Zur Kontroverse um Maria „Miterlöserin“ im Kontext der kirchlichen Tradition

Von Felizitas Küble

Auf dem traditionalistischen Blog „Katholisches.info“ wurde am 20. Mai 2021 ein längerer Beitrag von Pater Paolo Siano veröffentlicht, in dem sich dieser Ordensmann mächtig zugunsten des Titels „Miterlöserin“ (lateinisch: Coredemtrix /Corredemtrix) aus dem Fenster hängt.

Er zitiert gerne aus mehr oder weniger wichtigen theologischen Zeitschriften, die meist während des Pontifikats von Pius XII. erschienen waren.

Dabei sind gewisse „mariologische“ Ausführungen in diesem oder jenem Blatt, mag es auch noch so ehrenwert sein, durchaus nicht von Bedeutung für die Frage nach der lehramtlichen (!) Stellung einer solcher Bezeichnung für die selige Jungfrau.

Dies gilt selbstverständlich auch dann, wenn diese Publikationen mit Imprimatur erschienen sind, wobei eine solche „Druck-Erlaubnis“ keine kirchliche Bestätigung ihres Inhalts darstellt, sondern lediglich beinhaltet, daß seine Verbreitung gestattet ist. Solch ein Buch „darf“ also von gläubigen Katholiken gelesen werden – nicht mehr und nicht weniger.

Für die Frage nach der lehramtliche Relevanz kommt man durch haufenweises Zitieren solcher zwar genehmigter, aber keinesweges kirchenamtlicher Bücher – vornehmlich aus den 50er Jahren – nicht wirklich weiter.

Immerhin muß auch der Autor als begeisterter Vertreter der „Miterlöserin“-These einträumen, daß es vor Leo XIII. keinen Papst gab, der diesen Marientitel jemals vertreten hat – weder schriftlich noch mündlich.

Es mutet etwas merkwürdig an, wenn es ausgerechnet „Traditionalisten“ offenbar nicht weiter stört, für ihre These keine kirchliche TRADITION vorlegen zu könnenimmerhin geht es um ca 1900 Jahre.

Erst seit ca. 120 Jahren gibt es spärliche Hinweise aus päpstlichen Munde, aber sie erfolgten nicht im Rahmen einer offiziellen Lehrverkündigung.

Selbst für den betont „marianischen“ Papst Pius XII. findet während seiner gesamten Amtszeit kein eindeutig belegtes Zitat für „Maria Miterlöserin“, weshalb sich der Verfasser auf eine angebliche Aussage aus einer Ansprache „oder einem Brief“ (nicht einmal das ist klar) stürzt und stützt, von welcher nicht einmal das Datum gesichert ist und der Autor sich auf Sekundärquellen beruft, deren Beweiswert sich in Grenzen hält.

Foto: Radio Vatikan

Es fehlt also für den Corredemptrix-Titel jede lehramtliche TRADITION, die wenigstens noch bis ins Mittelalter hineinreichen würde – was doch gerade für Traditionalisten ein echtes Manko sein müßte.

BILD: Papst Benedikt bezeichnete den Miterlöserin-Titel als „irreführend“

Immerhin gibt auch der Autor selber zu, daß die Bezeichnung „Miterlöserin“ zum ersten (!) Mal von Pater Salmeron SJ ausgesprochen wurde, einem Theologen des Konzils von Trient (und somit in der Neuzeit).

Allerdings hat es erneut lehramtlich nichts zu bedeuten, wenn sich ein frommer Geistlicher auf einer Kirchenversammlung in dieser oder jener Weise geäußert hat.

Für das Mittelalter – ganz zu schweigen vom christlichen Altertum bzw. der Patristik (Kirchenväterzeit) – finden sich keine Belege, sonst hätte der findige Verfasser sie allzu gerne präsentiert.

Langer Rede kurzer Sinn: Die Corredemtrix wird niemals zum Dogma erklärt werden, denn sie gehört nicht einmal zur amtlichen kirchlichen Verkündigung, ist kein Bestandteil des „depositum fidei“ (überlieferten Glaubensgut) – es fehlt ihr sogar jedwede grundlegende Verankerung in der TRADITION der Kirche und erst recht in der „göttlichen Offenbarung“ (sie wird bezeugt durch Bibel und apostolische Überlieferung).

Ergänzender Artikel hierzu: https://charismatismus.wordpress.com/2019/08/21/kann-eine-erloeste-zugleich-miterloeserin-sein/


Feier in Regensburg: Achter Jahrestag der Bischofsweihe von Dr. Rudolf Voderholzer

Anlässlich des Jahrestags der Bischofsweihe von Dr. Rudolf Voderholzer ist am Sonntagnachmittag im Regensburger Dom eine Pontifikalvesper gefeiert worden. Der Oberhirte wurde vor acht Jahren, am 26. Januar 2013, im Dom geweiht.

Er dankte bei dieser Gelegenheit allen, die ihn bei der Leitung der Diözese unterstützen sowie überhaupt allen, die sich für Verkündigung und Weitergabe des Glaubens einsetzen. Unter Wahrung aller Abstandsregeln war der Dom gut gefüllt mit Besuchern.

In seiner Predigt erinnerte der Bischof an die 51.000 Menschen, die in Deutschland bisher am Corona-Virus verstorben sind, sowie an die rund 2 Millionen Menschen, die weltweit verstorben sind. An dem Corona-Virus sei etwas „geradezu Teuflisches“, weil es die leibhaftige Gemeinschaft verhindert.

Soziale Distanz sei gerade das Gegenprogramm zur Kirche als Communio, sagte der Bischof: „Die Versammlung gehört dazu.“

Die schwierigste Aufgabe, die Sammlung der Menschen, stünde aber erst noch bevor – wenn das Virus überwunden ist.

Der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs beschrieb das Wirken des Bischofs mit den Worten „mutig“ und „ermunternd“.

Ganz im Sinne des „Wir lassen nicht ausfallen, sondern wir lassen uns etwas einfallen“ gingen von dem Bischof unzählige Ideen aus, um die Nähe Christi den Menschen in Worten und Zeichen erfahrbar zu halten.

Quelle (Text/Bilder): Bistum Regensburg


Bischof Voderholzer weihte im Regensburger Dom sieben Männer zu Diakonen

Sieben Männer empfingen am heutigen Samstag (5.12.) im Regensburger Dom St. Peter durch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Weihe zum Diakon.

Die Weihekandidaten versprachen ihrem Bischof Gehorsam und die Bereitschaft zum Dienst in der Kirche. Sie erhielten ihre Gewänder und das Evangeliar.

Im kommenden Jahr, Ende Juni 2021, werden die sieben Männer in der Regensburger Kathedrale zu Priestern geweiht.

In seiner Predigt erinnerte der Bischof an die Einsetzung des Sieben-Männer-Amtes in der Apostelgeschichte, das seit frühester Zeit mit den Diakonen identifiziert wird. Die Apostel richten es ein und die Hauptaufgabe sollte die Sorge sein um die Bedürftigen, die Armen, die Kranken usw. in der Pfarrei. Die Apostel konnten sich so auf die Verkündigung, den Gottesdienst, die Predigt und den Religionsunterricht konzentrieren.

„Am besten wird es immer sein, wenn die Verkündigung vom Caritas-Dienst gedeckt ist, und wenn umgekehrt das sozial-caritative Tun begleitet wird vom Wort der Verkündigung, von der Erschließung des Glaubens“, erklärte der Bischof.

An die Weihekandidaten gewandt sagte der Regensburger Oberhirte:

„Die Tradition der Kirche hat es aus gutem Grund so eingerichtet, dass vor der Weihe zum Priester die Weihe zum Diakon steht. Das ist nicht ein bloßes Durchgangsstadium, sondern gewissermaßen der Grundton, die Basis, der Bass.

Euer Diakonat fällt in eine Zeit ganz besonderer Herausforderungen. Die Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie sind für viele Menschen eine riesige Belastung.

Ich bitte Euch, zusammen mit den Pfarrern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Pfarreien gerade jetzt auch sensibel und kreativ alle Möglichkeiten auszuschöpfen, Kontakte zu halten, zu schauen, dass niemand vergessen wird, zu überlegen, wen könnte ich wenigstens anrufen, eine Karte schreiben, ein Zeichen der Verbundenheit; wo wartet vielleicht jemand schon lange voll Sehnsucht darauf, wahrgenommen zu werden und in verwandelter Form die Hand ausgestreckt zu bekommen. Danke für alle Leidenschaft und Kreativität, die ich in der Seelsorge beobachte!“

Die neuen Diakone:

Neumann, Bastian aus Tirschenreuth, Heimatpfarrei: Pfarrei St. Laurentius in Konnersreuth, Praktikumspfarrei: Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit in Amberg

Preuß, Henrik Lukas aus Völklingen (Saarland), Heimatpfarrei: Pfarrei Hl. Kreuz im Warndt in Völklingen-Ludweiler, Praktikumspfarrei: Pfarrei St. Georg in Amberg

Rodriguez, Ramon aus Hirschau (geboren in Amberg), Heimatpfarrei: Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Hirschau, Praktikumspfarrei: Pfarrei St. Wolfgang in Regensburg

Skorczyk, Leonard Georg Martin aus Amberg (geboren in Hamburg), Heimatpfarrei: Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit, Praktikumspfarrei: Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Deggendorf

Strätz, Matthias aus Zeil am Main (geboren in Haßfurt, Unterfranken), Heimatpfarrei: Pfarreiengem. Am Weinstock Jesu / Pfarrei St. Michael in Zeil am Main, Praktikumspfarrei: Pfarrei St. Josef in Weiden

Eibl C.R.V., HerrPatrick aus Langquaid (geboren in Hutthurm), Propstei St. Michael der Augustiner Chorherren in Paring/Langquaid, Praktikumspfarrei: Pfarrei St. Pius in Kelheim

Röse C.R.V., HerrAlexander aus Langquaid (geboren in Marburg), Propstei St. Michael der Augustiner Chorherren in Paring/Langquaid, Praktikumspfarrei: Pfarrei St. Ägidius in Lappersdorf

Quelle: Bistum Regensburg – Erste zwei Fotos: © Uwe Moosburger / altrofoto


Die Apostel sind Gesandte an Christi Statt

Aus der heutigen liturgischen Lesung der kath. Kirche: 2 Kor 5,16-20.

Wenn also jemand in Christus lebt, dann ist er eine neue Kreatur: Das Alte ist vergangen, siehe: Neues ist geworden.
Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.
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Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnte, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung zur Verkündigung anvertraute.
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Wir sind also Gesandte an Christi Statt und Gott ist es, der durch uns mahnt.
Wir bitten an Christi Statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!
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Hl. Paulus: „Verkünde das Wort, ertrage das Leiden, sei nüchtern in allem!“

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Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 2 Tim 4,1-7:
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Ich beschwöre dich bei Gott und bei Jesus Christus, dem kommenden Richter der Lebenden und Toten, bei seinem Erscheinen und seinem Reich:
Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne in aller Geduld und Belehrung!
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Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; man wird der Wahrheit kein Gehör mehr schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden.
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Du aber sei in allem nüchtern, ertrage das Leiden, verkünde das Evangelium, erfülle treu deinen Dienst!
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Denn ich werde nunmehr geopfert und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt.
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Coronakrise bietet Chancen für Korrekturen

Von Monika Rheinschmitt

Die Vertiefung unserer Kenntnisse über Glauben und Liturgie sowie eine intensivere Gebetspraxis sind Möglichkeiten, die Schäden zu begrenzen, die durch den weltweiten „Shutdown“ als Reaktion auf die Verbreitung des Corona-Virus entstanden und weiterhin akkumulieren.

In fast 2000 Jahren Kirchengeschichte gab es trotz aller Verfolgungen, Kriege und Seuchen noch nie einen derartigen Rückgang des kirchlichen Lebens.

Viel zu schnell galten öffentlich zugängliche Meßfeiern und die Sakramentenspendung als nicht „systemrelevant“ und darum verzichtbar.

In den kommenden Monaten werden weder in der Politik noch in der Wirtschaft noch in der Kirche die „früheren (= vor Corona) Zustände“ wieder eintreten. Das muß nicht immer von Nachteil sein, sondern bietet auch Gelegenheit zu Korrekturen.

Die katholische Kirche sollte sich wieder auf ihr „Kerngeschäft“ konzentrieren: die Verkündigung der Erlösung durch Tod und Auferstehung Jesu Christi sowie Beistand und Trost für Menschen in Notlagen, was nicht nur „satt, sauber und ein Dach über dem Kopf“ bedeutet, sondern auch die geistliche Ebene umfaßt.

Zum „Kernthema“ der Kirche gehört ganz zentral auch die angemessene Gottesverehrung in der ehrfürchtigsten und feierlichsten Art und Weise, die uns möglich ist.

Durch das Angewiesensein auf Livestream-Gottesdienste/Meßfeiern boten die zurückliegenden Wochen viel Anschauungsmaterial.

Dabei wurde deutlich, daß an vielen Orten Meßfeiern im klassischen römischen Ritus in diesem Geist zelebriert wurden: Als gesungenes Amt mit vier Ministranten oder auch als levitiertes Hochamt, mit Choralschola für das Ordinarium und die Proprien sowie manchmal einem mehrstimmigen Chor für Zwischenstücke – alles zur größeren Ehre Gottes und zum Trost für die Gläubigen an den Bildschirmen.

Aber auch in nicht übertragenen heiligen Messen wird dem Allerhöchsten das Ihm genehme Opfer dargebracht. Der Priester ist nicht alleine, sondern in der Gemeinschaft der Engel und Heiligen sowie der Gläubigen, die mit ihm verbunden sind, auch wenn sie nicht physisch anwesend sein können.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Vorwort von „Dominus vobiscum“ Nr. 20 (Mai 2020) – Die Zeitschrift kann hier bestellt werden: Telefon: 0711 8387877 oder Mail: PMT.Stuttgart@t-online.de
Im Internet sind frühere Ausgaben verfügbar: https://www.pro-missa-tridentina.org/medien/index.htm


Spezielle Prioritäten von Kardinal Dr. Reinhard Marx in Corona-Zeiten und danach

Von Reinhard Wenner

Im Blog „Katholisches.de“ ist am Gründonnerstag, dem 9. April 2020, ein Interview von KNA-Redakteur Renzikowski mit Kardinal Reinhard Marx, dem Erzbischof von München und Freising, veröffentlicht worden.

Das Interview ist nicht nur interessant, weil der Kardinal seine Ansicht zur Bedeutung der Eucharistiefeier im Leben der Kirche während der Corona-Pandemie mitteilt, sondern auch wegen der Prioritäten für künftige kirchliche Aktivitäten.

Die größte Aufgabe der katholischen Kirche sieht der Erzbischof derzeit nicht darin, trotz der Corona-Pandemie das sakramentale Leben für die Katholiken zu gewährleisten, sondern dass „wir andere schützen“. Der „Gottesdienst“ gilt gegenüber diesem „Menschendienst“ zur Zeit als nachrangig.

Unklar ist, warum Kardinal Marx eine Entweder-Oder-Situation sieht und die derzeitigen staatlichen Einschränkungen der Glaubensfreiheit als „sehr gut begründet“ akzeptiert. Die Grundsätze, die beim Einkauf von Lebensmitteln gelten, lassen sich meines Erachtens auch auf die Teilnahme an gottesdienstlichen Feiern anwenden: Sicherheitsabstände einhalten, keine Begrüßung per Händedruck oder Umarmung, ggf. noch Mund- und Nasenschutz tragen. Außerdem könnte in den Eucharistiefeiern auf Gesang verzichtet werden.

Kardinal Marx aber hält den Hinweis auf „Sicherheitsabstände“ beim Einkauf von Lebensmitteln im Hinblick auf Gottesdienste für „etwas merkwürdig“. Er meint: „Dann müsste man die Zahl der betreffenden Gottesdienstbesucher beschränken und all das auch kontrollieren“.

Aber ist das Prinzip „alle oder keiner“ für die Frage nach der Zulassung zur Eucharistiefeier angemessen?

Wenn das ein legitimes Kriterium wäre, dürfte man z.B. Leute, die am Corona-Virus erkrankt sind, nur dann an ein Sauerstoffgerät anschließen, wenn für alle Corona-Erkrankten ein Sauerstoffgerät zur Verfügung steht.

Die Frage nach einer Erhöhung der Zahl sonntäglicher Eucharistiefeiern wird nicht angesprochen.

Außerdem: Warum soll das, was in Hunderten von Lebensmittelgeschäften und in Baumärkten möglich ist, in den einzelnen Kirchen nicht machbar sein? Sind Priester, Pastoral- und Gemeindereferenten, Pfarrgemeinderäte, Kirchenvorstände, Vorstände kirchlicher Vereinigungen nicht fähig oder nicht willens, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und auf die Einhaltung zu achten?

Den Auftrag der Kirche, das „Evangelium zu verkünden“, sieht Kardinal Marx durch die modernen Medien gut gewährleistet. Die Verkündigung (Mt 28,20) ist aber nur ein Teil des Auftrages Jesu. Hinzu kommt Jesu Wort im Abendmahlssaal: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19).

Wie kann der Verkündigungsdienst gelingen, wenn Eucharistiefeiern zumindest vorübergehend als nachrangig angesehen werden und den Laien die Teilnahme an den Eucharistiefeiern verweigert wird? Wenn Jesu Wort gilt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5), sollte an der Eucharistiefeier mit Kommunionempfang auch in Pandemiezeiten festgehalten werden.

Kardinal Marx weiß der Pandemie sogar Positives abzugewinnen: „Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen offener für unsere Botschaft werden.“

Jesus Christus hat mit seiner Botschaft vom Reich Gottes auch ohne Pandemie Aufmerksamkeit erlangt.

Auf die Frage, wo wir in keinem Fall so weitermachen können wie bisher, nennt Kardinal Marx das Gesundheitswesen, die Klima-Debatte, den entfesselten globalen Kapitalismus. Er fordert „eine neue, wirklich nachhaltige Ordnung, die möglichst allen Menschen nützt“.

Die katholische Kirche in Deutschland muss sich bei diesen Themen nicht zurückhalten. Aber vorrangig sollte sie sich gegen das himmelschreiende Unrecht der Abtreibungen wenden.

Über 42 Millionen Kinder werden nämlich jährlich weltweit vor der Geburt getötet. Vom vorrangigen Einsatz für die Ungeborenen aber ist keine Rede. Kardinal Marx spricht auch nicht das Thema „Ehe für alle“ an – als wenn es keine Schöpfungswahrheiten gäbe. Er schweigt zu all dem, was mit „Gender“ umschrieben wird. Die weltweiten Christenverfolgungen erwähnt er ebenfalls nicht, auch nicht die Kriege.

Kardinal Marx meint in dem Interview weiter, die Kirche müsse ihre Sendung neu begreifen. Sie dürfe „sich nicht in eine museale Vergangenheit zurückziehen“ und manchmal nicht „so sehr an alten Vorstellungen und Traditionen hängen“.

Und welche Kriterien sind maßgeblich? Das Neue ist nicht per se das Bessere, das Alte nicht per se der Feind des Neuen. Das Alte ist nur der Feind des schlechten Neuen. An schlechtem Neuen aber besteht in der katholischen Kirche derzeit kein Mangel.

Ein Blick auf so manchen Wildwuchs in der Messliturgie zeigt das. Und wenn es richtig ist, dass die Weise des Betens dem Inhalt des Glaubens entspricht (lex orandi – lex credendi), sollten einige Zelebranten mal wieder den Katechismus studieren. Außerdem wäre auch einigen vom „Bodenpersonal Gottes“ dringend zu empfehlen, wieder alle Gebote des Dekalogs zu befolgen.

Kardinal Marx verweist im Oster-Interview zweimal auf Papst Franziskus, erwähnt aber nicht, dass der Papst als Souverän des Vatikanstaates an die italienischen Gesetze nicht gebunden ist und damit auch nicht an die Vorschriften, die der italienische Staat zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlassen hat.

Meines Erachtens hätten der Papst und die anderen Kleriker im Vatikan zusammen mit der Schweizer Garde etlichen Katholiken die Teilnahme an der Kar- und Osterliturgie ermöglichen können, ohne jemanden gesundheitlich zu gefährden. Papst Franziskus hätte für Kardinal Marx und für alle Pfarreien in Deutschland ein Ideengeber sein können.


Lex credendi, lex orandi: Der Glaube kommt nicht vom Schauen, sondern vom Hören!

Von Felizitas Küble

Es gibt zwei verschiedene Vorstellungen davon, der Glaube komme vom „Schauen“, sei also vor allem eine Sache unserer Sinne und des Erlebens, weniger eine Angelegenheit des Verstandes bzw. unseres Willens. 

Eine dieser Varianten des Gefühlschristentums ist die charismatische, die ihren Glauben besonders auf religiös-persönliche Erfahrungen, außergewöhnliche Charismen, Visionen und Erlebnisse aufbaut.

Die zweite, eher konservative Form einer stark gefühlsorientierten, sinnlichen Frömmigkeit ist der traditionelle Ästhetizismus, also das intensive Empfinden für liturgische Schönheit und Erhabenheit, für erhebende Gesänge, erlesene Rituale, festliche Meßgewänder usw.

Keine Frage, daß solche besonders feierlichen und würdig zelebrierten Gottesdienste  – die man vor allem in der überlieferten „alten Messe“ vorfindet – den Glauben stärken und ihm durch einen gewissen Schimmer von „Glanz und Gloria“ das besondere „Etwas“ verleihen können.

Für manche stark kulturell geprägten Menschen war und ist solch eine Herz und  Gefühle ansprechende Liturgie sogar das „Sprungbrett“ für ihre Bekehrung, sie ist dann eine individuelle Brücke zum Glauben.

Gilt also doch der Grundsatz „Lex orandi, lex credendi“?  – Also das Prinzip: Aus dem Gesetz des Betens folgt das Gesetz des Glaubens.

In Einzelfällen ja, auch in dem Sinne, daß das Gebet der Kirche – also die Liturgie – dem Glauben neue Innerlichkeit und Freude ermöglichen kann.

Aber grundlegend für unseren Glauben sind weder außergewöhnliche religiöse Erlebnisse – wie bei der Charismatik – noch besonders erhebende Rituale – wie beim Liturgismus – sondern vielmehr unser bewußtes JA zu den von Gott geoffenbarten Wahrheiten.

Denn der Allmächtige hat sich den Menschen mitgeteilt durch sein Wort, durch die Propheten des Alten Bundes, vor allem durch das menschgewordene WORT (Logos), durch Christus selbst, denn „zuletzt hat GOTT gesprochen durch seinen Sohn“, wie der Hebräerbrief betont.

In diesem Sinne betont der Apostel Paulus: „Der Glaube kommt vom Hören“ (Röm 10,17), er ist also eine Auswirkung der christlichen Verkündigung. Der Völkermissionar fügte hinzu: „Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen“ (2 Kor 5,7).

Somit gilt der Grundsatz: Lex credendi, lex orandi: Aus dem Gesetz des Glaubens folgt das Gesetz des Betens!

Aus dem Glauben der Kirche ergibt sich somit ihr Gottesdienst, ihre Liturgie, ihre amtliche Gottesverehrung. Diese ist nicht Ursache, sondern Ausdrucksform des Glaubens.

Auch die Frömmigkeit des Einzelnen ist eine ANTWORT auf das WORT  –  und seine Ver-ANTWORT-ung besteht darin, dieses Wort in die Tat umzusetzen, denn der Glaube ohne Werke ist tot, wie der Apostel Jakobus schon vor fast zweitausend Jahren einschärfte (vgl. Jak2,4).

Je nach Auslegung und Zusammenhang haben also beide Prinzipien ihre Gültigkeit, wobei jedoch eine übertriebene Ausweitung der liturgischen Sicht („Lex orandi, lex credendi“) zu vermeiden ist.

Auch Papst Pius XII. forderte in seiner 1947 veröffentlichten Enzyklika „Mediator Dei“ eine stärkere Betontung des lex credendi (Gesetz des Glaubens) gegenüber dem lex orandi (Gesetz des Betens, der Liturgie), da „die lehramtlich zu bestimmende Glaubensregel […] auch die Regel des Gottesdienstes zu bestimmen“ hat.

Mit anderen Worten: Aus der Glaubenslehre folgt das Gebet, auch der Gottesdienst und die gesamte Liturgie.

Praktisch erkennt man diese Logik auch hinsichtlich der Ostkirchen: Die Orthodoxie hat eine gültige, sogar sehr würdevolle Liturgie, die von konservativen Katholiken oft stark gewürdigt und wertgeschätzt wird. Trotz dieser „rituellen Korrektheit“ bestehen aber erhebliche dogmatische Unterschiede zwischen ihr und der katholischen Kirche – was zum Schisma (Trennung, Abspaltung) führte. Eine richtige Liturgie sorgt also  – wie man hier sieht – nicht unbedingt auch glaubensmäßig immer für den rechten Weg.


GOTT ist es, der euch durch uns ermahnt!

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 2 Kor 5,14-21:

Brüder! Die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben. ER ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde…
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Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Kreatur: Das Alte ist vergangen, siehe, ist es alles neu geworden.
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Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.
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JA, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung zur Verkündigung anvertraute.
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Wir sind also Gesandte an Christi Statt –  und Gott ist es, der euch durch uns ermahnt. Wir bitten an Christi Statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!
 

Paulus an die Korinther: Habt Ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen?

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 1 Kor 15,1-8:

Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht.
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Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe.
Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen?
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Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden.
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ER ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
Danach erschien ER mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen.
Danach erschien ER dem Jakobus, dann allen Aposteln.
Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der „Mißgeburt“.