„Tag der Heimat“ in Münster mit dem ehem. Regierungspräsidenten Dr. Peter Paziorek

60 Jahre Einsatz für Menschenrechte und Verständigung

Am heutigen Sonntag, den 17. September, veranstaltete der BdV (Bund der Vertriebenen) in Münster seinen jährlichen Tag der Heimat in einem festlichen Rathaussaal in Münster.

Roswitha Möller (siehe Foto), stellv. BdV-Landesvorsitzende von Nordhrein-Westfalen und BdV-Chefin von Münster, leitete und moderierte die feierliche Tagung unter dem Motto: „60 Jahre Einsatz für Menschenrechte, Heimat und Verständigung.“

An der Veranstaltung nahmen mehrere CDU-Politiker teil, darunter die Direktkandidatin von Münster, Sybille Benning, und einige CDU-Ratsherren, z.B. der junge Rechtsanwalt Stefan Leschniok.

Die aus Lettland stammende Aija Ebden sprach ein solidarisches Grußwort und betonte die Verbundenheit beider Staaten und das lettische Streben nach Unabhängigkeit unter der Sowjet-Herrschaft. FDP-Ratsherr Hans Varnhagen überbrachte die Grüße der Stadt Münster.

Hauptredner war Dr. Peter Paziorek (siehe Fotos). Der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Münster a.D., ehem. Staatssekretär und Bundestagsabgeordnete (bis 2007) hat väterlicherseits schlesische und mütterlicherseits westpreußische Wurzeln.

Der CDU-Politiker lobte den kulturellen und politischen Einsatz der Heimatvertriebenen. Er wandte sich gegen Zerrbilder in den Medien, bei denen deutsche Vertriebene als „ewig-gestrig“ verunglimpft würden. Damit werde nicht nur das Engagement des BdV verkannt, sondern auch die Verdienste der einstigen ostdeutschen Provinzen und Persönlichkeiten für Kunst, Wissenschaft, Kultur und Politik.

Der Redner erinnerte u.a. daran, daß Breslau eine Kulturstadt ersten Ranges war; er verwies auf den bahnbrechenden ostpreußischen Chorherrn und Naturwissenschaftler Nikolaus Kopernikus und grundsätzlich auf die Bedeutung ostdeutscher Volksgruppen und Landsmannschaften für die deutsche Identität.

Zugleich würdigte der Christdemokrat den grundsatzfesten und zugleich versöhnungsbereiten Standpunkt deutscher Heimatvertriebenen.

Aus diesem Grunde sei auch das zynische Konzept Stalins nicht aufgegangen; der kommunistische Sowjet-Diktatur hatte damit gerechnet, daß die Ankunft von Millionen Flüchtlingen aus den Ostprovinzen in Deutschland zu Unruhen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen führt, zumal in der unmittelbaren Nachkriegszeit ohnehin Trümmer, Not und Elend herrschten.

Doch die Aufnahme und Integration von ca. 12 Millionen Heimatvertriebenen, die eine Herausforderung ohnegleichen war, ist insgesamt gelungen   –  und Stalins Kalkül, auf dem er gerne sein machtstrategisches Süppchen gekocht hätte, ging gottlob nicht auf.

Dr. Paziorek zitierte aus einer Rede von Dr. Andreas Hermes aus Berlin, einem Zentrums-Mann, Anti-NS-Widerstandskämpfer und CDU-Politiker der ersten Stunde, die er am 22. Juli 1945  –  kurz nach Kriegsende  –  gehalten hat.

Darin spricht der Christdemokrat in bewegenden Worten von der „täglich wachsenden Woge“ deutscher Flüchtlinge, die zumeist „außer dem nackten Leben“ nur wenig Habseligkeiten ihr eigen nennen. Der damalige Redner hoffte, daß ihrer Heimat einst die Freiheit geschenkt werde.

Aus Sicht des CDU-Parlamentariers Paziorek ist es bedauerlich, daß die Millionen Heimatvertriebenen in Politik und Medien zu wenig beachtet würden; auch sie hätten Anspruch darauf, daß ihr Leiden und ihr schmerzlicher Heimatverlust anerkannt würden.

Versöhnung, so der Redner, sei keine Einbahnstraße; vielmehr werde eine Brücke von beiden Ufern her gebaut. Das gelte auch für die deutsch-polnische Verständigung.

Er habe dem deutsch-polnischen Grenzbestätigungs- und Nachbarschafts-Vertrag von 1990 trotz innerer Bedenken aus politischer Überzeugung zugestimmt, zumal es sich hierbei völkerrechtlich betrachtet nicht um einen Gebietsabtretungsabkommen handle, wie Kanzler Helmut Kohl seinerzeit bestätigt habe.

Umso befremdlicher seien, so Dr. Paziorek, die jüngsten Reparationsforderungen aus Polen, verbunden mit dem Vorwurf, wir Deutschen wollten unsere geschichtliche Verantwortung abschieben bzw. verdrängen. Laut Umfragen plädieren 63 % der Befragten in Polen für Reparationsleistungen Deutschland.

Der ehem. Regierungspräsident wies darauf hin, daß sich die Frage der Kriegsreparationen durch den 2-plus-4-Vertrag mit den Siegermächten des 2. WK erledigt habe. Zudem habe Polen im Jahre 1953 in einem Vertrag mit der damaligen „DDR“ ausdrücklich auf Reparationsforderungen gegen Deutschland verzichtet (nicht etwa nur gegenüber der „DDR“ bzw. Sowjetzone).

Zudem erinnerte der Redner daran, daß die Bundesrepublik Deutschland im Falle von Reparations-Streitigkeiten ihrerseits  –  rein grundsätzlich gesehen  –  eine Gegenrechnung aufmachen könnte.

Wichtig sei aber für beide Seiten der Blick nach vorne statt zurück  –  und eine besonnene Politik. Wer absurde Forderungen stelle, der „spielt mit dem Feuer“, kritisierte Dr. Paziorek den jüngsten polnischen Vorstoß. Dies umso mehr, als das deutsch-polnische Verhältnis auch für ganz Mittel- und Osteuropa von großer Bedeutung sei.

Der Festakt im Rathaus war umrankt vom gemeinsamen Gesang der Teilnehmer und Landsmannschaften, darunter das Westpreußenlied, das Pommernlied, das Schlesierlied und das Ostpreußenlied sowie das Lied der Oberschlesier und das Heimatlied der Riesengebirgler (Sudetenland).

Die Feier endete mit der Nationalhymne und dem Gang zum Vertriebenen-Gedenkstein in Münster an der Servati-Straße.