Zwischen Naturmystik und Leuchtmadonna

Von Felizitas Küble

Die letzte Medjugorje-Monatsbotschaft der Erscheinungs-„Madonna“ vom 25.9.2018 an die Seherin Marija Pavlovic-Lunetti enthält folgenden Wortlaut:

Liebe Kinder! Auch die Natur reicht euch Zeichen ihrer Liebe durch die Früchte, die sie euch gibt. Auch ihr habt durch mein Kommen reichlich Gaben und Früchte erhalten. Meine lieben Kinder, wie sehr ihr auf meinen Ruf geantwortet habt, das weiß Gott. Ich rufe euch auf: Es ist nicht zu spät, entscheidet euch für die Heiligkeit und für das Leben mit Gott in Gnade und Frieden! Gott wird euch segnen und euch hundertfach geben, wenn ihr auf Ihn vertraut. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid.

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Sodann darf man sich mal wundern (oder auch nicht, denn Wundersucht gehört zu diesem Phänomen dazu), daß auf der offiziellen Medjugorje-Webseite nach über fünf Jahren immer noch die Mär von der Wunder-Madonna präsentiert wird, die im Elternhaus der Seherin Vicka  – und zwar in derem früheren Zimmer – geleuchtet habe: https://www.medjugorje.de/medjugorje/phaenomene/leuchtende-statue/

FOTO: Titelbild des kritischen Sachbuchs „Der Medjugorje-Betrug“ (570 Seiten) –  statt 19,80 € (Ladenpreis) bei uns für nur 14,80 € und Porto erhältlich

Natürlich hat dieser Vorgang damals großes Aufsehen erregt und noch mehr Pilgermassen angezogen. Dazu heißt es dort:

„Immer mehr Interessierte von außerhalb reisen an, um mit eigenen Augen zu sehen, was sie über das Geschehen in Medjugorje erfahren haben. Während des Tages bis tief in die Nacht hinein bilden sich Menschentrauben vor dem ehemaligen Elternhaus der Seherin Vicka.“
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Vicka erklärte das wundersame Vorkommnis in Interviews als himmlisches „Zeichen“, dem noch größere folgen würden.
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Was tatsächlich folgte, war  – wie zu erwarten – eine herbe Ernüchterung für die wundersüchtige Schar, denn eine chemische Analyse ergab, daß die Marienstatue mit Leuchtfarbe bestrichen war. Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/11/08/medjugorje-wunder-statue-erweist-sich-als-dreister-schwindel/
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Doch von Fakten lassen sich die Erscheinungsbewegten zu Medjugorje nicht beeindrucken, denn Wunder bleibt Wunder!
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Weitere 162 Artikel zum Phänomen Medjugorje hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/medjugorje-vorsicht-vor-erscheinungsorten/

Theologisch unausgegorene Äußerungen der „Madonna“ von Medjugorje

Von Felizitas Küble

Kürzlich haben wir uns mit dem Buch „Gedanken über Medjugorje“ von Dr. Ewald Kurtz befaßt, dem man immerhin zugutehalten kann, daß er sich innerhalb der Medju-Literatur um ein höheres Niveau bemüht: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/26/medjugorje-ist-die-erscheinende-gestalt-eine-lebendige-person/

Der Autor will in seiner 92-seitigen Schrift jenen Nachweis erbringen, den er in seinem Untertitel thematisiert: „Die erscheinende Gestalt als lebendige Person.“  884bb991a79922716df25fc4342f10d8_XL

Dem Verfasser zufolge zeigt sich die Glaubwürdigkeit bzw. Echtheit einer Erscheinung auch daran, ob in ihr die individuellen Züge einer lebendigen Persönlichkeit erkennbar sind, also nicht nur ein schablonenhafter Ablauf erfolgt bzw. bloß schematische Äußerungen vorliegen.

Wie bereits in unserem ersten Artikel dargelegt, eignen sich die vom Autor erwähnten Gospa-Zitate allerdings nicht, um seinen Anspruch zu begründen, weil jene Aussagen sich entweder als unsinnig oder als theologisch irrtümlich erweisen.

Medjugorje-Zitate belegen das Gegenteil des Erwünschten:

Hier folgen dazu ein paar weitere Beispiele aus dem zweiten Teil des Buches:

Auf Seite 39 bringt der Medjugorje-Anhänger folgende Gospa-Aussagen, welche die Glaubwürdigkeit der Erscheinungen stützen sollen: „Opfert euer Leben für die Rettung der Welt!“ 

Erstens hält sich das „Opferleben“ der Medju-Seher offensichtlich in ganz engen Grenzen  – und zweitens können selbst die frommsten Christen mit noch so hochherziger Askese keine „Rettung der Welt“ vollziehen, zumal Christus vor zweitausend Jahren dieses Heilswerk bereits vollbracht hat.

Sodann fordert die vermeintliche Himmelsmutter dazu auf, daß alle „mit mir durch das Gebet eine neue Welt des Friedens aufbauen“ mögen; zudem sollen sie fasten, denn das wolle sie  –  die Madonna  – „ihrem Sohn Jesus für das Kommen einer neuen Zeit, einer Zeit des Frühlings, darbringen“.

Diese Endzeitschwärmerei bzw. Ankündigung eines kommenden Friedensreiches und einer „Zeit des Frühlings“ ist erstens weltfremd und zweitens bibelfremd, denn die Heilige Schrift kündigt für das Ende der Zeiten einen schlimmen Glaubensabfall an  –  und nicht etwa eine „neue Welt des Friedens“ etc. ???????

Auf Seite 40 wird die Erscheinung wie folgt zitiert: „Ich lade euch ein, euch mir ganz zu öffnen, damit ich durch jeden von euch die Welt bekehren und retten kann, die von Sünde und von all dem voll ist, was nicht gut ist.“

Abgesehen von der banalen Ausdrucksweise besitzt die Himmelsmutter weder mit noch ohne diese Seherschar eine Vollmacht, um die Welt zu „retten“, weil dies allein ihr göttlicher Sohn vermag. Kein Geschöpf ist hierzu imstande, auch nicht Maria, das edelste und am meisten von Gott begnadete Geschöpf.

1997: „Bald werdet ihr diesen Botschaften nachtrauern“.

Am 25.8.1997 sagte die Erscheinung: „Bald wird die Zeit kommen, in der ihr diesen Botschaften nachtrauern werdet.“  –  Der Autor fügt eigens hinzu: „Klarer kann sie das ihr bekannte Ende kaum ausdrücken.“ (S. 41)

Nun sind inzwischen weitere 18 Jahre vergangen  – und von „bald“ wird man insofern kaum sprechen können!

Bekanntlich haben die Sehermädchen Vicka und Marija im ersten Jahr der Erscheinungen (nämlich 1981) bereits öffentlich verkündet, es stände endgültig fest, daß sie ins Kloster gehen. Darauf wartet die Welt heute noch (es ist ohnehin nicht mehr möglich, denn beide Damen sind längst verheiratet).

Auch die Medjugorje-Visionärin Ivanka wurde keine Ordensfrau, obwohl es offenbar der „Wunsch“ der Erscheinung war, wie der Autor selber zitiert:

„Wenn ihr ins Kloster gehen wollt, so wäre das auch mein Wunsch. Aber wenn ihr es nicht wollt, ist es besser, ihr tut es nicht.“ (S. 50)

„Erlaubt nicht, dass mein Herz blutige Tränen weint…“

Gemälde: Evita Gründler

Gemälde: Evita Gründler

Der Verfasser hält die „erscheinende Gestalt“ auch deshalb für eine „lebendige Person“, weil sie immer wieder besondere Empfindungen wie „Trauer, Leiden und Freude“ ausdrücke. Freilich erscheinen manche Gefühlsäußerungen theologisch recht merkwürdig, zB. folgende:

„Ich bitte euch, erlaubt nicht, dass mein Herz blutige Tränen über jene Seelen weint, die in der Sünde verloren gehen.“ (S. 54)

Wie sollte die im Himmel hochgradig glückselige Gottesmutter denn überhaupt „blutige Tränen“ weinen?  –  Zudem findet das Weinen mit den Augen und nicht mit dem Herzen statt.

Die besonders interview-freudige Seherin Vicka wird auf S. 55 wie folgt zitiert: „Das Gesicht der Gospa sieht aus wie bei  jemandem, der anfangen wird zu weinen. Und am nächsten Tag sieht es nicht besser aus, im Gegenteil:  jeden Tag leidet sie mehr.“

Da fragt man sich: Wenn eine tägliche Leidenszunahme auf dem Antlitz der Erscheinung erkennbar ist, wie wird das Gesicht der Erscheinung jetzt nach über 34 Jahren wohl aussehen?!

Reichlich unausgegoren ist auch jene Gospa-Aussage, die der Autor auf S. 68 erwähnt:

„Liebe Kinder, ihr wißt, daß ich euch unermesslich liebe und dass ich einen jeden von euch für mich will. Aber Gott hat allen die Freiheit gegeben, die ich in Liebe achte und ich verneige mich in meiner Demut vor eurer Freiheit.“

Erstens läßt es tief blicken, daß die Erscheinung einräumt, daß sie die Seher eigentlich „für mich“ will (also nicht für Gott?!).

Zweitens respektiert der Himmel zweifellos die menschliche Freiheit, aber nicht in der Weise, daß er sich davor „verneigt“, als stände der Mensch samt seiner (von Gott verliehenen!) Freiheit auf einem ganz hohen und verehrungswürdigen Podest.

Drittens wird die wahre Gottsmutter sich nie ihrer eigenen Demut rühmen, denn wer dies tut, ist schon nicht mehr wirklich demütig!

 

 


Medjugorje: Maria spricht allmonatlich zur Welt durch die „Seherin“ Marija

Nachdem sich das aufsehenerregende Mirakel um Vickas „Leuchtmadonna“ als Betrug herausstellte (die „Seherin“ hatte zuvor von einem „Wunder“ gesprochen), meldet sich das Medjugorje-Zentrum mit einer neuen Monatsbotschaft der Muttergottes“ vom 25. November, die wiederum an die Visionärin „Marija“ erging. media-372515-2

Es heißt dazu erklärend, daß die „Gottesmutter seit dem 24.6.1981 täglich als Königin des Friedens erscheint“, also seit über 32 Jahren.

Sodann wird hinzugefügt: „An jedem 25. des Monats empfängt sie von Maria eine Botschaft, die in besonderer Weise an die ganze Welt gerichtet ist.“

Die jüngste weltbewegende Botschaft lautet wie folgt:

„Liebe Kinder! Heute rufe ich euch alle zum Gebet auf. Meine lieben Kinder, öffnet die Tür des Herzens tief dem Gebet, dem Herzensgebet, dann wird der Allmächtige auf eure Freiheit einwirken können und die Bekehrung beginnt. Der Glaube wird fest werden, so dass ihr mit ganzem Herzen sagen könnt: “Mein Gott, mein Alles!“  –  Meine lieben Kinder, ihr werdet begreifen, dass hier auf Erden alles vergänglich ist. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid!“

„Einwirken“ Gottes auf unsere „Freiheit“?

Aus unserer Sicht stellen sich hierzu folgende Fragen:

1. Was ist ein „Herzensgebet“ genau? Jedes Gebet, das „von Herzen“ kommt  –  oder ein spezielles charismatisches Medju-Gebet?

2. Unsinnig ist die Verheißung, nach solchem Herzensgebet „wird der Allmächtige auf eure Freiheit einwirken können und die Bekehrung beginnt“. Erstens respektiert der Allmächtige sehr wohl die menschliche Freiheit  –  natürlich auch die der Betenden; ER kommt ihnen zwar durch seine Hilfe und Gnade entgegen, doch schränkt der göttliche Beistand keineswegs die Willensfreiheit der Gläubigen ein.

Zweitens hätte man gern gewußt, warum die „Bekehrung“ bei den „lieben Kindern“ (also den „Sehern“ und wohl auch deren Anhängern) erst jetzt „beginnen“ kann. Haben jahrzehntelange „Erscheinungen“ bislang immer noch nicht dafür gesorgt?

3. Die „Festigkeit“ des Glaubens erweist sich keineswegs durch fromme Anrufungen („Mein Gott, mein Alles!“), sondern durch unsere Bewährung in der Nachfolge Christi, durch Nächstenliebe und Einhaltung der Gebote Gottes. Erinnern wir uns an Jesu Worte: „Nicht jeder, der HERR, HERR sagt, wird ins Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters erfüllt, der im Himmel ist.“

4. Lächerlich ist auch die Verheißung, nach dem „Herzensgebet“ und der „Bekehrung“ würden die „lieben Kinder“ dann „begreifen, dass hier auf Erden alles vergänglich ist“.  –  Diese Allerweltsweisheit, die selbst von Gottlosen nicht bestritten wird, bedarf sicherlich keiner besonderen Erleuchtung von oben!

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

 

 


Medjugorje: Vicka gibt sich die Ehre…

Am 29. Juni dieses Jahres veranstaltete die bekannte Medjugorje-„Seherin“ Vicka eine Art Jugendtreffen in der italienischen Gemeinde Sestola; jedenfalls begann die fromme Freiluft-Veranstaltung mit rockigen Pop-Tönen.

Birgit KelleDanach folgten heruntergespulte Vortragsreden der Visionärin, wobei sie sich wie eine Primadonna verhielt und ständig Küßchen in die Menge und in Richtung jener Priester im Meßgewand verteilte, welche sich in einer Reihe hinter ihr befanden.

Zudem grinste und kicherte Vicka am laufenden Meter und winkte den Leuten zu, als ob sie „Lady Di“ höchstselbst wäre. Die folgende Aufzeichnung dokumentiert dies anschaulich: http://www.youtube.com/watch?v=vFLG9S5GuG4#

Etwa ab der Hälfte des Videos beginnt sie, ca. zehn Minunten lang mit der Erscheinungs-Maria zu sprechen. Dabei fällt auf, daß Vicka offenbar fast immer dasselbe Wort gegenüber der „Gospa“ ausspricht. Dies kann man leicht erkennen, wenn man ihre Mundbewegungen beobachtet.

Vielleicht kennt sich jemand mit der kroatischen Sprache aus und kann uns mitteilen, um welches Wort bzw. welche Worte es sich hierbei handelt.

Angesichts der andächtigen Zuschauerschar auch bei diesem Vicka-Auftritt wundert man sich, daß ihr überhaupt noch jemand ernsthaft zuhört  – aber dies ist wohl das eigentliche und einzige „Wunder“ von Medjugorje…

 


Im Namen der Gospa? – Medjugorje und der charismatische Toronto-Segen

Von Felizitas Küble

Die Charismatische Bewegung  –  ob sie sich nun „katholisch“ oder protestantisch gebärdet – rühmt sich bekanntlich besonderer „Geistesgaben“, wozu das Zungenreden, die sog. „Gabe der Prophetie“, das Hellsehen („Wort der Erkenntnis“), die „Gabe der Befreiung“ (Exorzismus), Krankenheilungen und vor allem die „Taufe im Geist“ gehören.

Diese „Taufe im Geist“, wie eingefleischte Pfingstler sie nennen, wird von gemäßigten Charismatikern, zumal aus dem „katholischen“ Bereich, etwas zurückhaltender als „zweiter Segen“ (der erste Segen ist demnach die Taufe) oder als „Geisterfüllung“ bezeichnet.

Diese vermeintliche „Erfahrung des Hl. Geistes“, die meist durch Handauflegung eines Charismatikers oder gar eines „Sehers“ erfolgt, bewirkt oft die „Sprachengabe“ (charismatisches Zungenreden) oder das sogenannte „Ruhen im Geist“. media-372515-2

Dieses von Charismatikern verherrlichte „Ruhen im Geist“ ist bereits eine verharmlosende Übersetzung aus dem Englischen, denn „Slain in the Spirit“ heißt nicht Ruhen, sondern „Erschlagenwerden im Geist„. Die Betreffenden, die stehend den „Segen“ bzw. die Handauflegung eines Charismatikers empfangen, fallen bei der sogenannten „Geisttaufe“ tatsächlich ohnmächtig auf den Rücken (bisweilen auch nach vorne) und bleiben dort zuweilen wie im Schlaf länger liegen.

Manche beginnen jedoch wie in Ekstase zu lachen oder zu weinen bzw. zeigen sonstige Verrenkungen oder Gefühlsäußerungen (Zuckungen, Trance, Schreien) oder geraten ins Zungenreden.

Nun ist dieses Phänomen nicht neu, es trat z.B. ab 1994 in der charismatischen Hochburg Toronto massenhaft auf, wird daher zuweilen auch als „Toronto-Segen“ bezeichnet, vor allem im evangelischen Bereich. Toronto gehört zu den Vineyard-Gemeinden, die vom bekannten charismatischen Prediger John Wimber gegründet wurden.

Da sich dieser sogenannte „Toronto-Segen“ leider nicht auf diese Stadt beschränkt und zudem viel älter ist, kann man auch passend vom „Hammersegen“ sprechen, denn die angeblich „Geisterfüllten“ kippen plötzlich nach hinten um, als ob man ihnen mit einem Gummihammer eins auf die Mütze gegeben hätte. Dass dieser Vorgang nicht vom Heiligen Geist herrühren kann, dürfte jedem klar sein, der theologisch bis drei oder gar bis fünf zählen kann.

Schließlich gehört der Verstand zu den Sieben Gaben des Heiligen Geistes, die bei der Firmung verliehen werden. Warum sollte der Hl. Geist, die dritte göttliche Person der Dreieinigkeit, den Verstand und das Bewusstsein des Menschen lahm legen und denselben rücklings auf den Boden werfen? Der wahre Geist Gottes bringt Menschen zur Besinnung, statt sie ihnen zu rauben! media-390606-2 - Kopie

Derartiges kann nicht von oben, sondern nur von innen oder von unten kommen, also von einer bedenklichen Empfänglichkeit für suggestive Fremdeinflüsse (eine Art pseudoreligiöser Hypnose durch den „segenspendenden“ Charismatiker) bzw. durch direkte dämonische Einflüsse, wobei sich beide Bereiche auch vermischen können.

Eine nähere Untersuchung dieses immer mehr um sich greifenden Phänomens in religionshistorischer oder psychopathologischer Hinsicht ist gewiss sinnvoll, sprengt jedoch den Rahmen dieses Beitrags.

Medjugorje und die Charismatiker

Seit ca. 20 Jahren wird der „Hammersegen“ in Medjugorje im größeren Ausmaß verteilt, auch im Altarraum der Kirche, teils durch Pfingstler aus aller Welt oder durch die „Seher“, meist aber durch charismatisch geprägte Franziskanerpatres, nicht zuletzt durch Pater Jozo Zovko, der im Medjugorje-Fanclub überaus beliebt ist und fast wie ein Heiliger verehrt bzw. wie ein Guru angehimmelt wird.

Vicka, eine der Medjugorje-Seherinen beim Austeilen des Toronto-Segens

Vicka, eine der Medjugorje-Seherinnen, als „Segensspenderin“

Immerhin handelt es sich hier um einen Vorgang, den die Katholische Kirche seit Jahrtausenden nicht kennt, der hingegen aus dem Bereich der Sekten oder heidnischer Religionen wohlbekannt ist. Den „Hammersegen“ gab es z.B. in schwärmerischen Sekten des Mittelalters (Bogomilen, Katharer, Flagellanten), in protestantischen Randgruppen (Quäker, Täufer, Spiritualisten) und seit Anfang des 20. Jahrhunderts in der evangelischen Pfingstbewegung.

Der Hammersegen existiert unter dem Namen „Shakti Pat“ auch im Hinduismus (er geschieht meist bei der Handauflegung eines Yogis), zudem ist das Phänomen aus dem schwarzmagischen Voodokult bekannt, wahrlich weit entfernt vom „Heiligen Geist“.

Auf den ersten Blick erscheint es vielleicht etwas merkwürdig, dass sich in Medjugorje eine wundersüchtige Erscheinungsgläubigkeit, wie man sie sicherlich im Zusammenhang mit kirchlich abgelehnten „Privatoffenbarungen“ öfter antrifft (z.B. Heroldsbach, Montichiari, San Damiano, Garabandal), vermischt mit einem irrgeistigen Vorgang wie dem Hammersegen, der zuvor in erscheinungsmarianischen Kreisen kaum bekannt war.

Erst in Medjugorje haben sich beide Phänomene (Falschmystik und Charismatik) gewissermaßen öffentlich die Hand gereicht und durchdringen sich nun seit Jahrzehnten gegenseitig.

Einige Medjugorje-Anhänger, die seriös erscheinen und daher ungern zur Charismatikerszene gehören wollen, sind angesichts der eindeutigen Sachlage mit einem echten Problem konfrontiert: Wie wollen sie die „himmlische“ Herkunft der „Erscheinungen“ dieser „Friedenskönigin (in Medjugorie auch „Gospa“ genannt) weiterhin rechtfertigen, nachdem sich der schwarmgeistige Dunstkreis in und um Medjugorje nicht leugnen lässt? media-377708-2

Was hat denn die echte Gottesmutter mit solch falschgeistigen Geschehnissen wie dem Hammersegen zu tun? – Ist die himmlische Maria etwa eine verkappte Pfingstlerin, quasi die „erste Charismatikerin“? Kann man sich die Madonna vorstellen, wie sie bewusstlos nach hinten kippte, angeblich „erschlagen vom Geist“? Als der Engel Gabriel bei Maria eintrat, beugte sie vermutlich ehrfürchtig ihr Haupt oder fiel angesichts des himmlischen Boten vielleicht andächtig auf die Knie, aber jedenfalls nicht ohnmächtig auf den Rücken!

Doch für jene Medjugorje-Anhänger, die mit der Charismatikerszene nichts am Hut haben, ist guter Rat nicht ferne: sie sagen entweder, dass diese Marienerscheinungen trotzdem alle echt seien und das „schwarmgeistige Drumherum“ damit nichts zu tun hat – oder sie gehen davon aus, dass zumindest die Gospa-Erscheinungen der ersten Jahre vom Himmel kommen und sich später vielleicht der Widersacher eingeschlichen hat.

Die erste Ausrede ist leicht zu widerlegen, denn das „Drumherum“ (das Verteilen des Hammersegens) geschieht nicht irgendwo in den Bergen oder Wäldern der Umgebung von Medjugorje, sondern dort in der Pfarrkirche sowie in umliegenden Franziskanerklöstern, wobei dieses Erschlagenwerden im Ungeist (!) von Medjugorje-Gurus wie P. Jozo Zovko seit Jahrzehnten per Handauflegung vermittelt wird.

Der zweite Einwand, wonach die Erscheinungen in den ersten Jahren von oben kamen und sich erst später der Diabolus (Durcheinanderbringer) eingeschlichen habe, ist auf den ersten Blick durchaus diskussionswürdig. Es muss geklärt werden, ob Medjugorje von vornherein charismatisch geprägt war oder erst in späteren Zeiten.

Man kann auch „nach unten“ fasten

Zunächst fällt auf, dass in Medjugorje von Anfang an eine merkwürdige Überbetonung des Fastens proklamiert wird, wie man dies auch aus dem sektiererischen und charismatischen Lager seit langem kennt.

So gibt der prominente protestantische Pfingstler David Wilkerson in seinem Bestseller Das Kreuz und die Messerhelden nicht nur eine Reihe von Zukunftsprophetien zum Besten (die sich übrigens fast alle nicht erfüllt haben), sondern behauptet dort auch, dass strenges Fasten „freimacht“ für das besondere Wirken des Heiligen Geistes. Aber angesichts seiner zahlreichen Falschprognosen scheint sich bei ihm diese Geistwirkung doch in recht engen Grenzen zu halten.

Fasten im vernünftigen Rahmen ist sicherlich gut, es darf aber nicht in eine charismatische Erwartungshaltung ausarten, als ob man Gott durch Fasten quasi „zwingen“ könne, seine Geistesgaben auszuströmen. Dann würde das Fasten zur Magie verkommen bzw. neurotische Formen annehmen.

Zudem muss man sich vor (un-)geistlichem Hochmut schützen und darf nicht meinen, durch bestimmte Fastenpraktiken ein „besserer“ Christ zu sein. So gesehen kann man bei einer falschen Grundhaltung durchaus „nach unten“ fasten – man denke hier auch an die fastenstrengen Pharisäer, immerhin die schärfsten Gegner Christi. Wichtiger als ausgeprägte Fastenübungen sind jedenfalls die guten Werke, Taten der Barmherzigkeit und Nächstenliebe, wie der Prophet Jesaja im Alten Testament betont: „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts lösen, die Stricke des Jochs entfernen, die Versklavten freilassen, jedes Joch zerbrechen.“ (Jes. 58,6)

Während die Katholische Kirche mit ihrer typisch bodenständigen Vernunft in einem ihrer fünf Kirchengebote dazu auffordert, am Freitag auf Fleisch zu verzichten bzw. ein selbstgewähltes Opfer zu bringen, ist das für die „superfrommen“ Ansprüche von Medjugorje offenbar nicht gut genug, verlangt doch die „Gospa“ am Mittwoch und Freitag „strenges Fasten“ bei Wasser und Brot (vgl. „Botschaft“ vom 14. August 1984).

Selbst eingefleischte Medj-Fans bringt diese Forderung vielleicht nicht unbedingt um den Verstand, aber um ihre Arbeitsfähigkeit und gute Laune. So weiß Pfr. Dirk Grothues zu berichten: „Ich selber habe vor einigen Jahren versucht, mittwochs und freitags bei Brot und Wasser zu fasten. Es ist mir erbärmlich bekommen. Mir wurde schlecht und ich konnte meine Arbeit nicht mehr tun.“ (Aus dem Buch Der Himmel fängt schon an, Oros-Verlag, S. 104)

Ist der Ursprung von Medjugorje bereits charismatisch?

Das erste Buch, das schon 1982 in Deutschland über die Ereignisse von Medjugorje erschienen ist, trug den Titel: Erscheinungen der Gottesmutter in Medjugorje (Miriam-Verlag). Das bekannte gelbfarbene Buch des Priesters Marijan Lubic berichtet auf S. 98 über die typisch charismatische Art der Krankensegnung durch die „Seher“ von Medjugorje in der dortigen Pfarrkirche bereits im ersten Erscheinungsjahr:

„Dann kommen die Seher zu jedem der Kranken einzeln, legen einem jeden beide Hände auf den Kopf und beten längere Zeit über jeden. Dies geht offensichtlich auf P. Zovko zurück, von dem ich gehört habe, dass er bei der charismatischen Bewegung ist. Die Charismatiker haben die Gewohnheit, besonders über die Kranken so zu beten.“

Typisch charismatisch ist auch die Erwartung einer allgemeinen „Erweckung“, einer goldenen Zeit des Gottesreiches, die jetzt im Anbruch sei: „Noch nie in der Geschichte der Menschheit, nachdem der Sohn Gottes in Menschengestalt durch dieses Tränental geschritten ist, auch nicht durch die ganze Geschichte der unzähligen und großen Mystiker, kam der Himmel so nah, so menschlich nah zu den Menschen, nicht nur zu den Sehern, sondern auch zu einem jeden von uns und dem ganzen Volk, der ganzen Menschheit, wie jetzt in unserer Zeit, wo immer wir auch sind.“ (S.112)

Religiöse Menschheitsbeglückung durch Medjugorje, verbunden mit einer ebenfalls typischen charismatischen Endzeitschwärmerei: „Die Gospa hat in Medjugorje wohl zu ihrem entscheidenden Endkampf angesetzt“, denn von diesem Orte aus würden „Ströme des allgemeinen Wiedererwachens fließen“, die „ganz Europa und letztlich die ganze Welt sehr bald, wie ich glaube, in ein üppiges und blühendes Reich Gottes umwandeln wird.“ (S. 113)

In Wirklichkeit leben wir in einer Zeit des zunehmenden Glaubensabfalls, von „blühenden Landschaften“ ist ebenso wenig zu sehen wie von einem „blühenden Reich Gottes“ auf Erden.

Die „Gospa“ empfiehlt ein kirchlich verbotenes Werk

Durchaus passend für den charismatischen Unfug in und um Medjugorje ist die Tatsache, dass die angebliche Marienerscheinung eine Buchreihe empfohlen haben soll, die im September 1959 auf den vatikanischen Index der verbotenen Bücher kam, nämlich das Werk „Der Gottmensch“ von Maria Valtorta.

Diese italienische Pseudomystikerin gibt vor, in ihrer Buchreihe (die mindestens 30mal umfangreicher als das Neue Testament ist) das wahre Leben Christi darzustellen, das ihr vom Himmel diktiert worden sei. Nebst langatmigen Landschaftsschilderungen gibt sie einen sentimentalen „Jesus“ sowie eine teilweise hysterisch agierende „Maria“ zum Besten bzw. zum Schlechten, was offensichtlich mit der Heiligen Schrift nicht übereinstimmt. Das falschmystische Werk kam mit Recht auf den Index, der zwar in formaler Hinsicht durch das II. Vatikanum abgeschafft wurde, gleichwohl seine moralische Gültigkeit behält.

In einem Schreiben an Kardinal Siri vom 31.1.1985 erklärte Kardinal Joseph Ratzinger, dass die „moralische Autorität“ des Index auch weiter in Kraft sei. Zu Valtortas Visionen schrieb der Präfekt der Glaubenskongregation, „dass das Werk wissenschaftlich geprüft“ worden sei und sich als „eine Anhäufung von Kindlichkeit, Fantasie sowie historischen und exegetischen Fehlern erwiesen“ habe.

Marija Pavlovic, eine der „Seherinnen“ von Medjugorje, sieht das offenbar anders, angeregt durch eine angebliche Botschaft der „Gospa“. In einer Fernseh-Lifesendung erklärte sie Anfang der 90er Jahre, dass ihr die Gottesmutter mitgeteilt habe, Valtortas Werk sei eine „gute Lektüre“. Schon vorher wurde innerhalb der Medjugorje-Bewegung heftig Reklame für dieses Machwerk betrieben. (Näheres hierzu in dem Buch „Der Medjugorje-Betrug“, Verax-Verlag, S. 306-312)

Angesichts dieses aufschlussreichen Vorganges, aber auch aufgrund der charismatischen Phänomene in Medjugorje, die von Anfang an erkennbar waren, kann die „Erscheinung“ dort keineswegs vom Himmel gesandt sein und die „Botschaften“ der „Gospa“ kommen nicht von oben.

Felizitas Küble aus Münster leitet das Christoferuswerk und den katholischen KOMM-MIT-Verlag in Münster


29 Kritikpunkte zu Medjugorje von Bischof Pavao Zanic aus Mostar

[Auszug aus dem inzwischen vergriffenen Buch von Kevin Orlin Johnson, 20 Fragen zu Medjugorje. Was Rom wirklich gesagt hat. Verax-Verlag, 1999; ISBN 3-909065-23-6]

Von Pavao Zanic, Oberhirte von Mostar (1980 bis 1993)

Wer war Bischof Pavao Zanic?

Msgr. Zanic (siehe Bild) leitete die Diözese Mostar von 1980 bis 1993, davor war er bereits neun  Jahre Koadjutor in dieser Diözese. Am 14. Januar 2000 starb er in Split 81-jährig. Zanic

Während des Bosnien-Krieges hatte er sich für ein Ende der schweren Kämpfe zwischen Kroaten und Muslimen in der Herzegowina eingesetzt und versucht,  humanitäre Hilfe für alle Zivilisten zu sichern. Bekannt geworden war Msgr. Zanic insbesondere durch seine kritische Einstellung zu den angeblichen Marienerscheinungen in Medjugorje.

Als zuständiger Ortsbischof hatte Msgr. Zanic den ‚Sehern‘ und ebenso den Franziskanern im Wallfahrtsort Lüge, Betrug, religiösen Fanatismus, Ungehorsam gegen kirchliche Autoritäten und gewinnorientierte religiöse Propaganda vorgeworfen.

Anhand von Niederschriften in Gesprächen mit den „Sehern“ versuchte der Bischof, Widersprüchlichkeiten in deren  Aussagen zu belegen. Auch manchen ausländischen Bischöfen und Priestern warf er vor, die ‚Wahrheit‘ über Medjugorje nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen.

Anhänger der Erscheinungen setzten ihn – wie er 1991 berichtete – unter starken psychischen Druck und führten dabei sogar die „Madonna von Medjugorje“ als Zeugin gegen ihn an.

In dem Streit um Medjugorje spielten auch die historisch bedingten Spannungen zwischen dem Bischof von Mostar und den seit der Türkenzeit in der Pfarrseelsorge stark engagierten Franziskanern hinein. 1975 lehnten die Franziskaner, die bis dahin noch 80% der Gläubigen in der Diözese betreut hatten, ein Dekret des Vatikans ab, laut dem sie einen Teil ihrer Pfarren an den Diözesanklerus zur Seelsorge abtreten sollten.

Erst 1998 erzielten Zanics Nachfolger, Bischof Ratko Peric, und der Generalvikar des Franziskanerordens, P. Stephan Ottenbreit (Rom), ein Übereinkommen, das den Konflikt um die Pfarrgemeinden beilegen soll.

1990 verfaßte Bischof Zanic eine Ausarbeitung zu den Geschehnissen in Medjugorje, um vor diesen zu warnen und aufzuzeigen, daß sie keinen übernatürlichen Charakter besitzen können.

Hier folgt seine Stellungnahme „Die Wahrheit über Medjugorje“ in deutscher Übersetzung:


1.

Eine Kommission der Jugoslawischen Bischofskonferenz ist dabei, die Wahrheit über Medjugorje zu untersuchen. Hiermit möchte ich dieser Kommission helfen, möglichst bald zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen. Die Propaganda für Medjugorje ist in Eile, die Kirche und die Welt vor eine vollendete Tatsache zu stellen. Deswegen habe ich mich, ermutigt durch viele Zuschriften aus aller Welt, in denen die Rede davon ist, daß die Wahrheit mißachtet wird, meiner Verpflichtung und meinem Gewissen gemäß entschlossen, darüber zu schreiben, um der Kommission zu helfen. Schon nur für eine kurze Beschreibung der Irrtümer über Medjugorje müßte man wenigstens dreihundert Seiten aufschreiben. Für mich aber ist dies nicht zu bewältigen.

2.

Charakteristischer Anhaltspunkt. Eine Touristenführerin brachte mir im August 1989 einen Priester und eine Journalistin aus Panama. Die Touristenführerin stellte sich als Konvertitin von Medjugorje vor. Der Priester aus Panama wollte wissen, warum ich nicht an die Muttergottes-Erscheinungen in Medjugorje glaube. Ich habe ihm geantwortet, daß es wenigstens zwanzig Gründe gebe, von denen schon einer genügen würde, warum jeder ehrliche und gut informierte Mensch zum Ergebnis kommen müßte, daß die Erscheinungen nicht übernatürlich seien. Er bat mich, ihm nur einen Grund ausführlich zu erläutern. Ganz kurz erzählte ich ihm den Fall des ehemaligen Franziskaners in Medjugorje, Ivica Vego. Aufgrund des Ungehorsams wurde er – durch eine Entscheidung des Heiligen Vaters – von der Generalordensverwaltung in  Rom aus dem Orden entlassen und von den Gelübden dispensiert (a divinis suspensus). Er wollte aber nicht gehorchen, sondern blieb im Kloster und zelebrierte weiter, teilte die Kommunion aus und hatte ein festes Liebesverhältnis. Nach dem Bericht aus dem Tagebuch von Vicka, wie auch nach der Aussage von allen ‚Sehern‘, hatte die  Madonna dreizehnmal von ihm gesagt, er sei unschuldig und der Bischof sei schuldig. Als seine Geliebte, die Ordensschwester Leopolda, schwanger wurde, haben beide Medjugorje und den Orden endlich verlassen. Jetzt leben sie zusammen in der Nähe von Medjugorje und haben zwei Kinder. Das von Ivica Vego redigierte Gebetbuch wird in Medjugorje immer noch zu Tausenden von Exemplaren verkauft. Als ich die Dolmetscherin Marina bat, dies ins Englische zu übersetzen, empörte sie sich und sagte: „Ach, sollen wir auch diese schmutzigen Sachen enthüllen?!“ Ich  erwiderte: „Wären diese schmutzigen Sachen nicht verdeckt worden, hätten diese Gäste aus Panama über Medjugorje richtige Informationen und wären nicht umsonst hierher gekommen. Es ist nicht recht, es ist sogar eine Sünde, diese Wahrheit zu verdecken, auch wenn sie unangenehm ist. Man muß sie offen sagen!“ Frau Marina ist  nicht schuld, da sie in der Umgebung lebt, in der die Wahrheit notorisch verdeckt wird.


3.

So ähnlich benimmt sich auch Abbe Laurentin. Er kam zu mir in den Weihnachtstagen 1983. Als ich ihn zum Abendessen eingeladen hatte, fragte er mich, warum ich nicht an die Erscheinungen glaube. Ich antwortete ihm, daß die sogenannte Madonna in Medjugorje – dem Tagebuch von Vicka und der Aussage anderer ‚Seher‘ gemäß – gegen den Bischof spreche. Er aber unterbrach mich ganz schnell: „Publizieren Sie das nicht, weil dorthin viele Pilger und Konvertiten kommen!“ – Diese Meinung des berühmten Mariologen war für mich ein Ärgernis. Leider ist das bis heute Laurentins Grundeinstellung: Wahrheit verdecken – Unwahrheit verteidigen. Er hat etwa zehn Bücher, kleinere und größere, über Medjugorje geschrieben. In allen nahm er immer den Bischof Zanic aufs Korn und verteidigte Unwahrheiten. (2 Tim 4,4. – Man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden.) Die ‚Seher‘ und Kämpfer von Medjugorje, zusammen mit Abbe Laurentin an der Spitze, haben von Anfang an gespürt, daß der heutige gläubige Mensch in einem kommunistischen Staat allzu leicht an alles sogenannte ‚Wunderbare‘, an angebliche wunderbare Genesungen und Mitteilungen der Madonna glaubt.

4.

Danach schlossen sich dem Abbe Laurentin Frater Rupcic OFM, Frater Franic, Pater Amorth sowie einige Franziskaner und Charismatiker aus der ganzen Welt an. In kurzer Zeit wurden viele Bücher, Artikel und Broschüren über Medjugorje gedruckt; dazu mehrere Filme gedreht und eine Menge Souvenirs hergestellt. Bald tauchten Touristenagenturen und Pilger auf, dann Gebetbücher, die von zwei aus dem Orden entlassenen Franziskanern, Frater Vego und Frater Prusina, herausgegeben wurden, und zwar in der Auflage von sechshunderttausend Exemplaren in mehreren Sprachen. Dann entstanden viele Gebetsgruppen, die durch angebliche Mitteilungen der Madonna in Begeisterung versetzt wurden. Dahinter steckt der große Faktor Geld – und nochmals Geld. Bischöfliche Mahnungen waren umsonst, weil die ‚Maschinerie‘ läuft und alles blockieren würde. Es wurde von über fünfzig wunderbaren Heilungen erzählt, dann begann die Zahl zu steigen: hundertfünfzig, zweihundert, dreihundert usw. Abbe Laurentin hat sechsundfünfzig Dossiers ausgewählt und an das „Bureau  medicai“ in Lourdes gesandt. Dr. Mangiapan antwortete ihm im April 1984, daß diese Dossiers praktisch wertlos seien und man sie weder brauchen noch als echten Beweis für die Erscheinungen von Medjugorje nehmen könne. Es wurde speziell über die Genesung von Frau Diane Basile geschrieben. Ich habe ihnen das Dossier nach Lourdes gesandt. Dr. Mangiapan hat diesen Fall untersucht und Stellung genommen: opinion plus que reservee. Es handelt sich um „Sklerosis multiplex“.

5.

Glaubwürdigkeit der ‚Seher‘ – Mirjana Dragicevic. Einen Monat nach den ersten Erscheinungen ging ich nach Medjugorje, um die ‚Seher‘ zu verhören. Ich habe sie alle vor dem Kreuz einen Eid ablegen lassen, damit sie mir die Wahrheit sagen müssen. Die erste war Mirjana. Sie sagte: „Wir gingen die Schafe suchen … und auf einmal…“ (Der Kaplan der Pfarrei machte mich darauf aufmerksam, daß sie hinausgegangen waren, um zu rauchen, weil sie es vor den Eltern verstecken wollten!) „Warte mal, Mirjana“, sagte ich, „du bist ja unter Eid! Seid ihr wirklich hinausgegangen, um die Schafe zu suchen?“ Sie legte ihre Hand auf den Mund und sagte: „Entschuldigen Sie, wir sind hinausgegangen, um zu rauchen.“ Sie zeigte mir die Uhr, an der ein ‚Wunder‘ vollbracht worden sein soll. Die Zeiger sind nämlich durcheinander gebracht worden. Ich habe diese Uhr mitgenommen und bin zum Uhrmacher gegangen. Er sagte, daß sie heruntergefallen und dadurch beschädigt worden sei. Als ich die Uhr Mirjana zurückgab, ermahnte ich sie, daß sie niemandem erzählen dürfe, es sei ein Wunder geschehen. Aus den Kassetten, die sie
danach aufgenommen hat, konnte ich erfahren, daß sie trotzdem erzählte, es sei ein Wunder gewesen. Genauso hat sie weiterhin erzählt, daß sie hinausgegangen waren, um die Schafe zu suchen. Später erwähnte sie, daß die Madonna gesagt hätte, alle Religionen seien gleich. – Wie viel darf man Mirjana glauben?

6.

Vicka Ivankovic. Sie ist die ‚Hauptseherin‘ aus den ersten Jahren, und über sie hat Frater Tomislav Vlasic, der ‚Schöpfer von Medjugorje‘, den größten Teil an Unwahrheiten in Medjugorje lanciert. Er hat sieh im Brief vom 13.4.1984 dem Papst
vorgestellt: ,,Io sono Padre Tomislav, il quale secondo la divina providenza guida i veggenti di Medjugorje“. Vicka hat viel geschrieben und gesprochen und dadurch viele widersprüchliche Aussagen gemacht. Ein Mitglied der ersten Kommission für Medjugorje, Prof. Nikola Bulat, hat sie speziell verhört und darüber eine Studie von sechzig Seiten geschrieben. Er hat alle unlogischen Angaben und Unwahrheiten des Tagebuches aufgezählt. Hier erwähne ieh nur das blutige Tuch: Es wurde damals erzählt, daß ein Taxifahrer einem völlig mit Blut befleckten Mann begegnet sei. Dieser gab ihm ein blutiges Taschentuch und sagte: „Wirf dies in den Fluß!“ Er ging hin und begegnete danach einer Frau in Trauerkleidung. Sie hielt ihn auf und sagte, daß er ihr das Taschentuch übergeben solle. Er gab ihr das seine, aber sie erwiderte: „Nicht dieses,
sondern jenes blutige!“ Er gab es ihr und sie sprach: „Hättest du es in den Fluß hineingeworfen, so wäre das sofort das Ende der Welt gewesen.“ – „Wir haben“, so schrieb Vicka, „die Madonna gefragt, ob das wahr sei, und sie hat geantwortet, daß das wahr sei, und gesagt: ‚Jener mit Blut befleckte Mann  war mein Sohn Jesus und die Frau in Trauerkleidung war ich, die Muttergottes.'“ Was für eine Theologie soll das sein? Jesus will die Welt vernichten, wenn ein blutiges Taschentuch ins Wasser hineingeworfen wird, und die Muttergottes rettet die Welt vor ihm!


7.

Am 14.1.1982 kamen Vicka, Maria und der kleine Jakov zu mir. Vicka war ganz aufgeregt, weil sie eine Unwahrheit gesagt hatte. Sie sagte: „Die Madonna hat uns beauftragt, Ihnen zu sagen, daß Sie den Franziskanern gegenüber unüberlegt gehandelt haben … “ – „Wie denn?“ – „Das wissen wir nicht!“ – Die Kapläne von Mostar, Frater Vego und Frater Prusina, für die der Bischof eine Versetzung aus Mostar angeordnet hatte wegen Ungehorsam und Unruhe, die sie unter den Gläubigen der neugeschaffenen Dompfarrgemeinde verursachten, haben vor ihren Obern abgelehnt, Mostar zu verlassen, weil sie von der Madonna über Vicka Bescheid bekommen hätten, in Mostar bleiben zu dürfen. Dies hat mir ein Mitglied des Definitoriums gesagt. Deswegen habe ich Vicka gefragt: „Hat die Madonna euch auch etwas über die Kapläne gesagt, nämlich über Frater Vego und Frater Prusina?“ – „Nein, wir kennen sie nicht“, bestätigten alle drei. Das Gespräch dauerte eine halbe Stunde, und ich habe alles auf Tonband aufnehmen lassen. Zu wiederholten Malen fragte ich sie über Frater Vego und Frater Prusina, aber ich bekam immer die Antwort, daß sie diese nicht kennen. Später konnte ich aus Vickas Tagebuch erfahren, daß sie sie ganz gut gekannt hatten. Schon damals wurde mir deutlich, daß sie logen, aber ich wollte es
nicht sagen, um ihr Vertrauen für weitere Gespräche nicht zu verlieren.

8.

Am 3.4.1982 kamen Vicka und Jakov zu mir, angeblich von der Madonna gesandt. Die Kapläne Vego und Prusina wurden von dem Generalobern OFM in Rom Ende Januar aus dem Orden entlassen. Für sie haben Verteidiger von Medjugorje und die ‚Madonna‘ gerungen. Vicka war sehr aufgeregt und sagte: „Als wir voriges Mal bei Ihnen waren, haben wir Ihnen nicht gesagt, was uns die Madonna aufgetragen hat, Ihnen zu sagen. Deswegen hat sie uns ermahnt. Wir haben Ihnen zwar einiges erzählt und doch etwas vergessen.“ – „Was habt ihr vergessen?“ – „Die Madonna hat uns aufgetragen, Ihnen zu sagen, daß die Kapläne Vega und Prusina Priester sind und zelebrieren dürfen wie andere Priester auch.“ – „Wartet, wartet mal! Hat euch die Madonna das gesagt vor unserem letzten Treffen?“ – ,,Ja, deswegen hat sie uns zu Ihnen geschickt, aber ich
habe zuviel anderes erzählt und das vergessen.“ – „Ach so!“ Und ich habe sie dann mehrmals direkt gefragt, ob die Madonna ihnen etwas über die Kapläne gesagt hätte … Es wurde mir klar, daß sie log, und das war ein deutlicher Beweis dafür, daß ich ihr überhaupt nichts glauben dürfe. An dieser Lüge waren auch Maria und der kleine Jakov beteiligt.

9.

Ende Januar 1983 kam Pater Grafenauer SJ zu mir in der Absicht, das Phänomen von Medjugorje zu untersuchen. Er hat ungefähr zwanzig Kassetten angehört und hernach gesagt, daß er nicht nach Medjugorje gehen wolle, weil es dort keine Madonna gebe. Auf meine Anregung ging er aber doch hin, und nach einigen Tagen kam


er als ‚Konvertit‘ des Frater Vlasic zurück. Er brachte einige Seiten eines Textes mit, warf sie auf den Tisch und sagte: „Da hast Du, was dir die Madonna sagen läßt.“ Sofort habe ich verstanden, daß es um eine geplante Aktion geht: Mit Hilfe der Madonna will man den Bischof zu Fall bringen. Die Texte sind eine Mischung aus Vickas Tagebuch, der Pfarreichronik und aus anderen Texten. Deswegen ist es sehr schwer festzustellen, woher die einzelnen Abschnitte dieses Textes ursprünglich kommen. Vicka und die Verteidiger von Medjugorje haben das über ein Jahr lang vor dem Bischof geheimgehalten. Hier einige Ausschnitte:

19.12.1981: … Die Madonna sagte, daß an diesen Verwirrungen in der Herzegowina Bischof Zanic der Hauptschuldige sei. Von Frater I. Vego sagte sie, er sei unschuldig, aber der Bischof habe eben alle Macht. Sie sagte auch, daß er unbedingt in Mostar bleiben und nicht weggehen solle.

3.1.1982: Alle ‚Seher‘ haben zusammen nach Ivica Vego gefragt. Die Madonna erwiderte: ,,lvica ist unschuldig. Wenn er aus der Franziskanergemeinde entlassen wird, soll er tapfer sein … Ivica ist nicht schuldig.“ Das wiederholte sie dreimal.

11.1.1982: Wir haben wieder einmal nach den zwei Kaplänen von Mostar gefragt, und die Madonna hat zweimal wiederholt, was sie schon früher gesagt hatte.

(14.1.1982: Vicka war beim Bischof und bestätigte, daß sie Vego nicht kennt!)

20.1.1982: Die Kinder fragten: „Was werden Frater Vego und Frater Prusina jetzt tun, nachdem sie aus dem Orden entlassen wurden? Die Madonna antwortete: „Sie sind nicht schuldig. Der Bischof hat bei seiner Entscheidung unüberlegt gehandelt. Sie sollen dableiben.“

15.4.1982: Vicka hat die Madonna gefragt: „Sag mir alles über Ivica Vego und Ivan Prusinal“ Zuerst lachte die Madonna, dann begann sie zu sprechen: „Sie sind nicht schuldig.“ Das wiederholte sie zweimal. „Der Bischof hat sich in dieser Sache geirrt. Sie sollen nicht von Mostar weggehen … Die Messen dürfen sie ab und zu zelebrieren, aber sie sollen nicht von sich reden machen, bis diese Situation bereinigt ist. Bei  ihnen gibt es keine Fehler. „

16.4.1982: Als wir gestern bei der Madonna waren, fragten wir sie, ob wir einmal das Vaterunser für die zwei Kapläne beten dürfen. Gleich erwiderte sie: „Jawohl!“ und begann zu beten. Als wir es beendet hatten, lachte sie und sagte zu mir: „Du hast nichts anderes im Kopf als diese beiden. “ Ich erwiderte: „Ja, nichts anderes!“

26.4.1982: Die Madonna: „Der Bischof hat gar keine echte Gottesliebe in sich. Ivica und Ivan sollen wegen des Bischofs ruhig bleiben. Was der Bischof tut, steht nicht mit Gottes Willen im Einklang. Deswegen mag er machen, was er will. Aber eines Tages wird die Gerechtigkeit sichtbar werden, die sie seit langem nicht gesehen
haben.“


10.

Vicka hat nie verneint, daß die Madonna ihr das alles gesagt oder sie das so aufgeschrieben habe. Sicherheit und Authentizität der oben zitierten Texte bestätigen am besten Kassetten, die P. Grafenauer mit Vicka und Maria aufgenommen hat. Je eine Kopie hat er der Pfarrei von Medjugorje, dem Bischof und der Bischofskonferenz in Zagreb zur Verfügung gestellt. Man muß sie nur anhören: P. Grafenauer: Der Bischof ist zuständig, ein Urteil zu fällen, ob die Madonna da ist oder nicht.  –  Vicka: Er kann urteilen, aber ich weiß, daß die Madonna da ist.  –  P. Grafenauer: Die Kirche sagt, daß diejenigen, die ihrer selbst sicher sind, eben damit bestätigen, daß die Madonna nicht da ist.  – Vicka: Wenn das jemandem etwas verdächtig ist, mag es ihm so sein, mir ist es nicht
verdächtig.  – P. Grafenauer: Das ist kein gutes Zeichen … Du hast einmal zum Bischof gesagt, daß er der Madonna mehr als dem Papst gehorchen sollte. – Vicka: Genau, genau. – P. Grafenauer: Das bedeutet, daß der Bischof dir mehr als dem Papst gehorchen sollte. – Vicka: Nicht mir.

P. Grafenauer: Aber der Bischof weiß nicht, um was es geht, und vielleicht ist da doch keine Madonna. –  Vicka: Madonna, Madonna. – P. Grafenauer: Du hast dem Bischof gesagt, daß er schuldig sei und daß diese beiden (Vego und Prusina) unschuldig seien und priesterliche Dienste leisten dürften. – Vicka: Jawohl.  – P. Grafenauer: Dürfen sie auch Beichte hören, hat das die Madonna gesagt? – Vicka: Jawohl. – P. Grafenauer: Wenn das die Madonna gesagt hat und der Papst sagt, daß sie das nicht dürfen … – Vicka: Lassen wir den Papst sprechen, aber ich sage alles, so wie es ist.

P. Grafenauer: Eben deshalb muß man zum Ergebnis kommen: Es handelt sich nicht um die Madonna … Wenn der Papst sagt, daß sie nicht zelebrieren dürfen, daß sie nicht Beichte hören dürfen, und die Madonna sagt, daß sie Beichte hören und zelebrieren sollen, ist das doch ein Widerspruch.  –  Vicka: Ich weiß, was recht ist (wie die Madonna gesagt hat). – P. Grafenauer: Sieh, wenn die Madonna so spricht, dann wäre ich bereit, meine Hand ins Feuer zu legen, daß die Madonna nicht da ist… Je mehr Gaben ein Mensch erhält, um so mehr läuft er Gefahr, daß Satan im Spiel ist.


11.

Erscheinung in Cerno. Cerno ist ein Dorf in der Nähe von Medjugorje. Am achten Tag seit Beginn der Erscheinungen kam es zu einer Erscheinung in der Nähe von Cerno. Was geschehen ist, erzählten die ‚Seher‘ am Abend dem Pfarrer Frater Jozo Zovko. Sie sagten, daß die Madonna vier- bis fünfmal wiederholte, daß sie noch drei Tage, und zwar am 1., 2. und 3. Juli erscheinen werde. Das wurde auf eine Kassette aufgenommen und von Frater Ivo Sivric publiziert. Die Kassette wurde auch vervielfältigt. Einige Jahre nachher hat Frater Janko Bubalo das Buch „Tausend Begegnungen mit der Madonna“ drucken lassen. Das Buch bringt Gespräche mit Vicka. Sie erwähnt dieses Versprechen nicht. Deswegen hat Frater Janko sie gefragt, ob die Madonna „noch drei Tage“ gesagt hat? Sie erwiderte, daß sie sich nicht erinnere! Da die Erscheinungen  weiter dauerten, suchten die Verteidiger von Medjugorje verschiedene Ausreden, warum die ‚Seher‘ gesagt hätten: „noch drei Tage“. Das Ordinariat besitzt das Protokoll der Zeugen der Erscheinung vom 3. Juli. An diesem Tag sagte ein Franziskaner zu den Gläubigen: „Ihr werdet große Schuldner vor Gott sein, wenn diese Erscheinungen unterbrochen werden.“ Es ist klar, daß Vicka die Unwahrheit sagte und die Madonna nicht sagen konnte, was Vicka erzählt. Vicka erfindet. Darf das der Öffentlichkeit verdeckt bleiben? Man darf nichts Böses tun (z.B. die Unwahrheit über die Madonna erzählen), um das Gute zu erreichen (Pilgerfahrten, Gebete, etc.).

12.

Die ‚Seherin‘ Maria Pavlovic. Hier bringen wir die Übertragung der Tonbandaufnahme des Gesprächs, das P. Grafenauer mit ihr geführt hat.

P. Grafenauer: Hat die Madonna gesagt, daß der Bischof schuldig ist? – Maria: Jawohl. – P. Grafenauer: Hat sie gesagt, daß Vego und Prusina unschuldig sind? – Maria: Jawohl.

P. Grafenauer: Sobald die Madonna sagt, daß der Bischof schuldig sei, zweifelt man sofort, daß die Madonna wirklich gesagt haben kann, was die ‚Seher‘ herumreden, daß wahrlich der Bischof schuldig sei … – Maria: Das aber hat die Madonna zu uns gesagt.

P. Grafenauer: Das stiftet Unruhe in der Herzegowina und das sind keine guten Früchte. Die Leute werden sich über den Bischof ärgern und ihn verleumden. Wie kann sich die Madonna so etwas leisten? … Die Kirche weiß, daß die Madonna edel ist. Sie würde so etwas nicht tun.  –  Maria: Die Madonna hat es uns aber so gesagt.

All das wissen Erzbischof Dr. F. Franic, wie auch Abbe Laurentin und viele andere, und trotzdem schweigen sie darüber. Was ist das für eine Theologie, wenn sie duldet, daß die Madonna den Kindern und durch sie der ganzen Welt verkündet, daß der Bischof keine Gottesliebe in sich habe, ihn also zum öffentlichen Sünder erklärt, ihn zur Bekehrung ruft und in diesem Sinne in Medjugorje beten läßt. Es wurden auch Behauptungen vorgebracht, daß sogar Jesus für ihn beten wolle, damit er endlich Vertrauen fasse und sich entschiedener für die Ereignisse in Medjugorje einsetze. Zu
sagen, daß der Bischof auf Madonnas Gericht warte, ist doch ein Unsinn, eine Beleidigung für die Madonna, Mutter der Kirche. Ich bin nicht ohne Schuld und die Madonna kann mich mit Recht tadeln. Gott ist der einzige Richter. Aber wegen meines bischöflichen Amtes wurde ich bisher nie vom Hl. Stuhl getadelt.

13.

Der‘ Schöpfer von Medjugorje‘ – Frater Tomislav Vlasic. Er hat u.a. „Ein Ruf im Marianischen Jahr“ drucken und verbreiten lassen (Milano 25.3.1988). Das war die Gründung und Einladung zur Gebetsgemeinschaft der Männer und Frauen (aus Medjugorje) im gemeinsamen Leben (Parma, Italien). Das ist in der Kirchengeschichte einzigartig. Sie sollten die Welt retten. Die Eingebung dazu und die Begeisterung dafür hat ihm und Agnes Heupel (eine Deutsche, die angeblich in Medjugorje gesund geworden ist) die Madonna selbst gegeben.

Frau Heupel und Frater Tomislav Vlasic leiten die Gemeinde zusammen, wie der hl. Franziskus und die hl. Klara, meint Frater Vlasic. Um dem Unternehmen Erfolg zu versichern, hat die ‚Seherin‘ Maria im Auftrag von Frater Vlasic dem Text noch drei Seiten zugefügt. Sie ist auch Mitglied der Gemeinschaft. Am 21.4.1988 schreibt sie:

„Wie Sie ersehen, gab die Madonna der Gemeinschaft «Königin des Friedens» das Programm, und sie führt durch Frater Vlasic und Agnes Heupel diese Gemeinschaft. Sie vermitteln auch Anweisungen für die Gemeinschaft. In der Gemeinschaft bin ich anderthalb Monate. Ich allein habe Erscheinungen, und die Madonna führt mich in das Mysterium des Leidens ein. Das ist die Grundlage dieser Gemeinschaft. Ich muß alles aufschreiben und veröffentlichen, wenn es mir von der Madonna gesagt wird. Ich verstand Gottes Plan, der durch Maria in der Pfarrei von Medjugorje begonnen hat.“

Die Verteidiger von Medjugorje haben schnell begriffen, daß die Gemeinschaft der Männer und Frauen in demselben Haus – Leben, Gebet, Arbeit, Schlafen – sich selbst und Medjugorje zerstören werde. Um eine Lösung zu finden, haben sie ihren Provinzial Frater Jozo Vasilj nach Parma (Italien) geschickt. Zusammen mit dem Bischof von Parma, Msgr. B. Cochi, und Frater Vlasic ging er zur Kongregation nach Rom. Dort wurde ihnen gesagt, daß die Kirche ihr Unternehmen nicht bestätigen könne, und Frater Vlasic mußte die Gemeinschaft auflösen und nach der Herzegowina zurückkehren. Er gehorchte zwar nicht sofort, aber etwas später ging er doch nach der Herzegowina zurück. – So hat mir Frater J. Vasilj diese Sache geschildert.


14.

Die oben genannte Maria Pavlovic machte am 11.7.1988 die zweite Äußerung für die Öffentlichkeit. Diese füllt eine Seite aus und wurde vervielfältigt wie die erste. Sie schreibt:

„Ich fühle mich vor Gott moralisch verpflichtet, Maria und der Kirche Jesu Christi zu sagen: Aus dem Text »Ein Ruf« geht hervor, daß ich auf die Frage von Frater Vlasic die Antwort der Madonna gegeben habe. Jetzt erkläre ich, daß ich von der Madonna eine Bestätigung für das Werk des Frater Vlasic und der Frau Agnes Heupel nie gesucht habe … Mein erstes Zeugnis … entspricht nicht der Wahrheit. Frater Vlasic hat mir einige Male geraten (sic!), daß ich als Seherin ein Zeugnis aufschriebe, das die Welt erwartet … Alles, was ich gesagt habe, entspricht nicht der Wahrheit. Dies
unterschreibe ich vor dem allerheiligsten Sakrament.“ – Maria Pavlovic.

15.

Maria Pavlovic sagt nicht, daß sie die erste Äußerung nicht abgegeben hat. Frater Vlasic hat von ihr mehrmals eine Äußerung verlangt. Es ist klar, daß sie ein Spielzeug in den Händen von Frater Vlasic ist. Nicht nur jetzt, sondern von Anfang an war mir das klar, aber bis zu diesem Vorfall hatte ich keinen solch klaren Beweis. Auf diese Weise hat Frater Vlasic alle manipuliert. So hat Maria Pavlovic die Madonna weinen sehen, als jemand in der Gebetsgruppe den Bischof erwähnte. „Aus Madonnas Augen floß eine große Träne. Sie floß über ihr Gesicht und verschwand unter ihren Füßen … Die Madonna begann zu weinen und stieg weinend in den Himmel empor.“ (22.8.1984) Warum erwähnen die Verteidiger von Medjugorje diese zwei Äußerungen von Maria Pavlovic nicht? Ist es nötig, solche Sachen vor den Leuten zu verdecken, weil in Medjugorje viele ‚Konversionen‘ geschehen? Abbe Laurentin schreibt in einem seiner Bücher „Dernieres Nouvelles“ (3, S. 27), daß ein Monsigneur Maria Pavlovic bat, sie möge die Madonna um eine Botschaft für seine Priester bitten. Maria Pavlovic antwortete: „Die Madonna sagte, daß sie Laurentins Buch über Medjugorje lesen und verbreiten sollen“ (sic!).

16.

Der ‚Seher‘ Ivan Dragicevic. Von einem großen Zeichen schreibt Vicka in den  Tagebüchern dreizehnmal, in der Pfarrchronik vierzehnmal, auf Kassetten ist davon zweiundfünfzigmal die Rede und in Gesprächen mit dem Bischof wurde das unzählige Male erwähnt. Im Frühling 1982 verlangte ich, daß die ‚Seher‘ mir alles über das große Zeichen notieren sollen, und zwar so, daß ‚das Geheimnis‘ nicht angegeben wird. Sie sollten das in zwei Exemplaren aufschreiben, in einen Briefumschlag stecken und zukleben, dann den einen für sich behalten und den anderen zugeklebten dem Bischof übergeben. Wenn das Zeichen geschehen wäre, würden wir die Umschläge öffnen und erfahren, ob es das angekündigte sei. Der damalige Pfarrer, Frater Vlasic, sagte zu den ‚Sehern‘, sie sollten sagen, die Madonna habe ihnen gesagt, daß sie nichts und für niemanden etwas aufschreiben dürften. Und sie haben es nicht aufgeschrieben. Ivan Dragicevic war im Priesterseminar OFM in Visoko (Bosnien) und wurde darüber nicht informiert. Zwei Mitglieder der Kommission gingen zu ihm, Dr. M. Zovkic und Dr. Z. Puljic (der jetzige Bischof von Dubrovnik). Sie gaben ihm ein hellgrünes Papier mit Fragen, die mit Schreibmaschine geschrieben waren. Ivan notierte, ohne ein Wort zu sagen und ohne Angst, den Inhalt des Zeichens mit Datum und Unterschrift. Einige Jahre später schreibt Abbe Laurentin, daß Ivan ihm gesagt habe, er hätte nichts notiert und habe die Mitglieder der Kommission hintergangen. Am 7.3.1985 gingen dann drei Mitglieder der Kommission zu ihm, um ihn zu fragen, ob es wahr sei, was Laurentin behauptet. Er versicherte, daß es wahr sei und daß sie ohne weiteres den
Umschlag, der im Ordinariat aufbewahrt wird, öffnen könnten – darin sei nur ein weißes Papier. Sie gingen zurück und vor der Kommission, die zur Beratung in Mostar zusammengekommen war, machten sie den Brief auf. In ihm war auf dem hellgrünen Papier geschrieben:

„Die Madonna sagte, daß sie ein Zeichen hinterlassen werde; dieses Zeichen teile ich Ihnen mit und vertraue es Ihnen an. Das Zeichen ist: Ein großes Heiligtum wird in Medjugorje zur Ehre meiner Erscheinung sein, und zwar das Heiligtum meiner Gestalt. Wann? Das Zeichen wird im 6. Monat geschehen. Datum der Aussage: 9.5.1982 Seher: Ivan Dragicevic.“

Die Mitglieder der Kommission waren angesichts solcher Lügen bereit, jede weitere Untersuchung einzustellen. Trotzdem aber haben sie ihre Arbeit weitergeführt.Frater Slavko Barbaric hat einige Tage später die ‚Seher‘ irgendwo untergebracht
und sie angewiesen, daß sie alle, auch Ivan, eine Erklärung unterschreiben sollten, daß Ivan das Zeichen nicht bekannt gemacht habe. Ivan hat Botschaften, die die Madonna brachte, dem Bischof weitergegeben. So sagte die Madonna am 24.4.1984 über den Bischof:

„Mein Sohn betet für ihn, damit er Vertrauen faßt und sich entschiedener
für die Ereignisse in Medjugorje verwendet.“

Sie sagte weiter. „Wie hätte er reagiert, wäre mein Sohn auf die Erde herabgekommen? Würde er dann glauben?“

Die Madonna sagte über die Kommission nur soviel: „Beten Sie, beten Sie, beten Sie! Überlegen Sie und erleben Sie meine Botschaften, die ich mitgeteilt habe, und Sie
werden sehen, warum ich gekommen bin.“

17.

„«Sag dem Vater Bischof, daß ich von ihm sofort eine Bekehrung zu den Ereignissen in Medjugorje verlange, sonst ist es einmal zu spät. Er möge sich diesen Ereignissen mit viel Verständnis, Liebe und großer Verantwortung nähern. Ich möchte, daß er keine Spannungen zwischen Priestern schafft und daß er ihre Schwächen nicht hervorhebt. Der Heilige Vater hat allen Bischöfen für ihre Diözesen Aufgaben anvertraut, z.B. auch, Probleme und Streitigkeiten zu schlichten. Der Vater Bischof ist der Hauptvater für alle Pfarreien in der Herzegowina. Deswegen verlange ich von ihm die Bekehrung zu diesen Ereignissen. Ich sende ihm damit die vorletzte Ermahnung. Wenn er nicht das ausführt, was ich ihm mitteile, wartet auf ihn mein Gericht und das Gericht meines Sohnes. Das bedeutet, daß er den Weg meines Sohnes Jesus nicht gefunden hat.» Die Madonna befahl mir, diese Botschaft Ihnen auszurichten. Ich grüße Sie sehr. Bijakovici, 21.6.1983“ Das hat mir Frater Vlasic gebracht. Höchstwahrscheinlich hat er das im Zustand der Exaltation verfaßt.

18.

Ivan hat ein paar Jahre lang sein Tagebuch der Erscheinungen geschrieben. Es wurde nicht veröffentlicht, wie auch Vickas Tagebücher und die aller anderen. Sie sind Originalquellen: voller Naivität mit klaren Unwahrheiten und Unsinn, ein untrüglicher Beweis, daß die ‚Seher‘ weder die Madonna sehen noch von ihr Mitteilungen bekommen. Die Mitteilungen hat jemand anderer verfaßt und Ivan gegeben, damit er sie unterschreibe. Als mir P. Grafenauer Ausschnitte aus Vickas Tagebuch mitgebracht hatte, verlangte ich von ihr, daß sie mir das Tagebuch zur Verfügung stelle. Sie antwortete mir am 7.5.1983: „Ich habe erfahren, daß Ausschnitte aus meinem Tagebuch verbreitet werden …“ Diese Erkenntnis, daß Vicka ein Tagebuch geschrieben hat oder es als das ihre betrachte, war sehr wichtig. Das wurde zu einem Argument in den Händen der Kommission: Frater Vlasic wurde das klar, und im Laufe des Jahres 1984 bestätigte er vor mir und der Kommission, daß Vicka diesen Brief nicht geschrieben habe, sondern ein Franziskaner (wahrscheinlich er selbst), der ihn ihr zur Unterschrift vorgelegt habe (sic!). Es gibt noch viele ähnliche Manipulationen, nur gibt es für sie keine solch klaren Beweise.

19.

Geheimnis und Geheimniskrämerei. Seit den ersten Tagen der ‚Erscheinungen‘ sprachen die ‚Seher‘ (gut unterrichtet, um eine Kontrolle unmöglich zu machen), daß zu jedem einzelnen von ihnen die Madonna anders spricht. Wenn die Geheimnisse erdacht sind (jeder hat eigene – es gab sechzig Geheimnisse), darf man sieb niemandem offenbaren. Mirjana und Ivanka erhielten von der Madonna einen speziellen Brief, den niemand lesen darf. Am Anfang gab es weder Ekstasen noch Trennung von der Umgebung. Man konnte zu ihnen sprechen und sie haben auch öffentlich gesprochen. Sie flohen vor der Kommission, weil sie, wie sie selbst gesagt haben, so unterrichtet worden seien. Die Madonna fragten sie, ob das große Zeichen notiert werden dürfte. Sie erlaubte es ihnen nicht. Ivan hat es dennoch aufgeschrieben und später bestätigt (das wurde aufgenommen), daß die Madonna ihn deswegen nicht ermahnt habe. Die Geheimnisse wurden einem Priester (Franziskaner) anvertraut. Warum nicht der Kommission, dem Bischof oder dem Heiligen Vater? In den ersten Monaten haben sie mehrere Male gesagt: „Bis zum großen Zeichen dauert es noch ein wenig, bald, schnell…“ Als ein Jahr vorbei war, haben sie ihre Art zu reden verändert. – Vicka schreibt seit
anderthalb Jahren über ‚Madonnas Leben‘. Der Inhalt bleibt ein großes Geheimnis und wird veröffentlicht, wenn es die Madonna erlaubt. Auf die Frage, ob es möglich sei, daß die Kommission dieses Tagebuch sehen könne, ohne es aufzumachen, kam die Antwort: „Es ist unmöglich.“ Es ist ein gut geplantes Unternehmen, naive Leute aus der ganzen Welt an der Nase herumzuführen. Sie werden auf Geheimnisse und große Zeichen bis zum Ende der Welt warten. Ich habe schon früher gesagt und wiederhole es jetzt: „Wenn die Madonna das Zeichen, von dem die ‚Seher‘ sprechen, hinterläßt, will ich von Mostar aus auf den Knien bis nach Medjugorje (30 km) gehen und die ‚Seher‘ und Franziskaner um Verzeihung bitten.“

20.

Verleumdungen gegen den Bischof. Es wird gesagt: „Am Anfang hat der Bischof geglaubt.“ Das stimmt nicht! Als die Kommunisten die Franziskaner, die ‚Seher‘ und die Pilger verfolgten, verteidigte ich sie alle. Meine Meinung darüber habe ich nicht geändert, „nur weil mir von der Landeskommission für religiöse Fragen gedroht wurde und weil es die Weltgeistlichen von mir verlangten.“ Das sind erdachte Verleumdungen einige von vielen. Bis ich die verhafteten Franziskaner öffentlich verteidigte, sagte Frater Jozo Zovko im Laufe der Untersuchung, daß der Bischof ein Wolf und
Heuchler sei. Das steht in seiner Anklageschrift. Sein Rechtsanwalt, Herr Vukovic, fragte mich durch einen Kollegen, was für einen Konflikt ich mit Frater Zovko gehabt hätte, da er mich so schwer beschuldigt. Frater Vlasic ließ die ‚Seher‘ oft sagen, daß der Satan (d.h. der Bischof) ihren Plan zerstören wolle. Er hat darüber noch deutlicher an seine Freunde im Vatikan geschrieben. Ich habe ihm vor dem P. Provinzial vorgeworfen, daß er den Bischof Satan nenne. Er bestritt dies nicht, sondern rechtfertigte sich, daß er das im Affekt geschrieben habe (sic!). Es ist möglich, daß im Affekt etwas gesagt wird, nicht aber, daß im Affekt etwas geschrieben und in fremde Sprachen übersetzt wird.

21.

An den Früchten … Das häufigste Argument der Verteidigung von Medjugorje ist: „An den Früchten wird deutlich, daß die Madonna erscheint.“ Wer aber mehr weiß, als die Pilger sehen, wenn sie nach Medjugorje kommen, sagt: „An den Früchten der am meisten verantwortlichen Verteidiger von Medjugorje wird ersichtlich, daß sie selber nicht an die Erscheinungen glauben.“ Wenn es möglich wäre, all jene „schmutzigen Sachen“ an den Tag zu bringen, würde allen alles klar werden – aber es wäre ein negatives Argument. Doch Abbe Laurentin, Frater Rupcic, Frater Barbaric u.a. verdecken die Wahrheit sorgfältig. Der Großteil des frommen Volkes scheitert naiv an der starken Propaganda. Es fällt ihnen nicht ein, daß die Wahrheit verborgen und die Unwahrheit grob aufgezwungen wird. Sie wissen nicht, daß kein Heilungswunder geschehen ist, das von den zuständigen Fachleuten und Institutionen, wie dem „Bureau medical de Lourdes“, untersucht und anerkannt wurde. Wieder gesund Gewordene in Herzegowina sind völlig unbekannt. Der kleine Daniel, der alte Jozo Vasilj, Venka Brajcic u.a., die in den ersten Büchern erwähnt wurden, sind nicht gesund geworden. Das wissen hier alle.

22.

Die Verheißungen der Heilungen sind besonders charakteristisch. Wenn sie nicht realisiert werden, werden sie verneint, weil sie nicht auf Tonband beweiskräftig aufgenommen oder schriftlich abgegeben wurden. Es gibt aber viele Verheißungen, die ein tragisches Ende nahmen. Der tragische Ausgang von Markus Blazevic, wie ihn Msgr. Turk, Erzbischof von Belgrad (jetzt im Ruhestand), beschrieben hat, spricht Bände. Er schreibt, daß er am 22.5.1984 in der kardiologischen Abteilung der Klinik in Belgrad als Patient eingeliefert wurde. Er bekam das Bett, das M. Blazevic eben verließ, weil er auf die Operation wartete. Dem Erzbischof wiederholte er, was er früher vielen Patienten, dem Personal und den Ärzten erzählt hatte, daß nämlich die Madonna durch die ‚Seher‘ ihm versprochen hatte, er werde die Operation mit Erfolg überstehen. Die Ordensschwester, die bei der Operation assistierte, schrieb mir, daß ihr dies die Frau und Tochter von Markus mit fanatischem Glauben an ‚Madonnas Verheißungen‘ erzählt haben. Ein Arzt hat sich aufgrund dieser Verheißungen überreden lassen. Der Patient erwachte nach der Operation nicht mehr. Während der Operation betete eine Gruppe von Patienten vor der Tür inständig, alle redeten viel darüber, und am Ende kam die schwere Enttäuschung und dazu die Schande vor Andersgläubigen und Atheisten. Frater Vlasic verdeckt auf seine Art die Wahrheit. Es ist ihm gelungen, die Tochter des verstorbenen Markus Blazevic zu überreden, zum Bischof zu gehen,
um ihm zu sagen, daß die Madonna ihnen nur gesagt hätte, sie sollten beten, nicht aber, daß die Operation gelingen werde! Ich habe ihr erwidert, daß sie weder ihren verstorbenen Vater noch jene, denen er selbst das erzählt hat, der Lüge beschuldigen dürfe.

23.

Franziskaner und Diözesanpriester „Petrovci“ (Weltgeistlicher). Das Verhältnis zwischen den Franziskanern und dem Diözesanklerus wurde gemäß dem Vorschlag der Franziskaner wie auch des Bischofs, des Franziskaners Frater Pascal Buconjic, durch einen Entscheid des Hl. Stuhls aus dem Jahre 1899 geregelt. Die Gläubigen sollten zu 50% den Franziskaner- und zu 50% den Diözesan-Pfarreien angehören. Diözesanpriester aber gab es nicht genug. Deshalb wurden ihre Pfarreien im Jahre 1923 an Franziskaner ad nutum S. Sedis übergeben. Im Jahre 1948 wurde Bischof Cule zu elf Jahren Haft verurteilt und blieb acht Jahre im Gefängnis. Nach seiner Freilassung bekam der Diözesanklerus mehr Nachwuchs. Im Jahre 1968 gab der Hl. Stuhl den Franziskanern den Auftrag, fünf Pfarreien dem Diözesanklerus zu übergeben. Sie haben nur zwei übergeben. Nach Verhandlungen, die über ein Jahr dauerten, wurde 1975 das Dekret des HI. Stuhls über die Verteilung der Pfarreien endlich herausgegeben. Die Franziskaner haben aber dieses Dekret öffentlich und kollektiv abgelehnt, obwohl sie in der Diözese Mostar über 80% der Gläubigen in den Pfarreien hatten, die sie betreuen. Im Jahre 1976 wurde die ganze Verwaltung der Provinz, zusammen mit dem Provinzial R.P. Silic, wegen Ungehorsams abgesetzt. So hat die Provinz ihre Selbständigkeit verloren. Seitdem wird sie vom General durch ein Gremium ad instar verwaltet. Im Jahre 1979 wurde der Provinz die Strafe auferlegt, nicht zum Generalkapitel nach Rom, das den neuen General wählen sollte, zu gehen. Punkt 1 im ersten Brief des neuen Generals lautet: Gehorsam und Mitarbeit in Verbundenheit mit dem Bischof der Herzegowina herstellen! Der Ungehorsam aber dauert immer noch an, und die Madonna verteidigte die ungehorsamen Franziskaner von Anfang an. So schreibt Vicka in ihrem Tagebuch, daß die Madonna gesagt habe, daß der Bischof an aller Unordnung schuldig sei. Das wurde mehrmals wiederholt. Die Franziskaner sind sieh uneinig. Der Opposition, die Medjugorje verteidigt, ist es gelungen, die Verwaltung ad instar der Provinz, die sich dem Bischof genähert hatte, zu stürzen und eine Gruppe, die Medjugorje verteidigt, der Provinz aufzudrängen. Dem neuen Provinzial ad instar, Frater Jozo Vasilic, gelang es nicht, Ordnung und Frieden in der Provinz herzustellen. Das konnte er nicht verkraften und floh in die Mission nach Zaire. (Das sind die Früchte!) Seine Stelle vertritt jetzt sein Vikar. Der General ermahnte daraufhin nochmals zum Gehorsam und drohte sogar mit der Abschaffung der Provinz: „Es ist Zeit, daß jeder seine eigene Verantwortung wahrnimmt, bevor juristische Sanktionen oder sogar die Abschaffung der Provinz verhängt werden.“ Der Provinz wird keine eigene Verwaltung gegeben, solange sie das Dekret nicht realisiert hat.

24.

Das ist ein kleiner Teil der ‚guten Früchte‘. Die Pilger hören nur eins: Der Bischof haßt die Franziskaner. Es gibt aber Franziskaner, die mit dem Bischof gut zusammenarbeiten und nicht an die Erscheinungen glauben. Einige sind bewußt noch nie nach Medjugorje gekommen. Einige Franziskaner baten und beschworen mich, ich solle schreiben, daß sie gegen die Lügen von Medjugorje sich aussprechen. Von hundert Diözesanpriestern der Herzegowina glaubt kein einziger an die Erscheinungen; von zweiundvierzig Bischöfen in Jugoslawien (Ordinarien, Weihbischöfe, Bischöfe i.R) erklärt nur einer öffentlich, daß er an diese Erscheinungen glaubt und dafür kämpft; von fünfzehn Mitgliedern der ersten Kommission, die vom Bischof aus Mostar mit Hilfe anderer Bischöfe und Provinzialen aus Jugoslawien zusammengesucht wurden, waren elf der Meinung, daß es nichts Übernatürliches in Medjugorje gebe; zwei Franziskaner sagten, daß sie echt seien; einer sagte, daß etwas in nucleo (am Anfang) gewesen sei, und einer hat sich von der Abstimmung distanziert. Der Hl. Stuhl hat ihre Dokumentation, an der sie drei Jahre lang gearbeitet haben, nie von mir verlangt oder sie gesehen (also das pure Gegenteil von dem, was die Verteidiger verbreiten!). Er hat weder eine Entscheidung getroffen, noch wurde die Meinung des Bischofs verworfen.

25.

Seit Anfang dieser Ereignisse ermahnte ich die Franziskaner, daß sie der Entscheidung der Kirche nicht vorgreifen, sondern daß wir zusammen die Wahrheit suchen wollen. Aber die Anführer wollten möglichst bald Volksmassen nach
Medjugorje bringen, viel Geld für die Propaganda sammeln und die Madonna im Kampf gegen den Bischof benützen. Sie haben sich Sonnenwunder ausgedacht. Viele Pilger erlitten Schäden an den Augen, weil sie in die Sonne geschaut hatten. Sie haben von fünfzig, hundertfünfzig, zweihundert und sogar dreihundert Heilungen gesprochen, als sie merkten, daß die Leute alles glauben, was ihnen gesagt wird. Ganz besonders ist es so, seit Bischof F. Franic und der Theologe Laurentin dahinter stehen …

26.

Die Italiener kennen die Geschichte gut von Gigliole Ebe Giorgini, Gründerin des falschen Ordens „Pia Opera di Gesu Misericordioso“. Diese Frau ist geschieden und hat wieder zivil geheiratet. Sie betrieb Pseudomedizin, sammelte Mädchen für ihren Orden, erhielt viel Geld und hatte mehrere Häuser. In ihrem Dienst waren auch zwei Priester. Sie selbst führte ein Doppelleben und trug falsche Stigmen, die sie sich selbst angebracht hatte. Ihre ‚Schwestern‘ folgten ihr fanatisch und nannten sie ‚Mamma Ebe‘. In ihrem Orden befanden sich auch männliche geistliche Berufe. Aber einige ‚Schwestern‘, die sie verlassen hatten, erzählten, daß sie ein unmoralisches Leben führe. Als ‚Ordensgründerin‘ hatte sie viel Schmuck, Geld, zwei Jachten, mehrere Pelzmäntel usw. In der Kirche klagten viele sie an; andere verteidigten sie fanatisch und beriefen sich auf gute Früchte. So erhielt sie Lob und Anerkennung von zwei Bischöfen. Zweimal war die Polizei nachts in ihr Zimmer im Mutterhaus eingedrungen und hatte sie mit einem ihrer Studenten der Theologie ‚in flagranti‘ ertappt. Es kam zum Skandal. Zweimal wurde sie zu mehreren Jahren Haft verurteilt, zusammen mit einem Franziskaner, der ihr Beichtvater war. Die Zeitungen belustigten sich jahrelang über ihre Skandale. Es wurde darüber ein schmutziger Film produziert. Trotzdem verteidigten sie ihre ‚Schwestern‘ fanatisch und blindlings. Das taten sie auch noch, nachdem der Orden zerstört war. Für sie war diese Frau eine Heilige, die Berufungen sammelte, und das war ein Argument für viele:
An ihren Früchten wird es offenbar, daß sie Gott dient?

27.

Diese Blindheit in Medjugorje schlägt sogar Priester und Bischöfe. Viele Priester aus Italien (Pater Amorth, Pater Restrelli u.a.) haben erfahren, warum der Bischof, die Kommission, die Bischöfein Jugoslawien, einige Franziskaner und die
Diözesanpriester nicht glauben. Aber viele wollten die Wahrheit nicht wissen, obwohl ich jedem ein Gespräch gewähre. Speziell die mangelnde Kollegialität einiger Bischöfe wundert mich. Niemand muß mein Urteil anerkennen, aber jeder sollte Medjugorje gut prüfen, bevor er Stellung dazu nimmt, besonders, wenn er einen hohen Posten wie das Bischofsamt in der Kirche einnimmt.

28.

In Medjugorje gibt es viel Gebet und Frömmigkeit. Man spricht davon, daß auch Bekehrungen vorkommen. Ich bedaure aber alle diese, die früher oder später Enttäuschungen erleben werden. Es gibt nämlich auch viel Fanatismus, Aberglauben
und Unwissenheit über die Ereignisse dort. Ich selbst habe Briefe mit groben Beleidigungen erhalten. Das alles wird ‚im Namen der Königin des Friedens‘ getan. Ein positiver Befund über Medjugorje kann nicht Unwahrheit und Lüge rechtfertigen, um die Welt für Gott zu gewinnen. Die Kirche könnte heute vielleicht große Volksmassen an sich ziehen, hätte sie das sechste Gebot annulliert, die Ehescheidung anerkannt, jedem die Freiheit eingeräumt, das zu glauben und zu tun, was er will. Doch Jesus ist um der Wahrheit willen ans Kreuz gegangen und die Märtyrer haben für die Wahrheit ihr Leben geopfert. Der hl. Paulus schreibt seinen Gläubigen: „Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündet, als wir euch verkündet haben, der sei verflucht“ (Gal 1, 9). Heute werden in vielen Gebetsgruppen Gebete aus dem Gebetbuch von Frater Ivica Vego gebetet und über angebliche Madonnen-Botschaften meditiert, als wenn das wichtiger wäre als die Hl. Schrift und das kirchliche Lehramt.

29.

Wer Bücher über Medjugorje schrieb, hat sie gut verkauft und ist vielleicht reich geworden. Jenen aber, die sich damit kritisch auseinandergesetzt haben, ist es schlecht ergangen. Sie sind auf den organisierten Boykott gestoßen. Im Sinne dieser ‚anderen Seite der Medaille‘ sollte man die nachstehenden Bücher lesen:

Gramaglia, L‘ equivoco sul fenomeno di Medjugorje

– Dr. Frater Ivo Sivric (Franziskaner, lebt in St.-Louis, USA): La face cachee de Medjugorje (französische und englische Ausgaben), Tome I, S. 400, bei Editions Psilog, CP. 300, Saint-Francois-du-Lac, Quebec, Canada JOC 1 MO, Tel. +001514568-3036

– Michael E. Jones: The Untold Story II, S. 144, Fidelity Press, 206 Marquette Avenue, South Bend, 1ndiana 46617, USA, Fax +001219 289-1461