Tagung über christliche Existenz unter Hammer und Sichel in Südosteuropa

Von Stefan P. Teppert

Zum dritten Mal widmete sich in diesem Jahr eine Tagung des St. Gerhardswerks in Stuttgart der Geschichte der katholischen Kirche in Südosteuropa.

Während die beiden Vorgänger-Tagungen sich auf die Zwischenkriegszeit konzentriert und Aufbruchsbewegungen sowie Antworten auf den Fortschritt und gesellschaftliche Herausforderungen thematisiert hatten, wurde diesmal die Situation der Kirche in Ungarn, Jugoslawien und Rumänien von 1944/45 bis ca. 1950, also unter kommunistischen Diktaturen vergleichend untersucht.

Wie in den Jahren zuvor leitete Prof. Dr. Dr. Rainer Bendel (siehe Foto) auch die Vorträge und Diskussionen am 17. Juli 2021 im „Weltzentrum der Donauschwaben“ in Sindelfingen.

Als Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft katholischer Vertriebenenorganisationen (AKVO), Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der Universität Hohenheim und Vorsitzender des Instituts für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa, hatte er das Programm wieder konzipiert und als Kooperationsveranstaltung des St. Gerhardswerks mit dem Verein Haus der Donauschwaben ermöglicht.

Einleitend plädierte Bendel dafür, das Thema so offen wie möglich zu halten, ohne weltanschauliche Prämissen wie die metaphysische Einordnung und Kategorisierung nach Wesensmerkmalen bis in die 70-er Jahre.

Heute stelle sich die Frage, ob auch andere Ebenen der erschließenden Betrachtung Erkenntnisgewinn versprechen, etwa mit Blick auf die Alltagssituation der Menschen, auf lokale Bereiche, Einzelschicksale und allmähliche Entwicklungen.

Es gehe lediglich um Sonden in das weite Themenfeld, nicht um eine erschöpfende Behandlung.

Eine erste Schneise schlug aus der Perspektive der katholischen Kirche im jugoslawischen Sozialismus der 1966 geborene Prof. Dr. Aleksandar Jakir (siehe Foto), der seit 2007 Zeitgeschichte lehrt an der Abteilung für Geschichte der Philosophischen Fakultät der Universität Split (Kroatien).

Bei der Machteroberung der jugoslawischen Kommunisten habe in einem hasserfüllten Abrechnungsfuror die exzessive Gewalt mit ca. 80.000 Todesopfern bei Kriegsende ein exorbitantes Ausmaß erreicht, wobei der Terror als Revolution zur Überwindung der bürgerlichen Klassengesellschaft legitimiert wurde.

Wie in anderen kommunistischen Staaten führte auch in Jugoslawien ein Polizei- und Geheimdienst nach sowjetischem Vorbild im Dienst der Partei Listen derjenigen, die es zu liquidieren galt, vor allem Vertreter der Intelligenz, Bourgeoisie, Industriellen, reichen Landbesitzer und Kulaken, aber auch der Kirchen.

Religion wurde als falsches Bewusstsein und ideologische Waffe der Ausbeuter begriffen und zur Privatsache des Einzelnen degradiert. In der katholischen Kirche sah das neue Regime unter Marschall Tito einen der stärksten Pfeiler der reaktionären Kräfte, von Anfang an war das Verhältnis zu ihr durch offene Feindseligkeit geprägt, obwohl sich gegen die Gewaltpolitik des Ustaša-Regimes kirchlicher Protest erhoben hatte und Widerstand auch aus den Reihen der Kleriker unterstützt worden war.

Dennoch entzog der Staat der Kirche zentrale Instrumente ihres sozialen Einflusses, verbot Kirchenpresse und katholische Organisationen, schloss Schulen und Lehranstalten, konfiszierte einen Großteil kirchlichen Bodens und andere Besitztümer, besteuerte Priester übermäßig und behinderte sogar karitativ-humanitäre Institutionen. Zahlreiche Priester waren schon während des Krieges interniert und getötet worden, nicht wenige aber auch im Terror der Nachkriegszeit, insgesamt wurden über 180 Geistliche ermordet. Verhaftungen katholischer Kleriker fanden in den 50-er Jahren unausgesetzt statt.

Am 17. Dezember 1952 brach Jugoslawien sogar seine Beziehungen zum Heiligen Stuhl ab, nachdem Papst Pius XII. den Zagreber Erzbischof Alojzije Stepinac in den Kardinalsrang erhoben hatte. Mit der Verurteilung von Stepinac, der eine konsequent antikommunistische Haltung einnahm, zu 15 Jahren Haft wollte die KP ein Exempel statuieren.

Ohne Gewalt, Terror und Unterdrückung, die sie als legitime Mittel der Politik begriff, hätte die KP weder die Macht erobert noch sie bewahren können. Erst ab Mitte der 50-er Jahre, als Jugoslawien mit dem Stalinismus bereits gebrochen hatte und sich dem Westen annäherte, endete die Zeit der akuten Verfolgung und nahm langsam die Konzessionsbereitschaft gegenüber der Kirche zu. Nach der „Konfrontation“ begann eine Phase der „Koexistenz“, wie Jakir den Titel seines Referats formuliert hatte.

Robert Pech M.A. (siehe Foto) aus Leipzig verdeutlichte „Seelsorge unter kommunistisch-revolutionären Bedingungen“ am Fallbeispiel des 1914 in Filipowa in der Batschka geborenen Jesuitenpaters Wendelin Gruber, der nach seiner Priesterweihe in Rom am erzbischöflichen humanistischen Gymnasium in Zagreb Sprachen lehrte, bevor er Anfang 1946 illegal in verschiedene Internierungslager der Woiwodina ging, wo seine deutschen Landsleute massenhaft an Hunger und Krankheiten starben. Er betreute sie pastoral, organisierte Arznei- und Lebensmittel und verhalf ihnen zur Flucht, ständig in Gefahr, verhaftet zu werden.

Tatsächlich wurde Gruber 1948 zu 14 Jahren Zuchthaus und Zwangsarbeit verurteilt. Sein Lagertagebuch wurde dabei konfisziert. Auf Betreiben Konrad Adenauers wurde er Ende 1955 begnadigt und nach Deutschland abgeschoben. Pech stellte einen kurzen Lebenslauf Grubers an den Beginn seines Vortrags und ordnete den Quellenwert des Buches „In den Fängen des roten Drachen“, das Gruber nachträglich in Deutschland aus der Erinnerung und mit Hilfe von Fachliteratur und Zeitungen über seine Aufenthalte in den Vernichtungslagern, seinen Prozess und seine Gefangenschaft schrieb, als „Mischung aus Erlebtem und Fiktion“ ein.

Die Ursprungsversion mit breitem Akzent auf dem Autobiografischen und dem Verfall christlicher Werte bei der heranwachsenden Jugend sei aber durch Streichungen im gedruckten Text von 1986 auf die Darstellung der Leiden der Jugoslawiendeutschen reduziert worden.

Nach einer Darstellung der politischen Rahmenbedingungen während des revolutionären Terrors der jugoslawischen Kommunisten ging Pech auf Grubers selbstlosen Einsatz in den Lagern ein und kam zu dem Resümee, dass Grubers Erinnerungen eine Anklageschrift gegen den Umgang des jugoslawischen Staats mit der deutschen Minderheit seien. Gruber habe sich zusammen mit seinen Landsleuten als Opfer einer gottlosen, gewalttätigen Diktatur gefühlt, seine Erlebnisse in den Lagern ließen ihn das Schicksal der deutschen Minderheiten im Südosten vor allem als religiösen Konflikt deuten.

Die Diktion des Antikommunismus präge sein antipodisches Denken und seine Sprache zwischen christlichem Abendland und kommunistischem Ostblock, die auf historische und psychologische Einordnungen verzichte und daher für den Historiker in dieser Ausschließlichkeit nicht haltbar sei.

Doch angesichts des nach wie vor eingeschränkten Zugangs zu den Akten des Belgrader Innenministeriums müssten die Aussagen der Historiker über Pläne, Ziele und Maßnahmen der jugoslawisch-kommunistischen Bevölkerungs- und Nationalitätenpolitik unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch vorläufig bleiben.

Dr. Gábor Bánkuti war über Videokonferenz aus Pécs/Fünfkirchen zugeschaltet, wo er an der Fakultät für Neuere Geschichte Universitätsdozent ist. Er arbeitete in seinem Vortrag die Ähnlichkeiten und Unterschiede heraus, die in „Programm und Wirkung der kommunistischen Kirchenpolitik in Ungarn und in Rumänien zwischen 1945 und 1950“ bestanden.

BILD: Dr. Gábor Bánkuti (rechts oben)Dr. Andor Lénár (links oben) – Prof. Dr. Rainer Bendel (unten)

Zunächst zeigte er an Hand von Schaubildern den Anteil der Nationalitäten wie auch der Konfessionen während der Zwischenkriegszeit nicht nur in Ungarn und Rumänien, sondern auch die besondere Situation in den ehemals ungarischen, durch Gebietsabtretungen (Trianon) an Rumänien verlorenen Gebieten (Nationalitäten in Ungarn:

89,6 % Ungarn, 6,9 % Deutsche, Konfessionen: 64 % röm.-kath., 21 % calv., 6,2 % ev.; Nat. in Rumänien: 71 % Rumänen, 4.1 % Deutsche, Konf.: 72,6 % griech.-orth., 7,9 % griech.-kath., 6,8 % röm.-kath.; Nat. in den ehem. ung. Gebieten in Rumänien: 58,3 % Rumänen, 29,7 % Ungarn, 9,8 % Deutsche, Konf.: 35 % griech.-orth., 25 % griech.-kath., 17 % röm.-kath.)

Hl. Gerhard

Bánkuti machte dann die staatlichen Maßnahmen des kommunistischen Regimes in Ungarn namhaft, beginnend im März 1945 mit der Enteignung kirchlichen Grundbesitzes ohne Entschädigung über die Auflösung des kirchlichen Schulwesens sowie der katholischen Vereine, dann 1948/49 die Verhaftung Kardinal Mindszentys mit nachfolgendem Schauprozess bis Mai 1952 mit der Einrichtung des Staatlichen Amtes für Kirchliche Angelegenheiten sowie dem forcierten Amtseid der Bischöfe auf die neue Verfassung der Volksrepublik.

Ebenso nannte Bánkuti die Reihe der Maßnahmen gegen die Kirche in Rumänien von 1948 bis 1950, zu denen die Verstaatlichung aller privaten und kirchlichen Schulen sowie die Aussiedlung und Zwangsumsiedlung aller Ordensmitglieder in Klöstern gehörte.

BILD: Der hl. Gerhard ist Namensträger des St.-Gerhardswerks

Die Konfessionen konnten ihre Tätigkeit nur noch mit staatlicher Erlaubnis ausüben. Die griechisch-katholische Kirche wurde im Oktober 1948 aufgelöst, am 1. August 1949 wurden 15 von damals 25 katholischen Orden verboten. Nur noch je zwei Diözesen lateinischen und griechischen Rituals waren erlaubt.

Dr. Andor Lénár, der seine Dissertation an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest über den Vacer Bischof Árpád Hanauer geschrieben hat, war aus der ungarischen Hauptstadt zugeschaltet. Sein Thema war die Tätigkeit von József Pétery (1890 – 1967), des Bischofs von Vác (Waitzen), im Schatten der kommunistischen Diktatur. In der Zeit der kurzen Koalitionsphase (1945 – 1948) lösten die von der Sowjetunion beeinflussten Kommunisten die ungarischen demokratischen Institutionen Schritt für Schritt auf.

Die bürgerlichen Parteien wurden zerschlagen, ihre Leiter entweder verhaftet oder ins Exil gezwungen. Schließlich ergriffen die Kommunisten 1948 völlig die politische Macht. So entstand das Rákosi-System, die ungarische Version der stalinistischen Diktatur.

Begleitet von zahlreichen interessanten Fotos und Dokumenten, auch aus dem Archiv der ehemaligen ungarischen Staatssicherheitsdienste, stellte der Referent Werdegang und Leben Péterys dar, der 25 Jahre lang im Dienst der Priesterausbildung und der Gläubigen in Eger stand, dann 1939 Pfarrer in der Kathedrale von Eger und schließlich 1942 Bischof in Vác/Waitzen wurde. Pétery hatte schon 1919 vor Chaos und Anarchie des Kommunismus gewarnt, den er als das „Rote Gespenst“ bezeichnete.

Seine Bemühungen um eine Reform der theologischen Ausbildung in Ungarn und seine wissenschaftliche Tätigkeit machten ihn landesweit bekannt. Die Protestbriefe, die Pétery ab 1946 an die unterschiedlichen Ministerien richtete, beweisen, so Lénár, „dass er wirklich alles tat, was möglich war, seine unschuldig verhafteten Priester zu befreien“. Er geriet ins Fadenkreuz der Staatssicherheit, wurde verhört und gezwungen, ein konstruiertes Protokoll zu unterschreiben.

Als 1950 die Friedensbewegung der katholischen Priester gegründet wurde, war Pétery der einzige unter den Mitgliedern der ungarischen Bischofskonferenz, der die Teilnahme an der Gründungsversammlung für die Priester seiner Diözese eindeutig verbot. Pétery wurde daraufhin in der Presse als „Agent des Imperialismus“ und „Kriegshetzer“ angeprangert. Sein Widerstand mündete in Hausarrest und Psychoterror, später zusammen mit anderen Geistlichen in die Verbannung nach Hejce, wo er bis zu seinem Tod 1967 interniert blieb.

An József Péterys Schicksal können die wechselvollen Methoden des kommunistischen Terrors untersucht werden, mit denen die stalinistische Parteiführung die katholische Kirche als ihren größten ideologischen Feind zu vernichten suchte. Pétery habe sich durch seine kompromisslose Haltung und Standhaftigkeit in schwerer Zeit und durch seine mit Geduld und tiefer Spiritualität ertragene Internierung als würdig erwiesen, schloss Lénár seinen Vortrag, dass die Nachwelt sein Andenken in Ehren bewahrt.

Kardinal Mindszenty und Bischof Pétery sei die Gnade der „heiligen Heldenhaftigkeit“ gegeben worden, damit sie auf ihre Art tapfer für die christlichen Werte einstanden.

Dr. Katalin Gajdos-Frank (siehe Foto) war aus der ungarischen Hauptstadt angereist. Ihr Forschungsthema ist die deutsche Minderheit in Ost- und Mitteleuropa im 20. Jahrhundert. Seit 2011 leitet sie das Jakob-Bleyer-Heimatmuseum in Budaörs, das unter den besten sechs Museen Ungarns rangiert, ist ungarndeutsche Abgeordnete in der Deutschen Selbstverwaltung, gehört seit 2014 dem Vorstand der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen an und ist seit 2019 Mitglied des Stiftungsrates der Deutschen Schule Budapest.

Ihr Thema war „Die Rolle der katholischen Kirche in Ungarn 1944/45 – 1950 am Beispiel der Ungarndeutschen“.

Die katholische Kirche sei seit der Ansiedlung der Ungarndeutschen die Institution gewesen, die den Rahmen für die gesellschaftlichen Normen vorgab und für die Ungarndeutschen eine ungebrochene Kontinuität sicherte. Der katholische Glaube war ein wichtiges Element der ethnischen Identität und diente zur Aufrechterhaltung des schwäbischen Selbstbewusstseins bis 1944.

Danach jedoch haben die gesellschaftlichen und politischen Hindernisse das Leben der Ungarndeutschen völlig verändert, zumal nicht nur die Ungarndeutschen, sondern auch Geistliche entrechtet, enteignet und zu Feinden der neuen kommunistischen Ordnung gemacht wurden. Bei den Maßnahmen zur Sowjetisierung spielte der ungarische Staatssicherheitsdienst eine entscheidende Rolle.

Ab Dezember 1945 wurde das ganze Ungarndeutschtum mit Zwangsarbeit, Deportation in die Sowjetunion, Enteignung und Vertreibung kollektiv bestraft. Für die in Ungarn gebliebenen Schwaben diente der Glaube, die katholische Religion nach 1944 als Überlebensstrategie: die Ungarndeutschen durften ihre Muttersprache nicht benutzen, Deutschsein war nicht mehr positiv, und so blieb die Kirche die einzige Institution, die alle Mitglieder der Gruppe verband.

Der katholische Glaube spendete nach 1944 auch für die verschleppten, internierten und vertriebenen Ungarndeutschen Halt und Zuversicht. Die Referentin betonte die identitätsstiftende, Kirche und Heimat verbindende, Begegnungen schaffende Bedeutung der Wallfahrten, etwa der Gelöbniswallfahrt nach Altötting.

Nach Auflösung ihrer Dorf- und Kirchengemeinschaften blieb für sie Glaube und Kirche „Heimat” – in Ungarn, in Deutschland und auch in der Gefangenschaft. Zusammenfassend sagte Gajdos-Frank, dass die katholische Kirche der deutschen Minderheit in Ungarn in den Jahren ihrer schlimmsten Diskriminierung 1944 bis 1950 nach Kräften half und besonders in der Nachkriegszeit ein stabilisierender Faktor war.

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Münster: Vor 80 Jahren predigte Bischof Clemens Graf von Galen gegen die NS-Diktatur

Heldenhafte Predigt Galens „aus Liebe zu Volk und Vaterland“ vom 20. Juli 1941 in der Liebfrauenkirche von Münster hier im vollen Wortlaut:

Am heutigen Sonntag wird in allen Gemeinden der Diözese, die bisher selbst nicht durch Kriegsschäden gelitten haben, die von mir angeordnete Kollekte gehalten für die Bewohner der Stadt Münster. Ich hoffe, daß es durch das Eingreifen der dafür zuständigen staatlichen und städtischen Stellen und durch die brüderliche Hilfe der Katholiken unseres Bistums, deren Spenden die Caritasstellen verwalten und verteilen werden, gelingen wird, vielerlei Not zu lindern.

Gott sei Dank: Seit mehreren Tagen haben neue Angriffe der Kriegsgegner unsere Stadt nicht mehr erreicht. Aber leider muß ich es sagen: Die Angriffe unserer Gegner im Innern des Landes, deren Beginn ich am vorigen Sonntag in St. Lamberti besprochen habe, sind in der letzten Woche, unbekümmert um unsere Proteste, unbekümmert um das Herzeleid, das dadurch den Betroffenen und ihren Angehörigen bereitet wird, fortgeführt worden.

BILD: HASS gegen Kardinal von GALEN damals und heute: Sein Denkmal auf dem Domplatz in Münster wurde von Linksradikalen mit Farbe beschmiert (das Foto zeigt Beter vor dem Mahnmal)

Am vorigen Sonntag habe ich es öffentlich beklagt, als himmelschreiendes Unrecht bezeichnet, daß die Gestapo die Ordensniederlassungen der Immakulata-Schwestern in Wilkinghege und der Jesuiten in Münster aufgehoben, Häuser und Inventar beschlagnahmt und die Bewohner auf die Straße gejagt, aus der Heimat vertrieben hatte. Auch das Lourdeskloster an der Frauenstraße in Münster wurde für die Gauleitung beschlagnahmt.

Ich wußte damals noch nicht, daß am gleichen Tage, am Sonntag, dem 13. Juli, die Gestapo das Kamilluskolleg in St. Mauritz-Sudmühle und unsere Benediktinerabtei St. Josef in Gerleve bei Coesfeld besetzte, beschlagnahmte und die Patres und Brüder dort vertrieb. Sie mußten am gleichen Tage Westfalen verlassen.

Am 15. Juli wurden auch die Benediktinerinnen von der Ewigen Anbetung in Vinnenberg bei Warendorf ausgetrieben und über die Provinzgrenze gejagt. Am 17. Juli mußten die Kreuzschwestern in Haus Aspel bei Rees ihr Besitztum und den Kreis Rees verlassen. Hätte nicht christliche Liebe sich all dieser Obdachlosen erbarmt, so wären diese Frauen und Männer dem Hunger und den Unbilden der Witterung überlassen.

Vor wenigen Stunden bekam ich nun auch noch die Trauernachricht, daß gestern, am 19. Juli, zum Abschluß dieser zweiten Schreckenswoche für unser Münsterland, die Gestapo auch das deutsche Provinzialhaus der Missionare vom heiligsten Herzen Jesu, das euch allen wohlbekannte große Missionskloster in Hiltrup, besetzt, beschlagnahmt und enteignet hat. Die noch dort wohnenden Patres und Brüder mußten bis gestern abend 8 Uhr ihr Heim und ihren Besitz verlassen. Auch sie sind aus Westfalen und wiederum auch aus der Rheinprovinz ausgewiesen.

BILD: Das historische Rathaus in Münster mit einer Christkönigs-Figur

Die dort noch wohnenden Patres und Brüder: Ich sage das mit besonderer Betonung: denn aus den Reihen der Hiltruper Missionare stehen zur Zeit, wie ich kürzlich zuverlässig erfuhr, 161 Männer als deutsche Soldaten im Felde, teilweise direkt vor dem Feinde, 53 Patres von Hiltrup sind als Sanitäter im Dienste der verwundeten Soldaten tätig, 42 Theologen und 66 Brüder dienen als Soldaten mit der Waffe dem Vaterland, sind teilweise schon mit dem Eisernen Kreuz, dem Sturmabzeichen und anderen Auszeichnungen geschmückt. Ähnlich ist es bei den Patres Kamillianern von Sudmühle, bei den Jesuiten von Sentmaring und bei den Benediktinern von St. Josef in Gerleve!

Während diese deutschen Männer, in treuer Kameradschaft mit den anderen deutschen Brüdern, unter Einsatz ihres Lebens, gehorsam ihrer Pflicht, für die Heimat kämpfen, wird ihnen im Vaterland rücksichtslos und ohne jeden Rechtsgrund die Heimat genommen, das klösterliche Vaterhaus zerstört! Wenn sie, wie wir hoffen, siegreich wiederkommen, finden sie ihre Klosterfamilie von Haus und Hof vertrieben, ihre Heimat von Fremden, von Feinden besetzt!

Was soll das? Wie soll das enden?

Es handelt sich nicht etwa darum, für obdachlose Bewohner von Münster eine vorübergehende Unterkunft zu schaffen. Die Ordensleute waren bereit und entschlossen, ihre Wohnung für solche Zwecke aufs äußerste einzuschränken, um gleich Anderen Obdachlose aufzunehmen und zu verpflegen. Nein, darum handelt es sich nicht: Im Immakulatakloster in Wilkinghege richtet sich, wie ich höre, die Gaufilmstelle ein. Man sagt mir, in der Benediktinerabtei St. Josef werde ein Entbindungsheim für uneheliche Mütter eingerichtet. Was in Sentmaring, in Sudmühle und Vinnenberg eingezogen ist, habe ich noch nicht erfahren.

Gestapo-Willkür gegen wehrlose Männer und schutzlose Frauen

Ich bin ja überhaupt ohne amtliche Benachrichtigung gelassen. Und keine Zeitung hat bisher von den gefahrlosen Siegen, die in diesen Tagen die Beamten der Gestapo über wehrlose deutsche Männer und schutzlose deutschen Frauen errungen haben und von den Eroberungen, die die Gauleitung in der Heimat am Eigentum deutscher Volksgenossen gemacht hat!

Ich bin am Montag, dem 14. Juli, persönlich beim Herrn Regierungspräsidenten gewesen und habe ihn um Schutz für die Freiheit und das Eigentum schuldloser deutscher Menschen gebeten. Er hat mir erklärt, daß die Gestapo eine völlig selbständige und von der Regierung unabhängige Behörde sei, in deren Maßnahmen er nicht eingreifen könne. Er hat mir aber versprochen, meine Beschwerden und Bitten sofort dem Herrn Oberpräsidenten und Gauleiter Dr. Meyer vorzutragen.

Es hat nichts genützt!

Am gleichen Montag dem, 14. Juli, habe ich an die Reichskanzlei des Führers in Berlin ein Telegramm gesandt mit folgendem Wortlaut:

„Nachdem seit dem 6. Juli die Kriegsgegner die Stadt Münster in furchtbaren Nachtangriffen zu zerstören suchen, hat die Gestapo am 12. Juli begonnen, die Klöster und Ordenshäuser in Stadt und Umgebung zu beschlagnahmen und samt Inventar zu Gunsten der Gauleitung zu enteignen. Die Bewohner, schuldlose deutsche Männer und Frauen, ehrenhafte Mitglieder deutscher Familien, deren Angehörige zum Teil als Soldaten für Deutschland kämpfen, werden ihres Heimes beraubt, auf die Straße gejagt, aus der Heimatprovinz verbannt. Ich bitte den Führer und Reichskanzler im Interesse der Gerechtigkeit und der Geschlossenheit der inneren Front um Schutz für die Freiheit und das Eigentum dieser ehrenwerten deutschen Menschen gegen die Willkürmaßnahmen der Gestapo und gegen Beraubung zu Gunsten der Gauleitung.“

Ähnliche Bitten habe ich telegraphisch dem Reichsstatthalter für Preußen, Reichsmarschall Hermann Göring, dem Reichsinnenminister, dem Reichskirchenminister, und schließlich auch noch dem Oberkommando der Wehrmacht unterbreitet.

Ich hatte gehofft, daß, wenn nicht Erwägungen der Gerechtigkeit, so doch wenigstens die Erkenntnis der Folgen für die Geschlossenheit der inneren Front jetzt im Kriege jene Stellen bewegen würden, dem Vorgehen der Gestapo gegen unsere Brüder und Schwestern Einhalt zu tun, und daß man schuldlosen deutschen Frauen ritterlichen Schutz nicht versagen würde. Es war vergebens: das Vorgehen wurde fortgesetzt und jetzt ist bereits eingetreten, was ich schon lange vorausgesehen und am vorigen Sonntag vorausgesagt habe: Wir stehen vor den Trümmern der inneren Volksgemeinschaft, die in diesen Tagen rücksichtslos zerschlagen worden ist!

Ich habe den Regierungspräsidenten, die Herren Minister, das Oberkommando der Wehrmacht eindringlich darauf hingewiesen, wie die Gewalttaten gegen unbescholtene deutsche Männer, wie diese Rohheit gegenüber wehrlosen deutschen Frauen, die aller Ritterlichkeit Hohn spricht und nur aus einem abgründigen Haß gegen die christliche Religion und gegen die katholische Kirche entspringen kann, wie diese Machenschaften geradezu wie Sabotage und Sprengung der Volksgemeinschaft wirken.

„Keine Volksgemeinschaft mit Kirchenverfolgern“

Volksgemeinschaft mit den Männern, die unsere Ordensleute, unsere Brüder und Schwestern ohne Rechtsgrund, ohne Untersuchung, Verteidigungsmöglichkeit und Gerichtsurteil wie Freiwild aus dem Lande hetzen? Nein! Mit ihnen und allen dafür Verantwortlichen ist mir keine Gemeinschaft im Denken und Fühlen mehr möglich! Ich werde sie nicht hassen, ich wünsche von Herzen, daß sie zur Einsicht kommen und sich bekehren: wie ich auch sofort ein fürbittendes Gebet zum Himmel gesandt habe für die Seele des am 5. Juli plötzlich verstorbenen Ministerialdirigenten Roth.

Er war katholischer Priester der Erzdiözese München, war seit Jahren ohne Erlaubnis und gegen den Willen seines Bischofs Beamter im Reichskirchenministerium und hat gar viele, die Rechte der Kirche verletzende, die Würde der Kirche kränkende Schriftstücke für den Minister Kerrl verfaßt und unterzeichnet. Jetzt ist er bei einer Bootsfahrt auf dem Inn verunglückt und im reißenden Strom ertrunken. Gott sei seiner armen Seele gnädig!

So wollen wir nach dem Gebot des Heilands beten für alle, die uns verfolgen und verleumden! Aber, solange sie sich nicht ändern, solange sie fortfahren, Unschuldige zu berauben, aus dem Lande zu treiben, einzukerkern, solange lehne ich jede Gemeinschaft mit ihnen ab! Nein, die Gemeinsamkeit in Gesinnung und Streben in unserem Volk ist gegen unseren Willen, ungeachtet unserer Warnungen unheilbar gestört.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß unsere alteingesessenen Bürger und Bauern, Handwerker und Arbeiter, daß unsere Frauen, daß eure Väter, Brüder und Söhne, die jetzt an der Front ihr Leben für Deutschland einsetzen, mit den Verfolgern und Vertreibern unserer Ordensleute irgendwie Gesinnungsgemeinschaft pflegen werden.

Wir werden ihnen gehorchen, soweit sie als Vertreter der rechtmäßigen Obrigkeit uns Befehle zu erteilen haben. Aber Gesinnungsgemeinschaft, ein Gefühl innerer Verbundenheit mit diesen Kirchenverfolgern, mit diesen Klosterstürmern, die wehrlose Frauen und Mädchen, Kinder unserer besten Familien, unsere Schwestern aus ihrer klösterlichen Heimat jagen, wo sie, teilweise seit Jahrzehnten, in Arbeit und Gebet unserem Volke nur Gutes getan haben, das kann es für uns nicht geben!

„Zu zarter Hochachtung vor jeder Frau und jedem Mädchen erzogen“

Ich müßte mich schämen vor Gott und vor euch, ich müßte mich schämen vor unseren edlen deutschen Vorfahren, vor meinem ritterlichen seligen Vater, der meine Brüder und mich mit unerbittlichem Ernst zu zarter Hochachtung vor jeder Frau und jedem Mädchen, zu ritterlichem Schutz aller unschuldig Bedrängten, besonders jener, die als Frauen Abbilder unserer eigenen Mütter, ja der lieben Gottesmutter im Himmel sind, ermahnt, erzogen und angeleitet hat, wenn ich Gemeinschaft halten würde mit jenen, die schutzlose Frauen aus Heim und Heimat vertreiben, und obdachlos und mittellos aus dem Lande jagen!

Dazu kommt, was ich schon am letzten Sonntag in der Lambertikirche ausführlich bewiesen habe, was ich heute noch einmal mit großem Ernst aus Liebe zu Volk und Vaterland warnend wiederhole:

Dieses strafweise Vorgehen der Gestapo gegen Schuldlose, ohne gerichtliches Verfahren, ohne Verteidigungsmöglichkeit, die „verteidigungslose Verdammung von vornherein Verurteilter und jeglicher Verteidigungsmittel Beraubter“, wie Reichsminister Dr. Frank es genannt hat, zerstört die Rechtssicherheit, untergräbt das Rechtsbewußtsein und vernichtet das Vertrauen auf die Staatsführung.

Gewiß, wir Christen machen keine Revolution! Wir werden weiter treu unsere Pflicht tun im Gehorsam gegen Gott, aus Liebe zu unserem deutschen Volk und Vaterland. Unsere Soldaten werden kämpfen und sterben für Deutschland, aber nicht für jene Menschen, die durch ihr grausames Vorgehen gegen unsere Ordensleute, gegen ihre Brüder und Schwestern, unsere Herzen verwunden und dem deutschen Namen vor Gott und den Mitmenschen Schmach antun.

Wir kämpfen tapfer weiter gegen den äußeren Feind. Gegen den Feind im Innern, der uns peinigt und schlägt, können wir nicht mit Waffen kämpfen. Es bleibt uns nur ein Kampfmittel: starkes, zähes, hartes Durchhalten!

Hart werden! Fest bleiben!

Wir sehen und erfahren jetzt deutlich, was hinter den neuen Lehren steht, die man uns seit einigen Jahren aufdrängt, denen zuliebe man die Religion aus den Schulen verbannt hat, unsere Vereine unterdrückt hat, jetzt katholische Kindergärten zerstören will: abgrundtiefer Haß gegen das Christentum, das man ausrotten möchte.

Wenn ich recht unterrichtet bin, hat das ja auch der Schulungsleiter Schmidt vor 14 Tagen in der Stadthalle hier vor einem zwangsweise geladenen Publikum, darunter Schüler und Schülerinnen, offen ausgesprochen, und Herr Kreisleiter Miering hat begeistert Beifall gespendet und versprochen, für die Ausführung solcher Pläne sich einzusetzen.

Hart werden! Fest bleiben!

Wir sind in diesem Augenblick nicht Hammer, sondern Amboß. Andere, meist Fremde und Abtrünnige, hämmern auf uns, wollen mit Gewaltanwendung unser Volk, uns selbst, unsere Jugend neu formen, aus der geraden Haltung zu Gott verbiegen.

Amboß statt Hammer: Laßt es euch vom Schmiedemeister sagen“

Wir sind Amboß und nicht Hammer! Aber seht einmal zu in der Schmiede! Fragt den Schmiedemeister und laßt es euch von ihm sagen: Was auf dem Amboß geschmiedet wird, erhält seine Form nicht nur vom Hammer, sondern auch vom Amboß. Der Amboß kann nicht und braucht auch nicht zurückzuschlagen, er muß nur fest, nur hart sein!

Wenn er hinreichend zäh, fest, hart ist, dann hält meistens der Amboß länger als der Hammer. Wie heftig der Hammer auch zuschlägt, der Amboß steht in ruhiger Festigkeit da und wird noch lange dazu dienen, das zu formen, was neu geschmiedet wird.

Was jetzt geschmiedet wird, das sind die zu Unrecht Eingekerkerten, die schuldlos Ausgewiesenen und Verbannten. Gott wird ihnen beistehen, daß sie Form und Haltung christlicher Festigkeit nicht verlieren, wenn der Hammer der Verfolgung sie bitter trifft und ihnen ungerechte Wunden schlägt.

Was in diesen Tagen geschmiedet wird, sind unsere Ordensleute, Patres, Brüder und Schwestern. Ich habe vorgestern einen Teil der Vertriebenen in ihren provisorischen Unterkünften besuchen können und mit ihnen gesprochen.

Ich habe mich erbaut und begeistert an der tapferen Haltung der braven Männer, der schwachen, wehrlosen Frauen, die man roh und rücksichtslos aus ihrer Klosterheimat, aus der Kapelle und der Nähe des Tabernakels verjagte, die erhobenen Hauptes, im Bewußtsein ihrer Schuldlosigkeit, in die ungewisse Verbannung gehen, vertrauend auf jenen, „der die Vögel des Himmels speist und die Lilien des Feldes kleidet“, ja freudig, in jener Freude, die der Heiland seinen Jüngern anbefiehlt: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen verfolgen und hassen um meinetwillen! Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel!“

Wahrhaftig, diese Männer und Frauen sind Meisterwerke der göttlichen Schmiedewerkstatt.

Was in dieser Zeit geschmiedet wird zwischen Hammer und Amboß, ist unsere Jugend: die heranwachsende, die noch unfertige, die noch bildungsfähig weiche Jugend! Wir können sie den Hammerschlägen des Unglaubens, der Christentumsfeindlichkeit, der falschen Lehren und Sitten nicht entziehen.

Was wird ihnen vorgetragen und aufgedrängt in ihren Heimabenden und den Dienststunden jener Jugendvereinigungen, denen sie, wie man sagt, unter Zustimmung ihrer Eltern freiwillig beigetreten sind? Was hören sie in den Schulen, in die heute alle Kinder ohne Rücksicht auf den Willen der Eltern hineingezwungen werden? Was lesen sie in den neuen Schulbüchern?

Laßt euch doch, christliche Eltern, die Bücher zeigen, besonders die Geschichtsbücher der höheren Schulen! Ihr werdet entsetzt sein, mit welcher Unbekümmertheit um die geschichtliche Wahrheit dort versucht wird, die unerfahrenen Kinder mit Mißtrauen gegen Christentum und Kirche, ja mit Haß gegen den christlichen Glauben zu erfüllen!

In den bevorzugten staatlichen Lehranstalten, den Hitlerschulen und den neuen Lehranstalten für künftige Lehrer und Lehrerinnen, wird jeder christliche Einfluß, ja jede wirklich religiöse Betätigung grundsätzlich ausgeschlossen. Und was geschieht mit den im letzten Frühjahr unter Hinweis auf die Luftgefahr in ferne Gegenden verschickten Kindern? Wie steht es mit dem Religionsunterricht für sie und mit der Übung der Religion?

Christliche Eltern, um all das müßt ihr euch kümmern, sonst versäumt ihr eure heiligsten Pflichten, sonst könnt ihr nicht bestehen vor eurem Gewissen und vor jenem, der euch die Kinder anvertraut, damit ihr sie auf den Weg zum Himmel führt!

Wir sind Amboß, nicht Hammer!

Nicht verbiegen lassen aus der Richtung zu Gott“

Ihr könnt eure Kinder, das Edle, aber noch ungehärtete und ungestählte Rohmetall, leider den Hammerschlägen der Glaubensfeindlichkeit, der Kirchenfeindlichkeit nicht entziehen. Aber auch der Amboß formt mit.

Laßt euer Elternhaus, laßt eure Elternliebe und – treue, laßt euer vorbildliches Christenleben der starke, zähe, feste und unerschütterliche Amboß sein, der die Wucht der feindlichen Schläge auffängt, der die noch schwache Kraft der jungen Menschen immer wieder stärkt und befestigt in dem heiligen Willen, sich nicht verbiegen zu lassen aus der Richtung zu Gott.

Was in dieser Zeit geschmiedet wird, sind fast ohne Ausnahme wir alle. Wie viele sind abhängig durch Pensionen, Staatsrenten, Kinderbeihilfen und anderes! Wer ist denn heute noch unabhängig und freier Herr in seinem Besitz oder Geschäft?

Es mag sein, daß, zumal im Kriege, eine starke Überwachung und Lenkung, ja auch die Zusammenfassung und Zwangssteuerung von Produktion und Wirtschaft, von Erzeugung und Verbrauch notwendig ist, und wer wird das nicht aus Liebe zu Volk und Vaterland willig tragen!

Aber damit ist auch eine Abhängigkeit jedes einzelnen von vielen Personen und Dienststellen gegeben, die nicht nur die Freiheit des Handelns beschränken, sondern auch die freie Unabhängigkeit der Gesinnung in schwere Gefahr und Versuchung bringen, wenn diese Personen und Dienststellen zugleich eine christentumsfeindliche Weltanschauung vertreten und bei den von ihnen abhängigen Menschen durchzusetzen suchen.

Erst recht ist solche Abhängigkeit gegeben bei allen Beamten. Und welcher Mut, welcher Heldenmut mag für manche Beamten dazu gehören, sich trotz allen Druckes noch immer als echte Christen, als treue Katholiken zu erweisen und öffentlich zu bekennen!

Wir sind zur Zeit Amboß, nicht Hammer!

„Durch das vom Glauben geformte Gewissen spricht Gott“

Bleibt stark und fest und unerschütterlich wie der Amboß bei allen Schlägen, die auf ihn niedersausen; in treuestem Dienst für Volk und Vaterland, aber auch stets bereit, in äußerstem Opfermut nach dem Wort zu handeln: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!“

Durch das vom Glauben geformte Gewissen spricht Gott zu jedem von uns. Gehorcht stets unweigerlich der Stimme des Gewissens.

Nehmt euch zum Beispiel und Vorbild jenen preußischen Justizminister der alten Zeit – ich habe ihn früher schon einmal erwähnt – dem einst sein König Friedrich der Große das Ansinnen stellte, er solle sein gesetzmäßig gefälltes Gerichtsurteil nach dem Wunsche des Monarchen umstoßen und abändern. Da hat dieser echte Edelmann, ein Herr von Münchhausen, seinem König die prachtvolle Antwort gegeben: „Mein Kopf steht eurer Majestät zur Verfügung, aber nicht mein Gewissen!“

Er wollte damit sagen: Ich bin bereit, für meinen König zu sterben, ja ich würde im Gehorsam sogar den Tod von Henkershand annehmen. Mein Leben gehört dem König, nicht mein Gewissen; das gehört Gott!

Ist das Geschlecht solcher Edelleute, die so gesinnt sind und so handeln, sind die preußischen Beamten dieser Art ausgestorben? Gibt es nicht mehr Bürger und Bauern, Handwerker und Arbeiter von gleicher Gewissenhaftigkeit und gleichem Edelmut? – Das kann, das will ich nicht glauben! Und darum noch einmal: Werdet hart! Werdet fest! Bleibt standhaft wie der Amboß unter den Hammerschlägen!

Es kann sein, daß der Gehorsam gegen Gott, die Treue gegen das Gewissen mir oder euch das Leben, die Freiheit, die Heimat kostet. Aber: „Lieber sterben als sündigen!“ – Möge Gottes Gnade, ohne die wir nichts vermögen, euch und mir diese unerschütterliche Festigkeit geben und erhalten!

Meine lieben Katholiken von Münster! Nachdem in der Nacht vom 7. zum 8. Juli das Seitenschiff des Domes von einer Sprengbombe durchschlagen war, hat in der folgenden Nacht eine an der Außenwand herabkommende Bombe den Ludgerusbrunnen, das Denkmal der Rückkehr des seligen Bischofs Johann Bernhard aus der Verbannung im Jahre 1884, zerstört.

Mahnung des heiligen Ludger: Haltet fest am Glauben!

Die Statuen der beiden Bischöfe Luitger und Erpho an beiden Seiten des Denkmals sind stark beschädigt. Fast unzerstört geblieben ist die Steinfigur des heiligen Ludger, des Apostels unseres Münsterlandes und ersten Bischofs von Münster.

Segnend und zum Himmel weisend erhebt er die unbeschädigt gebliebene rechte Hand: gleich als sollte uns durch die fast wunderbare Errettung dieses Bildes die Mahnung zugerufen werden: Was auch kommen mag, haltet fest an dem von Gott geoffenbarten, von den Vorfahren ererbten katholischen Glauben: In aller Zerstörung menschlicher Werke, in aller Not und Sorge, in aller Bedrängnis und Verfolgung. Empor die Herzen!“

St. Ludger ermahnt euch, ich, sein 70. Nachfolger auf dem münsterischen Hirtenstuhl, ermahne euch mit den Worten, die in der ersten Christenverfolgung der Apostel Petrus, der erste Papst, den bedrängten Christen schrieb:

„Demütigt euch unter Gottes allmächtige Hand, dann wird er zur rechten Stunde euch erhöhen. Werft alle Sorgen auf ihn, denn er nimmt sich eurer an. Seid nüchtern und wachsam, denn euer Feind, der Teufel, geht umher wie ein nach Beute brüllender Löwe … Widersteht ihm standhaft im Glauben … Der Gott aller Gnaden, der euch durch Jesus Christus berufen hat, nach kurzer Leidenszeit in seine Herrlichkeit einzugehen, er wird euch ausrüsten, stärken, festmachen! Ihm sei Ehre und Herrschaft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen“ (1 Petr 5).

Lasset uns beten für unsere verbannten Ordensleute, für alle, die ungerecht leiden müssen, für alle Notleidenden, für unsere Soldaten, für Münster und seine Bewohner, für unser Volk und Vaterland und seinen Führer.

Quelle: https://www.luebeckermaertyrer.de/de/geschichte/predigten-von-galens/predigt-2.html


Stephanus-Sonderpreis für die HMK am 3. Juli

Teilnahme ab 10,30 Uhr per Zoom möglich

Der Verein „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ (HMK) mit Sitz in Uhldingen erhält am 3. Juli um 11 Uhr in Wetzlar den diesjährigen „Stephanus-Sonderpreis für verfolgte Christen“.

Coronabedingt wird die einstündige Übergabe im kleinen Kreis stattfinden und kann per Zoom im Internet mitverfolgt werden.

Interessierte mögen sich anmelden unter stephanuspreisverleihung@googlemail.com , um dann kurz vor Beginn den Zugangslink zu erhalten. Rückfragen sind telefonisch unter 0176 – 31553517 möglich.

Die Hilfsaktion Märtyrerkirche ist mit 170 Projekten in rund 50 Ländern dort tätig, wo die christlichen Gemeinden in Bedrängnis leben. Das überkonfessionelle Hilfswerk agiert unabhängig und seine Aktivitäten werden durch Spenden getragen.

Die HMK wurde 1969 von dem rumänischen lutherischen Pastor Richard Wurmbrand gegründet. Er wurde 1909 in Bukarest in eine deutsch-jüdische Familien hineingeboren, war aber in jungen Jahren Atheist, bevor er im Alter von 28 Jahren zum christlichen Glauben fand.

Später versteckte er Juden vor der Verfolgung. Im Jahr 1948 geriet er in die Mühlen des kommunistischen Regimes, das ihn verhaftete, folterte und insgesamt 14 Jahre einsperrte. Von diesen Erfahrungen berichtete er in seinem ersten Buch „Gefoltert für Christus“.

Wurmbrand ging es stets darum, weniger über diese Leiden als solche zu berichten, sondern davon zu erzählen, wie die Nöte im Aufblick auf das Kreuz Christi überwunden werden können. Die „Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen“ würdigt mit der Auszeichnung die große Treue dieser Initiative zu ihrem Gründer sowie ihr Selbstverständnis als „Stimme der Märtyrer“.

Die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ sieht die verfolgten Christen nicht als Bittsteller an, sondern verweist auf die Segen bringenden, mutigen Glaubenszeugnisse der bedrängten Gemeinde. Christen, die in Freiheit leben können, werden so aufgefordert, eindeutiger in der Nachfolge Jesu zu leben. Die „Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen“ widmet den mit 1.000 Euro dotierten Preis der Arbeit in der Türkei.

Viele Flüchtlinge fristen dort ohne Arbeitserlaubnis ihr Dasein in großer Not. HMK aber hilft durch einen Partner mit Schulausstattung, Lebensmittelpaketen, Heizmaterial, Medizin, Hygieneartikeln und Kleidung. Der Preis wird am Samstag, den 3. Juli 2021 um 11 Uhr, am Standort des HMK-Außenbüros in Wetzlar überreicht.

Aufgrund der anhaltenden Pandemie-Bedingungen wird diese Übergabe im kleinen Kreis stattfinden und per Zoom im Internet mitzuverfolgen sein.

Interessierte möchten sich bitte unter stephanuspreisverleihung@googlemail.com anmelden, um kurz zuvor den Zugangslink zu erhalten. Sie können auch telefonisch unter 0176 – 31553517 Rückfragen stellen.

Die „Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen“ ist nach dem Diakon der christlichen Urgemeinde benannt, der als erster Märtyrer wegen seines Bekenntnisses zu Jesus Christus gesteinigt wurde.

Die Stiftung verleiht alljährlich ihren Stiftungspreis oder Sonderpreis. Zu den bisherigen Preisträgern zählen die syrisch-orthodoxe Schwester Hatune Dogan, die auch „moderne Mutter Teresa“ genannt wird, der Patriarch von Babylon, Kardinal Louis Raphael I. Sako, Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche, der am 7. April 2014 im syrischen Homs ermordete Jesuitenpater Frans van der Lugt, die pakistanische Menschenrechtsanwältin Aneeqa Anthony und der frühere Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, wegen seiner Beharrlichkeit im jahrzehntelangen Einsatz für die Freiheitsrechte in China.

BILD: Michaela Koller und Aneeqa Anthony

Gründer der „Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen“ in Frankfurt ist Wolfgang Link aus Gengenbach im Schwarzwald, Oberstudienrat i.R.

Die Vorstandsvorsitzende Michaela Koller ist Referentin der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt.

PROGAMM-Ablauf der Preisverleihung am Samstag (3. Juli)

Einlass in die Zoom-Cloud                                                                10.30 Uhr

Erste Begrüßung der Teilnehmer                                                       10.55 Uhr

Beginn der Hybrid-Veranstaltung und Einführung mit Musik          11 Uhr                                                                                                                                                                                    
Veeh-Harfe: Dr. Wolfgang Link, Gründer der Stephanus-Stiftung

Moderation: Dr. Emmanuel Ogbunwezeh, Vize-Vorsitzender der Stephanus-Stiftung

Grußworte: Michaela Koller, Vorstandsvorsitzende, Stephanus-Stiftung

Helmut Matthies, ehem. Redaktionsleiter der Evangelischen Nachrichtenagentur idea

Aneeqa Anthony, Menschenrechtsanwältin aus Pakistan

Laudatio von Karl Hafen, ehem. Geschäftsführender Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)

Ansprache von Stefan Weber, Vorstandsvorsitzender der Hilfsaktion Märtyrerkirche

Segensworte zum Ausklang von Monsignore Joachim Schroedel

und Kirchenrat Dr. Rolf Sauerzapf

Ende des Online-Festakts                                                                          12 Uhr

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Ein Priester gegen Hexenwahn: Friedrich Spee

Der deutsche Jesuit Friedrich Spee verfasste 1631 die erste katholische Schrift, die Einwände gegen Hexenverfolgung und Folter erhob. Zugleich war er Lyriker und ist bis heute mit Liedern im „Gotteslob“ vertreten. Der Kirchenhistoriker Frank Sobiech beschäftigte sich mit der Figur des herausragenden Ordensmannes.

Mehrere zehntausend Menschen in Europa starben in der frühen Neuzeit als vermeintliche Hexen oder Zauberer. Die meisten von ihnen gaben unter Folter jede ihnen zur Last gelegte Anschuldigung zu. Ihren Höhepunkt erreichten die Hexenprozesse im frühen 17. Jahrhundert, und der Jesuit Friedrich Spee (1591 – 1635) war ein Zeitgenosse dieser Welle.

Hexenprozesse im Heiligen Römischen Reich liefen nicht vor Kirchentribunalen, sondern vor weltlichen Gerichten. Jedes Territorium hatte eine eigene Gerichtsbarkeit. Spee beschäftigte sich also mit weltlichem Recht.

Vor allem aber war es seine seelsorgerliche Erfahrung mit Frauen und Männern, die der Hexerei angeklagt waren, die in sein Werk „Cautio Criminalis“ einflossen. In diesem Buch übte der Moraltheologe als erster gewissermaßen innerkirchliche Kritik an der Praxis, den der Hexerei Angeklagten Geständnisse mit Folter abzupressen.

„Er beschäftigte sich insbesondere mit dem Amt des Beichtvaters, und sein Eindruck war, dass die Beichtväter auf die Pönitenten nicht hörten“, erklärt der Paderborner Kirchenhistoriker Frank Sobiech. „Sie ließen sich das, was das Gericht festgestellt hatte – und das war gemeinhin ein Schuldspruch – von den Pönitenten wiederholen, ansonsten erteilten sie keine Absolution.“

BILD: Kirchenhistoriker Dr. habil. Frank Sobiech aus Paderborn

Standen die Beichtväter also grundsätzlich auf der Seite der weltlichen Justiz und versuchten, mit ihren Mitteln die Angeklagten, meistens Frauen, zu einem Geständnis zu bewegen? – Der Historiker: „Man kann schon sagen, dass es einen gewissen Konsens zwischen Politik und Kirche gab in der Frage der Hexenprozesse.“

Sobiech hat als Habilitation ein umfangreiches Buch über Friedrich Spee vorgelegt und tief in den Archiven gegraben. Dass der Jesuit und Theologe tatsächlich in Paderborn in den Kerkern war und der Hexerei Angeklagte seelsorgerlich betreute, war manchmal angezweifelt worden  – der Historiker kann diese Tatsache in seiner Schrift jedoch belegen.

Im Kontakt mit diesen Angeklagten, die Folter und Tod gewärtigten, reiften in Spee Ansichten heran, die sich von denen anderer Gefängnisseelsorger abhoben.

Viele Beichtväter nämlich hatten – in einem allerdings dezidiert voraufklärerischen kulturellen Rahmen – ebensowenig wie die Richter den Anspruch herauszufinden, ob die Frau oder der Mann vor ihnen wirklich „eine Hexe“ oder „ein Zauberer“ war.

Die Priester begnügten sich laut Sobiech überwiegend damit, „dass die Pönitenten bedingungsweise Hexerei gebeichtet haben. Das heißt: Sollte ich Hexerei betrieben haben, dann bereue ich dies und werde mich bessern“. Zwar seien die harten Seelsorger, die in der Beichte direkt das Geständnis wiederholt haben wollten, wohl in der Minderzahl gewesen. „Aber die meisten Beichtväter dürften sich in das System eingefügt haben. Beichtväter wie Spee, die Widerstand leisteten, waren die Ausnahme.“

Spee legte seine Kritik an den Hexenprozessen in seinem Buch „Cautio Criminalis“ vor, das 1631 anonym erscheinen musste. Allerdings äußerte der Moraltheologe seine Einwände gegen die Folter auch in Vorlesungen an der Universität Paderborn.

Wie heikel das innerkirchlich war, zeigt die Tatsache, dass er daraufhin im Orden angeschwärzt wurde, wobei einige Mitbrüder ihn auch unterstützten und sogar der Ordensgeneral Muzio Vitelleschi seine Hand über ihn hielt, betont Sobiech.

Allerdings: Seinen Lehrstuhl verlor Spee, und zu den letzten Gelübden zugelassen wurde er auch nicht – aufgrund seiner Kritik an den seelsorgerlichen Gepflogenheiten gegenüber „Hexen“. Sein Werk aber trug Früchte.

„Man kann sagen, dass die Cautio Criminalis von Spee wesentlich dazu beigetragen hat, die Hexenprozesse zu beenden“, erklärt der Historiker. Mit einer Art innerkirchlichem Widerstand verhalf der Ordensmann Spee seiner Kirche zur Überwindung einer grausamen, unmenschlichen und unchristlichen Praktik.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2021-05/friedrich-spee-jesuit-hexenverfolgung-folter-frank-sobiech.html

WEITERER BERICHT auf dem Portal der Görres-Gesellschaft in Rom: https://www.goerres-gesellschaft-rom.de/news-termine/aus-aller-welt/1710-kampf-gegen-den-mainstream-des-hexenwahns-friedrich-spee.html


Kardinal Müller: Gläubige ecken an, denn Christus ist für sie Eckstein und Fels des Heils

In einem Interview der katholischen „Tagespost“ dieser Woche mit dem ehem. Glaubenspräfekten Gerhard L. Müller geht es um aktuelle und grundsätzliche Themen.

Nächsten Monat erscheint im Herder-Verlag das neueste Buch des Kardinals unter dem programmatischen Titel „Was ist katholisch?“

Der deutsche Würdenträger (siehe Foto) fordert in dem DT-Interview dazu auf, den geraden Weg der Nachfolge Christi zu gehen und nicht der „Gefallsucht“ oder Bequemlichkeit auf den Leim zu gehen – und er fügt hinzu:

„Nicht weil Christen diese oder jene politische Option oder wissenschaftliche Position vertreten, werden sie beargwöhnt, lächerlich gemacht und blutig verfolgt. Sie ecken an, weil Jesus der Eckstein und Fels ist, auf dem man das Haus des Lebens aufbaut, oder an dem man anstößt und zu Fall kommt.“

Zu den vieldiskutierten Segnungen für gleichgeschlechtliche Partnerschaften erklärt Müller:

„Die Frage Jesu: „Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen männlich und weiblich geschaffen hat?“ können nur Schein-Christen mit einem dummdreisten Nein beantworten. Der Missbrauch des Segens, als eines

Gebetes der Kirche um Gottes Gnade für unser Leben und Wirken, wird deutlich, wenn es in der Genesis am Ursprung der Schöpfung des Menschen als Mann und Frau heißt: „Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch…“. Die Basis der katholischen Kirche übrigens ist das Wort Gottes und nicht die Zahl ihrer Anhänger, die sich zu ihr bekennen oder von ihr abwenden…“

Aus Sicht des ehem. Glaubenspräfekten solle man bei kirchlichen Mißständen – wie etwa der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare – nicht gleich nach dem Vatikan rufen, denn die Oberhirten in Deutschland seien zuständig für die Einhaltung kirchlicher Weisungen, denn letzten Endes sei es „die ihm von Christus gestellte Aufgabe des Ortsbischofs, einer derartigen Provokation der Kirche und des Glaubens durch geweihte Priester klar und klug entgegenzutreten“.

Grundsätzlich hat der Kardinal damit ganz recht. Was geschieht aber dann, wenn Bischöfe dieser Aufgabe nicht nachkommen? – Wohin sollen sich Gläubige dann wenden – wenn nicht an den Vatikan als der einzigen übergeordneten Instanz?!

Fotos: Bistum Regensburg, Felizitas Küble


Iran: Bürgerrechtlerin Narges M. angeklagt

Kopftuchzwang statt Selbstbestimmung, Gefängnis statt Freiheit: Täglich werden Frauen im Iran diskriminiert und belästigt, zu Unrecht eingesperrt und müssen sich den Männern unterordnen.

Wer sich auflehnt oder sich für die Rechte von Frauen einsetzt, dem drohen harte Strafen, wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) anlässlich des Weltfrauentags am 8. März erklärt.

Die IGFM kritisiert die erneute Anklage gegen die mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar ausgezeichnete Frauenrechtlerin Narges Mohammadi. Fünf Monate nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis wurde ein weiteres Verfahren gegen die 49-jährige Journalistin und Mutter eröffnet. Mohammadi verweigerte die Teilnahme des Ende Februar begonnenen Prozesses.

Die Menschenrechtsorganisation berichtet über die systematische Einschüchterung, Verfolgung und Inhaftierung von Frauen im Iran.

„Das Schicksal und mutige Engagement von Narges Mohammadi steht symbolisch für viele Frauen im Iran, deren Menschenrechte unterdrückt werden und die dies nicht einfach hinnehmen wollen. Sie fordern die gleichen Rechte wie die Männer in der Gesellschaft, wollen mitreden, gehört werden und setzen sich friedlich für Selbstbestimmung ein. Die IGFM fordert anlässlich des Weltfrauentages, Wirtschaftsdeals mit dem Iran an die Achtung der Menschenrechte und die Gleichberechtigung der Frauen zu knüpfen“, so die IGFM.

Misshandlungen durch Gefängnisdirektor öffentlich gemacht
Narges Mohammadi machte kürzlich in einem Brief öffentlich, dass sie bei der erzwungenen Überstellung in das Zanjan Gefängnis im Januar 2020 vom Direktor des Evin Gefängnisses angegriffen und gefoltert wurde.

Nachdem sie unter dem Vorwand eines Treffens mit einem Anwalt ins Büro des Gefängnisdirektors gebracht wurde, griffen der Direktor und mehrere Gefängniswärter sie an. Sie packten sie an Armen und Beinen, stießen sie und warfen sie mit einer Decke über den Kopf gewaltsam ins Auto. Ihrer Aussage nach war ihre Kleidung zerrissen und blutig, sie hatte Verletzungen am ganzen Körper und ihre blutenden Hände waren mit Handschellen gefesselt. Ihre Beschwerde über diesen Vorfall wurde im Zanjan Gefängnis jedoch nicht beachtet. Dort war sie mit Kriminellen inhaftiert und wurde mehrfach bedroht.

Klägerin, nicht Angeklagte
Nach Angaben der IGFM wird sie wegen der Veröffentlichung des Briefes nun unter Druck gesetzt und soll erneut vor Gericht erscheinen. Ihr wird die „Veröffentlichung politischer Erklärungen, die Bildung von Schulungskursen und der Protest-Sit-in in der Frauenabteilung des Gefängnisses“ zur Last gelegt. Narges Mohammadi weigerte sich aber Ende Februar vor Gericht zu erscheinen, denn sie sei „Klägerin und nicht Angeklagte“.

Wegen Einsatz für Frauenrechte mehrfach inhaftiert
Narges Mohammadi war Vizepräsidentin und Sprecherin des Zentrums für Menschenrechtsverteidiger, in dem sich die wichtigsten iranischen Menschenrechtler zusammengeschlossen hatten. Sie setzt sich gegen die Todesstrafe und für Frauenrechte im Iran ein und wurde dafür mehrere Male verhaftet sowie verurteilt – zuletzt zu einer 16-jährigen Gefängnisstrafe.

Nach über acht Jahren hinter Gittern war sie im Oktober 2020 entlassen worden. Wie die IGFM berichtet, wurde ihr aber der Reisepass verweigert, so dass sie ihre in Frankreich lebenden Kinder und ihren Ehemann nach Jahren der Trennung bis heute nicht sehen konnte.

Weitere Infos zu Menschenrechten im Iran


Ursachen und Folgen des Hexenglaubens

Pressemitteilung der Universität Mainz:

Der Glaube an Hexen und die Angst vor ihnen ist mit dem Ende der Hexenprozesse in Europa keineswegs völlig verschwunden. Rund 250 Jahre sind inzwischen vergangen, aber noch immer finden in westlichen Gesellschaften Ideen und Konzepte, die Anleihen bei altem Hexenglauben nehmen, ihre Anhänger. In anderen Regionen der Erde sind Hexenverfolgungen bis heute dokumentiert.

Vor diesem Hintergrund ist nach Einschätzung von Prof. Dr. Johannes Dillinger, Historiker an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Oxford Brookes University, ein besseres historisches Verständnis der Hexenangst dringend nötig.

Hexenprozesse waren weltliche Verfahren

Die Hexenverfolgung in Mitteleuropa begann um 1560. Es war ein Flächenbrand, bei dem jeder unter Verdacht geraten konnte. „Die Anklagen gingen nicht, wie oft geglaubt, von der katholischen Kirche aus, sondern meistens vom einfachen Volk, dem Bauernstand. Hexenprozesse waren fast immer weltliche Prozesse“, so Dillinger.

Opfer der Verfolgungen waren zu etwa 80 Prozent Frauen. Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen, ein ganz wesentlicher Grund erklärt sich allerdings durch die weibliche Arbeitssphäre: Frauen waren für die Versorgung von Kindern und Kranken zuständig. In ihrer Verantwortung lagen Heilung und Pflege und damit Leben oder Tod – die weibliche Magie war somit weit gefährlicher als die männliche.

Korrigiert werden muss auch das Bild von der „Kräuterhexe“: Die Vorstellung, dass die Opfer der Hexenprozesse professionelle Heilerinnen mit pharmazeutischen Spezialkenntnissen waren, ist genauso falsch wie das Klischeebild von der alten, buckligen Märchenhexe.

Klimatische Veränderungen begünstigen den Wahn

Neueren Erklärungsversuchen zufolge trug ein klimatisches Phänomen dazu bei, den Boden für Misstrauen, Verdächtigungen und Anschuldigungen zu bereiten: Die Hauptzeit der Hexenverfolgung zwischen 1560 und 1650 fällt mit der kältesten Phase der Kleinen Eiszeit zusammen.

Die Klimaverschlechterung führte zu schweren Ernteverlusten und Hungersnöten und in der Folge zu sozialen Spannungen. Gerade in Deutschland wurden Hexen vor allem als Wetterzauberinnen gesehen und schädigende Wetterereignisse konnten ihnen direkt zur Last gelegt werden.

Auch noch heute führt der Glaube an böse Magier und Schadenszauber zu Hexenjagd und Morden, besonders in Afrika und Saudi-Arabien. Offizielle Hinrichtungen vermeintlicher Hexen sind ebenso wie Lynchmorde selbst im 21. Jahrhundert dokumentiert.


IGFM: Auslieferungsverfahren für verfolgten belarussischen Ewgenij Schabaljuk stoppen

Der belarussische Diktator Lukaschenko lässt die Proteste nach der Wahl im vergangenen Jahr gewaltsam niederschlagen und protestierende Bürger verfolgen. Dies erlebte Ewgenij Schabaljuk am eigenen Leib. Er wurde nach der Teilnahme an einer Demonstration im August 2020 verhaftet und in der Haft gefoltert. Nach seiner Entlassung floh er nach Russland.

Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, wurde der 23-jährige Familienvater am 5. Januar 2021 in Moskau verhaftet. Er soll nach Belarus (Weißrußland) ausgeliefert werden. Dort drohen ihm drei bis fünf Jahre Gefängnis wegen „Widerstands gegen Mitarbeiter der Staatssicherheit“.

Am 9. August 2020 hatte Schabaljuk an einer Demonstration in Brest teilgenommen. Als er verhinderte, dass Polizisten einen seiner Freunde aus der Protestveranstaltung ziehen konnten, gingen diese mit Schlagstöcken auf den Familienvater los, bevor dieser schließlich fliehen konnte.


Unter einem Vorwand wurde Schabaljuk zwei Tage später in die Stadt gelockt und dort zusammen mit einem Freund von bewaffneten, maskierten Männern in einen Kleinbus gezogen. Zwei Tage lang wurde er in der Haft gefoltert. Er sollte gestehen, dass er bezahlt wurde, um Unruhen in Brest zu organisieren.

Am 13. August wurde er, übersät mit Blutergüssen, voller Blut und ohne Schuhe entlassen. Nach seiner Entlassung brachte ihn seine Frau ins Krankenhaus. Dort waren die Ärzte von seinem Zustand so schockiert, dass sie ihn aufforderten, eine Erklärung gegenüber der Polizei abzugeben.

„Von einem Tag auf den anderen werden in Belarus aus normalen Bürgern politische Gefangene. Ewgenij Schabaljuk wurde im Gefängnis brutal gefoltert und suchte daraufhin in Russland Schutz. Die Misshandlungen des jungen Familienvaters sind sogar in einem offiziellen Krankenhausdokument festgehalten. Daher fordert die IGFM Russland auf, Ewgenij Schabaljukumgehend freizulassen und seine Auslieferung an Belarus zu stoppen“, erklärt Edgar Lamm, Vorsitzender der IGFM.

Bilder und weitere Informationen 

Weitere Informationen zur Menschenrechtslage in Osteuropa und Mittelasien:


Asien: Digitale Christenverfolgung nimmt zu

Der Einsatz digitaler Überwachungstechnik nimmt in vielen Ländern Asiens rasant zu – insbesondere im kommunistischen China. Dadurch verändert sich auch die Art, wie Christen in der Ausübung ihres Glaubens eingeschränkt werden.

Das Hilfswerk Open Doors hat in einer Untersuchung Beispiele hierfür zusammengestellt und die Auswirkung auf verfolgte Christen erforscht.

Eine Gruppe von Christen nutzt eine Videoplattform, um per Internet von zu Hause aus am Gottesdienst teilzunehmen. Tags darauf werden einige von ihnen in Handschellen abgeführt – so geschehen letztes Jahr Ostern in China. Der einzige Grund für ihre Verhaftung war, dass sie an einem Online-Gottesdienst teilnahmen.

Gläubige am Online-Pranger

„Das Auftreten von Verfolgung verändert sich von direkten physischen Angriffen hin zu heimtückischeren Online-Formen“, sagt Jan Vermeer, Open Doors-Kommunikationsdirektor für Asien. In den letzten Jahren habe sich eine andere Ebene der Unterdrückung herausgebildet: die digitale Verfolgung oder „Verfolgung 2.0“:

„Schläge, Inhaftierungen und Mob-Attacken gibt es immer noch, aber inzwischen beobachten wir Online-Mobbing, -Diffamierung und -Überwachung in immer mehr asiatischen Ländern. Um einen Christen einzuschüchtern, griffen die Verfolger früher auf rohe Gewalt zurück. Doch heute stehen ihnen ausgefeiltere Mittel zur Überwachung und Einschüchterung religiöser Minderheiten zur Verfügung.“

Die Covid-19-Pandemie hat dem Ausbau staatlicher Überwachungstechnik einen deutlichen Schub versetzt. Doch schon zuvor waren die Herausforderungen für die Kirchen groß, wie eine Betroffene aus Zentralasien erläutert:

„Oft erfährt die Polizei Zeit und Ort der geheimen Treffen durch Abhören. Sie führen Razzien durch und verhaften die Christen. Das Abhören ist der Grund dafür, dass ein Pastor aus Zentralasien von den Sicherheitsdiensten vorgeladen wurde und ihm die Abschiebung aus seinem Land drohte. “

Während staatliche Stellen die Christen durch Überwachung und die gezielte Blockade christlicher Inhalte unter Druck setzen, nutzen gesellschaftliche Akteure die sozialen Medien, um Druck auf Christen aufzubauen. Dazu zählen Falschinformationen, Anstachelung zu Gewalt und Hassrede gegen Christen, wobei Pastoren und kirchliche Leiter besonders häufig betroffen sind.

Auf dem Weltverfolgungsindex 2021 steht China an 17. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Quelle: Open Doors


Biden beendet Anti-China-Politik der USA

Von Felizitas Küble

Wie es zu erwarten war, hat der neue Präsident Biden mit der China-Politik seines Vorgängers Schluß gemacht – mögen die Menschenrechtsverletzungen in dem kommunistischen Riesenreich auch weiter zunehmen, so etwa aktuell mit der verfolgten Minderheit der Uiguren, die in Arbeitslagern interniert werden.

Zudem hat das dortige Regime soeben eine totalitäre Ausweitung seiner Zensur im Internet beschlossen, die alle Bürger betrifft und Meinungsfreiheit faktisch verunmöglicht. (Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2021/02/05/china-zensur-auf-privatpersonen-ausgeweitet/)

Biden erkärte jetzt in seiner ersten außenpolitischen Rede, er sehe mit dem chinesischen Regime auch „Möglichkeiten zur Kooperation“: „Wir sind bereit, mit Pekin zusammenzuarbeiten, wenn es in Amerikas Interesse ist“. Er bezeichnete die Diktatur als „größten Rivalen“ der USA – also nur noch ein Rivale, kein Gegner mehr?

Im SRF heißt z.B. dazu: „Als grössten Konkurrenten bezeichnete Biden China. Die USA seien bereit, mit Peking zusammenzuarbeiten. Man werde der Regierung aber aus einer «Position der Stärke» gegenübertreten. Den Iran erwähnte er nicht.“ (Quelle: https://www.srf.ch/news/international/jemen-china-russland-joe-biden-zur-aussenpolitik-amerika-ist-zurueck)

Erstens stellt sich die Frage, ob die angebliche Position der Stärke“ mehr als nur eine Beruhigungs-Rhetorik darstellt – zweitens wird sich Israel gewiß nicht darüber freuen, daß die atomare Iran-Bedrohung für den neuen Präsidenten keine Zeile wert ist.

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