Zum Tag der Deutschen Einheit: Gebet und Fürbitte für unser Land

Von Pater Lothar Groppe SJ  

In der Präambel unseres Grundgesetzes heißt es: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen….wurde dieses Grundgesetz beschlossen.“

Nicht nur, aber ganz besonders bei den Auseinandersetzungen um den Schutz der ungeborenen Kinder wird deutlich, daß das Bewußtsein der Verantwortung vor Gott für viele Abgeordnete und Politiker nur eine leere Worthülse ist.

Schon lange hat sich ein großer Teil unseres Volkes von Gott entfernt. Für andere spielt er vielleicht noch in seltenen Stunden der Besinnung eine Rolle, hat aber keinen Einfluß auf ihren konkreten Alltag.

Jene Abgeordneten, die sich am Gesetz Gottes zu orientieren versuchen und sich gewissenhaft bemühen, im politischen Alltag durchzusetzen, was dem wahren Wohl des Volkes dient, befinden sich in erschreckender Minderheit. Nicht selten fühlen sie sich auf verlorenem Posten.

Nur allzu vielen, die sich um politische Mandate bemühen, geht es im wesentlichen darum, Macht zu erringen und zu erhalten. Tatsächlich können sich oft nur jene eine reale Chance ausrechnen, wiedergewählt zu werden, die sich dem Zeitgeist anpassen.

Das Il. Vatikanische Konzil sagt zu Recht in der Pastoralkonstitution „Die Kirche in der Welt von heute“:

„Die Staatsmänner, die das Gemeinwohl ihres eigenen Volkes zu verantworten und gleichzeitig das Wohl der gesamten Weh zu fördern haben, sind sehr abhängig von der öffentlichen Meinung und Einstellung der Massen.“ (Nr. 82)

Während es für amerikanische Präsidenten selbstverständlich ist,  ihre Landsleute beim Amtsantritt um ihre Mitarbeit und ihr Gebet zu bitten, wie es Millionen Fernsehzuschauer beim Amtsantritt von Präsident Obama miterleben konnten, tun sich deutsche Politiker hiermit schwer. media-390606-2 - Kopie

Dabei ist es im Grunde das Selbstverständlichste von der Welt, wenn sie die „Verantwortung vor Gott und den Menschen“ ernstnehmen.

Von den Entscheidungen der verantwortlichen Politiker hängen ja weitgehend Wohl und Wehe von Millionen ab. Nicht selten geht es um Gewissensfragen, die in schwere Schuld verstricken können.

Deshalb mahnt Paulus in seinem 1. Brief an Timotheus die damaligen Christen, ihre Bitten, Gebet und Fürbitten für alle Obrigkeiten zu verrichten, „damit wir ein ungestörtes und ruhiges Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit.“ (2, 1)

Wenn die Pastoralkonstitution davon spricht, man müsse in der Sorge für den Frieden „inständig zu Gott beten“, daß er den Verantwortlichen in Politik und öffentlichem Leben Kraft für diese schwere Aufgabe geben, gilt das natürlich auch für den gesamten politischen Bereich.

Nun hat die Deutsche Bischofskonferenz 1966 das früher nach der Feier des sonn- und feiertäglichen Hauptgottesdienstes angeordnete Gebet für Volk und Vaterland durch eine entsprechende Fürbitte abgelöst und diese Verpflichtung nachdrücklich eingeschärft.

Diese Anordnung und Verpflichtung scheint aber noch nicht in das Bewußtsein unserer Priester und Gemeinden eingedrungen zu sein.

Obwohl ich in zahlreichen Diözesen in weit mehr als 100 Pfarreien an Sonn und Feiertagen zur Aushilfe war, erinnere ich mich in keiner einzigen Pfarrei an eine derartige Fürbitte.

Während im amtlichen kirchlichen Direktorium der Erzdiözese Paderborn alljährlich an diese Verpflichtung erinnert wird, findet man etwa im Erzbistum Berlin keinerlei Hinweis hierauf. fahne1

Pfarrer und Lektoren, die ich auf diese Weisung der Bischöfe aufmerksam machte, zeigten sich überrascht; sie hatten davon noch nie gehört.

Die Bischöfe regen folgende Formulierung an, die aber durchaus entsprechend so abgewandelt werden kann, daß sie sich dem Sprachstil der an diesen Tagen gesprochenen Fürbitten anpaßt:

„Gedenke der Bedrängnis unseres Volkes; lenke seinen Weg inmitten aller Gefahren und schenke ihm Eintracht und Einheit, Freiheit und Frieden mit allen Völkern der ganzen Erde.“

Wir sollten nicht nur dann unsere Zuflucht zu Gott nehmen, wenn drohende Gefahren die Menschen ängstigen. Man erinnere sich der zahlreichen Gebetswachen während der Golfkrise.

Denn wir sind auch im politischen Alltag auf den Beistand des Himmels angewiesen – und nicht nur für uns selbst, sondern ganz besonders auch für all diejenigen, die in Kirche, Staat und Gesellschaft Verantwortung tragen, sollten wir um Erleuchtung durch den Hl. Geist beten.

Vor allem ist es Aufgabe unserer Seelsorger, aber auch jedes einzelnen Gläubigen, den HERRN zu bitten, daß unser Volk wieder zum lebendigen Gott zurückfindet und unsere Politiker und Abgeordneten nicht danach entscheiden, was ankommt, sondern worauf es ankommt.

Erstveröffentlichung des Artikels in der kath. Zeitschrift „Der FELS“ (Nr.3/2009)

 „Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen. Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft.“

Friedrich Schiller in seinem Drama „Wilhelm Tell“

Foto von Pater Groppe: Dr. Bernd F. Pelz


Empfehlung: Liturgisches Fürbitten-Buch „Lasset uns beten“

Dieses gediegene, ansprechende Fürbitten-Buch des Münchner Kirchenrechtlers Dr. Wolfgang Rothe enthält  120 Fürbittformulare für alle Tage des Kirchenjahres. Lasset_uns_beten_10-100_m

Es ist liturgisch sehr empfehlenswert, bringt vielfältige Fürbitten und ist doch nicht allzu „kreativ“: die Texte sind gehaltvoll, die Sprache gepflegt.

Das 160 Seiten starke Buch aus dem Augsburger Dominus-Verlag ist zudem auch in drucktechnischer und buchbinderischer Hinsicht wertvoll und praktisch (Leinenumschlag, Fadenheftung, Lesebändchen).

Als besonders erfreulich empfinden wir es, daß mehrfach der Kinder im Mutterleib gedacht und zudem recht oft für unsere Verstorbenen gebetet wird, was man sonst heutzutage oft vermißt.

Ein Hinweis sei noch gestattet: Etwas mehr „Fürbitten für unser Land“ wären wünschenswert gewesen, zumal das frühere regelmäßige „Gebet für Volk und Vaterland“ fast völlig in Vergessenheit geraten ist, dabei bedarf unser Land dringend der Fürbitte seiner Gläubigen. Zudem besteht eine nach wie vor gültige Empfehlung der Dt. Bischofskonferenz, an allen Sonn- und Feiertagen in der hl. Messe auch für Volk und Vaterland zu beten.

Insgesamt ist das Buch sehr übersichtlich, systematisch gegliedert und gediegen – es gehört in die Hand jedes Priesters!

„Lasset uns beten“ kostet ursprünglich 19,95 €, inzwischen in zweiter Auflage nur noch 9,95 € – es kann beim Dominus-Verlag oder bei unserem Versandhaus Junge Welt in Münster bestellt werden.
Kontakt: felizitas.kueble@web.de  /  Tel. 0251-616768