seinem Reformkurs bestärken will“.

Christian Weisner und die Bewegung „Wir sind Kirche“ sind seit 1995, als sie das sogenannte „Kirchenvolksbegehren“ inszenierten, keine Unbekannten.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband FORUM DEUTSCHER KATHOLIKEN

Dass ihr „Kirchenvolksbegehren“ 1995 mit seiner Unterschriftenaktion 1,8 Mio Stimmen erreicht hat, liegt an drei Umständen:

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hatte mit seiner Agitation für „Demokratie in der Kirche“  –  unter Anette Schavan als Vorkämpferin  –  Jahre vorher den Weg dafür geebnet.

Die religiöse Unwissenheit des Großteils der Katholiken und die fehlende Bereitschaft der Bischöfe, über die wahren Absichten der „Kirchenvolksbegehrer“ aufzuklären, ließ die Gläubigen ins Messer laufen.

Dieses Verhalten der Bischöfe ist auch deswegen unverständlich, weil im Jahr zuvor in Österreich dieselbe Unterschriftenaktion mit einem Ergebnis von rd. 500.000 Stimmen über die Bühnen ging und alle Diözesanbischöfe von einer Gegeninitative angeschrieben und um ein Hirtenwort gebeten wurden, um die Gläubigen aufzuklären. Es geschah nichts.

„Sollen die Schafe die Hirten hüten?“

Ein Frau schrieb damals: „Sollen die Schafe die Hirten hüten?“

Hinzu kam die mediale Unterstützung der „Kirchenvolksbegehrer“. Selbst in lokalen und regionalen Blättern wurde ihre Botschaft ins letzte Dorf getragen und die Stellen angegeben, in denen man sich in die Unterschriftenlisten eintragen konnte.

Die fünf Hauptforderungen der „Kirchenvolksbegeher“ lasen sich in Großbuchstaben sehr menschenfreundlich:

„Aufbau einer geschwisterlichen Kirche“, „Volle Gleichberechtigung der Frauen“, „Freie Wahl zwischen zölibatärer und nichtzölibatärer Lebensform“, „Positive Bewertung der Sexualität als wichtiger Teil des von Gott geschaffenen und bejahten Menschen“, „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“.

Wie immer wurden die eigentlichen Ziele im „Kleingedruckten“ angesprochen. Ziel der „Kirchenvolksbegehrer“ war eine andere Kirche. Jeder kann das im 40-seitigen Dossier von „Publik-Forum“ Nr.2 vom 26. Januar 1996 im Detail nachlesen.

Die Saat war gestreut und wirkt weiter im ZdK, in katholischen Verbänden wie im BdKJ, in den katholischen Frauenverbänden kfd und KDFB ect.

Um das „Kirchenvolksbegehren“ selbst ist es ruhig geworden. Würde Christian Weisner als Sprecher des „Kirchenvolksbegehrens“ nicht immer dann, wenn Medien einen Angriff gegen die Kirche starten, aus der Mottenkiste geholt werden, wie im Interview mit der AZ, würde in dieser schnellebigen Zeit kaum noch jemand darüber sprechen.

Es mutet schon grotesk an, wenn Christian Weisner,angesichts dessen, was die „Kirchenvolksbegehrer“ in ihrem 40-seitigen Strategiepapier über Papst und Hierarchie der katholischen Kirche geäußert haben, sich nun als Unterstützer des Papstes aufspielt und für die Unterschriftenaktion „Pro Francis Pope“ wirbt.

Ein Kostprobe aus dem Strategiepapier soll das verdeutlichen:

„So wird der Gehorsam gegenüber Rom zum eigentlichen Problem für einen Dialog zwischen einem demokratisch, freiheitlich gesinnten Kirchenvolk und einer hierarchischen, diktatorisch strukturierten Kirchenführung. Der Wert dieses Kadavergehorsams muß vom Kirchenvolk öffentlich in Frage gestellt werden und gleichzeitig seine Problematik in bezug auf Dialogmöglichkeiten bewußt gemacht werden“ (S. 16).

Christian Weisner spricht im Interview ganz enthusiastisch von Papst Franziskus: „Ich hätte nicht gedacht, dass Franziskus die negative öffentlich Wahrnehmung der katholischen Kirche in so kurzer Zeit derart ins Positive wenden könnte“.

Er vergaß anzufügen, dass sich die Kirchenaustrittszahlen gegenüber früher wenig geändert haben. Weisner beschwört im Interview den „Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils“ und den „Wunsch nach Erneuerung“: „Wir versuchen , den damaligen Reformkurs am Leben zu erhalten“.

Keine der konkreten Forderungen der „Kirchenvolksbegehrer“, die im Dossier genannt werden, lassen sich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil legitimieren. Deswegen versuchen sie auch nicht, entsprechende Quellen aus dem Konzil anzugeben.

Es scheint vielmehr, dass die „Kirchenvolksbegehrer“ glauben, dass ihre alten Forderungen, die Ortskirche zu verändern, durch Äußerungen von Papst Franziskus zur synodalen Kirche, die den Ortskirchen größere Freiräume einräumen, nun doch reifen.


Dokument: Die Glaubenskongregation zur „Frau aller Völker, die einst Maria war“

Jahrzehntelang haben sich die zuständigen Bischöfe in Holland gegen die Glaubwürdigkeit der „Marienerscheinungen“ von Amsterdam gestellt, ebenso der Vatikan mit der seinerzeit von Kardinal Joseph Ratzinger geleiteten Glaubenskongregation (dies geschah freilich auch bereits unter seinen Vorgängerpräfekten).

Dennoch trieb die Verehrung der „Frau aller Völker“ nicht nur in Europa, sondern weltweit reichliche Blüten bzw. Sumpfblüten.   

Trotz eindeutiger kirchlicher Ablehnungen hat der niederländische Bischof Punt im Jahre 2002 diese offensichtlich irrgeistige Privatoffenbarung approbiert (genehmigt).

Als Bischof Luis A. Tagle von Imus (Philippinen) am 25. Oktober 2004 bei der römischen Glaubenskongregation u.a. anfragte, was von der Verehrung dieser „Frau aller Völker“ zu halten ist, erhielt er am 20. Mai 2005 von der Glaubenskongregation (CONGREGATIO PRO DOCTRINA FIDEI  = CDF) bzw. Erzbischof Amato eine Antwort, in der kirchliche Besorgnis ausgedrückt wird hinsichtlich jenes bekannten Amsterdamer Gebets, das sich an die sogenannte „Frau aller Völker, die einst Maria war“ wendet. (Einen Monat vor der Briefabfassung war Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt worden; sein Nachfolger als Glaubenspräfekt war Kardinal Levada, dessen Sekretär hieß Erzbischof Amato, der Verfasser des erwähnten Schreibens.)

Unsere holländische Gastautorin Hildegard Alles hat diesen Vorgang und seine irreführende Auslegung durch FaV-Anhänger bereits im CHRISTLICHEN FORUM geschildet: https://charismatismus.wordpress.com/2017/09/02/der-vatikan-und-die-anhaenger-der-frau-aller-voelker-die-einst-maria-war/

Wir dokumentieren hier zudem vollständig das Schreiben der Glaubenskongregation (soweit es die Causa Amsterdam betrifft) in einer deutschen Übersetzung von Hildegard Alles; eine autorisierte vatikanische Übersetzung liegt nicht vor. (Linien zur Hervorhebung von uns). Darunter setzen wir den englischen Originaltext:

Eure Exzellenz,

… Hinsichtlich der Verehrung der “Frau aller Völker“ und der Marienerscheinungen, die die verstorbene Seherin Ida Peerdeman erfahren hat, möchte ich Eurer Exzellenz mitteilen, dass, obwohl die genannten Erscheinungen von Seiner Exzellenz, Hochwürden  Joseph Maria Punt, Bischof von Haarlem (Holland) in einer Mitteilung vom 31. Mai 2002 gebilligt wurden, die Kongregation für die Glaubenslehre ihre Besorgnis ausgesprochen hat bezüglich  eines bestimmten Aspekts dieser Verehrung, wobei im öffentlichen Gebet die Heilige Jungfrau Maria angerufen wird als “Frau aller Völker“, „die einst Maria war”.

In der Tat, dieses  Dikasterium hat in einem Brief an Seine Exzellenz, Hochwürden François Bacqué, Apostolischer Nuntius in den Niederlanden, darauf hingewiesen, dass die marianische Verehrung genährt und entwickelt werden muss in Übereinstimmung mit den Anweisungen des Heiligen Vaters in „Redemptoris Mater“ und „Rosarium Virginis Mariae“ und nicht infolge von Privatoffenbarungen bzw. der Hervorhebung  eines ‘neuen’ Namens, wie ‘Frau aller Völker, die einst Maria war´.

Deshalb wird Eure Exzellenz gebeten, die oben genannten Ratschläge zu berücksichtigen und die Mitglieder der Katholischen Bischofskonferenz der Philippinen darüber zu informieren, dass die Glaubenskongregation keiner katholischen Gemeinschaft Christgläubiger erlaubt, zur  Gottesmutter zu beten unter dem Titel „Frau aller Völker“ mit dem Zusatz „die einst Maria war“. (…)

Ich nehme diese Gelegenheit wahr, um Ihnen meine aufrichtige Hochachtung auszusprechen und verbleibe mit brüderlichen guten Wünschen, 

Mit freundlichen Grüßen im Herrn
Angelo Amato, SDH, Titular-Erzbischof von Sila, Sekretär

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Englisch-sprachiger ORIGINAL-Text:

CONGREGATIO
PRO DOCTRINA FIDEI, 00120 Cita del Vaticana
20 May 2005
Prot. N. 511/93. 242/06 – 21006

Your Excellency,

…With regard to the devotion known as „Lady of all Nations“ and the Marian apparitions experienced by the late visionary Ida Peerdeman, I wish to advise your Excellency that although the said apparitions have received approval from His Excellency, the Most Reverend Joseph Maria Punt, Bishop of Haarlem (Holland), in his communication of 31 May 2002, the Congregation for the Doctrine of the Faith has expressed concern regarding one particular aspect of that devotion whereby official prayers invoke the Blessed Virgin Mary as „Lady of All Nations“ „who once was Mary“.

In fact, this Dicastery, in a letter to the His Excellency, The Most Reverend François Bacqué, Apostolic Nuncio to the Netherlands, has indicated that Marian devotion must be nourished and developed in accordance with the indications given by the Holy Father in „Redemptoris Mater“and „Rosarium Virginis Mariae“ and not according to private apparitions nor according to the emphasis on a „new“ name, such as „Lady of All Nations who once was Mary“.

Therefore, your Excellency is requested to take into consideration the above mentioned advisory and inform the members of Catholic Bishop’s Conference of the Philippines that the Congregation for the Doctrine of the Faith does not permit any Catholic community of Christ’s Faithful to pray to the Mother of God under the title of „Lady of All Nations“ with the added expression „who once was Mary“.

I take this opportunity to express my sincere respect and with fraternal good wishes,
I remain Yours cordially in the Lord
Angelo Amato, SDH, Titular Archbishop of Sila, Secretary

 


Der Vatikan und die Anhänger der „Frau aller Völker, die einst Maria war“

Von Hildegard Alles

Die Fans der Amsterdamer Erscheinungen verbreiten in ihren Schriften, die Gebetsfloskel an die sog. Frau aller Völker, “die einst Maria war”, sei grundsätzlich anerkannt und auf Wunsch der Glaubenkongregation (CDF) lediglich ersetzt worden durch die Worte “die heilige Jungfrau Maria” (in Deutschland wird meist die Formel „die selige Jungfrau Maria“ in diese Anrufung eingefügt).

Diese angebliche ‘Beförderung’ der Frau aller Völker (FaV) zur “heiligen Jungfrau Maria” geistert seit Dezember 2006 durch den FaV-Blätterwald; es handelt sich aber gleichwohl um eine Falschinformation, die durch keinen Beweis gedeckt ist.

Wie konnte es soweit kommen?

Die Vorgeschichte beginnt in den Philippinen, dem katholisch geprägten fernöstlichen Land, in dem die Verehrung der FaV floriert.

Dort hielt eine Gruppe besorgter katholischer Laien die Entwicklungen der FaV im Auge. Im Jahr 2004 verfasste sie ein Dossier über die Irrtümer in den Botschaften der FaV und übergab es dem philippinischen Bischof Vidal, der das Dokument sodann dem Vatikan überreichte.

Die Glaubenskongregation reagierte am 20. Mai 2005 mit einem Brief (prot. N. 511/93. 242/06 A 21006, unterzeichnet vom Sekretär Angelo Amato) an den Vorsitzenden der Philippinischen Bischofskonferenz, Bischof Luis A. G. Tagle.

Auch der Nuntius in den Niederlanden, Bischof Francois Bacqué, wurde in Kenntnis gesetzt und damit auch der für die Verehrung der FaV verantwortliche Bischof Josef Maria Punt.

Kurz zusammengefasst: Die Verehrung Mariens muss übereinstimmen mit den vom Papst angegebenen Richtlinien. Sie darf nicht entwickelt werden aus einer Privatoffenbarung. Es ist überdies keiner katholischen Gemeinschaft erlaubt, die Gottesmutter anzurufen unter einem neuen Titel –  oder unter dem Namen “Frau aller Völker, die einst Maria war”.

Der Brief der Glaubenskongregation vom 20. Mai 2005  ist unmissverständlich: Der Gebetszusatz zur Frau aller Völker, “die einst Maria war” ist nicht gestattet.

Das Schreiben ordnet mit keinem Wort an, den unerlaubten Text zu ersetzen durch den Spruch “die heilige/selige Jungfrau Maria”. Genau das aber suggeriert ein Rundschreiben der Kapelle der FaV im Dezember 2006.

Der niederländische Bischof Punt, Initiator der FaV-Verehrung, hatte seine Mühe mit dieser vatikanischen Anordnung.

Der von ihm für den FaV-Kult angestellte Coordinator der Begleitungskommisssion, Raffael Soffner, verfasste am 9. August 2005 das Schreiben “Die Position des Bischofs von Haarlem”, in dem der Oberhirte u.a. erklärt, dass er sich an die Kongregation gewandt und die Verantwortlichen aufgerufen hat, die ‘pastorale Sorge’ der Kongregation bis auf weiteres zu respektieren und die verbotene Phrase wegzulassen oder “still” zu beten. Das Verbot wird umflort mit dem freundlich klingenden Wort ‘pastorale Sorge’.

In all dem sieht Bischof Punt eine neue Chance, nämlich das ‘Beginnen eines tieferen Dialoges’. Sein  Vorschlag, in einer  Schweigepause die verbotene Phrase dennoch, aber “still” zu beten, kommt einem Boykot gleich. Einige Fans zogen Nutzen aus der peniblen Situation und meinen, es bringe himmlische Gnaden, „einem Bischof Gehorsam zu leisten“.

Im November 2005 begab Bischof Punt sich nach Rom, um Bischof Angelo Amato’s Eingreifen in seine FaV Verehrung mit dem Papst zu besprechen. Über den Inhalt der Audienz schwieg er sich aus. Der Vorsitzende der Stiftung FaV, Arnold Leeman, rief den Anhang der FaV auf, Ruhe zu bewahren. Angesichts der verwirrenden Situation wurde im darauf folgenden Jahr 2006 auf einen Gebetstag verzichtet.

Im Dezember 2006 publizierte die Kapelle der Frau aller Völker einen Rundbrief an die ‘Aktionsführer und Freunde der FaV’, in dem der aktuelle Status der Verehrung der FaV ‘geklärt’ wird. Kurzgefasst:

“Im Juli 2005 kam die Glaubenskongregation mit dem Anliegen in dem Gebet der FaV die Worte “die einst Maria war” weg zu lassen, um denen entgegen zu kommen, die die Bedeuting dieser Worte nicht begreifen. Inzwischen hat die CDF Bischof Punt die Veränderung des Gebetes angegeben. Um deutlich zu machen dass der Titel ‘Frau aller Völker’ sich auf die Muttergottes bezieht, wünscht die CDF, dass im Gebet der FaV die Worte “die heilige Jungfrau Maria” eingefügt werden. Darum lautet das Ende des Gebetes:

Möge die Frau aller Völker,
die heilige Jungfrau Maria,
unsere Fürsprecherin sein.

Die Aktionsführer werden aufgerufen, das neue mächtige Gebet in dieser Form weltweit zu verbreiten, jetzt selbst mit der ausdrücklichen Zustimmung der Glaubenskongregation und in Einheit mit dem Papst Benedict XVI.“

Die Erklärung ist unterzeichnet vom Vorsitzenden Drs. A. W. Leeman namens der Stiftung Frau aller Völker, und von Rector Pater Gabriel Heinzelmann namens der Priester und Schwestern der Kapelle der FaV.

Die Autoren verlegen den Brief der Glaubenskongregation vom 20. Mai 2005 in den Juli 2005. Offensichtlich wurden sie auf dem Gebetstag der FaV in Heroldsbach vom Juli 2005, an dem Bischof Punt teilnahm, von diesem Schreiben in Kenntnis gesetzt. Der vatikanische Brief wurde erst allgemein bekannt, nachdem Laien Wind davon bekamen und an die Öffentlichkeit traten.

Man fragt sich, was in Heroldsbach bekannt gegeben wurde: der ungeschmälerte Brief oder eine günstige Variante? Dem Kapellen-Rundbrief zufolge ist die vatikanische Korrektur ein Grund zur Freude, weil die ‘FaV die einst Maria war’, nun gleichsam ‘erhoben’ ist zur ‘heiligen Jungfrau Maria’.

Der Rundbrief ist insofern ein Musterbeispiel von Verdrehung, Auslassung und irreführender Auslegung. Er erklärt, die Glaubenskongregation habe lediglich die Floskel ‘die einst Maria war’ gelöscht, um denen entgegen zu kommen, die den Sinn der Worte nicht begreifen. ‘Nicht begreifen’ steht aber mit keinem Wort im vatikanischen Schreiben. Dort steht vielmehr, dass die Kirche keiner katholischen Glaubensgemeinschaft erlaubt, die Gottesmutter zu verehren unter dem Titel der „Frau aller Völker“ samt der Zufügung ‘die einst Maria war’.

Das Rundschreiben ist von Selbstüberschätzung geprägt: sie, die Freunde der FaV, begreifen die Worte ‘die einst Maria war’, die anderen sind zu beschränkt, um das zu verstehen. Die Kritiker aber haben begriffen, dass die FaV eine dubiöse Figur  ist.

Der Vatikan hatte schon lange ein Argusauge auf die FaV-Erscheinungen gerichtet. Das Eingreifen begann bereits im Jahr 2000 im Anschluss an den interkonfessional ausgerichteten  Internationalen Gebetstag in den RAI-Hallen zu Amsterdam.

Es gab dort ein den ganzen Hintergrund bedeckendes Spanntuch mit der Abbildung des Petersplatzes,  dem vatikanischem Panorama und einer  Grossdarstellung von Papst Joh. Paul II in segnender Haltung, was insgesamt den Eindruck erweckte, als ob der Papst das Volk im Saal segnet.

BILD: Papst Benedikt hat sich als Präfekt der Glaubenskongregation gegen die FaV-Verehrung gestellt

Dank dieser subtilen Manipulation schien der Gebetstag eine mit dem  Vatikan verbundene Angelegenheit zu sein. Hinzu kam eine Ärgernis erregende, von islamischer Seite eingebrachte Präsentation einer DVD mit dem Titel ‘Die Frau aller  Völker im Koran’, in der z.B. wiederholt die noch zu bauende Kirche der FaV als Replik der Hagia Sophia von Istanbul eingeblendet wurde.

Schon am darauf folgenden Sonntag teilte ein Priester des Bistums Haarlem nach der Sonntagsmesse den Gläubigen im Pfarrgarten mit, dass Rom die Internationalen Gebetstage der FaV beendet hat.

Die Verantwortlichen der FaV hielten sich daraufhin zwei Jahre lang geduckt mit unscheinbaren nationalen Gebetstagen in einer grauen Halle in Amsterdam, um im Jahr 2003 wieder hervorzubrechen mit einer Internationalen Manifestation grossen Stils – und nun mit der am 31. Mai 2002  von Bischof Punt übernatürlich erklärten FaV.

Es folgten zwei Internationale Gebetstage in den Rai-Hallen, danach ein paar bescheidene nationale  Zusammenkünfte in weniger illustren Lokationen in Amsterdam.

Auf der Website des Bistums Haarlem (zuständig für Amsterdam) ist kein einziger Hinweis zu finden über die Verehrung der FaV und die von Bischof Punt approbierte (genehmigte) Erscheinung von Amsterdam. Die Bischöfe Hollands haben noch nie teilgenommen an den Gebetstagen zu Ehren der FaV; sie haben stattdessen am 13. Mai 2017  (Gedenktag 100 Jahre Fatima) in einem gemeinsamen festlichen Akt ihre Bistümer dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht.

Ergänzender HINWEIS vom 5.9. zum Wortlaut des erwähnten vatikanischen Schreibens: https://charismatismus.wordpress.com/2017/09/05/dokument-die-glaubenskongregation-zur-frau-aller-voelker-die-einst-maria-war/

  1. Foto – Quelle: http://www.de-vrouwe.info/

 


„Ehe light“ durch kirchliche Segensfeiern?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Am 18. August 2017 gab der designierte Mainzer Bischof Peter Kohlgraf der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Interview.

Die Frage der FAZ lautete: „Der Passauer Bischof Stefan Oster hat sich dafür ausgesprochen, viele kirchliche Hochzeiten durch Segensfeiern zu ersetzen. Ihm ist aufgefallen, dass viele Brautpaare nicht ins kirchliche Leben eingebunden sind und gar nicht wissen, was eine sakramentale Trauung bedeute. Wie wollen Sie es im Bistum Mainz handhaben?“ 

FOTO: Prof.Gindert leitet das „Forum Deutscher Katholiken“ und den Kongreß „Freude am Glauben“

Seine Antwort darauf: „Eine Segensfeier finde ich einen guten Ansatz, das kann ich mir vorstellen. Ohne dass man natürlich die Sakramentalität der Ehe aufgeben wird. Aber da gibt es noch etwas zu bedenken. Es ist Fakt, dass die große Mehrheit der Paare zusammenlebt, bevor sie sich für eine Hochzeit entscheiden. Nach der strengen katholischen Lehre ist der sexuelle Verkehr zweier Menschen, die nicht verheiratet sind, Sünde.

Wenn ein Priester Paare künftig nur segnet, diese später aber weiter zusammenleben, dann dürften diese Paare nach der traditionellen katholischen Lehre nachts nur philosophische Gespräche führen. Da merkt man, dass wir als Kirche an unserem Sündenverständnis arbeiten müssen und die traditionelle Moraltheologie nicht der Wirklichkeit entspricht.“

Dieses Interview ist aufschlussreich.

Weil viele Brautpaare nicht mehr wissen, was eine sakramentale Trauung bedeutet, will Bischof Oster (siehe Foto) Segensfeiern einführen. Das mag „pastoral“ gemeint sein. Wenn aber Bischof Oster den Grund in der Unwissenheit sieht, warum viele nur mehr zusammenleben, aber nicht mehr heiraten, wäre es dann nicht richtig, bei der Ursache anzusetzen, nämlich in einer Katechese und in einem Religionsunterricht, die den Wert der sakramentalen Ehe deutlich machen?

Die Hoffnung von Bischof Oster, die „Gesegneten“ würden dann später kirchlich heiraten, ist recht unsicher. Die „Gesegneten“ können auch zur Überzeugung kommen, dass sie jetzt zu einer schönen kirchlichen Feier mit Freunden und Verwandten kommen, gewissermaßen zu einer „Ehe light“.

Eine solche Segensfeier verpflichtet zu nichts. Die Partner können ihr bisheriges Leben inkl. Sex beibehalten. Es ist eine unverbindliche Feier, bei der sich die beiden Partner einer „endgültigen und ganzen gegenseitigen Hingabe“ (vgl. KKK 7391) entziehen können.

Im Übrigen müsste der ehemalige Dogmatik-Professor Oster wissen, dass er Partner segnet, die nach der Lehre der Kirche objektiv in Sünde leben. Er müsste weiter das Wesen einer Sünde kennen. Sie ist nicht nur Unwissenheit, sondern auch Ablehnung Gottes und Widerspruch gegen ihn (vgl. KKK 386) und gegen seine Kirche.

Der zukünftige Mainzer Bischof Kohlgraf fand den Vorschlag von Oster einen „guten Ansatz“. Natürlich will er die „Sakramentalität der Ehe“ nicht aufgeben. Sie wird nur so hoch gehängt, dass man bequem darunter durchgehen kann.

Peter Kohlgraf geht aber einen Schritt weiter als Bischof Oster. Er greift das Sündenverständnis der „strengen katholischen Lehre“ und ihre „traditionelle Moraltheologie“, die „nicht der Wirklichkeit entspricht“ an. Die Kirche müsse an ihrem „Sündenverständnis“ arbeiten, das heißt wohl, es der Wirklichkeit des Mainstreams anzupassen.

Der Apostel Paulus schreibt zu einer solchen bischöflichen Haltung seinem Schüler Timotheus die bekannten Sätze: „Ich beschwöre dich vor Gott und vor Christus Jesus… verkünde das Wort, tritt auf, sei es gelegen oder ungelegen… es wird eine Zeit kommen, da man die gesunde Lehre nicht ertragen kann und sich seine Lehrer nach eigener Willkür zusammenlesen wird…“.

Wenn Bischöfe die Lehre der Kirche nicht mehr kennen oder sich nicht mehr in der Öffentlichkeit damit identifizieren, ist die Herde allein gelassen und eine Erneuerung im Glauben nicht mehr zu erwarten. Das ist mehr als eine Kapitulation vor der „Wirklichkeit“. Es ist die Zerstörung aus dem Inneren.

Wohin sollen sich aber die Gläubigen dann noch wenden? Nach Rom? So hatten wir bisher gemeint. Ob von dort Hilfe zu erwarten ist, das ist nicht sicher.

Papst Franziskus sagt in einer Rede über den synodalen Zustand der Kirche (La condición sinodal de la Iglesia) u.a.:

„Die römischen Dikasterien stehen im Dienst des Papstes und der Bischöfe: Sie haben die Teilkirchen und Bischofskonferenzen zu unterstützen. Sie sind Hilfsinstanzen. Aber in einigen Fällen, wenn sie nicht gut verstanden werden, laufen sie Gefahr, sich in Organe der Zensur zu verwandeln. Es bedrückt, die Denunzierungen („denuncias“) wegen Fehlens von Rechtgläubigkeit zu sehen, die nach Rom kommen. Ich denke, dass es die lokalen Bischofskonferenzen sind, die diese Fälle studieren sollen“. (L’OSSERVATORE ROMANO, spanische Ausgabe, Nr. 30, 28. Juli 2017, S. 9)

Will der Bischof von Rom, „dessen fundamentale Aufgabe es ist, die Einheit der Kirche zu garantieren“ (Papst Franziskus), diese Aufgabe auch wahrnehmen?

Zur ERGÄNZUNG dazu unser Artikel: Kirchliche Verlobung statt „Segensfeier“: https://charismatismus.wordpress.com/2017/03/17/bischof-oster-statt-segensfeier-fuer-verliebte-eine-kirchliche-verlobung-vorschlagen/