Charismatische Weltgebetskonferenz erwartet eine vierte „Welle“ des Heiligen Geistes

Schwarmgeistige Akzente in Jakarta: „Eine neue Welle kommt!“

Das soeben erschienene evangelische Charismatiker-Magazin „Charisma“ (Nr. 161) berichtet auf S. 23 von der jüngsten Weltgebetskonferenz in Jakarta (Indonesien), an der über 100.000 Menschen aus aller Welt teilgenommen haben.

Die Versammlung fand vom 14. bis 18. Mai 2012 in einem großen Stadion in der muslimisch geprägten Hauptstadt Indonesiens statt.

Unter dem Titel „Weltgebetskonferenz setzt frische Akzente“ wird über den Ablauf der Mammutversammlung berichtet, wobei allerdings deutlich wird, daß es immer dieselben „Akzente“ sind, die da gesetzt werden, nämlich die alt-neuen charismatischen Vorstellungen und Zauberworte von einer kommenden weltweiten „Erweckung“, einem „zweiten Pfingsten“ etc, was in diesen Kreisen schon seit Jahrzehnten vollmundig angekündigt wird.

Bereits das Motto dieser internationalen Konferenz ist vielsagend: „A new wave is coming“ ( = Eine neue Welle kommt).

Also erneut eine „Welle“ des Heiligen Geistes, es wäre dann bereits die vierte große Welle, nachdem die dritte Welle mit dem „Toronto-Segen“ in den 80er Jahren verknüpft wird, der  massenhaft schwarmgeistige Phänomene zeitigte (Lachen, Weinen, Brüllen, Hinfallen „im Geist“ usw).

Die Zeitschrift „Charisma“ fährt voll auf die Erwartung dieser „vierten Welle“ ab und begründet sie mit einem Bibelspruch aus dem AT: „Die ganze Erde wird erfüllt werden mit der Erkenntnis des Herrlichkeit des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt“ (Hab 2,14).

Das Schwärmerlager findet für seine Wunschvorstellungen fast immer eine vermeintlich „passende“ Stelle aus der Heiligen Schrift, wobei man aber bei der Auslegung einiges durcheinanderbringt.

Natürlich verbindet die Bibel entsprechende Verheißungen mit der Wiederkunft Christi.

Doch der springende Punkt ist der, daß dies nicht für die Zeit  d a v o r  gilt.

Es wird im Gegenteil vor dem Zweiten Kommen unseres Erlösers eine schlimme Gerichtszeit geben, wozu auch das Auftreten des antichristlichen Weltherrschers gehören wird, wie der hl. Paulus im 2. Thessalonicherbrief ausführt (wobei es sich immerhin um die ältesten Briefe des Apostels Paulus handelt), vgl. zB. 2 Thess 2 ff.  –  oder auch 1 Tim 4,1.

Es ist daher irrgeistig, eine weltweite „Erweckung“ anzukündigen, als ob mit der Erfüllung diverser biblischer Verheißungen schon vor der Wiederkunft Christi zu rechnen sei.

Zudem hat sich ein Teil dieser Ankündigungen bereits zu Pfingsten weitgehend erfüllt (zB. auch Joel 3,1 f).

Doch die Vorstellung einer kommenden „weltweiten Erweckung“, eines „zweiten Pfingsten“ ist ein zentraler Glaubensinhalt der charismatischen Bewegung, den sie sich nicht nehmen läßt, auch nicht von einer nüchternen Bibelauslegung oder kirchlichen Einwänden.

Der Artikel von Rosemaria Stresemann endet bezeichnenderweise mit den Worten: „Wir sind mit der Gewissheit (von der Gebetskonferenz) zurückgekehrt, dass auch unser Kontinent von einer neuen Welle des Heiligen Geistes erfasst wird“.

Danach sieht die religiöse Großwetterlage in Europa aber ganz und gar nicht aus – vielmehr befinden wir uns mitten in einem zunehmenden Glaubensabfall, der sich wohl nicht einfach in Luft auflösen wird.

Nicht ohne Grund stellte Christus einst die Frage: „Wenn ich wiederkomme, werde ich noch Glauben finden auf Erden?(Lk 18,8)

Typisch fürs Charismatikerspektrum ist freilich auch die Verknüpfung von Gebet mit materiellen Erwartungen (Erfolgs-Ideologie, Wohlstands-Evansgelium etc).

So heißt es im erwähnten Artikel: „Das Gebet ist oft ein Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg.“

Das Gebet als Mittel zum Zweck des Erfolges ist allerdings gewiß keine biblische Sicht, vielmehr steht im Mittelpunkt echten christlichen Betens das Wort aus dem Vaterunser, das uns Christus gelehrt hat: „DEIN WILLE GESCHEHE!“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster