Ludwig M. Grignion von Montfort und Marthe Robin: gemeinsame Endzeitschwärmereien

Von Felizitas Küble

Die 33-Tage-Andacht mit dem Ziel einer Marienweihe („Vollkommene Weihe an Jesus durch Maria“) ist in marianischen und zumal in erscheinungsbewegten Kreisen seit langem bekannt und beliebt.

Auch wenn vieles in dieser speziellen Art des Marienkultes, die auf den hl. Grignion von Montfort zurückkehrt, durchaus richtig sein mag, so beruht sie doch zugleich auf Endzeitschwärmereien, die weder mit der biblischen noch mit der kirchlichen Lehre vereinbar sind (vgl. lehramtliche Stellungnahmen gegen den sog. Chiliasmus und Postmillenarismus).

Dieser Beitrag soll aber keine theologische Abhandlung werden, sondern einige typische spirituelle Fehlentwicklungen aufzeigen, wie sie im Kontext dieser Andachtsform weitverbreitet sind.

Zunächst fällt auf, daß die erwähnte 33-Tage-Weihe besonders oft von pseudomystischen Seher/innen propagiert wird, z.B. bei der Visionärin Bärbel von Marienfried (als Erscheinung kirchlich nicht anerkannt). Zudem wird diese Spezialandacht in der Medjugorje-Bewegung stark hochgehalten – von der „Seligpreisungs“-Gemeinschaft sowieso, aber auch von „Totus Tuus“ (eine charismatisch-marianische Jugendgruppe: http://www.totus-tuus.de/site/totus-tuus/spiritualitat/marianisch/)

Die unlängst als betrügerisch entlarvten „Botschaften“ der Stigmatisierten Marthe Robin gründen ebenfalls fundamental auf den Endzeitschwärmereien des französischen Priesters Ludwig Maria Grignion von Montfort, inbesondere ihre Ankündigung eines „neuen Pfingsten“ für die Kirche.

Kurz gesagt beinhaltet diese „prophetische“ Sichtweise, daß am Ende der Zeit zwar zunächst Krisen und Heimsuchungen für die Kirche möglich seien, aber dies werde alles überwunden durch die „Apostel der letzten Zeiten“, die als begeisterte Marienverehrer gleichsam die Welt umkrempeln und eine Art spirituelles Gottesreich auf Erden errichten.

Von dieser Grundhaltung war auch die französische „Seherin“ Marthe Robin geprägt, weshalb sie jahrzehntelang bis zuletzt vom kommenden „Pfingsten der Liebe“ sprach, das vor allem durch die „geistlichen Gemeinschaften“ ausbrechen werde, wobei einige charismatische Bewegungen sogar von ihr selber angestoßen und ermutigt wurden (darunter die bereits erwähnte „Gemeinschaft der Seligspreisungen“ bzw. „Arche“ und „Emmanuel“).

In der euphorischen Biographie „Martha“ von Bruder Ephraim, dem Gründer jener Seligpreisungs-Kommunität, zieht sich diese Endzeiteuphorie wie ein roter Faden durch das Buch. Er betont mehrfach die einzigartige Bedeutung der 33-Tage-Andacht für das Frömmigkeitsleben und die „Prophetie“ von Marthe Robin, vor allem ab S. 74 ff.

In den von ihr gegründeten Charites wurde in Exerzitien diese Grignionsche Marienweihe gelehrt, die Marthe selbst auch für sich selber mmer wieder erneuert hat.

Aus der entsprechenden „Abhandlung über die wahre Verehrung Mariens“ wird in Ephraims Martha-Buch ausführlich zitiert (vgl. ab S. 74), darunter folgende überschwängliche Zukunftsprognosen über die „Apostel der letzten Zeiten“ (S. 73) bzw. die „Diener Mariens“, die im Grignionschen Original übrigens „Sklaven“ Mariens heißen:

„Sie werden die Fülle des Erbarmen Mariens erfahren und erkennen, wie sehr sie ihre Hilfe brauchen.“ (In Wirklichkeit spricht die Kirche in ihrer Liturgie und Verkündigung hinsichtlich Mariens von einer Fürsprache, wogegen sich das Erbarmen auf Christus als Erlöser beziehen.)

Zudem wirkt die ganze Beschreibung dieser „Endzeittruppe“ dramatisierend, fanatisch und schwärmerisch, denn diese „Diener Mariens“ seien – so heißt es – „ein verzehrendes Feuer….scharfe Pfeile in der Hand der mächtigen Jungfrau, mit denen sie ihre Feinde durchbohrt.“ – Für die Armen seien diese neuen Heiligen ein „Wohlgeruch Christi“, aber für die „reichen und hochfahrenden Weltleute ein Geruch des Todes“.

Und weiter: Sie werden Donnerwolken sein, die beim leistesten Hauch des Heiligen Geistes die Lüfte durchsegeln…Donnern werden sie gegen die Sünde, grollen gegen die Welt und ihre Blitze schleudern gegen den Teufel und seine Anhänger. Mit dem zweischneidigen Schwert des Gotteswortes werden sie alle treffen und durchbohren, zu welchen der Höchste sie sendet, sei es zum Leben, sei es zum Tode. Sie werden die wahren Apostel der Endzeit sein, denen der Herr der Heerscharen Wort und Gewalt verleiht….

Kein Sterblicher, wie mächtig er auch sein mag, wird sie beeinflussen können, keinen werden sie verschonen, keinen fürchten….Das sind die Männer, die da kommen werden, doch Maria wird sie auf Befehl des Höchsten heranbilden, um sein Reich auszubreiten über die Ungläubigen und Gottlosen.“

So geht das im militärisch-rabiaten Stil munter weiter, so daß man sich fragt, ob hier jemandes heißblütige Fantasie durchgebrannt ist.

Es paßt aber alles in die typisch schwärmerisch-fanatische Mentalität (Denkweise) mancher charismatischer Kreise, die sich für besonders erleuchtet halten, zumal sie ja wohl der geistige Vortrupp dieser „Apostel der letzten Tage“ sind.

Abgesehen davon wird das „Reich Gottes“ in Wirklichkeit ohnehin nicht über die „Ungläubigen und Gottlosen“ ausgebreitet, weil das geistig und praktisch gar nicht möglich ist – es sei denn mit Zwang und Gewalt – aber hierauf beruht das wahre Gottesreich gerade n i c h t .

Die Heilige Schrift hat uns für die Endzeit außerdem einen zunehmenden Glaubensabfall angekündigt – und nicht das Gegenteil, die Errichtung eines „Gottesreiches“ durch selbsternannte Apostel und Propheten, die wie verspätete Kreuzzügler und durchgeknallte Phantasten wirken.

Aber solche enthusiastischen, un-nüchternen „Endzeitvisionen“ passen in die Weltanschauung besonders „begnadeter Seelen“ wie Marthe Robin, die sich ohnehin reichlich aus der pseudomystischen Literatur früherer Zeiten bedient hat und dies dann als ihre eigenen Neuoffenbarungen von „oben“ ausgab.

Weitere Artikel zu Marthe Robin: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/robin-marthe-mystikerin/


Flache Erde, die stillsteht: Wenn der Glaube in den Aberglauben abdriftet

Von Felizitas Küble

Manche Vorurteile überdauern die Jahrhunderte – dazu gehört auch die irrige Vorstellung, das Mittelalter habe sich die Erde nicht als Kugel, sondern als flache Scheibe vorgestellt.

Um dies zu illustrieren, wird gerne auf entsprechendes Bildmaterial zurückgegriffen – wie etwa diese Zeichnung, die angeblich aus dem 16. Jahrhundert stammen soll, wie man sogar in Schulbüchern erfährt. (Näheres dazu hier: https://www.philso.uni-augsburg.de/institute/philosophie/Personen/Lehrbeauftragte/neidhart/Downloads/FaelschungenFlacherde0.pdf)

Das Bild zeigt einen Missionar, der den Horizont bzw. das Ende der Erdscheibe erreichte und nun staunend in das Universum schaut. In Wirklichkeit stammt die Grafik aus dem Jahre 1888 und ist lediglich in ihrer Darstellungsweise geschickt auf mittelalterlich gestrickt.

Tatsache ist nämlich, daß sowohl das christliche Altertum wie auch das gar nicht so „dumme“ Mittelalter wie selbstverständlch von der Kugelgestalt der Erde ausging – also beileibe nicht etwa erst seit der „Weltumseglung“ des Christoph Kolumbus.

Von Augustinus bis zu Thomas von Aquin war die Sache mit dem „Erdball“ ganz klar – und fast alle Kirchenlehrer und Theologen haben dies auch eindeutig als richtig erklärt.

Allein schon die Tatsache des „Reichsapfels“ mit Kreuz, den der Kaiser (hier auf dem Foto: Karl der Große) symbolhaft in Händen hielt und womit die Erde dargestellt wurde, dokumentiert dieses Faktum: Der Herrscher des Abendlandes trug eine Kugel und keine Scheibe!

Statt nun diese Falschvorstellungen über die christliche Zeit von Antike und Mittelalter gerade zu rücken, gibt es unter einigen  – gottlob nur wenigen – Gläubigen das Bedürfnis, eine „flache Erde“ zu verkünden – und damit verbunden meist die Behauptung, unser Planet stehe still und die anderen Gestirne seien in Bewegung um ihn herum.

Die Beweggründe für solche sonderbaren Vorstellungen sind verschieden. Mag bei manchen Leuten ein (abgrund-)tiefes Mißtrauen gegenüber der Wissenschaft eine Rolle spielen, andere wiederum einen Hang zu  Verschwörungsmythen verspüren, so gibt es auch noch jene Frommen im Lande, die aufgrund irgendwelcher Schauungen von Seher/innen am Modell einer stillstehenden Erde festhalten.

Wenn die visionäre Person dann auch noch heiliggesprochen wurde, kann sie sich doch nicht geirrt haben – so lautet der naive Schluß bzw. Kurzschluß.

Ein solcher Denkfehler geschieht leicht bei Gläubigen, die ohnehin zum Aberglauben oder Schwarmglauben neigen (beides ist wundersüchtig miteinander geistesverwandt), die erscheinunungsbewegt ständig hinter den neuesten „Sehern“ herlaufen, Privatoffenbarungen für das Gelbe vom Ei halten und sich einer charismatischen Frömmigkeit verschrieben haben.

So hält es beispielsweise die Zeitschrift „Leben“ aus Bad Herrenalb, die seit Jahrzehnten erscheint, ununterbrochen (auch in der neuesten Ausgabe) für die Medjugorje-„Marienbotschaften“ wirbt und schwarmgeistige Wanderprediger wie Pater James Manjackal anpreist.

In der Ausgabe Nr. 2/2020 veröffentlicht Dr. Wolfgang Schneider einen seitenlangen Artikel, in dem er den Lesern allen Ernstes den Glauben abverlangt, die Erde stehe stille, denn das sei Hildegardis Wille – genauer: das habe die mittelalterliche Nonne Hildegard von Bingen visionär so gesehen, also könne es nur richtig sein, denn immerhin sei sie doch von Papst Benedikt „in den Stand der Heiligkeit erhoben“ worden.

Der Autor scheint trotz akademischer Bildung nicht zu wissen, daß eine Heiligsprechung mitnichten alle Ansichten  – geschweige „Schauungen“  – der damit Gewürdigten billigt oder gar bestätigt. Vielmehr geht es allein um die sog. „heroischen“ (heldenhaften) „Tugendgrad“, also die charakterliche Vorbildhaftigkeit der betreffenden Persönlichkeit. Das schließt Irrtümer selbstverständlich nicht aus, denn nur Gott allein ist vollkommen in seinem Wissen und Erkennen. Natur Mensch Umwelt

In der Zeitschrift wird ohne Ironie in voller Heftbreite das oben kritisierte „Weltmodell“ der flachen Erde abgebildet – und darin der Titel eingefügt: „Das Weltmodell nach der Kosmos-Vision von der hl. Hildegard von Bingen“.

Dann wird aus ihrem „dritten Großwerk“ namens „de operatione Dei“ (die göttlichen Werke) zitiert und geschlußfolgert: „Die kleine Erde ist der Mittelpunkt des Alls, um den sich das ganze Firmament dreht“.

Weiter heißt es: „Die hl. Hildegard sieht die Erde als statisch, sie zeigt keinerlei Bewegung, während sich der ganze Kosmos um den Menschen dreht.“

Es folgt die Frage: „Sollte in diesen mystischen Aussagen unsere Vorstellung von einer sich drehenden Erde revidiert werden?“

Zunächst: Ob man der hl. Hildegard und ihrem Ansehen einen Gefallen erweist, indem man sich ausgerechnet auf den zeitbedingten Teil ihrer „Schauungen“ fixiert, sei dahingestellt.

Immerhin hat die Äbtissin aus dem Hochmittelalter insgesamt eine durchaus eindrucksvolle „Schöpfungstheologie“ vorgelegt, darin den Zusammenhang von Gott, Mensch und Kosmos harmonisch aufgezeigt und erhellt – und war auch in der Darstellung der Heilsgeschichte solide christozentrisch ausgerichtet.

Aber Heilige sind in ihren Ansichten nicht unfehlbar – und dies gilt erst recht für Visionen, denn diese gehen unvermeidlicherweise durch die menschliche Vorstellungskraft hindurch – und werden durch die begrenzte menschliche Sprache präsentiert. Selbst wenn also Impulse sozusagen „echt“ sind, wird das Ergebnis nicht automatisch „eins zu eins“ in Schriftform gegossen.

Doch der Verfasser will die Leser dazu verdonnern, die „stillstehende“ Erde wie einen unfehlbaren Glaubenssatz zu schlucken.

Unter dem vielsagenden Zwischentitel „Glaube macht selig“ (!) heißt es, manches an Hildegards Kosmos-Visionen „stellt unsere Glaubensfähigkeit auf die Probe“. Ihr sei ein „Weltmodell“ gezeigt worden, „welches unserem heutigen Weltbild widerspricht“.

Aber jetzt kommt der Knüller bzw. mentale Kurzschluß: „Gottes Offenbarung aber will ernst genommen werden, weshalb Gottvater selbst den Inhalt ihres Buches beglaubigt.“ (Diese „Beglaubigung“ wird freilich nicht belegt.)

Danach wird erneut Hildegards Heiligsprechung 2012 erwähnt, ebenso ihre Erhebung zur Kirchenlehrerin 2014. 

Sodann wird ernsthaft beklagt, die „moderne Wissenschaft“ würde sich „massiv dagegen sträuben“, Hildegards „Weltmodell“ für realistisch zu halten.

Das wollen wir doch hoffen!

Sowohl der Naturwissenschaft wie dem nüchternen Glauben geht es allein um die Wahrheit – und nicht um das Fixiertsein auf kosmologische Visionen einer Äbtissin, als ob es sich dabei um unfehlbare Dogmen handeln würde.

Ein solcher „Glaube“  macht nicht etwa selig, sondern abergläubisch!

Abgesehen davon weiß man schon von der ebenfalls heiliggesprochenen und zur Kirchenlehrerin erklärten Katharina von Siena, daß sie auf eine irrige Erscheinung hereingefallen war: https://charismatismus.wordpress.com/2015/02/27/die-hl-katharina-von-siena-erlebte-eine-irrtumliche-marienerscheinung/

Weitere Infos zur „Erdkugel“ hier: https://charismatismus.wordpress.com/2017/08/21/flache-scheibe-oder-erdkugel-das-mittelalter-und-die-naturwissenschaften/

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Garabandal-Erscheinungen und die Prophetie von der weltweiten „Warnung“

Wie ein roter Faden zieht sich seit Jahrzehnten die an der kirchlich nicht anerkannten Erscheinungsstätte Garabandal angekündigte „Warnung“ durch die erscheinungsbewegte Szene.

So verarbeitete der bekannte Historiker Dr. h.c. Michael Hesemann dieses zukünftige Geschehnis auf dem Internetportal Kath.net wohlwollend unter dem derzeit besondere Aufmerksamkeit erregenden Titel: „Marienerscheinungen und die Corona-Krise!“ 

Der Beitrag Hesemanns erfuhr hier im CHRISTLICHEN FORUM (CF) ein paar kritische Anmerkungen durch die CF-Leiterin Felizitas Küble: https://charismatismus.wordpress.com/2020/04/20/trevignano-romano-corona-botschaften-bewegen-das-fromme-spektrum/

Der Garabandal-Fan Hesemann meldete sich mit einem Leserommentar zu Wort und nannte dabei (freilich ohne jeden Beleg) sogar Papst Paul VI. sowie Pater Pio und den spanischen Ortsbischof Osoro als Zeugen für diese angeblich „authentische“ (echte) Erscheinung Anfang der 60er Jahre. So schreibt Hesemann:

„Die „Warnung“ wurde in Garabandal angekündigt, einer authentischen Erscheinung, die von Papst Paul VI., Pater Pio und dem Ortbischof Osoro für echt gehalten wurde (nur nicht von Frau Küble).“ 

Diese Behauptung des Historikers verlangt danach, kritisch hinterfragt zu werden. So lässt sich an Hand von Expertenveröffentlichungen nachweisen, dass eine gesunde Skepsis gegenüber Garabandal angebracht ist.

So ist bekannt, dass es der im November 2014 verstorbene und in der Szene bis heute als Garabandal-Experte gelobte Albrecht Weber selber war, der die Seherin Mari Loli (ebenfalls verstorben) bzw. die sog. Hauptseherin Conchita Gonzales ungewollt einer unwahren Aussage überführt hat.

So schrieb Albrecht Weber über die WARNUNG („Aviso“):

„Am Tag nach der letzten Erscheinung, am 14. Nov. 1965 fragte ich Conchita: „Hast Du die heilige Jungfrau Maria gefragt, wann wir die Warnung (aviso) erwarten?“ – „Ja“, antwortete sie: „Sie hat mir aber darauf geantwortet: ‚das weiß ich nicht’. Das weiß nicht einmal mein Sohn Jesus, weil es im Willen des Vaters verborgen ist!““

Diese Aussage der „Hauptseherin“ Conchita steht aber im Widerspruch zu dem, was A. Weber im Jahr 1993 in seinem Buch „Der Zeigefinger Gottes“ mitteilt. Dort heißt es auf Seite 126 der Erstauflage, dass Mari Loli das Datum der „Warnung“ kennt (!), aber die „Heilige Jungfrau“ ihr streng befohlen habe, es niemandem zu sagen.

Die Äußerung Conchitas von 1965 zum Datum der „Warnung“ machte Weber nach 1993 im Internet öffentlich.

Allein schon an diesem Punkt sollte es zünden und die Frage gestellt werden, wer hier wen getäuscht hat und warum Weber diesen Widerspruch im Jahre 1993 wider besseres Wissen  in seinem Buch veröffentlichte.

Der Verfasser wusste doch seit dem 14. Nov. 1965 durch Conchita, dass das Datum der „Warnung“ im Willen (!) des VATERS verborgen und nicht einmal dem SOHN bekannt ist.

Warum Weber als begeisterter Anhänger der Ereignisse diesem erheblichen Widersprüchen in den Aussagen der „Seherinnen“ nicht nachgegangen ist, die er selbst veröffentlicht hat, erschließt sich nicht.

Faktum ist: Eine der „Seherinnen“ hat gelogen oder beide Damen sind von der angeblichen „Erscheinung“ betrogen worden. Aber dies wird wohl weiter von denen ignoriert werden, die wie verblendet auf dem „Warnung- und Wunderzug“ durch die erscheinungsbewegte Szene fahren möchten.

Zum Thema Garabandal und ihren Irrtümern, Zahlenspielereien, Geheimniskrämereien usw. finden sich hier im CF etwa ein dutzend weiterer Beiträge: https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/garabandal/

Unser Autor ist Konvertit und katholischer Familienvater aus dem Rheinland, der seit vielen Jahren unter dem Nicknamen „GsJC“ im CHRISTLICHEN FORUM schreibt


Trevignano Romano: Corona-„Botschaften“ bewegen das fromme Spektrum

Von Felizitas Küble

Die neuesten Visionen aus Trevignano Romano bei Rom verunsichern und erregen derzeit das erscheinungsbewegte katholische „Lager“. Auch das charismatische Portal „Kath.net“ hat sich mit diesen Himmelskundgaben bereits wohlwollend befaßt – kein Geringerer als der Historiker Michael Hesemann präsentierte positiv die dortigen „Botschaften“ von oben, die scheinbar wie der Topf auf den Deckel zur derzeitigen Corona-Krise passen.

Die außerordentlichen Phänomene begannen mit einer Pilgerfahrt des Ehepaars Gisella und Gianni nach Medjugorje, die dort viele „Zeichen und Wunder“ erlebt haben wollen.

Es gab danach „blutige Tränen“ an einer dort gekauften Madonnenfigur, sodann „Tränenwunder“ bei einem Faustyna-Jesus, ab Juni 2016 folgten Marienerscheinungen. (Original-Fanseite bzw. Internetpräsenz hier: https://www.lareginadelrosario.com/)

Autor Hesemann erinnerte z.B. an folgende Botschaft vom 10.10.2016 an das erwähnte Ehepaar: „Bete, dass eine Krankheit, für die es keine Heilung gibt, ausgerottet werden kann.“

Der Bezug zu Corona ist freilich an den Haaren herbeigezogen, denn die meisten Infizierten werden sehr wohl geheilt, sogar die Mehrzahl der konkret Erkrankten.

Es läßt sich in diesem Spektrum alles steigern, denn inzwischen gibt es sogar Offenbarungen direkt von „Jesus“. Am 8. April erklärte das Erscheinungsphänomen der Ehefrau:

„Heute war der Tag, an dem ich von Judas mit einem Kuss verraten wurde. Als ich durch die Stadt ging, blickten die Pharisäer mit Stolz und Arroganz auf mich herab. Meine Kirche verrät mich auch heute noch, indem sie mich oberflächlich ansieht. Selbst große Theologen verbarrikadieren die Kirchen, indem sie meine Herde zerstreuen.

Meine Tochter, das ist die Geschichte des Karwochenendes und dieser Zeiten; bald wird die Warnung auf euch zukommen, die Euch die Wahl gibt, mich oder Satan zu lieben. Danach werden Feuerbälle auf die Erde herabfallen, und das wird die schlimmste Zeit für Euch sein, denn alle möglichen Katastrophen werden kommen.

Meine Mutter wird Euch beschützen, indem sie Euch unter ihren gesegneten Mantel nimmt, fürchtet Euch nicht. Ich segne Euch alle im Namen des Vaters, in meinem Namen und im Namen des Heiligen Geistes, Amen.“

Soviel Unfug auf einmal findet man selten in wenigen Sätzen:

1. Es ist ausgeschlossen, daß der wahre Christus behauptet:Meine Kirche verrät mich auch heute noch, indem sie mich oberflächlich ansieht“ – Das hat „die“ Kirche nie getan und wird es nie tun, sondern immer nur einzelne Vertreter derselben. Die Kirche als Heilsinstanz ist vom HERRN selbst gegründet, ER ist ihr Haupt, also kann „seine“ Kirche IHN nie in ihrer Gesamtheit „verraten“ – zudem ist die Begründung, die Kirche würde IHN „oberflächlich ansehen“, nichtssagend und banal.

2.  Typisch für diese Szenerie folgt nun die Ankündigung der sog. „Warnung“ – eine alte Irrlehre, die seit Jahrzehnten immer wieder neu aufgewärmt wird und die nicht zuletzt auf die „Erscheinungen“ von Garabandal zurückgeht (kirchlich nicht anerkannt). Infos über den Unsinn der Warnung findet man im CHRISTLICHEN FORUM zuhauf (Stichwort eingeben).

3. Daß danach „Feuerbälle auf die Erde herabfallen“, steht nicht in der Heiligen Schrift (natürlich auch nichts vom Phänomen der „Warnung“), so daß man dies als übliche Schauerbotschafts-Story ansehen kann.

4. Warum sollte Christus als GOTT zum Schutz der Gläubigen auf seine Mutter verweisen, obwohl sie doch sein Geschöpf ist – und ER ihr HERR, die Madonna also gleichsam unter seinem Schutz steht. Natürlich kann die Gottesmutter gut und gerne als „Schutzmantelmadonna“ verehrt werden – aber Christus selbst als oberster Schutzherr hat es nicht nötig, auf ein von IHM geschaffenes Geschöpf zu verweisen, wenn ER schon angeblich selber spricht (was aber hier ohnehin nicht der Fall ist).

Damit nicht genug, wurde vor zwei Tagen  – am 18. April  –  ganz frisch folgende Marienbotschaft aus Trevignano Romano gemeldet:

„Liebe Kinder, kämpft für eure Freiheit, Ihr werdet bald von bösen Diktatoren in die Sklaverei geführt werden. Vorsicht vor Impfstoffen und allen damit verbundenen Verpflichtungen, denn sie werden nicht von Gott kommen, sondern von Satan, der euer Leben und euren Geist beherrschen will…Meine Engel und Erzengel werden immer bei euch sein, seid nicht lau.“

Diese „Erscheinung“ hat wohl die neuesten „Alternativmeldungen“ aus dem Internet gelesen. Dabei benötigen wir keine „Offenbarungen“ von oben, um mit dem bloßen Verstand zu erkennen, daß die Corona-Krise von einigen politische Eliten dazu (aus)genutzt wird, um eine wachsende Kontrolle über die Bürger einzuführen und Freiheitsrechte über das gebotene Maß hinaus zu beschneiden.

Entsprechende kritische Beiträge finden sich seit vielen Wochen hier im CF.

Allerdings ist eine pauschale Ablehnung von Impfstoffen verfehlt, denn der mögliche Mißbrauch einer Sache (Vereinnahmung von Impfungen für eine nachfolgende Digitalisierung zur Kontrolle der Bürger) spricht nicht gegen die Sache selbst. Es muß hier also differenziert werden, statt nur Panik zu schüren.

Sodann fragt man sich, wie diese Marienerscheinung denn gerazu anmaßend verkünden kann: „Meine Engel und Erzengel….“ – Die Engelwelt wurde von GOTT erschaffen, es handelt sich um seine Engel – und auch die Mutter des HERRN ist ein Geschöpf ähnlich der Engel – und selbst keine Schöpferin. 

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Der hl. Vinzenz Ferrer und sein visionärer Irrtum vom baldigen Weltuntergang

Von Felizitas Küble

Am heutigen 5. April begeht die Kirche den Namenstag des hl. Vinzenz Ferrer, eines spätmittelalterlichen Priesters aus dem Predigerorden der Dominikaner. Sein Orden feiert diesen Gedenktag einen Monat später, am 5. Mai.

Im Vorjahr wurde anläßlich des 600. Todestages in katholischen Publikationen vielfach über den französischen Bußprediger geschrieben, denn Vinzenz bzw. Vicente Ferrer lebte von 1350 bis 1419 – und zwar in einer äußerst chaotischen Zeit mit Kriegen, Pest und Hungersnöten.

Auch in kirchlicher Hinsicht war die Verwirrung enorm, denn seit 1378 gab es gleich zwei Gegenpäpste (teils in Rom, teils in Avignon) – ein Dilemma, das erst auf dem Konzil von Konstanz mit der Wahl eines ganz neuen Papstes beendet wurde.

Vinzenz Ferrer zog als Wanderprediger durch halb Europa, wobei er durch seine Aufrufe zur Umkehr riesige Massen zu bekehren vermochte, auch Juden und Muslime, vor allem in Spanien. Er lebte sehr asketisch und bescheiden, verkündete in großer Eindringlichkeit das Evangelium, besaß ein bemerkenswertes Charisma – allerdings irrte er sich zugleich vor allem in zweifacher Hinsicht:

Zunächst plädierte er jahrelang für einen der zwei Gegenpäpste in Avignon, war auch dessen Beichtvater, doch wird man ihm dies nicht ernsthaft anlasten können, es hinderte ja auch nicht seine spätere Heiligsprechung. Wie sollten Priester und Gläubige bei dem Wirrwarr, der damals unter konkurrierenden „Päpsten“ an der Tagesordnung war, noch „durchsteigen“? Das war fast unmöglich, zumal es keine Medienwelt wie heute gab, vielmehr war man weitgehend auf Mund-zu-Mund-Progaganda angewiesen.

Bedenklicher war es freilich, daß Ferrer ständig ankündigte, noch zu seinen Lebzeiten werde der Antichrist kommen und die Welt untergehen.

Nun ist auch dies zunächst nicht weiter verwunderlich, denn die damalige Krisenstimmung, Katastrophen und Seuchen, dazu der kirchliche Niedergang konnten die Menschen leicht zu dieser Ansicht verleiten.

Das eigentliche Problem bestand eher darin, daß der Dominikaner sich hierbei auf Visionen berufen hat, die er vom Himmel erhalten haben wollte. Zudem sah er Heilungen und wundersame Vorgänge während seiner Predigten als himmlische Bestätigung seiner Botschaften vom Weltende an.

Im Jahre 1455 wurde Vinzenz von Papst Callixt III. heiliggesprochen. Nun wird sich mancher fragen, wie dies denn unter diesen Umständen möglich war?

Aber bekanntlich wird man nicht wegen Irrtumslosigkeit zur Ehre der Altäre erhoben, sondern wegen eines heroischen (heldenhaften) Tugendgrads. Das schließt inhaltliche Fehler nicht aus, auch nicht hinsichtlich Visionen und Privatoffenbarungen. Auch hier gilt der allgemeine Grundsatz: Irren ist menschlich!

Das bekannteste Beispiel hierfür ist die hl. Katharina von Siena, die sogar zur Kirchenlehrerin ernannt wurde. Auch sie ist einst durch eine „Marienerscheinung“ getäuscht worden, denn die Madonna soll ihr dabei erklärt haben, sie sei nicht makellos empfangen worden.

Damals war diese Ansicht theologisch durchaus erlaubt (sie wurde auch vom hl. Thomas vertreten), aber spätestens mit der Dogmatisierung der Immaculata war klar, daß sich die Dominikanerin aus Siena geirrt hat – wobei auch hier das Problem darin bestand, daß sie sich dabei auf eine Erscheinung berief. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/02/27/die-hl-katharina-von-siena-erlebte-eine-irrtumliche-marienerscheinung/)

Die heutige Zeit erinnert uns wieder ein bißchen an jene Epoche, in welcher Vinzenz Ferrer gewirkt hat. Sicher war die damalige Pest weitaus verheerender als die heutige Corona-Krise. Damals wurden ganze Landstriche weitgehend entvölkert.

Aber auch jetzt tauchen selbsternannte „Propheten“ auf, die ganz genau wissen, was die endzeitliche Stunde geschlagen hat  – und hierbei auf „Botschaften“ und Erscheinungen hinweisen.

In unserem Christlichen Forum haben wir uns damit bereits kritisch auseinandergesetzt: https://charismatismus.wordpress.com/2020/03/31/kath-net-ueber-corona-und-erscheinungen/

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


„Kath.net“ über Corona und Erscheinungen…

Von Felizitas Küble

Das charismatische und erscheinungsbewegte Nachrichtenportal „Kath.net“ würde seinen selbstgesetzten Auftrag verfehlen, wenn es nicht zur derzeitigen Pandemie auch einige „passende“ Botschaften zu bieten hätte, mögen auch die präsentierten Zusammenhänge reichlich an den Haaren herbeigezogen sein.

Kein Geringerer als der katholische Buchautor und Historiker Michael Hesemann, der für seine „mystischen“ Neigungen bekannt ist, nimmt sich am heutigen 31. März dieses Themas an – und zwar unter dem Titel „Marienerscheinungen und die Corona-Krise“: https://www.kath.net/news/71173

Seine Ausführungen über die kirchlich nicht anerkannten Privatoffenbarungen von Garabandal können wir momentan vernachlässigen, zumal hier keine Corona-Seuche angekündigt wurde. 

Am Schluß befaßt sich der Autor mit den Visionen von TREVIGNANO ROMANO bei Rom:

Das Ehepaar Gisella und Gianni erlebte nach einer Pilgerfahrt nach Medjugorje viele „Zeichen und Wunder“ – wen wunderts?

Es gab angeblich „blutige Tränen“ an einer dort gekauften Madonnenfigur, sodann „Tränenwunder“ bei einem Faustyna-Jesus, ab Juni 2016 folgten Marienerscheinungen. 

Hesemann schreibt: „Ein Sonnenwunder und diverse Zeichen am Himmel, die u.a. auch fotografiert und gefilmt wurden, scheinen ihren übernatürlichen Ursprung zu bestätigen.“

Wundersame Sonnenphänomene soll es in Medjugorje ebenfalls zuhauf gegeben haben, übrigens auch in Heroldsbach und Montichiari (kirchlich ebenfalls nicht anerkannte Erscheinungsstätten).

Der Verfasser verweist auf eine Trevignano-Botschaft vom 18.6.2016: „Pestilenz, Elend und Seuchen werden Rom befallen, was Tod und Verzweiflung geben wird.“

Warum ist hier nur von der italienischen Hauptstadt die Rede, zumal diese durchaus nicht das Zentrum der Corona-Pandemie ist?

Am 10.10.2016 heißt es in den „Offenbarungen“ an das erwähnte Ehepaar: „Bete, dass eine Krankheit, für die es keine Heilung gibt, ausgerottet werden kann.“

Bekanntlich werden die meisten Corona-Infizierten sehr wohl geheilt – auch die Mehrzahl der konkret Erkrankten.

Am 17.1.2017 verkündete die angebliche Madonnenerscheinung folgendes: „Bald werdet ihr gezwungen sein, wieder in euren Häusern zu beten. Haltet euch am täglichen Gebet des Heiligen Rosenkranzes fest, der der einzige Schild ist, der euch vor dem Bösen schützen wird.

Warum sollte das Rosenkranzgebet   – das gewiß empfehlenswert ist – das „einzige“ Schild sein, das uns „vor dem Bösen schützt“?

Was ist mit dem Vaterunser? Dem Angelus? Den 150 Psalmen? Der Bibellektüre? Der geistlichen Kommunion?

Wenn der Rosenkranz, den es erst seit dem 15. Jahrhundert gibt, das „einzige Schild“ ist, womit haben sich dann die Christen davor 1500 Jahre lang vor dem Bösen „geschützt“?

Am 20.7.2019 lautet die Botschaft von oben, nun sei die „Zeit der Gerechtigkeit“ gekommen: „Ihr werdet Feuerbälle vom Himmel kommen sehen, die Erde wird nicht aufhören zu zittern, alte und begrabene Krankheiten werden zurückkehren und neue Krankheiten werden sich ausbreiten.“

Hesemann schreibt sodann:

„Die deutlichste Ankündigung aber erfolgte, und das ist dokumentiert, am 28.9.2019, als die Erscheinung verkünden ließ: „Bete für China, denn von dort werden neue Krankheiten kommen. Alles ist bereit, die Luft mit unbekannten Bakterien zu verschmutzen.“

Erstens geht es bei Corona nicht um „unbekannte Bakterien“, zweitens kamen aus China auch schon vorher „neue Krankheiten“ (Näheres dazu etwa in dem 2019 erschienenen Buch von Dr. med. Edith Breburda mit dem Titel „Gentopia“).

Langer Rede kurzer Sinn: Die von Heesemann naiv zitierten Botschaften sind entweder allgemein gehalten oder sie treffen nicht ins Schwarze. Er hätte sich seinen Artikel also sparen können.


Die „Marienerscheinungen“ von Heede und „Botschaften“ an die Seherin Grete Ganseforth

Von Felizitas Küble

Vor über zwei Jahren haben wir einen einführenden Artikel über die Marienerscheinungen im emsländischen Heede veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/2018/01/02/heede-marienerscheinungen-im-emsland/

Dieser Beitrag sei nun um einige Anmerkungen ergänzt, wobei ich auf Informationen aus dem Buch „Flammende Zeichen der Zeit“ des katholischen Schriftstellers Bruno Grabinski zurückgreife.

Die erste Auflage erschien 1950, wobei weitere Auflagen bis 1974 folgten, das Buch also jahrzehntelang auf ein erstaunliches Interesse stieß. Die verschiedenen Ausgaben wurden teilweise überarbeitet und ergänzt – mir liegt die 3. Auflage von 1966 vor.

Will man vermeintlich „übernatürliche“ Phänomene möglichst sachgerecht beurteilen, so tut man gut daran, auf ältere Literatur zurückzugreifen, weil in späteren  Büchern oft so manches „redigiert“ bzw. retuschiert und frisiert wird, um nicht zu sagen: zurechtgebogen.

Zurück zu Heede:

Dort soll 1937 – also mitten in der NS-Zeit   –  die Gottesmutter einigen jungen Mädchen auf dem Friedhof erschienen sein und sich als „Königin des Weltalls und der Armen Seelen“ präsentiert haben. Diese Privatoffenbarungen wurden von der Kirche nicht anerkannt, aber die dortige Gebetsstätte mehr oder weniger geduldet und heute allgemein bischöflich toleriert.

Das erwähnte Grabinski-Buch steht den Heede-Erscheinungen recht positiv gegenüber, ohne dabei fanatisch zu sein. Umso aufschlußreicher sind einige Zitate und Hinweise in diesem alten Buch. Dort geht es um die Seherin Grete Gansefort, die von allen visionären Heede-Frauen die größte Bekanntheit erlangte und vom Autor als „mystisch Begnadete“ bezeichnet wird.

Dabei soll ihr die „Gottesmutter“ in Einsprechungen z.B. über den 2. Weltkrieg gesagt haben: „Der Krieg ist keine Strafe der göttlichen Gerechtigkeit (…), sondern eine Strafe aus Barmherzigkeit zur Rettung vieler Seelen, die sonst verlorengegangen wären.“ (S. 90)

Hier scheint der Versuch wirksam, sich an einige Fatima-Aussagen anzulehnen, diese aber noch zuzuspitzen:

Der Krieg ist weder eine Strafe aus Gerechtigkeit noch aus Barmherzigkeit, sondern eine Folge der gottlosen Politik zweier Dikaturen und Tyrannen (Hitler und Stalin), die bestimmt nicht als Vollstrecker des göttlichen Willens fungierten.

Gott läßt solche  –  gegen seine Gebote gerichteten – Verbrechen zwar zu, aber nicht, weil ER sie billigt oder gar aktiv als „Strafe“ einspannt, sondern weil ER die menschliche Freiheit respektiert – und dies auch im Falle ihres Mißbrauchs durch Bosheit.

Abgesehen davon mag es sein, daß durch die Kriegsereignisse manche Seelen gerettet wurden, weil sie in diesen schlimmen Zeiten zum Nachdenken kamen, aber genauso kann auch das Gegenteil eingetroffen sein, daß Menschen aus Verzweiflung vom Glauben an einen gütigen Gott abgefallen sind. Das Sprichwort „Not lehrt beten“ darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß leider zugleich die Erfahrung gilt: „Not lehrt fluchen!“

Es gibt keine Vorherbestimmung

Am 17./18. November 1943 soll der „Heiland“ Grete Ganseforth Folgendes mitgeteilt haben: „Von aller Ewigkeit her habe ich schon den Grad der Vollkommenheit, zu welcher Ich eine Seele bei ihrer Erschaffung in der Zeit rufe, festgelegt.“ (S. 90)

Dies beinhaltet eine falsche Prädestinations(irr)lehre, denn es gibt zwar eine Vorsehung und Vorausschau Gottes in seiner Allwissenheit, aber keine Vorherbestimmung im eigentlichen Sinne, sonst würde Gott die von ihm selber geschaffene Freiheit des Menschen nicht ernst nehmen.

Geradezu blödsinnig ist die „Botschaft“ vom 21.12.1943 über den Menschen, der als „Nichts“ bezeichnet wird. Dabei spricht wieder der angebliche Heiland zu Ganseforth, seiner „Braut“, wie er sie nennt: „Das Nichts verdient nichts, deshalb soll das Nichts nicht richten, nichts sagen, nichts verlangen und sich über nichts beklagen.“ (S. 91)

Offenbar merkt der Verfasser, der sonst durchaus theologisch zu differenzieren versucht (und z.B. die „Marienerscheinungen“ von Heroldsbach strikt ablehnt), in seiner Leichtgläubigkeit nicht, wie unvernünftig und verfehlt diese „Botschaften“ sind.

Nicht einmal die Tatsache, daß ein psychiatrisches Gutachten die „Seherin“ negativ beurteilte, scheint ihn zu beeindrucken: „Es ist bekanntgeworden, daß ärztliche Gutachter Grete G. als „hysterisch“ angesprochen haben.“ – Das sei aber „weiter nicht verwunderlich“ und bedeute keineswegs die „Unechtheit“ der Erscheinungen: „Denn schließlich können auch „Hysterische“ sehr wohl begnadet sein.“ (S. 92)

Erstens sind ohnehin alle Christen „begnadet“, was schon mit der Taufe beginnt, zweitens sind damit noch lange keine Visionen oder Privatoffenbarungen verbunden, drittens sind krankhafte Seelenzustände wie Hysterie sehr wohl ein ernster Grund, an der Übernatürlichkeit einer Erscheinung zu zweifeln.

Hierzu heißt es auf dem amtlichen Portal „Katholisch.de“ über die Kriterien für eine Anerkennung:

„Erstens muss das weitere Leben den tadellosen Charakter des Sehers oder der Seherin bezeugen, er oder sie darf zweitens nicht unter einer psychischen Krankheit leiden und die Marienerscheinung muss drittens eine positive Wirkung sowohl auf die Persönlichkeit des Sehers als auch auf deren Umgebung haben – entwickelt sich durch das Ereignis ein Konflikt, dann kann hier nicht Maria am Werke gewesen sein.“ (Quelle: https://www.katholisch.de/artikel/16538-marien-wunder-gibt-es-immer-wieder-oder)

Und ob sich aus Heede ein „Konflikt“ entwickelt hat: Einige der Visionärinnen (vor allem Ganseforth) haben sich nach dem Krieg in aufsehenerrende Gerichtsprozesse verwickelt und sich gegenseitig Lug und Betrug vorgeworfen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Lehrt Don Gobbis „Blaues Buch“ eine Realpräsenz Mariens im Altarsakrament?

Von Felizitas Küble

Der italienische Priester und Visionär Don Stefano Gobbi gründete die sog. Marianische Priesterbewegung (MPB), die in vielen Ländern – auch den deutschsprachigen – vertreten ist und deren Anhänger  – sowohl Priester wie Laien –  sich regelmäßig in Zönakeln treffen. 

Don Gobbi  – verstorben am 29. Juni 2011  –  berichtete in seinem Neujahrsbrief 2007 an die „nationalen und regionalen Verantwortlichen der MPB“ von seiner eifrigen Reisetätigkeit, so etwa in 2006 durch vierzehn Staaten; er schilderte Erfolge, die sich sehen lassen können: „Ich habe 90 Städte mit 55 Flügen besucht, habe 110 Zönakel geleitet, an denen 70 Bischöfe, 1750 Priester und 450.000 Gläubige teilgenommen haben.“

Die „Botschaften“ vom Himmel, die der Geistliche erhalten hat, wurden in aufeinanderfolgenden Bänden veröffentlicht, die in der MPB als „Blaues Buch“ bezeichnet werden. Der genaue Titel lautet: „An die Priester, die vielgeliebten Söhne der Muttergottes“ (siehe Foto).

Auf den Seiten 702 und 703 geht es um Einsprechungen, die Don Gobbi angeblich von der himmlischen Mutter zuteil geworden sind, wobei sie das Thema Eucharistie aufgreifen. Maria wird in diesen Botschaften häufig als „Mutter der Eucharistie“ vorgestellt.

Die diesbezügliche Botschaft lautet folgendermaßen:

„Als Mutter bin ich immer neben meinem Sohn. Ich bin es auf dieser Erde gewesen; ich bin es jetzt im Paradies durch das Privileg meiner leiblichen Aufnahme in den Himmel; ich befinde mich weiterhin dort, wo Jesus in jedem Tabernakel der Erde gegenwärtig ist.

Wie sein verherrlichter Leib, der sich außerhalb der Begrenzung von Raum und Zeit befindet, es ihm gestattet, hier im Tabernakel dieser kleinen Bergkirche bei euch zu sein, aber es ihm zur gleichen Zeit auch gestattet, in allen Tabernakeln, die in jedem Teil der Welt verstreut sind, gegenwärtig zu sein, so befindet sich eure himmlische Mutter mit ihrem verherrlichten Leib, der es ihr erlaubt, hier und wo immer auch zu sein, wahrhaftig neben jedem Tabernakel, wo Jesus aufbewahrt wird.“

Diese Aussagen sind zum Teil theologisch mißverständlich, irreführend oder direkt unzutreffend:

1. Die Kirche lehrt eine Realpräsenz (wahre und wirkliche Gegenwart) Christi im Sakrament des Altares, nicht jedoch eine Realpräsenz Mariens. Dieser Eindruck entsteht aber in dieser Botschat aus dem „Blauen Buch“, wenn es heißt, die Madonna befindete sich „weiterhin dort“, wo Jesus „in jedem Tabernakel der Erde gegenwärtig“ sei.

Abgesehen davon, daß es auch leere Tabernakel geben kann und Christus nicht dort, sondern in der hl. Hostie zugegen ist (und dies natürlich auch außerhalb von Tabernakeln), so versteht sich von selbst: Unser HERR ist in der Eucharistie mit Gottheit und Menschsein zugegen – und zwar so, wie ER im Himmel lebt und wirkt: mit seinem verherrlichtem, verklärten Leib und seiner Seele.  – Von einer sakramentalen oder sonstwie vergleichbaren Anwesenheit Mariens ist der Kirche hingegen nichts bekannt.

Zudem war Maria auf Erden keineswegs „immer neben ihrem Sohn“. Abgesehen von der theologischen Mißverständlichkeit dieser Formulierung steht fest, daß sie bei Jesu öffentlichem Wirken und bei seinen Predigten zumeist fehlte.

2. Die Äußerung, Jesu verherrlichter Leib „gestatte“ es IHM, im Tabernakel gegenwärtig zu sein, führt dann zu dem Vergleich: „so befindet sich eure himmlische Mutter mit ihrem verherrlichten Leib, der es ihr erlaubt, hier und wo immer auch zu sein, wahrhaftig neben jedem Tabernakel, wo Jesus aufbewahrt wird“.

Diese offensichtliche Gleichsetzung ist deshalb ein Irrtum, weil Christus als GOTT eine Allgegenwart besitzt: Nur GOTT allein ist allgegenwärtig, es handelt sich um eine spezifisch göttliche Wesenseigenschaft. Somit genügt es keineswegs, einen verklärten Leib zu haben (den nach der Auferstehung sowieso alle Seligen im Himmel haben werden). Der „springende Punkt“ für Jesu Gegenwart im Altarsakrament ist sein göttliches (!) Wesen.

Maria hingegen ist ein Geschöpf, wenngleich das edelste und heiligste von allen, die „Gesegnete unter den Frauen“ und die erste Dienerin des Ewigen („Siehe, ich bin die Magd des HERRN“ lautet ihr eigene biblische Selbstbezeichnung).

Daher kann Maria keineswegs allgegenwärtig sein – und somit von sich aus auch nicht „realpräsent“ in oder neben jedem Tabernakel.

Sodann heißt es weiter in jener „Botschaft Mariens“ an Don Gobbi: „Mein Unbeflecktes Herz wird für Christus zum lebendigen, schlagenden und mütterlichen Tabernakel der Liebe, der Anbetung, des Dankes und der dauernden Sühneleistung.“

Welche „dauernde Sühneleistung“ vollbringt Marias Unbeflecktes Herz denn im Himmel – noch dazu „für Christus“?

CHRISTUS allein ist die „Sühne für unsere Sünden“, wie Bibel und Kirchenlehre bezeugen und verkünden – geschweige bedarf es einer menschlichen Sühneleistung „für“ Christus, eine zumindest höchst irreführende Bemerkung – gemeint ist vermutlich eine Sühneleistung „an“ Christus „für“ die Kirche im Sinne des hl. Paulus – aber dann müßte es auch so ausgedrückt werden.


Ich empfehle das kritische Buch „Eine Reise nach Medjugorje“ von Pfr. Rudo Franken

Von Cordula Mohr

Ich habe seit geraumer Zei feststellen müssen, dass Medjugorje-Freunde sich in Gemeinden und Ordenshäusern immer mehr Gehör verschaffen und Räume bekommen für ihre charismatischen Gebetsabende. 

Traurig auch, dass selbst bodenständige Gläubige  – vielleicht teils aus Neugier oder Effekthascherrei  – diesen angeblichen Erscheinungsort in Bosnien-Herzegowina besuchen.

Somit dachte ich mir, dass es wieder an der Zeit sei, selber noch einmal zu lesen und zu bedenken, was mich vor über zehn Jahren so eindeutig von meiner Hinneigung zu Medjugorje abgebracht hat und wodurch mein nüchterner Glaube eingeläutet wurde.

Viele vermeintlichen Besonderheiten von Medjugorje finden wir ähnlich auch an anderen „Erscheinungsstätten“, die kirchlich nicht anerkannt sind.

Ich las also erneut in dem interessant geschriebenen Buch „Eine Reise nach Medjugorje“ von Pfarrer Rudo Franken, einem holländischen Priester, das in mehreren Auflagen und Verlagen erschien, die erweiterte Auflage im gediegenen Augsburger Dominus-Verlag, den der katholische Theologe Dr. Peter Düren leitet.

Auffällig an den angeblichen Erscheinungen ist, dass anfangs zwei Seher/innen wieder abgesprungen sind und stattdessen andere Visionäre dazukamen, was ich recht seltsam finde. Zusätzlich gibt es dann noch die sog. Seher der „zweiten Generation“, die später folgten.

Und anscheinend hat diese „Madonna“ keinen bestimmten Ort, an dem sie erscheint, wie das etwa in Lourdes der Fall war, sondern sie folgt den Jungen und Mädchen „hinterher“, je nachdem, wo diese sich gerade befinden; so ist sie z.B. der Vicka auf einer Zugreise erschienen. Passenderweise spricht Vicka gern von einem „Plaudern“ mit der (angeblichen) Gottesmutter.

Aus der Beweisführung dieses Buches geht klar hervor: Von Anfang an wurde nicht die volle Wahrheit gesagt. Die visionären Mädchen und Jungen, die vom Kaplan der Pfarrei bei den ersten Befragungen unter Eid gesetzt wurden, haben sich mehrfach durchgeschwindelt.

So gingen sie vor der ersten Erscheinung eben nicht zu den Schafen, um diese zu suchen, sondern sie wollen Zigaretten rauchen – und dies gegen das ausdrückliche Wort der Eltern. Das stellte sich später nach Aussage einer Seherin heraus; auch beim amtlichen Gespräch mit Bischof Zanic konnten die Gruppe das nicht mehr leugnen.

In dem Buch sind viele Tonbandaufnahmen nachzulesen und man merkt deutlich, wie gründlich sich Pfarrer Franken (siehe Foto) mit Medjugorje und den Ereignissen befasst hat. Dabei werden einige „Botschaften“ auch theologisch in Frage gestellt. Mittlerweile wird es nach bald 40 Jahren immer absurder mit diesen „Offenbarungen“.

Für mich aufschlussreich ist auch der Test, der bei einer „Erscheinung“ vorgenommen wurde. Vicka und die anderen Seher/innen behaupteten nämlich, immer in einen Trancezustand zu geraten, wenn sie „Maria“ sehen.

Bei einer dieser Erscheinungen wurde ein Fingertest durchgeführt: Vicka zuckte erkennbar zurück, als ihr die beiden Finger vors Auge kamen. Nachher sah man sie mit Pater Vego gestikulierend im Gespräch, wohl um sich „abzusprechen“, wie man die peinliche Situation erklären soll. Danach gab sie bekannt, dass der Madonna das Jesuskind aus den Armen gefallen sei; sie habe es auffangen wollen. Bei dieser faulen Ausrede vergaß sie aber, daß sie sich bei einem solchen (ohnehin unsinnigen) Auffangen nach vorne und nicht nach hinten bewegt hätte.

Ein weiterer Punkt unter zahlreichen Ungereimtheiten: 

Etliche Seher/innen hatten vor dem Bischof mehrmals in Briefen sowie persönlich ausgesagt, die ungehorsamen Franziskaner Vego und Prusina nicht zu kennen.
Dabei waren ihnen diese Patres sehr wohl bekannt. Angeblich hat sich die Erscheinungsdame für die zwei Priester ausgesprochen, obwohl sie kirchliche Strafen erhielten, teils wegen unsittlichem Lebenswandel. Der für Medjugorje damals zuständige Bischof Zanic hatte nicht zuletzt durch diese Lügen sein anfängliches Vertrauen in die Medjugorje-Seher gänzlich verloren.

Es lässt tief blicken, wenn eine der Visionärinnen berichtet, einmal sei ihr nicht die angekündigte Madonna erschienen, sondern eine als „Maria“ verkleidete Gestalt, die sich plötzlich zum Teufel veränderte, worüber sie natürlich sehr erschrak.

Auffällig ist, wie sich die katholisch-charismatische Bewegung von Anfang an positiv über Medjugorje äußerte und sich vielfach dort sogar niederließ, teils bis heute (z.B. die „Gemeinschaft der Seligpreisungen“).

Diese Beispiele aus dem fundierten Buch, die sich beliebig vermehren ließen, haben mir erneut deutlich gemacht, dass man bestimmt nicht nach Medjugorje zu reisen braucht, um seinen Glauben zu stärken und zu beleben. Wir haben in Deutschland genügend bewährte und kirchlich anerkannte Wallfahrtsorte von Kevelaer am Niederrhein bis Altötting in Südbayern.

BUCH-Daten: Rudo Franken. Eine Reise nach Medjugorje. Bedenken hinsichtlich der Erscheinungen. Mit Beiträgen von Mark Waterinckx und Manfred Hauke. – 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2011. 320 Seiten. Paperback. ISBN 978-3-940879-15-8. Preis 19,80 €.

Bestellungen bei uns oder direkt hier beim Dominus-Verlag: https://shop.strato.de/epages/61306125.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61306125/Products/%22061%20Eine%20Reise%20nach%20Medjugorje%22


Empfing die bayerische Visionärin Justine Klotz „Offenbarungen“ von Christus?

Von Felizitas Küble

Seit vielen Jahren werden in erscheinungsbewegten Kreisen, bei Pilgerfahrten und auf Kirchplätzen Gebetszettel und Kleinschriften über eine „begnadete Seele“ namens Justine Klotz verteilt, die von Jesus die „unsichtbaren Wundmalen“ erhalten haben soll.
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Neben den Broschüren existiert zudem eine Publikation unter dem Titel „Gott spricht zur Seele“ von Pfr. Hubert Hintermaier, worin viele der „Offenbarungen“ von Jesus, Maria, Engel und Heiligen an diese bayerische Familienmutter gesammelt worden sind, herausgegeben im Jahre 2013 von einem „Bund der Hingabe“
(Quelle hier:  http://www.nachfolgejesu.com/restarmee/Botschaften/Gott%20spricht%20zur%20Seele%20-%20Ausz%C3%BCge%20aus%20den%20Offenbarungen%20an%20Justine%20Klotz.pdf)
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Auf den ersten Blick klingen die „himmlischen“ Botschaften recht bieder, brav und fromm, wie man dies ähnlich von sonstigen Erbauungsschriften kennt.
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Doch schon bei der Schilderung des Lebens von Frau Klotz nach dem Vorwort ermangelt einiges der theologischen Logik und Klarheit.
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So schreibt der Autor über die 1888 geborene Tochter eines Bauern, daß sie aufgrund eines Lungenleidens wieder aus dem von ihr gewählten Kloster ausscheiden mußte, zumal sie die ewige Profeß (endgültige Bindung, Gelübde) noch nicht abgelegt hatte.
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Es war von daher überhaupt kein Problem, daß sie später heiratete und einen Sohn bekam.
Allerdings heißt es in Pfarrer Hinterhubers Kurz-Biographie, Jesus habe ihr versprochen: “Du bist auch im Himmel Ordensfrau. Diese Berufung wird dir nicht genommen sein.”
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Wie kann sie denn „im Himmel“ Ordensfrau sein, wenn sie es auf Erden nicht (endgültig) war und nach ihrem Kloster-Austritt freiwillig den Weg von Ehe und Familie wählte?
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Auch einige andere Einsprechungen erscheinen merkwürdig. Da helfen auch keine Hinweise des Autors wie z.B. der folgende: „Die unfassbare Tiefe der Worte voller Liebe allein reicht aus, um alle Zweifel bezüglich der Glaubwürdigkeit der Botschaften als Ganzes zu zerstreuen.“
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So schildert der Verfasser etwa diesen mysteriösen Vorgang:
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„Eine besondere Aufgabe hat Gott ihr noch zugedacht mit der Sühne für die Armen Seelen; sie war in die Tiefen des Fegfeuers versenkt und glaubte sich verloren. So hat sie noch um Erbarmen gerufen. Und Jesus erklärte ihr später: “Kind, du konntest nicht verdammt sein; du hast ja noch um Erbarmen gefleht.” (…)
Nachdem sie für die Armen Seelen ein beträchtliches Leiden ertragen hatte  –  dazu gehörten den Worten Jesu entsprechend, auch die Stigmata des Herrn, die sie trug  –  sagte Jesus zu ihr: „Mit dir will ich meine Barmherzigkeit krönen.”
Und ein anderes Wort ist überliefert: “Jeder Heilige würde gerne den Himmel verlassen, um das zu tun, was du tun darfst.”
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Wie in vielen „Privatoffenbarungen“ sind diese vermeintlichen Einsprechungen geeignet, einen gewissen Hochmut bei der Empfängerin zu begünstigen: „Mit dir will ich meine Barmherzigkeit krönen“.

Außerdem ergeben sich zu dieser Episode folgende Fragen und Hinweise:

Wenn die „Mystikerin“ sich im Fegefeuer befand, warum glaubte sie sich dann „verloren“?

Die Seelen im Läuterungszustand besitzen nämlich eine absolute Heilsgewißheit, wie wir sie auf Erden niemals erreichen können. Das ist bei allen inneren Leiden ihr großer, ganz entscheidender Trost, ihre herrliche Zuversicht: Sie wissen sicher, daß sie sich im Gnadenstand befinden, also nach der von  GOTT bemessenen „Zeit“ in den Himmel eingehen dürfen.

Auch die angebliche Antwort Jesu ist in dieser Situation theologisch seltsam: “Kind, du konntest nicht verdammt sein; du hast ja noch um Erbarmen gefleht.
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In Wirklichkeit konnte Justine Klotz schon deshalb nicht verdammt sein, weil dies im Fegefeuer überhaupt nicht möglich ist – ob man nun um Erbarmen fleht oder nicht (wobei die Armen Seelen laut kirchlicher Lehre ohnehin nicht für sich selber beten können, sondern nur für andere).

Das besondere Anliegen dieser Botschaften ist freilich der sogenannte „Liebesakt“; er lautet:

“Jesus, Maria, ich liebe euch, rettet Priesterseelen, rettet Seelen. Ich liebe euch mit der großen Bitte, diesen Liebesakt mit jedem Atemzug, mit jedem Pulsschlag tausendmal wiederholen zu dürfen. Amen.”

Diese Anrufung mutet merkwürdig an. Welchen Sinn hat es, eine an den Himmel gerichtete Bitte mit jedem Atemzug und Pulsschlag „tausendmal wiederholen zu dürfen“? Soll hier Quantität vor Qualität gehen?

Zudem ist Christus der einzige Erlöser und Seelenretter. Maria ist unsere Fürsprecherin und geistliche Mutter der Christgläubigen. Bei diesem Gebet entsteht aber der mißverständliche bis irreführende Eindruck, als ob Jesus und Maria gleichermaßen für die Rettung der Seelen zuständig seien.

HINWEIS: Dies ist der 1. Teil zum Thema „Offenbarungen“ an Justine Klotz – weitere Beiträge dazu folgen im CHRISTLICHEN FORUM