Groll und Zorn sind abscheulich, nur der Sünder hält daran fest

Heutige liturgische Sonntagslesung der kath. Kirche:
Jesus Sirach 27,30.28,1-7.

Groll und Zorn, auch diese sind abscheulich,
nur der Sünder hält daran fest.
Wer sich rächt, an dem rächt sich der HERR;
dessen Sünden behält ER im Gedächtnis.
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Vergib deinem Nächsten das Unrecht,
dann werden dir, wenn du betest, auch deine Sünden vergeben.
Der Mensch verharrt im Zorn gegen den andern,
vom HERRN
aber sucht er Heilung zu erlangen?
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Mit seinesgleichen hat er kein Erbarmen,
aber wegen seiner eigenen Sünden bittet er um Gnade?
Obwohl er nur ein Wesen aus Fleisch ist,
verharrt er im Groll, wer wird da seine Sünden vergeben?
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Denk an das Ende, lass ab von der Feindschaft,
denk an Untergang und Tod, und bleib den Geboten treu!
Denk an die Gebote, und grolle dem Nächsten nicht,
denk an den Bund des Höchsten, und verzeih die Schuld!
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Seligsprechung einer Ordensfrau, die Opfer eines satanischen Rituals wurde

Am 19. Juni 2020 bestätigte Papst Franziskus das Dekret über das Martyrium der Dienerin Gottes, Schwester Maria Laura Mainetti vom Orden der Töchtern des Kreuzes. 

Sie wurde am 20. August 1939 in Colico (Italien) geboren, auf den Namen Teresina getauft und am 6. Juni 2000 aus Hass auf den Glauben in Chiavenna ermordet. Die Nonne wurde Opfer eines satanischen Rituals (inspiriert vom Datum des 6. Tages im 6. Monat des neuen Jahrtausends).

„Hier bin ich! HERR, vergib ihnen“, sagte Schwester Laura kurz vor ihrem Tod.

Im Alter von 18 Jahren trat Teresina in die Kongregation der Töchter des Kreuzes ein: Im August 1959 legte sie ihr erstes Gelübde als Schwester Maria Laura ab und 1960  folgten die ewigen Gelübde im Mutterhaus in La Puye. Sie widmete ihr Leben den Kindern, Jugendlichen und Familien in Vasto (Chieti), Rom und Parma, bis sie 1984 nach Chiavenna kam.

Hier leitete sie seit 1987 als Oberin auch die örtliche Ordensgemeinschaft. Die Mitschwestern beschreiben sie als „unermüdlichen und positiven Menschen, immer bereit, die Ärmel hochzukrempeln, wenn sie sich mit einer schwierige Situation konfrontiert sah“.

Schwester Maria Laura hatte ein besonderes Augenmerk für junge Menschen. Am Abend des 6. Juni 2000 verließ sie das Kloster, um drei minderjährigen Mädchen zu Hilfe zu eilen. Doch sie war von ihnen in eine Falle gelockt worden. Sie starb betend und bat Gott um Vergebung für ihre Mörderinnen.

Quelle: Fidesdienst


CHRISTUS ist die Sühne für unsere Sünden

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Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 1 Joh 1,5-10 ff:
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Das ist die Botschaft, die wir von Jesus Christus gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm.
Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben und doch in der Finsternis leben, lügen wir und handeln nicht in der Wahrheit.
Wenn wir aber im Licht leben, wie ER im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Christi reinigt uns von aller Sünde.
Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns.
Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist ER treu und gerecht; ER vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.
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Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten.
ER ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt.
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Australien: Vollständiger Freispruch für Kardinal George Pell nach 13 Monaten Haft

Nach 13 Monaten Inhaftierung ist Kardinal George Pell am heutigen Dienstag freigelassen worden, nachdem die Obersten Richter Australiens einstimmig seine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs aufgehoben und den 78-jährigen freigesprochen haben.

Der Kardinal – der von Anfang an seine Unschuld beteuerte – hätte niemals verurteilt werden dürfen, schreiben die Richter. Das hätte auch das Geschworenengericht in Victoria erkennen müssen – so der High Court – das Pell im Jahr 2018 für schuldig befunden hatte, nach der Feier der heiligen Messe in den Jahren 1996 und 1997 zwei Chorknaben sexuell missbraucht zu haben.

Ein Berufungsgericht in Victoria hatte den Schuldspruch noch bestätigt – allerdings mit einer signifikanten Gegenstimme des renommierten Richters Mark Weinberg, der massive Bedenken anmeldete, wie CNA Deutsch berichtete.

Diesen Bedenken, die auch der Berufungsantrag der Anwälte Pells geltend machte, gaben einstimmig Australiens oberste Richter nun statt. Den vollen Wortlaut des Urteils unter der Vorsitzenden Richterin Susan Kiefel lesen Sie hier.

In einer vom Erzistum Sydney veröffentlichten Stellungnahme dankte Kardinal Pell seiner Familie, seinen Freunden und den Anwälten – und betont, er hege keinen Groll gegen seinen Beschuldiger. „Ich habe stets meine Unschuld bewahrt, während ich unter einer schweren Ungerechtigkeit gelitten habe“, erklärte Pell am heutigen 7. April.

„Diese Ungerechtigkeit sei mit der einstimmigen Entscheidung des Hohen Gerichtshofs behoben“, fügt Pell hinzu. Er freue sich darauf, die Urteilsgründe für die Entscheidung im Detail zu lesen:

„Die einzige Grundlage für eine langfristige Versöhnung ist die Wahrheit, und die einzige Grundlage für Gerechtigkeit ist die Wahrheit, denn Gerechtigkeit bedeutet Wahrheit für alle“, fügt der Kardinal hinzu.

Pells Erklärung dankte „für all die Gebete und Tausende von Unterstützungsbriefen“ aus aller Welt. In einer ersten Stellungnahme erklärte die australische Bischofskonferenz:

„Viele werden den heutigen Freispruch begrüßen, einschließlich aller, die während dieses langwierigen Prozesses stets an die Unschuld des Kardinals geglaubt haben.“

Quelle und vollständige Meldung hier https://de.catholicnewsagency.com/story/kardinal-pell-kommt-frei-australiens-oberster-gerichtshof-hebt-schuldspruch-auf-6060

HIER mein Artikel vom März vorigen Jahres pro Kardinal Pell, wonach sich auch Kardinal Müller für den unschuldig verurteilten Kirchenmann einsetzte:

https://charismatismus.wordpress.com/2019/03/07/auch-kardinal-mueller-setzt-sich-fuer-den-verurteilten-kardinal-george-pell-ein/


GOTT ist im Recht, uns aber steht bis heute die Schamröte im Gesicht…

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Aus der heutigen liturgischen Lesung der kath. Kirche: Dan 9,4 ff:
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HERR, du großer und ehrfurchtgebietender Gott, du bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten, deinen Bund und deine Gnade.
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Wir haben gesündigt und Unrecht getan, wir sind treulos gewesen und haben uns gegen dich empört; von deinen Geboten und Gesetzen sind wir abgewichen.
Wir haben nicht auf deine Diener, die Propheten, gehört, die in deinem Namen zu unseren Königen und Vorstehern, zu unseren Vätern und zu allen Bürgern des Landes geredet haben.
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Du, HERR, bist im Recht; uns aber steht bis heute die Schamröte im Gesicht, den Leuten von Juda, den Einwohnern Jerusalems und allen Israeliten, seien sie nah oder fern in all den Ländern, wohin du sie verstoßen hast; denn sie haben dir die Treue gebrochen.
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Ja, HERR, uns steht die Schamröte im Gesicht, unseren Königen, Oberen und Vätern; denn wir haben uns gegen dich versündigt. Aber unser Gott schenkt Erbarmen und Vergebung.  
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Foto: Felizitas Küble

Bei GOTT ist Vergebung, damit man IHM in Ehrfurcht dient

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 130 (129), 1-2ff.

Aus der Tiefe rufe ich zu dir:
HERR, höre meine Stimme!
Wende dein Ohr mir zu,
achte auf mein lautes Flehen!

Würdest du, HERR, unsere Sünden beachten,
wer könnte bestehen?
Doch bei dir ist Vergebung,
damit man in Ehrfurcht dir dient.

Ich hoffe auf den HERRN, es hofft meine Seele,
ich warte voll Vertrauen auf sein Wort
Meine Seele wartet auf den HERRN
mehr als der Wächter auf den Morgen


Bei unserem GOTT ist Vergebung, damit man ihm in Ehrfurcht dient

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 130 (129),1-2.3-4.5-6ab.

Aus der Tiefe rufe ich zu dir:
HERR, höre meine Stimme!
Wende dein Ohr mir zu,
achte auf mein lautes Flehen!
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Würdest du, HERR, unsere Sünden beachten,
wer könnte dann bestehen?
Doch bei dir ist Vergebung,
damit man in Ehrfurcht dir dient.
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Ich hoffe auf den HERRN, es hofft meine Seele,
ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.
Meine Seele wartet auf den HERRN,
mehr als die Wächter auf den Morgen.

Versöhnungswege: Deutsche Vertriebene – Traumatisierte in Burundi und Ruanda

Von Stefan P. Teppert

Dass die Kette von Hass und Vergeltung durch verzeihende Liebe durchbrochen werden muss, war die Grundeinsicht katholischer deutscher Vertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg.

Eine Tagung versuchte, deren Lösungsansätze mit jenen im Afrika der Großen Seen nach den dort verübten Gräueltaten zu vergleichen.

Getragen und organisiert war die Veranstaltung von der sudetendeutschen „Ackermann-Gemeinde“ und dem afrikanischen Netzwerk „Rapred Girubuntu“, gefördert durch Mittel des Landes Baden-Württemberg und der „Stiftung Entwicklungszusammenarbeit“ (SEZ).

Im Bildungszentrum der Caritas in Freiburg i. Br. trafen sich am 21. September 2019 Referenten, Diskussionsteilnehmer und Interessierte aus Afrika und Deutschland.

Im Namen der SEZ begrüßte deren stellv. Vorsitzender Philipp Klein (siehe Foto) die Teilnehmer. Von einem Besuch in Ruanda kam er beeindruckt vom Mut und der freudigen Kraft der Menschen zurück. Ihre Haltung bei der Lösung ihrer vielschichtigen Probleme sei mustergültig. Bei den schweren seelischen Verletzungen könne die Lösung nur darin bestehen, alle Aspekte zu beleuchten.

Als Ehrengast hielt Bischof Mgr. Joachin Ntanhondereve (siehe Foto), der Präsident der Katholischen Bischofskonferenz in Burundi, das Eröffnungsreferat.

Er nannte eine Agenda von sechs sich gegenseitig ergänzenden und sogar aufeinander aufbauenden Aufgaben seiner Kirche, um in Burundi, dieser kleinen Nation des ehemaligen Deutsch-Ostafrika, dieVersöhnung mit Gerechtigkeit und Vergebung in Verbindung zu bringen.

Um die mit tiefen Wunden und großem Misstrauen nebeneinander lebenden Minderheiten, insbesondere jene der Hutu und Tutsi, ins Gespräch zu bringen, müsse die Kirche bei aller Notwendigkeit, einig im Geiste Christi zu bleiben, ihre Aktionen über die Konfessionen hinaus ausdehnen, sich im weltlichen Bereich für Wahrheit und Gerechtigkeit einsetzen; das sei die Voraussetzung dafür, dass die Konfliktparteien ihre Sichtweise ändern.

Zweitens müsse die Kirche einen pastoralen Dienst, in allen Diözesen eine Synode in Gang setzen, die eine Kultur des Friedens und der Versöhnung fördern. Drittens bedürfe es einer gründlichen Analyse der Ursachen für Spaltung und Konflikte. Dazu gehören Fragen der sozialen Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Freiheit.

Die vierte Herausforderung bestehe in der Erziehung der Burundianer zur geschichtlichen Wahrheit in der Schul- und Hochschulbildung, wobei die gemeinsame Korrektur der bisherigen Historiographie nicht fehlen dürfe.

Eine katholische Universität solle sich fünftens dem Auftrag widmen, ein dem Gemeinwohl, der Subsidiarität und Solidarität dienendes Menschenbild zu befördern, in dem die unveräußerliche Würde jedes Einzelnen gewahrt ist.

Die sechste und letzte Verpflichtung sei es, Traumata zu heilen. Dies sei nur möglich, zitierte der Bischof Bundespräsident Richard von Weizsäcker, wenn alle gemeinsam, ob schuldig oder nicht, alt oder jung, die Vergangenheit und ihre Konsequenzen annehmen. Wer sich weigert, sich an die geschehene Unmenschlichkeit zu erinnern, sei neuen Infektionsrisiken ausgesetzt.

Dr. Martina Bär (siehe Foto), Gastprofessorin für Systematische Theologie an der Freien Universität Berlin, sprach zum Thema Vergebung, Verantwortung und Versöhnung aus christologischer Perspektive.

Jesus habe Feindesliebe nicht nur gepredigt, sondern unabhängig von der Schwere der Schuld bestürzend konsequent und langmütig auch vorgelebt, selbst noch in seinem Leiden am Kreuz, indem er als unschuldiges Opfer für seine Peiniger und Verräter um Vergebung bat.

Im Unterschied zu der an der Tora orientierten Umkehrpredigt Johannes des Täufers sei für Jesus der Heilsraum durch Gott selbst und seine bedingungslose Zuwendung zu allen Menschen schon eröffnet. Die Menschen müssten weder heilswirksame Opferkulte noch Sühnerituale einhalten, es bedürfe keiner ethischen Vorleistung.

Was allein zählt, sei die Umkehr und der Glaube an die frohe Botschaft Jesu. Das Kreuz lade, befreiungstheologisch verstanden, zum Kampf gegen die Herrschaft todbringender Mächte ein, die Auferweckung Jesu sei ein Triumph der Gerechtigkeit.

Doch nicht seine Wunden, sondern dahinter die Liebe Gottes wirken heilend und rettend. Wenn Gott Barmherzigkeit vor Gerechtigkeit walten lässt, könne dies jedoch nicht heißen, dass der Prozess der Schuldvergebungohne zwischenmenschliche Versöhnungsprozesse in Gang kommt.

Ein Opfer kann nach einer Aussprache über seine Verwundungen freiwillig zur Vergebung geneigt sein, sofern dies beim Täter vom Eingeständnis seiner Schuld und Reue, der Bitte um Gnade und dem Versprechen der Wiedergutmachung flankiert wird.

Versöhnung sei also kein Automatismus, sondern brauche Wahrheit, müsse von Täter- wie von Opferseite ausgehen und beruhe beiderseits auf freien Entscheidungen.

Arbeiten Nach(bürger)kriegsgesellschaften ihre Vergangenheit nicht auf, um zukunftsfähig zu werden, kann ein zerbrechlicher Friede von extremistischen Kräften missbraucht werden. Opfer und auch Täter dürften aber auf die durch Jesu Opfer bezeugte Empathie Gottes vertrauen. Das sei der Beginn eines Vergebungs- und Erlösungsgeschehens, schloss die Theologin.

Prof. Dr. Rainer Bendel (siehe Foto) aus Tübingen widmete sich in seinem Vortrag den langfristigen Folgen der Vertreibung in der deutschen Erlebnisgeneration, die kaum ein anderer so umfassend reflektiert habe wie P. Paulus Sladek OESA, der sich in den 1950er Jahren mit tiefenpsychologischen Studien auseinandersetzte, um das Problem des Heimatverlustes und Heimatfindens zu verstehen.

Sladek gehörte zu den ersten, die ihre Verblendung eingestanden, dazu aufforderten, sich der Situation zu stellen und Mischverhältnisse zwischen Tätern und Opfern wahrzunehmen.

Wichtige konsolidierende Elemente waren für ihn die Seelsorge und karitative Maßnahmen, Multiplikatorenarbeit, die Pflege gewohnter religiöser Formen, sozialer Ausgleich, Verständigung zwischen Vertriebenen und Einheimischen, Verzicht auf Rache- und Hassgefühle gegenüber den Vertreibern durch christliche Feindesliebe, letzteres auch als eine Forderung der Selbstachtung.

Aber keineswegs wollte Sladek damit politisches Unrecht sanktionieren, Besänftigungspolitik decken oder die legitime Forderung nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung ausschließen, hegte er doch die Hoffnung, dass auch die Verbrechen der Alliierten gegen die Menschlichkeit nach Kriegsende vor einem internationalen Gerichtshof verhandelt würden.

Der Kampf für das Recht auf die Heimat ist eine Konstante der Forderungen Sladeks, er hat auch den Kampf für Freiheit und Menschenwürde der Nachbarvölker im Osten zur Konsequenz. Den Vertriebenen dachte er dabei als Brückenbauern eine große Verantwortung zu.

Seine Überzeugung, man müsse unbeirrt der ganzen Wahrheit nachforschen, sollte allerdings nicht zu einer gegenseitigen Aufrechnung oder Relativierung von Schuld führen. Dennoch betrachtete er Versöhnung immer als ein zweiseitiges Geschehen.

Erinnerung an vergangenes Unrecht dürfe jedoch nicht Versöhnungsbereitschaft zerstören, das Verhältnis von Völkern dauerhaft belasten und zu Feindseligkeiten führen. Notwendig sei es, die Schuldfrage zu versachlichen. Langer Atem sei notwendig, um in zähem Ringen zu Aussöhnung ohne Revanchismus zu gelangen und Baustein für etwas Neues zu werden.

Dr. Adome Blaise Kouassi (siehe Foto), der an verschiedenen Universitäten Afrikas lehrt, nahm sich des Beitrags an, den Mediation bei der Suche nach Gerechtigkeit, Vergebung und Versöhnung leisten kann.

Mediation ist weltweit anerkannt als Methode zur Lösung oder Aufarbeitung von Konflikten, sowohl an traditionellen wie auch modernen Gerichten. Sie kann generell als das Führen eines streitlosen Verfahrens mit Hilfe von neutralen Personen beschrieben werden.

Diese können im traditionellen Recht ausgewiesene Persönlichkeiten der Dorfgemeinschaft oder im modernen Recht gut ausgebildete Rechts- und Sozialwissenschaftler sein. Dabei soll ein für beide Parteien günstiges Ergebnis, eine sog. Win-win-Lösung erzielt werden.

Bestimmte Aspekte der Mediation hat das Europäische Parlament am 23. April 2008 angenommen und den Mitgliedsstaaten für die jeweilige Durchführung grünes Licht gegeben. Der deutsche Gesetzgeber hat bereits 1999 die gerichtliche Mediation in das Zivilprozessrecht eingeführt.

Auch Österreich und Frankreich, die Niederlande, England und Wales kennen den Mediator als neutralen Dritten bei Verhandlungen.

Auch in afrikanischen Ländern wie Gabun, Marrokko und Algerien ist Mediation gesetzlich normiert. Länder wie Togo, Madagaskar oder Elfenbeinküste lehnen sie im modernen Gerichtswesen ab und überlassen sie dem traditionellen Recht, mit dem bei den zahlreichen Konflikten und sozio-politischen Krisen bessere Erfahrungen zum Schutz und der Sicherstellung des sozialen Gleichgewichts und der Harmonisierung zwischen einzelnen Dorfbewohnern bzw. der gesamten Gemeinschaft gemacht worden sind als mit moderner Justiz, die mangels Personal und Finanzmitteln häufig überfordert ist.

In vielen anglo- wie auch frankophonen Ländern Afrikas südlich der Sahara existieren im traditionellen Recht ähnliche Formen der Mediation, deren zentrales Element die Gerechtigkeit ist. Der Mensch wird mit Respekt und Fingerspitzengefühl behandelt, es herrscht kollektive Verantwortlichkeit. Dr. Kouassi konzentrierte sich auf das Beispiel der Elfenbeinküste, um die dortige Mediation mit ihren Organen (wie Familie, Dorfrat und Stamm) und Inhalten (wie Wahrheitssuche, Strafe und Wiedereingliederung) darzustellen.

Pater Dr. Déogratias Maruhukiro (siehe Foto) aus Freiburg wollte anschließend kein Referat halten, sondern einen Impuls geben, indem er fragte, ob die Gerechtigkeit Voraussetzung sein muss für Vergebung und Versöhnung. Er beantwortete die Frage mit den Worten, die Jesus an den Apostel Petrus richtete, man müsse nicht nur 7 Mal, sondern 77 Mal vergeben.

„Wir als Kirche müssen verzeihen“, betonte er und fragte, was zuerst existiert: Verzeihung oder Gerechtigkeit? Die Justiz sei nicht in erster Linie wegen der Strafe da, sondern solle die Wahrheit aufdecken, Klärung und Differenzierung herbeiführen, um den Frieden der Gemeinschaft zu wahren, sei es mit traditioneller oder moderner Vorgehensweise.

Die Justiz gebe den Opfern ein Gesicht, sonst hätte es nie existiert, und sie schaffe Rehabilitation durch Erinnerung.

Zum Abschluss der Tagung erzählten bei einer Podiumsdiskussion, bei der Dr. Bendel die Fragen stellte, vier Personen von ihren Traumatisierungen und den Beweggründen ihres jeweiligen Engagements.

Im Alter von 19 Jahren musste Bischof Ntanhondereve 1972 bei einem Massaker in Ruanda den Verlust von vier befreundeten Priesterseminaristen hinnehmen, die von Sicherheitskräften unter der Beschuldigung ermordet wurden, Rebellen zu sein. Unter großen Schmerzen und unbeschreiblicher Angst habe er sich zunächst nur noch wie ein wandelnder Kadaver gefühlt, bis Freunde ihm zu einer Wiedergeburt verhalfen, er nach Burundi zurückkehren konnte und seither nach Wegen zur Versöhnung sucht.

Erzbischof em. Dr.Robert Zollitsch (siehe Foto), der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, berichtete als Betroffener eines Genozids am Ende des Zweiten Weltkriegs. Der heimatvertriebene Donauschwabe, geboren im heutigen Serbien –  damals Jugoslawien – erlebte im Alter von sechs Jahren den Einmarsch der Sowjets in sein Heimatdorf Filipowa, die Übernahme der Herrschaft durch Titos Partisanen, die Enteignung und Entrechtung der Deutschen des Landes, ihre Internierung in Arbeits- und Vernichtungslager.

Erst nach 60 Jahren konnte er seinen Heimatort und sein Elternhaus wieder aufsuchen. Er plädiert dafür, einerseits nichts zu verschweigen, man dürfe aber auch nicht unnötig daran erinnern oder Aufrechnung betreiben. Nur über das Geltenlassen des Anderen lassen sich Brücken bauen und Wege in die Zukunft finden. Wer verzeihen kann, erlebe eine Befreiung, das Erlebte verliere an furchtbarer Last.

Dr. Marie Louise Baricaco (siehe Foto) aus Ruanda musste den Tod zweier unschuldiger Minderjähriger miterleben, woraufhin sich ihre Leidenschaft entzündete, etwas zu verändern und Hilfe für vergewaltigte Frauen zu leisten. Sie gründete 1995 in Burundi den „Le Mouvement des Femmes et des Filles pour la Paix et la Sécurité“.

Diese Bewegung der Frauen und Mädchen tritt mit den Mitteln des gewaltlosen Protests und des Dialogs nicht nur für Frieden und Sicherheit, Aufklärung, Toleranz und Versöhnung ein, sondern auch für die Respektierung der durch Präsident Pierre Nkurunziza gebrochenen Verfassung, wodurch zahlreiche Menschen getötet und vertrieben wurden, sowie die Rückkehr zur Legalität und Beachtung des Abkommens von Arusha.

Aline Ndenzako (siehe Foto) gründete 2017 in Paris zusammen mit Beate Klarsfeld die Vereinigung „Mémoires communes, Avenir commun“ (Gemeinsame Erinnerung, gemeinsame Zukunft), eine Plattform der burundischen Opposition im Exil, die sich zum Ziel gesetzt hat, die interethnischen Konflikte zu beenden.

Damit eines Tages Gerechtigkeit geschehen kann, werden nach dem Vorbild der Opfer der Shoa die Namen der Toten und Vermissten gesammelt. Die Enkelin des ehemaligen Königs von Burundi, Mwambutsa IV., wurde schon früh auf die Ungerechtigkeit aufmerksam, die ihre Familie zu erdulden hatte; ihre beiden Onkel wurden ermordet, einer davon ein Held im Kampf gegen das koloniale Joch.

Als Angehörige der Aristokratie und einer vierten ethnischen Gruppe neben den Twas, Hutus und Tutsis hat Aline Ndenzako einen neutralen Status, der es ihr ermöglicht, die Vorurteile zwischen den Gruppen abzubauen und nach Eintracht zu streben.

Die sowohl in deutscher wie französischer Sprache gehaltenen Referate und Redebeiträge wurden von zwei jungen, aus Afrika stammenden, aber in Freiburg beheimateten Lehrerinnen simultan in die jeweils andere Sprache übersetzt.

Vergleichende und vertiefende Betrachtungen zu kriegsbedingten Traumata aus verschiedenen Epochen und Zonen und das Sprechen über sie sind sinnvoll und hilfreich; so kann das Fazit dieser Tagung lauten – und dies nicht nur, weil sie solidarische Sorge um und Verantwortung für das Thema gegenüber Tätern wie auch Opfern signalisieren, sondern auch, weil sie aufklärend und als Dialog therapeutisch wirken und gegenseitig den noch anfänglichen oder schon fortgeschrittenen Versöhnungsprozess bestärken können.

 

 


Bei GOTT ist Vergebung, damit man ihm in Ehrfurcht dient

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 130 (129),1-2.3-4.5-6ab.6c.7a.8.

Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir:
Höre meine Stimme!
Wende dein Ohr mir zu,
achte auf mein lautes Flehen!

Würdest du, HERR, unsere Sünden beachten,
wer könnte bestehen?
Doch bei dir ist Vergebung,
damit man in Ehrfurcht dir dient.

Ich hoffe auf den HERRN, es hofft meine Seele,
ich warte voll Vertrauen auf sein Wort
Meine Seele wartet auf den HERRN
mehr als die Wächter auf den Morgen.

Mehr als die Wächter auf den Morgen
soll Israel harren auf den HERRN.
Ja, ER wird Israel erlösen


Buch-Neuerscheinung „Mama Shekinah“ und die Kraft christlicher Liebe

„Mama Shekinah“ schildert die Lebensgeschichte von Hedwig Rossow, deren Mann im Süd-Sudan von Kindersoldaten ermordet wurde. Statt Afrika den Rücken zu kehren, begegnet die Missionarin den Menschen dort mit Offenheit und Liebe. 

Hedwig Rossow wächst in Paraguay in einer christlich-mennonitischen Gemeinde auf. Schon immer ist sie fasziniert von fremden Ländern und reist als Missionarin erst nach Brasilien, dann nach Afrika.

Obwohl sie zur Begrüßung mit Steinen beworfen wird, verliert sie ihr Herz an diesen Kontinent und die Menschen, die dort leben. Sie hat immer ein Ziel vor Augen: Gottes Botschaft in der Welt zu verbreiten.
 
Hedwig, die von allen Hedi genannt wird, macht eine Ausbildung zur Traumaseelsorgerin. Eine Tätigkeit, die alles andere als ungefährlich ist.
 
Auf dem Weg in den Süd-Sudan werden sie und ihr Mann Colin von Kindersoldaten überfallen und beschossen. Colin stirbt in den Armen der schwangeren Hedi. Ihre Welt bricht zusammen. Trauer, Zweifel und Schmerz folgen.
 
Doch Gott hilft der jungen Mutter durch diese schwierige Zeit. Und sie nennt ihre kleine Tochter Shekinah, was soviel bedeutet wie: die Gegenwart Gottes. Gott ist da. Hedi trifft eine Entscheidung: Aus der Asche soll Schönheit erwachsen.

Mit Shekinah geht sie zurück nach Afrika und eröffnet ein Haus für ehemalige Kindersoldaten.  In ihrem Vorwort schreibt sie: „Ich habe meinen Glauben an Gott und an die Kraft der Vergebung an Verletzte und Verfolgte weitergegeben. Ich habe von ihnen gelernt, was wahre Stärke ist.“ Und dann findet sie dort auch noch ganz unerwartet eine neue Familie.
 
Zusammen mit Anna Lutz erzählt Hedwig Rossow ihre wunderbare Geschichte über Trauer, die Kraft der Liebe, Vergebung und neues Leben.

Buch-Daten: Hedwig Rossow, Anna Lutz. Mama Shekinah. Afrikas Kindersoldaten nahmen mir den Mann – ich antwortete ihnen mit Liebe. Gebunden, 13,5 x 21,5 cm, 288 S., inkl. 16-seitigem Bildteil
18,99 €. ISBN: 978-3-7751-5863-3 | SCM-Hänssler-Verlag

Erscheint am 2. September 2019