Mainz: Studie über Zusammenhang von Verschwörungsglauben und Gewaltneigungen

Manche politischen Bewegungen, vor allem wenn sie extremistisch ausgerichtet sind, gehen mit dem Glauben an Verschwörungstheorien einher. So haben sich antisemitische Demagogen lange Zeit auf „Die Protokolle der Weisen von Zion“ bezogen – eine Verschwörungstheorie, die auf Fälschungen beruht, aber heute noch Verbreitung findet.

Welche Rolle Verschwörungsdenken jedoch tatsächlich bei politischem Extremismus und Gewaltbereitschaft spielt, ist in der psychologischen Forschung bislang umstritten. Wissenschaftler/innen der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (JGU) haben den Zusammenhang in zwei Studien in Deutschland und den USA untersucht.

Die Versuchsteilnehmer sollten sich dabei vorstellen, die Welt würde durch geheime Verschwörungen regiert. Unter der Prämisse, dass praktisch alle Gesellschaftsbereiche von geheimen, konspirativen Gruppen beherrscht werden, waren die Probanden weniger dazu bereit, sich an legalen politischen Aktionen zu beteiligen. Stattdessen würden sie eher zu illegalen, gewalttätigen Mitteln greifen.

Datenlage über Anhängern von Verschwörungstheorien widersprüchlich

Den Wissenschaftlern vom Psychologischen Institut war aufgefallen, dass in Fachkreisen unterschiedliche Auffassungen vorherrschen. Auf der einen Seite wird die Ansicht vertreten, dass Verschwörungsideen einen motivierenden Einfluss haben könnten und sich die Anhänger eher am politischen Geschehen beteiligen, um Änderungen herbeizuführen. Auf der anderen Seite wird angenommen, dass der Verschwörungsglaube eher zu Politikverdrossenheit und Rückzug führt. 

Das Team um Prof. Dr. Roland Imhoff ging diesem Widerspruch nach und untersuchte, ob und in welcher Form ein Zusammenhang zwischen Verschwörungsglauben und politischem Engagement besteht. Dazu wurden die Studienteilnehmer, 138 in Deutschland und 255 in den USA, gebeten, sich drei Szenarien vorzustellen:

Dass sie in einer Gesellschaft leben, die im Geheimen von mächtigen Gruppen regiert wird, dass sie in einer Gesellschaft leben, in der sie vielleicht gewisse Verschwörungen vermuten oder dass sie in einer Gesellschaft leben, in der kein wirklicher Grund für den Verdacht geheimer Machenschaften besteht.

Sie sollten dann ihr politisches Engagement anhand von 20 verschiedenen Vorschlägen einstufen. Zum Beispiel: „Ich würde durch Stimmabgabe an einer Wahl teilnehmen“ oder „Ich würde versuchen, den Ausgang einer Wahl durch das Hacken von Computern zu beeinflussen“ oder aber „Ich würde einen gewalttätigen Angriff auf eine Person in einer Machtstellung ausüben“.

Die Auswertungen zeigen, wie sich der vermeintliche Widerspruch erklären lässt:

Zwischen dem – in diesem Fall hypothetischen – Glauben an Verschwörungstheorien und dem politischen Engagement besteht ein Zusammenhang, der sich grafisch als umgekehrte U-Kurve darstellt. Das heißt, die Bereitschaft zu politischer Aktivität erreicht ihren Höhepunkt bei den Anhängern, die dem mittleren Niveau der Verschwörungstheoretiker angehören. Dann nimmt das Interesse wieder ab, vor allem im Hinblick auf legale Mittel der Artikulation.

Mit zunehmender Überzeugung, von der Regierung betrogen zu werden, steigt die Neigung, zu illegalen, gewalttätigen Mitteln zu greifen. Diese Tendenzen zeigten sich sowohl in Deutschland als auch in den USA, wenngleich hier in einer etwas abgeschwächten Form.

Die Ergebnisse, so schreiben die Autoren in ihrem Beitrag für das Fachmagazin Social Psychological and Personality Science, weisen auf eine reale Gefahr des Verschwörungsglaubens hin:

„Wenn Menschen diese Weltsicht erst einmal angenommen haben und davon überzeugt sind, dann besteht für sie überhaupt keine Notwendigkeit, irgendeiner Form von sozialer Übereinkunft zu folgen – sozialen Übereinkünften, wie sie in Gesetzen und Regeln oder implizit in Form von Vertrauen in ausgewiesene Autoritäten wie Qualitätsmedien oder die Wissenschaft in unserem System verankert sind.“

Die Sozialpsychologen räumen ein, dass die beiden Studien deutliche Grenzen aufweisen, am offensichtlichsten wohl jene, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hypothetische Reaktionen zu einem hypothetischen Szenario abgeben sollten. Das Fazit beschränkt sich daher auf die Aussage, dass der Glaube an Verschwörungstheorien dazu führt, gewalttätigen Extremismus als eine plausible Option zu erachten.

„Wir sagen keineswegs, dass Verschwörungsglauben zu gewalttätigem Extremismus führt“, macht Roland Imhoff noch einmal deutlich. „Sondern wir sagen, dass eine solche Haltung plausibel wäre, auch wenn man sich als Außenstehender in diese Gedankenwelt hineinversetzt.“

Es ist das erste Mal, dass in einer experimentellen Untersuchung nachgewiesen wird, dass politischer Extremismus und Gewalt eine fast logische Schlussfolgerung sein könnten, wenn man davon überzeugt ist, dass die Welt von geheimen Verschwörungen beherrscht wird.

 


BKA: Amoklauf von Hanau nicht rechtsextrem, sondern verschwörungsfixiert motiviert

Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) haben den Amoklauf von Hanau nicht als rechtsextreme Tat eingestuft. Vielmehr habe der 43 Jahre alte Tobias R. seine Opfer gezielt ausgewählt, um eine möglichst große Aufmerksamkeit für seine Verschwörungsphantasien zu erlangen, berichteten WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung am Wochenende. Rassismus sei aber nicht sein Hauptmotiv gewesen.

Tobias R. war Mitte Februar durch die hessische Stadt Hanau gezogen und hatte neun Personen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Später fanden Ermittler ihn und seine Mutter tot in ihrer Wohnung. 

Zahlreiche Politiker und Journalisten hatten die AfD und rechte Medien in inhaltliche Nähe zum Täter gerückt. Tobias R. hatte auf seiner Website mehrere Dokumente und Videos veröffentlicht. Darin schrieb er u.a., er werde von einem Geheimdienst überwacht, genauso wie Tausende andere Deutsche auch. Der Dienst mit US-amerikanischem Hintergrund oder Verbindungen in die Vereinigten Staaten habe die Fähigkeit, sich in die Gehirne von Menschen „einzuklinken“ und sie fernzusteuern

Wie der Rechercheverbund weiter berichtete, habe Rassismus in der Weltanschauung von Tobias R. keine dominierende Rolle gespielt. Zudem sei der Mann seinen Nachbarn nicht durch rassistische Äußerungen aufgefallen.

Er habe sich vor allem in Verschwörungsmythen rund um Geheimdienste hineingesteigert und habe an Verfolgungswahn gelitten.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2020/bundeskriminalamt-stuft-bluttat-von-hanau-nicht-als-rechtsextrem-ein/

KOMMENTAR von VERA LENGSFELD, ehem. Bürgerrechtlerin und CDU-Parlamentarierin: https://vera-lengsfeld.de/2020/03/30/attentaeter-von-hanau-war-kein-rechtsextremist-sagt-das-bka/

 


Dr. Penners Post an die CDU-Chefin AKK

Dipl.-Chem. Dr. rer. nat. Hans Penner, 76351 Linkenheim-Hochstetten

Sehr geehrte Frau Kramp-Karrenbauer,

die Bundesregierung irrt mit ihrer unbegründbaren Behauptung, der Amokläufer von Hanau sei durch die AfD motiviert worden. Das Schreiben von Prof. Dr. med. W. Meins an den Generalbundesanwalt muß zur Kenntnis genommen werden: https://www.achgut.com/artikel/offener_brief_an_den_generalbundesanwalt_dr._peter_franke_zum_attentat_von.

Der Generalbundesanwalt hat bestätigt, daß Rathjen eine Strafanzeige gegen eine unbekannte geheimdienstliche Organisation gestellt und darin zum Ausdruck gebracht hatte, daß es eine übergreifende große Organisation gebe, die vieles beherrsche, „sich in die Gehirne der Menschen einklinkt und dort bestimmte Dinge dann abgreift, um dann das Weltgeschehen zu steuern“. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, sprach in Berlin auf Grundlage erster Einschätzungen von einer offensichtlich „schweren psychotischen  Krankheit“ des Amokläufers (https://www.welt.de/politik/live206002937/Anschlag-in-Hanau-Vater-von-Tobias-R-schrieb-Briefe-an-Behoerden.html).

Trotz dieser Faktenlage weisen auch Sie unbegründet der AfD eine Mitschuld an dem Amoklauf in Hanau zu. Es muß berücksichtigt werden, daß die AfD ein ernstzunehmender politischer Gegner der CDU ist. Sehr viele frühere Sympathisanten der CDU wählen jetzt die AfD. Es drängt sich daher der Verdacht auf, daß Sie den Amoklauf durch Ihre Interpretation dazu mißbrauchen, um ihrem politischen Gegner zu schaden.

Vergleichen Sie bitte das Verhalten von Dr. Merkel nach den Berliner Weihnachtsmorden mit ihrem Verhalten nach den Hanau-Morden. Frau Dr. Merkel hat unsere Gesellschaft ebenso gespalten wie Europa. Neuerdings arbeitet die CDU mit der SED-Nachfolgerin zusammen.
Ich erwarte von Ihnen Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. 

Mit besorgten Grüßen
Hans Penner


Echo auf NOTRE DAME: Von Verschwörungs-theorien bis zu Multikulti-Träumereien

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Schon kurz nach dem Beginn des Feuers in der Pariser Kathedrale kursierten im Internet  – vor allem in den sog. „Sozialen Netzwerken“ – die verschiedensten Verschwörungstheorien und magischen Vorstellungen.
Gleichzeitig gab es den gegenteiligen Versuch, die von muslimischer Seite  artikulierte Schadenfreude über diese Katastrophe zu leugnen.
Beides wird einer vernünftigen Haltung nicht gerecht.
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Darauf weist Sascha Lobo in seinem Artikel „Netzreaktionen auf Notre-Dame“ hin, der am 17. April auf „SPIEGEL-online“ veröffentlicht wurde: https://www.spiegel.de/netzwelt/web/notre-dame-in-paris-verschwoerungstheorien-und-rechtschaffenheitsreflexe-a-1263295.html
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Der Kolumnist stellt zunächst fest, daß nicht irgendeine Kirche in Frankreich brannte, sondern „die“ Kirche des Landes, was natürlich Verschwörungsmythen begünstigt hat. 
Doch dies kritisch zu sehen, ändert nichts daran  – so der Autor  –  „dass es kein muslimisch geprägtes, antichristliches Ressentiment“ gäbe.
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„Solche Reaktionen“  –  nämlich lachende Smileys zum Brand von Notre-Dame – seien durchaus nicht zu leugnen:
„Meine Stichproben zeigen auf den Facebook-Seiten mehrerer französischer Medien, dass bei nicht wenigen Beiträgen zwischen fünf und zehn Prozent, in einigen Fällen bis etwa zwanzig Prozent der Reaktionen auf Beiträge zum Brand von Notre-Dame mit dem lachenden Gesicht reagiert wird.
Die (authentisch wirkenden) Absender dieser Reaktionen tragen bei den meisten von mir überprüften Beiträgen überwiegend arabische Namen oder solche, die in muslimisch geprägten Ländern üblich sind. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann etwa auf der Facebook-Seite von France 24 bei den Videos nachsehen.“
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Natürlich gibt es zugleich Rückmeldungen von fair denkenden Muslimen, die sich der Trauer in Frankreich angeschlossen und sich hierbei mit den Christen solidarisiert haben.

 


H. Lungenschmid – ein Prophet unserer Zeit?

Von Pater Michael Ramm

Schon mehrere Jahre macht ein gewisser Helmut Lungenschmid auf sich aufmerksam. In Büchern und Vorträgen spricht er über sein “Sterbeerlebnis”, welches er als 15-jähriger Junge beim Zahnarzt gehabt haben will. Es handelt sich um eine Nahtoderfahrung, die er wegen einer Überdosierung an Betäubungsmitteln hatte.

Seinen Visionen gibt Lungenschmid einen unfehlbaren Anspruch, indem er häufig Formulierungen benutzt wie z.B. “Die Gottesmutter sagte mir…” oder “Jesus erklärte mir im Jenseits…”.

Wenn man davon ausgeht, dass er seine Einsprechungen direkt von höchster Stelle bezieht, müssen sie natürlich fehlerfrei sein. Dieser Anspruch, den Herr Lungenschmid selber erhebt, macht es wiederum leicht, die Echtheit seiner Aussagen zu überprüfen.

Tatsächlich sind seine Schilderungen derart irrsinnig, dass man sich wundert, wie es Menschen geben kann, die ihm Glauben schenken.

Weil Lungenschmid in seinen Büchern die Petrusbruderschaft erwähnt und für die Feier der Hl. Messe im außerordentlichen Ritus wirbt, scheint mir eine klare Stellungnahme sinnvoll zu sein:

Sein Buch ist voll von Science-fictionartigen Verschwörungstheorien. Lungenschmid behauptet z.B. ernsthaft, dass die Automarke “Volkswagen” vom Teufel sei, weil der Buchstabe “V” angeblich den Zahlenwert “6″ ergebe und “W” aus zwei “V” bestehe, was zusammen die Zahlenkombination “666″ ergibt, wie ihm die „Gottesmutter“ im Jenseits genauestens erklärte. Daher würde es ihn auch nicht wundern, “wenn dieses Auto zusätzlich auch noch satanisch besprochen wäre.”

Lungenschmid glaubt an eine von oben gesteuerte Dezimierung der Weltbevölkerung, die bereits begonnen hat: “Die Gottesmutter erklärte mir im Jenseits, dass am Ende der Zeit … die Weltbevölkerung dezimiert wird.”

Unter anderem soll dies durch die Förderung von Abtreibung und Euthanasie und durch Vergiftung von Nahrungsmitteln sowie dem Einbau von radioaktivem Plutonium in den Tabak geschehen. Lungenschmid schreibt: “…ich kann mich noch an einige Marken erinnern, die mir von der Muttergottes gezeigt wurden, wie z.B. Marlboro, Memphis, etc.”

Auch das auf der ganzen Welt verkaufte Getränk Coca Cola sei durch chemische Zusatzstoffe vergiftet.

Im Kapitel “Parallel-Städte” behauptet Lungenschmid, dass ihm die Gottesmutter riesige unterirdische Höhlen zeigte, die in der Nähe von Großstädten angelegt seien. Hier würden Tausende und Abertausende von Unterkünften für Islamisten im Geheimen von unserer Regierung gebaut.

Als Erklärung dafür, wie die gigantischen Kosten für diese Mega-Projekte gedeckt werden sollen, schreibt er: “Die Gottesmutter zeigte mir, dass das Geld hierfür von Großprojekten abgezweigt wird, … – große Straßenbaustellen, an denen, wie man sieht, lange Zeit nichts weitergeht, … – Flughäfen, die eine halbe Ewigkeit nicht fertiggestellt werden können, … . Dieses Geld … wird in die Geldsäcke der Freimaurer umgelenkt, …”

Interessant, dass nun auch die Silvesternacht 2015/16 mit den “Parallel-Städten” eine Erklärung findet: Die Täter seien  –  so Lungenschmid –  im Untergrund beherbergt worden und konnten deshalb auch schnell wieder – wie vom Erdboden verschluckt – verschwinden. Damit dürfte die Silvesternacht wohl aufgeklärt sein, denn, so schreibt er: “[dies] hatte mir die Gottesmutter damals schon im Jenseits während des Sterbeerlebnisses gezeigt.”

Es ließen sich noch viele absurde Beispiele und auch theologische Irrtümer dieses intensiven Zahnarztbesuches anführen. Es wundert mich nicht, dass Lungenschmid Probleme hatte, einen Verlag für sein Buch zu finden.

Dagegen wundert es mich doch sehr, dieses Buch in den Händen mancher gläubiger Christen zu finden.

Weitere Artikel mit theologischen Erläuterungen zu Lungenschmid in unseren früheren Beiträgen: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/lungenschmid-helmut-nahtod/


INSA-Umfrage über Verschwörungstheorien

Das Erfurter INSA-Institut, das von Hermann Binkert (siehe Foto) geleitet wird, wollte in einer repräsentativen Umfrage erfahren, wie viele Leute glauben, daß hinter bestimmten Ereignissen Gruppierungen stecken, die insgeheim das Weltgeschehen beeinflussen.  

Hier zeigt sich, dass insgesamt 340 der 2.038 Befragten (17 %) dem zustimmen würden. Dabei stammen die meisten Befürworter der Aussage aus den älteren Altersgruppen: 21 Prozent der Befürworter sind zwischen 55 und 64 Jahren alt, 26 Prozent über 65 Jahre. Die wenigsten Befürworter finden sich in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen (8 %). Im Hinblick auf das Geschlecht lassen sich hier keine Unterschiede feststellen.

Die meisten Befürworter der Aussage verfügen über eine abgeschlossene Lehre (18 %) oder haben aktuell keinen Abschluss (17 %). 16 Prozent der Befragten mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium glauben, daß hinter bestimmten Ereignissen geheime Gruppierungen stecken. Weniger Befürworter des geheimen Einflusses von Gruppierungen auf das Weltgeschehen befinden sich noch in einer Ausbildung (10 %) oder absolvieren gerade ein Studium (13 %).

Wirft man auch hier einen Blick auf das Wahlverhalten der Befragten, zeigt sich, daß die meisten Befürworter der Aussage eine sonstige Partei (26 %) oder AfD bzw. die Linkspartei (jeweils 23 %) wählen würden. Auch 19 Prozent der Wähler der FDP stimmen der Aussage zu.

Jeweils 14 Prozent der Wähler von CDU/CSU und SPD glauben ebenfalls, daß geheime Gruppierungen bestimmte Ereignisse beeinflussen. Am seltensten wird diese Ansicht von Wählern der Grünen vertreten (12 %).

Hier geht es zum erwähnten INSA-Institut: www.insa-consulere.de

 


Ivo Sasek: Prediger zwischen V-Theorien, Weltrettertum, Esoterik und Schauermärchen

Von Felizitas Küble

Ein freikirchlicher Prediger macht seit einigen Jahren in der Schweiz von sich reden, nicht zuletzt durch jährliche Konferenzen und etliche Filme aus seinem „Panorama“-Studio. Zudem unterhält bzw. unterstützt er einige Internet-TV-Kanäle (darunter Sasek-TV, Jugend-TV, Klagemauer-TV), gründete die Anti-Zensur-Koalition und verbreitet diverse Schriften, ist aber hierzulande weniger bekannt als bei den Eidgenossen.

Es geht um Ivo Sasek. Der gelernte Automechaniker wuchs glaubenslos auf, bekehrte sich später zunächst in die evangelikale Richtung, fand dort aber wegen seineFotolia_23885701_Konzert_470x_r pfingstlerischen Anwandlungen und privaten Visionen bzw. himmlischen „Offenbarungen“ wenig Rückhalt, so daß der Familienvater (11 Kinder) seinen eigenen, esoterisch geprägten Kultverein gründete, die OCG  = Organische-Christus-Generation.

In seiner wirr erscheinenden „Theologie“ vereinigt er neben Weltfriedens-Theorien und politischen Verschwörungsthesen einige neugnostische Elemente, darunter die Lehre von einer Prä-Existenz der Seele oder die Reinkarnation sowie die „Allversöhnung“ nach Origenes.

Während er die katholische Kirche (besonders deren Marienverehrung) scharf kritisiert und z.B. düstere Schauermärchen über den Jesuitenorden verbreitet (siehe etwa hier ab der 58. Min.: https://www.youtube.com/watch?v=E2BHqW8zAtI), steht er mit anderen religiösen Gruppierungen auf weitaus besserem Fuße, zB. mit Scientology.

Manches an Saseks Äußerungen klingt für konservative Christen durchaus eingängig (etwa seine Kritik am Genderismus und einer staatlichen Frühsexualisierung der Kinder), doch sollte dies nicht darüber hinwegtäuschen, daß sein inhaltliches Programm insgesamt mit kirchlichen Glaubensvorstellungen vielfach auf Kriegsfuß steht, wenngleich er sich gerne in ein weltfriedensbewegtes Mäntelchen hüllt.

Derzeit treibt ihn eine ganz besondere Mission um, nämlich nichts weniger als die friedliche Kooperation aller 12 Weltreligionen, die es angeblich alle so herzlich gut meinen und mit Terror und Gewalt nichts am Hute haben.

Sein jüngster programmatischer Spielfilm mit dem Titel „Im Anfang war das Herz“ wird hier von seiner Organisation vorgestellt: http://www.panorama-film.ch/sprache-des-herzens/foto-dcubillas-www_freimages_com_

Darin heißt es:

„Wahre Religion hat mit Terrorismus so wenig zu tun wie:

  • Der Ku-Klux-Klan mit wahrem Christentum
  • Die Protokolle der Weisen von Zion mit wahrem Judentum
  • Der IS, ISIS etc. mit wahrem Islam usw.“

Freilich hat ohnehin kein Vernünftiger behauptet, der rassistische (und übrigens auch extrem anti-katholische) Klu-Klux-Clan aus den USA sei eine christliche Einrichtung. Überdies ist längst bewiesen, daß die „Protokoll der Weisen von Zion“ eine judenfeindliche Fälschung darstellen, daher tatsächlich über das „wahre Judentum“ nichts aussagen.

Nun wird es aber interessant, denn gleichzeitig wird in dieser Film-Präsentation der „Islamische Staat“ (IS) und ähnliche Terrororganisationen („etc.“) ausdrücklich vom „wahren Islam“ getrennt.

Während sich aber IS-Terroristen sehr wohl auf den Koran und den islamischen Dschihad bzw. „Heiligen Krieg“ berufen können, handelt es sich bei den Zions-Protokollen eben nicht um ein jüdisches Dokument und beim Klu-Klux-Klan nicht um eine christliche Vereinigung, welche sich auf die Bibel und/oder die Kirche stützt.

Mit anderen Worten: Der Vergleich hinkt gewaltig – und er soll offenbar auf geschickte Weise den Islam entlasten.

Dazu passen weitere Wohlfühl-Aussagen, wonach „alle 12 großen Weltreligionen“ angeblich „seit jeher dasselbe Ideal vermitteln“, nämlich die Nächstenliebe. Wie schön aber auch!131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Und so kommt Prediger und Filmregisseur Sasek zu der wunderbaren Schlußfolgerung: „Religion hat mit Terror und Kriegstreiberei nichts zu tun. Religion ist Religion und Terrorismus bleibt Terrorismus. Es ist daher nicht nötig, im Namen der Terrorbekämpfung die Religionen abzuschaffen.“

Uns ist freilich nicht bekannt, daß eine solche „Abschaffung“ von ernst zu nehmender Seite gefordert oder auch nur vorgeschlagen worden wäre. 

Der diesjährige Kongreß des selbsternannten Weltenlehrers stand passenderweise unter dem Leitwort der „Internationalen Freundschaft“: http://www.familie-sasek.ch/aktuell.html

Auch Saseks Familie (darunter viele seiner Kinder) begab sich an jenem 14. Mai 2016 singend auf die Bühne und pries die Weisheit verschiedener Weltreligionen, auf der eigenen Webseite illustriert mit einem großen Herzen, das die Symbole von 12 Religionen enthält.

Der Song unter dem bezeichnenden Titel „Ich spür mehr“ und dem Motto „Grenzenlos lieben“ präsentiert eine rein gefühlsbezogene, kitschig anmutende „Religiosität“ im Herz-Schmerz-Stil, verbunden mit einem „christlichen“ Anstrich bei gleichzeitiger Einbeziehung der (Irr-)Lehren diverser Religionen.

Mit einer emotional aufgeladenen und schwarmgeistigen Wellness-Gläubigkeit läßt sich freilich leicht eine selig-wolkige Weltverbrüderung der Religionen herbeisingen, wobei die störende Realität  – etwa der islamischen Christen- und Judenverfolgung  – gleich gar nicht in den Blick kommt oder mit scheinbar naiver Rhetorik hinweg-erklärt wird.

Weitere Infos zu Sasek: http://blog.gwup.net/2016/12/01/video-kontrovers-uber-ivo-sasek-und-klagemauer-tv/