Gottes starke Retterliebe für sein Volk: Wehe den Hirten, die sich selbst weiden!

Menschensohn, weissage gegen die Hirten Israels, rede zu ihnen, den Hirten: So spricht Gott, der HERR:

Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? Das Fette verzehrt ihr, mit der Wolle bekleidet ihr euch, und das Gemästete schlachtet ihr, aber die Herde weidet ihr nicht!

Das Schwache stärkt ihr nicht, das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verscheuchte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht, sondern mit Gewalt und Härte herrscht ihr über sie.

Und so haben sie sich zerstreut, weil sie ohne Hirten waren, und sind allen wilden Tieren des Feldes zum Fraß geworden. Auf allen Bergen und hohen Hügeln irren meine Schafe umher, und über das ganze Land sind sie zerstreut; und niemand ist da, der nach ihnen fragt, niemand, der sie sucht… 

So spricht Gott, der HERR:

Siehe, ich komme über die Hirten, ich will meine Schafe von ihren Händen fordern und will ihrem Schafeweiden ein Ende machen, und die Hirten sollen nicht mehr sich selbst weiden; denn ich will meine Schafe aus ihrem Maul erretten, daß sie ihnen künftig nicht mehr zum Fraß dienen sollen.

BILD: Christus als der Gute Hirte – Statue im Münsterland am Wegesrand

Siehe, ich selbst will nach meinen Schafen suchen und mich ihrer annehmen! Wie ein Hirte seine Herde zusammensucht an dem Tag, da er mitten unter seinen zerstreuten Schafen ist, so will ich mich meiner Schafe annehmen und sie aus allen Orten erretten, wohin sie zerstreut wurden an dem Tag des Gewölks und des Wolkendunkels.

Ich selbst will meine Schafe weiden und sie lagern. Das Verlorene will ich suchen und das Verscheuchte zurückholen und das Verwundete verbinden; das Schwache will ich stärken; das Fette aber und das Starke will ich vertilgen; ich will sie weiden, wie es recht ist.

AT, Hesekiel 34,2-16

Fotos: Felizitas Küble


Weiden (Bistum Regensburg): Neue Heimat für Flüchtlinge in der Pfarrei Herz Jesu

Vier Familien haben am vergangenen Dienstag in der Pfarrei Herz Jesu in Weiden ein neues Zuhause gefunden. Die insgesamt 13 Flüchtlinge stammen aus Syrien, Afghanistan und der Ukraine. Unter ihnen sind sieben Kinder unter fünf Jahren, dabei auch ein Baby, das im April auf der Flucht zur Welt gekommen ist. Monika Lang mit syrischem Mädchen

In der ehemaligen Mesnerwohnung, die direkt am Pfarrheim liegt, wurde in den vergangenen Wochen viel gearbeitet und vorbereitet, damit die neuen Bewohner ein behagliches Heim vorfinden.

Überwältigt von großer Hilfsbereitschaft der Menschen

Dekan Gerhard Pausch war überrascht von der großen Hilfsbereitschaft der Menschen. Zahlreiche Anrufe erreichten ihn, nachdem bekannt wurde, dass die Pfarrei Flüchtlinge aufnehmen möchte.

Kleidung, Spielzeug für die Kinder, Babybetten, Möbel und sogar eine komplette Küche mit allen Koch- und Essutensilien spendeten die Menschen aus und um der Pfarrei.

Ein Bäcker bot an, abends das nichtverkaufte Brot kostenlos an die Flüchtlinge abzugeben, ein Möbelhändler stellte Betten und Matratzen bereit.

Aus Russland stammende Bürger in Weiden, die seit rund 20 Jahren in der Oberpfälzer Kleinstadt leben, suchten Dekan Pausch auf, um die Sprachbarrieren zu überbrücken: „Als wir nach Deutschland kamen, sind wir hier so gut aufgenommen worden. Jetzt wollen wir den neuen Flüchtlingen helfen“, so wurde dem Pfarrer berichtet.

„Es sind so viele kleine und große Zeichen, die die Menschen setzen“, berichtet der Geistliche überwältigt. Milat Mahmud  aus Syrien mit Nichte

Pfarrei gründet Aktionsgruppe für die „Neulinge“

In der Pfarrei wurde umgehend eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich nun um die neuen „Pfarreiangehörigen“ kümmern möchte. Eine große Liste an Freiwilligen ist schon bei Regionaldekan Pausch zusammen gekommen.

So zum Beispiel Luise Müller-Engaßer, Renate Kaudel und Monika Lang, die den Familien helfen möchten, erste deutsche Wörter zu lernen. „Das funktioniert im Moment nur mit Händen und Füßen, denn russisch oder persisch sprechen wir leider selber nicht“, erzählen die drei Frauen.

Aber sie sind sich sicher, dass man auch mit Bildern einiges beibringen kann. Gleichzeitig helfen mehrere Dolmetscher immer wieder bei der Verständigung. In den ersten Tagen wollen die Helferinnen den Familien aber erst einmal ihre Stadt zeigen, damit sie sich orientieren können und wissen, wo man was bekommt.

Sie sollen sich heimisch fühlen in Weiden und spüren, dass die Menschen sie hier gerne annehmen.

Auch bei den notwendigen Behördengängen, zur Beratungsstelle der Caritas, verschiedenen Besorgungen oder Arztbesuchen wollen die Frauen die Bewohner begleiten: „Wenn man die Möglichkeit hat zu helfen, dann soll man auch helfen. Erst recht, wenn man hier zur Pfarrei gehört. Das ist doch ein Gebot der Nächstenliebe!“, meint Monika Lang entschieden und Luise Müller-Engaßer fügt hinzu, dass von den Flüchtlingen auch sehr viel zurückkomme. Monika Lang - Regionaldekan Pausch - syrische Familie Mohamadi

„Nicht als Almosenempfänger behandeln“

Was diese Menschen zunächst brauchen, sind Kleidung und Lebensmittel. Vom Sozialamt erhalten sie ab sofort Geld. Damit können sie sich die Dinge kaufen, die sie brauchen. Das sei sehr wichtig, findet Pfarrer Pausch, denn sie sollen nicht das Gefühl haben, lediglich Almosenempfänger zu sein, sondern selber entscheiden, was sie benötigen und dies auch eigenständig einkaufen.

Milat Mahmud aus Syrien ist mit seiner Nichte gekommen (siehe 2. Foto). Seine Frau und die Kinder sind noch immer in einem Auffanglager in der Türkei. In seiner Heimat hatte er einen Kaufmannsladen, doch der Krieg hat alles zerstört. Dort weiter zu leben war nicht mehr möglich.

Über die Internetverbindung der Pfarrei verfolgen die Flüchtlinge die Situation in ihren Herkunftsländern. Wer ein Handy hat, versucht zurückgebliebene Verwandte und Freunde zu erreichen. Stündlich erfahren sie neue Schreckensmeldungen aus ihrer ehemaligen Heimat.

Fragt man die Erwachsenen danach, was sie zuhause erlebt haben, bleiben sie meist stumm. Doch ihre Augen erzählen Geschichten von Angst und Ratlosigkeit.

„Wir wollen diesen Menschen wieder ihre Würde zurückgeben. Wir freuen uns, dass sie hier sind. Zusammen werden wir diese Situation schon meistern“, sagt Pfarrer Pausch. Einen ersten wichtigen Schritt dazu habe man gemeinsam schon gemacht.

Quelle (Text/Fotos): Pressestelle des Bistums Regensburg