Vorbildliches Ungarn: Erster Gedenktag erinnert an die Verschleppung der Ungarndeutschen

Am 19. Januar wurde zum ersten Mal der jährliche Gedenktag des Beginns der Vertreibung der Ungarndeutschen begangen, den das ungarische Parlament Mitte Dezember vergangenen Jahres ohne Gegenstimme angenommen hatte.

An diesem Datum verließen im Jahr 1946 die ersten Deportationszüge mit zwangsumgesiedelten „Schwaben“ das Land. Am ersten Dezember 1946 endete die „Aussiedlung“ in den amerikanisch besetzten Teil Deutschlands auf Anordung von General Clays. Von 1947 bis 1948 wurden dann noch einmal  ca. fünfzigtausend Menschen in den sowjetisch besetzten Teil verbracht.

Vertriebene, Kriegsflüchtlinge und Heimkehrer aus sowjetischer Zwangsarbeit machen ungefähr 225.000 in der Bundesrepublik amtlich registrierte Ungarndeutsche aus. 1941 hatten sich in einer Volkszählung 477.050 Menschen in Ungarn zur deutschen Nationalität bekannt und Deutsch als ihre Muttersprache bezeichnet.

Tausenden Deutschen wurde damals die Staatsbürgerschaft entzogen. Ungefähr 16.000 waren  in sowjetischen Lagern zu Tode gekommen. Mit dem Gedenktag will die ungarische Regierung an die ungerechtfertigte Vertreibung erinnern.

Ungarisches Parlament verurteilt einmütig die völkerrechtswidrige Vertreibung der Deutschen

Hier folgt der Beschluss des Parlaments im Wortlaut:

„1. Das Ungarische Parlament erklärt den 19. Januar, den Jahrestag des Beginns der Vertreibung im Jahr 1946, zum Gedenktag der Verschleppung der Ungarndeutschen.

2. Das Ungarische Parlament

–   hält für erforderlich, dass der die Menschenrechte schwer verletzenden und unrechtmäßigten Verschleppung der Gemeinschaft der Deutschen in Ungarn, die  –   durch die Umsetzung des Beschlusses des Alliierten Kontrollrates vom 20. November 1945  –  aufgrund des falschen Vorwurfs und des Grundsatzes der Kollektivschuld am Ende des 2. Weltkrieges und in der Zeit danach Verfolgung und Beraubung ihrer Güter erleiden musste, würdig gedacht wird,

–   zollt allen Respekt, die Opfer der Demütigungen, Verschleppungen waren, insbesondere den kirchlichen bzw. weltlichen Personen, die die Verfolgung und sogar den Tod wegen ihres Verantwortungsbewusstseins und ihrer Solidarität für die ihnen anvertrauten Gemeinschaften häufig freiwillig akzeptiert haben,

–   unterstützt und betreibt die Organisation von Gedenkveranstaltungen und die von Unterrichtsmaterialien bezüglich der Verfolgung, Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen.

3. Dieser Beschluss tritt am Tag nach der Veröffentlichung in Kraft.“

Für die anerkannten ethnischen Minderheiten in Ungarn gibt es heute eine Landesselbstverwaltung sowie örtliche Strukturen, mit denen Bildungs- und Kultureinrichtungen betrieben und die entsprechenden staatlichen Gelder verwaltet werden.

Eine direkte parlamentarische Vertretung gibt es für ethnische Minderheiten in Ungarn allerdings nicht. Für die nächste Legislaturperiode sind einzelne Mandate im Parlament für Minderheitenvertreter vorgesehen.

Autor: Jan Bentz
Quelle: katholische Nachrichtenagentur ZENIT.org

FAZ: Tschechischer Außenminister Schwarzenberg verurteilt die Vertreibung der Deutschen

Im derzeitigen Wahlkampf um das künftige Staatsoberhaupt in Tschechien geht es auch um die historische Bewertung der Vertreibungsverbrechen an den Sudetendeutschen. 

Der tschechische Außenminister  Karel Schwarzenberg, dessen Familie sowohl unter der Nazi-Besatzung wie unter der späteren kommunistischen Dikatur verfolgt wurde, geht als Präsidentschaftskandidat des bürgerlichen Lagers ins Rennen. pc_pi

Sein linker Gegenkandidat, der frühere Premier M. Zeman, greift Schwarzenberg auch wegen seiner kritischen Aussagen zur Vertreibung der Deutschen scharf an. 

Doch der tschechische Außenminister bleibt bei seiner völkerrechtsorientierten Haltung, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.1.2013 berichtet:

„Schwarzenberg hat die Vertreibung der Deutschen als „schwere Verletzung der Menschenrechte“ verurteilt. In einem TV-Duell mit seinem Gegenkandidaten Miloš Zeman sagte Schwarzenberg, „heute würde sich die Regierung, einschließlich des Präsidenten Beneš, wahrscheinlich in Den Haag befinden.“

Den Haag ist der Sitz des Internationalen Strafgerichtshofs, der für die Verfolgung völkerrechtswidriger Delikte wie Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zuständig ist.

Schwarzenberg kritisierte die Anwendung des Prinzips der Kollektivschuld durch die Beneš-Dekrete. Dies werfe er „unseren Vorfahren vor. Wir haben nicht berücksichtigt, ob jemand loyal zur Republik stand oder gegen sie verstoßen hat.“

Viele Deutsche hätten die Republik nicht verraten, sagte Schwarzenberg, und erinnerte an dabei unter anderem an die Teilnahme tschechoslowakischer Soldaten deutscher Nationalität an der Mobilisierung 1938 und an sudetendeutsche NS-Opfer.

Die tschechische Gesellschaft sei nach dem Krieg vom „Bazillus des Nazismus“ infiziert gewesen, sagte Schwarzenberg – eine Formulierung, die schon Havel verwendet hatte.“

Quelle und vollständiger Artikel hier: http://www.faz.net/aktuell/politik/vertreibung-bene-nach-den-haag-12029834.html


Papst Benedikt zum Geschichtsgedenken: „Liebe braucht Wahrheit“

Joseph Ratzinger über die Vertreibung der Deutschen

Am heutigen 10. Dezember wird der weltweite „Tag der Menschenrechte“ begangen. Zu den Grundrechten der Menschen und Völker gehört das Recht auf die Heimat, das besonders im vorigen Jahrhundert millionenfach mit Füßen getreten wurde, auch und gerade bei der Vertreibung der Deutschen aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern, Sudetenland usw. 

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Der Hauptschuldige  für Massaker und Vertreibung war die Rote Armee bzw der Sowjetkommunismus, den unser Papst (als er noch Kardinal Ratzinger hieß) treffend als „Schande unseres Jahrhunderts“ bezeichnete.

Die deutschen Heimatvertriebenen haben sich 1950 mit ihrer bekannten „Friedens-Charta“ klar gegen jede Vergeltung ausgesprochen, aller Gewalt eine eindeutige Absage erteilt und ihren Friedenswillen betont, zugleich aber auch an das Heimatrecht erinnert, das allen Menschen und Völkern zusteht.

Dies hat auch Erzbischof Joseph Ratzinger mehrfach getan, als er Oberhirte des bistums München-Freising war, so etwa beim  Festgottesdienst des Sudetendeutschen Tages im Jahre 1979: „Liebe Brüder und Schwestern aus dem Sudetenland“, begann er damals seine Predigt   –  und erinnerte an die verlorene Heimat.

Er sprach ungeschminkt vom „Unrecht der Vertreibung, das 15 Millionen Menschen nach dem Krieg oft unter schrecklichen Begleitumständen widerfahren ist.“

Erzbischof Ratzinger kritisierte zugleich die weitverbreitete Verdrängung dieses Themas: „Die Weltöffentlichkeit hört aus vielen Gründen nicht gern davon, es paßt nicht in ihr Geschichtsbild hinein; sie drängt dazu, dieses Unrecht zu verschweigen  – und auch Wohlgesinnte meinen, daß man um der Versöhnung willen nicht mehr davon sprechen solle.“

Der Münchner Oberhirte erinnerte daran, daß das, was verdrängt wird, nicht etwa verschwindet, sondern  in den Menschen weiterwirkt und „zur Vergiftung von innen her“ führen kann; deshalb Wahrheit und Versöhnung zusammen:

„Eine Liebe, die den Verzicht auf die Wahrheit voraussetzt, ist keine wahre Liebe.Nur die Annahme der Wahrheit kann heilen. Liebe braucht Wahrheit und darf nicht ohne sie sein.“

Erzbischof Joseph Ratzinger schloß seine Predigt mit den Worten,  daß „das kostbarste Erbe der Heimat der Glaube ist: Wo er lebt, da ist die Heimat unverloren“.

Quelle: Predigtband „Christlicher Glaube und Europa“, Joseph Ratzinger, Herausgeber: Pressereferat der Erzdiözese München (1982)