Würdigung der Theologie-Fakultät in Lugano

Die Theologische Fakultät in Lugano in der Schweiz erhält eine wichtige offizielle Zertifizierung für die hohe Qualität ihrer Studien und ihre akademische Lehre; sie ist auch vom Vatikan anerkannt. Die Fakultät gehört jedoch nicht zur Universität der italienischen Schweiz.

Die Zertifizierung erteilt der Schweizerische Akkreditierungsrat. Dieser würdigt die gute akademische Qualität der Fakultät in den Bereichen Forschung, Lehre und Dienstleistungen auf schweizerischer und kirchlicher Ebene.

BILD: Der Dogmatik-Professor, Mariologe und Buchautor Dr. Manfred Hauke lehrt an der Theologischen Fakultät in Lugano

Die Fakultät erfülle die Standards der institutionellen Akkreditierung, wie sie im Bundesgesetz festgelegt sind. Sie entspreche auch den Anerkennungskriterien der vatikanischen Agentur für die Bewertung und Förderung der Qualität der kirchlichen Universitäten und Fakultäten (AVEPRO).

Die Fakultät wurde 1993 vom Bischof von Lugano, Eugenio Corecco, gegründet und bildete die erste universitäre Einrichtung im Tessin.

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Debatte um Beichtsiegel auch hierzulande

In Frankreich ist im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen eine Debatte um das Beichtgeheimnis entfacht worden. Der Priester und Rechtsexperte Oliver Rothe hält eine Aufweichung des Beichtsiegels durch den deutschen Staat für ausgeschlossen.

Das Beichtgeheimnis sei „integraler Bestandteil des Grundgesetzes“, erklärte er gegenüber dem Münsteraner Portal kirche-und-leben.de.

„Der Staat schützt das sogenannte Beichtsiegel insbesondere durch das Zeugnisverweigerungsrecht des Priesters.“ – Diesen Schutz habe der Staat vertraglich gegenüber dem Vatikan zugesichert – eine Verpflichtung, die er nicht einseitig auflösen könne.

Das Zeugnisverweigerungsrecht leite sich aus dem Recht auf private Lebensgestaltung sowie aus dem Recht auf freie Religionsausübung ab.

Ein Eingriff in diese Grundrechte sei unverhältnismäßig – außer wenn nachgewiesen würde, dass ein lockereres Beichtsiegel Kindesmissbrauch verhindern würde. Wenn Priester jedoch das in der Beichte erlangte Wissen weitergeben müssten, dann würden weder Täter noch Opfer das Beichtgespräch suchen.

Zudem „entfiele dadurch die einzigartige Möglichkeit des Priesters, sich in einem Beichtgespräch dafür einzusetzen, dass der Täter sich den Ermittlungsbehörden stellt.“ – Statt das Beichtsiegel auszuhöhlen, müsse die Kirche effektive Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt durch Priester ergreifen.

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Foto: Felizitas Küble


Vatikan: Taiwans Botschaft spendete der Caritas 300 Schlafsäcke für Obdachlose

Die Botschaft der nicht-kommunistischen Republik China (Taiwan) beim Vatikan hat der Caritas Italien 300 hochwertige, in Taiwan hergestellte Multifunktionsschlafsäcke geschenkt.

Dies teilte die taiwanesische Botschaft mit und betonte, dass dieses „Geschenk“ Ausdruck ihres „Weges mit den Bedürftigsten unter dem Banner der Werte der Solidarität und Geschwisterlichkeit“ sei.

Die Übergabe der Schlafsäcke fand am Dienstag in der Kanzlei der Botschaft statt.

Der Botschafter Taiwans, Matthew Lee, erinnerte an die Liebe, die das Herzstück des Evangeliums sei: „Das ist eine Liebe, die all unseren verletzlichen Brüdern und Schwestern die Hand reicht und die menschlichen Beziehungen betont, die Eingliederung, die Integration und die Hilfe dort, wo sie am nötigsten ist.“ 

Prälat Soddu bedankte sich für die Schlafsäcke „Made in Taiwan“ für bedürftige und obdachlose Menschen – denn diese benötigten Schutz vor der kommenden Winterkälte. 

Der Vatikan erkennt die Republik China (Taiwan) an und pflegt diplomatische Beziehungen mit dem südostasiatischen Inselstaat.

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Foto: Felizitas Küble


Anglikanischer Bischof ist jetzt katholisch

Der frühere anglikanische Bischof von Rochester, Michael Nazir-Ali, ist zur katholischen Kirche übergetreten. Das hat das „Personalordinariat Unserer Lieben Frau von Walsingham“ am Donnerstag bestätigt. Der aus Pakistan stammende Kirchenmann werde mit Erlaubnis des Vatikan bald zum katholischen Priester geweiht werden.

Nazir-Ali selbst sprach von einem „weiteren Schritt im Dienst an unserem gemeinsamen HERRN und an seinem Volk“.

Er sei davon überzeugt, dass Anglikaner, „die den Lehren der Apostel, Kirchenväter und Konzilien anhängen wollen“, im katholischen Ordinariat am besten aufgehoben seien. „Die dortigen Regeln, die das legitime anglikanische Erbe bewahren, sind sehr ermutigend.“

Es bleibe für ihn „eine wertvolle Erfahrung“, anglikanischer Geistlicher in Pakistan und Großbritannien gewesen zu sein. Er bete auch künftig „für alle Teile der Kirche“.

Nazir-Ali wurde 1949 in eine Familie mit christlichem und muslimischem Hintergrund in Pakistan hineingeboren. An seinem 20. Geburtstag trat er der anglikanischen Kirche Pakistans bei. 1994 wurde er Bischof von Rochester.

Gegenüber dem „Daily Telegraph“ sprach Nazir-Ali, „von einem Mangel an Lehrautorität in der anglikanischen Kirche, einem Mangel an Zugehörigkeitsgefühl zu einer weltweiten Kirche“.

Der anglikanische Primas, Erzbischof Justin Welby von Canterbury, dankte Nazir-Ali „für seine jahrzehntelange hingebungsvolle Arbeit“ in der anglikanischen Gemeinschaft. Er versprach Gebete für Nazir-Ali und seine Frau Valerie, „auf dass dieser neue Schritt auf ihrer Reise sie in Christus näher zu Gott bringen möge“.

Seit seiner Gründung 2011 hat Personalordinariat über tausend bisherige anglikanische Pfarrer in die katholische Kirche aufgenommen. Die meisten von ihnen arbeiten jetzt als Diakone oder Priester.

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Glaubensstarkes Buch mit Kardinal Müller über die Wahrheit als DNA der Kirche

Von Dr. Michael Th. Sprenger-Menzel

Gleich zu Anfang darf festgestellt werden, dass es sich nicht um eine der vielen Biographien eines Journalisten mit „flotter Schreibe“ handelt, der eine berühmte Persönlichkeit der Welt- und Kirchengeschichte interviewt, sondern um das einfühlsam geführte Zwiegespräch zweier Glaubender, die aus dem Glauben leben.

Der eine ein breit gebildeter und wissenschaftlich interessierter Familienvater und Publizist, der andere ein Theologieprofessor, Kardinal der römischen Kirche und emeritierter Präfekt der Glaubenskongregation.

Martin Lohmann ist es in seinem Band gelungen, in der leicht verdaulichen Form eines lockeren, oft aber tiefsinnigen Gesprächs unter gläubigen Katholiken gleichzeitig eine (I) Lebensbeschreibung Gerhard Ludwig Kardinal Müllers, eine (II) Wiederauffrischung und Vertiefung wichtiger Glaubenswahrheiten und (III) einen Überblick zu wichtigen Ereignissen und Epochen der Kirchengeschichte samt einem Wegweiser zur Unterscheidung der Geister in Kirche und Welt turbulenter Zeiten vorzulegen.

  1. Lebensbeschreibung

Wie nebenbei erfährt der Leser viel Biographisches über Gerhard Ludwig Müller, der am Silvestertag 1947 in der 3.000-Seelen-Gemeinde Finthen (heute der westlichste Ortsbezirk der Stadt Mainz) als Sohn eines Wagners (bei Opel) und Nebenerwerbslandwirtes „doppelt arbeitete“ (S. 7), um seine sechsköpfige Familie zu ernähren, geboren wurde.

Er wuchs in einem frommen Umfeld auf, in dem gleich nach dem Aufstehen „Kontakt mit Gott aufnahm“; verließ man das Haus, wurde der Schutzengel „als treuer Begleiter herzugebeten“ (14).

Schon als Kind eine Berufung spürend und unter Geistlichen wie Laien aufwachsend, „die ihren Glauben ernst nahmen“ (27), hatte er das Glück, einen vorbildlichen, sich ganz in der Sorge um das ewige Heil der Menschen aufreibenden Pfarrer kennenzulernen, der weder Freizeit noch Urlaub vom Priestertum kannte und welchem Krankenbesuche und Versehgänge immer allem vorgingen.

Ebenso erlebte er einen frommen Religionslehrer, der intellektuell auf der Höhe seiner Zeit war und sich in der Theologie gut auskannte, so dass dem Heranwachsenden die Wahrheit der Evangelien und des Glaubens „immer klar und einleuchtend“ (27) waren.

Den stud.theol. (Mainz, Freiburg und München), der Seelsorger in einer Pfarrgemeinde werden wollte, interessierte vor allem die Kirchengeschichte und die Dogmatik, welche er „immer schon“ als „heilsgeschichtliche Disziplin“ (50) betrachtete.

Er bewunderte den oberschlesischen Dogmatiker und Mariologen Leo Scheffczyk (Gf) (1920 bis 2005; Kardinal ab 2001) wegen seines klaren, systematischen Verstandes und seiner außerordentlichen dogmengeschichtlichen Kenntnis, mit der Scheffczyk auch die Gott-ist-tot-Theologie „systematisch zerlegt“ (55) hatte.

1977 wurde er unter Karl Lehmann (1936 – 2018) zum Dr. theol. promoviert, erhielt im selben Jahre die Weihe zum Diakon und 1978 in seiner Heimatpfarrei die Priesterweihe. Neben seiner Tätigkeit in der Pfarrseelsorge weiter wissenschaftlich arbeitend (Habilitation über die Gemeinschaft und Verehrung der Heiligen ebenfalls bei Professor Lehmann in Freiburg) wurde er 1986 zum Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte in München berufen.

Der überaus breit interessierte und publizierende Theologe lehrte auch als Gastprofessor spanischer, indischer, römischer und südamerikanischer Universitäten – bis er 2002 zum Bischof von Regensburg ernannt wurde.

REGENSBURG (Bild: E. Gründler)

Der neue Bischof ordnete das kirchliche Schulwesen mittels Gründung einer Schulstiftung, stärkte die katholische Jugendfürsorge, förderte das katholische Glaubensleben samt dessen Vollzug in Andachten und Prozessionen (an denen er selbst teilnahm), regte Volksmissionen an und ließ eine neue Domorgel anfertigen. Auch dadurch wollte er den Dom wieder „zum Herzen der Diözese machen“ (85).

Neben vielen überdiözesanen Aufgaben in Deutschland übernahm Bischof Müller ab 2007 zunehmend weltkirchliche Aufgaben, wurde Mitglied mehrerer römischer Kongregationen, 2012 zum Erzbischof ad personam erhoben und zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannt. 2013 bestätigte ihn Papst Franziskus in diesem Amt und erhob ihn 2014 zum Kardinaldiakon (Titelkirche Sant’Agnese in Agone an der Piazza Navona).

Zur Überraschung vieler, auch des Kardinals selbst, wurde die erste, Mitte 2017 auslaufende, Amtszeit des als „bewahrend“ geltenden Präfekten der Glaubenskongregation von Papst Franziskus ohne Angabe von Gründen nicht verlängert.

II Kirchengeschichtlicher Überblick und Katechese

Die sich in den 1968er-Zeiten aufbauende und verstärkende Kategorisierung in „konservativ“ oder „progressiv“ sieht Kardinal Müller als „Beleidigung des menschlichen Verstandes“, und als nicht weiterführende und irreführende „Begriffe der Politik“ (55), weil er die Diffamierung anderer als konservativ und die Selbsterhöhung als progressiv als ein sicheres Zeichen dafür sieht, „dass Theologie durch Ideologie ersetzt wurde“ (55).

Schon auf den ersten Buchseiten wird klar, wie wichtig dem Kardinal die Authentizität der Evangelien ist, als er betont, dass schon Kinder sehr wohl zwischen Märchen und biblischer Geschichte bzw. zwischen „utopischen Traumwelten“ und der in den Evangelien „geoffenbarten Wahrheit und Wirklichkeit im Blick auf die Transzendenz“ unterscheiden könnten (22).

Anders als bei Glorifizierungen in Pharaonengeschichten oder Aufzeichnungen über römische Kaiser zeige sich die Glaubwürdigkeit der Evangelien schon daran, dass die Schwächen der Jünger und die Verleugnung des Petrus nicht verschwiegen wurden (84).

Im weiteren Verlauf bietet der Kardinal, ausgehend von den Irrtümern der Reformation, einen Generalüberblick über wichtige Stationen der neueren Kirchen- und Dogmengeschichte.

Interessant geraten die Ausführungen über die „unaufgeklärte Aufklärung“ und die „Fehlsichtigkeiten“ Gläubiger wie Theologen, welche historische Abläufe durch die Brille des Marxismus beurteilen möchten (77) und teils unter einem „katholischen Minderwertigkeitskomplex“ leiden, und solche Bischöfe, die als „Lehrer der Wahrheit und Diener des Wortes“ (89) nicht immer den Mut zum Bekenntnis und zum Zeugnis vor der Welt hätten.

Immer wieder erweist sich die Lektüre des Buches als Fundgrube und Kurzdarstellung wichtiger Wahrheiten, etwa, wenn er (wie Kardinal Ratzinger bzw. Papst Benedikt XVI.) die Diktatur des Relativismus als „System der affirmativen Negation der Affirmation“, als eine Diktatur der Vernunft kritisiert, die Ihren konstituierenden Akt im aktuellen Erkennen nicht akzeptiert und leugnet, dass es eine Wahrheit (überhaupt) gebe, „vor allem jene, die er als nicht existent behauptet“ (102 – 103) und deshalb die Tragik des Skeptizismus darin besteht, „dass er alles leugnet, was wirklich ist“ (103).

Maßstab seines Glaubenslebens ist Christus selbst, die „Wahrheit, die von Gott kommt“ und welche Jesus Christus selbst „mit seiner Person in seinem Weg bis zum Tode am Kreuz bezeugt hat“. Dabei gehe es gar nicht um ein „Haben“ („Besitzen“) oder ein „Nicht-Haben“ der Wahrheit, sondern „um das Sein“ (104) und einen Wahrheitsanspruch „für immer und ewig“, weil der Wahrheitsanspruch „mit dem Sein Gottes koexistent ist“ (105).

Die Kirche sei auf einem starken Fundament aufgebaut, nämlich Jesus Christus selbst, und „dieses Fundament heißt Wahrheit“ (109). Erste Aufgabe der Bischöfe sei es, „Zeugnis für die Wahrheit abzulegen“ (110).

Der Kardinal erweist sich als profunder Verteidiger des (Priester-)Zölibates, dessen (Versuch der) Abschaffung er als Verstoß wider die „Natur des Priestertums und eine Missachtung der gesamten katholischen Tradition“ (134) betrachtet, und er bekräftigt den hohen Wert des Zölibates auch im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal.

Alles ohne Angst vor einem „Anecken“ („Ein guter Bischof darf bei den falschen Leuten anecken und redet ihnen nicht nach dem Mund.“ (250)), und zwar auch mit einer klaren und an der überlieferten Lehre der Kirche und am Evangelium selbst orientierten Haltung zur Homosexualität).

Die Verteidigung des Zölibates (151) erfolgt nicht in theologisch fein ziselierter Weise, sondern im Duktus und auch mit der geballten Überzeugungskraft eines abgeklärten Gemeindepfarrers mit jahrzehntelanger Beichterfahrung. Klar und deutlich kritisiert Müller den Missbrauchsskandal, wehrt sich aber entschieden dagegen, ihn als wohlfeile Begründung für Forderungen nach Aufhebung des Zölibates, Einführung der Diakonen- und Priesterweihe für Frauen oder Lockerungen der Sexualmoral zu akzeptieren.

Ebenso klar fallen die Äußerungen für jene aus, die bei ihrer Standeswahl nicht das freiwillige Zölibatsversprechen, sondern das freiwillige Eheversprechen anstreben. Der Wille des Schöpfers selbst spreche gegen eine „Ehe für alle“ oder „Segnungen“ gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Eheleuten muss die Offenheit für das Leben, das Gott den Eheleuten schenkt bzw. der Schutz dieses Lebens von der Zeugung bis zum irdischen Tode eine Selbstverständlichkeit sein.

Der Kardinal hebt auch die klare Haltung des dafür angefeindeten Papstes Benedikt XVI. zu diesen Fragen hervor, von der er sagt, dass Benedikt XVI. recht behalten habe. Überhaupt ist Kardinal Müller kein Freund des Leisetretens oder des Verschweigens bewiesener Tatsachen, z.B. des Genozids an den Armeniern.

III Bollwerk der Wahrheit und Wegweiser zur Unterscheidung der Geister

Es gibt fast keine Problemfrage der letzten Jahrzehnte in Kirche und Welt, auf welche in dem von Lohmann sensibel und empathisch geführten Gespräch nicht eingegangen würde und wo Seine Eminenz in klarer und schnörkelloser Sprache Stellung bezieht, wie z.B. zum sogenannten synodalen Weg des kirchlichen Establishments in Deutschland.

In dieser „synodalen Sackgasse“ (141) gehe es um eine „Umwandlung des Weihesakramentes in ein professionelles System von gut bezahlten Funktionären“ und die Verlagerung der politisch verstandenen „‘Macht‘ von den Bischöfen und Priestern auf eine Führungsriege von ‚Laien“ mit der Klausel, dass bei gleicher Qualifikation die Frauen bevorzugt würden“ (141); und: die als „leibfeindlich“ abqualifizierte gewollte Abschaffung der christlichen Moral, des Zölibates und auch der evangelischen Räte (der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit.

Der in seinen Antworten ganz und gar nicht „professoral“, sondern sprachlich auf der Höhe der Zeit und in moderner Weise, ja teilweise „flott“ argumentierende Kirchenfürst, der als „engagierter Teilnehmer“ zum Glauben kam, spricht immer wieder tiefe Wahrheiten aus und dies mit der größten Selbstverständlichkeit eines wirklich „Durchglaubenden“, wie es wohl Erzbischof Johannes Dyba (1929-2000) formuliert hätte.

In dem Gespräch erläutert der offenkundig felsenfest konzilstreue Kardinal, den niemand, auch er selbst nicht, als starrsinnig-konservativen „Traditionalisten“ einstufen würde, und welcher nicht die geringsten Berührungsängste zu protestantischen wie katholischen Theologen und Philosophen des XX. Jahrhunderts zu haben scheint, sine ira et studio auch Fehlentwicklungen in Kirche und Gesellschaft. Kritisch spricht er über die „synodale Sackgasse“ (141) und lässt es aber auch nicht, wo es geboten erscheint, an „Lob für Franziskus“ (196-200) fehlen.

Das handliche gebundene Buch gehört nicht nur auf den Nachttisch zum Dienst in der Kirche berufener und geweihter Bischöfe, Priester und Ordensleute, sondern auf die Nachttische der Studenten und aller Katholiken als gut zu lesende, leicht verdauliche Auffrischung des Glaubens und zur Wiederfindung der Freude am Glauben.

Es weist nur einen Mangel auf, den man in einer zweiten Auflage beheben könnte: Gerade angesichts der Fülle der Themen aus Kirche und Welt, der Breite und Tiefe der Betrachtungen, bei denen es u.a. auch um die Schönheit des Glaubens und dessen Vollzug in der Liturgie und eine gelebte Ökumene geht, würde sich ein Stichwortverzeichnis empfehlen, damit Leser dieses Werk künftig als übersichtliches, mit zehn Kapiteln klar strukturiertes Brevier zur Glaubens- und Sittenlehre nutzen kann, aber auch zu aktuellen Fragen in Kirche, Politik und Gesellschaft ein Instrument zur Unterscheidung der Geister finde.

Buch-Daten: Lohmann, Martin / Kardinal Müller, Gerhard: Wahrheit. Die DNA der Kirche. Ein Gespräch. Fe-Medienverlag (Kissleg), 2020, 344 Seiten, fest gebunden, 19,80 Euro,ISBN: 978-3863572778

Unser Gastautor Dr. Michael Thomas P. Sprenger-Menzel ist Hochschul-Dozent und Publizist; diese Besprechung wurde in einer gekürzter Form zuerst in der CV-Zeitschrift „Academia“ (Nr. 5/2021) veröffentlicht.

HIER geht es zur Bestellung beim Fe-Verlag: https://www.fe-medien.de/Wahrheit-Die-DNA-der-Kirche


Beschwerde über das „Opus Dei“: 42 Frauen aus Lateinamerika beklagen Ausbeutung

42 Frauen aus Lateinamerika haben das Opus Dei bei der vatikanischen Glaubenskongregation wegen Ausbeutung und Machtmissbrauch angezeigt.

Die Frauen aus Argentinien, Bolivien, Paraguay und Uruguay schrieben, zwischen 1974 und 2015 unbezahlte Haushaltsarbeiten in Opus-Dei-Einrichtungen verrichtet zu haben. Sie seien als „Hilfsnumerarierinnen“ Mitglieder dieser Personalprälatur gewesen.

In dem 30 Seiten umfassenden Bericht schildern die Betroffenen: Viele Frauen seien zur Arbeit direkt in Einrichtungen des Opus Dei geschickt worden, einige in eine Hauswirtschaftsschule in Ramallo, 220 Kilometer von Buenos Aires entfernt.

Für ihre Dienste wurden sie nicht bezahlt, da das Opus Dei einen fiktiven Lohn mit den Kosten für Unterbringung und Ausbildung verrechnet haben soll. Die Tätigkeit soll ohne Aufnahme in die Sozialversicherung und ohne Arbeitszeitbeschränkungen erfolgt sein. Sie erstreckte sich laut Bericht auf mehr als zwölf Stunden pro Tag, mit nur kurzen Erholungszeiten.

Die heute zwischen 40 und 60 Jahre alten Frauen hatten mehrheitlich ein oder zwei Jahrzehnte für das Opus Dei gearbeitet, einige auch länger.

Quelle und vollständige Nachricht hier: https://www.katholisch.de/artikel/31553-machtmissbrauch-und-ausbeutung-frauen-zeigen-opus-dei-im-vatikan-an


Vatikan: Drei impf-unwillige Schweizer Gardisten treten von ihrem Dienst zurück

Wie das Kölner Domradio heute (3.10.) berichtet, haben drei Schweizergardisten gekündigt, weil sie nicht mit genbasierten Vakzinen gegen Corona geimpft werden möchten.
Drei weitere bislang nicht-geimpfte Papst-Leibwächter willigen laut italienischen Medienberichten jetzt in eine Impfung ein, sind aber „bis zum Abschluss des Impf-Zyklus“ nicht im Dienst.

Seit dem 1. Oktober gilt im Vatikan für Angestellte und Gäste die 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet). Davon ausgenommen sind Gottesdienstteilnehmer, allerdings nur für die Dauer der jeweiligen Feier. Dies entspricht einer Entscheidung der italienischen Bischöfe, wonach bei Gottesdiensten und Wallfahrten kein Test-Nachweis nötig ist.

Für die Schweizergarde ist aber offenbar die 2G-Regel eingeführt worden, „da der Kontakt zum Papst und dessen Gäste zu eng sei“, heißt es. Außerdem verwies man auf andere Armeen mit ähnlichen Vorgaben.

Noch im Februar 2021 hatte der Vatikan die Einführung einer Impf-Pflicht für seine Mitarbeiter dementiert: https://www.domradio.de/themen/corona/2021-02-19/flexible-angemessene-loesung-doch-keine-impfpflicht-im-vatikan


„Maria 1.0“ begrüßt Woelkis Verbleib im Amt

„Wir freuen uns auf die Rückkehr Kardinal Woelkis nach dessen Auszeit“, erklärt Clara Steinbrecher, Vorsitzende der katholischen Laienbewegung „Maria 1.0“ (nicht zu verwechseln mit der progressiven Gegenrichtung „Maria 2.0“).

Die katholische Initiative Maria 1.0 begrüßt die Entscheidug des Vatikans, den Erzbischof von Köln im Amt zu belassen.

Woelki habe die Fälle sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln entschlossen aufgearbeitet, sich den Betroffenen zugewandt und Prävention gefördert. Fehler attestiert der Papst dem Kardinal jedoch bei dessen unzureichender Kommunikation im Zusammenhang mit der Studie zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle.

Allen Missbrauchsopfern und allen glaubenstreuen Katholiken, die in der Zeit der Vertrauenskrise stark gelitten haben, wünscht die Initiative „Maria 1.0“ viel Kraft und Gottes Segen: „Rainer Maria Kardinal Woelki ist ein wichtiger Arbeiter im Weinberg des Herrn und ein Hirte, der normalen Katholiken Orientierung gibt“.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://www.kathnews.de/maria-1-0-begruesst-verbleib-woelkis-im-amt


Frankreich: Führender Charismatiker wegen geistlichem und sexuellem Missbrauch laiisiert

Pater Marie-Michel Hostalier von Rom bestraft

Der 72-jährige Karmelit ist jetzt vom Vatikan wegen schwerer Vergehen gegen Frauen innerhalb der Seelsorge und „geistlichen Begleitung“ aus dem Priesteramt entlassen bzw. laiisiert (in den Laienstand zurückversetzt) worden.

Pater Marie-Michel Hostalier gehörte gemeinsam mit dem Charismatiker Pater Daniel-Ange zu den Gründern der Evangelisierungsbewegung „Jeunesse Lumière“ im Jahre 1984.

Der Priester ist in der französischen Diözese Valence (Drôme) inkardiniert. Dort auf der amtlichen Webseite wurde auch über seine Laiisierung berichtet, die gemeinsam mit der römischen Glaubenskongregation verfügt worden seiund zwar wegen früherem „geistlichem und sexuellem MIssbrauch“.

Der 1949 in Bordeaux geborene Priester gründete später gemeinsam mit anderen charismatischen Leitern weitere Kommunitäten.

Diese sogenannten „neuen geistlichen Gemeinschaften“ werden vom Nachrichtenportal „Kath.net“ seit Jahrzehnten gelobt und gepriesen, auch die hier erwähnte „Evangelisationsschule“ Jeunesse Lumiere, die von Pater Hostalier mitinitiiert wurde.

So veröffentlichte die erscheinungsbewegte Webseite noch am 12. August 2021 einen Artikel des Gründers Pater Daniel Ange und schrieb, aus seiner Bewegung seien „zahlreiche Priesterberufungen hervorgegangen“.

Weiter heißt es: „Bei Veranstaltungen der Charismatischen Erneuerung im deutschen Sprachraum kamen regelmäßig viele tausende Menschen zu seinen Veranstaltungen.“

Na dann ist ja wohl alles bestens!


Hamburg: Rücktrittsangebot des Erzbischofs Stefan Heße vom Papst nicht angenommen

Der 55-jährige Hamburger Erzbischof Stefan Heße bleibt im Amt, so hat Papst Franziskus jetzt entschieden. Er habe zwar organisatorische Fehler in seiner Arbeit begangen, aber nicht mit dem Ziel, sexuellen Mißbrauch zu vertuschen.

Dies teilte der Vatikan am heutigen Mittwoch über die Apostolische Nuntiatur in Berlin mit.

Der Hamburger katholische Oberhirte war früher Personalchef und Generalvikar im Erzbistum Köln. Er ließ nach der Bekanntgabe des Kölner Missbrauchsgutachtens am 18. März seine Amtsgeschäfte ruhen und bot dem Papst seinen Rücktritt an.

Wir dokumentieren nachfolgend die Bekanntmachung der Apostolischen Nuntiatur im vollen Wortlaut:

„Der Erzbischof von Hamburg, S.E. Mons. Stefan Heße, hat mit Datum vom 19. März 2021, sein Amt in die Hände des Heiligen Vaters zurückgelegt. Er hat diesen Schritt begründet mit dem Ergebnis der am 18. März 2021 veröffentlichten Studie „Pflichtverletzungen von Diözesanverantwortlichen des Erzbistums Köln im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen und Schutzbefohlenen durch Kleriker oder sonstige pastorale Mitarbeitende des Erzbistums Köln im Zeitraum von 1975 bis 2018“.

In einem Abschnitt des von der Studie erfassten Zeitraums war der Erzbischof sukzessive Leiter der Personalabteilung, Generalvikar und Diözesanadministrator des Erzbistums Köln. 

Das Wirken S.E. Mons. Heßes ist im Zusammenhang der vom 7. bis 14. Juni 2021 durchgeführten Apostolischen Visitation des Erzbistums Köln, durch S.Em. Anders Kardinal Arborelius, Bischof von Stockholm, und S.E. Mons. Johannes van den Hende, Bischof von Rotterdam, behandelt worden. 

Nach eingehender Prüfung der eingegangenen Dokumente hat der Heilige Stuhl für den fraglichen Zeitraum Mängel in der Organisation und Arbeitsweise des Erzbischöflichen Generalvikariates sowie persönliche Verfahrensfehler Mons. Heßes festgestellt.

Die Untersuchung hat jedoch nicht gezeigt, dass diese mit der Absicht begangen wurden, Fälle sexuellen Missbrauchs zu vertuschen. Das Grundproblem bestand, im größeren Kontext der Verwaltung der Erzdiözese, im Mangel an Aufmerksamkeit und Sensibilität den von Missbrauch Betroffenen gegenüber. 

In Anbetracht der Tatsache, dass der Erzbischof seine in der Vergangenheit begangenen Fehler in Demut anerkannt und sein Amt zur Verfügung gestellt hat, hat der Heilige Vater, nach Abwägung der über die Visitatoren und durch die einbezogenen Dikasterien der Römischen Kurie zu ihm gelangten Beweiiungen, entschieden, den Amtsverzicht S.E. Mons. Heßes nicht anzunehmen, sondern ihn zu bitten, seine Sendung als Erzbischof von Hamburg im Geist der Versöhnung und des Dienstes an Gott und den seiner Hirtensorge anvertrauten Gläubigen fortzuführen.

Dazu erbittet der Heilige Vater Erzbischof Heße und dem Erzbistum Hamburg, auf die Fürbitte der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria und des Heiligen Ansgar, Gottes reichen Segen.“

Quelle für dieses Vatikan-Dokument: https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2021/Mitteilung-Heiliger-Stuhl.pdf