Dokument: Die Glaubenskongregation zur „Frau aller Völker, die einst Maria war“

Jahrzehntelang haben sich die zuständigen Bischöfe in Holland gegen die Glaubwürdigkeit der „Marienerscheinungen“ von Amsterdam gestellt, ebenso der Vatikan mit der seinerzeit von Kardinal Joseph Ratzinger geleiteten Glaubenskongregation (dies geschah freilich auch bereits unter seinen Vorgängerpräfekten).

Dennoch trieb die Verehrung der „Frau aller Völker“ nicht nur in Europa, sondern weltweit reichliche Blüten bzw. Sumpfblüten.   

Trotz eindeutiger kirchlicher Ablehnungen hat der niederländische Bischof Punt im Jahre 2002 diese offensichtlich irrgeistige Privatoffenbarung approbiert (genehmigt).

Als Bischof Luis A. Tagle von Imus (Philippinen) am 25. Oktober 2004 bei der römischen Glaubenskongregation u.a. anfragte, was von der Verehrung dieser „Frau aller Völker“ zu halten ist, erhielt er am 20. Mai 2005 von der Glaubenskongregation (CONGREGATIO PRO DOCTRINA FIDEI  = CDF) bzw. Erzbischof Amato eine Antwort, in der kirchliche Besorgnis ausgedrückt wird hinsichtlich jenes bekannten Amsterdamer Gebets, das sich an die sogenannte „Frau aller Völker, die einst Maria war“ wendet. (Einen Monat vor der Briefabfassung war Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt worden; sein Nachfolger als Glaubenspräfekt war Kardinal Levada, dessen Sekretär hieß Erzbischof Amato, der Verfasser des erwähnten Schreibens.)

Unsere holländische Gastautorin Hildegard Alles hat diesen Vorgang und seine irreführende Auslegung durch FaV-Anhänger bereits im CHRISTLICHEN FORUM geschildet: https://charismatismus.wordpress.com/2017/09/02/der-vatikan-und-die-anhaenger-der-frau-aller-voelker-die-einst-maria-war/

Wir dokumentieren hier zudem vollständig das Schreiben der Glaubenskongregation (soweit es die Causa Amsterdam betrifft) in einer deutschen Übersetzung von Hildegard Alles; eine autorisierte vatikanische Übersetzung liegt nicht vor. (Linien zur Hervorhebung von uns). Darunter setzen wir den englischen Originaltext:

Eure Exzellenz,

… Hinsichtlich der Verehrung der “Frau aller Völker“ und der Marienerscheinungen, die die verstorbene Seherin Ida Peerdeman erfahren hat, möchte ich Eurer Exzellenz mitteilen, dass, obwohl die genannten Erscheinungen von Seiner Exzellenz, Hochwürden  Joseph Maria Punt, Bischof von Haarlem (Holland) in einer Mitteilung vom 31. Mai 2002 gebilligt wurden, die Kongregation für die Glaubenslehre ihre Besorgnis ausgesprochen hat bezüglich  eines bestimmten Aspekts dieser Verehrung, wobei im öffentlichen Gebet die Heilige Jungfrau Maria angerufen wird als “Frau aller Völker“, „die einst Maria war”.

In der Tat, dieses  Dikasterium hat in einem Brief an Seine Exzellenz, Hochwürden François Bacqué, Apostolischer Nuntius in den Niederlanden, darauf hingewiesen, dass die marianische Verehrung genährt und entwickelt werden muss in Übereinstimmung mit den Anweisungen des Heiligen Vaters in „Redemptoris Mater“ und „Rosarium Virginis Mariae“ und nicht infolge von Privatoffenbarungen bzw. der Hervorhebung  eines ‘neuen’ Namens, wie ‘Frau aller Völker, die einst Maria war´.

Deshalb wird Eure Exzellenz gebeten, die oben genannten Ratschläge zu berücksichtigen und die Mitglieder der Katholischen Bischofskonferenz der Philippinen darüber zu informieren, dass die Glaubenskongregation keiner katholischen Gemeinschaft Christgläubiger erlaubt, zur  Gottesmutter zu beten unter dem Titel „Frau aller Völker“ mit dem Zusatz „die einst Maria war“. (…)

Ich nehme diese Gelegenheit wahr, um Ihnen meine aufrichtige Hochachtung auszusprechen und verbleibe mit brüderlichen guten Wünschen, 

Mit freundlichen Grüßen im Herrn
Angelo Amato, SDH, Titular-Erzbischof von Sila, Sekretär

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Englisch-sprachiger ORIGINAL-Text:

CONGREGATIO
PRO DOCTRINA FIDEI, 00120 Cita del Vaticana
20 May 2005
Prot. N. 511/93. 242/06 – 21006

Your Excellency,

…With regard to the devotion known as „Lady of all Nations“ and the Marian apparitions experienced by the late visionary Ida Peerdeman, I wish to advise your Excellency that although the said apparitions have received approval from His Excellency, the Most Reverend Joseph Maria Punt, Bishop of Haarlem (Holland), in his communication of 31 May 2002, the Congregation for the Doctrine of the Faith has expressed concern regarding one particular aspect of that devotion whereby official prayers invoke the Blessed Virgin Mary as „Lady of All Nations“ „who once was Mary“.

In fact, this Dicastery, in a letter to the His Excellency, The Most Reverend François Bacqué, Apostolic Nuncio to the Netherlands, has indicated that Marian devotion must be nourished and developed in accordance with the indications given by the Holy Father in „Redemptoris Mater“and „Rosarium Virginis Mariae“ and not according to private apparitions nor according to the emphasis on a „new“ name, such as „Lady of All Nations who once was Mary“.

Therefore, your Excellency is requested to take into consideration the above mentioned advisory and inform the members of Catholic Bishop’s Conference of the Philippines that the Congregation for the Doctrine of the Faith does not permit any Catholic community of Christ’s Faithful to pray to the Mother of God under the title of „Lady of All Nations“ with the added expression „who once was Mary“.

I take this opportunity to express my sincere respect and with fraternal good wishes,
I remain Yours cordially in the Lord
Angelo Amato, SDH, Titular Archbishop of Sila, Secretary

 

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Der Vatikan und die Anhänger der „Frau aller Völker, die einst Maria war“

Von Hildegard Alles

Die Fans der Amsterdamer Erscheinungen verbreiten in ihren Schriften, die Gebetsfloskel an die sog. Frau aller Völker, “die einst Maria war”, sei grundsätzlich anerkannt und auf Wunsch der Glaubenkongregation (CDF) lediglich ersetzt worden durch die Worte “die heilige Jungfrau Maria” (in Deutschland wird meist die Formel „die selige Jungfrau Maria“ in diese Anrufung eingefügt).

Diese angebliche ‘Beförderung’ der Frau aller Völker (FaV) zur “heiligen Jungfrau Maria” geistert seit Dezember 2006 durch den FaV-Blätterwald; es handelt sich aber gleichwohl um eine Falschinformation, die durch keinen Beweis gedeckt ist.

Wie konnte es soweit kommen?

Die Vorgeschichte beginnt in den Philippinen, dem katholisch geprägten fernöstlichen Land, in dem die Verehrung der FaV floriert.

Dort hielt eine Gruppe besorgter katholischer Laien die Entwicklungen der FaV im Auge. Im Jahr 2004 verfasste sie ein Dossier über die Irrtümer in den Botschaften der FaV und übergab es dem philippinischen Bischof Vidal, der das Dokument sodann dem Vatikan überreichte.

Die Glaubenskongregation reagierte am 20. Mai 2005 mit einem Brief (prot. N. 511/93. 242/06 A 21006, unterzeichnet vom Sekretär Angelo Amato) an den Vorsitzenden der Philippinischen Bischofskonferenz, Bischof Luis A. G. Tagle.

Auch der Nuntius in den Niederlanden, Bischof Francois Bacqué, wurde in Kenntnis gesetzt und damit auch der für die Verehrung der FaV verantwortliche Bischof Josef Maria Punt.

Kurz zusammengefasst: Die Verehrung Mariens muss übereinstimmen mit den vom Papst angegebenen Richtlinien. Sie darf nicht entwickelt werden aus einer Privatoffenbarung. Es ist überdies keiner katholischen Gemeinschaft erlaubt, die Gottesmutter anzurufen unter einem neuen Titel –  oder unter dem Namen “Frau aller Völker, die einst Maria war”.

Der Brief der Glaubenskongregation vom 20. Mai 2005  ist unmissverständlich: Der Gebetszusatz zur Frau aller Völker, “die einst Maria war” ist nicht gestattet.

Das Schreiben ordnet mit keinem Wort an, den unerlaubten Text zu ersetzen durch den Spruch “die heilige/selige Jungfrau Maria”. Genau das aber suggeriert ein Rundschreiben der Kapelle der FaV im Dezember 2006.

Der niederländische Bischof Punt, Initiator der FaV-Verehrung, hatte seine Mühe mit dieser vatikanischen Anordnung.

Der von ihm für den FaV-Kult angestellte Coordinator der Begleitungskommisssion, Raffael Soffner, verfasste am 9. August 2005 das Schreiben “Die Position des Bischofs von Haarlem”, in dem der Oberhirte u.a. erklärt, dass er sich an die Kongregation gewandt und die Verantwortlichen aufgerufen hat, die ‘pastorale Sorge’ der Kongregation bis auf weiteres zu respektieren und die verbotene Phrase wegzulassen oder “still” zu beten. Das Verbot wird umflort mit dem freundlich klingenden Wort ‘pastorale Sorge’.

In all dem sieht Bischof Punt eine neue Chance, nämlich das ‘Beginnen eines tieferen Dialoges’. Sein  Vorschlag, in einer  Schweigepause die verbotene Phrase dennoch, aber “still” zu beten, kommt einem Boykot gleich. Einige Fans zogen Nutzen aus der peniblen Situation und meinen, es bringe himmlische Gnaden, „einem Bischof Gehorsam zu leisten“.

Im November 2005 begab Bischof Punt sich nach Rom, um Bischof Angelo Amato’s Eingreifen in seine FaV Verehrung mit dem Papst zu besprechen. Über den Inhalt der Audienz schwieg er sich aus. Der Vorsitzende der Stiftung FaV, Arnold Leeman, rief den Anhang der FaV auf, Ruhe zu bewahren. Angesichts der verwirrenden Situation wurde im darauf folgenden Jahr 2006 auf einen Gebetstag verzichtet.

Im Dezember 2006 publizierte die Kapelle der Frau aller Völker einen Rundbrief an die ‘Aktionsführer und Freunde der FaV’, in dem der aktuelle Status der Verehrung der FaV ‘geklärt’ wird. Kurzgefasst:

“Im Juli 2005 kam die Glaubenskongregation mit dem Anliegen in dem Gebet der FaV die Worte “die einst Maria war” weg zu lassen, um denen entgegen zu kommen, die die Bedeuting dieser Worte nicht begreifen. Inzwischen hat die CDF Bischof Punt die Veränderung des Gebetes angegeben. Um deutlich zu machen dass der Titel ‘Frau aller Völker’ sich auf die Muttergottes bezieht, wünscht die CDF, dass im Gebet der FaV die Worte “die heilige Jungfrau Maria” eingefügt werden. Darum lautet das Ende des Gebetes:

Möge die Frau aller Völker,
die heilige Jungfrau Maria,
unsere Fürsprecherin sein.

Die Aktionsführer werden aufgerufen, das neue mächtige Gebet in dieser Form weltweit zu verbreiten, jetzt selbst mit der ausdrücklichen Zustimmung der Glaubenskongregation und in Einheit mit dem Papst Benedict XVI.“

Die Erklärung ist unterzeichnet vom Vorsitzenden Drs. A. W. Leeman namens der Stiftung Frau aller Völker, und von Rector Pater Gabriel Heinzelmann namens der Priester und Schwestern der Kapelle der FaV.

Die Autoren verlegen den Brief der Glaubenskongregation vom 20. Mai 2005 in den Juli 2005. Offensichtlich wurden sie auf dem Gebetstag der FaV in Heroldsbach vom Juli 2005, an dem Bischof Punt teilnahm, von diesem Schreiben in Kenntnis gesetzt. Der vatikanische Brief wurde erst allgemein bekannt, nachdem Laien Wind davon bekamen und an die Öffentlichkeit traten.

Man fragt sich, was in Heroldsbach bekannt gegeben wurde: der ungeschmälerte Brief oder eine günstige Variante? Dem Kapellen-Rundbrief zufolge ist die vatikanische Korrektur ein Grund zur Freude, weil die ‘FaV die einst Maria war’, nun gleichsam ‘erhoben’ ist zur ‘heiligen Jungfrau Maria’.

Der Rundbrief ist insofern ein Musterbeispiel von Verdrehung, Auslassung und irreführender Auslegung. Er erklärt, die Glaubenskongregation habe lediglich die Floskel ‘die einst Maria war’ gelöscht, um denen entgegen zu kommen, die den Sinn der Worte nicht begreifen. ‘Nicht begreifen’ steht aber mit keinem Wort im vatikanischen Schreiben. Dort steht vielmehr, dass die Kirche keiner katholischen Glaubensgemeinschaft erlaubt, die Gottesmutter zu verehren unter dem Titel der „Frau aller Völker“ samt der Zufügung ‘die einst Maria war’.

Das Rundschreiben ist von Selbstüberschätzung geprägt: sie, die Freunde der FaV, begreifen die Worte ‘die einst Maria war’, die anderen sind zu beschränkt, um das zu verstehen. Die Kritiker aber haben begriffen, dass die FaV eine dubiöse Figur  ist.

Der Vatikan hatte schon lange ein Argusauge auf die FaV-Erscheinungen gerichtet. Das Eingreifen begann bereits im Jahr 2000 im Anschluss an den interkonfessional ausgerichteten  Internationalen Gebetstag in den RAI-Hallen zu Amsterdam.

Es gab dort ein den ganzen Hintergrund bedeckendes Spanntuch mit der Abbildung des Petersplatzes,  dem vatikanischem Panorama und einer  Grossdarstellung von Papst Joh. Paul II in segnender Haltung, was insgesamt den Eindruck erweckte, als ob der Papst das Volk im Saal segnet.

BILD: Papst Benedikt hat sich als Präfekt der Glaubenskongregation gegen die FaV-Verehrung gestellt

Dank dieser subtilen Manipulation schien der Gebetstag eine mit dem  Vatikan verbundene Angelegenheit zu sein. Hinzu kam eine Ärgernis erregende, von islamischer Seite eingebrachte Präsentation einer DVD mit dem Titel ‘Die Frau aller  Völker im Koran’, in der z.B. wiederholt die noch zu bauende Kirche der FaV als Replik der Hagia Sophia von Istanbul eingeblendet wurde.

Schon am darauf folgenden Sonntag teilte ein Priester des Bistums Haarlem nach der Sonntagsmesse den Gläubigen im Pfarrgarten mit, dass Rom die Internationalen Gebetstage der FaV beendet hat.

Die Verantwortlichen der FaV hielten sich daraufhin zwei Jahre lang geduckt mit unscheinbaren nationalen Gebetstagen in einer grauen Halle in Amsterdam, um im Jahr 2003 wieder hervorzubrechen mit einer Internationalen Manifestation grossen Stils – und nun mit der am 31. Mai 2002  von Bischof Punt übernatürlich erklärten FaV.

Es folgten zwei Internationale Gebetstage in den Rai-Hallen, danach ein paar bescheidene nationale  Zusammenkünfte in weniger illustren Lokationen in Amsterdam.

Auf der Website des Bistums Haarlem (zuständig für Amsterdam) ist kein einziger Hinweis zu finden über die Verehrung der FaV und die von Bischof Punt approbierte (genehmigte) Erscheinung von Amsterdam. Die Bischöfe Hollands haben noch nie teilgenommen an den Gebetstagen zu Ehren der FaV; sie haben stattdessen am 13. Mai 2017  (Gedenktag 100 Jahre Fatima) in einem gemeinsamen festlichen Akt ihre Bistümer dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht.

Ergänzender HINWEIS vom 5.9. zum Wortlaut des erwähnten vatikanischen Schreibens: https://charismatismus.wordpress.com/2017/09/05/dokument-die-glaubenskongregation-zur-frau-aller-voelker-die-einst-maria-war/

  1. Foto – Quelle: http://www.de-vrouwe.info/

 


„Ehe light“ durch kirchliche Segensfeiern?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Am 18. August 2017 gab der designierte Mainzer Bischof Peter Kohlgraf der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Interview.

Die Frage der FAZ lautete: „Der Passauer Bischof Stefan Oster hat sich dafür ausgesprochen, viele kirchliche Hochzeiten durch Segensfeiern zu ersetzen. Ihm ist aufgefallen, dass viele Brautpaare nicht ins kirchliche Leben eingebunden sind und gar nicht wissen, was eine sakramentale Trauung bedeute. Wie wollen Sie es im Bistum Mainz handhaben?“ 

FOTO: Prof.Gindert leitet das „Forum Deutscher Katholiken“ und den Kongreß „Freude am Glauben“

Seine Antwort darauf: „Eine Segensfeier finde ich einen guten Ansatz, das kann ich mir vorstellen. Ohne dass man natürlich die Sakramentalität der Ehe aufgeben wird. Aber da gibt es noch etwas zu bedenken. Es ist Fakt, dass die große Mehrheit der Paare zusammenlebt, bevor sie sich für eine Hochzeit entscheiden. Nach der strengen katholischen Lehre ist der sexuelle Verkehr zweier Menschen, die nicht verheiratet sind, Sünde.

Wenn ein Priester Paare künftig nur segnet, diese später aber weiter zusammenleben, dann dürften diese Paare nach der traditionellen katholischen Lehre nachts nur philosophische Gespräche führen. Da merkt man, dass wir als Kirche an unserem Sündenverständnis arbeiten müssen und die traditionelle Moraltheologie nicht der Wirklichkeit entspricht.“

Dieses Interview ist aufschlussreich.

Weil viele Brautpaare nicht mehr wissen, was eine sakramentale Trauung bedeutet, will Bischof Oster (siehe Foto) Segensfeiern einführen. Das mag „pastoral“ gemeint sein. Wenn aber Bischof Oster den Grund in der Unwissenheit sieht, warum viele nur mehr zusammenleben, aber nicht mehr heiraten, wäre es dann nicht richtig, bei der Ursache anzusetzen, nämlich in einer Katechese und in einem Religionsunterricht, die den Wert der sakramentalen Ehe deutlich machen?

Die Hoffnung von Bischof Oster, die „Gesegneten“ würden dann später kirchlich heiraten, ist recht unsicher. Die „Gesegneten“ können auch zur Überzeugung kommen, dass sie jetzt zu einer schönen kirchlichen Feier mit Freunden und Verwandten kommen, gewissermaßen zu einer „Ehe light“.

Eine solche Segensfeier verpflichtet zu nichts. Die Partner können ihr bisheriges Leben inkl. Sex beibehalten. Es ist eine unverbindliche Feier, bei der sich die beiden Partner einer „endgültigen und ganzen gegenseitigen Hingabe“ (vgl. KKK 7391) entziehen können.

Im Übrigen müsste der ehemalige Dogmatik-Professor Oster wissen, dass er Partner segnet, die nach der Lehre der Kirche objektiv in Sünde leben. Er müsste weiter das Wesen einer Sünde kennen. Sie ist nicht nur Unwissenheit, sondern auch Ablehnung Gottes und Widerspruch gegen ihn (vgl. KKK 386) und gegen seine Kirche.

Der zukünftige Mainzer Bischof Kohlgraf fand den Vorschlag von Oster einen „guten Ansatz“. Natürlich will er die „Sakramentalität der Ehe“ nicht aufgeben. Sie wird nur so hoch gehängt, dass man bequem darunter durchgehen kann.

Peter Kohlgraf geht aber einen Schritt weiter als Bischof Oster. Er greift das Sündenverständnis der „strengen katholischen Lehre“ und ihre „traditionelle Moraltheologie“, die „nicht der Wirklichkeit entspricht“ an. Die Kirche müsse an ihrem „Sündenverständnis“ arbeiten, das heißt wohl, es der Wirklichkeit des Mainstreams anzupassen.

Der Apostel Paulus schreibt zu einer solchen bischöflichen Haltung seinem Schüler Timotheus die bekannten Sätze: „Ich beschwöre dich vor Gott und vor Christus Jesus… verkünde das Wort, tritt auf, sei es gelegen oder ungelegen… es wird eine Zeit kommen, da man die gesunde Lehre nicht ertragen kann und sich seine Lehrer nach eigener Willkür zusammenlesen wird…“.

Wenn Bischöfe die Lehre der Kirche nicht mehr kennen oder sich nicht mehr in der Öffentlichkeit damit identifizieren, ist die Herde allein gelassen und eine Erneuerung im Glauben nicht mehr zu erwarten. Das ist mehr als eine Kapitulation vor der „Wirklichkeit“. Es ist die Zerstörung aus dem Inneren.

Wohin sollen sich aber die Gläubigen dann noch wenden? Nach Rom? So hatten wir bisher gemeint. Ob von dort Hilfe zu erwarten ist, das ist nicht sicher.

Papst Franziskus sagt in einer Rede über den synodalen Zustand der Kirche (La condición sinodal de la Iglesia) u.a.:

„Die römischen Dikasterien stehen im Dienst des Papstes und der Bischöfe: Sie haben die Teilkirchen und Bischofskonferenzen zu unterstützen. Sie sind Hilfsinstanzen. Aber in einigen Fällen, wenn sie nicht gut verstanden werden, laufen sie Gefahr, sich in Organe der Zensur zu verwandeln. Es bedrückt, die Denunzierungen („denuncias“) wegen Fehlens von Rechtgläubigkeit zu sehen, die nach Rom kommen. Ich denke, dass es die lokalen Bischofskonferenzen sind, die diese Fälle studieren sollen“. (L’OSSERVATORE ROMANO, spanische Ausgabe, Nr. 30, 28. Juli 2017, S. 9)

Will der Bischof von Rom, „dessen fundamentale Aufgabe es ist, die Einheit der Kirche zu garantieren“ (Papst Franziskus), diese Aufgabe auch wahrnehmen?

Zur ERGÄNZUNG dazu unser Artikel: Kirchliche Verlobung statt „Segensfeier“: https://charismatismus.wordpress.com/2017/03/17/bischof-oster-statt-segensfeier-fuer-verliebte-eine-kirchliche-verlobung-vorschlagen/


Vatikanexperte Nersinger über die Causa Müller und die päpstliche „Spontanität“

Die „Badische Zeitung“ (BZ) veröffentlichte am heutigen Samstag (5.8.) ein Interview mit Ulrich Nersinger, einem katholischen Buch-Autor, Theologen und Vatikanexperten.

Unter dem Titel „Seine Spontanität ist mitunter kontraproduktiv“ äußert sich der 60-jährige Publizist auch zu der  –  im Ablauf sehr ungewöhnlichen  –  Entlassung von Kardinal Müller als Präfekt der Glaubenskongregation.

Auf die Frage von BZ-Redakteur Sebastian Kaiser, ob es sich hierbei um den Höhepunkt eines vatikanischen Machtkampfs handelt, sagt Nersinger, „natürlich“ habe es zwischen Papst und Müller Meinungsverschiedenheiten gegeben, aber durchaus auch Gemeinsamkeiten (z.B. eine „positive Sicht auf die Befreiungstheologie“).

Ob die inhaltlichen Differenzen ausreichen, um das Ende von Müllers Amtszeit zu erklären, sei aber fraglich: „Man darf die Konflikte und Intrigen im Vatikan, die auf den Papst einwirken, nicht unterschätzen.“

Nersinger fügt  – auch im Hinblick auf andere Entlassungen – hinzu: „Grundsätzlich sind die Personalentscheidungen des Papstes von sehr harten Schnitten gekennzeichnet – obwohl er doch eigentlich für Barmherzigkeit steht.“  –  Der Theologe erinnert sodann an die „Spontanität“ von Franziskus, die zu seinen „charakteristischen Wesenszügen“ zähle.

Zugleich sei sowohl in der Öffentlichkeit wie innerhalb der Kirche die „Betrachtung“ dieses Pontifikats in eine „neue Phase“ getreten und offenbar kritischer geworden: Man fragt sich, was dieser Papst möchte und was er überhaupt durchsetzen kann. Nicht alles ist offenbar so einfach, wie es sich Franziskus ursprünglich gedacht hat.“

Am gestrigen Freitag (4.8.) erschien in der linksgerichteten „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) ein gegen Kardinal Müller gerichteter Online-Artikel mit den in diesen Kreisen üblichen Seitenhieben gegen den Ex-Glaubenspräfekten und früheren Oberhirten von Regensburg.

Wenig erstaunlich, daß sich die von der SZ zitierte Initiative „Wir sind Kirche“  –   für ihre „progressiven“ Ansichten seit langem bekannt   –  intensiv über Kardinal Müller beschwert.

Interessant freilich auch, was die SZ im nächsten Absatz einräumt:

„Wer die Geistlichen im Bistum fragt, hört dagegen nur Nettes über Müller. „Ich habe den Eindruck, dass sich alle freuen“ auf seinen Besuch, sagt Walter Karger, Diakon in Donaustauf. Für Karger war Müller immer „wie ein Bischof von nebenan, mit dem man gern am Tisch sitzt“.

Fotos: Radio Vatikan, Bistum Regensburg


Kardinal Müller beklagt: Der gelebte Glaube ist in Europa zusammengebrochen

Kardinal Gerhard Müller (siehe Foto) hat ein dramatisches Bild des Christentums und der katholischen Kirche in Europa gezeichnet: „Alle Elemente des gelebten Glaubens, der Volksfrömmigkeit, sind zusammengebrochen“, sagte der ehem. Präfekt der Glaubenskongregation in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung „Il Foglio“ vom 21. Juli 2017.

Ganz Europa befinde sich in einem „Prozess forcierter Entchristlichung, der über die einfache Säkularisierung weit hinausgeht“. In der katholischen Kirche sei die Beteiligung am kirchlichen Leben, die Weitergabe des Glaubens und der Nachwuchs an Priestern und Ordensleuten stark zurückgegangen.

Der 69-jährige Kardinal warnte die Kirche davor, ihre Kräfte in inneren Kämpfen zu vergeuden. Nach seinen Worten suchen „sogenannte Progressive“ den Sieg, indem sie die „sogenannten Konservativen jagen“.

Quelle: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/alle-elemente-des-gelebten-glaubens-sind-zusammengebrochen-101881.html 

 


Kardinal Müller: JA zur Papst-Loyalität, aber auch zur freien Diskussion in der Kirche

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„Katholisch.de“ ist das amtliche Web-Portal der Deutschen Bischofskonferenz. Unter dem Titel „Kardinal Müller wirbt für einen Dialog mit Konservativen“ schreibt die Seite am 21. Juli 2017 über jüngste Äußerungen des ehem. Glaubenspräfekten zum Thema Dubia-Kardinäle, Papst und Sachkritik auch innerhalb der Kirche.
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Er regte eine bessere Dialogkultur vor allem mit konservativen Würdenträgern an. So kritisierte Kardinal Müller vor allem einen unfairen Umgang mit den vier Kardinälen, die dem Pontifex ihre „Dubia“ (Zweifel) hinsichtlich einiger Punkte im päpstlichen Schreiben „Amoris laetitia“ vorgetragen haben und um Antwort baten, aber keine erhielten. (Es geht hierbei vor allem um das strittige Thema eines Sakramentenempfangs für wiederverheiratet geschiedene Katholiken.)
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Der Ex-Präfekt regte ein Treffen mit den drei Dubia-Kardinälen Brandmüller, Burke und Caffara an (der vierte im Bunde, Kardinal Meisner, ist verstorben). Müller beklagte zudem, er habe „bis heute nur Schmähungen und Beleidigungen gegen diese Kardinäle gehört“. Dies sei „weder die Art noch der Ton, um weiterzukommen“.
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Kardinal Müller stellte zudem klar, daß es für Kardinäle „unmöglich“ sei, gegen den Papst zu sein“. Seine Loyalität gegenüber Franziskus sei aber nie „bloße Lobhudelei“ gewesen. Die Kirche könne „nicht nur aus Applaus bestehen“.
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Überdies hätten auch Bischöfe ein gleichsam „göttliches Recht, frei zu diskutieren“, denn auch das päpstliche Lehramt benötige kompetente theologische Beratung. Der Kardinal fügte hinzu: „Das Lehramt hat nicht die Autorität, Christus zu korrigieren, sondern wenn: schon umgekehrt.“
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Quelle für die Zitate: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/kardinal-muller-wirbt-fur-dialog-mit-konservativen
Ergänzend: http://www.katholisches.info/2017/07/kardinal-mueller-nein-die-kirche-kann-nicht-nur-applaus-sein/

Foto: Bistum Regensburg

 


Vatikan: Ist der Papst verärgert über konservative Katholiken in den USA?

Von Dr. David Berger

In der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“erschien vor einigen Tagen ein umgebremster Wutausbruch gegen Katholiken in den USA: Sie würden sich in einer „Ökumene des Hasses“ mit den Protestanten zusammentun und Fremdenfeindlichkeit und „Islamophobie“ propagieren.

Sie stünden Donald Trump nahe und versuchten, Einfluss auf die Politik auszuüben. Damit verhielten sie sich ungehorsam dem Papst gegenüber.

Der Artikel fasst auf populäre Weise einen mehr akademischen Beitrag zusammen, der sich in der jüngsten Ausgabe der italienischen Jesuiten-Zeitschrift „La Civilta cattolica“ findet – vermutlich auch eine Auftragsarbeit, die aus dem Vatikan kommt.

Der konkrete Anlass für diese Kampagne des Vatikan gegen Christen in den USA dürfte ein besorgter Brief zahlreicher prominenter US-Katholiken an Donald Trump vom Januar dieses Jahres sein

Darin erheben sie schwere Vorwürfe gegen Obamas und Clintons Einmischung in innerkatholische Angelegenheiten: mit Rückendeckung durch George Soros sollen sie einen Putsch im Vatikan initiiert haben, um den konservativen Papst Benedikt zu stürzen und ihn durch den ultralinken Papst Franziskus zu ersetzen. Die Gruppe um Obama, Soros und Clinton nannte ihr Projekt „Katholischer Frühling“ (catholic spring).

Unter diesem Stichwort sollen Soros, Obama und Clinton die ihnen zur Verfügung stehende diplomatische Maschinerie der Vereinigten Staaten, ihre Einflüsse und die Finanzmacht Soros benutzt haben, um den „Regimewechsel“ in der römisch-katholischen Kirche herbeizuführen.

Für die konservativen Katholiken in den USA, die durch Papst Benendikt XVI. einen ungeheuren Aufschwung erlebten, bedeutete der Machtwechsel im Vatikan einen schweren Schlag.

Die Verfasser des Briefes sprechen von einer gewollten Revolution innerhalb der Kirche, die deren Kernbestände zum Absterben bringen sollte. Schon im Sommer letzten Jahres berichteten katholische Newsagenturen der USA von den Aktivitäten der drei Mächtigen.

Sie erwähnen eine Einflussnahme der amerikanischen Sicherheitsdienste beim Konklave an sowie den Umstand, dass internationale Finanztransaktionen aus den USA mit dem Vatikan in den letzten Tagen vor dem Rücktritt von Papst Benedikt suspendiert und dann kurz nach der Wahl von Franziskus wieder aufgenommen wurden.

Den vollständigen Artikel von Dr. Berger lesen Sie hier: https://philosophia-perennis.com/2017/07/15/zornausbruch-im-vatikan-us-katholiken-deckten-die-verwicklung-des-papstes-in-das-soros-netzwerk-auf/