Ist der Westen träge und kraftlos geworden?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Am 3. November 2019 fand in der katholischen Akademie Berlin eine Podiumsdiskussion über die Frage statt: „Ist Europa alt, müde und kraftlos geworden?“

In der Ankündigung dazu hieß es: „Für Millionen Menschen außerhalb Europas ist der Kontinent ein Sehnsuchtsort. Für viele Europäer aber scheint Europa keine Hoffnung mehr zu geben. Sind der Abbruch religiöser Überlieferungen und der Mangel an Visionen Zeichen von Altersschwäche? Nicht Wenige vermissen auch kraftvolle christliche Stimmen zu Europa“.

Geht Europa unter, weil Kulturen und Zivilisationen sich wie biologische Organismen verhalten, wie Oswald Spengler meinte – oder weil „schöpferische Minderheiten“ in ausreichendem Umfang fehlen (Arnold Toynbee)?

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Ein entscheidender Faktor bei diesen Reflexionen ist die geistige Situation. Wie ist diese für Europa zu charakterisieren?

Lassen wir jemand von außen sprechen: Robert Kardinal Sarah (siehe Foto). Er hat einen engagierten Blick auf den alten Kontinent, weil er europäischen Missionaren seinen Glauben und seine Bildung verdankt. Sarah stammt aus Afrika, dem „derzeit vitalsten und dynamischsten Teil der universalen Weltkirche“ (so Erzbischof Georg Gänswein).

In dem Buch mit dem Titel „Herr, bleibe bei uns – denn es will Abend werden“, das ein Interview des Journalisten Nikolaus Diat mit Kardinal Sarah wiedergibt, findet sich das Kapitel 4: „Die Krise der abendländischen Identität und die geistliche Trägheit“.

Diat fragt: „Wie würden Sie die geistige Lage des Westens charakterisieren?“ – hierauf antwortet Sarah: „Ich glaube, dass der Westen das erlebt, was die Wüstenväter Versuchung durch den Mittagsdämon nannten… Die Wüstenväter bezeichneten das Phänomen als Akedia“.

Der Begriff meint geistige Trägheit. Sarah erläutert diese Trägheit als „eine Art Depression, eine Ermattung, einen geistigen Überdruss… ein gewisses Schwinden der inneren Lebensfreude, eine Entmutigung, eine Erschlaffung der Seele“.

Nach Sarah zeigt sich diese „Trägheit“, welche die Freude „das Merkmal einer gottvertrauten Seele“ angreift… Diese Form von ‚Trägheit‘ nährt in der Seele den Abscheu gegen alles, was ihr Gott näher bringen könnte und ist ein allgemeiner Überdruss gegen alles, was das geistige Leben betrifft“… „Das Abendland weigert sich zu lieben und tötet den Antrieb jeder Spiritualität: Die Sehnsucht nach Gott“.

Die Abkehr von Gott ist der Endpunkt der Abwendung von der Kirche. – Benedikt XVI. sagte: Die spirituelle Krise sei „die gravierendste seit dem Untergang des römischen Reiches gegen Ende des fünften Jahrhunderts. Das Licht des Christentums ist überall im Westen am Verlöschen“.

Wir können überall den „Paradigmenwechsel“ im Menschenbild feststellen. Der Mensch bemisst sich in der säkularen Gesellschaft nach seinem biologischen, sozialen und ökonomischen Nutzwert. Wir erfahren das in der Embryonenforschung, der pränatalen Diagnostik, der Massenabtreibung, der aktiven Sterbehilfe, der Leihmutterschaft etc..

Sarah nennt in seinem Interview drei typische Folgen der „Trägheit“ in westlichen Gesellschaften: „Erstarrung, Bitterkeit und Flucht in den Aktivismus“.

  • Erstarrung in den drängenden, aber nicht gelösten Reformen wie die demographische Situation, den moralischen Verfall, die hohe Staatsverschuldung.
  • Flucht in Aktivismus, wenn Konferenzen, Sitzungen und Tagungen einander jagen, aber nur magere Ergebnisse liefern.

Der Vergleich mit dem Untergang des Römischen Reiches

Gehen wir davon aus, dass die Fähigkeit zum Überleben eine solide Bevölkerungsbasis, eine gemeinsame Kultur, wenn auch mit regionalen Unterschieden, ein gemeinsames Rechts- und Staatsbewusstsein benötigt, dann hatte das Römische Reich gute Voraussetzungen für eine lange Lebensdauer.

Zwar gab es bereits seit Kaiser Augustus Versuche, den Geburtenrückgang in Rom zu stoppen, z.B. durch Gesetze, die Familien mit drei und mehr Kindern förderten und gegen kinderlose Paare, unverheiratete Frauen ab 20 und Männer ab 25 Jahren finanzielle Sanktionen richteten. Ähnliche Maßnahmen gab es bei späteren Cäsaren. Sie waren nicht sehr wirkungsvoll. Die Gesamtbevölkerung des Römischen Reiches wurde durch die unterworfene Bevölkerung im größer werdenden Imperium und gelungene Integration wettgemacht.

Das römische Imperium war eine offene Gesellschaft: Wer sich Sprache und römische Kultur aneignete, konnte bis in die höchsten Stellen aufsteigen. Bereits im zweiten Jahrhundert wurden die Legionen bis zu den Offiziersstellen durch Nichtrömer aufgefüllt. Nichtrömer übernahmen wichtige Verwaltungsfunktionen. Als Kaiser Caracalla 212 n. Chr. allen Freien im römischen Reich das Bürgerrecht (civitas romana) gewährte, sanktionierte er einen bestehenden Zustand.

Die Städte in Gallien oder Spanien wetteiferten mit ihren Foren, Tempeln, Bädern etc. mit Rom.

Auch die Götter der unterworfenen Völker hatten im römischen Pantheon Hausrecht. Sorgen bereiteten eher, dass dieser Götterglauben nur mehr formell war und keine Bindungskraft für die Gesellschaft mehr hatte. Der Kaiserkult sollte die geistige Klammer bilden. Die Aufteilung des Riesenreiches unter den Kaisern und Mitkaisern hatte Kämpfe um die Alleinherrschaft zur Folge.

Die Integration der Barbaren in das Imperium Romanum glückte, bis ausgelöst durch Attila und seine Hunnen eine Völkerwanderung und -Verschiebung nach Westen einsetzte. Das Imperium konnte diese Massen nicht mehr integrieren. Aber selbst im fünften Jahrhundert hatte dieses Reich noch herausragende Heerführer wie Stilicho, Aetius und Ricimer, die mit Legionen unter dem römischen Adler das Imperium verteidigten.

Es ist kennzeichnend für die Gleichgültigkeit der meisten Römer, dass der Nachruf auf 800 Jahre Rom und seine Größe von dem Gallier Rutilius Numantianus kam. Rutilius hatte Kariere in der Verwaltung gemacht. Er war Präfekt der Toskana und Umbriens. In seinem Nachruf in klassischem Latein schrieb er u.a.: „Du (Rom) hast aus verschiedenen Stämmen eine Heimat für alle gemacht… Wer ohne Gesetze lebte, ist dein Schuldner geworden, weil er aus Menschen Bürger gemacht hat.

Kultur und christliche Identität Europas

Die Zukunftsfähigkeit der kulturellen Identität hängt davon ab, ob die eigene Kultur und Geschichte wertgeschätzt und weiterentwickelt wird. Diese Wertschätzung ist eine wesentliche Voraussetzung Immigranten zu integrieren.

Auch in klassischen Einwanderstaaten wird verlangt, dass sich neu hinzugekommene die Verfassung und die Gesetze des Einwanderungslands zu eigen machen. Die christliche Identität Europas ist von innen her gefährdet, weil dieses Europa „die Überzeugung von seinen eigenen Prinzipien und der Glaube an die eigenen Werte, ohne die man keine wirkliche Verfassung erstellen kann“ (Marcella Pera) nicht mehr hat.

Pera stimmt im Dialog mit Ratzinger dessen Feststellung zu, dass der Westen „sich selbst nicht mehr mag“, dass Europa „von innen leer geworden, gleichsam gelähmt zu sein scheint“. Und dass es einen „nur pathologisch zu bezeichnenden Selbsthass des Abendlandes gibt“, der „nur noch das grausame und zerstörerische sieht“.

Diese Etikettierung wird stärker für die jüngeren Jahrgänge zutreffen. Sie ist zugleich eine Anfrage an die Schulbildung mit den Unterrichtsfächern, die Geschichte und Kultur.

Der demographische Wandel und seine Auswirkungen in Deutschland

Die demographische Situation in Deutschland ist weitgehend identisch mit den bevölkerungsreichen Ländern Westeuropas, nämlich Italien, Frankreich und Spanien. Wie in diesen Ländern schmilzt die Bevölkerungsbasis in Deutschland weg. Es gibt zu wenige Kinder. Der Titel eines Buches von Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“ ist zutreffend. Zahlen kann man anschreien, wie Franz-Josef Strauß einmal angemerkt hat, aber die Fakten ändern sich deswegen nicht.

Prof. Dr. Karl Michael Ortmann von der Hochschule Technik Berlin hat in einem Vortrag 2010 die Auswirkungen des demographischen Wandels dargestellt. Einige der wichtigsten Erkenntnisse von Prof. Ortmann lauten:

„Es ist weithin bekannt, dass sich die demographische Struktur in Deutschland verändert. Eine alternde Bevölkerung belastet im Umlageverfahren des deutschen Sozialversicherungssystems die Solidargemeinschaft im Verlauf der Zeit immer stärker. Die Bevölkerungsalterung stellt einen nicht unwesentlichen Kostensteigerungsfaktor für altersbedingte und gesundheitliche Versorgungsleistungen des deutschen Staates dar“.

Durch ausbleibende Geburten gab es in Deutschland immer weniger jüngere und immer mehr ältere Menschen. Die Fertilitätsrate fiel auf etwa 1,4 Kinder pro Frau im Verlauf ihres Lebens und stagniert seit einiger Zeit auf diesem Niveau. Das durchschnittliche Alter stieg von 1960 bis 2010 von 35,7 auf 49,9 Jahre.

Tatsächlich gab es somit einen doppelten Alterungseffekt der Bevölkerung zu beachten. Betrug die Lebenserwartung in Westdeutschland für Männer noch 66,5 Jahre, so war sie im Jahr 2010 auf 77,9 Jahre gestiegen… Man spricht in diesem Zusammenhang von der sogenannten demographischen Zeitbombe, die nicht nur die Rentenversicherung sondern auch die Krankenversicherung betrifft.

Ende 1960 fielen auf 1000 Erwerbsfähige 176 Rentner. Ende 1990 waren es schon 241 Rentner, Anfang 2011 kamen auf 1000 Erwerbsfähige 346 Rentner.

Die schrumpfende Zahl der Jüngeren ist wesentlich bedeutender für die demographische Alterung als die steigende Lebenserwartung. Die im Geburtenrückgang der in der Vergangenheit nicht geborener Kinder fehlen künftig als potentielle Eltern. Deshalb wird auch die absolute Anzahl der Geburten weiter abnehmen. Selbst wenn die Fertilität ab sofort, d.h. schon in 2012 auf sechs Kinder pro Frau anstiege, würde es bis etwa zum Jahr 2033 dauern, bis der Effekt für die Rentenversicherung erstmals wirksam würde.

Um im Jahr 2050 eine stabile Bevölkerungsstruktur vorzufinden, müssten dann etwas 125,6 Mio. neu hinzugezogene Immigranten in Deutschland leben. Diese Zahl ist doppelt so hoch wie die Anzahl der prognostizierten Bevölkerung von 62,7 Mio.

Um den Altersquotienten auf das Niveau von 2010 zu drücken, müsste – unter Berücksichtigung der beschlossenen Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre bis 2028 – das Rentenniveau in etwa halbiert werden, oder aber die Anzahl der Bezugsberechtigten auf die Hälfte reduziert werden.

Die Situation verschärft sich durch die Politik, welche durch zu geringe Förderung der Mehrkindfamilie seit Jahrzehnten zu wenig Zukunftsvorsorge betreibt. Hinzu kommt die Massenabtreibung von jährlich 100.000 im Mutterleib getöteter Kinder. Änderungen sind möglich. Das Beispiel Ungarns beweist das.

Jürgen Liminski zeigt mit seinem Artikel „Ungarn setzt sich ab“ (Tagespost 8.11.2018) dass auch heute Mentalitätsänderungen möglich sind. Das ungarische Beispiel, das er anführt, ist daher ermutigend und sollte verbreitet werden. Die ungarische Orban-Regierung ist seit 2010 im Amt. Die Resultate ihrer Familienpolitik sind kurz zusammengefasst:

  • Die Geburtsrate stieg von 1,20 auf 1,50.
  • Die Zahl der Abtreibungen nahm um ein Drittel ab, in Zahlen von 40.449 auf 28.500.
  • Die Scheidungsrate ging um ein knappes Viertel zurück, nämlich von 23.873 auf 18.600.
  • Die Zahl der Eheschließungen stieg um 42%.

Diese Erfolge wurden durch materielle Hilfen für die Familien mit Kindern erreicht, z.B. u.a. durch Kreditsubventionen und Steuervorteile. Die Frist vom Antrag auf Abtreibung bis zum Vollzug wurde um drei Tage verlängert, um Zeit zum Nachdenken zu geben. Die Adoption für Kinder wurde erleichtert.

Um den Stand der Bevölkerung in Deutschland zu halten, ist Einwanderung notwendig. Sie verändert die Zusammensetzung der Bevölkerung in wesentlichen Bereichen. Sie brachte 2015 – man gibt je nach Zählung zwischen 900.000 bis 1,2 Mio. Flüchtlinge an – nicht die erwarteten Resultate für die Wirtschaft. Alle Neuankömmlinge fanden eine Unterkunft und eine angemessene Betreuung. Vertreter der deutschen Wirtschaft begrüßten die Masseneinwanderung. Sie begründeten das mit den benötigten Arbeitskräften.

Rund die Hälfte der Flüchtlinge hat eine Beschäftigung gefunden, allerdings nicht dort, wo das Problem besteht, nämlich bei den Fachkräften. Aufgrund mangelnder Sprachfähigkeit und mangelnder Ausbildung gehen 42% der neu Hinzugekommenen, die einen Job bekamen, einer Arbeit mit geringer Qualifikation nach. Eine wirtschaftliche Krise betrifft sie rasch. Ein hoher Anteil ist also langfristig auf Sozialleistungen angewiesen.

Zur Situation der katholischen Kirche in Deutschland:

Von der deutschen Bevölkerung bezeichnen sich 54% als Christen, davon 23 Mio. als Katholiken. Von diesen glauben 63% das, was Katholiken im Credo bekennen, Jesus ist der Sohn Gottes und er ist von den Toten auferstanden 61%.

Zwischen fünf und zehn Prozent würden von sich sagen, was Christen in der Verfolgung 305 n. Chr. unter Kaiser Decius äußerten: „Ohne die sonntägliche Eucharistiefeier können wir nicht leben“.

Die jährlichen Kirchenaustritte liegen seit Jahren zwischen 180.000 und 240.000. Würden die noch Bleibenden auf die Frage Jesu „Wollt auch ihr gehen?“ wie Petrus antworten: „Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!“ (Joh 6,69). Nach der Sündenvergebung (Beichte) sehnen sich nur rund 1% der Katholiken.

Die Wirkung der verdunstenden Gläubigkeit zeigt sich in der Gesellschaft:

Dass die katholische Kirche mit „ihren Festen und Ritualen das kulturelle Leben in Deutschland bereichert, meinen 45% der Katholiken, aber nur 28% der Deutschen.

Wenn das Grundrecht auf Leben in der Massenabtreibung jährlich 100.000 ungeborenen Kindern genommen wird, beunruhigt das nur 16% der Katholiken, d.h. nicht mehr als die Gesamtbevölkerung. Diese Einstellung bleibt nicht ohne Auswirkung auf das Leben allgemein.

Das Grundrecht auf ungestörte Religionsausübung ist nicht mehr stark ausgeprägt. „Sorgen auf Grund der weltweit steigenden Angriffe z.B. auf Gotteshäuser, haben 45% der Katholiken, 30% aber nicht.

Die Demontage von Ehe und Familie in Politik und schulischer Erziehung trifft noch bei Weltchristen auf Widerstand. Dazu kommen einige bischöfliche Stimmen, z.B. gegen „Ehe für Alle“, die Genderideologie, die aber im ZdK bei BDKJ und katholischen Frauenverbänden immer stärker Fuß fasst.

Die neuen Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin werden nach dem Motto „Was technisch möglich ist, praktizieren wir auch“, umgesetzt.

Wir leben in einer nachchristlichen Welt. Die Laster, die der heilige Paulus im Brief an die Römer (1,22-26) beschreibt, sind Gegenwart.

Die Frage lautet, warum sind die Christen so wenig in der Gesellschaft präsent. Die Antwort heißt: Wir sind religiös unterernährt und es fehlt uns weithin der Mut, unsere Überzeugungen in der Öffentlichkeit präsent zu setzen: Wir sind religiös unterernährt, obwohl es noch nie so viele Möglichkeiten gab wie heute uns zu informieren in z.B. Radio Horeb, kephas-tv, EWTN, Kirche in Not usw.

Was uns fehlt und worauf uns das Zweite Vatikanische Konzil ausdrücklich in der Dogmatischen Konstitution hingewiesen hat, ist die Bereitschaft, den Weltauftrag aufzugreifen. Und so stehen wir vor der Versuchung der Frustration und einem scheinbar ausweglosen Negativbild von Kirche und Gesellschaft, das der Widersacher Gottes mit ihrer Fehlerhaftigkeit und ihrem Versagen vor Augen stellt und so den Menschen Lebensfreude und ihre Identität wegzunehmen versucht.

Die Sprachlosigkeit der Kirche
auf die Corona-Pandemie

Die Sprachlosigkeit zeigt sich in der Unfähigkeit der meisten Bischöfe auf die Frage „Was will uns Gott mit der Corona-Pandemie sagen?“ Es ist eine Frage, um die sich die meisten Bischöfe herumdrücken bzw. eine Stellungnahme dazu ablehnen.

So sagt der Limburger Bischof und Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing: Die Verbreitung des Coronavirus sei „gewiss keine Strafe Gottes vor der wir Angst haben müssen und der wir nicht entkommen können. Gott liebt uns bedingungslos und er möchte, dass es uns gut geht“. Der Weltkirchenbischof Erzbischof Ludwig Schick von Bamberg schrieb auf Twitter: „Coronavirus als Strafe Gottes zu bezeichnen, ist zynisch und mit Jesu Botschaft unvereinbar“.

Pfarrer Winfrid Abel von Stift Heiligenkreuz sagt hingegen:

„Christen müssen sich vor allem der Frage stellen: Was will Gott uns damit sagen?… Es geht als erster Stelle um Umkehr, wie Jesus es immer wieder verkündet hat. Die Welt hatte sich an eine ‚Normalität‘ gewöhnt, die längst nicht mehr der ‚Norm Gottes entspricht!‘ Der Tanz um das goldene Kalb hat Formen angenommen, die den Glauben an Gott und das ewige Leben diametral widersprechen, den Menschen krank machen und die Schöpfung Gottes zerstören. Die Kirche hat den Auftrag, den Menschen zu deuten, was Gott uns mit dieser Heimsuchung sagen will. Statt zum Gebrauch von Desinfektionsmittel zu raten, sollten die Verantwortlichen in der Kirche jetzt dazu aufrufen, dringend die ‚Desinfektionsräume‘ aufzusuchen, die in jeder Kirche stehen: Die Beichtstühle“!

Bischof Voderholzer hat in seiner Osterpredigt zurecht gefragt: „Kann es nach der Pandemie ein folgenloses weiter wie bisher“ geben? Er antwortete: „Das wird es nicht geben und darf es auch nicht geben. Zu gewaltig ist der Einschnitt, die Lektion, die der gesamten Menschheit erteilt wird“.

Warum? Wenn die Menschen ihren Lebensstil nicht ändern, dann ist eine neue Katastrophe vorprogrammiert, denn, so Voderholzer „Die Pandemie und ihre Auswirkungen sind die Folge einer Kette von Schuld und menschlichem Versagen, in der sich menschliche Hybris, Stolz, Leichtsinn und Profitgier zu einer unheilvollen Allianz verbinden“.

Die Frage, ob Gott die Menschen mit der Pandemie bestraft, beantwortet der Bischof mit der Gegenfrage: „Ist es nicht vielmehr so, dass wir uns selbst bestrafen, wenn wir uns nicht an den Lebensweisen Gottes orientieren? Wer sündigt, ist der Feind seines eigenen Lebens“… Die „Zeit der Corona-Pandemie muss auch zur Zeit der

Gewissensforschung werden!

Voderholzer wird konkret: „Das fängt an bei der Achtung der Positivität der Geschlechterdifferenz des Menschen, der von Gott als Mann und Frau geschaffen wurde. Hierher gehören alle Themen des Lebensschutzes an seinem Beginn und in Alter und Hinfälligkeit.

Das hat Konsequenzen für einen ehrfurchtsvollen Umgang mit der Weitergabe des Lebens, Stichwort Fortpflanzungsmedizin. Mehr Achtung vor der Wirklichkeit von Vaterschaft und Mutterschaft“. Schließlich fordert der Bischof „eine neue zeitgemäße Formulierung einer Naturrechtslehre, die ausgeht von einer größeren Wahrnehmung und Wertschätzung des von der Schöpfung Vorgegebenen“ – eine Ökologie für den Menschen.

Der Synodale Weg – Aufbruch im Glauben
oder sich abzeichnende Katastrophe?

Lassen wir die Vorgeschichte, die der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vom 25. September 2019 über das Statut des „Synodalen Prozesses“ vorausgegangen ist, obwohl sie aufschlussreich für die Vorgehensweise wäre.

In der persönlichen Erklärung des Regensburger Bischofs Voderholzer zur Vollversammlung vom 25. September 2019 finden sich die Gründe aufgelistet, warum der synodale Weg, noch bevor er richtig begonnen hat, sein vorgebliches Ziel, die Reform der Kirche, verfehlen wird.

Um dem Prozess die Richtung auf wirkliche Reformen zu geben, hatten Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer einen Alternativentwurf für die Vollversammlung der Bischöfe mit den Themen Evangelisierung, Berufung der Laien, Katechese, Berufungspastoral erarbeitet. Dieser Alternativentwurf hätte dem vom Papst gewünschten Strukturprinzip „Primat der Evangelisierung“ Rechnung getragen.

Bischof Voderholzer (siehe Foto) stellt in seiner Stellungnahme fest, dass im Statut „Die wahren Probleme nicht angegangen werden“, dass „an der Wiege des Synodalen Prozesses eine Unaufrichtigkeit steht. Voderholzer spricht den „Verdacht“ aus, „dass es sich angesichts dieser Weichenstellung um eine ‚Instrumentalisierung des Missbrauchs‘ handelt“…

Bischof Voderholzer kann nicht sehen „dass die Voraussetzungen für einen echten ‚Dialog‘ gegeben sind“. Weiter: „Ich habe darüber hinaus allein zweimal vor dem heutigen Vorsitzenden der DBK feierlich versprochen, den katholischen Glauben unverkürzt zu vertreten und zu bezeugen. Daran fühle ich mich gebunden und ich sehe dieses Versprechen gegenwärtig besonders herausgefordert“.

Bischof Voderholzer behält sich in seiner Stellungnahme vor „gegebenenfalls ganz auszusteigen“. Kriterium ist die Beachtung der von Papst Franziskus angemahnten und in der Präambel der Satzung festgehaltenen ‚Leitplanken‘: Primat der Evangelisierung, Sensus ecclesiae, Berücksichtigung der Einheit mit der Weltkirche (und damit Treue zur Lehre der Kirche)“

Vom 30. Januar bis 1. Februar 2020 fand die erste Zusammenkunft der Mitglieder des „Synodalen Prozesses“ statt. Dort wurden mit der Geschäftsordnung die Weichen für den Ablauf des zweijährigen „Synodalen Weges“ gelegt. Auf ihm werden die vier Foren beraten und abgestimmt werden.

Bei dieser Weichenstellung wurde deutlich, dass die Mehrheit der synodalen Teilnehmer die Synode als Vehikel versteht, um ihre „Reformvorschläge“ durchzusetzen. Bei diesem Verständnis geht es dann nur mehr darum, wie in der Politik Mehrheiten zu organisieren. In der Vorbereitung zum ersten Treffen ist durch die Auswahl der Teilnehmer die Basis für die gewünschten Mehrheiten gelegt worden.

Die Bischöfe von Köln, Regensburg, Passau, Eichstätt und Görlitz, die sich an die Lehre der Kirche halten wollen, mussten eine erste Abstimmungsniederlage hinnehmen. Sie hatten vorgeschlagen, dass Vorlagen die einmütige Zustimmung der anwesenden Mitglieder des Synodalforums erfordern. Bei „Einmütigkeit“ dürfe es höchstens drei Gegenstimmen geben. Dieser Antrag wurde mit 26 gegen 181 Stimmen abgeschmettert. Das waren 87% (!) der stimmberechtigten Mitglieder.

Die Synodalversammlung legte fest, dass die absolute Mehrheit für die Beschlussfassung genüge. Die lehramtstreuen Bischöfe hatten auch vorgeschlagen, dass ein Beschluss nicht gültig werden kann, wenn „Widerspruch zwischen der Textvorlage und der Kirche vorliegt“. Auch dies wurde abgelehnt.

Ist Europa noch zu retten?

Wenn Europa seine christliche Identität bewahren, besser gesagt: zurückgewinnen will, dann geht es darum, wie die christlichen Wurzeln wieder belebt werden können. Kann das die Zivilgesellschaft sicherstellen? Nein! Das kann nur eine erneuerte Kirche!

Einer Kirche, die sich an die gängigen Trends anlehnt, gelingt das nicht: „Die Statistiker sagen uns, dass Kirchen im Maß ihrer Anpassung an die Standards der Säkularisierung, Anhänger verlieren und dass sie attraktiv werden, wenn sie einen festen Halt und klare Weisung versprechen“. (Joseph Ratzinger, „Ohne Wurzeln-2, S. 128/129)

Wer die christlichen Wurzeln wieder beleben will, kommt nicht an der Forderung Christi vorbei: „Denkt um, kehrt um und glaubt an das Evangelium“. Es geht also um einen Prozess innerlicher Umwandlung. Joseph Ratzinger sagt: „Die Kirche soll mit einer neuen Offensive die Wahrheit des Glaubens verkünden. Wir müssen von einer heiligen Unruhe beseelt sein: Die Unruhe, allen das Geschenk des Glaubens, der Freundschaft mit Christus zu bringen“ (Peter Seewald)

Wenn die Christen in ihrer Mehrheit müde geworden sind und keine Strahlkraft mehr haben, gilt: „Lebendiges kann nur von lebendigem kommen“ (Joseph Ratzinger. „Ohne Wurzeln“, S. 129) Sie überwinden die von Sarah genannte geistliche Trägheit („Akedia“).

Ist Europa noch zu retten? Wir wissen es nicht! Aber die Aufgabe ist gestellt. Es kommt auf einen neuen Geist an. Hier liegt der Schlüssel.

Europa wurde nach der Katstrophe nach dem Zweiten Weltkrieg durch Robert Schumann, Konrad Adenauer und Alcide de Gaspari gerettet. Was hat diese drei im Innersten verbunden? Ihr christlicher Glaube. Alle drei waren praktizierende Katholiken.

Ihre Weltsicht hatte die Gemeinsamkeit, dass selbst tödlich verfeindete Nationen durch Vergebung ausgesöhnt werden können. Das Vehikel dafür war die Gemeinschaft einer wirtschaftlichen Union, basiert auf Kohle und Stahl. Alle drei waren Patrioten, aber mit einem Weitblick, der vor den nationalen Grenzen nicht Halt machte. Alle drei waren schon im Pensionsalter als sie ihre Aufgabe aufgriffen. Alle drei nahmen für ihr Ziel Missverständnisse, ja Beleidigungen auf sich:

BILD: Buchtitel „Kornad Adenauer – Der Katholik und sein Europa“

Bei de Gaspari murmelten selbst Parteifreunde „Il austriaco – der Österreicher“, in Erinnerung an die Zeit, wo er als Abgeordneter des Trentino vor dem ersten Weltkrieg im Wiener Parlament saß. Konrad Adenauer musste sich im Bundestag von Kurt Schumacher anhören: „Sie sind ein Bundeskanzler der Alliierten“, und Robert Schumann wurde nicht nur von den Kommunisten im französischen Parlament vorgehalten, er sei ein Freund der Deutschen. Es war der christliche Geist, der das ertragen half, um das Ziel zu erreichen.

Die Überwindung, der von Sarah geschilderten geistlichen Trägheit Europas wird die „Volkskirche“ nicht zurückbringen. Aber die „kleine Herde“ wird weiterleben. Sie wird eine Hoffnung für die Suchenden sein, die in einer „ganz und gar verplanten Welt unsagbar einsam sind und ihre volle schreckliche Armut erfahren, wenn ihnen Gott ganz entschwunden ist“ (Joseph Ratzinger).

Diese „kleine Herde“, wird das „christliche Lebensmodell“ als lebbare Alternative sichtbar machen und es in den immer leerer werdenden Vergnügungen der Freizeitgesellschaft verkörpern. Dieses christliche Lebensmodell wird als ein Leben der wirklichen Weite, die das Leben nicht einengt, sondern die Größe des Lebens erfahren lässt.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband FORUM DEUTSCHER KATHOLIKEN und die Monatszeitschrift DER FELS


Koran und Christi Botschaft sind unvereinbar

Margret von Falck

Über den Islam wird in der Kirche, auch in der kirchlichen Presse, meist einseitig „informiert“ und aus Unkenntnis die Gefahr des Islam bagatellisiert. Es fehlt eine sachliche Auseinandersetzung über die Frage: Was ist der Islam wirklich?

Dieser Artikel möchte dazu einen kleinen Beitrag leisten:

Seit über 70 Jahren leben wir in Westdeutschland in Freiheit und (wachsendem) Wohlstand, aber auch in der Gefahr, unsere christliche Freiheit und damit uns selbst zu verlieren.

Wer den Allah der Muslime mit dem Gott der Juden und Christen gleichsetzt, wer für sog. Offenheit und Toleranz und Dialoge eintritt, kann in der Menge baden. Alle anderen, die nicht dem Mainstream entsprechen, stehen in der Gefahr, abgestraft zu werden.

Folglich schwindet das Bewusstsein dafür, wofür Kirche überhaupt steht: für die Botschaft von unserer Erlösung durch Jesus Christus und für die Verkündigung seines Leidens und Sterbens und seiner Auferstehung. Gott wurde Mensch um unsertwillen, für jeden und jede von uns, auch für Behinderte, Kranke und Gesunde. Er will, dass wir leben und uns mit Wort und Tat zu ihm bekennen.

Hier hat unser Gespräch mit den Muslimen anzusetzen. 

Heute sind alle Grenzen verschwommen. Hauptsache, man ist nicht „rechts“, sondern „offen“ für alles Neue, auch für den Islam.

Viele wissen nicht, dass das Wort „Islam“ nicht, wie es viele Moslems uns glauben machen möchten, Frieden bedeutet, sondern Unterwerfung (unter Allah).  Dass sich der Islam auf den Koran, die Scharia, das Leben Mohammeds und die Hadithen gründet, schiebt man möglichst beiseite bzw. befasst sich erst gar nicht damit.

Wer bei uns in der Kirche hat wirklich den Koran mit seinen ca. zweihundertmaligen Aufforderungen „Tötet die Ungläubigen“ gelesen? Wen kümmert es, dass Mohammed den Muslimen als größter Feldherr aller Zeiten gilt, der die ersten Judenpogrome und in acht Jahren fast achthundert Kriegszüge durchgeführt hat?

Wen interessiert es, dass Juden im Koran als Schweine, Hunde und Affen bezeichnet werden, die man umbringen muss? (Das ist aus islamischer Sicht „Gottes Wort!“ –  Jedes Wort des Koran gilt als eine Abschrift des unveränderlichen Urkoran, der im Himmel ist.)

Wen lässt das tausendfache Sterben derer, die sich in der weiten Welt zu Christus als dem Sohn Gottes bekennen, nicht zur Ruhe kommen?

Es gilt im Islam als Shirk = Beigesellung, nämlich als die größte, unvergebbare Sünde, Gott etwas „beizugesellen“, sich also zu Jesus als dem Sohn Gottes zu bekennen.

Um vermeintlicher Toleranz willen verleugnet man ihn lieber und nimmt sein Kreuz ab, um den Dialogpartner nicht vor den Kopf zu stoßen. Stattdessen versucht man, gut Freund mit Islamverbänden und Moscheevereinen zu sein und sie zu unterstützen.

Wenn man aber den Islam anerkennt, dann verleugnet man Jesus Christus. Wollen wir das? Das hat nichts mit einer Verurteilung von Muslimen zu tun: Die Menschen sind uns wertvoll, nicht aber ihre Ideologie. Auch Jesus liebt uns sündige Menschen, aber nicht die Sünde, von der wir uns beherrschen lassen.

Seit über 70 Jahren gibt es in Westdeutschland und seit dem Fall der Mauer vor 29 Jahren in ganz Deutschland – Gott sei’s gedankt! – Meinungs- und Pressefreiheit. Trotzdem wird selten über die Wahrheit im Islam berichtet, geschweige denn klar gesagt, dass er antichristlich ist, weil er die Gottessohnschaft Jesu Christi sowie sein Leiden, Sterben und Auferstehen leugnet.

Auch dass es Juden gibt, die sich zu Jesus Christus bekennen, obwohl sie Juden bleiben – die sog. Messianischen Juden – möchte man bei uns in der Kirche nicht wahrhaben und schließt sie vom Deutschen Evangelischen Kirchentag aus, weil sie „den Dialog stören“. Und dabei waren die Apostel Jesu und die erste Gemeinde in Jerusalem Judenchristen!

Unsere Gast-Autorin Margret von Falck ist evangelische Religionslehrerin und Theologin; sie wohnt in Bielefeld


Irakischer Bahngleis-Attentäter geständig

Der in Wien festgenommene IS-Täter, dem Anschläge auf Bahnstrecken in Deutschland zur Last gelegt werden, hat die Attentatsversuche gestanden. Rache habe ihn dazu getrieben, mit Attentaten auf ICE-Züge in Deutschland so viele Menschen wie möglich auszulöschen, sagte Qaeser A. den Ermittlern laut der österreichischen Kronen-Zeitung.

Das Motiv soll Haß auf den Westen gewesen sei. Konkret sprach der 42 Jahre alte Iraker, der seit 2012 als anerkannter Flüchtling in Österreich lebt, von einem „politischen Statement gegen Deutschland“. Einen islamisch-terroristischen Hintergrund streitet er dagegen ab.

Die Behörden sehen den Iraker, von dem es ursprünglich hieß, er lebe bereits seit zwei Jahrzehnten in der Alpenrepublik, als Teil einer Terrorzelle des IS in Europa.

Die Anschläge auf Züge in Bayern und Berlin scheiterten den Behörden zufolge nur deswegen, weil der Terrorist nicht über das nötige „Know-How“ verfügte. Wie erst jetzt bekannt wurde, wollte der der fünffache Familienvater auch einen Anschlag zu Heiligabend verüben. Am 23.12.2018 hatte er bei Berlin Stahlseile zwischen Oberleitungsmasten befestigt.

Quelle und vollständiger Text hier: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2019/ice-attentaeter-politisches-statement-gegen-deutschland/


Mit dem Alter schwindet der Jenseitsglaube

Je älter die Deutschen sind, umso seltener glauben sie an die christliche Vorstellung eines ewigen Lebens im Himmel oder in der Hölle. Das ergab eine Umfrage des Sozialforschungsinstituts INSA-Consulere (Erfurt) im Auftrag der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA.

Anlass ist der Ewigkeitssonntag am 25. November. An diesem letzten Sonntag des Kirchenjahres vor dem 1. Advent gedenken evangelische Christen ihrer Verstorbenen. 17  Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren glauben der Umfrage zufolge an die christliche Lehre, wonach nach dem Tod ein ewiges Leben folgt – im Himmel bei Gott oder getrennt von ihm in der Hölle.

Doch je älter die Menschen sind, umso weniger halten sie diese Anschauung für wahrscheinlich. Unter den über 65-Jährigen sind nur noch sechs Prozent davon überzeugt. Mit dem Alter nimmt auch die Vorstellung zu, dass nichts auf das irdische Dasein folgt. Unter den 18- bis 24-Jährigen sind 37 Prozent dieser Ansicht, unter den über 65-Jährigen mehr als die Hälfte (56 Prozent).

Allgemein glauben 47 Prozent aller Deutschen, dass nach dem irdischen Leben nichts folgt. Diese Ansicht ist im Osten (55 Prozent) stärker vertreten als im Westen (45 Prozent). Neun Prozent gehen von einem ewigen Leben im Himmel aus. Ein gleich hoher Anteil glaubt an ein ewiges Leben im Himmel oder in der Hölle. 14 Prozent rechnen mit einer Wiedergeburt. Ein Fünftel der Befragten (21 Prozent) weiß keine Antwort oder macht keine Angaben.

Quelle: https://www.idea.de/gesellschaft/detail/mit-dem-alter-schwindet-der-glaube-an-das-ewige-leben-107205.html


IGFM-Appell: Der Westen soll Opfer der islamischen Blasphemiegesetze unterstützen

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) begrüßt die Freilassung Asia Bibis als Akt der Gerechtigkeit. Sie appelliert zugleich an die Bundesregierung und an die EU-Partner, Aufnahme sowie dauerhafte Sicherheit für diese verfolgte Christin sicherzustellen.

Medienberichten zufolge haben sich die Regierungen mehrerer westlicher Länder, darunter Kanada, Spanien, die Niederlande und Italien, für ihre Aufnahme und die ihrer Familie ausgesprochen. Nun müssen die Versprechen untereinander abgestimmt und in die Tat umgesetzt werden.

Die IGFM erinnerte am heutigen Donnerstag in Frankfurt auch daran, dass noch Dutzende Menschen wie Asia Bibi wegen Islamkritik bzw. angeblicher Gotteslästerung derzeit in pakistanischen Gefängnissen sitzen.

Mit dem Fall Asia Bibi ist nur eine Auseinandersetzung gewonnen, weitere dringende Fälle stehen auf der Tagesordnung.

Die pakistanische Menschenrechtsanwältin Aneeqa Anthony, die die IGFM-Partnerorganisation The Voice Society in Lahore leitet, schreibt in einem Aufruf an die IGFM:

„Einerseits ist es gut, dass Asia die verfolgten Minderheiten Pakistans repräsentierte, andererseits hat niemals eine Botschaft ein anderes Blasphemieopfer unterstützt. Kein Land hat ihnen jemals mit einem einzigen Cent geholfen, obwohl sie wissen, dass nicht nur die Opfer, sondern auch ihre Familien in großer Gefahr sind und jederzeit gelyncht werden können.“

Die IGFM bittet daher vor allem um Unterstützung in den Fällen Minderjähriger und Behinderter in Pakistan, denen Beleidigung des islamischen Propheten Mohammed zur Last gelegt wird.

Zudem besteht die akute Gefahr, dass die Millionen Islamisten, die auch im pakistanischen Parlament vertreten sind, sich für die Befreiung Asia Bibis an anderen Christen rächen. „Es ist sehr grauenhaft und niederschmetternd zugleich, wenn Sie wissen, dass Ihre Heimat und das Land, das Sie als ihr Vaterland betrachten, für Sie nicht sicher ist und nicht zu Ihnen gehört“, schreibt Anthony in ihrem Hilferuf.

Hintergrund: Asia Bibi
Asia Noreen – auch bekannt als Asia Bibi – ist die erste Frau, die in Pakistan wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt wurde. Juristen und Politiker, die sich für ihre Freilassung eingesetzt hatte, wurden von Islamisten massiv bedroht, angegriffen und in zwei Fällen sogar ermordet: Im Januar 2011 wurde der Gouverneur der Provinz Punjab, Salman Taseer, von seinem eigenen Leibwächter erschossen. Zwei Monate später brachten islamische Extremisten den Minderheitenminister Shahbaz Bhatti um.

Die Christin Asia, die als Tagelöhnerin in einer Obstplantage beschäftigt war, wurde am 19. Juni 2009 im Dorf Itanwali (Provinz Punjab) verhaftet. Asia hatte mit einem Gefäß Wasser aus einem Brunnen für ihre Arbeitskolleginnen auf dem Feld geschöpft. Eine Nachbarin, die mit der Familie von Asia Bibi wegen einer Vermögensangelegenheit in Streit liegt, sagte verärgert, dass es für eine Christin verboten sei, dasselbe Wasser wie Muslime zu trinken, und weitere Arbeiterinnen pflichteten bei, dass sie als Christin unrein sei. Es kam zu einem religiösen Gespräch. Nach Aussage der Frauen soll Asia Bibi anschließend behauptet haben, dass Jesus Christus und nicht Mohammed der wahre Prophet Gottes sei, was sie abstreitet.

Aufgebrachte Muslime schleppten sie zu einer Moschee, wo sie ihrem Glauben abschwören sollte. Als sie sich weigerte, wurde sie misshandelt und dann der Polizei übergeben. Am 8. November 2010 verurteilte sie ein Gericht in Nankana in der Provinz Punjab aufgrund des Blasphemiegesetzes zum Tode durch Erhängen.

Weitere Infos zu Blasphemie-Gesetzen: https://www.igfm.de/blasphemie-und-beleidigung-des-islam/


Westlicher Neokolonialismus in Afrika durch Abtreibung und Verhütungspolitik

Mythos „Bevölkerungxeplosion“ führt in die Irre

Afrika wird heute wieder kolonialisiert – nicht durch Armeen, sondern durch westliche Regierungen und humanitäre Organisationen, die sexuelle Befreiung, Geburtenkontrolle und Abtreibung propagieren. Das ist die Überzeugung der Medizinerin und Autorin Obianju Ekeocha (siehe Foto).

Diese neue Form der Kolonialisierung gründe in einem Herrschaftsdenken, wie Ekeocha in ihrem Buch «Target Africa: Ideologischer Neo-Kolonialismus im 21. Jahrhundert» beschreibt, wobei auch obskure Geldströme und politische Absichten hinter viel westlicher Entwicklungshilfe stecken.

Ekeocha stammt aus Nigeria und lebt heute in London. Alles begann, als Melinda Gates, die Gattin von Bill Gates, 2012 mit einem Fünf-Milliarden-Entwurf zur Empfängnisverhütung für Afrika auftrat. Ekeocha schrieb Melinda Gates, dass sie als nigerianische Katholikin dergleichen weder wolle noch nötig habe. Was Afrikaner brauchten, seien gute Gesundheitssysteme, Nahrungsprogramme für Kinder und bessere Bildungsmöglichkeiten.

Fast alle «Hilfsprogramme» des Westens gründen auf dem Gedankengang «Klimakatastrophe – weniger Nahrung – immer mehr Menschen – Bevölkerungsreduktion ist nötig». Basierend auf dem Buch von Paul Ehrlich «Die Bevölkerungsbombe» von 1968, dessen Katastrophen-Voraussagen nie eintrafen, setzen all diese Lösungsvorschläge bei der Kontrolle weiblicher Fruchtbarkeit an.

Das habe 1994 begonnen, als auf einer Konferenz in Kairo definiert wurde, dass auch Pillen und Mittel zur Geburtenkontrolle für afrikanische Länder als Entwicklungshilfe gelten.

Obianiju Ekeocha ist Biomedizinerin und spezialisiert in Hämatologie. 2013 gründete sie «Culture of Life Africa», um die verhängnisvolle Verbindung zwischen  Abtreibungsindustrie und Entwicklungshilfe zu dokumentieren.

Die Katholikin schreibt: «Unsere kulturellen Standards sagen uns, dass eine Abtreibung ein direkter Angriff auf das menschliche Leben ist. Wenn man also eine afrikanische Frau überzeugen will, dass Abtreibung etwas Gutes sein kann, muss man ihr zuerst sagen, dass das, was ihre Eltern und ihre Grosseltern glaubten, falsch sei – und das ist Kolonialisierung.»

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.jesus.ch/themen/gesellschaft/ethik/331261-der_westen_kolonialisiert_afrika_neu.html


Israel betont Verbundenheit mit der NATO und Hilfe bei der Abwehr des radikalen Islam

Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu (siehe Foto) hat am Dienstag (9. Januar) in Jerusalem an einem Mittagessen mit den Botschaftern der NATO-Mitgliedstaaten teilgenommen, dem der griechische Botschafter Konstantinos vorstand. Der Ministerpräsident erklärte bei dem Treffen u.a.:

„Die NATO wurde ein Jahr nach Israel gegründet, sie ist eine einzigartige Allianz von Demokratien, die gemeinsame Werte teilen, der Erhaltung der Freiheit verpflichtet sind, sowie dem Schutz und der Verbreitung von Frieden. Israel ist ebenfalls eine solche Demokratie.

Es ist die einzige Demokratie dieser Art in dieser Region, und daher ist unsere Kooperation ganz natürlich.

Sie war überfällig und hat seit der Eröffnung unseres Büros im NATO-Hauptquartier im Dezember 2016 an Fahrt aufgenommen. Über die vielen wichtigen Bereiche hinaus, die Sie genannt haben, bestehen zwei Themen, die ich gern für Sie beschreiben würde und von denen ich denke, dass sie Themen sind, in deren Bereich Israel zur Sicherheit eines jeden NATO-Landes beiträgt. Und beide haben mit dem radikalen Islam zu tun.

Die Welt wird heute durch radikale Sunniten bedroht, die ursprünglich von al-Qaida und heute vom sog. Islamischen Staat (IS) angeführt werden, und von radikalen Schiiten, die durch den Iran angeführt werden.

Wenn wird über den IS sprechen, ist es wichtig zu verstehen, dass Israel Europa auf zwei Arten hilft. Erstens haben wir, durch unsere Geheimdienste, Informationen bereitgestellt, die dutzende große Terroranschläge verhindert haben, viele davon in europäischen Ländern. Einige davon hätten sogar Großangriffe sein können, wie die schlimmsten, die sie auf europäischem Boden erlebt haben und sogar schlimmer, da sie zivile Luftfahrt betroffen hätten.

Israel hat dies verhindert, und daher dabei geholfen, viele europäische Leben zu retten.

Zweitens hat Israel Europa und der NATO dabei geholfen, zu verhindern, dass der IS sich im Sinai etabliert. Der IS versucht im Zuge seiner Niederlagen im Irak und Syrien, eine alternative territoriale Basis auf dem Sinai zu etablieren. Ich würde grundsätzlich sagen, dass Israel die wichtigste im Nahen Osten ansässige Macht im Kampf gegen den radikalen Islam ist.“

Quelle: Israelische Botschaft in Berlin


IS-Aufruf: Islamisten sollen Kinder ermorden

Der Islamische Staat (IS) ist sowohl in Syrien wie im Irak größtenteils militärisch besiegt. Nun zerstreuen sich die hochgefährlichen Islamisten in alle Himmelsrichtungen und rufen gleichzeitig zu gezielten Anschlägen in Europa und den USA auf.

Besonders makaber: Vor Weihnachten sollen vor allem Kinder Ziele des islamischen Terrors werden.

Chatprotokolle einer Gruppierung namens „all-Qastantiyyah Foundation“ brachten die Pläne der Islamisten kürzlich ans Tageslicht. So sollen „einsame Wölfe“, also von terroristischen Schläferzellen ausgebildete Einzeltäter, in Europa, den USA und Australien gerade vor Weihnachten gezielt Kindern attackieren und ermorden. 

Bei der Gruppierung handelt es sich um Online-Unterstützer des Islamischen Staates, wie die Gruppe SITE berichtet, welche Islamismus im Internet überwacht und protokolliert.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://www.unzensuriert.at/content/0025666-Gruppierung-ruft-Islamisten-zu-Attacken-auf-westliche-Kinder-auf


Christen werden weltweit am meisten verfolgt

Im Zeitraum von 2015 bis 2017 hat die Christenverfolgung in vielen Ländern weltweit einen neuen Höchststand erreicht. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Bericht  „Persecuted and forgotten?“(„Verfolgt und vergessen?“), den das britische Nationalbüro von Kirche in Not vorgestellt hat.

Die Untersuchung nimmt 13 Länder in den Blick, in dem es in den vergangenen Jahren zu besonders schweren Übergriffen auf Christen kam und zeigt den Grad der Religionsfreiheit in diesen Ländern auf.

„Blickt man auf die Schwere und die Auswirkungen der begangenen Verbrechen und die Anzahl der betroffenen Personen wird deutlich: Die Verfolgung nimmt weiter zu“, sagt der Autor John Pontifex.

Brennpunkte seien vor allem muslimisch geprägte Länder, kommunistische Staaten sowie autoritär regierte Länder wie z.B. Eritrea.

Die Vereinten Nationen, die USA und die Europäische Union haben bereits wiederholt von einem Völkermord an Christen im Irak gesprochen. Vertreter der Ostkirchen sind entsetzt über die Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft.

Der Bericht zeigt zudem auf, dass auch die vermutlich über 100 Millionen Christen im kommunistischen China nach einer Phase leichter Öffnung wieder verstärkt unter Verfolgung zu leiden hätten.

So seien etwa in der Küstenprovinz Zhejiang über 2000 Kreuze auf Kirchen demontiert und einige Gotteshäuser sogar ganz zerstört wurden. Immer wieder komme es vor, dass Kleriker verhaftet und festgehalten würden, um sie auf die staatliche Religionspolitik einzuschwören.

Alle diese Schlaglichter ließen laut John Pontifex ein bedrückendes Resümee zu: „Christen werden stärker verfolgt als jede andere Glaubensgrupp; immer mehr Menschen erleben schlimmste Formen der Diskriminierung und Gewalt.“

Weitere Informationen sowie die komplette Studie finden Sie hier.

Quelle und vollständiger Text der CNA-Nachrichtenagentur hier: https://de.catholicnewsagency.com/story/ein-grauel-ohne-ende-weltweite-christenverfolgung-auf-historischem-hochststand-2451


Münster: Prof. Michael Wolffsohn über Deutschland und Israel in den 50er Jahren

Von Felizitas Küble

Der deutschjüdische, in Israel geborene Historiker Dr. Michael Wolffsohn  – er lehrte jahrzehntelang an der Münchner Bundeswehr-Universität – hielt am vergangenen Montag (3. Juli 2017) einen ebenso tiefschürfenden wie humorvollen Vortrag im Theater von Münster.

Er war prominenter Gast in der Reihe „Gelehrte im Theater“ (siehe Einladungsplakat).

Der  – auch durch Radio und Fernsehen bekannte  – Geschichtswissenschaftler und erfolgreiche Buch-Autor sitzt seit langem „zwischen allen Stühlen“:

Nicht nur, daß er als jüdischer Deutscher  –  so versteht er sich ausdrücklich selber  –  eine christliche Frau geheiratet hat, daß er lebensgeschichtlich sowohl mit unserem Staat wie auch mit Israel verbunden ist; er wird seit Jahrzehnten sowohl von ultrarechten wie von linksradikalen Gegnern attackiert, zumal er in kein Schema paßt.

Die Anti-Wolffsohn-Allergie von linker Seite dürfte damit zusammenhängen, daß dieser unabhängig denkende Historiker dem Zeitgeist durchaus nicht nach dem Munde redet:

Die Wiedervereinigung befürwortet er ebenso (vgl. sein Buch „Keine Angst vor Deutschland“) wie eine klassische Familienpolitik (diesbezüglich übte er in den 90er Jahren z.B. Kritik an Ministerin Rita Süssmuth).

Prof. Wolffsohn würdigt zudem die Friedensliebe der deutschen Heimatvertriebenen und deren „Charta“ des Gewaltverzichts von 1950 (das tat er ausdrücklich auch bei seinem Vortrag in Münster). Er bedauert, daß die palästinensische Seite nicht ebenso gewaltfrei denkt und handelt wie diese deutschen Landsmannschaften.

Er deckt gewisse linke Lebenslügen au und rückt auch geschichtspolitisch einige Stühlchen zurecht, so wenn er z.B. darüber informiert, daß die zahlreichen antisemitischen Aktionen (Friedhofsschändungen, judenfeindliche Drohbriefe etc), die in Westdeutschland Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre weltweites Aufsehen erregten, vom kommunistischen Ostblock (vor allem „DDR“ und Sowjetunion) gesteuert wurden. Darüber klärt er u.a. in seinem Buch „Die Deutschland-Akte“ mit eindeutiger Faktenlage auf  –  auch in Münster ging er auf diese Causa ausführlich ein.

Seine Rede, die neben ersten politischen Themen zugleich mit bewegenden persönlichen Lebenserinnerungen und originellen Anekdoten gespickt war, wurde von den Zuhörern im vollbesetzten Saal mit langanhaltendem Beifall quittiert.

Nach seinem Vortrag war der Autor, der zwischendurch aus seiner soeben veröffentlichten Familiengeschichte („Deutschjüdische Glückskinder“) vorgelesen hatte, gut damit beschäftigt, die vielen Signierwünsche jener Besucher zu erfüllen, die eines seiner Bücher kauften und um ein Autogramm baten  – oder gerne mit ihm persönlich sprechen wollten. Er hatte für alle interessierten Leute ein freundliches Wort und ein offenes Ohr.

Prof. Wolffsohn, der Mitte der 50er Jahre mit seinen Eltern nach Deutschland einwanderte, erlebte seine Kindheit im Heiligen Land, das sich damals als Staat Israel im Aufbau befand. Sein Großvater Karl Wolffsohn war während der NS-Diktatur als Jude verhaftet worden, konnte aber gottlob mit Frau Recha und den Kindern noch rechtzeitig flüchten.

Deutsche Juden, die nach Israel einwanderten und oft in deutschen „Ghettos“ lebten, wurden dort gerne etwas spöttisch als „Jeckes“ bezeichnet – angeblich wegen ihrer korrekt-bürgerlichen Kleidung samt Jacket (Jackentragen auch während der Arbeit in der Landwirtschaft, im Kibbuz etc.)

Wolffsohns Eltern und Großeltern wurden im Heiligen Land nicht so richtig heimisch; die wirtschaftlichen Probleme waren zudem immens, der junge Staat anfangs ziemlich sozialistisch orientiert, was ebenfalls nicht zur bürgerlichen Einstellung der Wolffsohn-Familie paßte.

Zudem gab es vor allem durch die deutsche Sprache noch erhebliche geistige Verknüpfungen mit der früheren Heimat.

Freilich saß auch die Enttäuschung tief in den Knochen und der Seele, zumal gerade die alteingesessenen Juden insgesamt besonders deutsch-patriotisch dachten und lebten; sie waren nicht etwa nur integriert, sondern assimiliert (angeglichen); sie teilten weitgehend das gleiche Lebensgefühl und Kulturempfinden wie die nichtjüdischen Deutschen  – einschließlich der „deutschen Tugenden“ etc.  Die meisten Juden wollten dies so beibehalten und sogar noch steigern.

Doch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft sorgte  – so Wolffsohn  –  für ein Ende dieses Wunschtraums, der zum Alptraum wurde – und damit zum Trauma von Generationen jüdischer Verfolgter und Überlebender.

Die Nachkriegszeit war geprägt vom „Kalten Krieg“ zwischen den Westmächten und der kommunistischen Sowjetunion. Die USA  – und allgemein die NATO, das westliche Verteidigungsbündnis  –  benötigte die Bundesrepublik Deutschland nicht nur als Handelspartner, sondern vor allem als Bollwerk gegen den Ostblock und besonders die „DDR“.

Daher folgte die Einführung der Bundeswehr und die sogenannte „Wiederbewaffnung“, die damals sehr umstritten war, aber von Kanzler Adenauer  – der sich als langfristig denkender Staatsmann erwies – befürwortet und durchgesetzt wurde.

FOTOS: Prof. Wolffsohn signiert seine Bücher und unterhält sich mit Zuhörern

Adenauer sorgte bei seinen Verhandlungen mit dem israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion zugleich dafür, daß es zu Wiedergutmachungs-Vereinbarungen mit dem jüdischen Staat gekommen ist – dies hatte laut Wolffsohn sowohl „moral- wie realpolitische“ Gründe.

Diese Staatszahlungen wurden in Israel sehr kontrovers und heiß debattiert – besonders deutschlandkritische Politiker wie z.B. Begin sprachen damals von „Blutgeld“. Doch die dortige Staatsführung wußte, daß die Wiedergutmachungsleistungen Deutschlands für den weiteren Aufbau des eigenen Staates lebensnotwendig waren.

Positiv äußerte sich Wolffsohn auch über die freie und soziale Marktwirtschaft, die Ludwig Erhard bzw. CDU und FDP in den 50er Jahren – durchaus gegen Widerstand von linker Seite –  einführten. Diese Wirtschaftsform jenseits von staatsplanerischem Sozialismus und unbeschränktem Kapitalismus habe zum Erfolg geführt und das sogenannte „Wirtschaftswunder“ in Deutschland erheblich begünstigt.

Alte Nazis, das verdeutlichte Prof. Wolffsohn in seinem Vortrag, gelangten keineswegs nur in Westdeutschland in wichtige Stellungen, sondern auch in der „DDR“, wenngleich dies von der dortigen kommunistischen Führung bestritten wurde   – aber die Aktenlage ist eindeutig.

Der Historiker bezeichnete die Wiedereinsetzung von politisch belasteten Personen in ihr Amt grundsätzlich als „funktionale Notwendigkeit“. Naive Vorstellungen von einem kompletten personellen Neuanfang nach einer Diktatur seien illusionär, wie die Weltgeschichte sei jeher aufzeige. Im moralischen Ideal-Sinne sei eine wirklich „erfolgreiche“ Vergangenheitsbewältigung insofern gar nicht möglich.

Der Geschichtsprofessor erklärte abschließend, daß das deutsche Wort „Geschichte“ den Sachverhalt einzigartig gut bezeichne; es sei weltweit der beste Begriff hierfür:  Geschichte bestehe aus mehreren „Schichten“, die gleichsam aufeinander lagern bzw. übereinander liegen. Man könne die obere Schicht nur richtig verstehen, wenn man die darunterliegenden Schichten berücksichtige.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.