Bei unserem GOTT ist Vergebung, damit man ihm in Ehrfurcht dient

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 130 (129),1-2.3-4.5-6ab.

Aus der Tiefe rufe ich zu dir:
HERR, höre meine Stimme!
Wende dein Ohr mir zu,
achte auf mein lautes Flehen!
.
Würdest du, HERR, unsere Sünden beachten,
wer könnte dann bestehen?
Doch bei dir ist Vergebung,
damit man in Ehrfurcht dir dient.
.
Ich hoffe auf den HERRN, es hofft meine Seele,
ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.
Meine Seele wartet auf den HERRN,
mehr als die Wächter auf den Morgen.

Versöhnungswege: Deutsche Vertriebene – Traumatisierte in Burundi und Ruanda

Von Stefan P. Teppert

Dass die Kette von Hass und Vergeltung durch verzeihende Liebe durchbrochen werden muss, war die Grundeinsicht katholischer deutscher Vertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg.

Eine Tagung versuchte, deren Lösungsansätze mit jenen im Afrika der Großen Seen nach den dort verübten Gräueltaten zu vergleichen.

Getragen und organisiert war die Veranstaltung von der sudetendeutschen „Ackermann-Gemeinde“ und dem afrikanischen Netzwerk „Rapred Girubuntu“, gefördert durch Mittel des Landes Baden-Württemberg und der „Stiftung Entwicklungszusammenarbeit“ (SEZ).

Im Bildungszentrum der Caritas in Freiburg i. Br. trafen sich am 21. September 2019 Referenten, Diskussionsteilnehmer und Interessierte aus Afrika und Deutschland.

Im Namen der SEZ begrüßte deren stellv. Vorsitzender Philipp Klein (siehe Foto) die Teilnehmer. Von einem Besuch in Ruanda kam er beeindruckt vom Mut und der freudigen Kraft der Menschen zurück. Ihre Haltung bei der Lösung ihrer vielschichtigen Probleme sei mustergültig. Bei den schweren seelischen Verletzungen könne die Lösung nur darin bestehen, alle Aspekte zu beleuchten.

Als Ehrengast hielt Bischof Mgr. Joachin Ntanhondereve (siehe Foto), der Präsident der Katholischen Bischofskonferenz in Burundi, das Eröffnungsreferat.

Er nannte eine Agenda von sechs sich gegenseitig ergänzenden und sogar aufeinander aufbauenden Aufgaben seiner Kirche, um in Burundi, dieser kleinen Nation des ehemaligen Deutsch-Ostafrika, dieVersöhnung mit Gerechtigkeit und Vergebung in Verbindung zu bringen.

Um die mit tiefen Wunden und großem Misstrauen nebeneinander lebenden Minderheiten, insbesondere jene der Hutu und Tutsi, ins Gespräch zu bringen, müsse die Kirche bei aller Notwendigkeit, einig im Geiste Christi zu bleiben, ihre Aktionen über die Konfessionen hinaus ausdehnen, sich im weltlichen Bereich für Wahrheit und Gerechtigkeit einsetzen; das sei die Voraussetzung dafür, dass die Konfliktparteien ihre Sichtweise ändern.

Zweitens müsse die Kirche einen pastoralen Dienst, in allen Diözesen eine Synode in Gang setzen, die eine Kultur des Friedens und der Versöhnung fördern. Drittens bedürfe es einer gründlichen Analyse der Ursachen für Spaltung und Konflikte. Dazu gehören Fragen der sozialen Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Freiheit.

Die vierte Herausforderung bestehe in der Erziehung der Burundianer zur geschichtlichen Wahrheit in der Schul- und Hochschulbildung, wobei die gemeinsame Korrektur der bisherigen Historiographie nicht fehlen dürfe.

Eine katholische Universität solle sich fünftens dem Auftrag widmen, ein dem Gemeinwohl, der Subsidiarität und Solidarität dienendes Menschenbild zu befördern, in dem die unveräußerliche Würde jedes Einzelnen gewahrt ist.

Die sechste und letzte Verpflichtung sei es, Traumata zu heilen. Dies sei nur möglich, zitierte der Bischof Bundespräsident Richard von Weizsäcker, wenn alle gemeinsam, ob schuldig oder nicht, alt oder jung, die Vergangenheit und ihre Konsequenzen annehmen. Wer sich weigert, sich an die geschehene Unmenschlichkeit zu erinnern, sei neuen Infektionsrisiken ausgesetzt.

Dr. Martina Bär (siehe Foto), Gastprofessorin für Systematische Theologie an der Freien Universität Berlin, sprach zum Thema Vergebung, Verantwortung und Versöhnung aus christologischer Perspektive.

Jesus habe Feindesliebe nicht nur gepredigt, sondern unabhängig von der Schwere der Schuld bestürzend konsequent und langmütig auch vorgelebt, selbst noch in seinem Leiden am Kreuz, indem er als unschuldiges Opfer für seine Peiniger und Verräter um Vergebung bat.

Im Unterschied zu der an der Tora orientierten Umkehrpredigt Johannes des Täufers sei für Jesus der Heilsraum durch Gott selbst und seine bedingungslose Zuwendung zu allen Menschen schon eröffnet. Die Menschen müssten weder heilswirksame Opferkulte noch Sühnerituale einhalten, es bedürfe keiner ethischen Vorleistung.

Was allein zählt, sei die Umkehr und der Glaube an die frohe Botschaft Jesu. Das Kreuz lade, befreiungstheologisch verstanden, zum Kampf gegen die Herrschaft todbringender Mächte ein, die Auferweckung Jesu sei ein Triumph der Gerechtigkeit.

Doch nicht seine Wunden, sondern dahinter die Liebe Gottes wirken heilend und rettend. Wenn Gott Barmherzigkeit vor Gerechtigkeit walten lässt, könne dies jedoch nicht heißen, dass der Prozess der Schuldvergebungohne zwischenmenschliche Versöhnungsprozesse in Gang kommt.

Ein Opfer kann nach einer Aussprache über seine Verwundungen freiwillig zur Vergebung geneigt sein, sofern dies beim Täter vom Eingeständnis seiner Schuld und Reue, der Bitte um Gnade und dem Versprechen der Wiedergutmachung flankiert wird.

Versöhnung sei also kein Automatismus, sondern brauche Wahrheit, müsse von Täter- wie von Opferseite ausgehen und beruhe beiderseits auf freien Entscheidungen.

Arbeiten Nach(bürger)kriegsgesellschaften ihre Vergangenheit nicht auf, um zukunftsfähig zu werden, kann ein zerbrechlicher Friede von extremistischen Kräften missbraucht werden. Opfer und auch Täter dürften aber auf die durch Jesu Opfer bezeugte Empathie Gottes vertrauen. Das sei der Beginn eines Vergebungs- und Erlösungsgeschehens, schloss die Theologin.

Prof. Dr. Rainer Bendel (siehe Foto) aus Tübingen widmete sich in seinem Vortrag den langfristigen Folgen der Vertreibung in der deutschen Erlebnisgeneration, die kaum ein anderer so umfassend reflektiert habe wie P. Paulus Sladek OESA, der sich in den 1950er Jahren mit tiefenpsychologischen Studien auseinandersetzte, um das Problem des Heimatverlustes und Heimatfindens zu verstehen.

Sladek gehörte zu den ersten, die ihre Verblendung eingestanden, dazu aufforderten, sich der Situation zu stellen und Mischverhältnisse zwischen Tätern und Opfern wahrzunehmen.

Wichtige konsolidierende Elemente waren für ihn die Seelsorge und karitative Maßnahmen, Multiplikatorenarbeit, die Pflege gewohnter religiöser Formen, sozialer Ausgleich, Verständigung zwischen Vertriebenen und Einheimischen, Verzicht auf Rache- und Hassgefühle gegenüber den Vertreibern durch christliche Feindesliebe, letzteres auch als eine Forderung der Selbstachtung.

Aber keineswegs wollte Sladek damit politisches Unrecht sanktionieren, Besänftigungspolitik decken oder die legitime Forderung nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung ausschließen, hegte er doch die Hoffnung, dass auch die Verbrechen der Alliierten gegen die Menschlichkeit nach Kriegsende vor einem internationalen Gerichtshof verhandelt würden.

Der Kampf für das Recht auf die Heimat ist eine Konstante der Forderungen Sladeks, er hat auch den Kampf für Freiheit und Menschenwürde der Nachbarvölker im Osten zur Konsequenz. Den Vertriebenen dachte er dabei als Brückenbauern eine große Verantwortung zu.

Seine Überzeugung, man müsse unbeirrt der ganzen Wahrheit nachforschen, sollte allerdings nicht zu einer gegenseitigen Aufrechnung oder Relativierung von Schuld führen. Dennoch betrachtete er Versöhnung immer als ein zweiseitiges Geschehen.

Erinnerung an vergangenes Unrecht dürfe jedoch nicht Versöhnungsbereitschaft zerstören, das Verhältnis von Völkern dauerhaft belasten und zu Feindseligkeiten führen. Notwendig sei es, die Schuldfrage zu versachlichen. Langer Atem sei notwendig, um in zähem Ringen zu Aussöhnung ohne Revanchismus zu gelangen und Baustein für etwas Neues zu werden.

Dr. Adome Blaise Kouassi (siehe Foto), der an verschiedenen Universitäten Afrikas lehrt, nahm sich des Beitrags an, den Mediation bei der Suche nach Gerechtigkeit, Vergebung und Versöhnung leisten kann.

Mediation ist weltweit anerkannt als Methode zur Lösung oder Aufarbeitung von Konflikten, sowohl an traditionellen wie auch modernen Gerichten. Sie kann generell als das Führen eines streitlosen Verfahrens mit Hilfe von neutralen Personen beschrieben werden.

Diese können im traditionellen Recht ausgewiesene Persönlichkeiten der Dorfgemeinschaft oder im modernen Recht gut ausgebildete Rechts- und Sozialwissenschaftler sein. Dabei soll ein für beide Parteien günstiges Ergebnis, eine sog. Win-win-Lösung erzielt werden.

Bestimmte Aspekte der Mediation hat das Europäische Parlament am 23. April 2008 angenommen und den Mitgliedsstaaten für die jeweilige Durchführung grünes Licht gegeben. Der deutsche Gesetzgeber hat bereits 1999 die gerichtliche Mediation in das Zivilprozessrecht eingeführt.

Auch Österreich und Frankreich, die Niederlande, England und Wales kennen den Mediator als neutralen Dritten bei Verhandlungen.

Auch in afrikanischen Ländern wie Gabun, Marrokko und Algerien ist Mediation gesetzlich normiert. Länder wie Togo, Madagaskar oder Elfenbeinküste lehnen sie im modernen Gerichtswesen ab und überlassen sie dem traditionellen Recht, mit dem bei den zahlreichen Konflikten und sozio-politischen Krisen bessere Erfahrungen zum Schutz und der Sicherstellung des sozialen Gleichgewichts und der Harmonisierung zwischen einzelnen Dorfbewohnern bzw. der gesamten Gemeinschaft gemacht worden sind als mit moderner Justiz, die mangels Personal und Finanzmitteln häufig überfordert ist.

In vielen anglo- wie auch frankophonen Ländern Afrikas südlich der Sahara existieren im traditionellen Recht ähnliche Formen der Mediation, deren zentrales Element die Gerechtigkeit ist. Der Mensch wird mit Respekt und Fingerspitzengefühl behandelt, es herrscht kollektive Verantwortlichkeit. Dr. Kouassi konzentrierte sich auf das Beispiel der Elfenbeinküste, um die dortige Mediation mit ihren Organen (wie Familie, Dorfrat und Stamm) und Inhalten (wie Wahrheitssuche, Strafe und Wiedereingliederung) darzustellen.

Pater Dr. Déogratias Maruhukiro (siehe Foto) aus Freiburg wollte anschließend kein Referat halten, sondern einen Impuls geben, indem er fragte, ob die Gerechtigkeit Voraussetzung sein muss für Vergebung und Versöhnung. Er beantwortete die Frage mit den Worten, die Jesus an den Apostel Petrus richtete, man müsse nicht nur 7 Mal, sondern 77 Mal vergeben.

„Wir als Kirche müssen verzeihen“, betonte er und fragte, was zuerst existiert: Verzeihung oder Gerechtigkeit? Die Justiz sei nicht in erster Linie wegen der Strafe da, sondern solle die Wahrheit aufdecken, Klärung und Differenzierung herbeiführen, um den Frieden der Gemeinschaft zu wahren, sei es mit traditioneller oder moderner Vorgehensweise.

Die Justiz gebe den Opfern ein Gesicht, sonst hätte es nie existiert, und sie schaffe Rehabilitation durch Erinnerung.

Zum Abschluss der Tagung erzählten bei einer Podiumsdiskussion, bei der Dr. Bendel die Fragen stellte, vier Personen von ihren Traumatisierungen und den Beweggründen ihres jeweiligen Engagements.

Im Alter von 19 Jahren musste Bischof Ntanhondereve 1972 bei einem Massaker in Ruanda den Verlust von vier befreundeten Priesterseminaristen hinnehmen, die von Sicherheitskräften unter der Beschuldigung ermordet wurden, Rebellen zu sein. Unter großen Schmerzen und unbeschreiblicher Angst habe er sich zunächst nur noch wie ein wandelnder Kadaver gefühlt, bis Freunde ihm zu einer Wiedergeburt verhalfen, er nach Burundi zurückkehren konnte und seither nach Wegen zur Versöhnung sucht.

Erzbischof em. Dr.Robert Zollitsch (siehe Foto), der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, berichtete als Betroffener eines Genozids am Ende des Zweiten Weltkriegs. Der heimatvertriebene Donauschwabe, geboren im heutigen Serbien –  damals Jugoslawien – erlebte im Alter von sechs Jahren den Einmarsch der Sowjets in sein Heimatdorf Filipowa, die Übernahme der Herrschaft durch Titos Partisanen, die Enteignung und Entrechtung der Deutschen des Landes, ihre Internierung in Arbeits- und Vernichtungslager.

Erst nach 60 Jahren konnte er seinen Heimatort und sein Elternhaus wieder aufsuchen. Er plädiert dafür, einerseits nichts zu verschweigen, man dürfe aber auch nicht unnötig daran erinnern oder Aufrechnung betreiben. Nur über das Geltenlassen des Anderen lassen sich Brücken bauen und Wege in die Zukunft finden. Wer verzeihen kann, erlebe eine Befreiung, das Erlebte verliere an furchtbarer Last.

Dr. Marie Louise Baricaco (siehe Foto) aus Ruanda musste den Tod zweier unschuldiger Minderjähriger miterleben, woraufhin sich ihre Leidenschaft entzündete, etwas zu verändern und Hilfe für vergewaltigte Frauen zu leisten. Sie gründete 1995 in Burundi den „Le Mouvement des Femmes et des Filles pour la Paix et la Sécurité“.

Diese Bewegung der Frauen und Mädchen tritt mit den Mitteln des gewaltlosen Protests und des Dialogs nicht nur für Frieden und Sicherheit, Aufklärung, Toleranz und Versöhnung ein, sondern auch für die Respektierung der durch Präsident Pierre Nkurunziza gebrochenen Verfassung, wodurch zahlreiche Menschen getötet und vertrieben wurden, sowie die Rückkehr zur Legalität und Beachtung des Abkommens von Arusha.

Aline Ndenzako (siehe Foto) gründete 2017 in Paris zusammen mit Beate Klarsfeld die Vereinigung „Mémoires communes, Avenir commun“ (Gemeinsame Erinnerung, gemeinsame Zukunft), eine Plattform der burundischen Opposition im Exil, die sich zum Ziel gesetzt hat, die interethnischen Konflikte zu beenden.

Damit eines Tages Gerechtigkeit geschehen kann, werden nach dem Vorbild der Opfer der Shoa die Namen der Toten und Vermissten gesammelt. Die Enkelin des ehemaligen Königs von Burundi, Mwambutsa IV., wurde schon früh auf die Ungerechtigkeit aufmerksam, die ihre Familie zu erdulden hatte; ihre beiden Onkel wurden ermordet, einer davon ein Held im Kampf gegen das koloniale Joch.

Als Angehörige der Aristokratie und einer vierten ethnischen Gruppe neben den Twas, Hutus und Tutsis hat Aline Ndenzako einen neutralen Status, der es ihr ermöglicht, die Vorurteile zwischen den Gruppen abzubauen und nach Eintracht zu streben.

Die sowohl in deutscher wie französischer Sprache gehaltenen Referate und Redebeiträge wurden von zwei jungen, aus Afrika stammenden, aber in Freiburg beheimateten Lehrerinnen simultan in die jeweils andere Sprache übersetzt.

Vergleichende und vertiefende Betrachtungen zu kriegsbedingten Traumata aus verschiedenen Epochen und Zonen und das Sprechen über sie sind sinnvoll und hilfreich; so kann das Fazit dieser Tagung lauten – und dies nicht nur, weil sie solidarische Sorge um und Verantwortung für das Thema gegenüber Tätern wie auch Opfern signalisieren, sondern auch, weil sie aufklärend und als Dialog therapeutisch wirken und gegenseitig den noch anfänglichen oder schon fortgeschrittenen Versöhnungsprozess bestärken können.

 

 


Bei GOTT ist Vergebung, damit man ihm in Ehrfurcht dient

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 130 (129),1-2.3-4.5-6ab.6c.7a.8.

Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir:
Höre meine Stimme!
Wende dein Ohr mir zu,
achte auf mein lautes Flehen!

Würdest du, HERR, unsere Sünden beachten,
wer könnte bestehen?
Doch bei dir ist Vergebung,
damit man in Ehrfurcht dir dient.

Ich hoffe auf den HERRN, es hofft meine Seele,
ich warte voll Vertrauen auf sein Wort
Meine Seele wartet auf den HERRN
mehr als die Wächter auf den Morgen.

Mehr als die Wächter auf den Morgen
soll Israel harren auf den HERRN.
Ja, ER wird Israel erlösen


Buch-Neuerscheinung „Mama Shekinah“ und die Kraft christlicher Liebe

„Mama Shekinah“ schildert die Lebensgeschichte von Hedwig Rossow, deren Mann im Süd-Sudan von Kindersoldaten ermordet wurde. Statt Afrika den Rücken zu kehren, begegnet die Missionarin den Menschen dort mit Offenheit und Liebe. 

Hedwig Rossow wächst in Paraguay in einer christlich-mennonitischen Gemeinde auf. Schon immer ist sie fasziniert von fremden Ländern und reist als Missionarin erst nach Brasilien, dann nach Afrika.

Obwohl sie zur Begrüßung mit Steinen beworfen wird, verliert sie ihr Herz an diesen Kontinent und die Menschen, die dort leben. Sie hat immer ein Ziel vor Augen: Gottes Botschaft in der Welt zu verbreiten.
 
Hedwig, die von allen Hedi genannt wird, macht eine Ausbildung zur Traumaseelsorgerin. Eine Tätigkeit, die alles andere als ungefährlich ist.
 
Auf dem Weg in den Süd-Sudan werden sie und ihr Mann Colin von Kindersoldaten überfallen und beschossen. Colin stirbt in den Armen der schwangeren Hedi. Ihre Welt bricht zusammen. Trauer, Zweifel und Schmerz folgen.
 
Doch Gott hilft der jungen Mutter durch diese schwierige Zeit. Und sie nennt ihre kleine Tochter Shekinah, was soviel bedeutet wie: die Gegenwart Gottes. Gott ist da. Hedi trifft eine Entscheidung: Aus der Asche soll Schönheit erwachsen.

Mit Shekinah geht sie zurück nach Afrika und eröffnet ein Haus für ehemalige Kindersoldaten.  In ihrem Vorwort schreibt sie: „Ich habe meinen Glauben an Gott und an die Kraft der Vergebung an Verletzte und Verfolgte weitergegeben. Ich habe von ihnen gelernt, was wahre Stärke ist.“ Und dann findet sie dort auch noch ganz unerwartet eine neue Familie.
 
Zusammen mit Anna Lutz erzählt Hedwig Rossow ihre wunderbare Geschichte über Trauer, die Kraft der Liebe, Vergebung und neues Leben.

Buch-Daten: Hedwig Rossow, Anna Lutz. Mama Shekinah. Afrikas Kindersoldaten nahmen mir den Mann – ich antwortete ihnen mit Liebe. Gebunden, 13,5 x 21,5 cm, 288 S., inkl. 16-seitigem Bildteil
18,99 €. ISBN: 978-3-7751-5863-3 | SCM-Hänssler-Verlag

Erscheint am 2. September 2019


Der HERR vollbringt Taten des Heiles!

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 103 (102),6-7.8-9.10-11.12-13.

Der HERR vollbringt Taten des Heiles,
Recht verschafft ER allen Bedrängten.
ER hat Moses seine Wege kundgetan,
den Kindern Israels seine Werke.

Der HERR ist barmherzig und gnädig,
langmütig und reich an Güte.
ER wird nicht immer zürnen,
nicht ewig im Groll verharren.

ER handelt an uns nicht nach unsern Sünden
und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld.
Denn so hoch der Himmel über der Erde ist,
so hoch ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.

So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang,
so weit entfernt ER die Schuld von uns.
Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der HERR über alle, die ihn fürchten.


Gemeinde debattiert in der Hl.-Geist-Kirche über die Predigt von Pfarrer Zurkuhlen

Von Felizitas Küble

Am gestrigen Montagabend (9. Juli) versammelten sich in der Heilig-Geist-Kirche von Münster etwa 120 bis 150 Besucher, die über die „umstrittene“ Predigt des Ruhestandspfarrers Ulrich Zurkuhlen sprechen wollten, der selber nicht anwesend war. 

Die Veranstaltung war von Presseleuten und Kameras begleitet, die teils vorne im Kirchenschiff standen.

Der  –  seit Jahrzehnten als theologisch liberal bekannte  –  Geistliche Zurkuhlen hatte in seiner Predigt vom 30. Juni in diesem Gotteshaus (siehe Fotos) zur Vergebung – auch für Missbrauchstäter – aufgerufen, was zu großer Empörung bei einigen Gläubigen und danach bundesweit in vielen Medien führte.

Der zuständige Pfarrer Dr. Stefan Rau hatte zu der Veranstaltung eingeladen, wobei nicht ganz klar war, warum sie nicht im Pfarrgemeindehaus stattfand, zumal es keinerlei gottesdienstliche Handlungen gab, weder ein gemeinsames Gebet noch einen priesterlichen Segen zum Ende der Versammlung. 

Vielleicht hätte auch ein Vaterunser-Gebet mit seinem Vergebungsthema („…wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“) zu sehr daran erinnert, daß der in dieser Zusammenkunft  kritisierte Pfarrer Zurkuhlen auf einer rein grundsätzlichen Ebene durchaus richtig lag, denn die christliche Verzeihung gehört gleichsam zur DNA des Christentums – und sie hört nicht bei Mißbrauchstätern auf, auch nicht bei sonstigen schweren Sündern.

Freilich setzt dies echte Reue und Umkehrbereitschaft beim Täter voraus.

Unabhängig von dieser prinzipiellen Sachlage scheint freilich klar zu sein, daß der 79-jährige Zurkuhlen seine Predigt ungeschickt „aufgezogen“ und sein Anliegen daher wohl auch mißverständlich präsentiert hat.

Ein einseitiger Blick auf die Täter  – und deren Wunsch nach Vergebung –  wirkt zudem verstörend, wenn nicht zugleich die Sichtweise und das Leiden der Opfer klar zur Sprache kommt.

Andererseits konnte der Priester wiederum seine Worte nicht zu Ende führen, weil etwa 1/3 der Meßbesucher aus Protest die Kirche verließen. Es wurde auf der Versammlung zwar von einigen Teilnehmern bestritten, daß es hierbei besonders lautstark zugegangen sei – allerdings berichtete eine ältere Dame von einem „Tumult am Altar“, von dem ihr Mann (der jene Messe Pfarrer Zurkuhlens besuchte) ihr erzählt habe.

Der leitende Pfarrer Stefan Rau übte sowohl in seiner Ansprache zu Beginn wie auch zum Ende der Versammlung scharfe Kritik an der Predigt seines priesterlichen Mitbruders, weil der Täter kein „Recht“ und das Opfer keine „Pflicht“ zur Vergebung hätten.

Allerdings ist nicht ersichtlich, daß der kritisierte Prediger von einem „Recht“ auf Vergebung sprach, auch erwähnte er keine „Pflicht“ zur Verzeihung, schon gar nicht seitens der Opfer, was als Forderung völlig abwegig wäre. 

Vielmehr plädierte der Priester offenbar dafür, daß die „kirchlichen Hierarchen“ – also oberen Amsträger – den Tätern irgendwann mal vergeben sollten. Seine Frage lautete angeblich – wie ein Teilnehmer erklärte – folgendermaßen: Wie sollten die Schuldigen sonst seelisch-psychisch weiterleben können?

Von daher hatte der Priester – auch seiner eigenen Darstellung zufolge – keineswegs von den Opfern selbst eine Haltung der Vergebung verlangt.

Wenn bestimmte Aussagen beanstandet werden, sollte man sie zuvor korrekt darstellen, weil sonst leicht ein Zerrbild entstehen, weil die Fairneß einer Debatte durch emotionale Reaktionen schnell unter die Räder gerät.

Sodann kritisierte Pfarrer Rau in seiner Schlußansprache einen „perfiden Vergleich“, den es in der Predigt Zurkuhlens gegeben habe, nämlich zwischen jenen Frauen, die an ihren verstorbenen Ehemännern kein gutes Haar lassen  – und den Missbrauchsopfern, die ihren Tätern nicht vergeben.

Aber eben dieser Vergleich geht nicht eindeutig aus der Predigt-Darstellung Zurkuhlens hervor (zumal er betr. Vergebung anscheinend nicht die Opfer, sondern die „kirchlichen Hierarchen“ ansprach).

Wie dem auch sei: Daß der Prediger evtl. zu abrupt von seiner Rüge über unversöhnliche Witwen zum Thema Vergebung für Mißbrauchstäter gelangte, daß er hier  keine erklärende und relativierende Überleitung brachte, ist durchaus möglich, aber vielleicht als verbale Ungeschicklichkeit zu werten, auf die man nicht unbedingt mit dem rhetorischen Hammer reagieren muß.

In den Medien wurde angekündigt, in dieser Versammlungen sollten auch jene Mißbrauchsopfer zu Wort kommen, die bei der umstrittenen Predigt anwesend waren und besonders betroffen gewesen seien. Diesbezüglich hat sich niemand zu Wort gemeldet. Einzig am Schluß sprach ein älterer Betroffener aus Rhede, er habe ein entsprechendes Netzwerk gegründet, was ja auch sehr zu begrüßen ist.

Pfarrer Rau lobte mehrfach seine eigene Gemeinde, weil sie gegen die Predigt des Ruhestandspfarrers aufgestanden sei, was deutschlandweit für große Zustimmung gesorgt habe. Es gehe um die „Ermächtigung“ und „Selbstermächtigung“ der Gläubigen, betonte er hierbei.

Während der Versammlung hatten sich mehrere Personen gemeldet, die aus der Kirche ausgetreten waren, aber ebenfalls die Heilig-Geist-Gemeinde lobten (und die Zurkuhlen-Predigt kritisierten).

Sodann wurde von weiteren Besuchern mehrfach beklagt, daß Pfarrer Zurkuhlen nach dem Tumult während seiner Predigt die Messe einfach   – als sei nichts geschehen –  zu Ende geführt habe. Einer ärgerlichen Dame kam das vor „wie in den 60er Jahren“.

Was hätte der Priester denn sonst tun sollen? Die heilige Messe einfach ausfallen lassen? Immerhin sind zwei Drittel der Gläubigen im Gotteshaus geblieben. Hatten sie kein Recht auf eine Fortsetzung der Eucharistiefeier? Oder gilt allein der Wunsch einer protestierenden Minderheit?

Zudem waren die „Herausgelaufenen“ kirchlich gesehen verpflichtet, ihre Sonntagspflicht in einer anderen Kirche nachzuholen, zumal es in Münster etliche Abendmessen gibt. Ob das der Fall war? Oder gilt dies Kirchengebot nicht mehr, wenn sich jemand in einem „erhöhten Erregungszustand“ befindet?

Ein Mitglied der reformkatholischen KFD (Kath. Frauengemeinschaft Deutschlands) erklärte sodann, Pfarrer Zurkuhlen von früher her in sehr guter Erinnerung zu haben, er habe vor zwanzig Jahren KFD-Tagungen geleitet oder begleitet – und hierbei konzilsgemäße und „fortschrittliche“ Standpunkte vertreten. Umso mehr erstaunt sei sie über seine umstrittene Predigt.

„Fortschrittlich“ scheint nicht nur der kritisierte Ruhestandspriester, sondern auch die Gemeindeleitung der Pfarrei Heilig-Geist zu sein: Auf dem Schwarzen Brett in der Kirche befindet sich ein Riesen-Plakat der Aktion „Maria 2.0“, die bekanntlich „alle kirchlichen Ämter“ für Frauen fordert, somit Priestertum, Bischofsweihe und Papstamt.

Wie Pfarrer Rau den Versammelten ankündigte, sei nach den Sommerferien eine weitere Veranstaltung zu dieser Predigt und der ganzen Missbrauchs-Thematik geplant, an der dann Pfr. Zurkuhlen teilnehmen solle.

Abschließend stellt sich die Frage, warum Pfarrer Rau sich einseitig gegen seinen attackierten Mitbruder positionierte, statt eine vermittelnde Haltung einzunehmen und zu versuchen, die Wogen zu glätten und Brücken zu bauen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Stellungnahme zur Causa Zurkuhlen von evangelikaler Seite: https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/07/08/auch-missbrauchstaeter-duerfen-um-vergebung-bitten/

 


Münster: Pfarrer Ulrich Zurkuhlen berichtet selbst von seiner umstrittenen Predigt

Von Felizitas Küble

Seit einer Woche gehen nicht nur in Münster die Wogen hoch, weil ein Ruhestands-Pfarrer namens Ulrich Zurkuhlen in der Sonntagsmesse der Heilig-Geist-Kirche über Vergebung predigte und darüber sprach, daß christliche Verzeihung auch für Missbrauchstäter gelten sollte.

Dabei ging es dem Priester nicht um die rechtlich-juristische, sondern um die geistliche Ebene.

Infolge seiner Äußerungen sollen rd. 30 Besucher den Gottesdienst verlassen haben, teils schweigend, teils protestierend. Der Predigt-Eklat findet seitdem bundesweite Resonanz in Presse, Funk und Fernsehen.   

Da der Geistliche seine Predigt frei gehalten hat, sind seine Äußerungen nicht schriftlich und somit nicht exakt bekannt.

Nun hat sich Pfarrer Zurkuhlen heute auf seinem eigenen Internet-Blog unter dem Titel „So war es“ selbst zu dem vieldiskutierten Vorgang geäußert, der dazu führte, daß ihn Bischof Dr. Felix Genn aus Münster (siehe Foto) aufforderte, in Zukunft nicht mehr zu predigen.

Nach der Devise „Man soll beide Seiten hören“ dokumentieren wir hier die Stellungnahme des Priesters, der die Ereignisse am vorigen Sonntag folgendermaßen aus seiner eigenen Sicht beleuchtet:

Das war das erste Mal in meinem 54 Jahre langen Priesterleben, dass ich bei der Predigt von einer Gruppe Protestler/innen niedergeschrien wurde. Mein Predigtthema war „Vergebung“; den Anlass meiner Predigt habe ich genannt:

Zwei Frauen hatten deutlich hörbar sich über ihre ehemaligen Partner unterhalten und dabei kein heiles Haar an ihnen gelassen: Waren sie nur böse gewesen, keine Spur von Freundlichkeit und Menschlichkeit…

Ich habe in der Predigt die rhetorische Frage gestellt, ob die ehemaligen Partner überhaupt keine guten Seiten hatten.

Dann habe ich gesagt, dass ich es auch an der Zeit fände, dass unsere kirchlichen Hierarchen doch auch den Missbrauchs-Tätern irgendwann vergeben würden.

Ich hätte gern begründet, warum ich meine, dass Vergebung zu den Grundaufgaben von Christen gehört und dass auch keinen anderen Weg zum Frieden gibt: ich hätte gern die Geschichte zitiert, in der Jesus der Ehebrecherin  vergibt, oder die Geschichte vom barmherzigen Vater, der seinem Sohn, der sehr Böses getan hat, vergibt, während der „brave“ Sohn diese liebevolle Zuwendung des Vaters in diesem Augenblick nicht erfährt.

Oder ich hätte gern auf die Geschichte des Brudermörders Kain erzählt, wo Gott den Verbrecher begnadigt und ihm sogar Lebensschutz verspricht. Aber das alles war nicht möglich, weil die Leute so herum schrieen, dass ich mich nicht mal durch das Mikrofon verständlich machen konnte….“

FORTSETZUNG der Erklärung von Pfr. Zurkuhlen hier: http://www.zurkuhlen.de/2019/07/08/so-war-es/

Unser BERICHT über die Gemeindeversammlung zu diesem Thema hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/07/09/gemeinde-debattiert-in-der-hl-geist-kirche-ueber-die-predigt-von-pfarrer-zurkuhlen/

Stellungnahme zur Causa Zurkuhlen von evangelikaler Seite: https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/07/08/auch-missbrauchstaeter-duerfen-um-vergebung-bitten/