Erinnerung, Schmerz und Versöhnung: Das Afrika der Großen Seen und seine Tragik

Von Stefan P. Teppert

Unter einer schmerzvollen Vergangenheit hat das Afrika der Großen Seen zu leiden. Besonders die Geschichte Ruandas und Burundis ist voll von Bürgerkriegen, Gräueltaten und Völkermord, die nie vollständig aufgegriffen und verarbeitet wurden.

Eine Tagung in der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg widmete sich am 11. September 2020 im Dialog zwischen Afrika und Europa der Frage, ob die Erinnerung der Vergangenheit ein Weg zur Schaffung eines nachhaltigen Friedens ist.

Im Namen des afrikanischen Netzwerks „Rapred Girubuntu“ begrüßte Tagungsleiter Pater Dr. Déogratias Maruhukiro (siehe Foto) aus Freiburg die Teilnehmer, deren Zahl wegen der Corona-Pandemie beschränkt war und deren internationale Vertreter nur online anwesend sein konnten.

Er sprach allen Institutionen seinen Dank aus, die zur Organisation dieser Tagung beitrugen, insbesondere der Deutschen Bischofskonferenz, der Erzbischof-Hermann-Stiftung und dem Land Baden-Württemberg als Förderer sowie der Universität Freiburg und der sudetendeutschen „Ackermann-Gemeinde“ als Kooperationspartner.

Deren Zusammenarbeit mit „Rapred Girubuntu“ trage bereits greifbare Früchte, wie sie sich etwa in der Entwicklung der „Girubuntu Peace Academy“ widerspiegeln. Diese Zusammenarbeit verdiene es, warb Pater Maruhukiro, unterstützt zu werden, indem man sich öffne für die aktive Beteiligung weiterer Institutionen, „um unseren gemeinsamen Traum zu verwirklichen: die Förderung von Frieden und Versöhnung“.

Bereits im vergangenen Jahr hatte eine ähnliche Tagung in Freiburg stattgefunden, beide seien Teil einer Reihe weiterer Tagungen, die im Rahmen der „Girubuntu Peace Academy“ in Burundi, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo organisiert werden sollen. 

Erinnern  –  Verstehen – Versöhnen

Prof. Dr. Klaus Baumann (siehe Foto) vom Institut für Praktische Theologie der Universität Freiburg (seit 2004 Direktor des Arbeitsbereichs Caritaswissenschaft und Christliche Sozialarbeit) stellte einführende Überlegungen zum Tagungsthema an, zu dem Dreischritt „Erinnern – Verstehen – Versöhnen“.

Ausgeblendete und verdrängte Erinnerungen an überwältigende Erlebnisse und Widerfahrnisse voller Angst, Schmerz oder Wut seien – wie die Traumaforschung zeigt – gleichsam vergrabene Minen, die explodieren, wenn man ahnungslos darauf tritt. In kalten wie in heißen Konflikten herrsche schnell ein Schwarz-weiß-Denken vor mit einfachen Erklärungen, die einen selbst ent-schuldigen und die anderen beschuldigen.

Um die Beweggründe der Konfliktgegner zu verstehen, sei aber zunächst die Bereitschaft zu einem Prozess notwendig, das eigene Denken in verhärteten Kategorien aufweichen zu lassen. Eine Perspektivenübernahme könne auf beiden Seiten ehrliches Erinnern voraus- oder freisetzen. In der tatsächlichen Begegnung kann dann jede Seite mitteilen, was sie von der anderen verstanden hat.

Schmerzliche Fragen werden viele Tränen kosten. Wenn aber nicht Rache und Vergeltung, Lüge und Manipulation im Vordergrund stehen, sondern die Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit, könne es zum Verstehen kommen.

Doch Verstehen sei lediglich eine Vorstufe zum Vergeben oder Versöhnen. Nur durch freien Entschluss in persönlicher Bereitschaft auf beiden Seiten kann erreicht werden, dass man einander wieder gut ist. Den Feind zu lieben, könne man aber menschlich nicht fordern, räumte der Moraltheologe ein, Feindesliebe stehe in der Macht und Art Gottes.

Doch ebenso wie das Christsein koste die Arbeit für Frieden und Versöhnung Mühe und „Studium“, weil sie sehr wertvoll, zugleich aber ein von der Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue Gottes getragenes Geschenk ist.

Diözesanreverend Dr. Dieter Brandes (siehe Foto), Pfarrer und Ökonom, ehem. Direktor der ökumenischen Stiftung „Reconciliation in South East Europe“, Projektleiter „Healing of Memories zwischen Kirchen, Kulturen und Religionen in Rumänien“ sowie Beauftragter des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), blickte zurück auf die Vergangenheitsbewältigung in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands.

Offiziell waren davon 44 Kriegsgegner-Staaten berührt. Den ca. 6,4 Mill. Deutschen stehen 50 bis 60 Mill. Kriegsopfer anderer Staaten gegenüber, darunter ca. 27 Mill. in der Sowjetunion, 6 Mill. in Polen (einschließlich 3 Mill. Juden).

Es gab Kriegsverbrechen der Wehrmacht und der SS, den Holocaust an Juden, den Porajmos an Sinti und Roma, die Euthanasie genannten Krankenmorde, ca. 3 Mill. weitere KZ-Opfer sowie mehrere Mill. Zwangsarbeiter. Für Deutschland war die Schuldfrage eindeutig.

Demgegenüber stehen Erinnerungen an alliierte Bombardierungen, an die Vertreibung von 12 – 14 Mill. Deutschen etc. Brandes zog Linien von den ersten Schuldbekenntnissen und Gedenkformen in Staat und Kirchen der 50er Jahre über Dokumentationen und Denkmäler hin zur heutigen deutschen Erinnerungskultur und deren Ausdrucksformen einschließlich des Unbehagens an ihrer Institutionalisierung.

Er nannte u. a. die Auschwitz-Prozesse, den Élysée-Vertrag mit Frankreich von 1963 als Beginn eines europäischen Friedensprojektes, die viel schwierigere Versöhnungsgeschichte mit Polen, beginnend mit der Annäherung von kirchlicher Seite seit 1957 bzw. 1965, wobei der Briefwechsel der katholischen Bischöfe zur emotionalen Grundlage für den Warschauer Kniefall Willy Brandts 1970 wurde; die noch schwierigere Annäherung in der Sudetenfrage zwischen Tschechen und Deutschen mit den heute noch bestehenden Beneš-Dekreten.

Mag. Elizaveta Getta (siehe Foto) vom Institut der Translationswissenschaft an der Prager Karls-Universität lieferte online zugeschaltet als Frucht ihrer Masterarbeit einen Beitrag über „Interkulturelle Kommunikation in Namibia und Tansania während der Kolonialzeit“.

Das „Schutzgebiet“ Namibia, von 1884 bis 1915 eine deutsche Kolonie, brauchte seit seiner Gründung eine effiziente Kommunikation zwischen der lokalen Bevölkerung und den Kolonialherren. Die ersten sprachpolitischen Bemühungen, beiden Seiten gegenseitig Kenntnisse zu vermitteln oder eine Lingua franca einzuführen, seien aus kulturellen und finanziellen Gründen gescheitert. Überwiegend mussten Dolmetscher die Kommunikation indirekt leisten, vor allem in Justiz, Religion und Diplomatie, was zu zahlreichen Missverständnissen führte.

Der deutsche Einfluss verbreitete sich in diesem Gebiet schnell, man gründete deutsche Vereine, Pressehäuser und ein Netz von (Missions-) Schulen, deren Aufgabe sowohl in Sprachunterricht als auch der Umerziehung zu den „deutschen Tugenden“ bestand. Spuren der deutschen Kultur sind bis heute sichtbar in Architektur, Kultur, Wissenschaft, Fernsehen und Presse. Bis 1990 war Deutsch eine der drei Amtssprachen. Heute herrsche eine Tendenz, alles Deutsche zu beseitigen und die deutsche Minderheit in ihr Ursprungsland abzuschieben angesichts unerfüllter Entschädigungsansprüche wegen „Völkermordes“ an den Herero und Nama.

In Deutsch-Ostafrika (damals Tansania, Burundi und Ruanda, 1885 bis 1915 deutsche Kolonie) wurde, so Getta, dagegen keine gezielte Germanisierung angestrebt, weil es dort schon zuvor mit dem Swahili eine Verkehrssprache unter den zahlreichen Ethnien gab und das Dolmetschen in arabischer Sprache stark vertreten war. Die Deutschen nutzten diese Kolonie vor allem zu Handelszwecken. Das Deutsche spielt daher heute kaum eine Rolle.

Prof. Dr. Heinz-Gerhard Justenhoven (siehe Foto) vom Institut für Theologie und Frieden (itf) in Hamburg reflektierte das Problem der Versöhnung als Voraussetzung für Frieden. Unter Individuen bestehe Versöhnung auf der einen Seite aus der Einsicht in persönliche Schuld, der Anerkenntnis des Unrechts, Reue und der Bereitschaft zur Wiedergutmachung seitens des Täters. Dem entspreche auf der anderen Seite das Opfer durch Vergebungsbereitschaft.

Die Versöhnung zwischen Opfern und Tätern sei als dialogisches Geschehen zu begreifen, das nicht hergestellt werden kann, sondern ein freies Geschehen zwischen Individuen mit einem wesentlichen Moment der Unverfügbarkeit sei. Weil Täter ihr Unrecht nicht ungeschehen machen können, bleibe menschliches Versöhnungsgeschehen unvollständig. Erst im Blick auf die durch Christus geschenkte Versöhnung mit Gott könne wirkliche Versöhnung geschehen.

Letzter Grund der Versöhnungsbereitschaft sei also die Offenbarung Gottes, insofern die Endgültigkeit der Schuld durch die alles menschliche Handeln noch einmal umgreifende Liebe Gottes überwunden werden kann. Bei der Analyse kollektiver Versöhnungsprozesse zeigte Justenhoven zwei Arten auf: erstens solche Vorgänge, in denen es um die Übernahme persönlicher Schuld und die auf einen individuellen Täter zielende Vergebung geht.

Davon zu unterscheiden sei eine zweite Art kollektiver Versöhnungsprozesse, an denen Täter und Opfer nicht mehr beteiligt sind. In diesem Fall handle es sich um das Eingeständnis der Schuld einer vorausgehenden Generation als Fundament einer Zukunft, die nicht von den Geistern der Vergangenheit versklavt wird.

Der burundische Intellektuelle David Gakunzi (siehe Foto) war online zugeschaltet und sprach über die Möglichkeiten, in seinem Heimatland einen dauerhaften Frieden zu schaffen. Gakunzi ist bekannt für seine engagierte geistige Reise zur Förderung des Friedens und der Menschenrechte, des sozialen Wandels und eines besseren Zusammenlebens in Burundi.

Der ehemalige internationale Beamte, Journalist, Schriftsteller und Lehrer hat in Afrika, Europa, Nord- und Südamerika gelebt und gearbeitet und viele gleich gesinnte Persönlichkeiten kennen gelernt wie Julius Nyerere, Dom Helder Camara, Nelson Mandela, Pierre Fatumbi Verger, Graca Machel, über die er auch geschrieben hat. Zahlreiche Initiativen gehen auf ihn zurück, so das internationale Martin-Luther-King-Zentrum und die afrikanische Friedensuniversität. Er leitet derzeit das Paris Global Forum, eine unabhängige Institution, die den kulturellen und wirtschaftlichen Austausch zwischen Afrika und dem Rest der Welt fördert.

Das kollektive Gedächtnis in Burundi sei fragmentiert, polarisiert und verworren, sagte Gakunzi. Man müsse sich zuerst den Brutalitäten und der Barbarei stellen, die das Leben von Hunderttausenden seiner Landsleute erschüttert, zerrissen und zerstört haben. In erster Linie müssen Verbrechen qualifiziert und Verantwortlichkeiten individualisiert werden. Vordringlich sei es ebenfalls, sich von der Logik der erblichen Schuld zu lösen.

Man könne aber nicht vom eigenen Leiden geheilt werden, indem man das Leiden anderer leugnet. Es gehe wesentlich darum, die Kultur der Verschwiegenheit und des Ungesagten zu brechen, das Wort im Geiste der bürgerlichen Verantwortung mit dem Ziel der kollektiven Heilung zu befreien. Denn das Wort sei ein Akt, der sowohl verletzen wie auch rehumanisieren kann. Dieser Weg führe von der Wahrheit über die Gerechtigkeit zur Versöhnung. Dabei sei aber Vergebung weder eine Pflicht noch ein erlassenes Gebot, sondern werde frei und ohne Druck von außen gewährt.

Zum Abschluss der Tagung legten bei einer Podiumsdiskussion drei Personen ihre Standpunkte dar zu der Frage: „Die Kultur der Erinnerung als ‚Eckstein’ für gesellschaftlichen und politischen Frieden?

Dr. Rainer Bendel (siehe Foto), Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft katholischer Vertriebenenorganisationen, Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der Universität Hohenheim und Vorsitzender des Instituts für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa, moderierte die Diskussion.

Die Kulturvermittlerin und Autorin Kateřina Kovačková (siehe Foto) studierte Germanistik, deutsche Literatur und Kunsterziehung in Böhmen, Bayern und Berlin, promovierte über die Figuren der „Anderen“ an der LMU München, gehört heute dem Lehrstuhl für Germanistik und Slawistik an der Philosophischen Fakultät der Westböhmischen Universität in Pilsen an.

Sie beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Deutsche aus Böhmen. Getragen von dem Gedanken, dass persönliche menschliche Schicksale für die Geschichte mehr sensibilisieren als historische Abhandlungen, hat sie zahlreiche Gespräche mit ihren deutschen Landsleuten geführt, ließ sich die Geschichten ihrer Vertreibung erzählen und gab sie in Sammelbänden heraus („Böhmisches. Allzu Böhmisches?“ 2017, „Mai 1945 in der Tschechoslowakei“ 2020, soll 2021 auch in tschechischer Sprache erscheinen).

Diese Lebenserinnerungen nimmt sie auch in das Audio-Archiv namens Pamet národa (Memory of Nations) mit über 6.000 öffentlich zugänglichen Zeitzeugen-Interviews der tschechischen NGO Post Bellum auf. Versöhnung kann, ja muss von unten stattfinden, in der persönlichen Konfrontation, im Erleben von Mensch zu Mensch, so Kovačkovás dezidierte Meinung. Sie bekennt sich zur heute weitgehend verschwiegenen gemeinsamen deutsch-tschechischen Kulturgeschichte, lebt die alte Zweisprachigkeit. Den immer noch präsenten deutschen Einfluss in Tschechien hält sie für eine Bereicherung, lehnt Schubladendenken und Segregation ab und plädiert dafür, sich die Geschichte und Kultur des jeweils anderen anzueignen.

Nicht anklagen, nicht Schuld zuweisen, sich nicht von den immer gleichen Methoden der Populisten und Nationalisten blenden lassen, sondern die Karten auf den Tisch legen und einander zuhören sei nötig. Man könne sich als Opfer auch stilisieren, eine Gnade oder Erleuchtung dagegen sei wohl die gelassene oder großherzig entgegenkommende Haltung oft gerade bei denjenigen, die am meisten gelitten haben.

Fremdheit und Andersartigkeit müsse man nicht unbedingt überwinden, sie können statt als Manko auch als anregender Mehrwert aufgefasst werden. Gemeinsam, sagt sie, können wir etwas Neues entstehen lassen und dadurch auch ein Stück weit die alten Traumata verarbeiten.

Dieser Haltung konnte sich auch Prof. Dr. Michael Albus (siehe Foto), Honorarprofessor für Religionsdidaktik der Medien an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg im Breisgau, nahtlos anschließen. Bei langwierigen Versöhnungsprozessen seien neben dem persönlichen Dialog nicht nur Vernetzung, sondern auch Institutionen nützlich und unentbehrlich, aber im Wesentlichen müsse man als Einzelkämpfer vorgehen, schon deshalb, weil als Gruppe schlecht an den Einzelnen heranzukommen ist. Wir müssen uns mit der Geschichte beschäftigen, so Albus, auch wenn der Mensch (nach Erich Fromm) sich als zu träge erweist, um aus ihr zu lernen.

Zugleich brauche es eine Erinnerungskultur auf der Basis von authentischen Zeitzeugen. Wir müssen Generationen übergreifend voneinander wissen, uns gegenseitig unterstützen und ergänzen, uns im Alltag erleben und näherkommen. Albus erzählte symptomatische Erlebnisse, um seine Auffassung zu illustrieren.

Bekannt wurde der Theologe schon durch seine Pressetätigkeit beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken und beim ZDF, als Kommentator bei „heute“ und „heute-journal“, als Moderator von Magazinsendungen und Live-Diskussionen, aber mehr noch durch drei Kulturreportagereihen: „Wohnungen der Götter“, über die Heiligen Berge der Weltreligionen (zusammen mit Reinhold Messner); „Frühe Stätten der Christenheit“, auf den Spuren des Apostels Paulus; sowie „Wohnungen Gottes“, über mystische Orte der drei monotheistischen Religionen.

Außerdem hat Albus 20 Jahre lang die Zeitschrift „Ost-West“ mitgestaltet und schreibt noch heute Beiträge für sie. Zusammen mit mehr als 150 Theologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unterzeichnete er im Februar 2011 ein Memorandum, in dem neben der Zulassung von Frauen im kirchlichen Amt und der Beteiligung des Kirchenvolks bei der Ernennung von Pfarrern und Bischöfen auch die Abschaffung des Zölibats gefordert wurde.

Juliette Nijimbere (siehe Foto) gehört dem Frauenkollektiv für Frieden und Demokratie in Burundi (Collectif des femmes pur la paix et de la démocratie au Burundi) an und setzt sich für die  Integration der Migranten in Belgien ein. Sie erklärte, im livestream von Brüssel zugeschaltet, was alles ein Vermittler oder Moderator oder engagierter Bürger sein und beachten muss, um in Burundi auf Versöhnung hinwirken zu können.

Er muss sich vor allem des ihm übertragenen Vertrauens und der ihm zugewiesenen Funktion würdig erweisen und nicht in parteipolitischem Interesse, sondern in dem des ganzen burundischen Volkes handeln. Der Konflikt nach der erzwungenen dritten Amtszeit von Präsident Pierre Nkurunziza gegen die Verfassung und die Arusha-Abkommen macht die Aufgabe des Vermittlers in diesem Konflikt nicht gerade einfacher.

Er muss sich, so Nijimbere weiter, im Dialog für die Förderung des Gedenkens an die Opfer einsetzen und sich verpflichten, aller Opfer ohne irgendeinen Unterschied mit gleichem Einfühlungsvermögen zu gedenken, denn alle haben Mitgefühl und Anerkennung ihres Leidens verdient, unabhängig von ihrem Glauben und was immer sie sein mögen.

Darüber hinaus muss sich der Vermittler verpflichten, eine Botschaft der Hoffnung für alle zu geben, um die Spirale von Gewalt, Hass, Misstrauen, Unsicherheit und Tod zu beenden. Durch den Verzicht auf den mörderischen Wahnsinn jeglicher Ideologie entscheidet sich der Vermittler für das Leben in einem besseren Burundi, wo Frieden und Sicherheit herrschen. Er arbeitet weiterhin für ein Burundi, in dem Hutu, Tutsi, Twa und Ganwa zum Gedenken zusammenkommen.

Er soll die Protagonisten aller Seiten dazu bringen, sich gegenseitig zuzuhören und zu verstehen, mit gegenseitigem Respekt. Auf diese Weise wird er die Mauer aller tödlichen Ideologien niederreißen, eine Mauer, die von den verschiedenen Tätern in verbrecherischer Absicht errichtet wurde.

Er wird im Anderen keinen Feind sehen, sondern einen Gleichgesinnten. Schließlich setzt er sich für Fairness und Gerechtigkeit ein, die zur Geburt einer friedlichen Generation beitragen werden.

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China: Zwangssterilisationen an Uiguren

IGFM fordert sofortiges Ende der „Kein-Kind-Politik“

Hier ist niemand in froher Erwartung: China versucht die nächste Generation der Uiguren systematisch auszulöschen.

Mit Hilfe von Zwangssterilisationen setzt die kommunistische Diktatur den Völkermord an den Uiguren in Ostturkistan (chinesisch Xinjiang) fort, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).

Die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsorganisation fordert eine lückenlose Aufklärung sowie ein sofortiges Ende dieser grausamen Menschenrechtsverletzungen.

Eine Frau, die das drastische Vorgehen des Regimes am eigenen Leib erfahren hat, ist Mihrigul Tursun. Die Uigurin wurde mehrere Monate in einem Internierungslager festgehalten und von ihren Drillingen getrennt. Nach ihrer Flucht in die USA berichtete sie im US-Kongress, dass ihr Sohn während ihrer Lagerhaft im Krankenhaus gestorben sei und sie in China zwangssterilisiert wurde.

„China begeht seit Jahren gravierende Menschenrechtsverletzungen an ethnischen Minderheiten wie den Uiguren und die Welt schaut weg. Die Kommunistische Partei inhaftiert ein ganzes Volk in Internierungslagern, foltert es und löscht allmählich dessen Kultur aus. Nun vergreift sie sich auch noch an der nächsten Generation und forciert eine „Kein-Kind-Politik“ in Ostturkestan“, berichtet Edgar Lamm, Vorsitzender der IGFM.

Der aktuelle Report des China-Experten Adrian Zenz bestätigt die Berichte ehemaliger Lagerinsassen. Es wird deutlich, dass die Zwangssterilisation und die Bevölkerungskontrolle an den Uiguren direkt auf Anweisung der chinesischen Regierung erfolgen.

Dokumente aus dem Jahr 2019 belegen eine Kampagne in ländlichen Gebieten zur Sterilisierung von 14 bis 34 Prozent der uigurischen Frauen im gebärfähigen Alter. Es wurden finanzielle Mittel für hunderttausende solcher Prozeduren bereitgestellt.

Diese Praktiken bleiben nicht ohne Folge: Das Bevölkerungswachstum in den zwei größten Provinzen in Ostturkestan ist zwischen 2015 und 2018 um 84 Prozent zurückgegangen – im Jahr 2019 sogar noch stärker. Der Report zeigt, dass das chinesische Regime für 2020 keinerlei Wachstum in einer der uigurischen Regionen anvisiert hat.

Die IGFM verlangt von der Bundesregierung, das Schicksal der Uiguren bei Gesprächen mit China auf die Tagesordnung zu setzen und international den Druck auf das Regime zu erhöhen, die Menschenrechte der ethnischen Minderheiten zu achten.

Weitere Informationen zur Menschenrechtssituation in China


Heute „Tag des Zorns“: Gedenken an den Völkermord der Roten Khmer in Kambodscha

Zwei Millionen Opfer durch die kommunistische Diktatur

In einer Stellungnahme von Bischof Olivier Schmitthaeusler, Apostolischer Vikar von Phnom Penh, zum heutigen Tag des Gedenkens an den kommunistischen Völkermord in Kambodscha heißt es: „Wir erinnern uns heute an die Opfer, die während des Völkermords der Roten Khmer gestorben sind. Wir gedenken dabei auch an unserer Märtyrer.“

Die Kambodschaner nennen ihn auch den „Tag des Zorns“-  und an verschiedenen Orten stellen schwarz gekleidete Studenten die in den berühmten KZsbegangenen Hinrichtungen nach.

Die katholische Kirche begeht den Gedenktag als „Tag der Erinnerung, der Märtyrer und der Versöhnung“ und will damit verhindern, dass Zorn und Rache in den Vordergrund gestellt werden.

Der Bischof betont in seiner Botschaft:
„In diesem Jahr feiern wir den 45. Jahrestag der Weihe des ersten kambodschanischen Bischofs, Joseph Chhmar Salas, der am 14. April 1975 von Bischof Yves Ramousse heimlich geweiht wurde, während die Kirche “Notre Dame” in Phnom Penh wurde bombardiert wurde.

Am 17. April 1975 drangen die Roten Khmer in Phnom Penh ein und die gesamte Bevölkerung floh oder wurde evakuiert. Bischof Chhmar Salas wurde in den Nordosten des Landes nach Tangkauk deportiert, wo er 1977 starb.

Er ist der erste auf unsere Liste von 14 Märtyrern, deren Seligsprechungsverfahren am 15. Mai 2015 auf den Weg gebracht wurde“.

Der Apostolische Vikar fügt hinzu:
„In diesem Jahr feiern wir auch den dreißigsten Jahrestag der Auferstehung der Kirche in Kambodscha: Es war der 14. April 1990, als Erzbischof Emile Destombes in einem Kino in Phnom Penh zum ersten Mal wieder Ostern feierte und das hatte großen symbolischen Wert: In der Finsternis der dunklen Jahre des Regimes war das Licht des Glaubens nicht erloschen und die Flamme der Osterkerze erwärmte und erleuchtete diesen dunklen Raum“.

Bischof Schmitthaeusler fährt fort:
“Wir möchten uns an die letzten Worte von Bischof Salas an Mons. Ramousse erinnern, die er 17. April 1975 sprach, bevor er zu den staubigen Straßen Kambodschas aufbrach: “Erzählt der Welt von uns“.

Mit diesem Geist halten wir auch die Erinnerung an unsere Märtyrer am Leben und leben in Kambodscha heute das Evangelium von Frieden und Versöhnung“.

Während der Herrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979 wurden etwa zwei Millionen Kambodschaner hingerichtet oder staben an Hunger oder Krankheiten.

Nach Angaben des kambodschanischen Dokumentationszentrums gab es im ganzen Land verstreut zahlreiche Vernichtungslager mit über 20.000 Massengräbern und über 1,38 Millionen Leichen.

Das größte Vernichtungslager war Choeung Ek, das sich am Stadtrand von Phnom Penh befand und heute als Gedenkstätte für alle Verstorbenen dient und die Nachwelt an dieses immense Leid erinnern soll.

Quelle: Fidesdienst


Die UNO hat einen Gedenktag für Opfer religiöser Gewalt am 22. August eingeführt

Von Dr. Gudrun Kugler

Ich freue mich sehr, dass bei einer Sitzung der UN Generalversammlung am 13. Mai 2019 eine Resolution zur Einführung eines internationalen Gedenktages für die Opfer von religiöser Gewalt („International Day Commemorating the Victims of Acts of Violence Based on Religion or Belief“) am 22. August beschlossen wurde!

Experten sehen in diesem Gedenktag, welcher der erste UNO-Gedenktag mit Bezug auf Religionsfreiheit ist, einen Meilenstein im Einsatz für die weltweite Religionsfreiheit. Allerdings ist die Einführung eines solchen Gedenktages kein Ziel in sich selbst. Vielmehr stellt er den Anfang einer internationalen Initiative zur Bekämpfung religiös motivierter Gewalt dar.

Die Entwicklungen der letzten Jahre führen uns deutlich vor Augen, wie notwendig der Einsatz in diesem Bereich ist. Religiös motivierte Gewalt hat ein erschreckendes Ausmaß erreicht und stellt ein wachsendes, globales Problem dar.

Der Völkermord durch den IS gegen christliche und andere religiöse Minderheiten im Nahen Osten sowie jener an den Rohingya Muslimen in Myanmar sind nur Beispiele der wachsenden religiösen Gewalt und Verfolgung, die wir weltweit beobachten (die unsere Medien jedoch häufig nicht erreicht).

Ein internationaler Gedenktag für die Opfer von religiöser Gewalt ist ein starkes Werkzeug für die Mitgliedstaaten, um ein klares Zeichen gegen jegliche Art von religiös motivierter Gewalt zu setzen.

Resolutionstext im Wortlaut hier: http://gudrunkugler.at/uno-gedenktag-fuer-opfer-religioeser-gewalt-am-22-august-eingefuehrt/

Frau Dr. Kugler ist Nationalrätin der ÖVP (Österreichischen Volkspartei) im österreichischen Parlament

Foto: Felizitas Küble


USA: Trump unterzeichnet ein Gesetz, das Christenmassenmord als „Genozid“ definiert

US-Präsident Donald Trump hat am 11. Dezember 2018 den „“Iraq and Syria Genocide Relief and Accountability Act of 2018“ in Kraft gesetzt.

Dieses neue Gesetz definiert Verbrechen radikal-islamischer Gruppen gegen Christen und Jesiden im Irak und in Syrien als „Genozid“ (Völkermord) und verpflichtet die US-Regierung, die Opfer mit humanitärer Hilfe zu versorgen und die Täter strafrechtlich zu verfolgen.

Bei der feierlichen Unterzeichnung durch den US-Präsidenten nahmen unter anderem der chaldäische Erzbischof Bashar Warda von Erbil, der oberste Ritter der Knights of Columbus, Carl Anderson, sowie die US-amerikanische Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Callista Gingrich, und der US-amerikanische Militärbischof, Timothy Broglio, teil.

Das Gesetz fördert die finanzielle Unterstützung der USA für humanitäre Hilfe und Stabilisierungs- und Wiederaufbauprogramme zugunsten religiöser Minderheiten im Irak und in Syrien.

Darüber hinaus erlaubt das Gesetz dem US-Außenministerium, strafrechtliche Ermittlungen gegen mutmaßlicher Verantwortliche der Gewalt gegen religiöse Minderheiten auf den Weg zu bringen. Das US-Repräsentantenhaus billigte das Gesetz bereits am 27. September einstimmig. Zuvor hatte auch der US-Senat das neue Gesetz bewilligt.

Die US-amerikanische Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF), eine vom Kongress eingerichtete unabhängige Organisation, lobt Präsident Trump für die Unterzeichnung des neuen Gesetzes. „In diesem Gesetz erkennen wir auch die Botschaft, dass die Verantwortlichen dieser Verbrechen, einschließlich des Völkermords, der Justiz nicht entgehen werden“, so die Vizepräsidentin der USCIRF, Kristina Arriaga.

Mit dem neuen Gesetz ändert sich teilweise die frühere Politik des US-Außenministeriums, die bisher hauptsächlich die Kanäle der UNO zur Verteilung von Geldern nutzte.

Bereits am 25. Oktober 2017 kündigte US-Vizepräsident Mike Pence (siehe Foto) eine solche Änderung der Verfahren bei der Finanzierung humanitärer Nothilfe an:

„Wir werden uns nicht mehr nur auf die UNO verlassen, um verfolgten Christen und Minderheiten zu helfen“, sagte der bei dem jährlichen Wohltätigkeitsessen für Christen im Nahen Osten, das von der US-Organisation In Defense of Christians in Washington veranstaltet wird.

In diesem Zusammenhang hatte er angekündigt, die US-Bundesbehörden würden „Seite an Seite mit Glaubensgruppen und privaten Organisationen zusammenarbeiten, um denen zu helfen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden“.

Quelle: Fidesdienst


Deutliche Kritik an André Poggenburg (AfD)

Von Dr. David Berger

Parallel zu meiner Abscheu vor dem System Merkel, das auch weite Kreise der CDU bestimmt, ist meine Achtung vor der AfD gewachsen. Besonders die Auftritte und Reden der Bundestagsabgeordneten waren faszinierend und konnten viele Vorurteile gegen die AfD aus dem Weg räumen.

Nach wie vor hat die AfD allerdings das Problem, dass einige ihrer Politiker fähig sind, all das was an Sympathie und Vertrauen mühsam – und gegen eine gehässige Presse – aufgebaut wurde, mit wenigen Worten und Gesten zu zerstören.

Ich schreibe das aus konkretem Anlass: Gestern ist André Poggenburg beim „Politischen Aschermittwoch“ der AfD in Pirna (Sachsen) aufgetreten. Dafür dass er ein eher durchschnittlicher Redner ist, über 90% Männer und – im Unterschied zu anderen AfD-Veranstaltungen kaum Jugend im Publikum zu sehen waren, kann er nichts.

Für die Anspielungen auf Schulz Alkoholismus, Kameltreiber-Sprüche usw. sehr wohl. Irgendwie gewinnt man den Eindruck, dass er sich geradezu anstrengt, die Vorurteile der Mainstreammedien gegen die AfD zu erfüllen: er geht auf ganze Menschengruppen los.

Jaklin Chatschadorian dazu: „Was ist das für eine Sprache? Politiker, die sich mit Schimpfwörtern ausdrücken, sind nicht nur peinlich. Poggenburg zeigt, welch Geistes Kind er ist. Es geht nicht nur um die Gossensprache gegenüber Türken. Das gehört sich bereits nicht, um nicht zu sagen: was unterscheidet ihn in Sprache und Stil von denen, die er kritisiert?“

Vor allem aber hat man keinen „Völkermord am Arsch“…Pietätlos gegenüber den Opfern des Armenier-Genozides ebenso wie gegenüber denen des Holocausts  – ekelhaft.

Quelle und Fortsetzung des Artikels von Dr. Berger hier: https://philosophia-perennis.com/2018/02/15/news-poggenburg/

STELLUNGAHME von POGGENBURG zum MEDIENWIRBEL um seine REDE: https://www.journalistenwatch.com/2018/02/15/poggenburg-stellungnahme-zur-politischen-aschermittwoch-rede/

 

 


CDU/CSU-Fraktion: Schluß mit dem Völkermord des IS an Jesiden im Irak

Kongreß über Vergewaltigung als Kriegswaffe

Nach Angaben von UN-Ermittlern setzt die Terrororganisation Islamischer Staat die Gewalttaten an den Jesiden im Irak unverändert fort. Dazu erklärt der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder:

„Der Bericht der UN-Ermittler zu den Gewalttaten des IS muss uns erneut wachrütteln. Es ist entsetzlich, dass offenbar trotz der jüngsten militärischen Erfolge gegen den IS der Völkermord an den Jesiden immer noch weitergeht.

Besonders berührt uns das Schicksal der vom IS versklavten Mädchen und Frauen, die unermessliche Qualen aushalten müssen. Die Staatengemeinschaft, die gegen den IS vorgeht, muss sich nun die Befreiung der jesidischen Mädchen und Frauen, aber auch den Schutz der Jungen und Männer zu einem vorrangigen Ziel machen.

Auf einem Kongress im Juni zum Thema Vergewaltigung als Kriegswaffe hat sich die CDU/CSU-Bundestagsfraktion auch mit dem Völkermord an den Jesiden und insbesondere mit dem Schicksal der Mädchen und Frauen aus dieser Religionsgemeinschaft befasst. 

Der UN-Bericht zeigt auch, wie richtig es war und ist, die kurdischen Peschmerga mit Waffen und Ausbildung durch die Bundeswehr zu unterstützen. Die kurdischen Peschmerga und die amerikanischen Luftstreitkräfte waren die einzigen, die im Sommer 2014 den vom IS angegriffenen Jesiden im Sindschar-Gebirge zur Hilfe geeilt waren. Ohne deren Eingreifen wären noch mehr Jesiden getötet oder versklavt worden.“

Hintergrund:

Der sogenannte Islamische Staat setzt UN-Ermittlern zufolge den Völkermord an der Minderheit der Jesiden im Irak fort. Die UN-Ermittlungskommission kritisierte am Donnerstag in Genf, dass trotz der Selbstverpflichtung der Weltgemeinschaft, solche Taten zu verhindern, der Genozid praktisch nicht thematisiert werde.  Tausende Männer und Jungen würden nach wie vor vermisst, heißt es in dem Bericht. Zudem gehe der IS mit „entsetzlicher Gewalt“ gegen etwa 3.000 Frauen und Mädchen vor. Dazu gehörten tägliche Vergewaltigungen.

Den Kongress „Vergewaltigung ist eine Kriegswaffe“ hat die CDU/CSU-Fraktion gemeinsam mit der von der Journalistin Düzen Tekkal gegründeten Hilfsorganisation Hawar.help veranstaltet. Daran teil nahmen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, die UN-Sonderbeauftragte für sexuelle Gewalt in Konflikten, Pramilla Patten, die Präsidentin der Bianca-Jagger-Menschenrechtsstiftung, Bianca Jagger und die Jesidin Düzen Tekkal selbst.

Dabei ging es nicht nur darum, die Betroffenen von systematischer Vergewaltigung in Kriegen und Krisen zu Wort kommen zu lassen, sondern auch darum, konkrete Möglichkeiten der Hilfe auszuloten – von Projekten zur Aufarbeitung über psychologische Betreuung der Opfer bis zur Aufarbeitung der Verbrechen vor dem Internationalen Strafgerichtshof.

Mehr unter: http://cducsu.cc/Vergewaltigungen_stoppen


Unionsfraktion: Völkermord an Jesiden beenden und den IS zur Rechenschaft ziehen

Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen hat in einem Bericht das Vorgehen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gegen die religiöse Minderheit der Jesiden im Irak und in Syrien als Völkermord bewertet und von der internationalen Staatengemeinschaft Konsequenzen gefordert.

Dazu erklärt die menschenrechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach (siehe Foto): 10

„Der in Genf vorgestellte Bericht der vom UN-Menschenrechtsrat einberufenen Untersuchungskommission für Syrien dokumentiert, wie die Terroristen des Islamischen Staates (IS) seit August 2014 systematisch mit Ermordungen, Vergewaltigungen, Versklavungen und Aushungern gegen die rund 400.000 Menschen starke religiöse Minderheit mit dem Ziel vorgeht, ihre Identität auszulöschen.

Wir unterstützen ausdrücklich den Appell der Kommission an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag mit der Verfolgung der verantwortlichen IS-Kommandeure zu beauftragen oder für diese Aufgabe ein Sondertribunal einzurichten.

Die Terroristen hätten dem Bericht zufolge 2014 tausende Jesiden aus ihren Siedlungsgebieten im irakischen Sindschar-Gebirge in das benachbarte Syrien verschleppt. Dort seien sie seitdem extremer Gewalt ausgesetzt. Männer sowie Jungen über zwölf Jahren seien von ihren Familien getrennt, viele von ihnen nach Augenzeugenberichten ermordet worden.

Derzeit befänden sich noch immer mehr als 3200 jesidische Frauen und Kinder in der Gewalt von IS-Terroristen, die meisten innerhalb Syriens. Zahlreiche Frauen und Mädchen seien auf Sklavenmärkten verkauft oder als Sexsklavinnen an IS-Kämpfer „verschenkt“ worden.

Die Feststellung des Völkermords muss zu einem entschlosseneren Handeln auf der politischen Ebene führen. Die internationale Staatengemeinschaft muss ihre Anstrengungen erhöhen, die Gewalt gegen die Jesiden zu beenden und die Verantwortlichen entschlossen zu verfolgen und für ihre Verbrechen zur Rechenschaft ziehen.“


Vor allem Juden pro Bundestags-Resolution zum Völkermord an Armeniern

Der Deutsche Bundestag hat am 2. Juni 2016 die Armenien-Resolution beschlossen und damit das türkische Massaker an den Armeniern als Völkermord bezeichnet.

Das Erfurter INSA-Institut fragte im Auftrag der Bild-Zeitung, wie die Bevölkerung in Deutschland zu dieser Resolution steht: 159481-3x2-teaser296

Knapp die Hälfte der Befragten  (49 %) findet es richtig, wenn die Vernichtung der Armenier als Völkermord anerkannt wird. Männer (59 %) unterstützen die Resolution deutlich häufiger als Frauen (40 %). Frauen (34 % zu 20 %) wissen allerdings öfter keine Antwort auf die Frage.   

Besonders jüdische Befragte (62 %) unterstützen die Stellungnahme des deutschen Parlaments. Auch jeder zweite katholische (51 %) und evangelische (49 %) Bürger spricht sich für die Anerkennung des Begriffes „Völkermords“ aus. Auch bei den konfessionslosen Befragten stimmt jeder Zweite (49 %) der Resolution zu.

Hier geht es zum erwähnten INSA-Institut: www.insa-consulere.de


Völkermord an Armeniern: 10 Gründe, warum sich die türkische Regierung irrt

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) begrüßt die Völkermord-Resolution des Deutschen Bundestages.

„Leugnung, Vertuschung und staatliche Geschichtsklitterung können keine Grundlage für ein freiheitliches Miteinander sein – auch nicht im Vielvölkerstaat Türkei“, erklärte IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin und fügte hinzu:159481-3x2-teaser296

„Die gegenüber dem Deutschen Bundestag und persönlich durch Präsident Erdogan ausgesprochenen Drohungen gegenüber Kanzlerin Merkel zeigen die Bereitschaft zur Eskalation: Deutschland darf sich von dem Autokraten Erdoğan nicht erpressen lassen.“

Die türkische Regierung bietet immer wieder neue, unterschiedliche, zum Teil sich widersprechende Begründungen, warum der Völkermord an Armeniern, Syro-Aramäern und Pontos-Griechen kein Völkermord gewesen sein soll.

IGFM-Präsident Prof. Dr. Thomas Schirrmacher entkräftet die wichtigsten Behauptungen:

A. Es fehlte an der Absicht und Planung – die meisten Armenier starben in den Kriegswirren an Hunger und Krankheit.

B. (und im Widerspruch dazu:) Die Armenier waren Aufständische und halfen den Kriegsgegnern. Die Vertreibungspolitik der Jungtürken gegen die Armenier war ein kriegsnotwendiger Akt der Selbstverteidigung.

Zu A. und B. ist zu sagen:  Junge Christin bei Gottesdienst für den Frieden in Syrien

1. Die türkische Militärgerichtsbarkeit hat 1919-1920 direkt nach dem Ersten Weltkrieg einige der Hauptplaner und -drahtzieher der Ermordung der Armenier zum Tode verurteilt, Generäle wie Politiker. Zwei der wichtigsten Drahtzieher hatten sich aber nach Deutschland abgesetzt, wo sie 1922 ermordet wurden.

Der türkische Staat selbst hat also damals aufgrund von vielen Zeugenaussagen und Akten festgestellt, dass die Massenmorde geplant waren und nicht dem Kampf gegen bewaffnete Aufständische dienten. Dass bald darauf unter Kemal Atatürk die Leugnung der Schuld einsetzte, ändert daran nichts.

2. Heerscharen von Historikern und Genozidforschern haben durch umfangreiches Quellenmaterial belegt, dass die beiden Aussagen A. und B. falsch sind. Eine begründete Widerlegung dieser Quel-lenarbeit seitens der Türkei ist nicht erfolgt. Behauptungen von Politikern widerlegen aber keine wis-senschaftliche Forschung, sie können sie höchstens verbieten.

3. Wenn die Aussagen A. und B. stimmen, warum weigert sich die Türkei dann, die türkischen Archive unabhängigen Historikern zu öffnen? Es dürfte dann ja nichts Belastendes zu finden sein.

4. Wenn es um eine Selbstverteidigung gegangen wäre, hätte sich die Verteidigung nach Genfer Kriegsrecht nicht gegen die Zivilbevölkerung richten dürfen, die die absolute Masse der Opfer aus-machten. Haben die Zigtausenden Kinder, ja Babys, die auf den Hungermärschen starben, etwa auch gegen die Türkei gekämpft? RTEmagicC_logo_Homepage_quad_gif

5. Im Übrigen ist es unumstritten, dass ein Völkermord auch vorliegen kann, wenn zwei Kriegsparteien Krieg gegeneinander führen und eine Seite dabei versucht, nicht nur Kämpfer der anderen Seite zu töten, sondern die gegnerische Bevölkerung auszulöschen, das heißt zum Beispiel verhungern zu lassen. Sonst dürfte man ja auch im Zweiten Weltkrieg nicht von Völkermord sprechen.

C. Die türkische Regierung verbindet mit Völkermord etwas mit dem Nationalsozialismus Vergleichbares, setzt also eine rassistisch-ideologische Motivation voraus. Da die Armenier aber als religiöse Gruppe gesehen wurden, die sich als Christen vermeintlich mit christlichen Gegnern verbündeten, und im 19. Jh. zum Islam übergetretene Armenier meist nicht verfolgt wurden, lehnt man es ab, dass es sich um Völkermord aus Rassismus handelte.

6. Dabei wird übersehen, dass die Völkermorddefinition der UN von 1948 keine bestimmte Ideologie und keine bestimmte Art von ‚Volk‘ voraussetzt und sich nicht darum kümmert, welche Begründung verwendet wird, sondern nur das Ziel, Angehörige einer bestimmten Gruppe geplant zu töten oder dem möglichen Tod auszuliefern, für ausschlaggebend hält. Im Übrigen ist es so verbrecherisch, Menschen umzubringen, weil sie Christen sind, wie es verbrecherisch ist, sie umzubringen, weil sie eine bestimmte Sprache sprechen oder einer bestimmten Ethnie angehören.

Artikel II, der von der Türkei 1948 als Erstunterzeichner mit unterschriebenen UN-Konvention lautet: foto-dcubillas-www_freimages_com_

„In dieser Konvention bedeutet Völkermord eine der folgenden Handlungen, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören: (a) Tötung von Mitgliedern der Gruppe; (b) Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe; (c) vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen; (d) Verhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind; (e) gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.“

Alle fünf Punkte sind für den Völkermord an Armeniern, Syro-Aramäern und Pontos-Griechen gründ-lich von Historikern belegt worden, wobei Punkt d) seltener vorkam. Man denke etwa zum letzten Punkt daran, dass 150.000 – 200.000 armenische Kleinkinder an türkische oder kurdische Eltern gegeben wurden – teilweise aus Not, teilweise mit Gewalt – und nach 1919 den Eltern oder Verwandten nicht zurückgegeben wurden.

D. Die türkische Regierung sagt: Völkermord wurde erst 1951 zu einer Kategorie des Völker-rechts, als konnte ein Ereignis dreieinhalb Jahrzehnte vorher kein Völkermord sein. Dieser Logik ist selbst das Deutsche Außenministerium gefolgt.

7. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Weil es Völkermorde gab und der schlimmste von allen im Zwei-ten Weltkrieg geschah, wurde zur Beschreibung schließlich der Begriff Völkermord bzw. das englische Gegenstück ‚genocide‘ geprägt und 1948 die UN-Völkermordkonvention verabschiedet, die 1951 in Kraft trat. Selbstverständlich sind Völkermorde so alt wie die Menschheit, und sie gehören zu den Höhepunkten von Verbrechen und Unmoral, gleich welchen Begriff man dafür vorher verwendet hat.

8. Folgte man der Logik der türkischen Regierung, gab es vor 1948 auch keine Menschenrechtsverletzungen, weil die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte erst 1948 verabschiedet wurde.

9. Im Übrigen muss man unterscheiden: Der völkerrechtliche, juristische Begriff „Völkermord“ wäre von Interesse, wenn man die Türkei verklagen wollte. Es geht aber vor allem um den Begriff „Völkermord“ der Historiker. Und hier steht die türkische Regierung gegen eine weltweite Phalanx von Historikern und Genozidforschern, die den Begriff etwa auch für die Verbrechen der Deutschen an den Hereros in Deutsch-Westafrika vor dem Ersten Weltkrieg verwenden.

10. Das Argument, vor 1951 könne es gar keinen Völkermord gegeben habe, zeigt auch, wie widersprüchlich die türkische Regierung argumentiert. Denn das Argument hieße dann ja: Hätte man bereits zum Beispiel 1910 eine völkerrechtliche Genozidkonvention verabschiedet, wäre der Massenmord an Armeniern und Syro-Aramäern ein Völkermord gewesen.

Zum Schluss sei noch hinzugefügt, dass die Türkei armenische und syrische Christen bis heute schwer diskriminiert. Es wäre für die Türkei ein Leichtes, die Diskriminierung der wenigen verbliebenden Christen im Land zu beenden. Solange dies nicht geschieht, muss man auch die Position der Türkei zur Völkermordfrage in diesem Licht betrachten.

Die Europäische Union tut gut daran, in ihren Fortschrittsreports die Beendigung der Diskriminierung der Christen und die Anerkennung des Völ-kermordes zu Vorbedingungen für einen EU-Beitritt zu erklären.

Weitere Infos hier: http://www.menschenrechte.de/tuerkei