Der stigmatisierte und „lichtreiche“ Bruder Elia(s) Cataldo tagt in Krems und Hallein

Von Felizitas Küble

Das erscheinungsbewegte Nachrichtenportal „kath.net“ veröffentlichte am 30. Mai einen Werbe-Artikel für den italienischen „Seher“ Elia Cataldo, der unter Anhängern liebevoll als „Fra Elia“ bezeichnet wird (Fra ist die italienische Abk. von Fratello = Bruder).

Offenbar befürchtet die Redaktion kritische, „störende“ Leserstimmen – jedenfalls ist die dort übliche Kommentarfunktion unter diesem Beitrag abgeschaltet.

Der Aufhänger für den Elia-Beitrag ist dessen Gebetsabend-Auftritt am heutigen 31. Mai im Rahmen der IBC (International Bethabara Conference) in der niederösterreichischen Stadt Krems.

Zwei Tage später – am kommenden Samstag – ist der 1962 in Apulien geborene Visionär auf einer charismatisch geprägten Veranstaltung in Hallein zu sehen. Kein Geringerer als Erzbischof Dr. Franz Lackner hatte den „Begnadeten“ dorthin eingeladen. 

Am Samstagvormittag soll „Fra Elia“, der seit Jahrzehnten in frommen (Gebets-)Kreisen durch die Lande zieht, dort eine Ansprache halten und danach sein „Glaubenszeugnis“ darbieten, wobei es gewiß um die zahlreichen „Zeichen und Wunder“ geht, die der Klosterbruder  – ein ehemaliger Kapuziner  – erlebt haben will.

Daher ist es mit Worten nicht getan: Am Nachmittag gibt es nicht nur eine Katechese (Glaubensunterweisung), sondern auch ein „Segens- und Heilungsgebet“ mit Fra Elia.

Bei derlei Themen kennt sich „kath.net“ aus. Petra Knapp-Biermeier schreibt begeistert: „Heilungen und Wunder passieren rund um einen Italiener, der die Wundmale Christi trägt.“

Die Autorin zitiert Pater Jean-David Lindner, den Gründer der Gemeinschaft Bethabara, dem zufolge Fra Elia über „einen sehr direkten Draht zu Gott“ verfügt. Durch sein Gebet habe der Allmächtige schon „viele Heilungen und Wunder“ gewirkt.

Es stellt sich freilich die Frage: Gibt es tatsächlich einen direkteren Draht nach oben als den sakramentalen? Begegnen wir Christus durch die hl. Kommunion nicht auf die innigste Weise, die auf Erden denkbar ist? Stehen „außergewöhnliche Charismen“ und angebliche Wunderzeichen etwa höher als die Sakramente, die doch der HERR selber gestiftet hat?

Der Geistliche erzählt weiter, besonders „begnadete“ Personen seien „eine Bestätigung, dass es echt ist, was die Kirche lehrt.“  – Wie schwach muß eigentlich ein Glaube sein, der mirakulöser „Bestätigungen“ bedarf?

Die Kathnet-Verfasserin beschreibt sodann entzückt den Lebensweg des Visionärs, dessen berufliche Laufbahn als Postmann begann. Später wurde er Kapuzinerbruder und empfing  – dem Bericht zufolge  –  die Stigmata (Wundmale Christi), die aber „nicht nach Blut, sondern nach Rosen duften“.

Er habe sich bei seinem Orden wohl gefühlt und sei wie „zuhause angekommen“, doch dann habe er ihn aufgrund innerer Eingebungen verlassen (in Wirklichkeit ist er aus dem Konvent entlassen worden). Zunächst arbeitete Fra Elia in einer Chemiefabrik, bis ihm klar war, daß er einen „einzigartigen“ Weg gehen und eine eigene Kongregation gründen sollte. (Na klar: Jedem „Seher“ seinen eigenen Orden!)

Freilich war auch der Name der neuen Kommunität vom Himmel diktiert, genauer: Von Fra Elias Schutzengel aufgetragen – also nannte er sich und seine Brüder die „apostoli di Dio“, also die „Apostel Gottes“.

An „missionarischen“ Sendungsbewußtsein fehlt es dem 56-Jährigen gewiß nicht, ebensowenig seinen Anhängern, die den Stigmatisierten geradezu anhimmeln, auch in einer Reihe von Büchern, die z.B. im esoterischen Silberschnur-Verlag erschienen sind.

Vor allem die italienische Autorin Viorella Turolli veröffentlichte dort bereits drei Werke über Fra Elia, den „Wegbereiter Gottes“, wobei schon die Titel den Weg weisen: „Fra Elia von den Aposteln Gottes“ – „Fra Elia, der Engel mit den Wundmalen Christi“ – „Die göttliche Vorsehung und der Wegbereiter Gottes.“

Doch die Elia-Schwärmerei beschränkt sich nicht auf „Kath.net“. Der ebenfalls erscheinungsbewegte Journalist Paul Badde veröffentlichte bereits vor 13 Jahren in der Tageszeitung DIE WELT vom 26.3.2005 einen enthusiastischen Beitrag über den „Mönch“ unter dem Titel: „Fra Elias Blutzeichen“.

Unser CHRISTLICHES FORUM hat sich hingegen schon kurz nach dem Start unserer Webseite krititisch mit den Phänomenen um den enthusiastischen Klosterbruder befaßt, z.B. am 21. Juni 2011 unter dem Titel: „Fra Elia im duftenden Rosenblätter-Regen, von Engeln gestreut“. – Es ging hierbei um eine von ihm selber beschriebene Vision: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/21/%e2%80%9efra-elia%e2%80%9c-im-duftenden-rosenblatter-regen-von-engeln-gestreut/

Sodann veröffentlichten wir zwei Jahre später die Besprechung eines Geistlichen, der die esoterische Grundhaltung eines Elia-Jubelbuches kritisiert: https://charismatismus.wordpress.com/2013/04/29/buch-kritik-das-jubelbuch-uber-fra-elia-ist-keineswegs-christlich-sondern-esoterisch/

 

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Erzbistum München distanziert sich von „Marienerscheinungen“ des Sizilianers Caputa

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PRESSEMITTEILUNG der Erzdiözese München vom 26.2.2018:
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Klerikern wird Teilnahme an vermeintlichen Erscheinungen und Unterstützung für sogenannten Seher untersagt
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Das Erzbistum München und Freising distanziert sich von angeblichen Marienerscheinungen in Walpertskirchen (Landkreis Erding) und Unterflossing (Landkreis Mühldorf).
Salvatore Caputa, der behauptet, ein Seher zu sein, gibt vor, dass ihm dort die Gottesmutter erschienen sei bzw. zu ihm vorab bekannten Terminen erscheine.
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Um nicht den falschen Eindruck zu erwecken, dass es sich bei den angeblichen Erscheinungen um kirchlich anerkannte Vorgänge handele, verbietet das Erzbistum allen Klerikern, auf dem Gebiet der Erzdiözese in zeitlichem oder örtlichem Zusammenhang mit den Auftritten Caputas Gottesdienste zu leiten sowie als Kleriker erkennbar an Gottesdiensten oder Versammlungen teilzunehmen.
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Caputa dürfen keine kirchlichen Räume, Liegenschaften oder Infrastruktur zur Verfügung gestellt oder sonstige Arten der Unterstützung gewährt werden.
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Seit 2015 tritt Salvatore Caputa als sogenannter Seher mit angeblichen Marienerscheinungen in der Erzdiözese München und Freising auf, zunächst in Walpertskirchen, seit Frühjahr 2017 in Unterflossing.
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Diese Vorgänge wurden seitens des Erzbistums geprüft unter Zuhilfenahme eines eigens angefertigten Gutachtens des Lehrstuhls für Dogmatik an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
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Dieses beurteilt die sogenannten Erscheinungen „angesichts der Ungereimtheiten, die im Zuge der Ereignisse um Herrn Salvatore Caputa auftauchen“ als „äußerst fragwürdig“. Das Gutachten hält es angesichts der „Theatralik“ der Inszenierungen, der Selbstdarstellung des vorgeblichen Sehers und des Inhalts der angeblichen Botschaften für naheliegend, dass der Beweggrund für die Auftritte lediglich darin liege, dass Caputa „die öffentliche Anerkennung sucht“, nicht aber in tatsächlicher Offenbarung.
Damit kommt das Gutachten zum gleichen Schluss wie auch die italienischen Diözesen Mantova und Bozen-Brixen, in denen Caputa zuvor aktiv gewesen war. 
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Quelle: https://www.erzbistum-muenchen.de/news/bistum/Kirche-distanziert-sich-von-angeblichen-Marienerscheinungen-32226.news
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HINWEISE:
Unsere Autorin Felizitas Küble hat in der Zeitschrift THEOLOGISCHES vor fünf Jahren bereits vor Caputas irrgeistigen Phänomenen gewarnt  – hier ist dieser Artikel online: 
https://charismatismus.wordpress.com/2013/04/24/seher-caputa-aus-sizilien-erwartet-am-samstag-auf-dem-schlosberg-von-st-leonhard-in-karnten-wieder-eine-marienerscheinung/
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Zum Umfeld Caputas gehört auch der selbsternannte Visionär Julius Möhler: https://charismatismus.wordpress.com/2018/02/27/s-caputa-julius-moehler-co-erhalten-in-walpertskirchen-den-kuss-der-madonna/

Die erste „Marienerscheinung“ des Sehers Mario D´Ignazio am 5.8.2009 in Brindisi

Von Felizitas Küble

Seit einigen Jahren zieht ein angeblich begnadeter Visionär und „Stigmatisierter“ aus dem süditalienischen Brindisi auch in Deutschland von Stadt zu Stadt und hält Gebetstage ab, in denen er sogar „Live-Erscheinungen“ der Madonna präsentiert.

Wir haben uns bereits vor über zwei Jahren im CHRISTLICHEN FORUM skeptisch dazu geäußert.

Nachdem wir kürzlich erfuhren, daß der zuständige Erzbischof und die vatikanische Glaubenskongregation die „Privatoffenbarungen“ dieses Sehers Mario D´Ignazio (siehe Foto) entschieden ablehnen und er aus der kirchlichen Sakramentengemeinschaft per Interdikt ausgeschlossen wurde, haben wir die entsprechenden Dokumente veröffentlicht (bitte herunterscrollen): https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/mario-aus-brindisi-italien/

Nun wird bekanntlich jedes Hemd mit dem ersten Knopf zugemacht – und wenn schon zu Beginn etwas schief läuft, muß man sich über die weitere Fehlentwicklung nicht wundern.

So ging es auch bei diesem Visionär vonstatten, dessen erste „Marienerscheinung“ vom 5. August 2009 bereits eine Menge kritischer Fragen aufwirft.

Diese „übernatürliche“ Ersterfahrung des jungen Mannes, der –  dem Vernehmen nach –  einst Geistlicher werden wollte, wird auf der Werbe-Seite der Brindisi-Bewegten ausführlich geschildert: https://brindisi-marienerscheinungen.jimdo.com/

Jene erste Marienerscheinung beginnt nach einem Bericht Marios folgendermaßen:

„Während ich beim Haus Unkraut jätete, sah ich drei Lichtkugeln, die um einen Ölbaum in der Nähe wirbelten. Ich war von diesem Phänomen angezogen und ging näher hin. Ich sah, dass die drei Kugeln sich in einer einzigen leuchtenden Kugel vereinigten. Kurz darauf zerplatzte sie und erleuchtete dabei den Ölbaum, und in dem unermesslich hellen Licht erschien eine sehr schöne Frau, die nicht auf dem Boden, sondern auf einer Wolke stand.“

Das Phänomen der Lichtkugeln ist nicht gerade neu; es gab diese ähnlich bereits in Heroldsbach (kirchlich abgelehnt) oder auch in La Salette (nur der 1. Teil davon ist anerkannt).  

Sodann fordert ihn die angebliche Madonna auf:

„Tu Buße und bete für die Bekehrung der Sünder, um die schweren Gotteslästerungen vieler Menschen zu sühnen und bete für den Frieden in der sehr bedrohten Welt…Mein Kind, in Zukunft wirst du mein Sprachrohr und mein Vertrauter sein.“

Es ist zwar richtig, daß wir für die „Bekehrung der Sünder“ beten sollen (hierbei aber nicht vergessend, daß wir selber  – die Frommen im Lande – ebenfalls Sünder sind!)  –  doch die eigentliche Sühne für die Sünden hat unser göttliche Erlöser selbst durch sein Leben, Leiden und Sterben auf sich genommen. Wir können uns als Geschöpfe lediglich in einer „un-eigentlichen“, also indirekten Weise an einer „Entsühnung“ beteiligen. 

Problematisch erscheint zudem die anschmiegsame Vertraulichkeit dieses Marienphänomens, die den erwachsenen Seher als „Mein Kind“ anspricht und ihn als „mein Sprachrohr“ und „mein Vertrauter“ (!) würdigt. Ob dies zur Bescheidenheit und Besonnenheit eines „Begnadeten“ beiträgt, darf bezweifelt werden. 

Dann kommt das in solchen Fällen oftmals übliche Lamento über die böse Verfolgung, die dem Auserwählten des Himmels zuteil werde, wobei die Kritiker natürlich von vornherein des Teufels sind:

„Die Gefolgsleute der Schlange werden sich gegen dich richten und sie werden dich verfolgen, aber sie werden damit keinen Erfolg haben, weil mein Sohn und ich dich immer in unseren Herzen behüten werden.“

Typisch ist auch das anpreisende Reden von einer „neuen Menschheit“, ja sogar von einer „großen geistlichen Renaissance auf der Erde“, die zu erwarten sei. Biblisch betrachtet ist das wohlklingender Unfug, denn die Heilige Schrift spricht von wachsendem Glaubensabfall und Verwirrung – und nirgendwo von einer künftigen großen christlichen Erneuerung auf dem Erdenrund.

Ebenfalls bezeichnend ist die Geheimniskrämerei, die der „Himmel“ mit seinen erwählten Sühneseelen betreibt: „Mein Kind, was ich dir jetzt sage, soll ein Geheimnis bleiben, das du nie jemanden enthüllen darfst.“

Während in anderen Fällen (z.B. La Salette, Fatima, Medjugorje) das Rätselraten wenigstens irgendwann ein Ende nahm oder dies zumindest in Aussicht gestellt wird (Medju), darf Seher Mario sein Geheimnis „nie“ enthüllen – und zwar niemandem. Als ob wahre Gottesmutter einen solchen Kinderzauber vornehmen würde!

Sodann proklamiert das Erscheinungsphantom einen heiligen Ölbaum im sogenannten „gesegneten Garten Mariens“, einem parkähnlichen Gelände des Visionärs:

„Ich trage dir auf, an diesem heiligen Ort die Gläubigen aufzunehmen, die in besonderer Weise an jedem Freitag kommen werden, dem Tag, an dem ich möchte, dass man den Rosenkranz zu Füßen dieses Ölbaumes betet, den ich heute für geheiligt erkläre…Dieser Ort, ein gesegneter Garten meines göttlichen Sohnes Jesus, wird meine Bleibe auf Erden sein, und die Menschen, die hierher kommen, werden Gnade und Trost erfahren.“

Der geheiligte Ölbaum im gesegneten Garten des Herrn Mario war dann auch die künftige Stätte weiterer Erscheinungen – aber nicht nur das: „Maria“ erklärt gar, hier werde ihre „Bleibe auf Erden“ sein, als ob sie sich dauerhaft auf Marios Gelände niederlassen wolle.

Damit nicht genug, erklärt die vermeintliche Himmelsmutter sogar:Diese Erscheinung wird die Erscheinung der Erscheinungen sein.“

Das läßt sich gewiß nicht mehr steigern – und man braucht sich nicht wundern, daß der Abschied der visionären Dame von ihrem gesegneten Mario sich auch in direkten Zärtlichkeiten ausdrückt:

„Bevor sie mit ihrem ganzen unendlichen Licht verschwand, umarmte sie mich zärtlich und ich empfand großen Frieden und heitere Gelassenheit.“

 


Der Erzbischof von Brindisi begründet seine Maßnahmen gegen Visionär Mario D´Ignazio

Vatikan unterstützt Erzbischof Caliandro

Am 15. März 2015 veröffentlichte Domenico CALIANDRO, der Erzbischof des Bistums Brindisi-Ostuni in Süd-Italien, ein Dokument, das aus zwei Teilen besteht:

Zunächst aus einem DEKRET das die kirchlichen Maßnahmen gegen den „Seher“ Mario D´Ignazio (siehe Foto) und seine Mitarbeiter aufzählt, darunter das Interdikt (Ausschluß vom Sakramentenempfang). Außerdem werden die Gläubigen davor gewarnt, diesen Visionär aus Brindisi moralisch oder finanziell zu unterstützen.

Der katholische Oberhirte beruft sich darauf, daß die Vatikanische Glaubenskongregation (damals geleitet von Kardinal Gerhard Müller) ihn zu diesen Schritten bevollmächtigt hat.

Sowohl das römische Dikasterium wie auch der Erzbischof erklären, daß die „mystischen Erfahrungen“ Marios nicht authentisch (echt) sind und daher zur Verwirrung im Kirchenvolk führen, weshalb Strafen verhängt werden.

Der zweite Teil des Dokumentes ist eine ERLÄUTERUNG; sie begründet ausführlich die bischöflichen Maßnahmen.

Hier geht es zunächst zum Original-DEKRET des Erzbischofs (auf italienisch): http://www.diocesibrindisiostuni.it/dichiarate-non-autentiche-le-esperienze-mistiche-del-sig-mario-dignazio/

Siehe hierzu die Übersetzung in unserem CF: https://charismatismus.wordpress.com/2017/11/09/dekret-des-erzbischofs-von-brindisi-verhaengt-kirchliche-massnahmen-gegen-seher-mario/

Da eine amtliche Übersetzung der Texte ins Deutsche nicht vorliegt, haben wir in unserem Freundeskreis eine qualifizierte Übersetzung der erzbischöflichen Erläuterungen erhalten.

Ergänzend zu dem bereits veröffentlichen Dekret erfolgt hier die Übersetzung der bischöflichen Begründung:

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ERLÄUTERUNG der Maßnahmen gegen Herrn Mario D’Ignazio und  jene seiner Tätigkeiten, die im Bezug zu seinen pseudomystischen Erfahrungen stehen.

VORBEMERKUNG:

Am 15. März 2015 hat der Erzbischof von Brindisi-Ostuni, Monsignore Domenico Caliandro, ein Dekret erlassen, mit dem sich die katholische Kirche im Rahmen ihres Verantwortungsbereiches entschieden hat, alle Initiativen und Tätigkeiten mit Bezug zu den pseudomystischen Erfahrungen zu beenden.

Diese Maßnahme ist die Schlussfolgerung eines langen Weges, der 2010 begann mit der Sammlung von Informationen durch den damaligen Erzbischof Rocco Talucci, die der Glaubenskongregation übermittelt wurden. Das ist das Organ des Heiligen Stuhls, das für diese Angelegenheiten zuständig ist.

Im Laufe der letzten drei Jahre seiner bischöflichen Aufgabe hat Monsignore Rocco Talucci dreimal öffentlich Stellung genommen zu den Ereignissen im Viertel Santa Teresa in Brindisi , und zwar am 3. Mai 2010, 18. März 2011, 17. Januar 2012.

Von diesen Stellungnahmen sind die letzten zwei ausgestellt auf der Grundlage der erteilten Hinweise der römischen Kongregation, haben den juristischen Wert von tatsächlichen Dekreten, insoweit sie klare Hinweise und detaillierte Maßnahmen enthalten, denen alle Beteiligten gewissenhaft folgen mussten.

Seit der Entscheidung Mons. Rocco Taluccis wurden diese systematisch und ständig missachtet. Eine schlaue Propaganda in den Medien machte das Phänomen  des Mario D’Ignazio  immer bekannter.

Der Nachfolger des Bischofs Mons. Talucci, Monsignore Domenico Caliandro, war besorgt über die Zunahme dieser eklatanten Phänomene, die nicht im Einklang mit den Prinzipien einer authentischen christlichen Spiritualität des Evangeliums stehen, wie sie die heiligen Männer und Frauen vorgelebt haben; er war besorgt über das Leben der Gläubigen, die in immer zahlreicheren Gruppen aus anderen italienischen Diözesen und auch aus dem Ausland dahin kamen; er sah sich im Einklang mit den Pflichten seines bischöflichen Mandats veranlasst, eine zusätzliche und genauere kirchenrechtliche Untersuchung durchzuführen. 

Am Ende der diözesanen Ermittlung, durchgeführt nach den gegenwärtigen Verfahrensvorschriften, wurde das Ergebnis der Glaubenskongregation zugestellt.

Bischof Mons. Domenico Caliandro hat vom Heiligen Stuhl die Anweisung bekommen, wie gegen die pseudomystische Erfahrung des Herrn D’Ignazio vorzugehen sei.

Das Dekret des Erzbischofs vom 15. März 2015 hält die entsprechende juristische Form ein und diese Hinweise sind von nun an verbindlich. Von jetzt an stellt sich Herr D’Ignazio, wenn er weitermacht, mit denjenigen, die ihn weiter begleiten, außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft.

FRAGEN und ANTWORTEN:

Dies vorausgesetzt, möchten wir mit dieser Erklärung eine Antwort auf präzise Fragen geben, die das Dekret betreffen. Für ein besseres Verständnis und seine Annahme zum Wohl der Kirche im allgemeinen und der einzelnen Gläubigen im konkreten.

Zunächst erklärt das Dekret, dass die mystischen Erfahrungen des Herrn Mario  D’Ignazio nicht authentisch sind. Was heißt das?

Einerseits heißt das, dass diese Erfahrungen falsch sind. Andererseits heißt das, dass die kirchliche Autorität sich mit diesem Dekret nicht zu den Gründen äußern will, die Herrn Mario D’Ignazio zu seinen mystischen Erfahrungen gebracht haben, um damit zu vermeiden, dass der Pseudo-Seher und seine Mitarbeiter die moralische Verantwortung vor Gott für das, was in den vergangenen Jahren bis zur Gegenwart passiert ist, tragen.

Heißt das, dass es der Kirche egal ist, was in all diesen Jahren geschehen ist?
Ist es vielleicht gleichgültig, wenn Menschen schuldig oder unschuldig werden durch Taten, die in sich sehr schwerwiegend sind?

Keineswegs. Wenn Erfahrungen wie die, die sich Herr Mario D’Ignazio zuschreibt (Ekstasen, Erscheinungen, Lokutionen, übernatürliche Mitteilungen …) und Phänomene wie die, die in und um ihn im Laufe dieser Jahre stattgefunden haben (Stigmatisierungen, Bluttränen, Schwitzen von Ölen, Erscheinungen von Hostien…), nicht von Gott kommen, dann kann die einzige Ursache der Betrug des Menschen und/oder der Betrug des Teufels sein.

Es ist offensichtlich, dass es der Kirche sehr wichtig ist, zu wissen, was die Ursache der Geschehnisse all dieser Jahre ist. Es kann ihr auch wegen der möglichen moralischen Verantwortung für ihre Kinder nicht gleichgültig sein.

Aber die Kirche ist Mutter und hat im Vergleich zu anderen menschlichen Institutionen auch ein Forum Internum, in dem sie handeln und untersuchen, richten und heilen kann. Und wenn sie nicht durch irgendwelche Umstände gezwungen ist, zieht die Kirche es vor, die „Probleme“ ihrer Kinder in einer Weise zu lösen, in der die Barmherzigkeit und die Wahrheit sich besser treffen und Gerechtigkeit und Frieden sich leichter umarmen können.

Deshalb zieht es die Autorität der Kirche vor, indem sie für die Falschheit der mystischen Erfahrungen des Herrn Mario D’Ignazio bürgt, eine Urteilsbildung über die Beweggründe, die vorhin erwähnt wurden, und die Verantwortung des Pseudo-Sehers sowie seiner Mitarbeiter „zu vernachlässigen“, damit es Mario  D’Ignazio  erleichtert wird, das Forum Internum in Anspruch zu nehmen, das dazu dient, die eigenen Fehler zu bessern und einen Weg des wahren Glaubens und der Liebe zu gehen.

Zusammen mit dem Urteil über die fehlende Echtheit der mystischen Erfahrungen nennt das Dekret fünf Punkte, welche die Autorität der Kirche als notwendig betrachtet, um die Gläubigen zurück zur normalen christlichen Lebenspraxis zu führen. Was ist der allgemeine Sinn all dieser Anordnungen?

Zunächst ist es nicht banal zu sagen, dass es sich um Anordnungen handelt, die für alle katholischen Gläubigen getroffen werden, und alle diejenigen, die im Fall des Herrn Mario D’Ignazio mit seinen pseudomystischen Erfahrungen im Zusammenhang stehen und daran beteiligt sind, seien sie Priester, Ordensleute oder einfache Laien. Wer sind die Gläubigen? Es spielt keine Rolle, ob es Priester, Ordensleute oder Laien sind.

Alle diese Personen haben sich durch Beharrlichkeit in ihrer Taufe, in der Ordensprofess oder im geweihten Stand von sich aus unter die mütterliche Autorität der Kirche gestellt. Der Herr Jesus Christus hat der kirchlichen Autorität die Aufgabe erteilt, ihren Schafen und Lämmern den richtigen Weg zu zeigen, der zu Gott führt, sie auf diesem Weg zu begleiten, aufzupassen, damit sie sich nicht aufhalten oder sich verlaufen, und sie schließlich zu suchen, wenn sie sich verirrt haben.

Denn es ist nicht überflüssig, zu unterstreichen, dass das in dem Dekret genannte Wort „normale Praxis“ des christlichen Lebens nicht im Widerspruch zu der „außerordentlichen Praxis“ steht, als ob es verboten wäre, außerordentliche Gnaden von Gott zu bekommen und sie zu benutzen, um ihm zu dienen und ihn zu lieben; vielmehr ist eine nicht authentische Praxis verboten, wenn sie vom bösen Willen des Menschen oder durch die Schläue des Teufels verfälscht wurde.

Zwischen den verschiedenen Anordnungen, die das Dekret erteilt, ist eine, die offenbar wenig verstanden wird, die man Interdikt nennt. Anscheinend verwechseln viele diese mit einem Verbot. Um was handelt es sich?

Es stimmt, dass gerade diese Anordnung am wenigsten verstanden wird. Aber in Wirklichkeit ist sie wichtigste von allen.

Die Rede über sie findet sich in Punkt 1 und Punkt 4 des Dekrets. Wenn Herr Mario D’Ignazio weiter Werbung betreibt mit seinen pseudomystischen Erfahrungen  –  unabhängig davon: mit welchen Mitteln  – wird er mit der Strafe des Interdikts belegt. Dies ist eine besonders schwerwiegende Strafe in der Strafordnung der katholischen Kirche.

Gleichzeitig werden alle Gläubigen, die die Werke von Herrn Mario D’Ignazio unterstützen, mit derselben kanonischen Strafe bedacht, vor allem seine engsten Mitarbeiter.

Zu diesem Punkt müsste eine besondere Aufmerksamkeit auf jene Priester und Ordensleute gelegt werden, die weiterhin Pilgerfahrten organisieren oder sich in C. da Santa Teresa zusammen mit dem Pseudo-Seher fotografieren lassen. Wenn sie sich so benehmen, wären sie die Ersten, gegen die diese Sanktionen verhängt werden, und das aus offensichtlichen Gründen.

Übrigens muss man wissen, dass das Dekret genau sagt, dass das Interdikt latae sententiae wirken wird. Das bedeutet, dass diese Sanktionen sofort  in dem Augenblick eintreten, sobald Herr D’Ignazio und seine Mitarbeiter bewusst und willentlich den Anordnungen des Dekretes, in denen die Strafe des Interdikts genannt wird, zuwider handeln, ohne dass seitens der Kirche eine weitere Strafmaßnahme getroffen werden müsste.

Warum ist die kanonische Strafe des Interdikts eine besonders schwerwiegende Sanktion?

Das Interdikt hat die gleiche Wirkung wie eine Exkommunikation auf der wichtigsten Ebene des christlichen Lebens, d.h. auf der liturgischen Ebene, dem Kultus. Dadurch wird die Teilnahme an der Feier der Sakramente und/oder Sakramentalien sowie der Empfang der Sakramente verboten. Denn die Liturgie ist Quelle und Gipfel des christlichen Lebens und die Sakramente sind die normalen Mittel, durch die wir erreicht und von Jesus „berührt“, von ihm gerettet werden und durch ihn im Leben der Gnade innerhalb seiner Kirche, die sein Leib ist, wachsen.

Ist die kanonische Strafe des Interdikts also eine bloße Strafe der Kirche?

Nein, denn die Kirche erlegt diese Strafe als eine Medizin auf. In der juristischen Ordnung der Kirche ist das Interdikt sowie die Exkommunikation und Suspendierung eine medizinische Strafe. Als kanonische Strafe zielt das Interdikt darauf ab, die schwerwiegende Situation, in welcher sich der Betroffene befindet, für ihn verständlich zu machen und ihm so zu helfen, den Weg der Bekehrung und der Heiligkeit wiederzufinden.

Aber was für einen Sinn hat es, im Fall des Mario D’Ignazio eine so schwerwiegende kanonische Sanktion zu verhängen? Hat man nicht gesagt, dass die Autorität der Kirche mit diesem Dekret über die Ursachen der Erfahrunge von Mario D’Ignazio hinweggehen und so die moralische Verantwortung des Pseudo-Sehers und seiner Mitarbeiter vor Gott mindern wollte?

Ja, das gilt für die vergangenen Jahre bis zur Veröffentlichung des Dekretes, aber nicht für die Gegenwart und Zukunft, weil man die volle Sicherheit hat, dass die mystischen Erfahrungen des Herrn Mario D’Ignazio nicht authentisch, d.h. falsche, pseudo-mystische Erfahrungen sind. Deswegen ist der Schaden, den er sich selbst wie auch dem Glauben und dem christlichen Leben derjenigen, die das annehmen, zufügt, schwerwiegend.

Wieso würden die pseudo-mystischen Erfahrungen dem Glauben und dem Leben von christlichen Personen Schaden zufügen?

Weil sie einen Aberglauben der falschen Verehrung fördern. Für die katholische Moraltheologie beinhaltet der Aberglauben eines falschen Kultus u. a. eine unerlaubte Einführung falscher Reliquien zur Verehrung, das Predigen und Veröffentlichen von  falschen Wundern und ein Vorgeben von falschen Offenbarungen und ähnlichen Dingen.

Diese Art von Aberglauben ist eine tödliche Sünde ex  genere suo (eigener Art), weil Gott, die erste Wahrheit, schwerwiegend beleidigt und verachtet wird und dadurch eine Praxis des religiösen Lebens auf der Falschheit begründet wird.

Abgesehen von dieser allgemeinen Betrachtung kommt hinzu, dass es  unter den verschiedenen Phänomenen, die um Herrn Mario D’Ignazio stattfinden, eines gibt, das besonders beunruhigend ist wegen der ständigen Wiederholung und der großen Publizität, die ihm durch den Pseudo-Seher und seine Entourage gegeben wird, insbesondere durch Fotografien  und Kommentare, die im Internet verbreitet werden.

Dieses Phänomen ist das Sich-Materialisieren der Eucharistie. Wegen der Art, mit der man aussagt, dass das stattfindet, widerspricht dies fundamental der Logik des katholischen Glaubens; das fügt den Gläubigen, die daran glauben, großen Schaden zu, sei es, weil dies zur Anbetung von etwas führt, das keine Eucharistie ist (Sünde der Idolatrie), sei es, weil hierdurch der Glaube an die bestehende wesentliche Beziehung zwischen dem amtlichen Priestertum und der realen Gegenwart Christi im heiligsten Sakrament erschüttert wird.

SCHLUSSFOLGERUNG

Nach der Beantwortung mancher legitimer Fragen können wir schließen, dass die Kirche alles, was in ihrer Macht stand und steht, getan hat, sei es unter dem Gesichtspunkt der Bewertung dieses Falles, sei es in der Wahl der Maßnahmen.

Herr Mario D’Ignazio ist verwarnt worden und mit ihm alle, die ihm geglaubt haben, darunter sicher viele Gutgläubige. Wer Ohren hat zu hören, kann jetzt verstehen.

In diesen Zusammenhängen könnte es allen nützlich sein, wieder den Brief des großen Bischofs und Märtyrers, des hl. Ignatius, Nachfolger des hl. Petrus in Antiochien, zur Hand zu nehmen:

Es lohnt sich, voranzuschreiten entsprechend der Meinung des Bischofs, so wie es bereits geschieht(Brief an die Epheser). Es ist notwendig, nichts ohne  den Bischof zu tun – wie ihr es ja schon einhaltet – und euch auch dem Priester (Presbyter) zu unterwerfen, wie bereits die Apostel sich Christus, unserer Hoffnung, unterworfen haben, und in ihm lebend, werden wir uns wieder treffen“. (Brief an die Christen in Tralle); „Bleibt mit dem Bischof, damit auch Gott mit euch sei“ (Brief an Polykarp).

Zur Beruhigung derjenigen, die mit Einfachheit und ehrlichen Absichten gehandelt haben, rufen wir in Erinnerung, dass an der Bewertung und Entscheidung über den Fall des Mario D’Ignazio nicht nur der Erzbischof von Brindisi-Ostuni  –  zunächst in der Person des Bischofs Rocco Talucci und danach in der Person des Domenico Caliandro  – beteiligt waren, sondern (und jetzt wollen wir das mitteilen) der Papst selbst durch das Organ, das ihn vertritt, das heißt die Glaubenskongregation.

Ein wahrer, treuer Katholik, der in seinem Gewissen nicht mit dem Handeln seines Bischofs einverstanden wäre und sich von diesem als schwer geschädigt betrachten würde, sollte zwar den Respekt gegenüber dem Bischof wahren, es wäre jedoch selbstverständlich, dass er sich an den Papst wenden könnte.

Im Falle des Herrn Mario D’Ignazio, der nie den Eindruck erweckte, dass er sich an den Papst wenden wolle, hat stattdessen der Bischof von Brindisi-Ostuni den Heiligen Stuhl angerufen, der ihm geantwortet hat. Wer sich gegen das Dekret des Bischofs vom 15. März 2015 stellt, muss sich daher bewusst sein, dass er sich gegen Papst Franziskus stellt, mit dem der Bischof von Brindisi -Ostuni in voller Einheit steht.

Aus dem Brief des Hl. Ignatius von Antiochien an die Christen von Philadelphia:  

„Als Kinder des Lichtes der Wahrheit fliehet die Spaltung und die schlimmen Lehren; wo immer der Hirte ist, dorthin folget wie die Schafe … Hütet euch vor den schlimmen Pflanzen, die Jesus Christus nicht anbaut, weil sie keine Pflanzung des Vaters sind …  Denn alle, die Gott und Jesus Christus angehören, stehen auf Seiten des Bischofs; und alle, die Buße tun und zur Einheit der Kirche kommen, auch diese werden Gott angehören, damit sie das Leben haben gemäß Jesus Christus.

Lasset euch nicht irreführen, meine Brüder; wer einem Abtrünnigen folgt, wird das Reich Gottes nicht erben; wer in einer falschen Lehre dahinwandelt, der hat keinen Anteil am Leiden Christi.  Bemüht euch, nur eine Eucharistie zu feiern; denn es ist nur ein Fleisch unseres Herrn Jesu Christi, und nur ein Kelch zur Einigung mit seinem Blute, nur ein Altar, wie nur ein Bischof ist in Verbindung mit dem Presbyterium und Diakonen, meinen Mitknechten, auf daß, was immer ihr tut,  geschehe gemäß dem Willen Gottes … Ich rief in ihrer Mitte, ich sprach mit lauter Stimme, mit Gottes Stimme: Haltet euch an den Bischof, das Presbyterium und die Diakone!“

Brindisi, den 15.3.2015


Dekret des Erzbischofs von Brindisi verhängt kirchliche Maßnahmen gegen „Seher“ Mario

Glaubenskongregation steht hinter Erzbischof Caliandro

Am 15. März 2015 veröffentlichte Domenico CALIANDRO, Erzbischof des Bistums Brindisi-Ostuni in Süd-Italien, ein Dokument, das aus zwei Teilen besteht:

Zunächst aus einem Dekret, das die kirchenamtlichen Maßnahmen gegen den selbsternannten Visionär Mario D´ Ignazio (siehe Foto) und seine Mitarbeiter aufzählt, darunter das Interdikt (Ausschluß vom Sakramentenempfang). Außerdem werden die Gläubigen davor gewarnt, diesen „Seher“ moralisch oder finanziell zu unterstützen.

Der Oberhirte beruft sich bei seinen Verfügungen darauf, daß die vatikanische Glaubenskongregation (damals geleitet von Kardinal Gerhard Müller) ihn dazu bevollmächtigt hat. Sowohl das römische Dikasterium wie auch der Erzbischof erklären, daß die „mystischen Erfahrungen“ Marios nicht authentisch (echt) sind und daher zur Verwirrung unter den Gläubigen führen, weshalb die kirchlichen Strafen verfügt werden.

Solch deutliche Beschlüsse gegen die Verbreitung von Privatoffenbarungen sind in den letzten Jahrzehnten in der Kirche selten vorgekommen. Zwar wurde zahlreichen „Erscheinungen“ die Zustimmung verweigert bzw. Distanzierungen veröffentlicht, die jedoch nicht mit Strafmaßnahmen gegen vermeintlich „begnadete“ Personen verknüpft worden sind.

Der zweite Teil des bischöflichen Dokumentes begründet in seitenlanger, gründlicher Ausführlichkeit, warum das Strafdekret gegen den Seher und sein Team verfügt worden ist. (Eine Übersetzung dieser erzbischöflichen Erläuterungen folgt noch in unserem CHRISTLICHEN FORUM.) Wir haben in den letzten zwei Jahren bereits vier kritische Artikel über die irrgeistigen „Botschaften“ dieser angeblichen Marien- und Christus-Visionen veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/mario-aus-brindisi-italien/

Hier geht es zunächst zum Original-Dekret des Erzbischofs (auf italienisch): http://www.diocesibrindisiostuni.it/dichiarate-non-autentiche-le-esperienze-mistiche-del-sig-mario-dignazio/

Da eine amtliche Übersetzung ins Deutsche leider nicht vorliegt, haben wir uns selber in unserem Freundeskreis um eine qualifizierte Übersetzung bemüht, die wir nachfolgend veröffentlichen:


DOMENICO  CALIANDRO  –  Erzbischof von BRINDISI-OSTUNI

Seit 2009 bis heute befasst sich die Erzdiözese von Brindisi-Ostuni  mit  einigen mystischen Phänomenen, die mit der Angelegenheit der mutmaßlichen Erscheinungen der seligen Jungfrau Maria dem Herrn Mario D’IGNAZIO, besser bekannt als „il piccolo della Quercia (der Kleine von der Eiche), zu tun haben.

2010 hat die Resonanz in den Medien über das Phänomen und die verständliche Verwirrung einiger Gläubigen meinen Vorgänger, Mons. Rocco Talucci, dazu veranlasst, genaue Informationen über die erwähnten Marienerscheinungen einzuholen.

Das Ergebnis dieser ersten Untersuchung wurde in der Folgezeit der Glaubenskongeration übergeben, um diesen Fall zu bewerten. Kürzlich hat dieses Dikasterium mit dem Brief vom 12. Februar 2015 (Protokollnummer 122/2011-48990) seine eigene Meinung zum Ausdruck gebracht und es hat dem unterschreibenden Ordinarius uneingeschränkte Vollmacht erteilt, die notwendigen Maßnahmen zu treffen.

Deshalb nehme ich die mir gewährte Vollmacht der Glaubenskongregation in Anspruch und erkläre kraft meiner allgemeinen Befugnis aufgrund der vorangegangenen notwendigen Beratungen
HIERMIT,
DASS DIE MYSTISCHEN ERFAHRUNGEN NICHT AUTHENTISCH SIND.

Da ich eine ehrliche Rückkehr der Gläubigen zur normalen Praxis des christlichen Lebens fördern möchte, ordne ich gleichzeitig Folgendes an:

  1. Kraft des Kanons 1319 § 1 CIC ist es Herrn Mario D’IGNAZIO verboten, Inhalte, welche die mutmaßlichen Erscheinungen betreffen, sowie „Botschaften und Geheimnisse zu verbreiten, egal mit welchen Mitteln. Die Folge einer Missachtung ist das Interdikt latae sententiae und der darauf folgende Ausschluss von den Sakramenten (cann. 1331 §1 n.2, 1332 CIC).
  2. Für Herrn Mario D’IGNAZIO und seine engen Mitarbeiter ist mit dem Interdikt der Ausschluss von jeglichen Aufgaben in der Erzdiözese Brindisi-Osturi entschieden.
  3. Alle kultischen Akte, die direkt oder indirekt auf die Erscheinungen zurückzuführen sind, sind als untersagt zu betrachten  –  und gleichzeitig ist jede Art von kirchlicher Unterstützung verboten.
  4. Allen Gläubigen ist das Leisten jeglicher materieller und moralischer Unterstützung der Tätigkeiten, die zu dem Seher einen Bezug haben, verboten. Der Verstoß führt zum Interdikt latae sententiae, s. Punkt 1.
  5. Die Überwachung dieses Beschlusses wird den hochwürdigen Pfarrern der Erzdiözese anvertraut; wir behalten uns im Bedarfsfall unser Eingreifen vor.

Alle vorstehend aufgeführten Entscheidungen, die von unserer Sorge für den richtigen Glauben und die Vollständigkeit des Glaubens herrühren (cann. 386 §2, 823 CIC), treten ab dem heutigen Datum in Kraft, auch wenn anderweitige gegenteilige Entscheidungen vorliegen.

Gegeben beim Ordinariat der Erzdiözese Brindisi, den 15. März  2015
+ Domenico CALIANDRO,
Arcivescovo di Brindisi-Ostuni
Sac. Claudio CENACCHI, Cancilliere, Cancelliere arcivescovile


„Seher“ Mario aus Brindisi verbreitet Endzeitpanik und irrgeistige Prognosen

Von Felizitas Küble

Als der aus Süditalien stammende Visionär Mario D´ Ignazio am 28. Oktober 2017 in Münster auftrat, war der Saal nicht nur gerappelt voll, sondern auch die Stimmung vieler Gläubigen und vielleicht auch einiger Schaulustiger gespannt wie ein Flitzebogen.

Immerhin will der angeblich „stigmatisierte“ Mario aus Brindisi an Ort und Stelle eine Live-Marienerscheinung von etwa fünf Minuten erlebt  haben  –  demnach also die erste „himmlische“ Erscheinung, die es jemals in der westfälischen Metropole gegeben hat.

Die Anwesenden waren fast alle verzückt und fielen ergriffen auf die Knie. Der Seher erklärte ihnen danach, Maria habe sie alle angeschaut und gesegnet; sie sei nun „heute in euer Leben eingetreten“. Bereits seit 2009 erhält er –  eigenen Angaben zufolge –  himmlische Kundgaben und Botschaften.

Das Wirken und „Verkündigen“ des selbsternannten Sehers wird zwar von seinem zuständigen Bischof sowie von der vatikanischen Glaubenskongregation strikt abgelehnt; über ihn und seine Mitarbeiter wurde sogar das Interdikt (Verbot des Sakramentenempfangs) verhängt. Aber das ficht den jungen Visionär in Turnschuhen nicht an, schließlich wähnt er sich im Recht bzw. glaubt sich von höherer Warte auserwählt – und erleuchtet sowieso.

Da er seine Informationen direkt von der Madonna erhält, wie er seit Jahren landauf und landab behauptet, weiß er genial über alles Bescheid – und erst recht kennt er sich aus mit den Sorgen und Bedrückungen, die konservativen Gläubigen heutzutage auf den Nägeln brennen – und das zu Recht.

FOTO: Ein Geistlicher (siehe vorne links) segnet Gläubige mit dem „heiligen Öl“ – oben rechts Mario und in der Mitte sein Übersetzer

Manche wenden sich dann in ihrer Ratlosigkeit und Leichtgläubigkeit an solche „begnadeten Opferseelen“  –  und das erst recht, wenn diese Personen auch noch reihenweise „Zeichen und Wunder“ vorweisen können wie hier: von Bluttränen-Madonnen über „heiliges Öl“ aus dem „gesegneten Mariengarten“ zu Brindisi bis hin zu Stigmata (blutige Wundmale) – ein Phänomen, das es übrigens auch in anderen Konfessionen und Religionen gibt.

Hinsichtlich des „heiligen Öls“ erklärte Mario, die Madonna habe ihm versichert, es sei dies ein Öl, das vom „Tempel Gottes herabkommt“, um die Gläubigen im „spirituellen Kampf“ mit dem Widersacher zu stärken und den satanischen Einfluß zunichte zu machen. Es wirke insbesondere gegen Verwünschungen und Verfluchungen.

FOTO: Das „heilige Öl“, das den Versammelten per Kreuzzeichen auf die Stirn geträufelt wurde, hat angeblich auf wundersame Weise die Marienstatue des Visionärs abgesondert; es hilft speziell gegen die „Angriffe des Bösen“ und dient laut Mario der „inneren und körperlichen Heilung“

Der Seher erwähnte ständig die kirchlich approbierten (gebilligten, genehmigten) Erscheinungen von Fatima und Lourdes, um sich damit gleichsam zu legitimieren. So wie es das „heilige Wasser von Lourdes“ gäbe, erläuterte er, so habe ihm der Himmel das „Heilige Öl“ anvertraut. (Die Kirche bezeichnet das Wasser aus der Quelle in Lourdes allerdings nicht als „heiliges“ Wasser: es ist ja kein gesegnetes Weihwasser, also kein kirchliches Sakramentale.)

Man muß dem Visonär bei aller Kritik freilich zugutehalten, daß er bei seiner Mirakel-Veranstaltung immerhin eine halbe Stunde Fragestunde zugelassen hat, was in solchen Fällen sonst eher ausbleibt.

Über meinen grundsätzlichen theologischen Einwand an ihn habe ich bereits im CHRISTLICHEN FORUM berichtet (siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2017/10/28/muenster-seher-mario-dignazio-aus-brindisi-praesentierte-eine-live-erscheinung/)

Weitere Fragen befaßten sich vorwiegend mit Endzeitthemen. Einige Gäste wollten gerne wissen, womit sie bis zur Wiederkunft Christi zu rechnen haben.

Ein von oben erleuchteter „Botschafter des Himmels“ kennt sich hier besser aus als in seiner Hosentasche. Er ließ seiner Anhängerschar Folgendes ausrichten:

Wir leben in verwirrten, angstvollen, sittenlosen und gottlosen Zeiten. Der Islam wird erstarken (das wissen wir auch ohne ihn). Der Protestantismus in der katholischen Kirche wird zunehmen (auch diese „Prognose“ bedarf keiner Sehergaben).

Zudem werde es noch zu einer Welteinheitsreligion kommen. Freimaurerei, Satanismus, Spiritismus und eine „falsche Kirche“ breiten sich aus.

Auf die Rückfrage, was er mit der „falschen Kirche“ genau meine, blieb der Seher eher vage und deutete auf freimaurerische Bestrebungen innerhalb der Kirche hin, die das Sakrament der Eucharistie zerstören und gegen den Papst vorgehen wollten. Während die „falsche Kirche“ eine große Gefahr sei, seien „alle Erscheinungen“ ein Teil der „wahren Kirche“ – und sie dienen der „Ankunft des Reiches Gottes auf Erden“.

Sehr deutlich wurde er aber bei anderen Aspekten: Er kündigte eine Zeit mit immerhin drei Gegenpäpsten an und erinnerte daran, daß es dies schon einmal im Mittelalter  gegeben habe. Dies trifft zwar zu, liefert aber noch lange keinen Grund für eine Wiederholung solcher Ereignisse. Immerhin mag es die „religiöse Neugier“ so mancher Erscheinungsgläubiger befriedigen.

Sodann prophezeite er die „drei finsteren Tage“ – nicht gerade eine neue Idee; vielmehr vor allem durch die „Marienerscheinungen“ von Garabandal (kirchlich nicht anerkannt) bereits Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts bekannt  –  und vor einigen Jahren durch die Unfugs-Botschaften „Die Warnung“ wiederbelebt.

Für diese „drei finsteren Tage“ gibt es weder einen biblischen Beleg noch eine kirchliche Lehräußerung  – aber dies vermag die Anhängerschar des Sehers  nicht zu verunsichern. Schließlich verfügt der von ihnen verehrte Mario über einen „direkten Draht nach oben“  –  (abergläubisches) Herz, was willst du mehr!

Typisch allerdings, daß der erleuchtete Visionär das wichtigste, von der Heiligen Schrift mehrfach angekündigte Ereignis, das  v o r  der Wiederkunft Christi unfehlbar eintreffen wird,  n i c h t  erwähnte: Das Auftreten des Antichristen, der sich als Messias präsentieren wird (daher kann man – sowohl inhaltlich wie sprachlich gesehen –  auch von einem Anstatt-Christus sprechen).

Solange der von der Bibel auch als „Mensch der Gesetzlosigkeit“ bezeichnete Antichrist nicht öffentlich präsent ist, befinden wir uns nicht in der eigentlichen Endzeit, sondern allenfalls im Vorfeld derselben.

Es ist äußerst wichtig, daß die Gläubigen hierüber Bescheid wissen, damit sie diesen künftigen Verführer des ganzen Erdkreises (der übrigens auch „Zeichen und Wunder“ wirken wird), nicht für den wiederkommenden HERRN halten.

Schon Paulus hat das damals seinen Gemeinden verdeutlicht, z.B. in 2 Thess 2 ff, wo er eindringlich schreibt:

„Laßt euch von niemandem verwirren und in Schrecken versetzen, weder durch eine Geistesoffenbarung noch durch ein Wort oder einen Brief…, als ob der „Tag des HERRN“ schon bevorstehe. Niemand soll euch in irgendeiner Weise irreführen!

Denn zuerst muß der Abfall kommen und der Mensch der Sünde sich enthüllen, der Sohn des Verderbens…Sein Auftreten erfolgt in der Kraft Satans, mit aller Macht, mit Zeichen und Wundern und mit aller Verführung zur Ungerechtigkeit bei denen, die verloren gehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben.“

Statt nun dem Kirchenvolk diese biblische Wahrheit vor Augen zu führen und sie entsprechend zu unterrichten, fabuliert der Herr Seher von drei finsteren Tagen und drei Gegenpäpsten  – alles entweder überflüssig oder unzutreffend.

Die entscheidende Ansage hingegen ist ausgeblieben – wie so oft bei der Schar der „Erleuchteten“.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Zuckerbrot und Peitsche: Visionär Mario aus Brindisi bietet „heiliges Öl“ gegen Dämonen

Von Felizitas Küble

Die Falschmystik (bestehend aus außersinnlichen und irrgeistigen Vorgängen) gibt sich immer wieder durch bestimmte Merkmale zu erkennen, entlarvt sich gleichsam selber. (Näheres hierzu in unseren über hundert Artikeln über Kennzeichen der Falschprophetie: https://charismatismus.wordpress.com/category/kennzeichen-der-falschmystik/).

Eines dieser typischen Zeichen fehlgeleiteter oder betrügerischer Seher/innen ist das Lehr- und Anwendungs-Prinzip von „Zuckerbrot und Peitsche“:

Einerseits wird viel Sentimentalität, unechte Gefühligkeit und Kitsch sowie scheinbare Glaubensinnigkeit in Wort und Bild verbreitet, werden liebliche Töne geschwungen und fromme bis verstiegene Anmutungen geboten.

Neben diesen Anwandlungen der Marke „rosa Wolke“ zeigt sich zugleich die entgegengesetzte, düstere Seite der Pseudo-Mystik:

Hinter jeder Ecke wird ein Dämon vermutet, die kirchliche Lehre von der Existenz unreiner Geister wird bis zur Panikmache überbetont. Der Glaube verliert seinen frohen, mutmachenden, erhellenden Charakter; er kippt ins Fanatische, gerät in eine bedenkliche Schieflage, was bei sensiblen Gemütern außerdem zu Psycho-Schäden führen kann, von seelsorglichen Problemen ganz zu schweigen.

Diese „Achterbahn der Gefühle“ wird durch eine (un)geistliche Sensationsgier bzw. gefährliche religiöse Neugier weiter gesteigert, so daß der Glaube zum Aberglauben entartet. Was dabei herauskommt, könnte zum Lachen animieren, allerdings ist dafür wiederum das Thema zu ernst und die Auswirkungen sind allzu verhängnisvoll.

Das Kennzeichen „Zuckerbrot und Peitsche“ beherrscht auch der selbsternannte „Seher“ Mario D´ Ignazio aus Brindisi in Süditalien sehr gekonnt  – vielleicht gar zynisch? Jedenfalls kennt er die Ansichten, Gefühlszustände und Enttäuschungen von konservativen Gläubigen über Mißstände in der Kirche bis zum letzten Komma. 

Entsprechend verkündet er seine „Himmelsbotschaften“ und Höllendrohungen, er hält seine Vorträge genau nach dem Muster dessen, was die frommen Gäste von ihm erwarten: Immer feste druff auf die böse Welt, die „Falsche Kirche“ (davon sprach Mario gleich mehrfach), die Freimaurer (mit oder ohne Schurz,  mit oder ohne Mitra….), Satanisten, Modernisten etc.

Um nicht mistverstanden zu werden: Solche Gegner des Evangeliums (und noch etliche weitere) existieren tatsächlich   – und natürlich gibt es faule Früchte und Früchtchen auch innerhalb der Kirche. Nur: Die getroffene Auswahl des „Sehers“ entspricht allzu genau gewissen Klischees seiner Zuhörerschaft  – kalkuliert er dies ganz kühl mit ein?

Zugleich bietet der „begnadete“, gar stigmatisierte (angeblich mit den „Wundmalen Christi“ gezeichnete) junge Wundermann eine direkt von „oben“ stammende und angeblich besonders wirksame Abhilfe und Lösung, er preist gleichsam ein „Amulett“ gegen das Böse  – und den Bösen an:

Nämlich sein „heiliges Öl“, bei dem es sich um nicht weniger als die „Öltränen“ der Madonna handelt, wie er seiner Fangemeinde versichert. Angeblich gewinnt er dieses Kampfmittel gegen die Hölle aus einer Fatima-Marienstatue, die in seinem „gesegneten Garten“ zu Brindisi aufgestellt ist.

Diese Story erzählte der junge Seher in Turnschuhen, Fünf-Tage-Bart und legerer Kleidung am vergangenen Samstag vor ca. zweihundert Gläubigen in Münster.

Wer meint, der Saal sei darob in schallendes Gelächter oder zumindest in schmunzelnde Ironie ausgebrochen, sieht sich enttäuscht:

Von drei oder vier Ausnahmen abgesehen gingen alle Anwesenden (es waren vorwiegend Frauen) nach vorne und ließen sich von einem Geistlichen in Soutane (schwarzes Priesterkleid) dieses „heilige Öl“ auf die Stirne zeichnen  – offenbar mit einem Kreuzzeichen verbunden   siehe hierzu das erste und zweite Bild. 

Diese „Salbung“ mit den Öltränen der „Himmelsmutter“ wurde von Visionär Mario von seinem Vortragstisch aus (siehe 2. Foto) wortreich unterstützt.

Vor allem bei dämonischen Anfechtungen und Störungen ab Mitternacht wirke dieses Wunder-Öl wie eine geistliche (oder doch wohl eher magische?) Siegeswaffe, ließ er die (aber)gläubige Schar wissen.

Auch sonst wurden dem Wunder(wahn)witz keine Grenzen gesetzt: immerhin bot Mario eine Live-Erscheinung gleich zu Beginn der Versammlung. (Näheres hierzu in unserer ersten Reportage: https://charismatismus.wordpress.com/2017/10/28/muenster-seher-mario-dignazio-aus-brindisi-praesentierte-eine-live-erscheinung/)

Der Info-Tisch quoll über von mirakulösen Bildern und „Wunder-Fotos“ am Himmel und auf Erden.

Unser drittes Foto zeigt, wie ein Mario-Fan dem Seher eines dieser Bilder überreicht  – und er es danach stolz der staunenden Gemeinde präsentiert.

Wer nun glaubt, dieser kaum noch zu übertreffende Unfug würde von der katholischen Kirche toleriert oder gar unterstützt, kann beruhigt werden:

Der für Mario D´ Ignazio zuständige Erzbischof von Brindisi-Ostuni weist die „Erscheinungen“ und „Botschaften“ dieses Sehers nicht nur zurück, sondern hat vor über zwei Jahren sogar strenge Kirchenstrafen über ihn und sein Team verhängt, vor allem das Interdikt: der „salbungsvolle“ Mann darf also keine Sakramente empfangen, auch nicht zum Tisch des HERRN gehen.

Dabei wird der katholische Oberhirte in seiner Haltung von der vatikanischen Glaubenskongretation ausdrücklich unterstützt. (Wir berichten darüber noch in einem eigenen Artikel.)

Alles kein Problem für Mario, den Begnadeten: Er erwähnte in seinen Ansprachen natürlich nichts von dieser kirchlichen Ablehnung, erzählte aber der anhänglichen Schar, die Gottesmutter selber (!) spende ihm die heilige Kommunion und lege ihm die Hostie in den Mund, denn sie wünsche die Mundkommunion.

Das mag sein (immerhin bin ich selber ebenfalls kein „Handkommunikant“), erklärt aber noch lange nicht, warum die Madonna bei Mario aus Brindisi höchstselbst den Leib des HERRN spendet. Doch daran schien die konservative Zuhörerschaft keinen Anstoß zu nehmen, obwohl doch gerade sie ansonsten (durchaus zu Recht) erklärt, daß geweihte PRIESTER für die Austeilung dieses Sakramentes zuständig sind.

Es gab also theologisch-spirituelle Widersprüche noch und nöcher, worauf es aber anscheinend gar nicht ankommt. Einmal mehr zeigt sich hier, daß die Wundersucht des Aberglaubens liebstes Kind ist.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.