Glaubenspräfekt Müller: Modernisten in der katholischen Kirche betreiben Spaltung

Mathias von Gersdorff

In einem Gespräch mit der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ vom heutigen 13. Oktober 2015 bestätigt Kardinal Gerhard Müller (siehe Foto), dass progressistische Kreise auf der vatikanischen Familiensynode spalterisch wirken. AL-0004

Es gäbe Personen, die offenbar meinen, der Papst sei von Wölfen umzingelt. Damit bezog sich der Chef der römischen Glaubenskongregation auf den linken italienischen Vatikanisten Marco Politi, ohne ihn ausdrücklich zu nennen. Er ist Autor des Buches „Franziskus unter Wölfen“. In Deutschland trägt das Buch den Untertitel „Der Papst und seine Feinde“.

Aus Sicht von Politi ist der vatikanische Glaubenshüter einer der wichtigsten „Wölfe“ um den Papst. Auf einer Buchpräsentation in Frankfurt erwähnte der Autor ihn ausdrücklich. Ein weiterer prominenter „Papstgegner“ laut Politi ist der US-amerikanische Kardinal Raymond Burke. Kurienkardinal Müller kritisierte den Begriff „Wölfe“ als „aggressiv“.

Kardinal Müller beanstandet ein „neues Vatileaks“

Im Gespräch mit dem „Corriere“ äußert sich der Präfekt der Glaubenskongregation auch zum Brief etlicher Kardinäle an den Papst, in dem kritisch auf die Arbeitsweise der laufenden Synode hingewiesen wird. Speziell wird bemängelt, dass Manipulationen und ein einseitiger Schlussbericht möglich seien.

Kardinal Müller ist der Ansicht, dass dieser private Brief an den Papst, der nicht zur Veröffentlichung vorgesehen war, von Personen an die Medien übermittelt wurde, die Spaltungen provozieren wollen. Er könne sich nicht erklären, wie das Schreiben aus dem Sekretariat des Papstes an die Öffentlichkeit gelangte. Es handle sich um ein neues „Vatileaks“, kritisierte Müller.

Zum immer wieder genannten Kontrast zwischen Barmherzigkeit und Doktrin erklärte der Kardinal: „Die Orthodoxie muss in der Pastoral realisiert werden. Es gibt keine Pastoral ohne Doktrin: Diese ist die Lehre Christi, keine akademische Doktrin von Theologen.“

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ in Frankfurt; zudem veröffentlicht er aktuelle kirchenpolitische Kommentare auf seiner Webseite: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/

Foto: Bistum Regensburg


Kardinal Meisners Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ wirft eine Menge Fragen auf

Der Kölner Erzbischof plauderte am Tag der päpstlichen Rücktrittsankündigung aus seinem Nähkästchen

Am 11. Februar 2013 veröffentlichte die linksorientierte „Frankfurter Rundschau“ (FR-online) ein Exklusiv-Interview ihres Chef-Korrespondenten Joachim Frank mit Kardinal Joachim Meisner unter dem Titel:  „Wie soll das gehen?  Ein Papst im Ruhestand!“

Das Gespräch fand offenbar kurz nach der Rücktritts-Entscheidung von Papst Benedikt statt und wurde noch an jenem Montag online veröffentlicht. Der Kölner Erzbischof gab sich „regelrecht schockiert“ von der Nachricht, die er erst für einen Rosenmontagsscherz gehalten habe.

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Daraufhin fragt FR-Reporter Frank   – vermutlich etwas überrascht  –  zurück: „Schockiert?“  –  Diese Nachfrage scheint durchaus berechtigt; immerhin hatte Papst Benedikt bereits im Jahr 2010 im Seewald-Buch angedeutet, daß er bei stark geschwächter Gesundheit zurücktreten wolle; unklar war insofern lediglich der Zeitpunkt.

(Im Interview-Buch „Licht der Welt“ mit dem Journalisten Peter Seewald erläuterte der Pontifex: „Wenn ein Papst zur klaren Erkenntnis kommt, dass er physisch, psychisch und geistig den Auftrag seines Amtes nicht mehr bewältigen kann, dann hat er ein Recht und unter Umständen auch eine Pflicht, zurückzutreten.“)

Hierzu nun die Antwort des Kardinals:

„Solch ein Schritt lag außerhalb meiner Vorstellungen. Früher traten nicht einmal Priester und Bischöfe zurück. Das hat einen durchaus tiefen Sinn: Das geistliche Amt ist ja eine Art Vaterschaft. Und Vater bleibt man doch Zeit seines Lebens. Als dann die Altersgrenze für Bischöfe und Priester eingeführt wurde, habe ich lange Zeit gedacht: Ein Glück, dass wenigstens der Papst auf Lebenszeit amtiert. Dann ist die Kontinuität dieser Vaterschaft gesichert.“

Angesichts dieser Auskunft wüßte man gerne, warum vor einigen Jahren mehrere Pfarrer in der Stadt Köln von  Erzbischof Meisner bzw. seinem Personalschef in den Ruhestand gedrängt werden sollten, obwohl sie die kirchenrechtlich vorgegebene Altersgrenze von 75 Jahren noch gar nicht erreicht hatten. Bestand etwa kein Interesse daran, die hier im Interview so hervorgehobene „Kontinuität dieser Vaterschaft“ bei den betreffenden Pastoren zu wahren bzw. wenigstens gemäß dem Kirchenrecht (CIC) noch ein paar Jahre bis zur vorgesehenen Ruhestandsgrenze abzuwarten?

Zweimal erwähnt der Kölner Erzbischof im oben zitierten Abschnitt Priester und Bischöfe“, die „früher“ nicht zurückgetreten seien bzw. benennt die Altersgrenze für „Bischöfe und Priester

Dazu ist aber festzuhalten, daß das Priestertum durchaus nicht zeitlich begrenzt werden kann (sehr im Unterschied zum Amt des Papstes!), denn die Priesterweihe verleiht dem Geistlichen ein unauslöschliches sakramentales Merkmal.  foto 31.5.2010a - Kopie

Daher kann ein Priester als „Priester“ nicht zurücktreten, sondern nur als „Pfarrer“: sein Pfarramt kennt eine Altersgrenze, aber nicht sein Priestersein. Der Kardinal hat sich daher seltsam unpräzise ausgedrückt.

Danach äußert Meisner allerdings doch noch Verständnis für die päpstliche Entscheidung:

„Allerdings merke ich es an mir selbst, wie ich mit den Jahren doch mehr und mehr in den Seilen hänge. Und insofern ist es schon sinnvoll, dass man auch zurücktreten kann. Nicht weil man nichts mehr tun will. Aber man ist befreit vom „du musst“ und darf stattdessen sagen: „ich kann.“ (…) Man muss ein paar Jahrhunderte zurückblicken, um einen vergleichbar dramatischen Schritt zu entdecken – auch das mag belegen, wie sehr die Kirche dem hektischen Taktschlag des Internet-Zeitalters eine Art Zeitlosigkeit entgegensetzt.

Besteht denn die „Zeitlosigkeit“ der Kirche wirklich darin, daß der Papst auch in einem äußerst geschwächten Zustand sein Amt unbedingt weiter ausführt?

Besteht die Zeitlosigkeit der Kirche nicht vielmehr in ihren zeitlosen göttlichen Geboten, in den Sakramenten des Ewigen und in den unveränderlichen Dogmen des Glaubens?

Sodann stellt der Reporter dem Kardinal die heiße Frage: „Wusste der Papst eigentlich von der Revision Ihrer Position zur „Pille danach“, die Sie nach einer Vergewaltigung nun für ethisch vertretbar erklärt haben?“   Embryo (2)

Hierauf folgt diese Antwort:

„Meine Erklärung war mit der Glaubenskongregation und der Päpstlichen Akademie für das Leben abgestimmt. Ich habe auch mit dem Sekretär des Papstes, Erzbischof Gänswein, darüber gesprochen. Er hat mir gesagt: „Der Papst weiß Bescheid. Es ist alles in Ordnung.“

Wir haben bereits darüber berichtet, daß diese Behauptung durch Meisners eigene Pressestelle dementiert bzw. korrigiert werden mußte: Papst Benedikt kannte vorher weder Meisners Pillen-Erklärung noch hat er sie gebilligt.

Sodann fragt die „Frankfurter Rundschau“: „Sie haben 2005 sehr für die Wahl Joseph Ratzingers geworben. Hat er Ihre Erwartungen erfüllt?“

Der Kardinal erklärt merkwürdigerweise: „Was mich überrascht hat, war seine Fähigkeit, in das neue Amt hineinzuwachsen. Schüchtern wie er von Natur aus ist.“

Der Priester Joseph Ratzinger war in den 60er Jahren einer der jüngsten Theologie-Professoren Deutschlands, er lehrte zB. in Münster, Tübingen und Regensburg und faszinierte seine Studenten, die auch aus anderen  –  etwa naturwissenschaftlichen  –  Fächern in großer Zahl zu ihm in die Vorlesungen strömten. Schüchternheit?  – Wohl kaum, eher bewußte Bescheidenheit und Zurückhaltung.

Sodann erzählt Meisner aus dem Nähkästchen:

„Ich habe bei seiner ersten großen Reise hierher nach Köln zum Weltjugendtag auf dem Schiff immer wieder zu ihm gesagt: „Heiliger Vater, Sie müssen jetzt den Jugendlichen zuwinken! Und zwar nicht nur nach rechts, sondern auch nach links, zu allen Seiten!“   – Bis er mal geantwortet hat: „Dauernd kritisierst du an mir herum!“ – „Ja“, habe ich gesagt, „bis du es gelernt hast, Papst zu sein“. Solche lockeren Töne verträgt der Papst. Er ist wirklich ganz natürlich geblieben.“

Daß der Papst solche Sprüche privat verträgt, spricht sicher für ihn und seinen Humor.  Aber ob es wohl „verträglich“ ist, der Öffentlichkeit – noch dazu ausgerechnet am Tag der verkündeten Rücktritts-Entscheidung des Papstes  –   solche Storys zu servieren?  – Dies dürfte fraglich sein, zumal der Eindruck entsteht, als habe der Kardinal dem Papst damals gleichsam „auf die Sprünge geholfen“.

In dem Interview geht es danach um die sich ergänzenden Eigenschaften des Vorgänger-Papstes (Joh. Paul II.) und des damaligen Glaubenspräfekten Joseph Ratzinger.   –  Hierzu fragt der FR-Reporter: „Hat Benedikt XVI. im Vatikan das Pendant gefehlt, das er selbst für seinen Vorgänger war?“

Kardinal Meisner Antwort in bezug auf Kardinal Tarcisio Bertone erscheint wiederum äußerst seltsam:

„Der Kardinalstaatssekretär hatte diese Rolle sicher nicht. In der Williamson-Affäre bin ich sogar einmal im Auftrag einer ganzen Reihe von Kardinälen zum Papst gegangen und habe gesagt: „Heiliger Vater, Sie müssen Kardinal Bertone entlassen! Er ist der Verantwortliche  –  ähnlich wie der zuständige Minister in einer weltlichen Regierung.“  –  Da hat er mich angesehen und gesagt: „Hör mir gut zu! Bertone bleibt! Basta! Basta! Basta!“  – Danach habe ich das Thema nie wieder angesprochen.“

Erstens ist es unangemessen, zumal für einen Erzbischof, derlei interne Vorgänge an die Öffentlichkeit zu zerren.  Zweitens ist es völlig untypisch für den zurückhaltenden, von Meisner doch sogar als „schüchtern“ bezeichneten Papst Benedikt, dreimal hintereinander „Basta!“ zu sagen, als würde er gleichsam verbal auf den Putz hauen.

Drittens ist diese Interview-Attacke gegen Bertone zum jetzigen Zeitpunkt aus mehreren Gründen besonders fehl am Platze, nicht zuletzt auch deshalb, weil der Papst-Vertraute Bertone die hauptsächliche Zielscheibe der „Vatileaks“-Intriganten war, die den Kardinalstaatssekretär (nach dem Papst der zweite Mann in der kath. Weltkirche) mit ihren hinterhältigen Machenschaften „erledigen“ und abservieren wollten. Offenbar war Bertone gewissen Seilschaften innerhalb des Vatikan ein Dorn im Auge.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Vatikan: Zweiter Prozeß zu „Vatileaks“ beginnt heute

Computertechniker Sciarpelletti wegen Diebstahl vor Gericht


Im Vatikan beginnt am heutigen Montag, den 5. November,  der zweite Prozeß in der Affäre Vatileaks:

Claudio Sciarpelletti, der Computertechniker im päpstlichen Staatssekretariat, muß sich vor einem vatikanischen Gericht wegen Beihilfe zum Diebstahl verantworten.

Der Italiener wird beschuldigt, dem päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele geholfen zu haben, vertrauliche Dokumente des Papstes zu entwenden. Ihm droht bis zu ein Jahr Haft.

Die vatikanische Gendarmerie hatte im Mai in Sciarpellettis Schreibtisch einen Briefumschlag mit der Aufschrift „P. Gabriele persönlich“ sichergestellt. Er enthielt Unterlagen und eine Schmähschrift gegen den Kommandanten der vatikanischen Gendarmerie, Domenico Giani, mit dem Titel „Napoleon im Vatikan“.

Gabriele war Anfang Oktober wegen schweren Diebstahls vom vatikanischen Gericht zu 18 Monaten Haft und zur Übernahme der Prozeßkosten von etwa 1000 Euro verurteilt worden. Der päpstliche Kammerdiener hatte in dem einwöchigen Prozess gestanden, vertrauliche Unterlagen des Papstes entwendet, kopiert und an einen italienischen Journalisten übergeben zu haben. Dieser veröffentlichte sie anschließend. Die Richter kamen zu dem Ergebnis, daß Gabriele als Einzeltäter gehandelt habe.

Als Zeugen im Prozeß gegen Sciarpelletti sind u.a. der Kommandant der vatikanischen Gendarmerie sowie der Major der Schweizergarde, William Kloter, geladen. Das vatikanische Gericht hatte dem Antrag der Verteidigung zugestimmt, Sciarpellettis Prozess vom Fall „Gabriele“ zu trennen. Die Ermittlungen hatten zuvor ergeben, daß die Unterlagen in dem am Arbeitsplatz Sciarpellettis gefundenen Briefumschlag nicht vertraulicher Natur gewesen seien.

Der Angestellte des vatikanischen Staatssekretariates hatte in ersten Vernehmungen widersprüchliche Aussagen über sein Verhältnis zu Gabriele gemacht. Zunächst sprach er von „Arbeitsbeziehungen“; später räumte er ein, auch privat in Kontakt mit Gabriele gestanden
zu haben.

Quelle (Text/Foto): Radio Vatikan


Erzbischof Gerhard L. Müller zum „Titanic“-Skandal: Angriff auf Persönlichkeitsschutz

„Menschenwürde gilt auch für katholische Würdenträger: vom Papst bis zu jedem Priester“

Der neue Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation sieht in der jüngsten Papstdarstellung des deutschen Satiremagazins „Titanic“ einen Angriff auf bürgerliche Rechte.

Hamburger Richter hatten entschieden, dass die Titelgestaltung des Blattes die Persönlichkeitsrechte des Papstes verletze. Deshalb darf das Magazin unter Androhung eines Zwangsgeldes von 250.000 Euro die Hefte nicht weiter verbreiten und die Bilder nicht im Internet veröffentlichen.

Erzbischof Gerhard Ludwig Müller (das Foto zeigt ihn mit dem Papst) erklärte dazu gegenüber dem ARD-Hörfunkstudio in Rom: 

„Von solchen Leuten lassen wir uns nicht verletzen, weil wir uns unserer Sache viel zu sicher sind. Es geht hier nicht um religiöse Gefühle, sondern um bürgerliche Rechte. Unser Grundgesetz beginnt  – nach den furchtbaren Erfahrungen, die wir vorher gemacht haben –  mit dem Satz: ,Die Würde des Menschen ist unantastbar.‘ Daran muss sich jeder halten, der demokratisch ist.“

Auch Würdenträger der katholischen Kirche  –  „vom Papst bis zu jedem Priester“  –  hätten Anspruch darauf, „dass sie in ihrer Würde geachtet werden“, so der Präfekt weiter.

Auf der Homepage der „Titanic“ ist die Darstellung inzwischen geschwärzt und mit einem „Verboten“-Schild unkenntlich gemacht.

Unter der Überschrift „Die undichte Stelle ist gefunden“ war der Papst in weißer Soutane mit einem großen gelben Fleck und auf der Rückseite mit einem braunen Fleck auf der Soutane abgebildet worden.

Nach dem so genannten „Vatileaks“-Skandal gefragt, auf den das Satire-Magazin mit der Darstellung anspielen wollte, sagte Erzbischof Müller:

„Solche Vorgänge wie hier gibt es überall. In jedem Wirtschaftsunternehmen, in jeder Regierung gibt es immer mal einzelne, die sich als Spione betätigen.“

Quelle: Radio Vatikan

Foto: Pressestelle Regensburg


„Vatileaks“: Der Zweck heiligt nicht die Mittel: das gilt auch für Konservative!

In der Debatte um die „Enthüllungen“ aus dem Vatikan werden mittlerweile auch in einigen konservativ-katholischen Kreisen Einzelheiten berichterstattet, die sich auf unrechtmäßig entwendete „Dokumente“  aus der Affäre „Vatileaks“ beziehen.

Manche dieser Informationen mögen für das konservative Lager durchaus interessant sein.

Aus meiner Sicht sollten jedoch alle Katholiken  – und erst recht die kirchentreuen!  –  jeder Versuchung widerstehen, „enthüllte“ Schriftstücke in irgendeiner Weise zu „verwenden“  – auch dann nicht, wenn sie gerade wunderbar ins eigene Konzept passen oder bislang gehegte Vorstellungen über bestimmte Personalien oder Vorgänge in der Kirche „belegen“.

Es gilt auch hier ein göttliches Gebot: „Du sollst nicht stehlen!“ 

Man darf von anderweitig gestohlenem Material auch keineswegs bewußt profitieren wollen oder damit „arbeiten“  – und sei es auch zu guten Zwecken.

Zudem finde ich es journalistisch unseriös, auf unrechtmäßig zustandegekommene und damit moralisch und rechtlich illegale Veröffentlichungen zurückzugreifen.

Dies gilt auch für die katholische Nachrichtenwebseite Kath.net, die  zweifellos als konservativ anzusehen ist, jedenfalls in moraltheologischer und kirchenpolitischer  Hinsicht.

Heute wurde dort um 11 Uhr ein Artikel veröffentlicht, der schon mit dem Titel ins Haus fällt:  „M… Kardinal rügt den Präsidenten von ….“ (Pünktchen von uns)

Sodann heißt es eingangs:  „Durch Vatileaks wurde ein Brief des Präsidenten an Papst Benedikt bekannt, in dem er die beiden früheren M…. Kardinäle als zu liberal kritisiert hatte.(Pünktchen von uns).

Es mag für unsere konservative Seite erfreulich sein, wenn zwei Kardinale von einem hochrangigen Würdenträger als „zu liberal“ bezeichnet werden  –  und somit die eigene Einschätzung bestätigt wird. 

Dies kann von der inhaltlichen Seite her alles seine Richtigkeit haben, nicht jedoch von der Form her, denn es wird aus gestohlenen Akten zitiert oder deren Informationen herangeholt.

Solches Hantieren mit „aufschlußreichen“ Dokumenten mag verständlich sein, doch ich meine, daß alle Konservativen jeder Versuchung widerstehen sollten, mit diesem geklauten Material journalistisch zu agieren und zu argumentieren  – das gilt auch dann, wenn gewisse Dokumente anderswo  „sowieso“ veröffentlicht wurden.  Es gibt keinen rechtmäßigen Grund, sich dem unrechtmäßigen Treiben anderer Medien anzuschließen, mag man auch von ganz anderen Absichten geleitet sein als diese.

Die klare Haltung einer auch methodisch-formalen Korrektheit wäre wohl der deutlichste und konsequenteste Widerstand gegen „Vatileaks“.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

PS: Auch seitens katholischer Amtsträger sollten „enthüllte“ Schriftstücke grundsätzlich nicht verwendet werden, erst recht nicht als Seitenhieb-Aktion gegen Sachkritik, sei diese nun berechtigt oder nicht.

Hierzu ein  – wie ich finde – zutreffender Artikel auf diesem empfehlenswerten katholischen Weblog:

http://sanktirenaeus.blogspot.de/2012/06/ein-kardinalfehler.html


Papst über „stürmische Zeiten“ in der Kirche: GOTT ist da!

„Gott ist auch in diesen stürmischen Zeiten anwesend“

Auch wenn das „Schiff Petri“ derzeit in unruhigen Gewässern fährt: Der HERR ist anwesend, er lebt, er hat die „Regierung der Welt in der Hand“.

Mit diesen Worten hat Papst Benedikt XVI. sich am Sonntag an Kardinäle, Bischöfe und einige Familien gewandt. Das Kirchenoberhaupt sprach frei eine kurze Tischrede beim Weltfamilientreffen in Mailand; der Text wurde jetzt vom Vatikan veröffentlicht.

Benedikt streifte dabei in indirekter Weise die Vatileaks-Affäre, die am Wochenende in den Medien mit neuen Enthüllungen aufwartete.

„Auch wenn man manchmal denkt, das Schiff Petri sei feindseligen Winden ausgeliefert  –  und das ist wahr  –  so sehen wir doch auch, wie präsent der HERR ist: ER lebt, ER ist wirklich auferstanden, ER hat die Regierung der Welt in der Hand und die Herzen der Menschen“, erklärte der Papst.


Volker Resing über den Vatikan: „Europa braucht diese unzeitgemäße Bastion“

Der Vatikan ist derzeit im Visier vieler Medien, manche fordern gar die Abschaffung des kleinsten Staates der Welt, obwohl es durchaus keine „Enthüllungsjournalisten“ waren, die „Vatileaks“ entlarvten, sondern Papstsekretär Dr. Georg Gänswein.

Im Interview mit dem Kölner Domradio verteidigt der Buchautor und KNA-Redakteur Volker Resing den Vatikan und erklärt:  Europa braucht diese unzeitgemäße Bastion.

Der Publizist fügt hinzu:

„Sicherlich muss der Vatikan sich auch immer verändern. Das ist auch notwendig, aber wer hofft oder glaubt, dass er nun untergeht, der irrt, glaube ich. Es wäre auch schade drum. Ich glaube, dass der Vatikan eine einmalige Institution ist und die Kirche froh sein kann, so eine Spitze zu haben.“

Auf Einwände von Kritikern, der Vatikan sei veraltet und unzeitgemäß, antwortet Resing:

„Ich glaube, dass der Vatikan nie eine Organisation oder eine Einrichtung sein kann, die so gut organisiert ist wie ein deutsches Ministerium oder ein deutsches Generalvikariat etwa in Köln. Eine gewisse Widerborstigkeit gegen das Zeitgemäße und das Effiziente ist, glaube ich, dieser Einrichtung eigen. Das hat auch nie so geschadet.“

Sein eigenes Motto  „Rettet ihn! Trotz allem! Der Vatikan ist heilig! Heute mehr denn je!“ erklärt der Schriftsteller wie folgt:

„Der Vatikan hat eine einmalige Geschichte  –  und wer einmal dort war, kann sich dieser Faszination nicht widersetzen. Das hat eine Internationalität. Man trifft dort die ganze Weltkirche und das schützt auch ein bisschen vor nationalen Engstirnigkeiten.

Das heißt natürlich nicht, dass die Probleme der Ortskirche keine wären, aber eine Weltkirche, die das an so einem kleinen Ort  bündelt,  ist einfach faszinierend.

Dann ist der Vatikan auch Mysterium und als solches für mich zumindest reizvoll. Diese Vorstellung, durch die Jahrtausende die Geschichte und die Tradition getragen zu haben auf dem Grab des heiligen Petrus, ist eine faszinierende Vorstellung.“

Quelle und vollständiges Interview hier: http://www.domradio.de/aktuell/82149/europa-braucht-diese-unzeitgemaesse-bastion.html


Papst kritisiert unseriöse Berichterstattung in Medien über „Vatileaks“

Papst Benedikt XVI. hat sich kritisch über Berichterstattung einiger Medien in puncto „Vatileaks“ geäußert, wobei es um die Veröffentlichung geheimer Vatikandokumente geht.
In seiner ersten Stellungnahme sagte der Papst am Mittwoch vor mehreren zehntausend Pilgern auf dem Petersplatz, es seien „unbegründete Vermutungen“ und „willkürliche Annahmen“ in die Welt gesetzt worden, die „über die Tatsachen hinaus gegangen“ seien und nicht zutreffen würden.
Das dadurch entstandene falsche Bild vom Vatikan und seinen Mitarbeitern habe „sein Herz mit Traurigkeit erfüllt“, erklärte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

„Ich möchte mein Vertrauen in meine Mitarbeiter erneuern und diejenigen, die am engsten mit mir arbeiten, ermutigen, ebenso wie jene, die mir jeden Tag loyal und voller Opferbereitschaft und Bescheidenheit helfen, mein Amt wahrzunehmen.“

Dem Kammerdiener des Papstes, Paolo G., wird der unerlaubte Besitz und die Verbreitung vertraulicher Dokumente vorgeworfen. Der Vatikan selbst hatte ihn entlarvt. Der 46-Jährige wurde festgenommen, ihm drohen bis zu 30 Jahre Haft.

Quelle: dts-Nachrichtenagentur


Causa „Vatileaks“: Der „Spiegel“ liefert wieder antikirchliche Seitenhiebe

Das linksgerichtete Wochenmagazin „Der Spiegel“ bietet heute (28.5.) in einem online-Artikel unter dem Titel „Papst-Butler als Whistleblower  – Chaostage im Vatikan“ wieder seine altbekannten antikatholischen Rundumschläge.

Der Bericht über die aktuellen Kammerdiener-Ereignisse im Vatikan beginnt  mit drei Worten: „Machtkämpfe, Korruption, Inkompetenz.

Nächster Satz: „Die Festnahme des Papst-Butlers Paolo G. rückt den Vatikan in ein schlechtes Licht.“

Einspruch: Warum das denn?

Hätte eine Nicht-Festnahme etwa ein besseres Licht geliefert?

Ist nicht der „Spiegel“ sonst  an vorderster Stelle, wenn es darum geht, mangelnde „Transparenz“ und „Vertuschungen“ anzuprangern?

Von Vertuschung jetzt also keine Spur; vielmehr wird der Kammerdiener kurzerhand festgenommen  – und dennoch findet das Hamburger Meckermagazin reichlich Grund zum Klagen.

Mit der „filmreifen Festnahme“ des Butlers sei die Sache keineswegs ausgestanden, so der „Spiegel“ (das wissen wir freilich auch ohne ihn und ohnehin).

Vielmehr sei dies „nur ein weiterer Akt in einem Drama, das ein Schlaglicht auf einen schmutzigen Skandal um Machtkämpfe, Intrigen und Korruption in den höchsten Ebenen der katholischen Kirche wirft.“

Rückfrage: Wenn ein päpstlicher Kammerdiener Geheimnisse verrät, warum belegt dies einen „schmutzigen Skandal“ in den „höchsten Ebenen“ der Kirche? Werden hier nicht Opfer und Täter verwechselt?

Warum wird dieses  entlarvte, mutmaßliche U-Boot hier der Kurie bzw der Führung des Vatikans insgesamt angelastet? Immerhin hat der Vatikan diese undichte Stelle aufgedeckt  – und nicht etwa der Enthüllungsjournalismus des „Spiegel“.

Was also ist der römischen Kirchenleitung wirklich anzulasten?

Bei gleicher „Logik“ müßte man auch Christus und der Apostelschar vorhalten, daß sie einen Verräter in ihren Reihen gehabt habe, wobei Christus den abtrünnigen Judas sogar bewußt duldete; er hatte ihn schon vor seinem Verrat durchschaut, wie der biblische Bericht über das Abendmahlsgeschehen aufzeigt  (zumal Christus seiner Gottheit nach allwissend ist).

Sodann bringt der „Spiegel“ die Amtsenthebung des Vatikanbank-Präsidenten Tedeschi ins Spiel, obwohl dieser Vorgang mit dem Vatileaks-Skandal nichts zu tun hat.

Auch in diesem Fall war es der Vatikan selbst, der die Inkompetenz des Vatikanbank-Chefs aufdeckte und diesen ablöste.

Müßte der „Spiegel“ sich  – wenn er fair wäre  –  nicht vielmehr lobend äußern, welche „Selbstreinigungskräfte“ die römische Kurie doch entfaltet und wie klar und entschieden sie durchgreift und Mißstände beseitigt?!

Felizitas Küble