Die Corona-Krise als eklatantes Beispiel für Versuch und Irrtum in der Politik

Von Dr. Bernd F. Pelz

Was jetzt in der Politik passiert, bestätigt meine Einsicht – wie bereits dargelegt (1) – dass durch die Geschwindigkeit von Globalisierung und Digitalisierung sowohl Individuen als auch Staaten unter einer konstanten Überforderung und steigendem Nichtwissen leiden und die Wissensgesellschaft vor allem dadurch gekennzeichnet ist, dass die Explosion spezialisierter Expertise zwar die Experten erleuchtet, aber alle anderen im Dunkeln hält.

Zum Überleben müssen Demokratien lernen, kontinuierlich Veränderungen eines Kontextes zu antizipieren und darauf proaktiv zu antworten, anstatt nur punktuelles Krisenmanagement zu betreiben.

Die folgenden zwei Beispiele mögen veranschaulichen, dass

(a) unsere Demokratien weit davon entfernt sind, Veränderungen zu antizipieren –  und

(b) Entscheidungen immer noch weitgehend auf Versuch und Irrtum beruhen:

Zu (a):

Vor 25 Jahren produzierte Laurie Garrett ein 700-seitiges Buch mit dem Titel: Die kommende Pest – Neu auftretende Krankheiten in einer Welt aus dem Gleichgewicht (2). Auf der Titelseite wird betont, dass „dieses Buch einen Aufruf darstellt. Wir ihn jedoch zu unserer globalen Gefährdung ignorieren.“

Eine ihrer Schlussfolgerungen lautet:

„In naher Zukunft scheinen Mikroben wie HIV weiterhin weltweit erfolgreich zu sein, da Homo sapiens keine Möglichkeit hat, Organismen mit jahrelangen Latenzzeiten zu erkennen: Die Erkennung erfolgt erst nach Auftreten einer Krankheit. Der größte Teil der Welt ist einfach zu infrastrukturlos oder zu weit entfernt, als dass selbst schnell auftretende mikrobielle Ereignisse erkannt werden könnten, bevor es zu Ausbrüchen oder Epidemien in vollem Umfang kommt. “

Und sie schreibt: „Es könnte jedoch möglich sein, Epidemien in vollem Umfang zu verhindern, indem die Bemühungen auf Amplifikationsstellen konzentriert werden: Verhaltensweisen oder Bedingungen, die Mikroben dabei unterstützen, den Sprung von einer Handvoll Homo sapiens zu einer weit verbreiteten Infektion der menschlichen Population zu schaffen.“

Zu (b):

Prof. Bakhdi, ein medizinischer Mikrobiologe und Epidemiologe für Infektionskrankheiten, der 22 Jahre Vorsitzender des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Mainz war, hat gerade einen Offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel geschrieben. Dieser illustriert den Versuch-und-Irrtum-Ansatz der Politik.

Da er seine Erläuterungen zu dem Brief auf Youtube sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch erläutert hat, wiederhole ich seine Fragen nicht, sondern schlage vor, dass Sie diesem Link folgen (3):

https://www.youtube.com/watch?v=LsExPrHCHbw&feature=youtu.be

Deutschsprachigen Lesern empfehle ich ergänzend die Meinung von Prof. Martin Haditsch aus Hannover (4):

Referenzen:

(1)      https://www.linkedin.com/pulse/komplexe-freiheit-einer-wissensbasierten-welt-die-unter-dr-bernd-pelz/

(2)     Garrett, Laurie (1994): The Coming Plague, Virago Press Ltd. London 1995

(3)     Brief von Prof.Bahkdi an Angela Merkel: https://www.youtube.com/watch?v=LsExPrHCHbw&feature=youtu.be

(4)    Prof. Martin Haditsch: https://www.youtube.com/watch?v=PtzHH8DhgZM&feature=youtu.be

Weiteres, vor allem medizinisch aufklärendes Corona-Info: https://www.genesisnet.info/aktuelles/news_druck.php?News=277&Sprache=de

Unser Autor Bernd F. Pelz aus Bornheim bei Bonn ist Wirtschaftsexperte, Vortragsredner und professioneller Hobby-Fotograf (zahlreiche Fotos für unseren Ecclesia-Plakatdienst und für die Illustration dieser Webseite stammen von ihm)

HIER gibt es diesen Beitrag von Dr. Pelz auch in englisch: https://www.linkedin.com/pulse/corona-crisis-blatant-example-trial-error-politics-dr-bernd-pelz/