Sehnsucht nach der Heimat im Himmel

Heutige liturgische Sonntagslesung der kath. Kirche: Hebr 11,1-2.8-16:

Der Glaube ist die Grundlage dessen, was man erhofft, ein Erkennen von Tatsachen, die man nicht sieht.
Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein gutes Zeugnis erhalten.
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Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.
Aufgrund des Glaubens siedelte er im verheißenen Land wie in der Fremde und wohnte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, in Zelten; denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat.
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Aufgrund des Glaubens empfing selbst Sara, die unfruchtbar war, die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden; denn sie hielt den für treu, der die Verheißung gegeben hatte.
So stammen denn auch von einem einzigen Menschen, dessen Kraft bereits erstorben war, viele ab: zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.
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Im Glauben sind diese alle gestorben und haben die Verheißungen nicht erlangt, sondern sie nur von fern geschaut und gegrüßt und sie haben bekannt, dass sie Fremde und Gäste auf Erden sind, also eine Heimat suchen. Hätten sie dabei an die Heimat gedacht, aus der sie weggezogen waren, so wäre ihnen Zeit geblieben, um zurückzukehren; nun aber streben sie nach einer besseren Heimat, nämlich der himmlischen.

Werden laut Bibel alle Gläubigen geheilt?

Von Felizitas Küble

Am 24. Juni 2019 veröffentlichte das charismatisch orientierte Nachrichtenportal „Kath.net“ ein Interview mit dem evangelischen Heilungsprediger Chris Gore; er ist leitender Pastor der pfingstlerischen Bethel-Gemeinde in Kalifornien: http://www.kath.net/news/68336

In dem Gespräch geht es  – typisch für dieses schwarmgeistige Spektrum – natürlich darum, daß es angeblich eine göttliche Verheißung sei, alle Kranken zu heilen.

Prediger Gore versteigt sich dabei zu der Behauptung, fehlende Heilungen lägen u.a. an einer „schlechten Theologie“ – und er schildert dann, was er damit meint:

„Wir beten als Christen Gebete wie „Gott, wenn es dein Wille ist, dass sie geheilt wird…“

Schlechte Theologie?

Im Vaterunser hören wir es aber anders  – und das Gebet des HERRN ist mit Sicherheit eine gute Theologie: „Dein Wille geschehe!“

Als Christus auf dem Ölberg vor seinem Leidensweg stand, betete er: „Vater, laß diesen Kelch an mir vorübergehen, aber nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“

Doch Bethel-Pastor Gore pflegt seine eigene Bibelkunde und kontert wie folgt: „In Jakobus 5,15 heißt es, dass das gläubige Gebet den Kranken retten und der Herr ihn aufrichten wird.“

Mit dieser Stelle aus dem NT begründet übrigens die katholische Kirche das Sakrament der Krankensalbung.

Allerdings bedeutet „aufrichten“ keineswegs automatisch eine körperliche Heilung, vielmehr geht es vor allem um das Heil der Seele, um die helfende Gnade Gottes für den Leidenden, damit er seine Krankheit im Hinblick auf das Kreuz Christi besser ertragen kann.

Bei dem Wort „retten“ steht  aus biblischer Sicht erst recht nicht die äußere Genesung im Mittelpunkt, sondern die Rettung der Seele.

Sodann erzählt der euphorische Pfingstprediger den Kath.net-Lesern folgendes: „Ich glaube also nicht, dass Gott im Himmel sitzt und entscheidet, wen er heilen wird und wen nicht. Im Wort Gottes heißt es, dass Jesus alle unsere Sünden und unsere Krankheiten auf sich genommen hat.“

Die alttestamentliche Messiasverheißung aus Jesaja 53 derart verstiegen auszulegen, als ob Gott damit die Heilung aller Krankheiten versprochen hätte, ist völlig unhaltbar.

Das wußten auch die Apostel sowie der Völkermissionar Paulus, die viele Menschen in der Kraft und Vollmacht Christi geheilt haben, aber beileibe nicht alle.

Paulus empfiehlt jedenfalls seinem Mitarbeiter Timotheus, er möge nicht nur Wasser, sondern auch „ein wenig Wein trinken um deines Magens willen und weil Du oft krank bist“ (1 Tim 5,23). Es handelt sich hier um einen vernünftigen Ratschlag, nicht um eine Wunderheilung.
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In 2 Tim 4,20 heißt es: „Erastus blieb in Korinth, Trophimus aber ließ ich in Milet krank zurück.
Paulus hat also einen Gläubigen krank zurückgelassen, ihn somit gerade nicht geheilt.
Als der Völkermissionar einst selber vom Leiden gezeichnet war (es wurde ihm, wie er schrieb, „ein Stachel ins Fleisch gestoßen“), flehte er den HERRN dreimal um Heilung an (2 Kor 12,1 ff):
.„ER aber antwortete mir: Laß Dir an meiner Gnade genügen; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.“
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DAS ist die wahrhaft christliche Haltung, wie sie uns das Vaterunser und Christi eigenes Beispiel lehrt: DEIN WILLE geschehe! – Laß Dir an meiner Gnade genügen!
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Mit anderen Worten: Natürlich kann der Allmächtige die Kranken heilen, aber wichtiger als „Heilung“ ist das HEIL und die Rettung, die uns in Christus geschenkt wurde.
 

Charismatische Sonderlehren verkünden „Proklamationen“ statt Bittgebete

Von Felizitas Küble

Als die Jünger an Christus die Bitte richteten: „HERR, lehre uns beten!“, verkündete ER ihnen das Vaterunser, zweifellos das bedeutsamste Gebet der Weltgeschichte. 

Dabei fällt auf, daß das Gebet des HERRN mindestens zur Hälfte aus Bitten besteht, nämlich jene um das tägliche Brot, jene um Vergebung der Schuld, um Erlösung von dem Bösen, auch um Bewahrtwerden vor Versuchungen.

Damit hat Christus das Bittgebet –  neben dem Lob- und Dankgebet – gewissermaßen legitimiert, in sein Recht gesetzt.

Als Geschöpfe stehen wir ohnehin ständig als „Bittende“ vor dem ewigen Gott, wir sind angewiesen auf unseren Schöpfer. Durch Bitten und Flehen bringen wir dies aufrichtig und demütig zum Ausdruck.

Nun gibt es aber eine andersgeartete Glaubenshaltung, die vor allem in charismatischen Kreisen oder auch in religiösen Sondergruppen wie z.B. den Adventisten verbreitet ist.

Dort wird das traditionelle christliche Bittgebet durch „Proklamieren“ ersetzt oder zumindest an den Rand gedrängt. Ein Beispiel hierfür bietet das bekannte Pfingstler-Ehepaar Dr. Derek und Ruth Prince aus England. 

Die beiden protestantischen Autoren, die in der Charismatiker-Szene seit Jahrzehnten viel gelesen werden, haben dem Thema sogar eine eigene Schrift gewidmet: „Gebete und Proklamationen“ (siehe Foto).

Im Grunde geht es dabei durchweg ums Proklamieren, was dann als „Gebet“ verstanden wird, obwohl es dies allenfalls in einem weitgefaßten Sinne ist.

Was ist also damit gemeint?

Wir sollen  – so diese Sonderlehre   –   als Gläubige statt üblicher Bittgebete vielmehr die Verheißungen Gottes schlichtweg „in Anspruch nehmen“ und diese Zusagen „proklamieren“.

„Und führe uns nicht in Versuchung…“

Das ist eine verstiegene Form des „Glaubens“, die letzten Endes Gott auf die Probe stellen und die Erfüllung seiner Zusagen gleichsam herbeireden möchte – eine geradezu beschwörende Form des „Betens“.

Davor hat aber schon Christus gewarnt, als ER vom Satan in der Wüste versucht wurde und ihm entgegenhielt: „Du sollst den HERRN, Deinen Gott, nicht versuchen!“

Natürlich präsentiert sich diese Mentalität  bei Charismatikern meist bezogen auf den Heiligen Geist und seine „Segnungen“, die man „in Anspruch nehmen“ sollte; bei der protestantischen Pfingstbewegung gerne garniert mit Hinweis auf „biblische Verheißungen“, die teils direkt so verstanden werden, als ob sich jedes Bittgebet erübrigt, denn was Gott doch ohnehin zugesagt habe, brauche man doch nicht mehr eigens zu erflehen. 

Man spricht in der Religionswissenschaft hierbei von einer Spiritualität der Anamnese (Vergegenwärtigung), wonach wir die Heilsversprechen des Himmels nicht etwa erbitten, sondern „proklamieren“, ausrufen, als gleichsam „schon geschehen“ betrachten sollen.

Gebet und „Segnung“ werden direkt verknüpft, beides als hier und heute gegenwärtig angesehen. Aus dem Gebet wird eine „Verkündigung“, Gottes Zusagen gilt es zu proklamieren.

Genau so läuft das auch bei Derek und Ruth Prince. In der Einleitung der Schrift heißt es bereits: Das Gebet der Christen bestehe aus PROKLAMATION – LOBPREIS  – DANKSAGUNG.

Das Bittgebet kommt gleich gar nicht vor, obwohl uns Christus dies im Vaterunser sehr wohl gelehrt hat.

Der Stab des Moses als „Wunderwaffe“ für die Christen….?

Die Verheißungen Gottes werden wie eine Art „Zauberstab“ oder Wunderwaffe gehandhabt, wobei der Stab des Moses als „biblische“ Begründung herhalten muß, denn mit diesem Stab habe er die Zauberer Ägyptens besiegt:

„Wenn Sie Ihr unbegrenztes [!] Potential verstehen lernen, dann können Sie Ihre Bibel so gebrauchen wie Moses seinen Stab, um Gottes Autorität in jede Situation hineinzusprechen, in der Satan dem Volk Gottes und den Zielen Gottes entgegensteht.“

Typisch verstiegen: „Gottes Autorität in jede Situation hineinsprechen“, die IHM entgegensteht.

Dazu paßt es, daß Derek Prince weiter schreibt:

„Während der vergangenen drei Jahren standen Ruth und ich in einem fortwährenden Kampf gegen Satan, der uns und unserem Dienst auf vielerlei Weise entgegenstand. Sein Hauptziel war es gewesen, Ruth zu töten. In dieser Situation lehrte uns der Heilige Geist, wie wir die Bibel als unseren Stab gebrauchen können, um damit Gottes Autorität auf jedem Gebiet anzuwenden, in dem Satan uns widersteht“ (S. 4/5).

Das Verbreiten von Dramatik („Ruth zu töten“) gehört ebenso zum schwarmgeistigen Lager wie das ständige Erwähnen von Finsternismächten. Anscheinend braucht man dort die dunkle Folie, damit das Licht  –  oder soll man sagen: der „Stab“  – des eigenen Glaubens umso heller erstrahlt.

Die im Grunde dreiste Art, den Allmächtigen gleichsam mit seinen Verheißungen (so wie man diese versteht….) zu konfrontieren, wird natürlich in eine fromme Wolke gehüllt: „Zuerst PROKLAMIEREN [im Original groß geschrieben!] wir die zutreffende Bibelstelle mit kühner, unerschütterlicher Zuversicht“ (S. 5).

Sehr „kühn“ ist das gewiß  – und in diesem hochfliegenden Stil geht es munter weiter:

„Um dabei die bestmögliche Wirkung zu erzielen, personalisieren wir oft die Stelle, die wir zitieren, indem wir alle notwendigen grammatikalischen Veränderungen vornehmen, um die Stelle für uns persönlich anwenden  zu können. Wenn die Bibelstelle z.B. lautet „ihr“, dann ändern wir sie in „ich“ oder „wir.“  

Wenn also Christus etwa seinen Aposteln verheißen hat, der Heilige Geist werde sie „in alle Wahrheit einführen“, dann nehmen diese Charismatiker das einfach für sich „in Anspruch“ und proklamieren das Ergebnis vorweg:

„Der zweite Schritt besteht darin, die Schriftstelle, die wir als Wahrheit proklamiert haben, für uns anzunehmen, noch bevor wir ihre tatsächliche Auswirkung in der jeweilige Situation erleben.“

GOTT hat gewissermaßen keine andere Chance, als das, was die frommen Damen und Herren „proklamieren“, auch gefälligst zu erfüllen, handelt es sich doch angeblich um seine höchst-eigenen „Verheißungen“ – freilich betrachtet durch die Brille charismatisch gefärbter (Miß-)Verständnisse….

 


Anrufung mit absurden Verheißungen: Das Kreuz-Gebet vom Hl. Grab in Jerusalem

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Gebet, welches am Hl. Grab in Jerusalem“ gefunden wurde, bringt ein User des erscheinungsbewegten Portals Gloria-TV eine besonders wirkkräftige und verheißungsstarke Anrufung, wie sie dem naiven Lager auf den Leib geschnitten ist: https://gloria.tv/article/yG6mpvjkRJwM4dcpLLgYkyEiP

Dazu wird uns ohne jeden Beweis folgende Legende wie eine Tatsache mitgeteilt:

„Dieses kräftige und für alle Menschen heilsame Gebet zum hl. Kreuz Christi wurde im Jahre 1505 auf dem Grabe unseres Herrn gefunden. Als Kaiser Karl zu Felde zog, erhielt er es vom Papst zum Geschenke und schickte es nach St. Michael in Frankreich, wo es auf einem Schilde in goldenen Buchstaben wunderschön ausgedruckt zu lesen ist.

Sodann heißt es geradezu abenteuerlich und geprägt vom wildesten Aberglauben: 

„Wer dieses Gebet täglich betet oder beten hört, oder bei sich trägt, oder wer täglich 5 Vater unser und ebenso viele Ave Maria zu Ehren des bitteren Leidens und Sterbens unseres Herrn Jesu Christi betet, wird nicht des jähen Todes sterben, in keinem Wasser ertrinken, in keinem Feuer verbrennen, in keiner Schlacht umkommen, und von keinem Gift Ungemach haben.

Eine Frau in Kindesnöten, wenn sie dieses Gebet betet oder beten hört, wird sogleich entbunden und eine fröhliche Mutter sein und das neugeborene Kind wird, wenn man ihm dieses Gebet in die rechte Seite legt, von vielen Unglücken befreit sein. Wer dieses Gebet bei sich trägt, wird von keiner fallenden Krankheit geplagt sein. Seht ihr einen mit St. Johannes- oder Cornelius-Krankheit behafteten Menschen auf der Straße fallen und legt ihm dieses Gebet in die rechte Seite, so wird er gleich aufstehen und sich seiner Genesung freuen.
Wer dieses Gebet von Haus zu Haus bringt, wird von mir gesegnet; wer aber darüber spottet, wird von mir verflucht. Das Haus, worin sich dieses Gebet befindet, wird von Blitz keinen Schaden leiden. Wer dieses Gebet täglich betet oder beten hört, wird 3 Tage vor seinem Tod ein Zeichen von Gott sehen, nämlich: Dieser ist mein Sterbetag.“

Typisch für die Falschmystik ist schon diese Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche: Für die Jasager gibt es zahlreiche Versprechungen, für Kritiker bzw. „Spötter“ wird gleich der Fluch Gottes bereitgestellt. Primitiver gehts nimmer!

Allein schon dieser Zug an dieser schein-frommen Geschichte ist gotteslästerlich, denn der Name des Höchsten wird für faulen Zauber bzw. magisches Denken mißbraucht.

Sodann folgt die „Anrufung zu Gott und dem heiligen Kreuz Christi“, wobei man Christus selbstverständlich anrufen kann, aber sein „heiliges Kreuz“ ist keine Person, sondern ein Gegenstand, wenngleich ein besonderer. Der göttliche Erlöser sollte bei Gebeten im Zentrum stehen, weniger das Kreuzesholz, an dem er starb.

Danach gibt es eine Art Litanei, z.B. „O hl. Kreuz Christi, wend‘ ab von mir alle feindlichen Waffen. O hl. Kreuz Christi, entferne von mir alle Übel….O hl. Kreuz Christi, bewahre mich vor aller körperlichen Not….“ usw.

Hier fällt die Betonung der eigenen Interessen auf (feindliche Waffen fernhalten, alle Übel entfernen, vor körperlicher Not bewahren…), wogegen die geistlichen Anliegen weniger stark im Vordergrund stehen.

Sodann heißt es in abergläubischer Manier u.a.:  „So wahr, wie die hl. 3 Könige am 13. Tag Geschenke gebracht“ –  dabei waren es keine „drei Könige“ (das ist nur Volksglaube), sondern – wie die Bibel bezeugt – drei Weisen aus dem Morgenland – und ob es der 13. Tag oder sonst einer war, spielt überhaupt keine Rolle.

Die Anrufung als solche ist theologisch nicht seriös – und die „Verheißungen“ sind erst recht hochgradig absurd und vermessen.

 


Die Glaubenshelden des Alten Bundes haben auf Gottes Verheißungen vertraut

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Hebr 11,32-40:

Brüder! Was soll ich noch aufzählen? Die Zeit würde mir nicht reichen, wollte ich von Gideon reden, von Barak, Simson, Jiftach, David und von Samuel und den Propheten; sie haben aufgrund des Glaubens Königreiche besiegt, Gerechtigkeit geübt, Verheißungen erlangt, Löwen den Rachen gestopft, Feuersglut gelöscht; sie sind scharfen Schwertern entgangen; sie sind stark geworden, als sie schwach waren; sie sind im Krieg zu Helden geworden und haben feindliche Heere in die Flucht geschlagen.
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Frauen haben ihre Toten durch Auferstehung zurückerhalten. Einige nahmen die Freilassung nicht an und ließen sich foltern, um eine bessere Auferstehung zu erlangen.
Andere haben Spott und Schläge erduldet, ja sogar Ketten und Kerker. Gesteinigt wurden sie, verbrannt, zersägt, mit dem Schwert umgebracht; sie zogen in Schafspelzen und Ziegenfellen umher, Not leidend, bedrängt, misshandelt.
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Sie, deren die Welt nicht wert war, irrten umher in Wüsten und Gebirgen, in den Höhlen und Schluchten des Landes. Doch sie alle, die aufgrund des Glaubens von Gott besonders anerkannt wurden, haben das Verheißene nicht erlangt, weil Gott erst für uns etwas Besseres vorgesehen hatte; denn sie sollten nicht ohne uns vollendet werden.
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Foto: Felizitas Küble

Medjugorje will sich an Fatima dranhängen

Nachdem derzeit in einigen deutschen Städten der Film „Fatima – das letzte Geheimnis“ in den Kinos läuft, ruft die deutschsprachige Medjugorje-Webseite nunmehr eine alte „Botschaft“ in Erinnerung, welche die Gottesmutter Maria am 25. August 1991 an die „Seherin“ Marija überbracht haben soll:

…Ich rufe euch zur Entsagung für neun Tage auf, so daß mit eurer Hilfe alles verwirklicht werde, was ich durch die Geheimnisse, die ich in Fatima begonnen habe, verwirklichen möchte….“

Offenbar soll mit diesem Hinweis versucht werden, sich an eine kirchlich approbierte (genehmigte, gebilligte) Erscheinung wie Fatima dranzuhängen, um die eigene Glaubwürdigkeit zu erhöhen und sodann den Eindruck zu erwecken, Fatima sei nur der Anfang gewesen, Medjugorje bringe aber die eigentlichen Knüller – und sorge für die „Verwirklichung“ der sogenannten Geheimnisse von Fatima.

Allerdings bleibt in der erwähnten Medju-Botschaft offen, auf welches der drei Fatima-Geheimnisse sie sich bezieht. Vermutlich geht es um die Bekehrung Rußlands, denn die anderen Aspekte (Ausbreitung der kommunistischen Irrlehren, Kriege, Kirchenverfolgungen) sind bereits seit langem Geschichte.

Was jedoch viele Fatima-Anhänger (und erst recht die Medjugorje-Fans) nicht wissen:

Fatima-Hauptseherin Lucia erklärte am Ende ihres Lebens schriftlich, Rußland sei bereits bekehrt, weil dort der Kommunismus überwunden wurde.

Das mag manche überraschen, denn mit Bekehrung verbinden gläubige Katholiken weitaus mehr als eine politische Wende, mehr als nur das Ende des sowjetischen Systems.

Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/08/20/sind-die-verheissungen-von-fatima-erfuellt-hat-sich-russland-bereits-bekehrt/

 

 


Visionäre Verehrung Mariens als „Kaiserin“?

Von Felizitas Küble

Seit über fünfhundert Jahren betet das gläubige Kirchenvolk den überlieferten Rosenkranz, dessen Grundstruktur aus den Gebeten des Ave Maria und des Vaterunsers besteht, eingeleitet durch das Glaubensbekenntnis. 

Dieses biblisch fundierte Gebet, das für Katholiken nicht verpflichtend ist, das die Kirche ihnen aber empfiehlt, eignet sich gut zur Betrachtung der Heilsgeheimnisse Christi, besonders beim schmerzhaften Rosenkranz, der ganz um die Erlösungstaten unseres HERRN kreist.

Leider gibt es seit einigen Jahrzehnten eine wachsende Flut von Sonder-Rosenkränzen, wobei die meisten auf Erscheinungen oder sonstige „Erleuchtungen“ angeblich  „begnadeter“ Personen zurückgehen, nicht selten handelt es sich dabei um anonyme Visionäre.

Das gilt auch für den Rosenkranz zu Maria, der „himmlischen Kaiserin über die ganze Welt“. Auf der Webseite http://www.maria-europa.eu/ wird für diese neue Andacht geworben. Dazu gibt es ein Faltblatt zur näheren Erläuterung: http://www.maria-europa.eu/PDF/Ave%20Maria_D.pdf

Im Mittelpunkt steht folgende Anrufung:

Ave Maria Kaiserin, Hilfe der Christen,
bitte für das Dir geweihte Bistum,
besonders für den Bischof,
alle Priester und Gottgeweihten
und ganz besonders für ein christliches Europa. Amen.

Mit dem der Madonna geweihten Bistum ist offenbar Aachen gemeint, einst die kaiserliche Residenz von Karl dem Großen. Dort wird seit Jahrhunderten eine Wallfahrtsstatue mit Maria und dem Christkind verehrt. In einer listiger Art werden nun neuartige „Botschaften“ mit dieser altbewährten Pilgerstätte verknüpft.

Zunächst erstaunt, daß in dieser Anrufung zwar für den dortigen Bischof sowie „alle Priester und Gottgeweihten“ gebetet wird, nicht jedoch für den Papst, die Diakone und das gläubige Kirchenvolk – allenfalls indirekt durch die Erwähnung „für ein christliches Europa“.

Natürlich ist der traditionelle Titel Mariens als „Hilfe der Christen“ völlig in Ordnung, ist die Gottesmutter doch unsere Fürsprecherin bei ihrem göttlichen Sohn.

Die katholische Kirche hat freilich seit zweitausend Jahren noch nie eine amtliche Marienbezeichnung „Kaiserin“ verkündet. Vielmehr wird die Madonna als „Königin der Engel und Heiligen“ gewürdigt, weil sie ihnen als Mutter des HERRN an Würde und Gnadenfülle vorausgeht. Auch in der ausführlichen Lauretanischen Litanei (kirchliche Bittgebete der Kirche) kommt die Anrufung „Kaiserin“ nicht vor.  

Anders läuft es freilich in sektiererischen und erscheinungsbewegten Kreisen, etwa durch seinen selbsternannten „Schwertbischof“ aus der Schweiz, dem dieser Titel  – eigenen Aussagen zufolge –  von Gott selbst zugesprochen wurde: http://www.schwert-bischof.com/german/Der-Glaube/Maria-Kaiserin/maria-kaiserin.php

Hier wird die Gottesmutter als strahlende Kaiserin ganz allein auf einem himmlischen Thron dargestellt, von Christus bzw. dem dreieinigen Gott keine Spur.

Zur eingangs erwähnten neuen Kultform samt dem Extra-Gebet zur „Ave Maria Kaiserin“ sei angemerkt:

Auch hier wird wieder am klassischen Rosenkranz herumgebastelt. Statt der zehn Perlen bzw. Ave-Gebete sind es ihrer jetzt zwölf – und dazu kommt neben dem Fatima-Zusatz (der ohnehin kein Bestandteil des überlieferten Rosenkranzes ist) noch jene sonderbare Kaiserin-Anrufung dazu.

Typischerweise beruft sich diese Aachen-Variante ebenfalls auf Privatoffenbarungen, wobei der/die Visionär/in nicht einmal namentlich genannt ist. Gleichwohl wird aus angeblichen Aussagen Jesu und Mariens zitiert, welche natürlich die Vorzüglichkeit der neuen Andacht loben und großartige himmlische Versprechen damit verbinden  – alles ganz nach alter Seher (Un-)Sitte.

Wichtig sind dabei der Sonder-Rosenkranz, die Verehrung Maria-Kaiserin sowie eine Medaille mit dem Bild der Aachener Madonna und einer Kaiserkrone auf der Rückseite.

So verheißt Gott selbst angeblich einer anonymen Person folgendes: „Durch die Medaille und durch diesen bestimmten Rosenkranz wird in Europa eine Wandlung geschehen, wie in Kana: Der Herr wird durch die Vermittlung Mariens das Wasser in Wein verwandeln.“

Diese Ankündigung ist kennzeichnend für pseudo-mystische Privatoffenbarungen: Entweder wird dabei eine angsteinflössende Form von Endzeit-Panik betrieben oder schwärmerisch das genaue Gegenteil in Aussicht gestellt (glorreiche Zeiten für die Kirche, weltweite Erweckung, universales Friedensreich usw).

Dabei wird ausgeblendet, daß sowohl Christus in seinen Endzeitreden wie auch Paulus (vor allem im 2 Thessalonicherbrief) statt goldener Zeiten zum Ende hin einen allgemeinen Glaubensabfall und das Auftreten des Antichristen prophezeien. Diese unangenehm erscheinende Wahrheit wird durch hoffnungsfroh wirkende Verheißungen in diversen Visionen verdrängt bzw. buchstäblich „überzuckert“.

Manchmal werden auch beide Versionen miteinander verknüpft: Erst kommt noch ein schlimmes Strafgericht, danach aber erstrahlt diese irdische Welt im Glanze großer Verheißungen.

So läuft es auch hier  – in jener anonymen Kaiserin-Maria-Botschaft wird nämlich weiter angekündigt:

„Die Zeit ist nun reif: Das Rosenkranzgebet mit den 12 Ave muss stärker gebetet werden! Es muss mit viel mehr Innigkeit, Vertrauen und Intensität gebetet werden! Die teuflischen Terrorattacken in Europa werden sich vermehren, es wird viel Blut fließen um des Namens meines Sohnes willen!
Ich verspreche euch aber: All diejenigen, die den europäischen Rosenkranz und die Medaille tragen, werden von mir besonders beschützt und verschont, ja, sie und ihre Familien!
Durch mehr Intensität, mehr Vertrauen und mehr Innigkeit in diesem Gebet werden viele Gnaden über Europa kommen. Betet also auch oft das` Gebet `Ave Maria, Kaiserin ́, um mei-
nen Schutz über euch und über den Kontinent zu erlangen…“ 
 
Auch jenes entlarvende Merkmal falschmystischer „Offenbarungen“ fehlt somit nicht, wonach die Verehrer einer bestimmten Andacht vom Himmel in den schrecklichen Zeiten ganz besonders beschützt und vor Unbill bewahrt werden – und ihre Familien noch dazu. Herz, was willst du mehr?!

Es handelt sich dabei um ein anziehendes Psycho-Spiel mit „Zuckerbrot und Peitsche“, das sich in verschiedenen Formen durch die meisten „Privatoffenbarungen“ zieht.

Zur Anrufung Mariens als „Kaiserin“ wird außerdem folgende Botschaft „Jesu“ zitiert:
„Dieses Gebet ist wie ein goldener Schlüssel, der mein und meiner Mutter Herz öffnet und von dort aus die Strahlen meiner Gnade und Ihrer Vermittlung zu euch frei kommen lässt. Je
öfter und je mehr dieses Gebet gebetet wird, um so mehr wird die Finsternis von Europa weichen! Denn Aachen ist und bleibt der geistige Punkt, von wo aus ich die Welt in Mir erneuern werde. Und das durch meine Mutter, der Hilfe der ganzen Christenheit, ja der himmlischen Kaiserin über die ganze Welt!“

Nun wird also nicht „nur“ eine neue Marienanrufung eingeführt, ein erweiterter Sonder-Rosenkranz angeboten, eine Extra-Medaille angepriesen, sondern auch ein neuer Gnadenort ausgerufen, nämlich Aachen.

Nicht etwa Rom oder Jerusalem sind der „geistige Punkt“, von dem aus Christus die Welt erneuert, sondern Aachen – immer mal was Neues für die neugierig-erscheinungsbewegte Szene.

Abgesehen davon, daß das Neue Testament vor der Wiederkunft Christi keine „erneuerte“ Welt ankündigt (sondern mit dem Glaubensabfall das genaue Gegenteil), ist Maria keine „himmlische Kaiserin über die ganze Welt“, zumal wir bedenken wollen, daß Satan in der Hl. Schrift als der „Fürst dieser Welt“ bezeichnet wird. Welchen theologischen Sinn ergibt dann eine Anrufung Mariens als Welt-Kaiserin? 

Überdies feiern wir bekanntlich in der Kirche das Christkönigs-Fest, denn Christus hat vor Pilatus erklärt: „Ja, ich bin ein König“ – wenngleich sein Reich eben gerade „nicht von dieser Welt“ ist.  Auch die Inschrift INRI am Kreuz bedeutet auf deutsch: Jesus von Nazareth, König der Juden.

Wenn nun Christus, unser aller göttlicher Erlöser, ein König ist, dann kann die Madonna keine Kaiserin sein, sonst stände das Geschöpf über dem Schöpfer und die Erlöste über dem Erlöser. Der Titel Kaiser übertrifft nun einmal den Titel König – und da Christus nirgends in der Liturgie oder kirchlichen Texten als Kaiser bezeichnet wird, kann Maria erst recht keine Kaiserin sein.