„Jesuskind“-Visionen in Sievernich fordern zu Sühnegebeten am 11. Juni 2021 auf

Von Felizitas Küble

Der katholische Publizist und Historiker Michael Hesemann betätigt sich seit Jahrzehnten als Sprachrohr angeblicher Erscheinungen und wundersamer Mirakel – ob es dabei um die kirchlich abgelehnten, einstigen Phänomene von Heroldsbach geht oder um etwas ungewöhnliche Wolkenbildungen, die flugs als Madonnenfigur gedeutet werden usw.

Nun hat der Autor am heutigen Tage (9. Juni) auf dem charismatisch bewegten Portal „Kath.net“ ein besonders dringliches Anliegen vermeldet, denn es geht ihm in seinem Artikel um einen Gebetsaufruf der „Seherin“ Manuela Strack aus Sievernich, die seit über 20 Jahren übernatürlicher Gnaden gewürdigt wird (glaubt man ihrer Fangemeinde).

Dazu heißt es im Hesemann-Bericht, die „Christuserscheinungen“ in der Voreifel-Gemeinde „dauern an“.

Es wird zwar erwähnt, daß Christus der Visionärin „in Gestalt des Prager Jesuskindes“ erscheint, allerdings wird wohlweislich nicht dazugeschrieben, daß Manuela das Christkind in einer Hostie schaut. Wie bereits früher hier im CF klargestellt, handelt es sich dabei von vornherein um ein – gelinde gesagt – merkwürdiges Phänomen:

Warum sollte denn unser Erlöser ausgerechnet im Sakrament des Altares, in dem ER als das „Lamm Gottes“ gegenwärtig ist – somit als der Geopferte und verklärte Auferstandene, so wie ER heute im Himmel lebt – in Form eines kleinen Kindes erscheinen? – Der theologische Unsinn einer solchen Schau ist offenkundig für jeden, der katholisch noch bis drei zählen kann.

BILD: Eines der Bücher über die Phänomene von Sievernich: „Alle Nationen rufe ich zu mir!“

Nun zurück zu dem besonderen Sühneanliegen für den 11. Juni 2021. Die Seherin hatte – so Hesemann – am 13. Mai „während der Eucharistischen Anbetung eine erneute Christuserscheinung“.

Später habe sie „die Worte des Herrn“ notiert, darunter folgende: „Liebt das Gebet der Wiedergutmachung; denn in diesen Tagen wurde gegen den Vater im Himmel gesündigt.“ – Dabei soll es um jene Homopaar-Segnungen gehen, die einige Tage zuvor in etlichen Kirchen abgehalten wurden.

Wir wissen auch ohne Jesuskind-Visionen allein schon aufgrund der Heiligen Schrift und der kirchlichen Lehre, daß derlei Praktiken abzulehnen sind. Aber wer vom Glauben zum Aberglauben“ fortschreitet“, braucht hierfür vielleicht auch noch eine himmlische „Botschaft“ aus Sievernich.

Es stellt sich ohnehin die Frage, warum denn nur „in diesen Tagen“ gegen Gott „gesündigt“ worden sein soll. Dies ist in Wirklichkeit seit Adam und Eva der Fall und wird sich aufgrund der Erbsünde und ihren Folgen auch nicht ändern.

Nach dem in derlei Visionen üblichen Lamentos (z.B. „Wie wird Mir Meine Liebe vergolten?“) wünscht sich der Erscheinungs-„Jesus“ für den 11. Juni ein weiteres „Gebet der Wiedergutmachung“: „Seht, mit eurem Beten und Opfern erreicht ihr das Erbarmen des Ewigen Vaters.“

Es sind wieder einmal die speziellen „Sühneseelen“, die den Himmel besänftigen – obwohl Katholiken wissen müßten, daß bei aller Wichtigkeit persönlicher Gebete der Gläubigen vor allem die heilige Messe ein besonders wirksames Heilsmittel der Kirche ist.

Weiter heißt es: „Betet und leistet Sühne! Dass Ich zu euch spreche, ist ein Akt Meiner Barmherzigkeit; denn Ich will euch nicht verloren sehen, sondern erretten.“

Hat Christus etwa nicht seit 2000 Jahren durch Bibel und apostolische Tradition zu uns „gesprochen“? – Weiß der Verfasser nicht, daß die Offenbarung Gottes – laut amtlicher kirchlicher Lehre – mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist?!

Abschließend schreibt Hesemann, in der „größten Krise“ unserer Kirche in Deutschland „seit der Reformation“ bekämen diese Botschaften eine „ganz eigene Brisanz“, denn nichts könne sie mehr retten „als Gottes Barmherzigkeit“.

Von daher sei es auf jeden Fall „notwendig“ (!), auch dem himmlischen Aufruf zum Wiedergutmachungs-Gebet am 11. Juni „Beachtung zu schenken„, denn – so der Autor – „nichts befreit und heilt uns alle mehr als das Gebet.“

Welcher gläubige Leser mag solch einem frommen Ansinnen widersprechen?!

Allerdings sollte noch bedacht werden, daß unser Beten durchaus frei gewählt werden kann und nicht auf Zuruf einer (noch dazu kirchlich nicht anerkannten) „Erscheinung“ auf ein bestimmtes Datum hin erfolgen muß.

Zudem ist es mit dem Gebet allein nicht getan, das gilt auch für „Sühnegebete“. Zum echten Glauben gehören auch gute Werke, Nächstenliebe, die Einhaltung der göttlichen Gebote und ein Leben aus den Sakramenten der Kirche.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Neue „Visionen“ in Sievernich: Seherin Manuela und die „Apostel der Endzeit“

Von Felizitas Küble

Jahrelang erregten die „Botschaften“ von Sievernich im Bistum Aachen großes Aufsehen in erscheinungsbewegten Kreisen und darüber hinaus (auch die weltliche Presse berichtete vielfach über den großen Pilgerandrang dort).

Im Mittelpunkt dieser kirchlich nicht anerkannten Phänomene steht die „Seherin“ Manuela Strack. Ab der Jahrtausendwende will sie fünf Jahre lang Erscheinungen vor allem von Maria erlebt haben, aber auch von Jesus und etlichen Heiligen wie z.B. Theresa von Avila.

Ab 2005 gingen die Wallfahrten zurück, die Erscheinungen schienen beendet zu sein, doch immer wieder ist von neuen Visionen und „Wundern“ die Rede, die auf der Internetseite der Fangemeinde dokumentiert werden.

So berichtet Manuela Strack dort u.a. über ein mystisches Vorkommnis vom 25. April dieses Jahres:

„Während der heiligen Messe, als der Priester die heilige Hostie hochhob, sah ich das gnadenreiche Jesuskind in Prager Gestalt in der Hostie….Als ich die Heilige Hostie empfing, schlug diese wie ein Herz dreimal in meinem Mund…

Dann sah ich das Jesulein vor mir stehen…Es tröstete mich und legte Seine Hand auf meine Schulter…

„Nun höre gut zu! Der Widersacher regt die Seelen an, Fahnen an Meinen Häusern anzubringen, die Zeichen sind, Meinem Wort zu widersprechen und der Heiligen Schrift nicht zu folgen.

Ich aber habe dir die Fahne Meines Kostbaren Blutes geschenkt, die „Die Kinder Gottes, die Apostel der Endzeit“ zum Zeichen haben. Wo diese Fahne Meines Kostbaren Blutes weht, herrscht das Gebot des Ewigen Vaters und wird in Liebe bewahrt. Auch mögen Meine kleinen Apostel in der Drangsal dieses Zeichen tragen.

Die Zeit der Apostel der Endzeit ist gekommen. Komm, ruhe dich an Meinem Herzen aus und erquicke dich einen Augenblick und koste, wie es einmal in Meinem Reiche sein wird.“

Tatsächlich durfte ich einen kleinen Moment an Seinem Herzen ruhen, und es war so wundervoll, ein großer Moment voller Liebe und großer Glückseligkeit und Geborgenheit. Plötzlich war das Jesuskind nicht mehr da.“

SOWEIT die Schilderung von Frau Strack.

Abgesehen von den sentimentalen Ergüssen am Schluß ist es keine „prophetische“ Leistung, am 25. April 2021 über Regenbogenfahnen an Kirchen zu schreiben („Fahnen an Meinen Häusern anzubringen“), die zu diesem Zeitpunkt längst von Homo-geneigten Gruppen und Aktivisten aufgehängt oder angekündigt wurden.

Dessen ungeachtet stellen sich einige grundsätzliche Fragen:

  1. Warum sollte Christus ausgerechnet in der Hostie (!) in der Gestalt des Jesuskindes erscheinen? Die Eucharistie vergegenwärtigt sakramental den Kreuzestod Christi – und nicht seine Inkarnation (Menschwerdung) oder Kindheit. Christus lebt im Himmel als der geopferte und auferstandene HERR und nicht als kleiner Junge.
  2. Wieder einmal handelt es sich bei der Anhängerschar der Seherin gleichsam um die letzten Zehn Gerechten – natürlich der Endzeit. Der Erscheinungs-„Jesus“ hat Frau Strack sogar „die Fahne meines Kostbaren Blutes geschenkt“, was immer das heißen mag; dies sei die Fahne der „Kinder Gottes und Apostel der Endzeit“, die in der „Drangsal“ als Zeichen getragen werden solle.
  3. Die begnadete Visionärin darf an „Jesu“ Herzen ruhen und bereits einen Vorgeschmack des Gottesreiches erleben. Zuvor hatte die Erscheinungsfigur ihr seine Hand auf die Schulter gelegt. Es handelt sich also bei dieser Dame um eine ganz erlesene Vertraute des Himmels.

Jeder weitere Kommentar erübrigt sich.

WEITERE SECHS ARTIKEL zur Causa Sievernich hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/sievernich-manuela/

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Gemälde: Evita Gründler


Pater Mathew Naickomparambil: Wenn Visionen der Selbstverherrlichung dienen

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten gehört der aus Kerala in Südindien stammende Geistliche Mathew Naickomparambil zu den bekannten Heilungspredigern, die vortragsreisend auch durch deutschsprachige Länder ziehen und ihre charismatischen Veranstaltungen durchführen.

Typisch ist dieses Plakat von 2019 (siehe Abbildung), das zu Heilungs-Exerzitien mit Mathew Naickomparambil in Wien aufruft dort ist oben gleich von „Geistausgießung und Heilung“ sowie „Wirken des Herrn duch Zeichen und Wunder“ die Rede. Es handelt sich hierbei um wesentliche Signalworte aus dem schwärmerischen Spektrum.

Pater Mathew berichtet in der Publikation „Wiedergeburt im Hl. Geist“ über seine einstige „Gotteserfahrung“, die bei ihm die besonderen Geistesgaben, insbesondere der „Prophetie“ und „Heilung“ hervorgerufen habe.

Sein Buch erschien passenderweise im stark charismatischen, kirchlich nicht anerkannten „Haus Raphael“ in Bad Soden-Salmünster, dem die „Heilungsnonne“ Sr. Margaritha Valappila vorsteht.

Das visionäre Erlebnis des Paters datiert vom September 1970, wobei er damals mit 23 Jahren „erstmals die göttliche Berührung“ erfahren und vom „Heiligen Geist erfüllt“ worden sei: „Ich durfte etwa 15 Minunten lang die Fülle der göttlichen Liebe erfahren.“ (S. 9)

Hier stellt sich für bodenständige Gläubige doch die Frage, warum Mathew als gläubiger Katholik den Heiligen Geist denn nicht schon bei der Taufe und Firmung empfangen hat – und warum er die „göttliche Liebe“ nicht in den weiteren Sakramenten (Beichte, Kommunion) erfahren hat.

Gemeint sind aber im charismatischen Kontext beim Begriff der „Gotteserfahrung“ keine Sakramente als übernatürliche Begegnung mit Christus, sondern grundsätzlich gefühlsmäßige Erlebnisse oder gar rauschhafte religiöse Ekstasen.

Dabei fällt auf, daß die Einstiegs-Visionen dieser „Heilungsprediger“ nicht selten im Grunde eine Selbstverehrung begünstigen und ausdrücken.

Nehmen wir Pater Mathew beim Wort, der davon berichtet, wie „Jesus ihn berührt“ habe:

„Ich bereitete mich um 6 Uhr früh gerade auf meine morgendliche Meditation vor. Da sah ich ein einzigartiges Bild. Ein von oben kommender Lichtstrahl ergoß sich über meinen Kopf. Ich schloß meine Augen. Mit innerer Sicht schaute ich eine göttliche Vision – einen Feuerball, rund wie ein Vollmond.

Himmlische Freude und göttliche Liebe erfüllten mein ganzes Wesen. Innerhalb weniger Minuten glich ich einer Säule aus Licht. Der liebende Gott schenkte mir die Erfahrung der „Taufe im Heiligen Geist„.

Auf Seite 11 heißt es dazu weiter:

„Ich erinnere mich gut an jene Monate, die ich in meinem Zimmer verbrachte, als ich unfähig war, irgendetwas anderes zu tun als zu beten. Es waren Tage seelischer Qualen. Während dieser Tage sprach Gott durch Visionen und Prophezeiungen.“

Offenbar stand er nach seiner besonderen „Gotteserfahrung“ unter einem dauernden Gebetszwang – und dies gleich monatelang. Kein Wunder, daß er von „seelischen Qualen“ spricht. Aber anscheinend macht er sich nicht klar, daß der wahre Gott niemals zu etwas zwingt, auch nicht zum Beten.

Der authentische (echte) Heilige Geist ist ein Geist der Freiheit und Freiwilligkeit, nicht eines „frommen“ Zwanges. Von wirklicher „Geist-Taufe“ also keine Spur!

Zwischendurch spricht der Autor in dritter Person von sich selber bzw. von seinen himmlischen Eingebungen: „Es sind unbezahlbare Botschaften hier enthalten, Botschaften eines barmherzigen Gottes an einen demütigen Diener.

Auf S. 25 geht es ähnlich weiter – stets bezogen auf seine eigenen spirituellen Sonder-Erfahrungen:

„Gott selber führt diejenigen, die ihm lieb sind und segnet sie mit dem großartigen Geschenk der Vereinigung mit ihm.

Ganz offensichtlich berührte der barmherzige Gott seinen demütigen Sohn in der Fülle der Zeit. Gott ergoß seine mächtige Liebe über ihn. Nach langen Jahren des Ausharrens und der Kreuzigung salbte Gott ihn mit Liebe und nahm ihm den Grund seines Kummers aus seinem innersten Herzen fort.“

Es ist hier wohlgemerkt nicht von Christus die Rede, sondern von Pater Mathew selbst – er würdigt seine eigenen Gnadengaben, spricht sogar von „Kreuzigung“, von der „Fülle der Zeit“, erneut von sich als „demütigem Sohn“ usw.

Anscheinend bemerkt er in seiner selbstgefälligen Wolke, auf welcher er sich befindet, nicht einmal, welche theologisch-spirituellen Zumutungen er hier präsentiert.

Wie ganz anders verhielt sich der Apostel Petrus, der einst zu Christus sprach: „Geh hinweg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch!“ (Lk 5,8)

Der 2. Teil unserer kritischen Auseinandersetzung mit dem Buch dieses indischen „Heilungspriesters“ f o l g t .


Turbulenzen um „Marienvisionen“ im Walde

Buchbesprechung von Cordula Mohr

Der satirische Roman des US-amerikanischen Schriftstellers David Guterson erschien in Deutschland unter dem Titel „Unsere Liebe Frau vom Wald“. Ironischerweise gibt es in Südtirol ein kleines Dorf bei St. Felix mit genau diesem Namen, aber ganz ohne Marienerscheinung.

Zum Inhalt des Buches: Ein Mädchen namens Ann Holmes durchsucht ziellos den dichten Wald in der Nähe des Campingplatzes von North Fork nach Pfifferlingen, die es später verkaufen will, um ein bisschen Geld für ihr Überleben zu bekommen.

Sie benötigt Antihistamin gegen ihre vielen Allergien. Ebenso mag sie die „Zauberpilze“, von denen sie ins Träumen gerät und mit denen sie die leidvolle Zeit, als sie noch zuhause gelebt hat, scheinbar vergessen kann. Auch andere  Drogen wie Marihuana standen auf dem Campingplatz  zur Verfügung.

Sie las manchmal eifrig im Katechismus und machte sich mit bekannten Gebeten vertraut.

Unter diesen Vorzeichen hatte Ann eine Halluzination, die sie später ihrem Ortspfarrer Collins als Erscheinung der Gottesmutter schildert, weil es ihr so echt vorkam. Sie fühlte sich dieser hellen Gestalt verpflichtet und anheimgestellt.

Die 14-Jährige lebte seit ihrem Ausriss von zuhause auf einem Campingplatz und fand dort Menschen, die sie nett aufnahmen und umsorgten. Besonders kümmerte sich Carolyn Geer, ebenfalls eine Pilzsammlerin, um das Mädchen.

Sie übernahm gleichsam die Mutterrolle und wurde eine treue Freundin für Ann, die durch ihre Erlebnisse zur „Seherin“ wurde. Vorher war sie eine Einzelgängerin, die ihr Gesicht oft unter einer Sweatshirt-Kapuze verbarg.

Noch am selben Abend erzählte Ann ihrer Carolyn von dieser hellen Lichtkugel und dass es sicherlich die Muttergottes gewesen sei. Danach erfuhren weitere Frauen von diesem Ereignis.

Darunter befand sich eine Katholikin, die ihr kleines Kind in den Wäldern seit Jahren vermisste. Die Erscheinung erweckte in ihr die Hoffnung, die Madonna würde Ann mitteilen, wo ihre Tochter abgeblieben ist. Die Frau hatte die Hoffnung, dass das Kind noch lebt, nicht aufgegeben, obwohl damals lange vergeblich nach dem Mädchen gesucht worden war.

Diese drei Frauen – Carolyn, die Mutter des verschwundenen Mädchens und eine ehemalige Barfrau – gingen nun mit Ann zu jener Stelle im Wald, an der sich die Erscheinung nochmal zeigen wollte. Wieder wurde unterwegs von diesen aphrodisierenden Pilzen genommen.

Diese Lichtkugel war auch wieder für Ann sichtbar.

Das Buch ist vom Autor mit einer ordentliche Prise Humor gespickt worden und  der Leser muss viel schmunzeln, bisweilen geradezu lachen – wie bei diesem Dialog:

Ann sagte zu Carolyn nach dem Waldbesuch: Ich muss in die Stadt zu einem Priester.
Carolyn: Geh lieber zum Psychiater.

Carolyn glaubte der Visionärin nicht, weil sie wusste, dass sie Drogen und Medikamente nahm.

Trotzdem fuhren die beiden in die Stadt zu Pfarrer Collins, der echte Probleme mit dem Zölibat und auch mit dem Tragen einer Priesterkleidung hatte, so das man ihn nicht als Geistlichen erkennen konnte. Seine Schwäche lebte er aus, indem er gerne erotische Bücher zum Einschlafen las.

Die beiden Mädchen treffen auf den Pfarrer, der zivil herumläuft und sie dürfen zu ihm nach Hause, wo Ann ihm die Geschichte aus dem Wald erzählt. Carolyn ist auch mit dabei. Der Priester fragt vorsichtig nach, wie die Stimme wahrzunehmen sei – innerlich oder wie von aussen.

Ann sagt: In meinem Kopf ist der Klang ihrer Stimme. Auf diese Weise spricht sie mit mir.

Der Priester ist skeptisch und glaubt Ann nicht so recht. Jedoch bei seinen Nachfragen will er eine Echtheit nicht ausschließen. Ann gibt zu, nicht zu den Sakramenten der Kirche zu gehen. Er ist beeindruckt von der zarten, anmutigen Persönlichkeit von Ann und fängt an, sich ein wenig in sie zu verlieben.

Danach beschreibt der Autor einen Mann namens Tom Cross, der als Holzfäller in den Wälder von North Fork arbeitet. Er lebt seit einem Jahr von seiner Frau getrennt und darf laut Gerichtsbeschluss sein Haus und Grundstück nicht mehr betreten, weil er immer wieder ausfallend gegenüber seiner Frau geworden war.

Er und seine Frau haben ein schweres innerliches Leid zu tragen, denn Tom hat seinen Junior, wie er ihn nennt, durch grobe Fahrlässigkeit beim Baumfällen querschnittsgelähmt in den Rollstuhl befördert.

Tom hielt nicht viel seinem Sohn, der so ganz anders war, als wie er sich einen Sohn wünschte.

Seine Frau allerdings hat sich nach der Trennung und dem Schicksalsschlag an die Kirchengemeinde gewandt und von dort  Trost und Hilfe erfahren. Pfarrer Collin kümmerte sich seelsorgerisch ebenfalls um die getrennte Familie.

Tom arbeitet seitdem nebenbei auf dem Campingplatz, auf dem Ann und Carolyn sich aufhalten und bekommt unweigerlich diese Erscheinungsereignisse mit. Er selbst führt seit dem „Unfall“ ein sinnloses Leben zwischen Arbeit und der Suche nach einem Abenteuer, was ihm manchmal von der ehemaligen Barfrau erfüllt wird. Ganz hat er den Bezug zur Kirche jedoch nicht verloren.

Die Holzfäller im Wald können es kaum glauben, das sich eine echte Himmelserscheinung zugetragen hat und sie deuten die Ereignisse als Erlebnisse von streunenden Drogenabhängigen.

Anns Kindheit mit Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch durch den Stiefvater wird ausführlich geschildert.

Als Teenager erlebte sie eine Schwangerschaft durch ihren Stiefvater und eine Abtreibung. Auch Drogen waren schon in der Herkunftsfamilie im Gebrauch.

Schon ein paar Tage später ist der Campingplatz voll mit Pilgern aus allen Bundesstaaaten Amerikas. Es ist zu einer Massenbewegung gekommen.

Carolyn spricht durch das Megaphon und versucht, den Pilgern zu erläutern, das Ann mehr Ruhe braucht.

Es sind 2000 Schaulustige bei der ersten groß geführten „Wallfahrt“ zugegen und Ann, Carolyn und Pfarrer Collins führen die Pilger zu der Erscheinungsstelle in den Wald.

Der Autor beschreibt die teils sehr frommen Pilger mitunter beeindruckend, teils eher lächerlich wirkend – und jeder, der schon einmal an einem Erscheinungsort wie Medjugorje war, hat solche Szenen bildlich vor Augen, wobei der Verfasser gerade das kirchlich umstrittene Medjugorje mehrfach erwähnt.

Überall in den Wäldern gibt es nun Bittzettel, Kerzen, Metallkreuze, Rosenkränze, Blumen, Heiligenbilder und Kitschmadonnen, die dort abgestellt oder an Bäume angeheftet wurden, nicht selten durch überschwengliche religiöse Fanatiker, die wundersüchtig hinter der kindlichen Seherin her sind.

Und dann geschehen etliche „Heilungen“ an einigen Pilgern. Das spricht sich ohne Prüfung von Medizinern ganz schnell herum und wird als Wunderheilung ausgerufen, was die Visionärin Ann gerne bestätigt.

„Bescheiden“ erklärt Ann, die Gottesmutter bewirke die Heilungen und sie selber sei nur die Bittstellerin.

Himmlische Botschaften hat Ann auch parat. Daran ist Carolyn beteiligt, indem sie Ann immer wieder sagt, was diese den Leuten „verkünden“ soll – und wenn Ann wieder kränklich ist, denkt Carolyn sich einfach welche aus. Die Pilger bekommen Ann immer weniger zu sehen und Carolyn übernimmt quasi die PR-Arbeit (Public relation, Werbung).

Sie kümmert sich um die Spenden, die in Wischeimern gereicht werden. Carolyn zweigt für sich selbst etwas davon ab, um irgendwann mal ein schöneres Leben führen zu können als in ihrem Campingbus.

Das Ganze wird dann von Pfarrer Collins dem Ortsbischof zugetragen und dieser sendet einen Pfarrer Butler aus, der schon viele angebliche Erscheinungen überprüft hat.

Für ihn ist im Vorfeld schon klar: diese Geschichte ist nicht stimmig. Doch Pfarrer Collins möchte ein ausgewogendes Gespräch und die Möglichkeit für Ann, die mittlerweile auch schon auf seinem Faltsofa übernachtete und knapp bekleidet auf seiner Bettkante gesessen hat und ihm erzählte, dass sie eine  sündige Person und zudem nicht einmal getauft sei.

Immer wieder spricht Ann davon, dass die Madonna eine Kirche im Wald erbaut haben möchte.

Nach den Gesprächen von Pfarrer Butler an den folgenden Tagen ist für ihn schnell klar: Die Story stimmt nicht. Er fragt nach Medikamenten und als Ann Phenathol erwähnt, weiß der Abgesandte des Bischofs  aus früheren Befragungen von Visionären, dass die Nebenwirkungen dieses Medikamentes Halluzinationen bewirken können. Ebenfalls erzählt sie von ihren „Zauberpilzen“ – und dass sie noch kein einziges Sakrament empfangen habe.

Pfarrer Collins stimmt Pfarrer Butlers Skepsis weitgehend zu. Aber die Seherin gefällt ihm trotzdem und er kümmert sich um die kränkliche Ann.

Dann wird wieder ein großes Pilgeraufkommen beschrieben. Nun sind es 4000 Leute, die sich versammelt haben. Weil die Erscheinung auf dem Privatgelände einer Company stattfand, soll das Geschehen von dem Eigentümer unterbunden werden.  Jedoch wird ein Abkommen mit dem Sheriff des Orts vereinbart und Ann darf noch einmal mit der Menschenmasse zu der Erscheinungsstätte. Wieder wird anschaulich beschrieben, wie naiv viele Pilger sich verhalten, aber auch ernstgemeinte Bitten und Anliegen werden vorgetragen.

Viele Facetten der Menschen, die auf Pilgerschaft sind, werden beschrieben:

Tom Cross bekommt deutlich mit, dass sogar Heilungen abgelaufen sind und drängt sich, als Ann in der Kirche ist, zu ihr vor.

Wieder wird er ausfällig und verlangt erpressend von Ann, die schon seit Wochen immer wieder an Fieber und Zittern leidet, die Heilung seines Sohnes.

Sie erwidert, das könne sie nicht bewirken, das müsse man dem Himmel überlassen.

Carolyn eilt zu Ann und sprüht Tom mit Pfefferspray Tom ins Gesicht, damit er die Visionärin in Ruhe läßt.

Das Fieber steigt immer mehr an und Ann verstirbt kurz nach dem Vorfall in der Kirche.

Das Buch endet völlig überaschend für den Leser nach einem Jahr später: Durch ein riesiges Spendenaufkommen wird nach Anns Tod die gewünschte Kirche im Wald erbaut und das Patronatsfest steht bevor. Reliquien von Ann liegen in der Kirche.

Der Ortsbischof ist unter diesen Umständen nicht anwesend, aber er hatte seinen wohlüberlegten Segen gegeben. Er möchte sich nicht persönlich einmischen, um sich nicht festzulegen, ist aber erfreut über die wachsende Gemeinde. Pfarrer Butler, der neuerdings Generalvikar des Bischofs ist, wurde zur Zeromonie gesandt. Er sagte zu Pfarrer Collins bei dieser seiner zweiten Ankunft: Wir müssen uns demütig fügen.

Zum Schluss taucht Carolyn auf, die sich mit den Spendengeldern ein schönes Leben in der Welt geleistet hat.

Sie spricht mit Pfarrer Collins über ihr schlechtes Gewissen und ihrem Wissen um die Drogen und Medikamente, die Ann genommen hat. Sie hat wegen des Pfeffersprayeinsatzes sogar eine Anzeige bekommen.

Mein Fazit: Dieses Buch ist sozusagen filmreif. Es ist spannend, teilweise humvorvoll und durchaus auch tiefsinnig geschrieben.

Die vielen Facetten um die Menschen, die in dem Buch vorkommen, sind herzerfrischend geschildert.

Ich würde das Buch jedoch erst Lesern ab 18 Jahren empfehlen, weil manchmal eine sehr derbe Sprache verwendet wird. Daran kann der reifere  Leser vor allem die menschlichen Abgründe erkennen, die sich bei jedem – auch bei frommen Leuten und Priestern – auftun können.

Der Roman schildert auf teils ernste, teils satirische Weise viele Erlebniswelten und auch einige typischen Phänome, wie man sie in wundersüchtigen Kreisen und bei etlichen Erscheinungsstätten in ähnlicher Weise vorfinden kann.

Unsere Autorin Cordula Mohr ist Familienmutter und lebt in Rheine (Westfalen); sie leitet die „Aktion Lebensrecht für alle“ (ALfA) im Münsterland.


Warnung an Privatoffenbarungsgläubige

Von Stefan Vucina

Erscheinungsfixiertheit ist sehr gefährlich – also eine Haltung, die Privatoffenbarungen über alles stellt und von ihnen her alles betrachtet und bewertet. Das bedeutet ein Abrücken von der katholischen Kirche, ihrer Lehre und von Christus gestifteten Ordnung.

Nach katholischer Lehre steht nämlich jede Privatoffenbarung – welchen Ursprungs auch immer – unter kirchlicher Aufsicht und Beurteilung.

Das bezeugt schon Gal 2,2, wonach Paulus, der 14 Jahre lang im Alleingang gepredigt hatte, in einer persönlichen Offenbarung von Gott aufgefordert wurde, seine Verkündigung den Aposteln, insbesondere den „Säulen“ der Urgemeinde (Petrus, Jakobus und Johannes) zur Überprüfung vorzulegen.

Daher wird der Himmel niemandem eine Botschaft zukommen lassen, die gegen die kirchliche Lehre, Ordnung oder den Papst gerichtet ist. Dennoch sind Erscheinungsgläubige bereit, solch irrige Lehren anzunehmen, da sie meinen, diese stammen von Gott.

Ein mir persönlich bekannter Katholik, der es nun leider nicht mehr ist, empfängt seit 2009 Privatoffenbarungen, wobei er vollkommen überzeugt ist, dass sie von Gott seien.

Doch diese Botschaften hatten schon in der ersten Zeit einen Haken: Sie bestätigten zwar einzelne katholische Lehren und Dogmen als richtig, ebenso den Ortsbischof als gültig geweiht und erklärten, dass in unserer Kirche Christus in der Hostie real präsent sei.

Aber damit fing es schon an: Als ob wir Katholiken Privatoffenbarungen benötigen, die uns mitteilen, dass unsere Glaubensinhalte richtig, unsere Bischöfe gültig geweiht sind usw.

Diese „Botschaften“ haben meinen Bekannten dann zu der Ansicht geführt, dass Gott nicht durch unsere Kirche lehre, sondern durch ihn und seine Sonderlehren.

Danach kam eins nach dem anderen: Einzelne katholische Dogmen wurden in den Einsprechungen plötzlich als falsch präsentiert, die Priester der Piusbruderschaft seien Verbrecher und ich ein Judenhasser, hieß es, wovon ich jedoch nicht einmal alpträumen würde.

Ähnliches geschah vor Jahrzehnten in aller Öffentlichkeit: Ein Katholik namens Clemente Dominguez y Gomez erhielt angeblich an Händen, Füßen, an der Seite und an der Stirn Stigmata und erhielt Auditionen und Erscheinungen, die sich ihm als Jesus und Maria vorstellten, und von denen er apokalyptische Prophetien mit Aufrufen zu Gebet und Buße empfing.

Gleichzeitig richteten sich seine Botschaften gegen diverse Irrlehren, den Progressismus und andere verderbliche Sitten mancher Katholiken, wodurch die Kirche zerstört worden sei. Nachdem Clemente 1976 zum Priester und schließlich zum Bischof geweiht worden war, wurde er 1978 von „Jesus“ persönlich zum „Papst“ gekrönt, der von nun an als „Papst Gregor XVII.“ die Palmarianische Kirche als Ersatz zur angeblich zerstörten römisch-katholischen Kirche regieren sollte.

Aufgrund seiner Erscheinungsfixiertheit übernahm er diese „Aufgabe“ und leitete seither die Palmarianische Kirche als Gegenorganisation zur katholischen Kirche. Heute wird die Palmarianische „Kirche“ von einem „Papst Petrus III.“ regiert.
(Weitere Hinweise zur Palmarianischen Sekte siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2020/07/17/warum-die-verheissungen-des-bussrosenkranzes-theologisch-irrefuehrend-bis-magisch-sind/)

In unseren Tagen läuft etwas Ähnliches mit dem sog. „Buch der Wahrheit“. Diese Botschaften werden von vielen Privatoffenbarungsgläubigen über die Kirche und ihre von Christus gestiftete Ordnung gestellt. In ihnen wird behauptet, Papst Franziskus sei der Antipapst, der „falsche Prophet“ der Endzeit, der dem Antichristen den Weg bahne. Damit ist auch hier ein Schisma vollzogen!

Wir sehen anhand dieser Beispiele, wie wichtig es ist, auf die Lehre unserer Kirche zu hören, jede Privatoffenbarung unter ihre Ordnung zu stellen und alle Erscheinungen und Visionen abzulehnen, die diese kirchliche Ordnung stören oder ihr sonstwie entgegenwirken.

Mit solchen Privatoffenbarungen wollen Betrüger bzw. der Satan so viele gläubige Katholiken wie möglich gegen die Kirche positionieren und sie damit zu Fall bringen. Selbst ein frommes Glaubensleben mit regelmäßiger Beichte nützt diesen Contra-Katholiken dann letztlich nichts mehr; denn sie befinden sich bereits außerhalb der Ordnung Gottes.

Deshalb müssen wir vorsichtig und wachsam sein!


Wie sich Mary Baxter die Hölle vorstellt

Von Felizitas Küble

Mit der theologisch überforderten Visionärin Andrea, dem selbsternannten „geringsten Rädchen im Uhrwerk Gottes“ befassen wir uns nur selten, weil es sich nicht lohnt, sonderbare Mirakel wie z. das „Wunder mit dem Joghurtherzen“ und ähnliche Kuriosa näher zu „besichtigen“.

Nun präsentiert die erscheinungsbewegte Katholikin, die ihre wortreichen Anmutungen als „Apostolat“ schönredet, eine ganze Serie mit übersinnlichen Erfahrungen in der Hölle von Mary Baxter: https://endzeitforum.jimdofree.com/himmel-h%C3%B6lle-fegefeuer/offenbarung-der-h%C3%B6lle-an-mary-baxter/kapitel-1-26/#1.1

Diese Visionärin Mary erhielt im März 1976 Besuch von „Jesus“, wie sie im Teil 1 berichtet. Die Gestalt sei mit einem strahlenden Licht erschienen „und ein süßes und wundervolles Gefühl kam über mich. Liebeswellen rollten und falteten sich ineinander und rollten über- und auseinander. Es war ein spektakuläres Schauspiel!

So „süß“ wie es begann, so schaurig endete das „Schauspiel“, denn der angebliche Heiland soll die entzückte Seele der Frau – von ihrem Körper getrennt – erst kurz in den Himmel und danach sehr langwierig in die Hölle geführt haben, auf daß sie darüber ein Buch schreibe, die Leute zur Buße rufe und so vor der ewigen Strafe bewahre.

Soweit unsinnig genug, denn die christliche Lehre von der Hölle bedarf keiner außerkörperlichen Erfahrung von Mary Baxter. Wer aufgrund von Bibel und Kirche nicht an eine jenseitige Verdammnis glaubt, wird sich durch absurde „Erlebnisse“ erst recht nicht dazu bewegen lassen.

Es fängt schon damit an, daß uns die „begnadete Seele“ mitteilt, die Hölle befinde sich im Inneren unserer Erde. Wie soll das zugehen bei einem Zustand in der EWIGKEIT?

Bekanntlich gibt es dort weder Raum noch Zeit im irdischen Sinne, sondern es geht um eine immerwährende Gegenwartdas Jenseits befindet sich daher mit Sicherheit nicht in der Erdkugelweder Himmel noch Hölle (und auch nicht das Fegefeuer).

Danach wird wie in einem Endlos-Schauer-Märchen geschildert, wie die Visionärin in der Hölle verschiedene Abteilungen besucht, eine gruseliger als die andere – und dann wird es theologisch völlig abstrus: Einige der verworfenen Seelen dort zeigen sich reuevoll, flehen Jesus um Erbarmen an oder geloben Besserung betreffs ihrer früheren Laster wie Bitterkeit, Haß, Neid etc.

Anscheinend kennt Mary Baxter das Einmalens der Hölle nicht, die nämlich von innen verschlossen ist wohlgemerkt – nicht von außen.

Das bedeutet: Weder beten die Verworfenen zu Christus noch wollen sie umkehren usw. Wäre dies so, dann befänden sich diese Seelen gerade nicht in der Hölle, dann wären sie ja innerlich bußwillig und hätten ihr ewiges Heil – auf dem Umweg über das Fegefeuer – mit Gottes Gnade erreicht.

Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen, heißt es in der Heilligen Schrift – und das gilt auch hier: GOTT respektiert die von ihm selbst geschaffene Freiheit des Menschen und damit auch seine Grundentscheidung gegen ihn.

Während der Gläubige zu Gott betet: DEIN WILLE GESCHEHE – sagt Gott zu den Verlorenen quasi dasselbe: DEIN WILLE GESCHEHE.

Denn gerade weil Gott die Liebe ist, zwingt ER niemanden in seine Gemeinschaft.

Der Himmel ist kein Gefängnis, auch kein rosarotes. Im Himmel gibt es nur Freiwillige – in der Hölle aber auch; sie ist die ewige Entfernung von Gott als Konsequenz der menschlichen Freiheit und der in ihr liegenden Gefahr und Chance zugleich.

Wenn vermeintlich „begnadete Seelen“ das einfachste theologische ABC nicht kennen, aber dicke Unsinns-Bücher schreiben, die von „geringsten Rädchen“ im Internet verbreitet werden, dann ist das kein „Ruf zur Umkehr“, sondern eine gefährliche Irreführung.


Akademischer Vergleich von Halluzinationen und religiösen Erscheinungen

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Visionen: Erscheinungen und andere Halluzinationen“ hat sich Daniela Hubl von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bern (Schweiz) in der Serie „Psychiatrie und Religion“ mit einem Vergleich zwischen (Marien-)Erscheinungen einerseits und psychotischen Anomalien andererseits befaßt: https://www.unibe.ch/e809/e991/e993/e41749/e72935/e547606/CGVisionenv4pdf_ger.pdf

Dabei bringt sie nach einer stark bildhaften Einführung einige Hinweise darauf, daß auch Patienten mit Psychose-Erkrankungen religiös getönte Visionen (optisch wirkende Bilder) und Auditionen (akustisches Stimmenhören) erleben können.

Diese Beoachtung ist natürlich nicht neu, wobei die Autorin in ihrem Vergleich zwischen Halluzinationen und religiösen Erscheinungen neben Gemeinsamkeiten auch Unterschiede feststellt, also durchaus unterscheidet und nicht alles in einen Topf wirft.

Manche Hinweise aus der Gegenüberstellung sind durchaus interessant – so z.B. die Sache mit dem Rosenduft: Psychotisch Erkrankte riechen demnach häufig Rosenduft – genau dieses Phänomen wird auffallend häufig bei fraglichen bzw. irrgeistigen Erscheinungen festgestellt (wir haben es mehrfach in entsprechenden Berichten erwähnt).

Übrigens sind sowohl hinsichtlich Halluzinationen wie auch in puncto religiöser Erscheinuungen vor allem Frauen betroffenund hierbei eher jüngere als ältere. Männer berichten auffallend seltener von visionären Erlebnissen (sowohl in der Psychiatrie wie in der Glaubenswelt). Auch diesen Befund bestätigt der Beitrag von Frau Hubl.

Mit Erwähnung dieser Punkte ist natürlich noch lange nicht gesagt, daß alle Marienerscheinungen und sonstigen „frommen“ Visionen aus Halluzinationen bestehen oder psychogen entstanden sind. Es ist aber logisch, daß eine Psychiaterin sich auf ihren Wissenschaftsbereich beschränkt und keine religiösen Deutungen und Einordnungen vornimmt – das ist schlicht nicht ihre Aufgabe.

Natürlich kann es für übersinnlich erscheinende Vorgänge verschiedene Ursachen geben, darunter (neben der psychopathologischen Herkunft) etwa auch folgende:

  1. Tatsächliche göttliche Einwirkung (z.B. Christus-Vision) bzw. himmlische Herkunft (Erscheinung von Engeln, Heiligen, Maria). – Zu bedenken ist hierbei freilich, daß auch echte übernatürliche Ereignisse nicht eins zu eins beim betreffenden Menschen ankommen, sondern durch dessen Gehirn, Gemüt, Phantasie und Sprache „transportiert“ werden, was angesichts der menschlichen Begrenztheit unvermeidlich ist.
  2. Betrug, bewußte Täuschung z.B. aus Eitelkeit oder Geschäftemacherei.
  3. Selbsttäuschung (eher unbewußt), wenn z.B. ein intensives Traumerlebnis als Vision oder gar Erscheinung ausgelegt bzw. wahrgenommen und damit über-interpretiert wird – in diesen Bereich gehört auch die eidetische Sensibilität (kann vor allem bei vorpubertären Mädchen vorkommen)
  4. Herkunft „von unten“, denn wie schon Paulus schreibt und warnt, kann auch der Satan als „Engel des Lichts“ erscheinen. Die Hl. Schrift ermahnt immer wieder zur Vorsicht vor trügerischen „Zeichen und Wundern“.

Gemälde: Evita Gründler


Ludwig M. Grignion von Montfort und Marthe Robin: gemeinsame Endzeitschwärmereien

Von Felizitas Küble

Die 33-Tage-Andacht mit dem Ziel einer Marienweihe („Vollkommene Weihe an Jesus durch Maria“) ist in marianischen und zumal in erscheinungsbewegten Kreisen seit langem bekannt und beliebt.

Auch wenn vieles in dieser speziellen Art des Marienkultes, die auf den hl. Grignion von Montfort zurückkehrt, durchaus richtig sein mag, so beruht sie doch zugleich auf Endzeitschwärmereien, die weder mit der biblischen noch mit der kirchlichen Lehre vereinbar sind (vgl. lehramtliche Stellungnahmen gegen den sog. Chiliasmus und Postmillenarismus).

Dieser Beitrag soll aber keine theologische Abhandlung werden, sondern einige typische spirituelle Fehlentwicklungen aufzeigen, wie sie im Kontext dieser Andachtsform weitverbreitet sind.

Zunächst fällt auf, daß die erwähnte 33-Tage-Weihe besonders oft von pseudomystischen Seher/innen propagiert wird, z.B. bei der Visionärin Bärbel von Marienfried (als Erscheinung kirchlich nicht anerkannt). Zudem wird diese Spezialandacht in der Medjugorje-Bewegung stark hochgehalten – von der „Seligpreisungs“-Gemeinschaft sowieso, aber auch von „Totus Tuus“ (eine charismatisch-marianische Jugendgruppe: http://www.totus-tuus.de/site/totus-tuus/spiritualitat/marianisch/)

Die unlängst als betrügerisch entlarvten „Botschaften“ der Stigmatisierten Marthe Robin gründen ebenfalls fundamental auf den Endzeitschwärmereien des französischen Priesters Ludwig Maria Grignion von Montfort, inbesondere ihre Ankündigung eines „neuen Pfingsten“ für die Kirche.

Kurz gesagt beinhaltet diese „prophetische“ Sichtweise, daß am Ende der Zeit zwar zunächst Krisen und Heimsuchungen für die Kirche möglich seien, aber dies werde alles überwunden durch die „Apostel der letzten Zeiten“, die als begeisterte Marienverehrer gleichsam die Welt umkrempeln und eine Art spirituelles Gottesreich auf Erden errichten.

Von dieser Grundhaltung war auch die französische „Seherin“ Marthe Robin geprägt, weshalb sie jahrzehntelang bis zuletzt vom kommenden „Pfingsten der Liebe“ sprach, das vor allem durch die „geistlichen Gemeinschaften“ ausbrechen werde, wobei einige charismatische Bewegungen sogar von ihr selber angestoßen und ermutigt wurden (darunter die bereits erwähnte „Gemeinschaft der Seligspreisungen“ bzw. „Arche“ und „Emmanuel“).

In der euphorischen Biographie „Martha“ von Bruder Ephraim, dem Gründer jener Seligpreisungs-Kommunität, zieht sich diese Endzeiteuphorie wie ein roter Faden durch das Buch. Er betont mehrfach die einzigartige Bedeutung der 33-Tage-Andacht für das Frömmigkeitsleben und die „Prophetie“ von Marthe Robin, vor allem ab S. 74 ff.

In den von ihr gegründeten Charites wurde in Exerzitien diese Grignionsche Marienweihe gelehrt, die Marthe selbst auch für sich selber mmer wieder erneuert hat.

Aus der entsprechenden „Abhandlung über die wahre Verehrung Mariens“ wird in Ephraims Martha-Buch ausführlich zitiert (vgl. ab S. 74), darunter folgende überschwängliche Zukunftsprognosen über die „Apostel der letzten Zeiten“ (S. 73) bzw. die „Diener Mariens“, die im Grignionschen Original übrigens „Sklaven“ Mariens heißen:

„Sie werden die Fülle des Erbarmen Mariens erfahren und erkennen, wie sehr sie ihre Hilfe brauchen.“ (In Wirklichkeit spricht die Kirche in ihrer Liturgie und Verkündigung hinsichtlich Mariens von einer Fürsprache, wogegen sich das Erbarmen auf Christus als Erlöser beziehen.)

Zudem wirkt die ganze Beschreibung dieser „Endzeittruppe“ dramatisierend, fanatisch und schwärmerisch, denn diese „Diener Mariens“ seien – so heißt es – „ein verzehrendes Feuer….scharfe Pfeile in der Hand der mächtigen Jungfrau, mit denen sie ihre Feinde durchbohrt.“ – Für die Armen seien diese neuen Heiligen ein „Wohlgeruch Christi“, aber für die „reichen und hochfahrenden Weltleute ein Geruch des Todes“.

Und weiter: Sie werden Donnerwolken sein, die beim leistesten Hauch des Heiligen Geistes die Lüfte durchsegeln…Donnern werden sie gegen die Sünde, grollen gegen die Welt und ihre Blitze schleudern gegen den Teufel und seine Anhänger. Mit dem zweischneidigen Schwert des Gotteswortes werden sie alle treffen und durchbohren, zu welchen der Höchste sie sendet, sei es zum Leben, sei es zum Tode. Sie werden die wahren Apostel der Endzeit sein, denen der Herr der Heerscharen Wort und Gewalt verleiht….

Kein Sterblicher, wie mächtig er auch sein mag, wird sie beeinflussen können, keinen werden sie verschonen, keinen fürchten….Das sind die Männer, die da kommen werden, doch Maria wird sie auf Befehl des Höchsten heranbilden, um sein Reich auszubreiten über die Ungläubigen und Gottlosen.“

So geht das im militärisch-rabiaten Stil munter weiter, so daß man sich fragt, ob hier jemandes heißblütige Fantasie durchgebrannt ist.

Es paßt aber alles in die typisch schwärmerisch-fanatische Mentalität (Denkweise) mancher charismatischer Kreise, die sich für besonders erleuchtet halten, zumal sie ja wohl der geistige Vortrupp dieser „Apostel der letzten Tage“ sind.

Abgesehen davon wird das „Reich Gottes“ in Wirklichkeit ohnehin nicht über die „Ungläubigen und Gottlosen“ ausgebreitet, weil das geistig und praktisch gar nicht möglich ist – es sei denn mit Zwang und Gewalt – aber hierauf beruht das wahre Gottesreich gerade n i c h t .

Die Heilige Schrift hat uns für die Endzeit außerdem einen zunehmenden Glaubensabfall angekündigt – und nicht das Gegenteil, die Errichtung eines „Gottesreiches“ durch selbsternannte Apostel und Propheten, die wie verspätete Kreuzzügler und durchgeknallte Phantasten wirken.

Aber solche enthusiastischen, un-nüchternen „Endzeitvisionen“ passen in die Weltanschauung besonders „begnadeter Seelen“ wie Marthe Robin, die sich ohnehin reichlich aus der pseudomystischen Literatur früherer Zeiten bedient hat und dies dann als ihre eigenen Neuoffenbarungen von „oben“ ausgab.

Weitere Artikel zu Marthe Robin: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/robin-marthe-mystikerin/


Flache Erde, die stillsteht: Wenn der Glaube in den Aberglauben abdriftet

Von Felizitas Küble

Manche Vorurteile überdauern die Jahrhunderte – dazu gehört auch die irrige Vorstellung, das Mittelalter habe sich die Erde nicht als Kugel, sondern als flache Scheibe vorgestellt.

Um dies zu illustrieren, wird gerne auf entsprechendes Bildmaterial zurückgegriffen – wie etwa diese Zeichnung, die angeblich aus dem 16. Jahrhundert stammen soll, wie man sogar in Schulbüchern erfährt. (Näheres dazu hier: https://www.philso.uni-augsburg.de/institute/philosophie/Personen/Lehrbeauftragte/neidhart/Downloads/FaelschungenFlacherde0.pdf)

Das Bild zeigt einen Missionar, der den Horizont bzw. das Ende der Erdscheibe erreichte und nun staunend in das Universum schaut. In Wirklichkeit stammt die Grafik aus dem Jahre 1888 und ist lediglich in ihrer Darstellungsweise geschickt auf mittelalterlich gestrickt.

Tatsache ist nämlich, daß sowohl das christliche Altertum wie auch das gar nicht so „dumme“ Mittelalter wie selbstverständlch von der Kugelgestalt der Erde ausging – also beileibe nicht etwa erst seit der „Weltumseglung“ des Christoph Kolumbus.

Von Augustinus bis zu Thomas von Aquin war die Sache mit dem „Erdball“ ganz klar – und fast alle Kirchenlehrer und Theologen haben dies auch eindeutig als richtig erklärt.

Allein schon die Tatsache des „Reichsapfels“ mit Kreuz, den der Kaiser (hier auf dem Foto: Karl der Große) symbolhaft in Händen hielt und womit die Erde dargestellt wurde, dokumentiert dieses Faktum: Der Herrscher des Abendlandes trug eine Kugel und keine Scheibe!

Statt nun diese Falschvorstellungen über die christliche Zeit von Antike und Mittelalter gerade zu rücken, gibt es unter einigen  – gottlob nur wenigen – Gläubigen das Bedürfnis, eine „flache Erde“ zu verkünden – und damit verbunden meist die Behauptung, unser Planet stehe still und die anderen Gestirne seien in Bewegung um ihn herum.

Die Beweggründe für solche sonderbaren Vorstellungen sind verschieden. Mag bei manchen Leuten ein (abgrund-)tiefes Mißtrauen gegenüber der Wissenschaft eine Rolle spielen, andere wiederum einen Hang zu  Verschwörungsmythen verspüren, so gibt es auch noch jene Frommen im Lande, die aufgrund irgendwelcher Schauungen von Seher/innen am Modell einer stillstehenden Erde festhalten.

Wenn die visionäre Person dann auch noch heiliggesprochen wurde, kann sie sich doch nicht geirrt haben – so lautet der naive Schluß bzw. Kurzschluß.

Ein solcher Denkfehler geschieht leicht bei Gläubigen, die ohnehin zum Aberglauben oder Schwarmglauben neigen (beides ist wundersüchtig miteinander geistesverwandt), die erscheinunungsbewegt ständig hinter den neuesten „Sehern“ herlaufen, Privatoffenbarungen für das Gelbe vom Ei halten und sich einer charismatischen Frömmigkeit verschrieben haben.

So hält es beispielsweise die Zeitschrift „Leben“ aus Bad Herrenalb, die seit Jahrzehnten erscheint, ununterbrochen (auch in der neuesten Ausgabe) für die Medjugorje-„Marienbotschaften“ wirbt und schwarmgeistige Wanderprediger wie Pater James Manjackal anpreist.

In der Ausgabe Nr. 2/2020 veröffentlicht Dr. Wolfgang Schneider einen seitenlangen Artikel, in dem er den Lesern allen Ernstes den Glauben abverlangt, die Erde stehe stille, denn das sei Hildegardis Wille – genauer: das habe die mittelalterliche Nonne Hildegard von Bingen visionär so gesehen, also könne es nur richtig sein, denn immerhin sei sie doch von Papst Benedikt „in den Stand der Heiligkeit erhoben“ worden.

Der Autor scheint trotz akademischer Bildung nicht zu wissen, daß eine Heiligsprechung mitnichten alle Ansichten  – geschweige „Schauungen“  – der damit Gewürdigten billigt oder gar bestätigt. Vielmehr geht es allein um die sog. „heroischen“ (heldenhaften) „Tugendgrad“, also die charakterliche Vorbildhaftigkeit der betreffenden Persönlichkeit. Das schließt Irrtümer selbstverständlich nicht aus, denn nur Gott allein ist vollkommen in seinem Wissen und Erkennen. Natur Mensch Umwelt

In der Zeitschrift wird ohne Ironie in voller Heftbreite das oben kritisierte „Weltmodell“ der flachen Erde abgebildet – und darin der Titel eingefügt: „Das Weltmodell nach der Kosmos-Vision von der hl. Hildegard von Bingen“.

Dann wird aus ihrem „dritten Großwerk“ namens „de operatione Dei“ (die göttlichen Werke) zitiert und geschlußfolgert: „Die kleine Erde ist der Mittelpunkt des Alls, um den sich das ganze Firmament dreht“.

Weiter heißt es: „Die hl. Hildegard sieht die Erde als statisch, sie zeigt keinerlei Bewegung, während sich der ganze Kosmos um den Menschen dreht.“

Es folgt die Frage: „Sollte in diesen mystischen Aussagen unsere Vorstellung von einer sich drehenden Erde revidiert werden?“

Zunächst: Ob man der hl. Hildegard und ihrem Ansehen einen Gefallen erweist, indem man sich ausgerechnet auf den zeitbedingten Teil ihrer „Schauungen“ fixiert, sei dahingestellt.

Immerhin hat die Äbtissin aus dem Hochmittelalter insgesamt eine durchaus eindrucksvolle „Schöpfungstheologie“ vorgelegt, darin den Zusammenhang von Gott, Mensch und Kosmos harmonisch aufgezeigt und erhellt – und war auch in der Darstellung der Heilsgeschichte solide christozentrisch ausgerichtet.

Aber Heilige sind in ihren Ansichten nicht unfehlbar – und dies gilt erst recht für Visionen, denn diese gehen unvermeidlicherweise durch die menschliche Vorstellungskraft hindurch – und werden durch die begrenzte menschliche Sprache präsentiert. Selbst wenn also Impulse sozusagen „echt“ sind, wird das Ergebnis nicht automatisch „eins zu eins“ in Schriftform gegossen.

Doch der Verfasser will die Leser dazu verdonnern, die „stillstehende“ Erde wie einen unfehlbaren Glaubenssatz zu schlucken.

Unter dem vielsagenden Zwischentitel „Glaube macht selig“ (!) heißt es, manches an Hildegards Kosmos-Visionen „stellt unsere Glaubensfähigkeit auf die Probe“. Ihr sei ein „Weltmodell“ gezeigt worden, „welches unserem heutigen Weltbild widerspricht“.

Aber jetzt kommt der Knüller bzw. mentale Kurzschluß: „Gottes Offenbarung aber will ernst genommen werden, weshalb Gottvater selbst den Inhalt ihres Buches beglaubigt.“ (Diese „Beglaubigung“ wird freilich nicht belegt.)

Danach wird erneut Hildegards Heiligsprechung 2012 erwähnt, ebenso ihre Erhebung zur Kirchenlehrerin 2014. 

Sodann wird ernsthaft beklagt, die „moderne Wissenschaft“ würde sich „massiv dagegen sträuben“, Hildegards „Weltmodell“ für realistisch zu halten.

Das wollen wir doch hoffen!

Sowohl der Naturwissenschaft wie dem nüchternen Glauben geht es allein um die Wahrheit – und nicht um das Fixiertsein auf kosmologische Visionen einer Äbtissin, als ob es sich dabei um unfehlbare Dogmen handeln würde.

Ein solcher „Glaube“  macht nicht etwa selig, sondern abergläubisch!

Abgesehen davon weiß man schon von der ebenfalls heiliggesprochenen und zur Kirchenlehrerin erklärten Katharina von Siena, daß sie auf eine irrige Erscheinung hereingefallen war: https://charismatismus.wordpress.com/2015/02/27/die-hl-katharina-von-siena-erlebte-eine-irrtumliche-marienerscheinung/

Weitere Infos zur „Erdkugel“ hier: https://charismatismus.wordpress.com/2017/08/21/flache-scheibe-oder-erdkugel-das-mittelalter-und-die-naturwissenschaften/

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Garabandal-Erscheinungen und die Prophetie von der weltweiten „Warnung“

Wie ein roter Faden zieht sich seit Jahrzehnten die an der kirchlich nicht anerkannten Erscheinungsstätte Garabandal angekündigte „Warnung“ durch die erscheinungsbewegte Szene.

So verarbeitete der bekannte Historiker Dr. h.c. Michael Hesemann dieses zukünftige Geschehnis auf dem Internetportal Kath.net wohlwollend unter dem derzeit besondere Aufmerksamkeit erregenden Titel: „Marienerscheinungen und die Corona-Krise!“ 

Der Beitrag Hesemanns erfuhr hier im CHRISTLICHEN FORUM (CF) ein paar kritische Anmerkungen durch die CF-Leiterin Felizitas Küble: https://charismatismus.wordpress.com/2020/04/20/trevignano-romano-corona-botschaften-bewegen-das-fromme-spektrum/

Der Garabandal-Fan Hesemann meldete sich mit einem Leserommentar zu Wort und nannte dabei (freilich ohne jeden Beleg) sogar Papst Paul VI. sowie Pater Pio und den spanischen Ortsbischof Osoro als Zeugen für diese angeblich „authentische“ (echte) Erscheinung Anfang der 60er Jahre. So schreibt Hesemann:

„Die „Warnung“ wurde in Garabandal angekündigt, einer authentischen Erscheinung, die von Papst Paul VI., Pater Pio und dem Ortbischof Osoro für echt gehalten wurde (nur nicht von Frau Küble).“ 

Diese Behauptung des Historikers verlangt danach, kritisch hinterfragt zu werden. So lässt sich an Hand von Expertenveröffentlichungen nachweisen, dass eine gesunde Skepsis gegenüber Garabandal angebracht ist.

So ist bekannt, dass es der im November 2014 verstorbene und in der Szene bis heute als Garabandal-Experte gelobte Albrecht Weber selber war, der die Seherin Mari Loli (ebenfalls verstorben) bzw. die sog. Hauptseherin Conchita Gonzales ungewollt einer unwahren Aussage überführt hat.

So schrieb Albrecht Weber über die WARNUNG („Aviso“):

„Am Tag nach der letzten Erscheinung, am 14. Nov. 1965 fragte ich Conchita: „Hast Du die heilige Jungfrau Maria gefragt, wann wir die Warnung (aviso) erwarten?“ – „Ja“, antwortete sie: „Sie hat mir aber darauf geantwortet: ‚das weiß ich nicht’. Das weiß nicht einmal mein Sohn Jesus, weil es im Willen des Vaters verborgen ist!““

Diese Aussage der „Hauptseherin“ Conchita steht aber im Widerspruch zu dem, was A. Weber im Jahr 1993 in seinem Buch „Der Zeigefinger Gottes“ mitteilt. Dort heißt es auf Seite 126 der Erstauflage, dass Mari Loli das Datum der „Warnung“ kennt (!), aber die „Heilige Jungfrau“ ihr streng befohlen habe, es niemandem zu sagen.

Die Äußerung Conchitas von 1965 zum Datum der „Warnung“ machte Weber nach 1993 im Internet öffentlich.

Allein schon an diesem Punkt sollte es zünden und die Frage gestellt werden, wer hier wen getäuscht hat und warum Weber diesen Widerspruch im Jahre 1993 wider besseres Wissen  in seinem Buch veröffentlichte.

Der Verfasser wusste doch seit dem 14. Nov. 1965 durch Conchita, dass das Datum der „Warnung“ im Willen (!) des VATERS verborgen und nicht einmal dem SOHN bekannt ist.

Warum Weber als begeisterter Anhänger der Ereignisse diesem erheblichen Widersprüchen in den Aussagen der „Seherinnen“ nicht nachgegangen ist, die er selbst veröffentlicht hat, erschließt sich nicht.

Faktum ist: Eine der „Seherinnen“ hat gelogen oder beide Damen sind von der angeblichen „Erscheinung“ betrogen worden. Aber dies wird wohl weiter von denen ignoriert werden, die wie verblendet auf dem „Warnung- und Wunderzug“ durch die erscheinungsbewegte Szene fahren möchten.

Zum Thema Garabandal und ihren Irrtümern, Zahlenspielereien, Geheimniskrämereien usw. finden sich hier im CF etwa ein dutzend weiterer Beiträge: https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/garabandal/

Unser Autor ist Konvertit und katholischer Familienvater aus dem Rheinland, der seit vielen Jahren unter dem Nicknamen „GsJC“ im CHRISTLICHEN FORUM schreibt